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Full text of "Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich"

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in 2013 







http://archive.org/details/verhandlungender4818zool 



13 ■ 

Yerhandlung^Es library 

der kaiser' .ch-köiiiglichen 

zoologisch - botanischen Gesellschaft 

in Wien. 

Herausgegeben von der Gesellschaft. 

Pledig-irt von Dr Carl Fritseh, 

k. k. a. 0. Universitäts-Professor. 

Jahrgang 1898. 
XLVIII. Band. 

Mit 5 Tafeln und 29 Figuren im Texte. 



Wien, 1898. 

Für das In- und Ausland besorgt durch A. Hölder, k. und k. Hof- und Universitäts-Buchhändlcr. 

Druck von Adolf Holzhansen, 
k. und k. Hof- und Universitäts-Buchdrucker in Wien. 

Adresse der Redaction: Wien, I., Wollzeile 12. 



Ol 



580. G 
V 



üebersiclit der in diesem Bande enthaltenen Sections- 
bericlite nnd geschäftlichen Mittheilungen. 



Seite 

Trauerkundgebung 681 

General -Versammlung am 23. Mai 1898 231 

„ 9. December 1898 682 

Berichte der Section für Botanik ... 14, 99, 171, 289, 346, 409, 673, 685 

„ Kryptogamenkunde . 4, 88, 289, 348, 517, 676, 688 

„ Lepidopterologie . 1, 95, 170, 243, 291, 346, 671, 684 

„ Ornithologie 100, 348 

„ Planktonkunde 2, 87, 167, 345 

Bericht „ „ „ Zoologie 10 

„ über die Ausschuss-Sitzung am 14. December 1897 3 



7328 I 6 



stand der Gesellschaft zu Beginn des Jahres 1899. 



Protector: 

Seine k. und k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog 

Rainer. 
Ehrenmitglieder: 

P. T. Herr Bartsch, Franz, k. k. Ober-Finanzrath. 

„ „ Brauer, Dr. Friedrich, k. k. Uüiversitäts-Professor. 

„ „ Brunner v. Wattenwyl, Dr. Carl, k. k. Hofrath. 

„ Claus, Dr. Carl, k. k. Hofrath. 

„ „ Dohrn, Dr. Anton, Geheimrath. 

„ „ Hauer, Dr. Franz v., k. k. Hofrath. 

„ „ Pelikan Freih. v. Plauenwald, Anton. 

„ „ Wiesner, Dr. Julius, k. k, Hofrath. 



Leitung der Gesellschaft 

im Jahre 1899. 

Präsident: (Gewählt bis Ende 1901.) 
P. T. Herr Dräsche Freiherr v. Wartimberg, Dr. Richard. 

Yicepräsideiiteii : (Gewählt bis Ende 1901.) 

P. T. Herr Marenzeller, Dr. Emil v. 
„ „ Ostermeyer, Dr. Franz. 

Secrefäre: (Gewählt bis Ende 1901.) 

P. T. Herr F ritsch, Dr. Carl. 
„ „ Handlirsch, Anton. 

Recliiiung-sfuhrer: (Gewählt bis Ende 1901.) 
P. T, Herr Kaufmann^ Josef. 



Leitung clor Gesellschaft, 



V 



AusscluissrUtlie:^) 

P. T. Herr Adensamer, Dr. Theodor. (Gewählt bis Ende 1901.) 

„ „ Braun, Heinrich. „ „ 

„ „ Brunner v. Wattenwjl, Dr. Carl. „ „ 

„ „ Brunnthaler, Josef. „ „ 

„ „ Burgerstein, Dr. Alfred. „ „ 

„ „ Fuchs, Theodor. „ „ 

„ Gangibauer, Ludwig. „ „ 

„ „ Grobben, Dr. Carl. „ „ 

„ „ Habich, Otto. „ „ 

„ Haläcsy, Dr. Eugen v. „ „ 

„ „ Hatschek, Dr. Berthold. „ „ 

„ „ Heimerl, Dr. Anton. „ „ 

„ „ Hungerbyehler, Julius Edler v. „ „ 

„ „ Keissler, Dr. Carl R. v. „ „ 

„ „ Krasser, Dr. Fridolin. „ „ 

„ „ Lorenz, Dr. Ludwig v, „ „ 

„ „ Lütke müller, Dr. Johann. „ „ 

„ „ Mayr, Dr. Gustav. „ „ 

„ „ Müllner, M. Ferdinand. „ „ 

„ „ Pelikan v. Plauenwald, Anton. „ „ 

„ „ Pfeiffer, Ferdinand R. v. „ „ 

„ „ Pf urt scheller, Dr. Paul. „ „ 

„ „ Pintner, Dr. Theodor. „ „ 

„ „ Rebel, Dr. Hans. „ „ 

„ „ Rechinger, Dr. Carl. „ „ 

„ „ Spaeth, Dr. Franz. „ „ 

„ „ Sturanj, Dr. Rudolf. „ „ 

„ „ Wilhelm, Dr. Carl. „ „ 
Zahlbruckner, Dr. Alexander, 



Redactious - Comite. ^) 

P. T. Herren: Dr. Carl Fritsch, Anton Handlirsch, Dr. Fr. Krasser, 
Dr. Ludw. V. Lorenz, Dr. Paul Pf urtscheller, Dr. Th. Pintner, Dr, Alex, 
Zahlbruckner, 

Bibliotlieks - Comite. 

P. T. Herren: Josef Brunnthaler und Dr, Alex. Zahlbruckner. 



') Die Obmänner der Sectionen sind im Aussctusse stimmberechtigt. 

^) Die Schriftführer der Sectionen haben Sitz und Stimme im Redactions-Comite. 



VI 



Leitung der Sectioncn. 



Leitung der Sectionen. 

Section für Zoologie. 

Obmann: Herr Dr. Carl Grobben, k. k. Universitäts-Professor. 
Obmann-Stellvertreter: Herr Dr. Theodor Pintner. 
Seliriftführer: Herr Dr. Theodor Adens am er. 

Sectioii für Coleopterologie. 

Obmann: Herr Josef Birnbacher, k. k, Hofrath. 
Obmann-Stellvertreter: Herr Ludwig G an gl bau er, k. k. Gustos. 
Schriftführer: Herr Dr. Franz Spaeth. 

Sectioii für Lepidopterologie. 

Obmann: Herr Dr. Hans Rebel. 
Obmann-Stellvertreter: Herr Otto Hab ich. 
Schriftführer: Herr Dr. Carl Schima. 

Sectioii für Ornithologie. 

Obmann: Herr Dr. Ludwig Lorenz v. Liburnau. 
Obmann-Stellvertreter: Herr Carl Mayerhofer, 

Sectioii für Botanik. 

Obmann: Herr Prof. Dr. Carl Pritsch. 
Obmann-Stellvertreter: Herr Dr. Eugen v. Haläcsy. 
Schriftführer: Herr Dr. Carl R. v. Keissler. 

Section für Kryptogameukunde. 

Obmann: Herr Dr. Alexander Zahlbruckner. 
Obmann-Stellvertreter: Herr Dr. Johann Lütkemüller. 
Schriftführer: Herr Josef Brunnthaler. 

Section für Planktonkunde. 

Obmann: Herr Prof. Dr. Berthold Hatschek. 
Obmann-Stellvertreter: Herr Dr. Ludwig Linsbauer. 
Schriftführer: Herr Dr. Adolf Steuer. 



Kanzlist der Gesellschaft: 

Herr Cornelius Frank, VIII., Lenaugasse 11. 

Gesellschaftslocale : 

Wien, I., Wollzeile 12. — Täglich (mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage) 
3 — 7 Uhr Nachmittags geöffnet. 



VII 



Subventionen. 



Von Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät dem Kaiser Franz Joseph. 
„ Seiner k. u. k. Hoheit dem dnrchl. Herrn Erzherzoge Josef Carl. 
„ Seiner k. u. k. Hoheit dem dm'chl. Herrn Erzherzoge Eainer. 
„ Seiner k. u. k. Hoheit dem hochwürd. durchl. Herrn Erzherzoge 
Eugen. 

„ Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Friedrich. 
„ Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Franz Ferdi- 
nand d'Este. 
„ Seiner Majestät dem Könige von Baiern. 
„ Seiner kgl. Hoheit dem Herrn Herzoge von Cumberland. 
„ dem hohen k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht. 
„ dem löbl. Gemeinderathe der Stadt Wien. 



VIII Ausgescliiedene Mitglieder. 

Ausgeschiedene Mitglieder. 

1. Durch den Tod: 



P. T. Herr F ritsch, Josef. 
„ „ Feuer, Dr. David. 
„ „ Heid mann, Alberik. 
„ „ Kerner, Dr. Anton v. 



P. T. Herr Knau er, Dr. Blasius. 
„ „ Majerszky, Adalbert v. 
„ „ Moll, Bernhard J. 
„ Sohst, C. G. 



2. Durch Austritt; 



P. T. Herr Frank, Dr. Johann. 
„ „ König, Dr. Heinrich. 
„ „ Wich mann, Dr. Heinrich. 



P. T. Herr Wostry, Josef. 
Bischöfliches Knabenseminar in Maria- 
schein. 



3. Wegen Zurückweisung der Einhebung des Jahresbeitrages durch 

Postnachnahme: 



P. T. Herr Stapf, Dr. Otto. 



I P. T. Herr Szy szylowicz, Dr. I. R. v. 



Section für Lepidopterologie. 



Versammlung am 3. December 1897. 

Der Vorsitzende Herr Dr. H. Eebel macht Mittheilung von 
dem Ablauf der Functionsdauer des Vorstandes der Section, worauf 
die bisherigen Functionäre per acclamationem wiedergewählt 
werden. 

Derselbe legt sodann zwei neue literarische Erscheinungen 
mit einem kurzen Referate vor, und zwar den IX. Band der „Memoires 
sur les Lepidopteres" (Romanoff) und Brunner v. Wattenwyl's 
„Die Farbenpracht der Insecten". 

Ferner berichtet der Vorsitzende über neue Fundorte inner- 
halb der Monarchie von: 

1. Ägrotis Molothina Esp. (vgl. diese „Verhandlungen", 1897, 
S. 204), welche (nach einer freundlichen Mittheilung des Herrn Haupt- 
mann Viertl) in Brünn an Apfelschnitten von Dole schall erbeutet 
wurde. Herr Hauptmann Viertl überliess in sehr dankenswerther 
Weise ein Brünner Stück dieser Art der Landessammlung am k. k. 
naturhistorischen Hofmuseum. 

2. Agrotis Nyctimera B. Diese Art wurde vom Apotheker 
Weber in Würbenthai (Altvatergebiet in Oesterr.-Schlesien) in circa 
800m Höhe mehrmals an Licht gefangen. Herr Apotheker Klos, 
dem der Vorsitzende diese Notiz verdankt, schickte ein grosses weib- 
liches Stück zur Bestimmung an das Hofmuseum. Innerhalb der 
Monarchie wurde die Art bisher nur am Stilfserjoch und in Dalma- 
tien gefunden. Würbenthai bezeichnet überhaupt den nördlichsten 
der bisher bekannt gewordenen Fundorte dieser Art. 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 1 



2 



Versammlung der Section für Lepidopterologie am 3. December 1897. 



Herr Dr. C. Schima lässt ein schönes Exemplar der Zygaena 
CarnioUca aberr. Amoena Stgr., welches von ihm unter zahlreichen 
Uebergängen in Mödling bei Wien erbeutet wurde, zur Ansicht 
circuliren. 

Schliesslich setzt Herr Dr. H. Eebel seine Vorträge zur „Ein- 
führung in ein wissenschaftliches Studium der Lepidopteren" fort und 
spricht „lieber die gegenwärtige Eichtung der Systematik". 



1. Bericht der Section für Planktonkunde. 



Versammlung am 11. December 1897. 

Vorsitzender: Herr Dr. Fr. Ostermeyer. 

Nach Eröffnung der Versammlung durch den Herrn Vor- 
sitzenden wurde die Wahl der Functionäre vorgenommen. Es wurden 
gewählt : 

Herr Universitäts-Professor Dr. Berthold Hatschek, Obmann. 
„ Gymnasiallehrer Dr. Ludwig Linsbauer, Obmann-Stell- 
vertreter. 

„ Dr. Adolf Steuer, Schriftführer. 

Hierauf bespricht Herr Dr. Adolf Steuer „Bedeutung und 
Ziele der modernen Planktonforschung". Als sehr empfehlens- 
werthe Werke werden genannt: Carl Apstein, „Das Süsswasser- 
plankton". Kiel und Leipzig, Verlag von Lipsius & Fischer, 1896. 
(Ein Keferat über dieses Werk aus der Eeder J. Brunnthaler's 
findet sich im 10. Hefte, Jahrg. 1896, unserer „Verhandlungen"".) 
Ferner „Untersuchungen über die Fauna der Gewässer 
Böhmens" (Archiv der naturwissenschaftl. Landesdurchforschung 
von Böhmen). Prag. 

Zweck der neugegründeten Section ist zunächst, die Mitglieder 
durch Vorträge und Keferate über die Fortschritte der Süsswasser- 



I 



Versammlung der Sectiou für Planktonkimde am 11. December 1897. 



3 



und marinen Planktonforschung in Kenntniss zu setzen. Weiters 
soll aber auch mit der systematischen Durchforschung unserer 
heimischen Gewässer begonnen werden. Als erstes Arbeitsgebiet 
sind die Altwasser der Donau (zunächst das sog. „alte Donaubett" 
und das „Kaiserwasser"), sowie die Gewässer im k. k. Prater (Heu- 
stadelwasser etc.) in Aussicht genommen und wurde mit dem Studium 
der Flora und Fauna dieser Gewässer von Seite des Herrn Biblio- 
thekars J. Brunnthaler und des Schriftführers bereits vor mehreren 
Monaten begonnen. 

Am 19. December v. J. fand auch die erste gemeinschaft- 
liche Excursion an das alte Donaubett statt, an der eine grosse 
Anzahl von Mitgliedern der Section theilnahm. 



Ausschuss-Sitzung am 14. December 1897. 

(Gemeinsam mit Vertretern des Ornithologischen Vereins.) 

Die Bildung der „Section für Planktonkunde", welche 
sich bereits constituirt und zu Functionären die Herren Prof. Berth. 
Hatschek (Obmann), Dr. L. Linsbauer (Obmann-Stellvertreter) 
und Dr. A. Steuer (Schriftführer) gewählt hat, wird genehmigt. 

Der Präsident des „Ornithologischen Vereines", Herr Bach- 
ofen V. Echt, theilt hierauf mit, dass der ornithologische Verein die 
Absicht hat, sich aufzulösen, beziehungsweise durch Eintritt seiner 
Mitglieder in die zoologisch-botanische Gesellschaft eine ornitho- 
logische Section der Gesellschaft zu gründen. Die damit beab- 
sichtigte Fusionirung des ornithologischen Vereines mit unserer 
Gesellschaft wird vom Ausschusse freudigst begrüsst und unter Fest- 
stellung gewisser Bedingungen genehmigt. Die wichtigsten der ver- 
einbarten Bedingungen sind die folgenden: Die Bibliothek und die 
Sammlungen des ornithologischen Vereins werden Eigeiithum der 

zoologisch-botanischen Gesellschaft. Die Publication der ornitho- 

1* 



4 Ausscbuss-Sitzung am 14. Deceinber 1897. 

logischen Beobachtungen erfolgt unabhängig von den „Verhand- 
lungen" der Gesellschaft durch das Comite für ornithologische 
Beobachtungsstationen mit Hilfe der zu diesem speciellen Zwecke 
bewilligten Subventionen. Die ornithologische Section hält ihre 
Sitzungen im Gesellschaftsiocale ab und publicirt ihre Sitzungs- 
berichte in diesen „Verhandlungen". 

Wie im 10. Hefte dieser „Verhandlungen", 1897, S. VI bereits 
ausgewiesen ist, hat sich die Section für Ornithologie auch schon 
constituirt. 



XL Bericlit der Section für Kryptogamenkunde. 

Versammlung am 21. December 1897. 
Vorsitzender: Herr Dr. Alexander Zahlbruckner. 

Zu Beginn der Sitzung werden die Wahlen der Functionäre 
pro 1898 vorgenommen und über Vorschlag des Herrn H. M. Müller 
die bisherigen Functionäre durch Acclamation wiedergewählt. 

Herr Prof. Dr. G. v. Beck bespricht hierauf die 
Sexuellen Erscheinungen bei den höheren Pilzen. 

Längere Zeit erhielt sich die Ansicht, dass nur den niederen Pilzen, d. h. 
den Phycomyceten, eine geschlechtliche Fortpflanzung zukomme, während den 
höheren Pilzen, den Asco- und Basidiomyceten, der Besitz jeglicher Sexualorgane 
abgesprochen wurde. 

De Bary's Forschungen über den Ursprung der Ascomycetenfruchtkörper 
gaben jedoch den Anlass, auch den Ascomyceten eine sexuelle Fortpflanzung zuzu- 
schreiben, indem das an dem Mycelium der Schlauchpilze entstehende Archicarp, 
aus welchem der Ascusapparat hervorgeht, in vielen Fällen erst nach dem Hinzu- 
treten eines Antheridialzweiges zur Ascusbildung schreitet. Bekräftigt erschien 
dies durch die Thatsache, dass in manchen Fällen auch Copulation der beiden 
Mycelzweige nachgewiesen wurde, wie z. B. bei Eremascus (von Eidam) und 
Dipodascus (von Lage rh ei m) durch unmittelbare Verschmelzung derselben oder 



Versammlung der Sectiou für Kryptogamenkunde am 21. December 1897. 



5 



bei Pyronema (von De Bary und Tulasne) vermittelst einer sogenannten Tricho- 
gyne. Auch bei Sphaerotheca gelang es Harper im Jahre 1896, den Uebertritt 
eines „Spermakernes" aus der Antheridialzclle in die mit derselben fusionirte 
Oogonzelle, sowie dessen Verschmelzung mit dem Kerne der Oogonzelle zu be- 
obachten. Freilich hat dies Dangeard später bestritten. 

Für die Basidiomjceten konnte man trotz eifrigsten Suchens keine Organe 
finden, welche auch nur vermuthungsweise mit der geschlechtlichen Fortpflanzung 
in Beziehung zu stehen schienen, denn hier entstehen die Fruchtkörper direct 
aus der Verzweigung und Verfilzung von Mycelfäden. Da nun auch De Bary's 
Ansicht über die Sexualität der Ascomyceten durch Brefeld 's Untersuchungen 
mächtig erschüttert wurde, so war die Sexualität der höheren Pilze zum mindesten 
zweifelhaft. 

Im Jahre 1894 stellte nun Dangeard in der Zeitschrift „Le Botaniste" 
den Ansichten Brefeld 's die Behauptung entgegen, dass auch die höheren Pilze 
einen Sexualact besitzen, welcher nach den wesentlichen Merkmalen in gar nichts 
von jenem der anderen Pflanzen abweicht. Diese Sexualität begründet sich aber 
durchaus nicht auf die der Entwicklung des Fruchtkörpers aus dem Archespor- 
und Antheridialaste vorangehenden Erscheinungen, sondern in der Verschmelzung 
zweier Zellkerne in jener Zelle, aus welcher unmittelbar die Asci oder Basidien 
erzeugt werden. 

Dangeard wies zuerst bei einer Reihe von Ascomyceten (d.h. bei Arten 
aus den Gattungen Exoascus, Pezisa, Helvella, Geoglossum, Äcetahularia) nach, 
dass die ascogene Zelle stets zwei Zellkerne besitze, welche vor Ausbildung des 
Schlauches zu einem „sexuellen Kern" verschmelzen. Aus letzterem gehen sodann 
so viele Tochterkerne hervor, als Ascussporen gebildet werden. 

Harper hatte das Gleiche bei Sphaerotheca festgestellt, so dass an der 
Allgemeinheit dieser Erscheinung bei den Ascomyceten wohl kaum mehr zu 
zweifeln ist. 

Für die Basidiomyceten wurde dies später dargethan. 

Obwohl schon Rosen es ausgesprochen hatte, dass der in den jungen 
Basidien befindliche Zellkern durch wiederholte Verschmelzung kleinerer, in den 
Hyphen ursprünglich vorhandener Kerne entstehe, war doch erst durch Dangeard 
für die Basidiomyceten der gleiche Sexualact wie bei den Ascomyceten constatirt. 
Derselbe fand nämlich, dass die Basidienzellen allgemein, wie zumeist alle Hyphen- 
zellen der Basidiomyceten, zwei Zellkerne besitzen, dass diese Kerne aber vor 
Bildung der Sporen mit einander zu einem Sexualkerne verschmelzen. Der 
letztere liefert dann durch weitere Theilungen die Kerne der zu bildenden Sporen. 
Dange ard 's Nachweise erstreckten sich auf die Gattungen Tremella, Dacryo- 
myces, Calocera, Craterellus, Nyctalis, Polyporus und erhielten durch Wager 's 
Untersuchungen auch für die Gattung Ägaricus Geltung. 

Weitere Untersuchungen stellten diese Thatsache bei allen Basidiomyceten 
ausser Zweifel. 

Nicht lange darnach gelang es, dasselbe auch bei den Uredineen nach- 
zuweisen. 



6 



Versammlung der Section für Kryptogamenkuride am 21. December 1897. 



Rosen, Dangeard, Sappin-Trouffy , Poirault und Raciborsky 
constatirten im Jahre 1895, dass die Teleutosporen der Uredineen ebenfalls einen 
„sexuellen Kern" besitzen, welcher durch Verschmelzung zweier Kerne entsteht. 
Ferner wies Dangeard nach, dass auch bei den Ustilagineen gleiche Verhältnisse 
obwalten, die namentlich bei der Gattung Entyloma auffällig werden. Dass die 
Fusion der Conidien von Tilletia nicht als Geschlechtsact aufzufassen sei, hatte 
Brefeld schon vorher ausgesprochen. 

Durch diese Untersuchungen war also der Nachweis erbracht, dass bei den 
höheren Pilzen der Bildung von Basidien- und Ascussporen die Verschmelzung 
zweier Kerne zum „sexuellen Kern" als Sexualitätsact vorangehe. Letzterer ist 
somit eine Vorbedingung zur Erzeugung der Hauptfortpflanzungsorgane der 
höheren Pilze, denn erst nach demselben werden entweder exo- oder endogene 
Sporidien (wie bei den Äutohasiäiomycetes und Äscomycetes), oder ein in seiner 
Zellenzahl bestimmtes, Sporidien lieferndes Promycel erzeugt, das ebenfalls exogen 
(bei der Mehrzahl der Uredineae) oder endogen (wie bei den Sirohasidiomycetes, 
Tremellineae und bei der Gattung Coleosporium) aus der den Sexualkern ent- 
haltenden Zelle gebildet wird. 

Es frägt sich nun freilich, ob die Verschmelzung der beiden Kerne zu 
einem einzigen als Sexualact aufzufassen sei. Nach der jetzigen Anschauung über 
den Befruchtungsact bei den höheren Lebewesen steht dieser Auffassung kaum 
etwas entgegen. Es zeigen sich auch keine wesentlich anders gestalteten Ver- 
hältnisse bei dem Sexualacte der anderen Pilze. 

Bei Cystopus und Peronospora wurde durch Wag er, resp. Berlese der 
Uebertritt eines Spermakernes in das Oogonium und dessen Verschmelzung mit 
einem von den vielen Kernen der Eizelle constatirt, also eine Verschmelzung 
ungleichwerthiger Kerne aufgefunden. Bei Sporodinia hat jedoch Leger beob- 
achtet, dass in der Zjgospore alle Kerne bis auf zwei verschwinden und dass 
diese dann vor der Keimung zu einem Sexualkern sich vereinigen. Bei Basidio- 
dolus kennt man die Copulation zweier secundärer Kerne vor der Bildung der 
Zygote. Auch bei den Uredineen sind nun die beiden Zellkerne der Teleuto- 
sporen secundärer Natur und nebstbei verschiedener Abstammung, wie Sappin- 
Trouffy im Jahre 1896 nachwies; auch ist der Sexualkern der Uredineen 
wesentlich anders gestaltet als die Zellkerne der vegetativen Zellen, denn der- 
selbe hat vier, d. h. doppelt soviel Chromosome als die anderen Zellkerne. Da 
man ferner in den vegetativen Pilzzellen derartige Zellkernfusionen nicht be- 
obachtete und die Sexualkerne nur in den zur Hauptfortpflanzung bestimmten 
Zellen entstehen, wird die Bedeutung dieser Kernverschmelzung als Geschlechtsact 
noch erhöht. Die geschlechtliche Fortpflanzung der höheren Pilze, zu welcher 
auch die merkwürdige, durch Spermatien erfolgende Befruchtung des mit einer 
Trichogyne versehenen Carpogons der Lahoulbeniaceae zu zählen ist, kann somit 
als gut begründet angesehen werden, und deren Kenntniss ist heute sogar schon 
viel weiter vorgeschritten als in manchen anderen Gruppen der Kryptogamen, 
bei welchen sexuelle Fortpflanzungsorgane schon lange bekannt sind. 



Versammlung der Section für Kryptogamenkunde am 21. Dccember 1897 



7 



Herr Dr. A. Zahlbruckner erstattet ein 

Referat über die lielienologisclie Literatur. 

Auf Reinke's (1) ideenreiche lichenologische Abhandlungen,^) welche im 
Verein mit Lindau's (2) Studien die hervorragendsten Erscheinungen der jüngst- 
vergangenen Periode bilden, reagirt Fr. E. Clements (3). Dieser Autor will in 
den Flechten keine phylogenetisch abgegrenzte Gruppe sehen, sondern sie, ent- 
sprechend ihrer polyphyletischen Abstammung, in das System der Pilze einreihen. 
Einen Beitrag zum anatomischen Baue der Gallertflechten und Pannariaceen 
liefert 0. Billing (4), der bei einigen Arten dieser Gruppen den Bau der 
Apothecien beschreibt und durch beigefügte Abbildungen illustrirt. Auch die 
Kenntniss des Chemismus der Flechten, welcher in den letzten Jahren von 
Baroni, Forsseil, Hesse, Kobert, Zopf u. A. gründlich studirt wurde, erfährt 
eine Bereicherung durch zwei Arbeiten Hesse 's (5), in welchen theils neue Flechten- 
säuren constatirt, theils die bekannten einer Revision unterzogen werden. Ueber- 
geheud auf das Gebiet der Flechtensystematik wäre zunächst die Beschreibung 
einer neuen Flechtengattung, Jenmania, durch Wächter (6) hervorzuheben. 
Diese Flechte zeichnet sich durch ihren an eine kleine Melanophycee erinnernden 
Habitus und durch ihre Lebensweise im Wasser aus. Verfasser schildert den 
anatomischen Bau dieser Pflanze, bildet die Befunde ab, lässt jedoch ihre Stellung 
im Systeme unentschieden. 0. V. Darbishire (7), mit den Vorarbeiten zu einer 
Monographie der Boccellei beschäftigt, revidirte die dieser Gruppe angehörenden 
Arten im Herb. J. Müller-Arg. (derzeit im Besitze des Herb. Barbey-Boissier 
in Chambesy und als „Fondation Müller-Arg." jedem Lichenologen zugänglich) 
und veröffentlicht die Resultate dieser kritischen Untersuchungen. Verfasser be- 
schreibt hierbei auch eine neue Gattung, Beinkella, welche lirellenförmige Früchte 
besitzt; dadurch wird für die Zugehörigkeit der Boccellei zu den Graphideen 
ein neuer Beweis geliefert. 

Auch in der letzten Periode überwiegt auf dem Gebiete der Lichenologie 
die Zahl der pflanzengeographischen Beiträge die übrigen Arbeiten. So veröfi'ent- 
licht Darbishire (8) die Bestimmungen der Flechten, welche Dr. E. Vanhöffen 
gelegentlich der von der Gesellschaft für Erdkunde in Berlin in den Jahren 
1892 — 1893 unternommenen Grönlandexpedition im Gebiete des ümanakfjords 
gesammelt hat. Die 23 Arten umfassende Liste enthält keine neue Species, doch 
werden diagnostische und pflanzengeographische Notizen eingefügt. Interessant 
ist am Schlüsse der Aufzählung auch die Tabelle, welche einen Vergleich der in 
Grönland und in Deutschland vorkommenden Eichenen gestattet. Hulting (9) 
bringt eine Aufzählung seltener oder für Skandinavien neuer Flechten, einzelne 
davon mit kritischen Bemerkungen. Als neu wird beschrieben Biatorella ochro- 
phora var. tenuicula nov. var. Einen Beitrag zur Flechtenflora von Schlesien 
publicirt Th. Hellwig (10). Die 30. Fortsetzung der Arnold'schen (11) „Licheno- 



1) Die vollständigen Titel der hier besprochenen Publicationen folgen am Schlüsse dieses 
Referates nnter der correspondirenden Zahl. 



8 



Versammlung der Section für Kryptogamenkunde am 21. December 1897. 



logischen Ausflüge in Tirol" enthält ein systematisch geordnetes Verzeichniss der 
in diesen Publicationen enthaltenen Lichenen. Dieser Index gewährt uns erst 
eine rechte Einsicht in die reichen Resultate der 30jährigen Sammelthätigkeit 
Arnold 's in Tirol und ermöglicht eine bequemere Benützung dieser jedem 
Lichenologen unentbehrlichen Schriften. Eine wesentliche Förderung erfährt 
unsere Kenntniss der Flechten Frankreichs. Olivier (12) übergibt den ersten 
Theil einer analytisch und diagnostisch ausgeführten Flechtenflora des westlichen 
und nordwestlichen Frankreichs (Normandie, Bretagne, Anjou, Maine und Vendee) 
der Oeffentlichkeit. Als Einleitung dient an Stelle der sonst üblichen kurzen 
Darstellung der Naturgeschichte der Lichenen eine sorgfältig gearbeitete und gut 
brauchbare (französische) Glossologie aller in der Lichenologie verwendeten Kunst- 
ausdrücke. Dann folgt die eigentliche Behandlung, welche die Strauch-, Blatt- 
und Krustenflechten bis einschliesslich der Lecanoraceae umfasst. Zunächst bietet 
ein Bestimmungsschlüssel Uebersicht über die behandelten Gattungen, bei deren 
Umgrenzung und Nomenclatur Verfasser sich im Allgemeinen an Th. Fries an- 
lehnt. Ausnahmen bilden Cladonia, welche in Cladonia, Cladina und Pycno- 
thelia zerlegt wird, ferner bleiben aufrecht erhalten die Gattungen Parmeliopsis, 
Placodium (= AmpJiiloma Kbr.) und Squamaria. Caloplaca wird richtig an 
Stelle von Callopisma gesetzt, dagegen der unhaltbare Gattungsname Urceolaria^) 
neuerdings in Anwendung gebracht. Nach den Diagnosen der einzelnen Gattungen 
folgen die Bestimmungsschlüssel der Arten, dann die einzelnen Species mit ihren 
Literaturcitaten, Synonymen, Angabe der Exsiccatennummern, Diagnosen und die 
Angabe der Varietäten, resp. Formen. Die Begrenzung der Arten ist enger als 
bei Th. Fries, sie schliesst sich innerhalb einzelner Gattungen (so z. B. Parmelia) 
eng anNylanderan und entspricht im Allgemeinen den modernen Anschauungen. 
Ein Index schliesst den ersten Theil dieses Werkes, welches Jedermann gute Dienste 
leisten wird. Störend wirken nur die zahlreichen Druckfehler (so: myllohyphes, 
Schraerer, Kbrg., eccressens und viele andere). Wir hoffen auf ein baldiges 
Erscheinen des zweiten Heftes und auf eine liebevollere Behandlung der Correctur- 
bögen. Harmand (13) veröfi'entlicht den dritten Theil seiner Flechtenflora 
Lothringens. Dieses Werk, ebenfalls analytisch und diagnostisch ausgearbeitet, 
schliesst sich in Bezug auf System und Nomenclatur enge den Nyl an der 'sehen 
Auslassungen an. Behandelt werden im vorliegenden Hefte die Usneaceen bis 
Gyrophoreen. Die Bearbeitung ist eine sorgfältige, namentlich ist die Behandlung 
der Varietäten und Formen polymorpher Arten sehr ausführlich. Von den bei- 
gelegten Tafeln sind diejenigen, welche Analysen darstellen, sehr erwünscht, 
dagegen haben die Habitusbilder als Photographien, wie dies nicht anders 
möglich, nur relativen Werth. lieber die Flechtenflora Nordamerikas berichten 
zwei Publicationen. Hasse (14) bringt die Diagnosen 18 neuer Flechtenarten 
aus Californien, die von Dr. W. Nylander und f Di"- E. Stizenberger als neu 



1) Vgl. diesbezüglich: A. Zahlbruckner, 0. Knntze's „Revisio generum plantarum" mit 
Bezug auf einige Flechtengattungen („Hedwigia", Bd. XXXI, 1892, p. 34—38) und C. Fritsch, Nomen- 
clatorische Bemerkungen, VII (Oesterr. botan. Zeitschr., 1894, S. 286—288). 



Veisuiiiuiluug der Scctiou für KryptogauicnkuiKlc am 21. DeceiuLer 18'J7. 



9 



erkannt und benannt wurden. Die Diagnosen sind in englischer Sprache verfasst 
und oft sehr kurz. Auch fehlt häufig die Angabe der Verwandtschaft der neuen 
Art, was innerhalb grosser Gattungen (z. B. Lecanora, Verrucaria) immer mi.ss- 
lich ist. Harvej und K night (15) veröffentlichen eine Aufzählung von Zell- 
kryptogamen aus der Umgebung von Jackmann im Staate Maine, darunter 26 
bekannte und in Nordamerika zumeist häufige Flechten. 

Um das Bild der lichenologischen Leistungen des letzten Semesters zu 
ergänzen, ist es noch nöthig, auf die in dieser Periode zur Ausgabe gelangten 
Exsiccatenwerke hinzuweisen. Es sind dies die „Lichenes exsiccati" (16) und 
die „Lichenes Monacenses" (17) von Arnold und die von Harmand (18) 
herausgegebenen Flechten Lothringens. 

■* * * 

1. Reinke, J. Abhandlungen über Flechten. (Fringsh., Jahrbuch für wiss. 

Botanik, Bd. XXVI, 1894, S. 495—542; Bd. XXVIII, 1895, S. 39—150, 
359-486; Bd. XXIX, 1896, S. 171—236.) 

2. Lindau, G. Lichenologische Untersuchungen. Heft I : Ueber Wachsthum und 

Anheftungsweise der Rindenflechten. Dresden, C. Heinrich, 1895. 4°. 
V + 66 S., 3 Taf. 

8. Clements, Fr. E. The poljphyletic Disposition of Lichens. (Americ. Naturalist, 
Vol. XXXI, 1897, p. 277-284.) 

4. Billing, 0. Untersuchungen über den Bau der Frucht bei den Gallert- 

flechten und Pannariaceen. Inaug.-Dissert. Kiel, Schmidt & Klaunig, 
1897. 8°. 38 S. 

5. Hesse, 0. Ueber Flechtenstoffe. (Berichte der Deutschen chemischen Gesellsch., 

Bd. XXX, 1897, S. 357 und 1983—1989.) 

6. Wächter, W. Jenmania Goebelii, eine neue Flechtengattung. (Flora, Bd. 84, 

1897, S. 349-351.) 

7. Darbishire, 0. V. Revision der Arten der Roccellei im Flechtenherbar des 

t Dr. J. Müller-Argo viensis. (Bull. Herb. Boissier, Bd. V, 1897, 
p. 762—767.) 

8. — Botanische Ergebnisse der von der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin 

unter der Leitung Drygalski's ausgesandten Grönland-Expedition, 
nach Vanhöffen sehen Sammlungen bearbeitet. A. Kryptogamen. 
(Bibliotheca botanica, 1897, Heft 42. 4°. VII + 75S., 1 Taf.) 

9. Hulting, J. Eichenes nonnulli Scandinaviae. III. (Botaniska Notiser, 1897, 

p. 215—218.) 

10. Hellwig, Th, Die Flechten der Umgebung von Grünberg in Schlesien 

(Allgem. botan. Zeitschr., 1897, S. 123-124, 143—144, 175—176.) 

11. Arnold, F. Lichenologische Ausflüge in Tirol. XXX. (Verhandl, der k. k. 

zool.-botan. Gesellsch. in Wien, Bd. XLVII, 1897, S. 353—395.) 

12. Olivier, H. Expose systematique et descriptions des Lichens de l'Ouest et 

du Nord-ouest de la France (Normandie, Bretagne, Anjou, Maine, 
Vendee). I. Bazocher-au-Houlme et Paris, 1897. 8». XXXIV 4- 352 S. 

Z. B. Ges. Bd. XLYIII. 2 



10 



Versammlung der Section für Kryptogamenkunde am 21. December 1897. 



13. Harm and, J. Catalogue descriptif des Lichens observes dans la Lorraine 

avec des tables et des figures. (Sep.-Abdr. aus Bull. Soc. scienc. nat. 
Nancy. Livr. 3. 1897. 8«, p. 167— 246, 4 Tab.) 

14. Hasse, H. E. New Speeles of Lichens from Southern California as determined 

by Dr. W. Nylander and the late Dr. E. Stizenberger. (Bull. 
Torrey Botan. Club, Vol. XXIV, 1897, p. 445—449.) 

15. Harvey, F. L. and Knight, 0. W. Cryptogams, coUected near Jackmann, 

Maine, August 1895. (Bull. Torrey Botan. Club, Vol. XXIV, 1897, 
p. 340-342.) 

16. Arnold, F. Eichenes exsiccati Nr. 1719—1742 und Nachträge. München, 

1897. — Die Liste der ausgegebenen Arten wurde vom Referenten 
im Botan. Centralbl., Bd. 72, Nr. 11, 1897, S. 362 publicirt. 

17. — Eichenes Monacenses exsiccati Nr. 462 — 493. München, 1897. — Die 

Liste der ausgegebenen Arten siehe a. o. a. 0., S. 362—363. 

18. Harm and, J. Eichenes in Eotharingia aj. Harmand, dioecesis nanciensis 

presbyterio, ad gloriam Dei, naturae conditoris sapientissimi, studiose 
observati atque adjuvante et saepius dirigente A. Hue, in sacer- 
dotio fratre amicissimo recogniti et juxta proprias species distributi. 
Fase. XII, 1897. 

lieber die Numerirung dieses Exsiccatenwerkes vergl. Botan. 
Centralbl., Bd. 69, 1897, S. 320, und die Liste der Arten des vorliegenden 
Fascikels a. a. 0., Bd. 72, 1897, S. 420. 

Herr Dr. C. v. Keissler demonstrirt schliesslich einige Pilze 
aus Niederösterreich: Ustilago Lmulae Sacc. auf Lmula alhida 
DC, Blindenmarkt (neu für das Kronland); Exidia plicata KL, 
Hadersdorf bei Wien; Ciavaria cristata (Holms.), Hadersdorf bei 
Wien; Claviceps microcephala Tul. Anthoxanthum odoratum L., 
Sausenstein, und auf Molinia coerulea Much., Blindenmarkt (neu 
für das Kronland); Bulgaria polymorpha FL Dan., Blindenmarkt. 



Section für Zoologie. 

Versammlung am 14. Jänner 1898. 

Vorsitzender: Herr Prof. Dr. C. Grobben. 

Herr Dr. J. Fl. Babor aus Prag hält einen Vortrag unter dem 
Titel: „Ein Beitrag zur Geschlechtsmetamorphose." (Siehe 
Abhandlung in Heft 2.) 



^^^M Versainmluug der Section für Zoologie am 14. Jauuer 1898. 11 

Herr Dr. Franz AVerner spricht hierauf „lieber Brutpflege 
bei Amphibien". 

Der Vortragende erwähnte zuerst, dass Amphibien, die ihrer Nachkommen- 
schaft eine besondere Fürsorge angedeihen lassen, schon lange bekannt sind, wie 
z. B. die von Frl. Sibylle v. Meriam entdeckte Pipa americana (seit 1705), 
und dass mit Ausnahme der westeuropäischen Geburtshelferkröte (Älytes öhstetri- 
cans) und . des BhacopJiorus reticulatus von Ceylon alle Arten im wärmeren 
Amerika vorkommen. Man kann Brutpflege des 9 und des unterscheiden. 
Das 9 übt dieselbe aus bei Pijm americana Laur., den Nototrema- Arten, bei 
Hi/la goeldii und Bhacophorus reticulatus'^), das dagegen bei Phyllohates 
trinitatis, Ähjtes ohstetricans und Ehinoderma Darivinii. Unbekannt ist das 
Geschlecht des brutpflegenden Thieres bei den Dendrohates- Arten (wahrscheinlich 
aber das cT). 

Bei Pipa streicht sich das 9 "«'^ch erfolgter Befruchtung der Eier diese 
mit Hilfe einer aus der Cloake gebildeten Legeröhre (wie von Bartlett im 
zoologischen Garten der Zool. Soc. Linn, beobachtet wurde) auf den warzigen 
Rücken, worauf eine Wucherung der Haut um die einzelnen Eier entsteht, so 
dass sie schliesslich einzeln in Alveolen oder Waben eingeschlossen sind, welche 
durch einen hornartigen Deckel geschlossen sind. Nach Mayer, Klinkow- 
ström u. A. sind diese Waben durch faltenartige Ausstülpungen der Rücken- 
haut entstanden, nach Leydig aber nichts anderes als die enorm entwickelten 
Hautdrüsen des Rückens, wofür er auch als Beweis anführt, dass in die Waben 
keine Drüsenausführungsgänge einmünden; den seiner Beschafi'enheit und Ent- 
stehung nach räthselhaften Deckel betrachtet Leydig als erhärteten Secret- 
pfropf auf der Drüsenöffnung. Die 60 — 70 völlig entwickelten Jungen sprengen 
schliesslich den Deckel ihrer Zelle auf und verlassen nach 82 Tagen die Mutter, 
welche die Ueberreste der Haut an Steinen oder Pflanzen abreiben und eine neue 
Haut bekommen soll. 

Bei Hyla goeldii (Brasilien, Theresopolis, Colonia Alpina) findet sich eine 
longitudinale Hautfalte auf jeder Seite des Körpers (wohl eine verstärkte Aus- 
bildung derjenigen, welche bei vielen Fröschen und auch speciell Hyla-Arten 
mehr weniger deutlich erkennbar ist und vom Hinterrande des Auges über das 
Trommelfell und an der Seite des Körpers bis über die Inguinalgegend fortzieht), 
zwischen diesen beiden Hautfalten trägt das 9 die Eier auf dem Rücken herum, 
bis sie zu Kaulquappen entwickelt und zur freien Bewegung im Wasser fähig 
sind, welches dann vom 9 zur Abgabe der Kaulquappen aufgesucht wird. 

Denkt man sich die beiden Hautfalten so verlängert und auf dem Rücken 
einander genähert, bis sie ihrer ganzen Länge nach bis auf einen kleinen Schlitz 
am Hinterende zu einem Brutbeutel verwachsen, so erhält man jenen Fall, der 
bei den Nototrema -Arten thatsächlich vorkommt, welche sich von den Laub- 
fröschen der Gattung Hyla nur durch den Brutsack des 9 unterscheiden. Die in 

>) Nester bauen Rhacophorn<i Schle.gdii (Ja^an), Chiromantis ruf escenn {West- AMVa), Phyllo- 
mediMa Iheringii (Brasilien). 

2* 



12 



Versammhmg der Section für Zoologie am 14. Jänner 1898. 



diesem Brutsack sich entwickelnden Eier sind sehr gross (bis 1cm im Durch- 
messer), in geringer Zahl (15—16) vorhanden und verbringen bei N. ovifemm, 
testudineum und fissipes die ganze Larvenmetamorphose im Brutsacke. Bekannt 
sind die Beobachtungen Weinland's über die Larven von Nototrema oviferum, 
dessen Entwicklung dadurch die bestbekannte unter allen Nototrema -Arten ge- 
worden ist. Die Larven besitzen colossale Dottermassen im Darme und im Nacken 
zwei faltige Hautscheiben, welche sich im Wasser zu Windenblüthen-ähnlichen 
Glocken ausbreiten, deren jede durch einen Strang hinter einem Kiemendeckel 
mit einem der beiden vorderen Kiemenbögen in Verbindung steht, während der 
dritte Kiemenbögen Kiemenblättchen trägt. Jeder Strang enthält eine Arterie 
und eine Vene, die sich in der Glocke zu einem dichten Gefässnetz verzweigen, 
wodurch die Function dieser Glocken als Allantois ausser Zweifel steht. Bei dem 
vom Vortragenden vorgezeigten Beutelfrosche aus Ecuador (N. marsupiatum) 
und bei N. plumheum setzt die Mutter die Kaulquappen ins Wasser ab. Bei dem 
kleinen Nototrema pygmaeum Boettger ans Puerto Cabella, Venezuela, dessen 
Bruttaschenöffnung sehr klein nnd spaltförmig ist, reisst die Tasche, wenn die 
Entwicklung der 4—7 Jungen vollendet ist, durch den Druck und die Bewegungen 
derselben in der Mittellinie des Eückens auseinander, und zwar von dem hinteren 
Schlitz aus nach vorne. Dieser Schlitz ist ja die einzige Stelle, an welcher die 
beiden ursprünglichen Hautfalten (wie wir sie bei Hijla goeldii noch in der 
ersten Entwicklung antreffen) nicht verwachsen sind, und eine feine Längsfalte, 
die sich von diesem Schlitz nach vorne zieht, und die nach Boettger den Ein- 
druck macht, als wenn man ein Blatt Papier zu einem Doppelblatt recht scharf 
gefaltet und geknickt hat, ist die Verwachsungslinie dieser beiden Hautfalten, in 
welcher die Bruttasche aufreisst. N. pygmaeiim scheint also ein Zwischenstadium 
zwischen Hyla goeldii und den übrigen Nototrema -Arten vorzustellen. Wahr- 
scheinlich schliesst sich der Brutsack nicht wieder, sondern es dorren die beiden 
Hautlappen ab und bilden sich vor der nächsten Brutperiode vielleicht neu. 
Wenn dies der Fall ist, so dürften wohl die Eier vor der Bildung der Tasche, 
bezw. vor der Verwachsung der Hautränder auf den Rücken gebracht werden, 
wodurch die Frage nach der Art, und Weise, wie das die grossen Eier durch 
den engen Spalt der Tasche bringt, wegfällt. Vielleicht bildet sich aber dieser 
Brutsack überhaupt nur einmal und der Boden desselben bildet nach der Re- 
sorption der beiden Hautfalten die definitive Haut. 

Bhacophorus reticulatus, der eiertragende Ruderfrosch, trägt im weiblichen 
Geschlecht die 20 Eier fest aneinandergeklebt, am Bauche angeheftet, ähnlich 
wie der Geisselscorpion (Phrynichus ceylonicus) ebendaselbst. Nach dem Aus- 
schlüpfen bleiben zellige Hohlräume in der Bauchhaut zurück. 

Es scheinen nach dem Vorangegangenen wohl allgemein die Bruteinrich- 
tungen der 9 durch Paltenbildungen der Haut zu Stande zu kommen, wenn auch 
die Intensität derselben und die dadurch bewirkten Einrichtungen sehr ver- 
schieden aussehen. 

Bei Phyllohates trinitates trägt das cT bei Wassermangel seine Kaulquappen, 
welche sich mit ihrem Saugmund an seinem Rücken anheften, zum nächsten 



Versammlung der Section für Zoologie am 14. Jilnner 1898. 



13 



grösseren Gewässer. Dasselbe thut nach Klunziuger und Kappler Dendro- 
batcs trii'ittatus und nach H. S. Smith D. hraccatiis, doch ist bei diesen beiden 
Arten das Geschlecht des fürsorglichen Thieres nicht bekannt, wird aber nach 
dem ganz ähnlichen Verhalten von Phyllohates wohl auch das cT sein. 

Ein ganz merkwürdiges Verhalten zeigt der chilenische Frosch Rhinoderma 
Darwinii DB., bei welcher Art das seine Eier und Kaulquappen in dem enorm 
erweiterten Kehlsack (Schallblase) herumträgt. Man hielt von Gay (1835) an 
lange Zeit diesen Frosch für das 9 und dieses daher lebendiggebärend, bis 
Jiraenez de la Espa da 1872 nachwies, dass das die Kaulquappen herum- 
trägt. Dieser dünnhäutige Brutsack erstreckt sich auf der Bauchseite fast bis 
ans Hinterende des Körpers. Durch die „Trächtigkeit" des ^ werden die Einge- 
weide in der Weise afficirt, dass sie einer starken Schrumpfung unterliegen und 
einen sehr kleinen Raum einnehmen. Die Eier müssen jedenfalls durch die beiden 
Oeffnungen der Schallblase (auf jeder Seite der Zunge) eintreten, wie es aber der 
kleine Frosch anfängt, die Eier bei diesen schmalen Spalten hineinzubringen, 
ohne sie zu verschlucken, ist einstweilen ein Räthsel. 

Das bekannteste Beispiel männlicher Brutpflege bei Amphibien bildet Alytes 
obstetricans, die Geburtshelferkröte, der einzige europäische brutpflegende Frosch- 
lurch. Dieser in Frankreich, der Schweiz und Westdeutschland stellenweise häufige 
Frosch aus der Familie der Scheibenzüngler (Discoglossidae) ist dadurch bekannt, 
dass das die aus der Cloake des 9 austretende Laichschnur mit den Hinter- 
zehen erfasst, herauszieht, befruchtet und in achterförmigen Schlingen um seine 
Hinterbeine wickelt. Es gräbt sich hierauf nach einigen Beobachtern in die Erde 
ein, schweift aber nach anderen trotz seiner Eierlast umher, diese durch An- 
streifen ans thaunasse Gras befeuchtend, geht aber, wenn die Kaulquappen sich 
entwickelt haben, ins Wasser, worauf diese sehr schnell die Eihüllen verlassen 
und sich fortan bis zur beendeten Verwandlung im Wasser aufhalten. Beobachtungen 
über die Brutpflege dieser Art haben Brongniart, Agassi z, Tschudi und 
namentlich De l lsle angestellt. 

Es ist merkwürdig, dass bei den doch höherstehenden und den fast durch- 
wegs brutpflegenden Vögeln näherstehenden Reptilien Fälle von wirklicher Brut- 
pflege, welche sich über das Graben von Höhlen für Aufnahme der Eier (Schild- 
kröten, Phrynosoma u, s. w.) hinaus erstreckt, selten sind und eigentlich nur von 
Krokodilen (madagassisches Krokodil nach Voeltzkow) und Pjthonen bekannt 
sind. Die Bebrütung der Eier hei Python wird aber von v. Tommasini neuer- 
dings bezweifelt und nicht mit Unrecht darauf hingewiesen, dass möglicher Weise 
die unter den Eiern befindliche Heizungsanlage, nicht aber erstere selbst die 
Ursache sind, warum sich diese Riesenschlangen um diese herumwickeln. Aus 
dem Freileben sind mir Mittheilungen über brütende Riesenschlangen nicht be- 
kannt geworden! 

Merkwürdig ist auch, dass die bei weitem grösste Zahl brutpflegender 
Amphibien das wärmere Amerika bewohnt; es müssen hier ebenso gleiche klima- 
tische oder andere für das Gebiet charakteristische Verhältnisse vorliegen, wie 
für den Umstand, dass nur Amerika roth und schwarz geringelte Schlangen 



14 



Versammlung der Section für Zoologie am 14. Jänner 1898. 



(Elaps, Ilysia, Coronella, Hydrops, Cemophora, Simophis, Urotheca, Erytliro- 
lamprus, Scolecophis, Oxyrhopus) und nur Ostasien, speciell namentlich die 
inalayische Halbinsel und der malayische Archipel, fliegende Eidechsen und 
Frösche beherbergt. 

Leichter zugängliche Literatur über Brutpflege enthalten: 

Brehm's Thierleben, Bd. VII, 1892, S. 682, 684, 685, 720, 731, 737. 

Boettger, Zool. Garten, 1893, 34. Jahrg., S. 130. 

Boulenger, Proc. Zool. Soc. London, 1894. 

Bedriaga, Lurchfauna Europas, I, S. 353. 

Leydig, Zool. Anzeiger, 1896, S. 49 (XIX, Nr. 495). 

Spengel, Zeitschr. für wiss. Zool, 1897, Bd. 29, S. 495. 



XIV. Bericht der Section für Botanik. 



Versammlung am 21. Jänner 1898. 
Vorsitzender: Herr Dr. E. v. Haläcsy. 

Als Erster hält Herr Dr. E. v. Haläcsy einen längeren Vor- 
trag „lieber griechische Verhasca^', dessen Inhalt in der aus- 
führlichen Arbeit nachzusehen ist, welche in diesen „Verhandlungen", 
Heft 2, publicirt werden wird. 

Hierauf spricht Herr Prof. C. Fritsch: „lieber Bhinanthus 
montan US Saut er." (Eine Abhandlung hierüber folgt später.) 

Herr J. Dörfler legt eine Serie von zum grossen Theile 
neuen Pflanzenarten vor, die er selbst im Sommer des Jahres 1893 
in Central-Macedonien gesammelt^), und zwar: 

Alyssum Dörfleri Deg., Campanula Formänekiana Deg. et Dörfl., Centaurea 
Wettsteinii Deg. et Dörfl., Fritillaria Graeca Bss. var. Gussichiae Deg. et Dörfl., 
Galium Kerneri Deg. et Dörfl., Onohrychis Degeni Dörfl., Saxifraga Grisehachii 
Deg. et Dörfl., Viola Allchariensis G. Beck, Viola arseniea G. Beck, Viola Ha- 
läcsyana (= V. Allchariensis X arseniea) Deg. et Dörfl.), Viola Doerßeri Degen. 



Vgl. Degen und Dörfler, „Beitrag zur Flora Albaniens und Macedoniens** in Denkschr. 
der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, mathem.-naturw, Classe, Bd. LXIV, 1897. Mit vier Tafeln. 



Versammlung der Section für Botanik am 21. Jänner 1898. 



15 



— Achillea holosericea S. S., Alkanna nonneiformis Griseb., Alkanna Scardica 
Griseb., Cineraria Grisebachii Deg. et Dörä., Gymnadenia Frivaldsskyana Hmpe., 
Hypericum Bumeliciim Friv., Lilium Älhanicum Griseb., Ramonda Nathaliae 
Panc., Salvia ringens S. S. und Stachys Iva Griseb. 

Ferner brachte Herr Dörfler eine Eeihe besonders seltener 
und interessanter Pflanzen aus den Vorräthen der Wiener 
botanischen Tauschanstalt zur Vorlage, nämlich: 

Aus dem Ural: Anemone Uralensis DC, Dianthus acicularis Fisch, und 
Fubus ImmuUfoUus C. A. May. 

Aus Spitzbergen: Braya glahella Rieh., Carex ursina Dew., Catahrosa 
concinna Th. Fr., Draba arctica Vahl, Dupontia Fischeri R. Br., Dupontia 
psüosantha Rupr., Eiitrema Edicardsii R. Br., Glyceria Kjellmani Lge., Pedi- 
cularis lanata W., Poa ahhreviata R. Br., Ranunculus Pallasii Schlecht, var. 
Spetsbergensis Nath. und Saxifraga flagellaris W. 

Sodann legt Herr C. Konniger einige botanische Merkwürdig- 
keiten, bezw. bemerkenswerthe Vorkommnisse vor, und zwar: 

Thlaspi Goesingense Hai. f. apetala, welche in einem einzigen Stocke auf 
dem Gösing bei Ternitz (Niederösterreich) unter normalen Pflanzen beob- 
achtet wurde. Der Habitus ist infolge des grünlichen Blüthenstandes ein 
recht fremdartiger. Die Blumenblätter fehlen vollständig, die übrigen 
Organe der Blüthe sind jedoch ganz normal entwickelt. 

Gentiana CarpathicaWettfit. von einem neuen Standorte in Krain (Wiesen 
am Ufer des Weissenfelser Sees, spärlich). Dieselbe fand sich unter dem 
von J. Dörfler gelegentlich seines Sommeraufenthaltes in Tarvis aufge- 
sammelten Mater iale von Endotricha-Gentidnen. Bisher war laut Wett- 
stein's Monographie nur ein Standort (Feistritz in der Wochein) aus 
Krain bekannt; durch die Auffindung eines zweiten Standortes 
gewinnt die Vermuthung an Wahrscheinlichkeit, dass thatsächlich ein 
inselartiges Verbreitungsgebiet der Gentiana Carpathica an den Quell- 
thälern der Save in Oberkrain existirt. 

Linaria alpina L. f. rosea. Blüthenfarbe ein leuchtendes Rosenroth bei 
Vorhandensein der wie bei der normalen Pflanze orangegelben Makeln, 
In einem Stocke auf der Raxalpe, am Aufstiege über den Gamsecksteig 
(Steiermark) gefunden. 

Primula Pannonica Kern, in einer auffallenden Fasciation. Der Blüthen- 
schaft der Pflanze stellt eine 1 cm dicke, cylindrische Röhre vor, deren 
oberer Saum mit nicht weniger als 153 Blüthen besetzt ist, von denen ein 
Theil sogar in den Hohlraum hineinhängt. Auf einer Wiese bei Kirchberg 
am Wechsel (Niederösterreich), leg. Wo st ry. 



16 



Versammlung der Section für Botanik am 21. Jänner 1898. 



Epipactis rubiginosa (Cr.) in eiuem Exemplare, dessen Blüthenstand von 
der Mitte an in zwei Aeste gespalten ist, von denen jeder allseits mit 
Blüthen reichlich besetzt ist. Diese f. monstr. furcata stammt vom Natter- 
riegel bei Admont. 

Aspidium filix mas Sw, f. monstr. erosa Doli, mit mehrfach gegabelten 
Primärfiedern vom Stuhleck in Steiermark. 

Asplenium fissum Kit. f. furcata. Ein Wedel von der Mitte der Spreite 
an gegabelt. Diese Erscheinung wurde für diese Art noch nicht nach- 
gewiesen. Traunstein bei Gmunden, 

Äthyrium filix femina Eth. f. furcata. Stuhleck in Steiermark. 

Pteridium aquilinum (L.) f. furcata. Kaltenbachgraben bei S.pital am 
Semmering. 

Zum Schlüsse spricht Herr Dr. C. v. Keissler^ unter Vor- 
weisung des betreffenden Objectes, 

Ueber das Auftreten von yivii}arie hei Calamagrostis 
arundinacea Roth. 

Im Sommer des vergangenen Jahres fand ich in der Nähe von Amstetteri 
in Niederösterreich ein Exemplar von Calamagrostis arundinacea Roth, welches 
deutlich die Erscheinung der Viviparie (Ausbildung von Ablegern statt Blüthen 
in der Blüthenregion) zeigte. Aus fast sämmtlichen Blüthen desselben wuchsen 
Ableger heraus, welche in dem Stadium, in dem ich die Pflanze sammelte, eine 
Länge von durchschnittlich 3 5 cm hatten und gewöhnlich schon zwei Blätter 
trugen (die Blattscheiden des unteren Blattes massen ca. 1'5 — 2 cm). 

So weit mir bekannt ist, wurde Viviparie bisher bei der Gattung Calama- 
grostis nur bei einer Art, nämlich C. varia, für das südliche Frankreich coustatirt. 
Eine Mittheilung hierüber befindet sich in einer Arbeit von Boullu, betitelt: 
Note Sur des Graminees vivipares (Ann. de la Soc. botan. de Lyon, 1876) (vgl. 
auch Penzig, Pflanzenteratologie, Bd. II, S. 466). 

In letzter Zeit hat Murr in einer Abhandlung „lieber Blendlinge und 
lebend gebärende Formen der heimischen Gramineen" (Deutsche botan. Monats- 
schrift, 1897, S. 139 ff.) unter Anderem auch eine Aufzählung derjenigen Gramineen 
Mitteleuropas gegeben, bei denen bisher Viviparie beobachtet wurde. Hier ist die 
Gattung Calamagrostis nicht genannt; es scheint also, dass dieselbe in Mittel- 
europa noch nicht mit viviparen Blüthenständen angetroffen wurde. 



Zweiter Beitrag zur Pilzflora von Böhmen und Nordiuähren. 



17 



Zweiter Beitrag zur Pilzflora von Bölimen') und 
Nordmäliren^). 

Von 

Prof. Franz Bubiik 

in Hohenstadt (Mähren). 
(Eingelaufen am 2. December 1897.) 

I. Böhmen. 

Obzwar ich heuer nur eine sehr kurze Zeit in Böhmen verweilte, so kann 
ich doch eine Eeihe von parasitischen Pilzen auiführen, von denen ich besonders 
folgende interessantere Arten hervorhebe : Cystopiis Lepigoni, Ustilago Jiypodytes 
auf Stipa capülata, Ustilago Ischaemi, Puccinia Bupleuri falcati, P. Sesleriae, 
Stipae, Cesatii, annularis, Phragmidium albidiim. Einige Arten bekam ich 
auch von Herrn Med. Dr. Mühlbach in Chotebof (M.)!, dem ich hier dafür 
bestens danke. 

Neue Arten, die in meinem vorjährigen Verzeichnisse nicht enthalten sind, 
bezeichnete ich mit einem Sternchen (*). 

* 1. Cystopiis Lepigoni De Bary. Auf Spergularia salina: Bei PüUna nächst 

Brüx. 

*2. C. Bliti (Biv.-Bern.) Lev. Amarantiis retroßexus: Eadotin und Kuchelbad 
bei Prag. 

3. Plasmopara pusilla (De Bary) Schroet. Geranium pratense: Böhmisch- 
Trübau. 

* 4. Ustilago hypodytes (Schlecht.) Wint. Stipa capillata: Auf dem Gipfel des 

Kuchelbader Berges bei Prag (18./IX. 1897). 

* 5. U. Ischaemi Fuckel. Eadotin und Kuchelbad bei Prag auf Ändropogon 

ischaemum. 

6. Uromyces Fabae (Pers.) De Bary. Vicia sepium: Ziegenberg bei Wesseln 

nördlich von Aussig. 

7. U. Silenes (Schlecht.) Fuckel. Silene nutans: Eadotin bei Prag. 

8. U. striatus Schroet. Lotus tenuifolius: Zwischen Seidowitz und Pocerad. 
Medicago falcata, lupulina: Kosor bei Prag. 

* 9. U. Genistae tinctoriae (Pers.) DC. Kuchelbader Berg auf Cytisus Lahurnum. 
10. U. Rumicis (Schum.) Wint. Bumex maximus: Bei Hertine im Bielathale. 

*11. Puccinia Thesii (Desv.) Chaill. Thesium linophyllum: Loretto bei Jicin. 



») Siehe diese „Verhandlungen", Bd. XLVII, 1897, Haft 4, S. 225. 
^) Siehe Oesterr. botan. Zeitschr., Jahrg. 1897, Nr. 1. 
Z. B. Ges. Bd. XL VIII. 



3 



18 



Franz Bubäk. 



12. P. ohtusa Schroet. Kosof und Kuchelbad bei Prag auf Salvia verticillata. 

* 13. P. Crepidis Schroet. Im Dorfe Wesseln nördlich von Aussig auf Crepis 

tectorum. 

* 14. P. Bupleuri falcati (DC.) Wint. Kosof und Kuchelbad bei Prag auf 

Bupleurum falcatum. 

15. P. Violae (Schum.) DC. Viola collina, hirta, silvestris: Kuchelbad bei 

Prag. Viola hirta: Kosof bei Prag. 

16. P. graminis Pers. Berheris vulgaris, I: Kosof bei Prag; II, III: Chotebof 

auf Triticum repens (M.)! 

17. P. coronata Corda. Frangula alnus, I: In Wäldern bei Mukafov nächst 

Prag; Aecidien gleichmässig über die Blattfläche vertheilt, so dass diese 
Form sehr an Aecidium elegans Diet. erinnert. II, III: Chotebof auf 
Holcus lanatus, Avena sativa, Lolium perenne (M.)! 

18. P. dispersa Eriks, et Henn. Lycopsis arvensis, I: Rovensko bei Turnau. 

* 19. P glumarum Eriks, et Henn. Chotebof auf Dactylis glomerata (M.)! 

20. P. Simplex (Körn.) Eriks, et Henn. Hordeum distichum: Rovensko, Jaromef. 

21. P. silvatica Schroet. Berg Brada bei Jicin auf Carex leporina. 

* 22. P. tenuistipes Rostr. Rother Berg bei Brüx auf Carex muricata. 

23. P. ohscura Schroet. Ratzkenberg bei Levin auf Lusula pallescens. 

24. P. Agrostidis Plowr. Agrostis vulgaris: Chotebof (M.)! 

25. P. Moliniae Tul. Orchis incarnata, I: Zwischen Klomm und Byskovic. 

26. P. Cirsii Lasch. Cirsium eriophorum: Im Thale bei Kosof nächst Prag. 

Cirsium pannonicum: BergWostray bei Schreckenstein. 

27. P. Polygoni Alb. et Schw. Polygonum dumetorum: Egerufer bei Postelberg. 

28. P. Anthoxantlii Puckel. Anthoxanthmn odoratum: Chotebof (M.)! 

29. P. Baryi Berk, et Br. Brachypodium silvaticum: Kosof und Kuchelbad 

bei Prag. 

*30. P. Sesleriae Reichardt in diesen „Verhandlungen", 1877, S. 842. Wie 
schon DieteP) bemerkte, sind die Dimensionen der Teleutosporen bei 
dieser Art viel grösser als wie sie Reichardt und nach ihm bona 
fide Winter und Andere angeben. Ich fand heuer diesen Pilz massen- 
haft auf dem Abhänge des Radotiner Plateaus gegenüber Kosof (Prager 
Gegend, silurischer Kalk) auf Sesleria varia Wettst. Die Teleutosporen 
der böhmischen Exemplare finde ich stets über 30^ lang, gewöhnlich 
35 — 59 lang 17 — 24 breit und immer glatt; einzellige Teleuto- 
sporen 22^ lang, 17*6 breit. Ich konnte auf zahlreichem böhmischen 
Materiale auch die Uredosporen untersuchen; sie sind kugelig, eiförmig, 
seltener elliptisch und ebenfalls grösser als sie Reichardt angibt, 
25X32 ^ lang, 20X24 ^ breit, bei Reichardt nur 15—18^ lang. 
Es ist demnach sehr wahrscheinlich, dass Reichardt bei den Messungen 
irgend einen Fehler entweder im Aufstellen des Tubus oder beim Berechnen 
der Mikrometerwerthe begangen hat. Dietel's und meinen Messungen 



1) P. Dietel, Kurze Notizen über einige Rostpilze. „Hedwigia", 1889, S. 179, 180. 



Zweiter Beitrag zur Pilzflora von Böhmen und Nordmähren. 



19 



entsprechen auch die Exemplare von Mödling (T hürnen 's Mycotheca, 
Nr. 1337, Sept. 1878, leg. Thümen), welchen Standort (ausser anderen) 
auch Keichardt für seine Art aufführt: „Anninger und seine Vorberge 
bei Mödling". Auch die Nährpflanze ist dieselbe, und zwar die Kalkform 
Sesleria varia Wettst. Man kann also kaum annehmen, dass es sich da 
um eine andere Species handelt. Wie mir Herr P. Dietel schriftlich mit- 
theilte, variirt auf den Exemplaren von verschiedenen Standorten nur die 
Scheitelverdickung; an böhmischen Exemplaren beträgt sie bis 11 ^a. 

Reichardt zieht zu dieser Art ein Äecidium auf Bhamnus saxa- 
tilis, welchen Zusammenhang er durch Versuche bewiesen hat. Er schreibt 
über seine Versuche wörtlich: „. . . einerseits erzeugten die Teleutosporen 
der genannten Picccinia auf den Blättern von Bhamnus saxatilis Jacq. 
(natürlich durch Vermittlung von Promycelien und Sporidien) ein Spermo- 
gonien, sowie Aecidien tragendes Mjcelium; andererseits keimten die Sporen 
des genannten Aecidiums auf den Blättern von Sesleria coerulea Ard. und 
bildeten ein Pilzlager, welches die Uredo- und Teleutosporen der in der 
Rede stehenden Puccinia producirte". Trotz diesen Versuchen nehme ich 
doch nicht die Zusammengehörigkeit des Aecidiums von Bhamnus saxa- 
tilis mit Puccinia Sesleriae als erwiesen an, und zwar aus folgenden 
Gründen : 

Puccinia Sesleriae kommt z. B. in Steiermark und Böhmen vor, 
wo Bhamnus saxatilis ganz fehlt! Wettstein^) macht auch darauf auf- 
merksam, „dass das Äecidium auf Bhamnus saxatilis dort am häufigsten 
vorkommt, wo auch das sonst sehr ähnliche Äecidium von Puccinia Bhamni 
(P. coronata) auf Bhamnus cathartica L. nicht selten ist, so z. B. in 
Niederösterreich bei Baden, Mödling etc.", welche Standorte Original- 
Standorte Reichardt 's sind!! Demnach scheint es sehr wahrscheinlich, 
dass man da nur mit einem Äecidium zu Puccinia coronata zu thun 
hat, und dass Reichardt seine Versuche mit unreinem Materiale aus- 
geführt hatte. 

Zu den zwei vorangehenden Gründen kann ich aber noch einen 
wichtigeren hinzufügen: Wenn man erwägt, dass bei jenen Puccinien^), 
die auf Bhamnus -Arten vorkommen, und bei Puccinia coronata, zu der 
das Äecidium auf Bhamnus cathartica gehört, die Teleutosporen am 
Scheitel mit fingerartigen oder zahnförmigen Fortsätzen gekrönt sind und 
dass sie alle, wie P. DieteP) vermuthet, aus einer autoecischen Puccinia 
auf einer Bhamnus -Art sich entwickelt haben, so wird man es sehr 
sonderbar finden, dass das Äecidium von Bhamnus saxatilis auf Sesleria 
coerulea Teleutosporen entwickelt, die am Scheitel ganz glatt sind. Bevor 
uns also neue Culturversuche von der Richtigkeit der Reichardt 'sehen 

') In diesen „Verhandlungen", Bd. XXXVII, 1887, S. 170, 171. 

2) Puccinia Schweinfwthii (P. Henn.) P. Magn. auf Rhamnus Staddo, Pucc. digitata Ell. et 
Harkn. auf Rhamnus croceus, Pucc. Mesnieriana Thüm. auf Rhamnus alaternus. 
^) Botanisches Centraiblatt, 1887, S.-A., S. 25. 

3* 



20 



Franz Bubäk. 



Versuche nicht überzeugen — was kaum geschehen kann — , so muss man 
annehmen, dass wie das Aecidium auf Bhamnus saxatilis, so auch jenes auf 
Bhamnus pumila, welches P. Magnus^) hierher zieht, in den Entwick- 
lungskreis der Puceinia coronata gehören. 
*31. P. Stipae Opiz. Stipa capillata: Kuchelbader Berg bei Prag. 

* 32. P. Cesatii Schroet. Ändropogon ischaemum: Kosor und Radotin bei Prag. 

33. P. Pruni spinosae Pers. Prunus spinosa: Kuchelbad bei Prag. 

34. P. LiUacearum Duby. Ornithogalum tenuifolium : Bei Postelberg, Laurenzi- 

berg in Prag. 

* 35. P. annularis (Strauss) Wint. Teucriiim chamaedrys: Kosof und Kuchelbad 

bei Prag. 

36. Phragmidium Potentillae (Pers.) Wint. Potentilla cinerea: Kosor bei Prag. 

* 37. Phr. albidum (J. Kühn) Lagerh. „Bora" bei Eovensko auf Mubus dume- 

torum; Ruhus sp., wohl affinis: Gabrielensteig in der böhmisch-sächsischen 
Schweiz. 

38. Phr. sul)corticium (Schrank) Wint. Posa canina: Kosof bei Prag; Chotebof 

{Rosa culta M.)! Rosa cinerascens: Schafberg bei Welhotten südlich von 
Gross-Priesen, zwischen Kostenblatt und Wellhenitz bei Bilin. 

39. Phr. Rubi Idaei (Pers.) Wint. Chotebof (M.) ! auf Rubus Idaeus. 

40. Melampsora Helioscopiae (Pers.) Wint. Euphorbia Helioseopia: Chote- 

bof (M.)! 

41. M. Lini (Pers.) Tul. Linum catharticum: Nasavrk bei Jung-Vozic. 

42. M. Tremulae Tnl. Populus Tremula: Radotin und Kosof bei Prag. 

43. M. betuUna (Pers.) Tul. Betula alba: Radotin und Kosof bei Prag. 

44. Pucciniastrum Epilobii (Chaill.) Otth. Epilobium hirsutum: Chotebof (M.)! 

45. Thecopsora Vacciniorum (Link) Karst. Vaccinium myrtillus: Radotin bei 

Prag. Vaccinium uliginosum: Moldau im Erzgebirge. 

46. Coleosporium Campanulae (Pers.) Lev. Campanula rapunculoides : Chote- 

bof (M.)! 

47. C. Euphrasiae (Schum.) Wint. em. Euphrasia nemorosa: Chotebof (M.)! 

48. Aecidium leucospermum DC. Anemone nemorosa: Milleschauer Berg. 

II. Mähren. 

Die nachfolgenden Resultate sind die Frucht vieler Excursionen, die ich 
im Jahre 1897 in Nordmähren unternommen habe. In der weitesten Umgebung 
von Hohenstadt ist wohl kein Ort, den ich nicht einige Male betreten hätte. 
Besonders das Gesenke besuchte ich viermal, am 6.-7. Juni, 20.— 21., 27. bis 
28. Juli und am 25. — 26. September. Aus fremden Funden nahm ich nur Aeci- 
dium Prunellae und Ustilago Ornithogali auf. Das Verzeichniss enthält 200 Arten; 
wenn ich dazu noch die drei Arten aus dem vorjährigen Verzeichnisse, die heuer 
nicht mehr aufgeführt werden, rechne, so sind bisher von mir aus dem Gebiete 



1) Berichte des naturw.-medic. Vereines in Innsbruck, 1892/93, S. 41. 



Zweiter Beitrag zur Pilzflora von Böhmen und Nordniähren. 



21 



203 Arten entdeckt worden. Unsere Umgegend ist also an parasitischen Pilzen 
ziemlich reich. Besonders nenne ich folgende neue oder seltene Arten: Perono- 
spora Corydalis, Ustilago Liizulae, Entyloma Corydalis, Eni. microsporum, 
Puccinia Mougeotii, P. Calthae, P. Pimpinellae auf Laser pitium Ärchan- 
gelica (neue Nährpflanze), Aecidium zu P. Scirpi, P. Galanthi, Phragmidium 
alhidum, Melampsora EupJiorhiae dulcis, Caeoma Evonymi, Aecidium prae- 
cox etc. 

Cliytridiaceae De Bary et Wor. 

1. Synchytrium Taraxaci De Bary et Wor. Taraxacum officinale: Bei Hohen- 

stadt nicht selten, schon Mitte April; bei Skalicka, Krumpisch, Gross- 
Heilendorf, Lesche, Raabe, Bohuslavic, Gross-Rasel, Krumpach. 

2. S. laetinn Schroet. Gagea lutea: Hohenstadt und Krumpach viel, immer mit 

Uromyces Ornithogali gemeinschaftlich auf denselben Blättern. 

3. S. Anemones (De Bary et Wor.) Wor. Anemone nemorosa: Waldlehne bei 

Blauda, bei Bohuslavic, im Waldthale zwischen Lupelle und Busele. 

Peroiiosporaceae De Bary. 

1. Phytophilwra infestans (Mont.) De Bary. Solanum tuberosum: Hohenstadt 

Krumpach, Rowenz, Watzelsdorf, Jedl, Hochstein. 

2. Cystopus Candidus (Pers.) Lev. Armoracia rusticana: Hohenstadt, Krumpach. 

Capsella hursa pastoris: Hohenstadt, Rudolfsthal, Gross-Heilendorf, Zautke, 
Pobuc, Müglitz, Steinmetz. Cardamine amara: Hohenstadt, Krumpach. 
Erysimum cheiranthoides : Rudolfsthal bei Hohenstadt. Sisymbrium offici- 
nale: Hohenstadt, Rudolfsthal. Stenophragma Thalianum: Hohenstadt: 
an der Strasse nach Lupelle. 

3. C. Tragopogonis (Pers.) Schroet. Centaurea Scabiosa: Kosse. Cirsium olera- 

ceum: Im Thale zwischen Lupelle und Busele, im Friesethale. Cirsium 
palustre, rivulare: „Doubrava" zwischen Moravican und Schwarzbach. 
Inula britannica: „Doubrava" bei Schwarzbach. Tragopogon pratensis: 
Gross-Rasel, an der Gross-Heilendorfer Strasse. 

4. C. Bliti (Biv.-Bern.) Lev. Amarantus retroflexus: Oefters in Hohenstadt 

(22. /VII.), bei Gross-Rasel, Gross-Heilendorf; Trsic bei Olmütz. 

5. Plasmopara pusilla (De Bary) Schroet. Geranium pratense: Gross- Jestfebi 

bei Hohenstadt. 

G. PI. nivea (Unger) Schroet. Aegopodium Podagraria: Viel bei Hohenstadt, 
Lupelle; bei Lesche, zwischen Lesnic und Kolleschau, bei Blauda, Zöptau. 
Angelica silvestris: Hohenstadt: Zwischen Rudolfsthal und Lupelle, bei 
Kosse, Watzelsdorf, oberhalb Krumpach. CerefoUum silvestre: Nicht selten 
bei Hohenstadt, Skalicka, Klein- und Gross-Rasel, Lesche, Zautke, Wald- 
lehne bei Blauda, zwischen Hnevkov und Hochstein. Bauern carota: 
Hohenstadt. Pimpinella Saxifraga: Dolecka bei Hohenstadt. Petroselinum 
sativum: Schwub's Garten in Hohenstadt. 



22 



Franz Bubak. 



7. PI. pygmaea (ünger) Schroet. Anemone nemorosa: Waldlehne bei Blauda. 

Anemone ranunculoides : Hohenstadt: Zwischen Rudolfsthal und Lupelle, 
„Hrabsi** bei Vitousov, Waldlehne bei Blauda. 

8. PI. densa (Rabh.) Schroet. Euphrasia nemorosa: Im Gesenke zwischen 

Wermsdorf und Franzensjagdhaus (25. /IX.). BJiinanthus minor: Oberhalb 
Krumpach und Rowenz, zwischen Rudolfsthal und Lupelle, zwischen Hnev- 
kov und Hochstein. 

9. PI. viticola (Berk, et Gurt.) Berl. et De Toni. Vitis vinifera: Schwub's 

Garten in Hohenstadt (2./X.). 

10. Bremia Lactucae Regel. Cirsium arvense: Wermsdorf bei Zöptau. Hiera- 
cium cymosum: „Doubrava" bei Schwarzbach. Lactuca sativa: Schwub's 
Garten in Hohenstadt. Lampsana communis: Lesche, Lesnic, Gross- 
Heilendorfer Strasse (7. /IV.), Schwillbogen. Leontodon hispidus: Bei der 
Säge nächst Lupelle. Senecio vulgaris: Hohenstadt, am Teiche. Sonchus 
levis: Kosse bei Hohenstadt. Sonchus oleraceus: Hohenstadt, am Teiche. 

IL Peronospora Arenariae (Berk.) De Bary. Moehringia trinervia: Zwischen 
Hohenstadt und Lupelle mehrfach. 

12. P. Dianthi De Bary. Agrostemna Githago: Bei Gross-Rasel, Rowenz. 

13. P. calotheca De Bary. Galium aparine: Hohenstadt: am Teichdamme beim 

Bahnwächter, auf der Waldlehne bei Blauda. Galium silvaticum: „Dou- 
brava" bei Steinmetz, 

14. P. Alsinearum Casp. Cerastium arvense: Skalicka bei Hohenstadt, bei Blauda, 

Mährisch-Schönberg. Cerastium triviale: Sehr verbreitet bei Hohenstadt, 
Nemile, Lupelle, Nieder-Busele, Hnevkov, Hochstein, Krumpach, Vitousov, 
Lesche, Lesnic, Brünnies, Blauda, Mährisch-Schönberg. Cerastium semi- 
decandrum: am Teiche bei Hohenstadt. Stellaria media: Bei Lukavic. 
Stellaria uliginosa: „Dolecka" bei Hohenstadt. 

15. P. Myosotidis De Bary. Lithospermum arvense: Zwischen Hohenstadt und 

Lupelle. 

16. P. Viciae (Berk.) De Bary. Vieia hirsuta: Bei Lupelle, Hnevkov, Hochstein, 

Blauda. 

17. P. Trifoliorum De Bary. Medicago lupulina: Hohenstadt: an der Strasse 

nach Lupelle, Hochstein, Blauda. Melilotus albus : Säzawa-Ufer beim Hohen- 
stadter Bahnhofe. Trifolium arvense: Zwischen Hohenstadt und Nemile. 
Trifolium filiforme: Bei Skalicka, Rowenz, Brünnies. Trifolium medium: 
Bei Watzelsdorf. 

18. P. Lamiikl. Br. Lamium purpureum und amplexicaule : Bei Schmole nächst 

Hohenstadt (9. /XL). 

19. P. effusa (Grev.) Rabh. var. major Casp. Chenopodium album: Hohenstadt, 

Krumpach, Muglitz. 
Var. minor Casp. Atriplex patula: Hohenstadt, Müglitz, Steinmetz. 

20. P. Chrysosplenii Fuckel. Chrysosplenium alternifolium: Hohenstadt am 

rechten Säzawa-Ufer zwischen Rudolfsthal und Lupelle. 



Zweiter Beitrag zur Pilzflora von Böhmen und Nordmäliren. 



23 



21. P. (jrisea Unger. Veronica heccahunga: Hohenstadt: an der Strasse nach 

„Doleöka", Gross-Rasel; zwischen Wiesenberg und Marschendorf. Veronica 
hederaefolia: Hohenstadt, Lesche, Gross-Rasel, Lukavic. Veronica serpylli- 
folia: Hohenstadt, Lupelle, Pobutsch, Lesnic. 

22. P. Ficariae Tu\. Banunculus acer : Rohenstiidt: an der Schönberger Strecke, 

bei Krumpach, zwischen Rudolfsthal und Lupelle. ManuncuUis Ficaria: 
Viel bei Hohenstadt, Nemile, Lesche, Blauda. Banunculus repens: Gemein 
bei Hohenstadt, Gross-Heilendorf, Blauda, Mährisch-Schönberg, Lupelle, 
Hochstein. 

23. P. Potentillae De Bary. Alchemilla vulgaris: Krumpach, Zautke, immer 

gemeinschaftlich mit Uromyces Älchemillae. 

24. P. parasitica (Pers.) Tul. Capsella hursa pastoris: Hohenstadt, am Teiche. 

Stenophragtna Thaliamwi: Hohenstadt: an der Strasse nach Lupelle. 
Thlaspi arvense: Hohenstadt, am Teiche. Turritis glahra: Hohenstadt: 
am Teichdamme, beim Bahnhofe, bei Vitousov, Berg „Hrabsi". 

25. P. Corydalis De Bar j. Corydalis digitata: Am Säzawa-Ufer zwischen Hohen- 

stadt und Lupelle, Waldlehne bei Blauda. 

26. P. Rumicis Corda. Bumex Acetosa: Gross-Rasel bei Hohenstadt; Gesenke: 

im Tessthale unterhalb des Altvaters. 

27. P. Polygoni Thüm. Polygonum aviculare: An der Schönberger Strecke 

(4./ VI.), im Nemilka-Thale (S./VII.). Polygonum Convolvulus : Hohen- 
stadt: bei der Säge nächst Lupelle (27. /VI.); verursacht violettrothe 
Flecken auf der Blattoberfläche. 

28. P. sordida Berk. Scrophularia nodosa: Krumpach (31. /V. bis 23. /X.). Ver- 

hascum phlomoides: Schwub's Garten in Hohenstadt (13. /VI.). 

29. P. alta Fuckel. Plantago maior: Hohenstadt: bei Nemile, am Wege von 

Krumpach nach Schwillbogen. 

30. P. Scleranthi Rabh. Scleranthus annuus: Raabe, Lukavic (15. /IV.); am 

Damrae des ehemaligen Stadtteiches bei Hohenstadt (4./XI.). 

Protomycetaceae De Bary. 

1. Protomyces macrosporus Unger. Äegopodium Podagraria: Hohenstadt, 
Rudolfsthal, Krumpach. Meum mutellina: Gesenke: Drei Brünnl, Peter- 
stein, Bründlhaide. 

Ustilagiiiaceae TuL 

1. UsHlago longissima (Sow.) Tul. Glyceria aquatica: Auf den Wiesen zwischen 

Hohenstadt, Gross-Heilendorf, Lesnic und Lesche viel; zwischen Hohen- 
stadt und Lupelle; bei Bohuslavic, Lukavic; „Doubrava" zwischen Mora- 
viöan und Schwarzbach. Glyceria fluitans: Hinter Krumpach, an der 
Mährisch-Schönberger Strecke, an der Tess bei Lesnic. 

2. U. Ornithogali (Schum. et Kunze). Gagea arvensis (III. 1882, leg. Bubela, 

vidi in Herb. Weidmann): Bisenz. 



24 



Franz Bubäk. 



3. U. Panici miliacei (Pers.) Wint. Panicum miliaceum: Hohenstadt: bei 

Lupelle, Lesche; bei Schwarzbach. 

4. U. nuda (Jens.) Kell, et Swingle. Hordeum distichum: Verbreitet um Hohen- 

stadt, Kowenz, Gross-Heilendorf, Lesnic, Lesche, Bohuslavic, Lukavec, 
Schmole, Kasel; Lupelle, Kosse; Steinmetz, Müglitz, Moravican, Schwarzbach. 

5. U. Hordel (Pers.) Kell, et Swingle. Hordeum distichum: Kosse, Nemile, 

Nemilkathal, Watzelsdorf, Lesnic, Schmole, Steinmetz, Müglitz, Moraviöan. 

6. U. Avenae (Pers.) Jens. Avena sativa (30. /VI. bis 12./VIU.): Hohenstadt, 

Krumpach, Kosse; Wolledorf, Schwarzbach. 

7. U. levis (Kell, et Swingle) P. Magn. Avena sativa (Ende August): Hohen- 

stadt sehr selten, bei Jedle und Watzelsdorf öfters. 

8. U. Tritici Jens. Triticum vulgare: In der weitesten Umgegend von Hohen- 

stadt viel verbreitet; ausserdem noch bei Steinmetz, Müglitz, Ausee, 
Moravican, Schwarzbach. 

9. U. hromivora (Tul.) Fisch, v. Waldh, Bromus secalinus: im Eoggen bei 

Kosse nächst Hohenstadt (30./VI.). 

10. ü. Luzulae Sacc. Luzula pilosa, campestris: In den Wäldern oberhalb 

Krumpach und Rowenz (VIII.). 

11. U. Vaillantii Tul. Muscari comosum: Zwischen Hohenstadt und Nemile auf 

Lehnen oberhalb des Baches (15. /VI.). 

12. U. Panici glauci (Wallr.) Wint. Panicum glaucum: Zwischen Hohenstadt 

und Lupelle, bei Krumpach, Jedle, Watzelsdorf. 

13. U. utriculosa (Nees) Tul. Polygonum Hydropiper: Krumpach. 

14. U. Tragopogi pratensis (Pers.) Wint. Tragopogon orientalis: Zwischen 

Marschendorf und Wiesenberg (7. /VI., 28./VII.). 

15. Cintractia Caricis (Pers.) P. Magn. var. leioderma Lgh. Carex hrizoides: 

„Doubrava" bei Schwarzbach viel (17. /VII.). 

16. Sphacelotheca Hydropiperis (Schum.) De Bary. Polygonum Hydropiper: 

Krumpach. 

17. Tolyposporium Junci (Schroet.) Wor. Juncus hufonius: am Wege von 

Kolleschau nach Brünnies; zwischen Hohenstadt und Nemile. 

18. Tilletia Tritici (Byerk.) Wint. Triticum vulgare: Nemile, Rudolfsthal, Lesche, 

Vitousov, Lukavec, Wolledorf, Kwittein, Steinmetz, Ausee, Königslose, 
Schwarzbach; Marschendorf, Wiesenberg. 

19. Urocystis occuUa (Wallr.) Rabh. Seeale cereale: Hohenstadt, Kosse (16./VII.), 

zwischen Schmole und Gross-Rasel. 

20. U. Anemones (Pers.) Schroet. Anemone nemorosa: Waldlehne bei Blauda. 

21. Entyloma Banunculi (Bon.) Schroet. Banunculus acris: Zwischen Rudolfs- 

thal und Lupelle. Banunculus ficaria: Hohenstadt: an der Mährisch- 
Schön berger Strecke, bei Lupelle, Kosse. Banunculus repens: In der 
Umgegend von Hohenstadt nicht selten im Mai und October, bei Rowenz, 
Lesnic, Lesche, Bohuslavic. 

22. E. serotinum Schroet. Symphytum officinale: Bei Hohenstadt nicht selten, 

besonders gegen Kosse gemein; Busele, „Doubrava" bei Königslose. 



Zweiter Beitrag znr Pilzflora von Böhmen und Nordmähren. 



25 



23. E. Calenchilae (Oiid.) De Bary. Calendula officinalis: Hohenstadt, Gross- 

Heilendorf, Lesnie, Lesche, Skalicka (noch im November). Hieracium 
vmroriim: Nemilkathal bei Hohenstadt, zwischen Kolleschau und Lesnic, 
Berggeist im Gesenke. Hieracium silvaticum: Kwittein, „Doubrava" 
zwischen Moravican und Schwarzbach. Leontodon glahratus: „Cechüv les" 
bei Hohenstadt. 

24. E. Corydalis De Bary. Corydalis digitata: Hohenstadt: Berg „Hrabsi" bei 

Vitousov. 

25. E. microsporum (Ung.) Schroet. JRanunculus repens: Auf den Wiesen zwischen 

Hohenstadt und Lesnic, an der Mährisch-Schönberger Strecke, im Walde 
„Podivin". 

2G. Tuberculina persicina (Ditm.) Sacc. Auf Aeeidium von Uromyces Pisi und 
ü. striatus an Euphorbia cyparissias: Am Teichdamme in Hohenstadt, 
bei Skalicka, Hnevkov, am Wege gegen Lesnic. Auf Uredo von Uromyces 
Silenes an Silene nutans in Eudolfsthal. 

IJrediiiaceae Tul. 

1. Uromyces Fabae (Pers.) De Bary. Orobus niger: Bei Vitousov nächst Hohen- 

stadt, „Doubrava" zwischen Moravican und Schwarzbach, Orobus vernus: 
„Doubrava" zwischen Moravican und Schwarzbach. Vicia Faba: Hohen- 
stadt. Vicia sepium: Nemilkathal bei Hohenstadt, „Doubrava" bei Schwarz- 
bach. 

2. U. Polygoni (Pers.) Puckel. Hohenstadt: Bei der Säge nächst Lupelle, bei 

Rowenz auf Polygonum aviculare. 

3. U. Silenes (Schlecht.) Fuckel. Silene nutans: Bei Rowenz, Rudolfsthal, 

Klein-Heilendorf, Blauda, Ruine Brünnies, um Vitousov. 

4. U. Trifolii (Hedw.) Lev. Im Thale zwischen Lupelle und Busele (I, 26. /V.), 

Skalicka (II, III, 22./VI.), Ruine Brünnies (II, III, 23./VI.), „Cechüv les" 
bei Hohenstadt (II, III, 27./VI.) und beim Bahnhofe (I, III, l./VIIL), bei 
„Dolecka" (I, III, 18. /VIII.); überall auf Trifolium repens. 

5. U. Valerianae (Schum.) Fuckel. Valeriana dioica: Hohenstadt: im Walde 

oberhalb Krumpach (II, 12./VIII. und II, III, 14./IX.), Kosse (II, III, 
lO./X.). 

6. U. Äcetosae Schroet. Rumex Äcetosa: Hohenstadt: bei Hnevkov (I, 21./V.). 

7. U. Bactylidis Otth. Bactylis glomerata: Hohenstadt: Am Wege nach 

Nemile. 

8. U. Poae Rabh. Ranunculus ficaria: I, bei Hohenstadt im April und Mai 

viel verbreitet; Rudolfsthal, Lupelle, Nemile, Lesnic, Brünnies, Vitousov. 
Ranunculus repens: Hohenstadt: Beim Hofe (20. /IV.), an der Mähr.-Schön- 
berger Strecke (28./X.!)^); Krumpach, Bohuslavic. Poa nemoralis: II, III, 
zwischen Rudolfsthal und Lupelle (2./X.). 



') Cultnrversuche am 29. /X., erste Uredohäufchen erst am 24. /XI. auf Poa annua. 
Z. B. Ges. Bd. XLYIII. 4 



26 



Franz Bubäk. 



9. U. Pisi (Pers.) De Bary, Euphorbia cyparissias: I bei Vitousov, Hnevkov. 
Pisum sativum: Kosse. Lathyrus silvestris: In den Wäldern oberhalb 
Eowenz. 

10. U. striatus Schroet. Euphorbia cyparissias: I bei Hohenstadt viel, Nemile, 

Hnevkov, Vitousov, Lesnic, Euine Brünnies, Schwillbogen. Medicago lupu- 
lina: II, III bei Vitousov, Kuine Brünnies. Lotus corniculatus: Auf den 
Lehnen zwischen Hohenstadt und Nemile. Trifolium aureum: Zwischen 
Hohenstadt und Nemile, in Wäldern oberhalb Krumpach. Trifolium fili- 
forme: Am Wege von Hohenstadt nach Lesnic. 

11. U. Veratri (DC.) Wint. Veratrum Lobelianum: Peterstein, Kepernik und 

Bründlhaide im Gesenke. 

12. TJ. Bumicis (Schum.) Wint. Bumex aquaticus: Hohenstadt: auf Säzawa- 

Ufern, am Bache gegen Nemile, im Thale zwischen Lupelle und Busele. 
Bumex crispus: Bei der Lukavicer Mühle. Bumex ohtusifolius : Hohen- 
stadt: an der Säzawa, bei „Dolecka", Klein- und Gross-Easel, Kwittein, 
Eippau, Busele, Lupelle. 

13. ü. Alchemillae (Pers.) Fuckel. Älchemilla vulgaris: Hohenstadt, Krumpach, 

Lupelle, Busele, Eippau, Hnevkov, Hochstein, Kosse, Zautke, Gross-Easel, 
Schmole; im Gesenke: Marschendorf, Winkelsdorf, Schäferei, Altvater, 
Schweizerei, Bründlhaide. 

14. U. Ästragali (Opiz) Schroet. Astragalus glycyphyllus : Bei Vitousov, bei der 

Säge im Nemilkathale. 

15. U. Genistae tinctoriae (Pers.) DC. Cytisus capitatus: „Doubrava" oberhalb 

Steinmetz und zwischen Moravican und Schwarzbach. Cytisus Laburnum: 
Hohenstadt. Genista tinctoria: Bei Vitousov und Skalicka. 

16. U. ÄnthylUdis (Grev.) Schroet. Änthyllis vulneraria: Bei Kosse, Schwillbogen. 

17. U. Behenis (DC.) Unger. Silene inflata: Im Walde „Doubrava" beim Jäger- 

hause gegenüber Moravican (I, III, 3. /VII.). 

18. U. Cacaliae (DC.) Unger. Ädenostyles Älliaria: Hochschar, Kepernik, Bründl- 

haide, Schweizerei, Altvater, Peterstein. 

19. U. Ervi (Wallr.) Plowr. Ervum hirsutum: Hohenstadt: am Bahnhofe, beim 

Bräuhause. 

20. U. Solidaginis (Somf.) Niessl. Solidago Virgaurea: Gesenke: am Wege von 

Eamsau auf den Hochschar. 

21. U. Phyteumatum (DC.) Unger. Phyteuma spicatum: Peterstein im Gesenke. 

22. U. Scillarum (Grev.) Wint. Muscari comosum: Hohenstadt: Auf Lehnen 

gegen Nemile. 

23. U. Ornithogali Lev. Hohenstadt, Krumpach auf Gagea lutea im April mit 

Synchytrium laetum. 

24. U. Ficariae (Schum.) Lev. Banunculus Ficaria: Häufig bei Hohenstadt; 

Waldlehne bei Blauda. 

25. U. scutellatus (Schrank) Wint. Euphorbia cyparissias: Um Vitousov, auf 

dem Berge „Hrabsi". Euphorbia esula: Bei Eudolfsthal auf dem Bahn- 
damme, bei Pobutsch. 



Zweiter Beitrag zur Pilzflora von Böhmen und Nordmährcu. 



27 



26. Fticcinia Galii (Pers.) Schroet. Galium aristatum: „Doubrava" zwischen 

Moraviöan und Schwarzbach. Galium criiciata: Zwischen Hochstein und 
Hnevkov, im Thale zwischen Lupelle und Busele. Galium mollugo: 
Krurapach, Lupelle, Wald „Podivin" bei Hohenstadt, Rowenz, Watzels- 
dorf, Gross-Heilendorf, „Hrabsi" bei Vitousov; Wermsdorf bei Zöptau. 
Galium silvaticum: Im Nemilkathale. 

27. P. Mougeotii Lagerheim, Ured. Herb. E. Fries, p. 66. Thesium divi- 

num: Hochschar im Gesenke (I, II, III, 27. /VII.). 

28. P. Caltliae liink. CaWia palustris : Im Gesenke bei Berggeist, bei der Schäferei 

am Peterstein (hier schon in Schlesien). 

29. P. Helianthi Schweinitz. Hohenstadt und Lesnic auf cultivirtem Helianthus 

annuus. 

30. P. Porri (Sow.) Wint. Allium Sclioeno'prasum : Schwub's Garten in Hohenstadt. 

31. P. Cirsii lanceolati Schroet. Cirsium lanceolatum: Kwittein bei Müglitz, 

Friesethal unterhalb Jedle. 

32. P. Frenanthis (Pers.) Fackel. Lactuca muralis: Jedle, Watzelsdorf, Friese- 

thal zwischen Hochstein und Schildberg, Kosse, Nemilkathal, Wald „Podi- 
vln" bei Hohenstadt, in Wäldern zwischen Lesnic und Kolleschau; Werms- 
dorf bei Zöptau. Mulgedium alpinum: Im Gesenke beim Franzensjagd- 
haus (II, III, 25./IX.); Brüudlhaide, Kepernik (II, III, 27./Vn.); am Wege 
von Winkelsdorf zur Schweizerei (I, II, III, 21. /VII.). Prenanthes pur- 
purea: Hochstein, Friesethal bei Schildberg, Lesche bei Hohenstadt. In 
niedrigeren Lagen des Gesenkes, z. B. oberhalb Wermsdorf, Winkelsdorf, 
Ramsau. 

33. P. Lampsanae (Schultz) Fuckel. Lampsana communis: Krumpaeh (I, 23. /IV.), 

Rowenz, Lesnic, Nieder-Busele; „Hohewart" bei Zöptau. 

34. P. major Dietel. Crepis paludosa: „Doubrava" zwischen Moravican und 

Schwarzbach (25. /VIII.); Gesenke: Peterstein und bei der Schäferei am 
Wege nach Karlsbrunn (26. /IX.) (schon in Schlesien). 

35. P. Epilohii tetragoni (DC.) Wint. Epilohium montanum: Hohenstadt bei 

„Dolecka", zwischen Rudolfsthal und Lupelle, im Thale zwischen Busele 
und Lupelle. Epilohium Lamyi: In Wäldern oberhalb Krumpach und 
Rowenz. 

36. P. Violae (Schum.) DC. In der weitesten Umgegend von Hohenstadt, Mähr.- 

Schönberg, Müglitz, Schildberg auf Viola silvestris viel verbreitet, das 
Äecidium im Mai sehr häufig. Im Gesenke bei Wermsdorf und Ramsau. 
Viola canina : Klein-Heilendorf, Watzelsdorf, Nemilkathal bei Hohenstadt, 
Hnevkov, Hochstein. Viola Biviniana: Hochstein, Kosse, Hnevkov, Lupelle, 
Bohuslavic, „Doubrava" zwischen Moravican und Schwarzbach. 

37. P. albescens (Grev.) Plowr. Im Gesenke am Wege von Winkelsdorf zur 

Schweizerei auf Adoxa (I, 6. /VI). 

38. P. Pimpinellae (Strauss) Link. Cerefolium silvestre: Beim Bahnhofe in 

Hohenstadt, Lesche, Watzelsdorf, Hochstein, Hnevkov, Rippau, Chirles. 
Laserpitium Ärchangelica: Bründlhaide im Gesenke (I, II, III, 



28 



Franz Bubäk. 



27. /VII.). Pimpinella Saxifraga: Nemile, Lupelle, Hnevkov, Hochstein; 
viel bei Watzelsdorf, Jedle (III bis AIS /u. lang). 

39. P. Menthae Pers. Calamintha Clinopodium: Nemilkatbal bei Hohenstadt, 

Ruine Brünnies, Berg „Hrabsi" bei Vitousov; Wermsdorf, Winkelsdorf 
am Fusse des Gesenkes. Mentha aquatica: Watzelsdorf, Friesethal zwischen 
Hochstein und Schildberg, Nieder-Busele. Mentha arvensis: Im ganzen 
Gebiete in niederen Lagen gemein. Mentha silvestris: Auch nicht selten, 
z. B. Hohenstadt, Easel, Chirles, Rippau, Lupelle, Hochstein, Friesethal 
bis Schildberg. 

40. P. graminis Pers. Berheris vulgaris: Hohenstadt, Zautke. Ärrhenatherum 

elatius: Hohenstadt: bei „Dolecka". Dactylis glomerata: Schwarzbach. 
Milium effusum: Peterstein im Gesenke (1400 w, 25. /IX.). Seeale cereale: 
Bei Rowenz. Triticum caninum: Zwischen Rudolfsthal und Lupelle. 
Triticum repens: Oberhalb Krumpach und Rowenz, bei Lupelle, Schwarz- 
bach, „Doubrava"; Wermsdorf bei Zöptau. Triticum vulgare: B.o]ienst<idt, 
Gross-Rasel, Steinmetz, Moravican, Muglitz. 

41. P. coronata Corda. I: Frangula alnus, Bhamnus cathartica: Ueberall viel 

verbreitet, z. B. bei Hohenstadt, Muglitz, Littau, Mähr.-Schönberg, Zöptau, 
Wiesenberg; Schildberg. 11, III: Agrostis vulgaris: Hohenstadt, am Bahn- 
hofe, bei Krumpach. Ärrhenatherum elatius: Bei Krumpach. Avena 
sativa: Im Gebiete verbreitet, bei Krumpach mit Puccinia graminis zu- 
sammen. Bromus asper: „Hrabsi" bei Vitousov. Calamagrostis Epigeios : 
Nemilkathal beim Jägerhause. Calamagrostis silvatica: Zwischen Hohen- 
stadt und Lupelle, „Doubrava" zwischen Moravican und Schwarzbach. 
Dactylis glomerata: Neuhof bei Schwarzbach. Holcus lanatus: Hochstein. 
Holcus mollis: Im Thale zwischen Lupelle und Busele. Lolium perenne: 
Im Gebiete gemein, am Wege von Hohenstadt nach Nemile mit sehr 
zahlreichen einzelligen Teleutosporen, Phalaris arundinacea: 
Am Bahnhofe auf dem Säzawa-Üfer, bei Lupelle. 

42. P. dispersa Eriks, et Henn. I: Lycopsis arvensis: In Feldern zwischen 

Hohenstadt und Nemile (16. /VII.). II, III: Agrostis vulgaris: Franzens- 
jagdhaus im Gesenke (1200 m); vielleicht gehört diese Form zu Puccinia 
Agrostidis Plowr. (Gesammelt 25. /IX.; Uredo: 26"2 — 33^ im Durch- 
messer, Teleutosporen: einzellige 24*2 X 15*4^, zweizeilige 28'6 — 37'4X 
15'4— 19"8^.) Bromus mollis: Hohenstadt, auf dem Teichdamme; bei 
Hochstein, Gross-Heilendorf. Bromus secalinus: Bei Krumpach, an der 
Mährisch-Schönberger Strecke. Bromus tectorum: Hohenstadt, auf dem 
Teichdamme; bei Hochstein. Festuca rubra: Im Thale zwischen Lupelle 
und Busele. Seeale cereale: Im ganzen Gebiete gemein. Triticum vulgare: 
Uredo am 20. /V. bei Lesche. 

43. P. Simplex (Körn.) Eriks, et Henn. Hordeum distichum: Zwischen Hohen- 

stadt und Nemile, bei Kosse, Watzelsdorf, Krumpach. 

44. P. Phlei pratensis Eriks, et Henn. Phleum pratense: Hohenstadt, hinter dem 

Kirchhofe (II,*25./X. 1896); Nemilkathal (II, 14./X.), bei Lupelle (II,1./VI.). 



Zweiter Beitrag zur Pilzflora von Böhmen und Nordiniiliren. 



29 



45. P. Poancm Niels. I: Auf Tussilago farfara im ganzen Gebiete vom Mai bis 

November gemein. Noch bei Winkelsdorf am Fusse des Gesenkes. Peta- 
sites alba: Tessthal in Winkelsdorf (6. /VI.). II, III: Poa compressa: Gross- 
Heilendorf, Hochsteiu, Waldlebne bei Blaiida. Poa nemoralis: Nicht selten 
zwischen Eudolfsthal und Lupelle, im Thale von Lupelle nach Busele etc. Poa 
sudetica: Am Wege von Ramsau auf den Hochschar (27. /VII.), zwischen 
dem Berggeist und den Verlorenen Steinen (20./VII ), immer nur Uredo, 

46. P. Caricis (Schum.) Reh. I: Urtica dioica: Hochstein bei Schuppler's Säge. 

II, III: Carex acuta: An der Mähr.-Schönberger Strecke, bei Schmole. 
Carex paniciilata: In Pfützen an der Bahn im Walde „Doubrava" zwischen 
Moravican und Schwarzbach viel. Carex hirta: Bei Krumpach, im Walde 
„Podivin" bei Hohenstadt, bei Lupelle. Carex vulgaris: Im Walde „Podi- 
vm". Hier muss ich auch eine Puccinia auf Carex rigid a erwähnen, 
welche ich massenhaft im Gesenke, z. B. auf dem Heiligenhübl und Hoher 
Heide sammelte (25. /IX.), Schroeter hält diesen Pilz (Pilze von Schle- 
sien, S. 328) für Pucc. silvatica. Dem kann ich aber nicht beipflichten; 
wenigstens unser Pilz vom Gesenke stimmt vollkommen mit Pucc. Caricis 
überein. Auch die Verwandtschaft der Carex rigida mit Carex acuta, 
vulgaris etc. spricht dafür. Urtica dioica ist von dem Standorte der 
Carex rigida sehr weit entfernt, erst bei der Schäferei habe ich sie gesehen. 
Puccinia Caricis kann sich freilich auch, wie P. Magnus nachgewiesen 
hat, ohne Aecidien erhalten. Ich fand aber im Frühjahre im Gesenke 
nicht selten ein Äecidium auf Crepis grandiflo7'a, welches gewiss nicht zu 
der Puccinia auf Crepis grandiflora gehört. Die Versuche, welche ich im 
Frühjahre ausführen will, werden entscheiden, ob dieses Äecidium mit der 
Puccinia auf Carex rigida in Verbindung steht oder nicht. 

47. P. silvatica Schroet. I: Taraxacum officinale: Waldlehne bei Blauda, bei 

Lesnic, Bohuslavic, im Thale zwischen Busele und Lupelle. Crepis hiennis: 
Bei Hohenstadt, Lesche und Vitousov. II, III: Carex hrizoides: Im Thale 
zwischen Busele und Lupelle, sehr viel im Walde „Doubrava" zwischen 
Moravican und Schwarzbach. Carex leporina: In Wäldern oberhalb 
Krumpach und Rowenz. Carex montana: Im Nemilkathale bei Hohen- 
stadt. Carex pallescens: Im Walde „Podivin" bei Hohenstadt, in Wäldern 
oberhalb Krumpach und Rowenz. Carex pilosa: „Doubrava" zwischen 
Moravican und Schwarzbach, Waldlehne bei Blauda. 

48. P. tenuistipes Rostr. Carex muricata: Bei der Säge nächst Lupelle. 

49. P. Pringsheimiana Klebahn. I, Eibes grossularia: Krumpach (31. /V.). 

50. P. Scirpi DC) I auf Limnanthemum nymphoides im Teiche von Hohen- 

stadt; II, III auf Scirpus laciistris daselbst. 
5L P. obscura Schroet. Luzula campestris: Hochstein, Nemilkathal, bei Krum- 
pach (III erst Mitte October). Äecidium im October und November ver- 
gebens gesucht. 



*) Siehe meine Ahhandlung in Oesterr. botan. Zeitschr., 1898, Nr. 1. 



30 



Franz Bubäk. 



52. F. Phragmitis (Schum.) Körn. I: Bumex crispus: Am Teiche in Hohen- 

stadt, bei Lukavec. Bumex ohtusifolius : Am Teiche in Hohenstadt, bei 
Lukavec, Schmole. Phragmites communis: Zwischen Hohenstadt und 
Gross-Heilendorf auf dem ehemaligen Teichdamme, an der Strasse zwischen 
„Doubrava" und Schwarzbach. 

53. P. Magnusiana Körn. Phragmites communis: Im Hohenstadter Teiche an 

der Bahn, auf Wiesen zwischen Hohenstadt, Lesnic und Gross-Heilendorf, bei 
Lukavec, Schmole, an der Strasse zwischen „Doubrava" und SchAvarzbach. 

54. P. perplexans Plowr. I, Banunculus acer: Auf dem Säzawa-Üfer zwischen 

Eudolfsthal und Lupelle. II, III, Älopecurus pratensis: Auf den Wiesen 
zwischen Hohenstadt, Lesnic und Lesche, bei Krumpach, Schmole, Lukavec, 
im Thale zwischen Lupelle und Busele, Neuhof und „Doubrava" bei 
Schwarzbach viel. 

55. P. suaveolens (Pers.) Rostrup. Auf Cirsium arvense im Gebiete gemein; 

noch bei Wermsdorf am Fusse des Gesenkes. 

56. P. Cyani (Schleich.) Pass. Centaurea Cyanus: Oberhalb Krumpach, 

57. P. Hieracii (Schum.) Mart. Cichorium intybus: Verbreitet bei Hohenstadt, 

Gross-Rasel, Watzelsdorf. Crepis hiennis : Verbreitet um Hohenstadt, Gross- 
Rasel, Mähr.-Schönberg, Schwarzbach. Crepis grandiflora: Im Gesenke 
viel verbreitet. Hieracium cymosum, umhellatum, tridentatum: „Dou- 
brava" zwischen Moravican und Schwarzbach. Hieracium murorum: In 
den Wäldern oberhalb Rowenz, zwischen Lesnic und Kolleschau, im 
Nemilkathale, zwischen Jedle und Watzelsdorf, „Doubrava" gegenüber 
Moravican, Ramsau. Hieracium nigritum: Heiligenhübl und Bründlhaide 
im Gesenke, Hieracium pilosella: Bei Rudolfsthal. Hieracium silvaticum: 
Berg „Hrabsi" bei Vitousov, Leontoäon autumnalis: Bei Krumpach, 
Leontodon glahratus: Bei Rudolfsthal. Leontodon hispidus: Bei Krum- 
pach, Rudolfsthal, Nemile, Kosse; var. opimus bei der Schäferei und 
Schweizerei im Gesenke. Hypochoeris radicata : An der Eisenbahnstation 
bei Blauda (Spermogonien, II, III, 3./V.), bei Rudolfsthal, an der Strasse 
von Hohenstadt nach Lupelle. 

58. P. Taraxaci Plowr. Taraxacum officinale: Skalicka, bei Rowenz, Kalklehnen 

bei Lesche, bei Wolledorf, gemein bei Hohenstadt. 

59. P. Centaureae Mart. Centaurea jacea: Nicht selten bei Hohenstadt, Rowenz, 

Klein-Heilendorf, Schwillbogen, Watzelsdorf, Moravican, „Doubrava", 
Schwarzbach. 

60. P. Cirsii Lasch. Carduus acanthoides: Nemilka bei Hohenstadt, Cirsium 

oleraceum : Im Thale zwischen Lupelle und Busele. Cirsium palustre: 
„Doubrava" zwischen Moravican und Schwarzbach. Lappa tomentosa: 
Am Fürstengrund in Hohenstadt. 
6L P. hullata (Pers.) Schroet. Aethusa cynapium: Beim Hegerhause im Nemilka- 
thale. 

62. P. Polygoni Alb. et Schw, Polygonum eonvolvulus: Zwischen Rudolfsthal 
und Lupelle, bei Krumpach, Kosse, Vitousov. 



Zweiter Beitrag zur Pilzflora von Böhmen und Nordinilliren. 



31 



63. P. Polygoni amphihii Pers. Polygonum amphibium: Bei Nemile, auf den 

Wiesen zwischen Hohenstadt, Lesnic und Lesche. 

64. P. Tanaceti DC. Tanacetum vulgare: An der Säzawa hei Hohenstadt; 

Marscheildorf bei Zöptau. 

65. P. ohlongata (Link.) Wint. Luzula pilosa: Nemilkathal bei Hohenstadt. 

66. P. Änthoxanthi Fuckel. Anthoxantlium odoratum: In der Umgegend von 

Hohenstadt viel verbreitet, die Teleutosporen entwickeln sich aber 
erst Mitte October; auch bei Lesnic, Brünnies, Blauda, Krumpach, 
Watzelsdorf, Lupelle, Busele, Chirles; Wermsdorf bei Zöptau. 

67. P. Maydis Carr. Auf cultivirtem Zea Mays in Hohenstadt. 

68. P.Baryi Berk, et Br. Brachypodium süvaticum : „Doubrava" bei Moravican 

an der Bahn. 

69. P. Äcetosae (Schum.) Wint. Bei Hohenstadt viel verbreitet auf Rumex Äce- 

tosa, bei Gross-Easel, Lupelle, Nemilkathal, Busele, Wolledorf; Winkels- 
dorf, Eamsau, überall nur Uredo. JRumex arifoUus: Im Gesenke ober- 
halb Kamsau (II, 27./VII.), Bründlhaide (II, III, 28./VII.), Peterstein 
(II, 25./IX.). 

70. P. Bistortae (Strauss) DC. Polygonum Bistorta: Franzensjagdhaus im Ge- 

senke (25./IX.). 

71. P. mammillata Schroet. Sehr verbreitet im Gesenke auf PoZ^/^omm jBtsiorto: 

Franzensjagdhaus, Drei Brünnl, Heiligenhübl, Hohe Heide, Peterstein, Alt- 
vater, Leiterberg, Bründlhaide, Hochschar. Diese Puccinia ist also auf 
dem ganzen Kamme gemein, während die vorige Art nur einmal ange- 
troffen wurde, obzwar ich gegen 100 Proben von den verschiedensten 
Stellen des Hochgebirges mitgebracht habe. 

72. P. argentata (Schultz) Wint. Impatiens nolitangere : „Doubrava" gegenüber 

Moravican. 

73. P. Pruni spinosae Pers. Primus domestica: Viel verbreitet bei Kosse, 

Rowenz, Hohenstadt, Gross- und Klein-Easel, Schmole; die Uredosporen 
sehr häufig noch am 9. /XI. 

74. P. conglomerata (Strauss) Wint. Homogyne alpina: Im Gesenke: am Wege 

von der Schweizerei nach Winkelsdorf, Peterstein, Altvater, Bründlhaide, 
Kepernik, Hochschar und noch bei Ramsau. 

75. P. Aegopodn (Schum.) Link. Äegopodium Podagraria: Auf Säzawa-Ufern 

zwischen Hohenstadt und Lupelle nicht selten; bei Hnevkov, Hochstein, 
im Thale bei Busele, bei Gross-Rasel, Schmole, Vitousov, Lesche, Blauda. 

76. P. Galanthi Unger.^) Galanthus nivalis: Auf dem Berge „Hrabsi" bei 

Vitousov nächst Hohenstadt. 

77. P. asarina Kunze. Asarum europaeum: Bei der Säge nächst Lupelle, an der 

Säzawa zwischen Rudolfsthal und Lupelle, im Thale zwischen Lupelle und 
Busele, bei Hochstein auf dem rechten Säzawa-Ufer; Gesenke: am Wege 
von Winkelsdorf zur Schweizerei und von Wermsdorf zum Franzensjagdhaus. 



') Siehe Oesterr. hotan. Zeitschr., 1897, Nr. 12. 



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Franz Bubäk. 



78. P. Saxifragae Schlecht. Saxifraga granulata: Oberhalb Krumpach, bei 

Hnevkov, zwischen Skalicka und Gross-Rasel, zwischen Lesnic und Brünnies. 

79. P.fusca Relhan. Anemone nemorosa: „Hrabsi" bei Vitousov, Waldlehne bei 

Blauda; im Gesenke oberhalb Winkelsdorf. 

80. P. Arenariae (Schum.) Schroet. Melandryum silvestre: Im Gesenke bei 

Wermsdorf, Berggeist. Moehringia trinervia: Hohenstadt: in Gärten, 
zwischen ßudolfsthal und Lupelle, im Walde „Podivin", bei Hochstein, 
Rippau, Krumpach, Rowenz, Skalicka, zwischen Lesnic und Kolleschau, 
bei Zautke, Blauda, „Hohewart" bei Zöptau, oberhalb Winkelsdorf. Sagina 
proeumhens: Filippsthal bei Nemile, bei der Mühle im Nemilkathale, bei 
Nieder-Busele. Stellaria media: Im Nemilkathale nicht selten. Stellaria 
nemorum: Hohenstadt: im Walde „Podivin", bei Watzelsdorf; Gesenke: 
Wermsdorf, Pranzensjagdhaus, Schäferei. Stellaria uliginosa: An der 
Strasse oberhalb Pivonin bei Hohenstadt. 

81. P. Spergulae DC. Spergula arvensis: Chirles bei Müglitz am Wege nach 

Nieder-Busele. 

82. P. Malvacearum Mont. Althaea rosea, cultivirt: Schwub's Garten in Hohen- 

stadt, Krumpach, Lesnic, Kolleschau. 

83. P. Glechomatis DC. Glechoma hederaceum: Beim Gross-Heilendorfer Bahn- 

hofe, „Doubrava" bei Schwarzbach, Wermsdorf am Fusse des Gesenkes. 

84. Triphragmium Ulmariae (Schum.) Link. Spiraea Ulmaria: Bei Bohuslavic, 

im Thale zwischen Lupelle und Busele, im Friesethale zwischen Hoch- 
stein und Schildberg, Reitenhau am Fusse des Gesenkes. 

85. Phragmidium Sanguisorbae (DC.) Schroet. Poterium Sanguisorha: I, Ruine 

„Brünnies" (28./IV.), Kalklehnen bei Vitousov (8./V.), Klein-Heilendorf 
(14./V.), am Wege von Hohenstadt nach Nemile (18./V.), Hochstein, 
Hnevkov (21./V.). II, III, Schwillbogen, Watzelsdorf (21./VIII.). 

86. Phr. Potentillae (Pers.) Wint. Potentilla argentea: Krumpach. Potentilla 

aurea: 1 am Wege von der Schweizerei nach Winkelsdorf (6. /VI.); Ver- 
lorene Steine (II, III, 20./VII.), Peterstein (III, 25./IX.). Potentilla opaca: 
Krumpach (I, 6./V.), Jedle, Watzelsdorf, Kosse, Ruine „Brünnies". 

87. Phr. Tormentillae Fuckel. Potentilla Tormentilla: Auf den Lehnen bei Blauda. 

88. Phr. albidum (J. Kühn) Lagerheim. Buhns glandiilosus : Zwischen Rudolfs- 

thal und Lupelle (2L/X. nur II bis in den Winter), in den Wäldern ober- 
halb Krumpach (II, 12./VIII.), Kwittein (II, 23./VIL). Buhus affinis : Bei 
der Säge nächst Lupelle (II, 2L/X. bis XL), Rippau bei Müglitz (II, III, 
23./VII.). 

89. Phr. violaceum (Schultz) Wint. Buhus villicaulis: Wolledorf bei Müglitz. 

Buhus affinis: „Dolecka" bei Hohenstadt, bei der Säge nächst Lupelle. 
Buhus thyrsoideus: Bei Skalicka. 

90. Phr. Buhi (Pers.) Wint. Buhus caesius: Hohenstadt am Säzawa-Ufer. Buhus 

corylifolius : Im Nemilkathale. Buhus nemorosus: Gross-Rasel (I, 24./ V.), 
Zautke (I, l./VL), oberhalb Krumpach in Wäldern, Berg „Hrabsi" bei 
Vitousov. 



Zweiter Beitrag zur Piizflora von Böhmen nnd Nordmäliren. 



33 



YüY. microsorum Sacc. Buhns nemorosiis: In deu Wäldern oberhalb Kruni- 
pach (11, III, 14,/IX.). 

itl. Phr. siibcorticium (Schrank) Wint. I: Bosa canina: Bei Lupelle auch auf 
den Dornen (15./ VI), Krumpach (31. /V.), Allerheiligen (8./VI.), Sehwill- 
bogen (16./ VI.), Blauda (lO./VL); im Tessthale hinter Winkelsdorf (7. /VI.). 
Bosa coriifolia: Bei Krumpach, Lesnic, Rowenz. Bosa dumetorum, sca- 
hrata: Bei Krumpaeh. Bosae cultae: Im ganzen Gebiete. II, III: Bosa 
canina, Bosae cultae: Gemein im Gebiete; sehr oft auch auf Bosa corii- 
folia. Bosa cinerascens: Zwischen Wermsdorf und Franzensjagdhaus. 

02. Phr. Bosae alpinae (DG.) Wint. Im Friesethale unterhalb Jedle, im Thale 
zwischen Lupelle und Busele; Gesenke: Im Tessthale von W^inkelsdorf zum 
Steingraben (I, 7. VI.), am Wege von der Schweizerei nach Winkelsdorf 
(1. IG. /VI.), Berggeist, zwischen Wermsdorf und Franzensjagdhaus; überall 
auf Bosa alpina. 

93. Phr. Bubi Idaei (Pers.) Wint. Buhns Idaeus: I, Hohenstadt (31. /V.), 

Krumpach (6./VI.), Kosse (16./ VI.); II, III, Rippau, Watzelsdorf; Trschitz 
bei Olmütz; Wermsdorf am Fusse des Gesenkes, am Wege von Winkels- 
dorf zur Bründlhaide. 

94. Phr. carhonarium (Schlecht.) Wint. Am Bahnhofe in Hohenstadt, bei Rowenz, 

auf den Wiesen zwischen Hohenstadt, Lesnic und Lesche, bei Lupelle, 
Kosse, Gross-Rasel, im Friesethale unterhalb Jedle; überall auf Sanguisorha 
officinalis, I und III. 

95. Gymnosporangium Sahinae (Dicks.) Wint. Pirus communis: Spermogonien 

und I: Hohenstadt, Krumpach, im Friesethale unterhalb Jedle. 

96. G. juniperinum (L.) Wint. Pirus aucuparia: Spermogonien und I: Bei 

Krumpach, Schwillbogen, Lesnic, Kolleschau; „Doubrava" bei Steinmetz 
nächst Muglitz. 

97. Melampsora Helioscopiae (Pers.) Wint. Euphorbia cyparissias: Bei Kosse; 

ehemaliger Teichdamm am Wege nach Lesnic mit Uromyces striatus I und 
Tuberculina persicina auf denselben Individuen und denselben Blättern. 
Euphorbia esula: Krumpach bei Dolecka, bei Kosse. Euphorbia Helio- 
scopia: Kosse, Lesche, Raabe. 

98. M. Euphorbiae dulcis Otth. Euphorbia amygdaloides: II, im Walde „Podi- 

vin" bei Hohenstadt. Euphorbia dulcis: II, III, Kosse, „Doubrava" an 
der Strasse bei Königslose nächst Ausee, im Thale zwischen Lupelle und 
Busele; Gesenke: Am Wege von Wermsdorf zum Franzensjagdhaus. Auf 
Euphorbia amygdaloides konnte ich noch im October keine Teleutosporen 
auffinden. 

99. M. Lini (Pers.) Tul. Linum catharticum: Skalicka, Krumpach. Einum 

catharticum var. perennis (neu für Mähren): Ruine „Brünnies" (II, 
28./IV.; II, III, 23./ VI.). 

100. M. farinosa (Pers.) Schroet. Auf Salix capraea im Gebiete nicht selten; 

Gesenke: Tessthal zwischen Steingraben und Winkelsdorf, Berggeist. Salix 
aurita: Bei Dubicko, Hochstein. 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 5 



34 Franz Bubäk. 

101. M. mixta (ScMecht.) Schroet. Salix purpurea: Bei Nemile, im Nemilka- 

thale, zwischen Hohenstadt und Liipelle, oberhalb Krunipach, bei Schwill- 
bogen; Chirles bei Müglitz. 

102. M. Vitellinae (DC.) Thiim. Salix amygdalina: Am Säzawa -Ufer in Hohen- 

stadt sehr viel, zwischen Rudolfsthal und Lupelle, Nemilkathal, Aller- 
heiligen, Littau. Salix fragilis: Oberhalb Krumpach, Klein-Heilendorf, 
Nemilkathal, Lupelle; Wermsdorf am Fusse des Gesenkes. 

103. M. Tremulae Tul. Im ganzen Gebiete auf Populus Tremula gemein. Von 

dieser Collectivart ist bei uns speciell sicher nur die folgende Art zu 
verzeichnen. 

104. M. Rostrupii Wagner. I (Caeoma Mercurialis) auf Mercurialis perennis: 

Berg „Hrabsi" bei Vitousov (8./V.). 

105. M. populina (Jacq.) Lev. In Hohenstadt auf Populus pyramidalis, beim 

Bahnhofe auf Populus nigra. 

106. M. Hypericorum (DC.) Schroet. Hypericum quadrangulum : Zwischen 

Eudolfsthal und Lupelle, zwischen Chirles und Nieder-Busele; Gesenke: 
Wermsdorf, Franzensjagdhaus, Peterstein. 

107. M. Saxifragarum (DC.) Schroet. (Caeoma.) Saxifraga granulata: Oberhalb 

Krumpach (17./IV..), Ruine „Brünnies" (28./IV.), Hnevkov (20./V.), zwischen 
Skalicka und Gross-Rasel (24./V.). III, Ruine „Brünnies" (27./X.). 

108. M. betulina (Pers.) Tul. Betula alba: Im Gebiete nicht selten. 

109. Pucciniastrum Epilobii (Chaiil.) Otth. Epilobium angustifolium: Im Gebiete 

nicht selten; noch am Gesenke bei Winkelsdorf und Wermsdorf. Epilobium 
roseum: Hohenstadt, Watzelsdorf; Rippau bei Müglitz. 

110. P. Circaeae (Schum..) Speg. Circaea intermedia: Rudolfsthal (3./X.), im 

Friesethale zwischen Hochstein und Schildberg nicht selten (21. /VIII.). 

111. Thecopsora areolata (Wallr.) Mngn. Prunus Padus: Zwischen Wiesenberg 

und Marschendorf. 

112. Tli. Galii (Link.) Schroet. Galium mollugo, sifoesir^: „Doubrava" bei 

Schwarzbach. Galium verum: „Doubrava" bei Schwarzbach, bei Wolle- 
dorf. 

113. Th. Vacciniorum (Link.) Karst. Vaccinium myrtillus: In Wäldern oberhalb 

Krumpach und Rowenz. Gesenke: Wermsdorf, Franzensjagdhaus, Heiligen- 
hübl, Hohe Heide, Peterstein, Schweizerei. Vaccinium uliginosum: Bründl- 
haide im Gesenke. 

114. Th. Pirolae (Gmel.) Karst. Pirola chlorantha: In Wäldern oberhalb Krum- 

pach, Rowenz, Klein-Heilendorf. Pirola minor: In Wäldern oberhalb 
Krumpach, Rowenz, Klein-Heilendorf. Pirola uniflora: In Wäldern ober- 
halb Krumpach, Rowenz, im Nemilkathale; Gesenke: Am Wege von 
Winkelsdorf zur Schweizerei. Pirola secundiflora : Zwischen Hochstein 
und Hnevkov. 

115. Th. Agrimoniae Eupatoriae (DC.) Diet. Agrimonia Eupatorium: Hohen- 

stadt: In Gross-Rasel am Wege nach Skalicka, 



Zweiter Beitrag zur Pilzflora von Böhmen und Nordmäbren. 



35 



116. Melampsorella Cerastii (Fers.) Schrör. Cerastium arvense: Oberhalb Kruin- 

pach (9./V.), zwischen Eudolfsthal und Lupelle (<3./V.), bei „Dolecka" 
(l./VL). 

117. Cahjptrospora Goepperiiana Kühn. In Wäldern oberhalb Rovensko; I auf 

Äbies excelsa (12. VIII.), III auf Vaccinium Vitis läaea (12. /VIII.). 

118. Coleosporiicm Senecionis (Pers.) Fr. Senecio nemoremis: Bründlhaide und 

Kepernik im Gesenke. Senecio Fuchsii: Oberhalb Krumpach, zwischen 
Kolleschau und Lesuic; oberhalb Wermsdorf und Winkelsdorf im Gesenke. 
Senecio silcaticus: Nemilkathal, Waldlehne bei Blauda; Trschitz bei Olmütz. 
11*J. C. SoncTii (Pers.) Schroet. em. Sonchus arvensis: Im Gebiete viel verbreitet. 
Aäenostyles alhida: Peterstein (20. /VII.) und Bründlhaide (27. /VII.) im 
Gesenke; ist vielleicht auch eine besondere Art, wie die zwei folgenden 
Arten. 

120. C. Tiissilaginis (Pers.) Lev. Pinns silvestris: I, Hohenstadt: im Freien 

durch Cultur erzielt (26.1V.); zwischen Rudolfsthal und Lupelle spontan 
(7./V.), oberhalb Krumpach (21. /V.), Nemilkathal (30. /VI.). Tussilago 
farfara: Im Gebiete gemein. 

121. C. Petasitidis (DC.) Lev. Petasites officinalis: Im Thale zwischen Lupelle 

Busele; im Friesethal unterhalb Jedle. Petasites albus: bei Winkelsdorf 
(26./IX.). 

122. C. Campamdae (Pers.) Lev. Campanula harhata: Gesenke: Berggeist, Alt- 

vater, zwischen Winkelsdorf und der Schweizerei. Campanula patula: 
Wiesen zwischen Hohenstadt und Lesche, zwischen Hochstein und Hnev- 
kov, im Thale zwischen Busele und Lupelle, Waldlehne bei Blauda. 
Campanula rapunculoides : Im Gebiete verbreitet. Campanula trachelium: 
Bei Hohenstadt im Walde „Podivin", im Nemilkathale, zwischen Lupelle 
und Busele, Berg „Hrabsi" bei Vitousov. Phyteuma spicatum: Bei Rudolfs- 
thal, Waldlehne bei Blauda; Ge.senke: Berggeist, Peterstein, zwischen 
Bründlhaide und Winkelsdorf. 

123. C. Melamptjri (Rebent.) Kleb. Melampyrum nemorosum: Berg „Hrabsi" 

bei Vitousov, Waldlehne bei Blauda. Melampyrum pratense: Bei Rowenz, 
Kolleschau, Brünnies, Rohle, Waldlehne bei Blauda. Melampyrum silvati- 
cum: Berggeist und Ramsau im Gesenke. 

124. C. Euphrasiae (Schum.) Wint. em. Rhinanthus alpinus: Drei Brünnl 

im Gesenke. Euphrasia nemorosa: Im Gebiete verbreitet; zwischen 
Wermsdorf und Franzensjagdhaus im Gesenke. Phinanthus hirsutus: 
Pivoniu, Kosse. Rhinanthus minor: Hohenstadt, Krumpach, Rowenz. 

125. Chrysomyxa Pirolae (DC.) Rostrup. In den Wäldern oberhalb Krum])ach 

und Rowenz auf Pirola minor und secundiflora. Bei Pobutsch auf Pirola 
minor, Waldlehne bei Blauda auf Pirola rotundifolia. 

126. Chr. Empetri (Pers.) Rostrup. Empetrum nigrum: Gesenke: Gipfel der 

Bründlhaide, bei der Schutzhütte auf dem Altvater. 

127. Chr. Abietis (Wallr.) üng. Ahies picea: Am Wege vom Altvater zur 

Schweizerei (20./VII.). 



36 Franz Bubäk. Zweiter Beitrag zur Pilzfiora von Böhmen und Nordmähren. 

128. Cronartium flaccidum (Alb, et Schw.) Wint. Hohenstadt: In Gärten auf 

cultivirter Paeonia (30. /VII). 

129. Cr. rihicolum Dietr. In Zöptaii auf Rihes aureum; Pinns strohus unweit 

(28./VII.). 

130. Uredo SymphytiBC. Symphytum officinale: Bei Kosse, im Thale zwischen 

Lupelle und Busele. 

131. ü. Polypodii (Pers.) DG. Cystopteris fragilis: In Vitousov, Rippau. Am 

Fusse des Gesenkes: „Hohewart" bei Zöptau, Wermsdorf, Wiesenberg, 
Winkelsdorf. 

132. Caeoma Evonymi (Gmel.) Schroet. Evonymus europaeus: Bei Bohushivic 

(30. /V.). Plowright gibt August und September als Entwickelungs- 
zeit an. 

133. C. Fumariae Link. Corydalis cava: Hohenstadt: Berg „Hrabsi" bei 

Vitousov (8./V.). 

134. C. Älliorum Link. Allium sp.: Allerheiligen bei Hohenstadt (9./V.). 

135. Aeciditim praecox noT. spee. Pseudoperidiis amphigenis, in maculis 

luteolis orbicularibus congregatis rarius nervicolis, parvis, cupuliformibus, 
margine reflexo, denticulato; sporis polygono-globosis, ovoideis vel oblong is, 
17 6—30' 8 /Lt longis, 17'6—22 latis, membrana achroa subtiliter verrii- 
culosa. 

Hdbitat in foliis Crepidis biennis ad Hohenstadt ^ 3Ioraviae, 
frequentissime, ineunte Äprili et Maio. 

Das Äecidium zu Puccinia silmtica, welches auch auf Crepis 
biennis hier zahlreich vorkommt, hat kleinere Sporen (14—21 so dass 
Aec. praecox fast noch einmal so grosse Sporen besitzt, und entwickelt 
sich erst im Mai, also fast um einen Monat später als unsere Species. Ver- 
suche, die ich mit Aec. praecox auf Carex praecox und Crepis biennis aus- 
führte, waren ohne Erfolg. 

136. Aec. Prunellae Wint. Prunella vulgaris: Franzensjagdhaus im Gesenke 

(leg. Paul)! 

137. Aec. punctatum Pers. Anemone ranunculoides : Zwischen Rudolfsthal und 

Lupelle, Berg „Hrabsi" bei Vitousov, Waldlehne bei Blauda. 

138. Aec. leucospermum DC. Anemone nemorosa: Hohenstadt: Berg „Hrabsi" 

bei Vitousov (8./V.). 

139. Peridermium Pini Willd. f. corticola. Pinns silvestris: Nemilkathal, in 

Wäldern bei Lesche und Krumpach. 
Forma acicola. Pinns austriaca: Altvater (6. /VI.). Pinns Pumilio: Hoch- 
schar (22./VII.). 

140. Uredinopsis filicinns (Niessl) P. Magn. Polypodium Phegopteris: Im Friese- 

thale zwischen Hochstein und Schildberg (21./VIII.). 



Zur Keuntniss der Plecopteren. 



37 



Zur Keiiiitiiiss der Plecopteren. 

I. Ueber Nemura Latr. 

Von 

Dr. Peter Kempny. 

(Mit Tafel I uud 16 Abbildungen im Texte.) 

(Eingelaufen am 15. December 1897.) 

Seit dem Erscheinen von F. J. Pietet's „Histoire naturelle des 
lusectes N^vropteres, Familie des Perlides" hat die Plecopterologie bis 
in die neueste Zeit nur wenige wesentliche Fortschritte zu verzeichnen gehabt. 
In diesem grundlegenden Werke, dessen Verfasser über ein Material verfügte, 
wie es keiner seiner Vorgänger auch nur annäherungsweise besessen hatte, Avaren 
alle bis dahin gewonnenen Forschungsergebnisse in einer Weise verwerthet worden, 
dass die Keuntniss, wenigstens unserer mitteleuropäischen Arten, so ziemlich ab- 
geschlossen schien. 

Es war daher nur natürlich, dass die Neuropterologen diese Familie mehr 
und mehr vernachlässigten und ihre Arbeitskraft anderen, mehr Erfolg ver- 
heissenden Gebieten zuwendeten, und ebenso natürlich war es, dass unter dieser 
Vernachlässigung gerade die aus kleineren Arten bestehenden Genera, somit auch 
das uns hier beschäftigende Genus Nemura Latr., zu leiden hatten. 

Seit 1894 scheint dies gründlich anders zu werden. 

Dem Engländer K. J. Morton gebührt das Verdienst, eine bei den Tricho- 
pteren schon längst allgemein in Anwendung stehende und auch bei den Perliden 
schon 1851 von Hagen angeregte und von Brauer 1857 (bei Dictyopteryx und 
Perla), sowie von Gerstäcker 1873, resp. 1874 (bei Pteronarcys, Diamphipnoa 
und sogar hei einer Nemura !) auch schon praktisch benützte Methode bei diesem 
Genus consequent durchgeführt und auf diese Weise eine präcise und verhältniss- 
mässig leichte Bestimmung der Arten ermöglicht zu haben. 

Diese Methode ist die Untersuchung der Genitalorgane. 

Ein eingehendes Studium der Morton'schen Abhandlung „The Palae- 
arctic Nemourae" überzeugte mich bald von dem geringen Werthe aller bis- 
herigen, auf die Pictet 'sehen Beschreibungen gegründeten faunistischen An- 
gaben, und erregte in mir den lebhaften Wunsch, unsere niederösterreichischen 
j Arten einer neuerlichen Pievision zu unterziehen. 

I Die Herbeischaffung des zu diesem Zwecke erforderlichen Materials bereitete 

mir zum Glück fast gar keine Schwierigkeiten; denn erstens ist mein ständiger 

i Wohnort .Gutenstein (in ca. 500 m Seehöhe in den niederösterreichischen Voralpen 
gelegen) infolge des Pteichthums seiner Thäler an Quellen, kleinen Bächlein und 



38 



Peter Kempny. 



sumpfigen Wiesen ein wahres Eldorado für Perliden und beherbergt alle mittel- 
europäischen Nemuren mit Ausnahme der mir übrigens bezüglich ihrer Art- 
berechtigung zweifelhaften N. duhitans Mort. 

Zweitens verdanke ich dem Herrn Anton Handlirsch, Assistenten am 
k. k. naturhistorischen Hofmuseum in Wien, eine grosse Anzahl von Neuropteren 
und Pseudoneuropteren, welche er im August 1897 auf einer Excursion in den 
Radstätter Tauern erbeutet hatte und mir in liebenswürdigster Weise für meine 
Sammlung überliess. 

p]ndlich wurde ich durch die freundliche Zuvorkommenheit meines einstigen 
Lehrers, des Herrn Prof. F. Brauer, Director der zoologischen Abtheilung des 
genannten Museums, in die angenehme Lage versetzt, die Bibliothek, sowie die 
werthvollen Sammlungen desselben, in denen sich auch die bei Abfassung der 
„Neuroptera Austriaca" zu Grunde gelegenen Typen befinden, uneingeschränkt 
benützen zu können. 

Beiden Herren drücke ich meinen besten Dank aus. ebenso auch dem 
Herrn Carl Greisenegger, Architecten in Gutenstein, welcher mir bei Her- 
stellung der Abbildungen auf das Werkthätigste an die Hand ging. 

Das Studium dieses umfangreichen Materials lieferte einige so interessante 
Ergebnisse in morphologischer und biologischer Beziehung, dass ich mich genöthigt 
sah, über den ursprünglichen Plan einer blossen Revision der niederösterreichischen 
Arten hinaus zu gehen und alle paläarktischen Arten in Betracht zu ziehen. In 
diesem Entschlüsse bestärkte mich die Erwägung, dass Morton's Arbeit nicht 
allen Neuropterologen leicht zugänglich sein dürfte, und dass derzeit kein Werk 
in deutscher Sprache existirt, in welchem die Errungenschaften der neueren 
Forschung bereits Berücksichtigung gefunden haben. 

Somit zerfällt meine Arbeit in vier Theile: 
L Besprechung der wichtigsten einschlägigen Literatur in chrono- 
logischer Reihenfolge. 
II. Erörterung der Morphologie und Biologie des Genus im Allgemeinen, 
um zu zeigen, inwieferne durch die neueren Forschungen Fort- 
schritte gegenüber den älteren Anschauungen angebahnt wurden, 
und um unnöthige Wiederholungen im speciellen Theile zu ver- 
meiden; rein anatomische Fragen, die ja ein Studium für sich 
bilden, sind hierbei ausgeschlossen. 

III. Eingehende Besprechung unserer niederösterreichischen Arten und 

IV. Beschreibung der übrigen paläarktischen Arten nach Morton. 

Einige Bemerkungen über die Präparation der Perliden und die Auf- 
bewahrung in Sammlungen sollen den Schluss bilden. 

1. Literatur. 

Was vor Pictet's Hauptwerke über unser Thema geschrieben wurde, hat 
heute nur mehr historisches Interesse und soll daher nur in Kürze skizzirt werden. 



I 



Znr Kenntniss der Plecopteren. 



39 



Genauere Auskunft darüber findet man bei Pictet und in einer später zu er- 
wähnenden Arbeit Ha gen 's. 

Schon 1766 bildet Schaeffer in seinen „Icones" ein hierher gehöriges 
Insect ab, jedoch erst 1796 wurde das Genus „Nemiira^ von Latreille in seinen 
„Precis des caracteres des Insectes" aufgestellt, umfasste jedoch damals auch die- 
jenigen Arten, welche heute als Leiictra und Taeniopteryx selbstständige Genera 
bilden. 

1811 beschrieb Olivier (Encycl. method.) fünf Arten dieses Genus, wovon 
zwei (N. variegata und cinerea) Nemuren im heutigen Sinne sind. 

Diesen zwei Oli vier'schen Arten fügte Pictet (1836) in den „Mem. de 
la Societe de Physique et d'Histoire naturelle de Geneve", Vol. VII fünf weitere 
Arten hinzu, nämlich X. lateralis, nitida, marginata, Jiumeralis und ineonspicua, 
nachdem er schon 1832 in den „Ann. sc. natur.". Vol. XXVI mehrere hierher ge- 
hörige Larven bekannt gemacht hatte. 

Ebenfalls im Jahre 1836 trennte Stephens (Illustr. of British Entom.) 
das Genus Leuctra von Nemiira ab und beschrieb 18 (!) zu letzterem gehörige 
Arten. Alle diese erwiesen sich nach M'Lachlan und Morton synonym mit 
Pictet "sehen Arten, vielleicht mit alleiniger Ausnahme seiner N. camhrica. 

1839 vereinigte Burmeister in seinem „Handbuch der Entomologie" 
wieder alle Arten dieser Gruppe mit Einschluss der Pictet'schen Perla (der 
späteren Capnia) nigra in einer Gattung, die er Semblis F. nannte (da er den 
Latreille"schen Namen Nemura für grammatikalisch unrichtig hielt), und be- 
trachtete als charakteristisches Trennungsmerkmal gegenüber den eigentlichen 
Perlen nicht mehr die Abwesenheit der Schwanzfäden, sondern die verschiedene 
Form der Palpen. Sein Werk enthält eine gute Schilderung der Morphologie und 
Anatomie unserer Thiere, zur Gattung Nemura gehört jedoch nur eine der darin 
angeführten Arten, nämlich Semblis pallipes, nach Pictet's Zeugniss eine un- 
ausgefärbte N. variegata Ol. 

Auch in Zetterstedt's „Insecta Lapponica" (1840) werden einige Arten 
aufgeführt, die jedoch in Anbetracht der mangelhaften Beschreibung und des 
Fehlens von Citaten schwer zu deuten sind. Sichergestellt dürfte nur die N. 
variegata sein. Seine von Albarda (Cat. rais.) citirte JSf. cinerea dürfte sich 
eher auf N. horealis Mort. beziehen. 

Das Jahr 1841 brachte endlich das Hauptwerk der Plecopterologie : F. J. 
Pictet's „Histoire Naturelle des Insectes Nevropteres. Familie des Perlides". In 
diesem Werke, dessen Studium auch heute noch Niemand, der sich mit dieser 
I Familie wissenschaftlich beschäftigt, umgehen kann, zerlegte Pictet das alte 
I Latreille 'sehe Genus Nemura in drei Subgenera, nämlich Taeniopteryx n. subg., 
I Leuctra Steph. und Nemura s. str. 

! Zu letzterem rechnete er ausser den schon früher von ihm und Olivier 

; beschriebenen Arten noch die neue N. Meyeri. An zwei Stellen seines Werkes 
j (p. 338 und p. 383) betont er die ungemeine Schwierigkeit der Unterscheidung 
i der einzelnen Arten, glaubte jedoch in der Form, Sculptur und Färbung des 



i 



40 



Peter Kempny. 



Proiiütums in Verbindung mit der Farbe der Flügel, resp. „Berauchung" der 
Flügeladern ziemlich sichere Merkmale gefunden zu haben. 

Im Jahre 1851 gab Hagen in der Stettiner Entomologischen Zeitung eine 
kritische „üebersicht der neueren Neuropteren-Literatur im Sinne Linne 's", 
worin er die Pictet'schen Subgenera zum Range von Genera erhob. Es ist sehr 
interessant, dass er schon damals die Ansicht aussprach, die Untersuchung der 
Genitalien würde gerade bei den Perliden in der Zukunft eine grosse Bedeutung 
gewinnen, ein Gedanke, der bei Nemura erst nach mehr als einem halben Jahr- 
hundert sich verwirklichen sollte. 

Unsere niederösterreichischen Arten wurden zum ersten Male 1857 von 
Prof. F. Brauer in den „Neuroptera Austriaca" ausführlich behandelt, welches 
Werk für viele Jahre in Oesterreich und Deutschland massgebend blieb. Wir 
finden darin alle Pictet'schen Arten — mit Ausnahme von Meyeri und Incon- 
spicua — als in Niederösterreich vorkommend aufgeführt. Da ich, wie eingangs 
erwähnt, in der Lage war, Herrn Prof. Brau er 's Typen einzusehen, verweise 
ich bezüglich des Näheren auf den speciellen Theil. 

Lii Jahre 1865 erschien Ed. Pictet's „Nevropteres d'Espagne", worin zwei 
neue Arten, N. lacustris und N. umbrosa, beschrieben wurden; letztere ist aller- 
dings nach Morton synonym mit N. variegata. 

Einige in den nächsten Jahren erschienene Arbeiten bieten nur local- 
faunistisches Interesse, und da überdies die darin enthaltenen Angaben einer 
Revision auf Grund der neuen Forschungsmethoden bedürfen, führe ich hier mü- 
deren Titel an: 

1868. Rostock, Verzeichniss sächsischer Neuropteren. (Berl. entom. Zeitschr., 

1868, S. 219-226.) 

1869. Äusserer, Neurotteri Tirolese. I. Pseudoneurotteri. (Ann. Soc. Nat. Mo- 

dena, IV, p. 71 — 156, Tav. VIII — IX. Eine Uebersetzung von Brauer's 
Neur. Austr. mit Angabe der Tiroler Fundorte.) 

1873. Rostock, Neuroptera Saxonica. (S. B. Ges. „Isis", 1873, S. 17—25.) 

1874. Meyer -Dür, Die Neuropteren-Fauna der Schweiz bis auf heutige Er- 

fahrung. (M. T. Schweiz, ent. Ges., IV, S. 281—352.) 

1878. Rudow, Verzeichniss der in Mecklenburg bis jetzt aufgefundenen Neuro- 

pteren. (Arch. Ver. Mecklenb., XXXI.) 

1879. Rostock, Die Netzflügler Sachsens. (S. B. Ges. „Isis", 1879, S. 70—91.) 
1881. Rostock, Verzeichniss der Neuropteren Deutschlands, Oesterreichs und der 

Schweiz. (Ent. Nachr., VII, S. 217—228 und S. 285.) 
1883. Kolbe, Verzeichniss der Perliden Westfalens. (J. B. westf. Ver. Münster, 
XI, S. 31—33.) 

1885. Brauer, Neuroptera des Gebietes von Hernstein in Niederösterreich und 
der weiteren Umgebung. (In Dr. G. v. Beck 's „Fauna von Hernstein in 
Niederösterreich", II. Theil, 2. Halbband.) 

1885. Schoch und Ris, Neuroptera Helvetica, analytisch bearbeitet als Grund- 
lage einer Neuropteren-Fauna der Schweiz. Schaflfhausen. 



I 



Zur Kenntniss der Plecopteren. 



41 



1888. Rostock, Neuroptera Germanica. Die Netzflügler Deutschlands, mit Be- 

rücksichtigung auch einiger ausserdeutschen Arten nach der analytischen 
Methode unter Mitwirkung von H. Kolbe bearbeitet. (J. B. Ver. Zwickau, 
1887, S. 1—198, Taf. I— X.) 

1889. Albarda, Catalogue raisonne et sjnonymique des Nevropteres observes 

dans les Pays-Bas et dans les Pays limitrophes. (Tijdskr. Ent., XXXII, 
p. 210—376. Enthält die ausführlichste Synonymie.) 
1892. Martin, R., Les Perlides du departement de l'Indre. (Rev. d'Ent., XI, 
p. 198—201.) 

1892. Nunney, W. H., The British Perlidae or Stone-flies. (Sci.Yoss., 1892,p.35flF.) 

Einige andere in diesen Zeitraum fallende Arbeiten erfordern jedoch eine 
ausführlichere Besprechung. 

Es gilt dies vor Allem von der 1874 erschienenen berühmten Abhandlung 
Gerstäcker's „Ueber das Vorkommen von Tracheenkiemen bei ausgebildeten 
Insecten" (Zeitschr. für wissensch. Zool., Bd. 26, S. 204—252, Taf. XXIII), worin 
er, wie schon ein Jahr vorher bei Pteronarcys und Diamphipnoa (bei ersterer 
; im Anschluss an Newport), so jetzt bei N. lateralis und N. cinerea die Persi- 
j Stenz dieser Organe im Imagostadium nachwies. Gleichzeitig glaubte er — irre- 
geleitet durch das von Pictet angegebene, jedoch trügerische Merkmal der 
Prothoraxfärbung — die Zusammengehörigkeit von N. lateralis und nitida als 
i cT und 9 einer Art festgestellt zu haben, eine Ansicht, der alle späteren Autoren 
I beipflichteten. Ich werde jedoch im speciellen Theile die Unrichtigkeit dieser 
Ansicht nachweisen und zeigen, dass Gerstäcker nicht lateralis und nitida, 
sondern nur die letztere Art vor sich hatte. 

Ein weiteres Verdienst Gerstäcker 's ist es, dass er in dieser Arbeit die 
Pictet 'sehe Beschreibung der Mundtheile richtig gestellt und die erste Be- 
schreibung der männlichen und weiblichen Genitalien gegeben hat. 

1875 beschrieb M'Lachlan zwei neue zu unserem Genus gehörige Arten, 
nämlich N. ornata und maracandica. Letztere wurde allerdings damals (Fed- 
tschenko's Reisen in Turkestan) als Taeniopteryx beschrieben, jedoch später 
(Ent. M. Mag., XXIV, p. 90) vom Autor selbst zu Nemura transferirt. 

1876 gab Brauer in „Die Neuropteren Europas und insbesondere Oester- 
reichs" (Festschrift der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, S. 265—300) eine 
Zusammenfassung aller bisherigen Erfahrungen über die geographische Ver- 
breitung der Netzflügler des paläarktischen Faunengebietes. 

Dies war der Stand unserer Kenntnisse bis zu dem Erscheinen von K. J. 
Morton 's „The Palaearctic Nemourae" (Trans. Ent. Soc. Lond,, 1894, p. 557 
bis 573, PI. XIII— XIV). 

In diesem bahnbrechenden Werke wurde zum ersten Male die Untersuchung 
der Genitalien zur Charakterisirung der Arten consequent und mit dem besten 
Erfolge benützt, so dass die sichere Bestimmung der Nemuren heute eine ver- 
hältnissmässig leichte Sache ist, vorausgesetzt, dass die Thiere in geeigneter Weise 
präparirt sind. 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 6 



42 



Peter Kempny. 



Morton beschreibt auch eine Anzahl neuer Arten, nimWch N. aviculm'is, 
dubitans, praecox, lacustris und horealis, welchen er in einer neueren Arbeit 
„New and little known Palaearctic Perlidae" (1. c, 1896, p. 55—62, PI. II) noch 
die N. Sahlbergi hinzufügte. 

In beiden Arbeiten erscheinen nur die Appendices der Männchen berück- 
sichtigt, und es ist keine morphologische Deutung dieser Appendices gegeben. 

Diese Lücken auszufüllen, ist der Zweck der vorliegenden Studie und einer 
ausgezeichneten Arbeit Prof. Klapälek's, die ich leider erst kurz vor Beendigung 
meines Manuscriptes kennen lernte: „lieber die Geschlechtstheile der Plecopteren, 
mit besonderer Eücksicht auf die Morphologie der Genitalanhänge" (Sitzungsber. 
der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, mathem.-naturw. Classe, 1896, S. 683 bis 
734, Taf. I-V). 

Während jedoch Klapälek die systematische Seite der Frage nur in 
zweiter Linie in Betracht zog, und es ihm hauptsächlich darum zu thun war, 
durch Vergleichung verschiedener Gattungen zu einer einheitlichen Anschauung 
bezüglich des morphologischen Werthes der einzelnen Theile der Genitalorgane 
zu kommen, soll es die Aufgabe der vorliegenden kleinen Arbeit sein, zu zeigen, 
dass auch die Weibchen in ihren Genitalien nicht weniger charakteristische Art- 
merkmale besitzen wie die Männchen, ja noch mehr: dass man gerade nach 
diesen weiblichen Charakteren die Arten in drei Gruppen theilen muss, welche 
später gewiss als selbstständige Gattungen aufgefasst werden dürften. Klapälek 
und ich sind auf diese Weise unabhängig von einander und auf verschiedenem 
Wege zu beinahe identischen Resultaten gekommen, was einen erfreuliehen Beweis 
für die Eichtigkeit unserer Anschauungen bildet. 

II. Morphologie. 

Das Genus Nemura enthält nur kleine bis mittelgrosse Formen. 

Der Kopf ist relativ kleiner wie bei den Perliden s. str., auch nicht so 
scheibenförmig flach gedrückt, sondern mehr gewölbt und von annähernd trapez- 
förmigem Umriss; sein grösster Qiierdurchmesser verbindet die hinteren Pole der 
beiden grossen, vorquellenden Netzaugen; letztere erscheinen von oben gesehen 
nicht vollkommen halbkreisförmig, da ihre vordere Hälfte nach einem etwas 
kleineren Radius gekrümmt ist, wie die rückwärtige. Ausser diesen Netzaugen 
sieht man am Kopfe noch drei Oc eilen (Fig. 1, oc), zwei von ihnen stehen in 
der Verbindungslinie der beiden Netzaugen, das dritte, kleinere, in der Mittel- 
linie des Kopfes mehr nach vorne gerückt. 

Das Hinterhaupt fällt ziemlich steil gegen das Pronotum ab. 

Vor den Netzaugen befindet sich die Fühl ergrübe, deren Rand — be- 
sonders nach aussen — zu einem ziemlich hohen Wall erhoben ist. Dieser 
Wall (w) ist je nach der Art verschieden gefärbt und wurde von den meisten 
Autoren (auch Pictet) fälschlich für das erste Fühlerglied gehalten. 

Das wirkliche erste Fühlerglied, der Scapus (sc) ist dick, cylindrisch, 
das zweite, der Pedicellus (pe) kürzer und von nur halb so grossem Durchmesser, 



Zur Kenntniss der Plecopteren. 



43 




das dritte (respective erste Geisselglied, 3 in der Figur) und die folgenden Glieder 
länger, cylindrisch, an der Basis verschmälert, dicht mit feinen Härchen bekleidet 
und an der Spitze mit einem Wirtel von stärkeren 
Borsten besetzt. Das dritte ist das längste. 

Die von Pictet gegebene Beschreibung der 

Mundtheile von Nemura variegata erfuhr durch ^ 3 

Gerstäcker (der allerdings seine Untersuchungen an 
N. nitida anstellte) eine bedeutende Correctur. Ich d^-^ 

folge der Darstellung des Letzteren. „Die Mandibeln ^^^^::^f 1 

(Fig. 2) sind schwach entvyickelt, ziemlich flach, im ^ 
Umriss fast quadratisch, am Kaurande mit zwei 1 
grösseren, ziemlich stumpfen Zähnen bewehrt, hinter ' ^^^ß^ 

diesen noch zweimal zahuartig eingeschnitten. 

Die Maxillen zeigen den Cardo (Fig. 3, cd) als 
aus zwei durch eine Naht deutlich getrennten, länglich- 
dreieckigen Chitinplatten bestehend, welche ihre Spitze j nitida. 
der Kehle, ihre Basis den Stipes der Maxillen (st) zu- 
wenden. Die mehr erweiterte äussere dieser Platten zeigt einen geschwungenen 
Seitenrand. Die schmal dreieckige, am Ende hakenförmig eingekrümmte Innen- 
lade (il) ist verhornt, zweispitzig, am Kaurande fein und dicht 
einreihig gewimpert; die Aussenlade (Galea, ga) dagegen ist 
zweigliedrig, nur von lederartiger, an der Spitze und dem 
Innen rande sogar nur von weichhäutiger Consistenz, ihr Aussen- 
rand gewimpert, ihre den Haken der Innenlade helmartig über- 
ragende Spitze deutlich zweizipfelig. Der Kiefertaster ist vier- ^'ig- 2. 
gliedrig, das zweite Glied am längsten, fast doppelt so lang ^(Nfct^eirstTcker''" 
als das erste, das Endglied schmäler als die vorhergehenden. 

An der Unterlippe folgt auf das quere, trapezförmige Mentum (Fig. 4, mt) 
ein durch die beiden grossen, schräg nach vorne und aussen verlaufenden Taster- 
träger, Squamae (squ), verlaufendes Mittelstück, welchem sich als dritter Ab- 





Fig. 3. Maxille von N. nitida. 
(Nach Gerstäcker.) 




Fig. 



. Unterlippe von N. nitida. 
(Nach Gerstäcker.} 



schnitt die herzförmige Ligula (lg) anschliesst. Letztere ist im Gegensatz zu den 
verhornten Squamis von mehr lederartiger Consistenz und an ihrem breiten, 
leicht abgerundeten Endrande in vier Lappen, zu je zwei den Laden der Maxille 



44 



Peter Kempny. 



entsprechend, eingeschlitzt. Diese Lappen, von denen die grösseren, äusseren den 
inneren zum Theil aufliegen, erscheinen noch dünnhäutiger als der übrige Theil 
der Ligula und vor ihrem durchsichtigen Endsaum fein beborstet. Die beider- 
seits von der Ligula auf den Squamae entspringenden Lippentaster (pl) sind 
kurz und gedrungen. Das erste Glied hat die Form eines kurzen, queren Chitin- 
ringes, das zweite ist etwa doppelt so lang und napfförmig, das dritte erscheint 
kugelig, im Gegensatz zu den beiden deutlich chitinisirten ersten zarthäutig und 
dicht mit feinen Börstchen besetzt." 

Aus dieser Beschreibung geht hervor, dass die Mundtheile — wenigstens 
der Nemuren — nicht so verkümmert sind, dass sie die Nahrungsaufnahme un- 
möglich machen, eine Angabe, welche sich in allen Werken, von Bietet ange- 
fangen, findet. 

Diese Behauptung steht auch in directem Widerspruch mit zwei Beob- 
achtungen, die ich oft und oft während meiner Studien zu machen Gelegenheit 
hatte. Es ereignete sich nämlich sehr häufig, dass gerade Nemuren (und auch 
vollkommen ausgefärbte) im Todeskampfe fleischfarbige Massen aus dem After 
herauspressten, welche sich unter dem Mikroskope als verdaute Nahrung erwiesen. 
Sollten diese noch aus dem Nymphenstadium herrühren? Ferner verdient die 
Thatsache Beachtung, dass zusammengesperrte Nemuren (auch und 9 der- 
selben Art) sich immer gegenseitig an Fühlern und Beinen beschädigen, ja dass 
mitunter eine die andere tödtet! 

Nach dieser Abschweifung auf das Gebiet der Biologie wollen wir unser 
Thema wieder aufnehmen. 

Die drei Brustsegmente sind von beinahe gleicher Grösse und unter 
einander nicht verwachsen. 

Das Pronotum hat einen bald mehr quadratischen, bald mehr recht- 
eckigen Umriss mit mehr oder weniger, abgestumpften Ecken; bei einer Art (N. 
praecox Mort.) bildet der Seitenrand in der Mitte einen ziemlich deutlichen 
stumpfen Winkel, so dass der Umriss mehr sechseckig erscheint. Der etwas auf- 
gewulstete und von der übrigen Fläche durch eine tiefe Furche abgegrenzte 
Vorderrand ist gewöhnlich so breit wie der Kopf (ohne Augen), der Hinterrand 
etwas schmäler. 

Die Fläche des Pronotums ist entweder glatt und glänzend oder matt, 
mitunter sogar deutlich granulirt, in allen Fällen mit einigen grösseren halb- 
kugeligen, glänzend schwarzen Höckerchen versehen. 

Meso- und Metanotum zeigen auf ihrer gewölbten Eückenfläche eine 
stumpfkantig dreiseitige (kleeblattförmige) Rückenplatte, deren vorderer Rand 
noch höher liegt als die nach hinten gerichtete, das Scutellum bildende Spitze. 
Vor dieser Rückenplatte sieht man noch einen schmalen queren Chitinring 
(Praescutum), welcher am ersten Segment nur durch ein ganz kleines, lang- 
gestrecktes Dreieck mit nach vorne gerichteter Spitze angedeutet wird. 

In der Seitenansicht erkennt man, dass dasEpimerum des ersten Brust- 
segmentes nur schwach, in Form einer halbmondförmigen, vor und über den 



Zur Kennt niss dor Plecoptereu. 



45 



Hüften stehenden Platte entwickelt ist, während das Episternum fehlt, resp. mit 
dem Prosternum verwachsen ist. 

Die Pleuren des zweiten und dritten Segmentes sind viel stärker ent- 
wickelt, besonders die Epimeren, welche durch eine Furche in zwei gewölbte, 
hintereinander liegende Felder getheilt werden. 

In der zarten Verbindungshaut der Segmente, gerade über der Einlenkung 
der Hüfte, liegen die grossen Thoracalstigmen. 

Die Sternalplatten sind flach und auf den verschiedenen Segmenten von 
verschiedener Gestalt, und zwar ist das Prosternum gleichseitig dreieckig mit dem 
Mentum zugekehrter Basis, das Meso- und Metasternum sind gross, rechteckig, 
breiter als lang. Von der hinteren äusseren Ecke dieser beiden Platten zieht 
beiderseits eine schmale Chitinspange zu den Hüften, und zwischen den Mittel- 
hüften findet sich ausserdem noch ein ganz kleines dreieckiges Plättchen, dessen 
Basis mit dem Mesosternum in Verbindung steht. 

Die Anhangsgebilde der Thoraxsegmente sind die Tracheenkiemen, die 
Beine und die Flügel. Erstere, von Gerstäcker bei iV. nitida entdeckt, ent- 
springen (beiderseits drei) am Vorderrande des Prosternums, und zwar alle drei 
an demselben Punkte. Es sind weissliche, drehrunde, schlauchförmige Gebilde 
von beiläufig — ^/^mm Länge, und in jede von ihnen geht ein grösseres Tra- 
cheenstämmchen hinein. Von unseren österreichischen Arten besitzen sie ausser 
N. nitida auch noch N. marginata, Meyeri und — aber verkrüppelt — N. cinerea. 
Ich möchte sie, der Analogie nach, auch bei N. duhitans, lacustris und praecox 
vermuthen, obwohl Morton, der Gerstäcker 's Arbeit nicht zu kennen scheint, 
ihrer nicht erwähnt. 

Die Beine sind gewöhnliche Gangbeine ohne besondere Eigenthümlich- 

keiten. 

Die Hüfte ist cylindrisch, klein, aber dick; die Trochanteren noch kleiner 
und schwächer. Die Schenkel ziemlich kräftig und stark zusammengedrückt, die 
Schienen länger als die Schenkel, aber weit schwächer, rundlich und an der 
Spitze mit zwei Sporen bewehrt. 

Die dreigliedrigen Tarsen besitzen ein beinahe gleich langes erstes und 
drittes und ein sehr kleines Mittelglied, welches an der Vorderseite etwas ver- 
längert ist. Am Endglißde befinden sich zwei hornige Krallen und zwischen 
ihnen ein breiter Haftlappen. 

Bezüglich der Flügel genügen einige Worte, da sie bei der Bestimmung 
der Arten von keiner besonderen Wichtigkeit sind. Die Terminologie des Geäders 
erhellt aus der Abbildung der Flügel von N. marginata (Fig. 5), welche nach 
äiner Photographie angefertigt ist, die ich der Liebenswürdigkeit des Herrn Hugo 
Hinterberger, Lectors an der k. k. Universität Wien, verdanke. 

Bekanntlich galten die in der Ruhe flache Haltung der Flügel, sowie die 
x-ähnliche Aderfigur in der Pterostigmagegend als charakteristisch für das Genus 
Nemura; dieses letztere Merkmal ist jedoch (abgesehen vom Vorkommen bei 
Capnia) durch Albarda (Ann. Soc. Belg., XXXIII) in seiner Bedeutung einge- 
schränkt worden, da es sich auch bei seiner Taeniopteryx neglecta findet, und als 



46 



Peter Kempny. 



Curiosum muss ich eine Leuctra meiner Sammlung erwähnen, deren linker 
Vorderflügel ebenfalls die x-Figur zeigt, während der rechte normal ist. 

Einige Abweichungen von dem allgemeinen Geäderschema werden bei den 
betreffenden Arten ihre Erörterung finden. 

Das Abdomen ist weniger flach gedrückt wie bei den eigentlichen Perlen, 
mehr walzig, und besteht aus zehn Segmenten, von denen jedoch das erste nur 
auf dem Rücken deutlich ausgebildet ist, während dessen Bauchplatte mit dem 




Apicalzellen. 



Fig. 5. Flügel von N. marginata. - 



Metasternum verschmilzt. Die abweichende Angabe Gerstäcker's, der nur neun 
Segmente annimmt, wurde von Klapälek auf Grund von Untersuchungen an 
erwachsenen Larven widerlegt, erledigt sich übrigens meiner Ansicht nach schon 
dadurch, dass Gerstäcker infolge seiner Anschauung zu der Inconsequenz ge- 
drängt wurde, ein und dasselbe Gebilde, die bei nitida cf und $ noch deut- 
lich als solche erkennbaren Subanalklappen, beim ^^Is Anhänge des zehnten 
Ventralbogens, beim $ aber als gespaltenen zehnten Ventralbogen selbst zu er- 
klären (conf. Gerstäcker, 1. c, Taf. XXIII, Fig. 9 und 10). 

Wenn wir zuerst das einfacher gebaute und deshalb leichter verständliche 
9 betrachten, so sehen wir, dass die Segmente 2 — 6 ziemlich gleich gestaltet 



Zur Kenntuiss der Plecopteren. 



47 



und gefärbt sind. Der Ventralbogen des siebenten Segmentes ist jedoch viel breiter 
und besitzt nahe dem Hinterrande eine dunkel gefärbte quer-elliptische Vor- 
wölbung, welche der darunter liegenden grossen Scheide entspricht. Der Hinter- 
rand selbst ist entweder nur ganz schwach geschwungen, oder zu einer mächtigen 
halbkreisförmigen oder dreieckigen Subgenitalplatte ausgebildet. Im ersteren 
Falle liegt die Genitalölfnung als schmaler, durch zwei je nach der Art ver- 
schieden geformte Vaginalklappen begrenzter Längsschlitz der achten Ventralplatte 
frei zu Tage, im letzteren wird sie durch die Subgenitalplatte verdeckt. Der neunte 
Ring gleicht wieder den früheren und ist nur etwas schmäler, der zehnte ist 
jedoch als Träger der Analanhänge wieder modificirt. Auf dem Rücken gleicht 
er dem neunten Ringe, ist jedoch noch schmäler, und sein Hinterrand ist leicht 
gerundet; in den Seiten verschmälert er sich mehr und mehr, so dass er auf der 
Bauchfläche nur mehr durch zwei schmale, einander die Spitze zukehrende Drei- 
ecke repräsentirt wird. Diese anscheinende Verschmälerung beruht übrigens 
eigentlich nur auf Einziehung seines Ventralbogens unter den des vorhergehenden 
Segmentes, so dass er durch Druck auf das Abdomen leicht sichtbar gemacht 
werden kann. Die Analanhänge bestehen aus der unpaaren, stumpf zapfen- 
förmigen Supraanalklappe, den paarigen, dreieckigen Subanalklappen und den 
beim 9 immer eingliedrigen und deutlich als solchen erkennbaren Cercis. 

Weit complicirter ist der Bau des männlichen Abdomens. Betrachten wir 
zuerst die Unterseite! Während Segment zwei bis acht noch keine Abweichung 
von der normalen Gestalt aufweisen, erscheint der neunte Ventralbogen durch 
zwei tiefe Längsfurchen in drei Felder getheilt, von denen das mittlere einem 
Rechteck mit etwas geschwungenen Seitenrändern gleicht; am Hinterrande des 
neunten Segmentes verschmälert es sich plötzlich und läuft in einen dreieckigen 
Zipfel aus, der erst an der Hinterleibsspitze endigt. Dieser Zipfel, an dessen Ende 
der Ductus ejaculatorius mündet, ist bald lang und schmal (bei Arten, deren 9 
eine ausgebildete Subgenitalplatte besitzen), bald kurz und breit (bei Arten ohne 
eine solche). In der Medianlinie des Mittelfeldes sehen wir ein merkwürdiges 
Gebilde, das aus einem schmalen Stil mit parallelen Rändern und einem bald 
mehr eiförmig-rundlichen, bald mehr länglich-elliptischen Endtheil besteht. 
Letzterer ist äusserst zarthäutig, von milchglasartigem, leicht gelblichem Aus- 
sehen und liegt einem Ausschnitt der neunten Ventralplatte wie ein Deckel auf. 
Fig. 3 (Taf. I) gibt die richtigste Vorstellung davon; meine übrigen Figuren, so- 
wie auch die Klapälek's sind ungenau. Gerstäcker Hess es gar vom vorher- 
gehenden Segmente seinen Ursprung nehmen! Weder er, noch Klapälek sprechen 
sich über die Deutung dieses Gebildes näher aus. Bei unbefangener Betrachtung 
kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass man es mit einer mit Flüssig- 
keit gefüllten Blase zu thun hat, wofür auch das rapide Zusammenfallen desselben 
nach dem Tode des Thieres spricht; möglicher Weise handelt es sich um eine 
accessorische Geschlechtsdrüse oder ein Duftorgan. Da eine sichere Deutung noch 
nicht gegeben ist, werde ich es im Verlaufe dieser Studie als „Bauchblase" bezeichnen. 

Die bei den 9 so einfachen Analanhänge sind bei den in der mannig- 
faltigsten Weise modificirt und liefern ausgezeichnete Artcharaktere. Beginnen 



48 



Peter Kempny. 



wir mit den Cercis, so finden wir, dass sie bei einigen Arten (z. B. N. marginata, 
nitida und Meyeri) denen des 9 vollkommen gleichen, bei anderen dagegen (N. 
variegata, lateralis und inconspicua) ganz anders gestaltet und zu Hilfsorganen 
bei der Copulation umgeformt sind. 

Dasselbe gilt von den Subanalklappen; auch diese sind bald als solche 
deutlich erkennbar (N. marginata, variegata), bald mehr minder modificirt (N. 
nitida, lateralis, Meyeri), bis zu der lang konischen Form bei N. inconspicua. 

Das interessanteste Organ der Nemura- (und Capm'a-j Männchen ist der 
Dorsalfortsatz, ein ruthenförmiger Anhang der zehnten Dorsalplatte, welcher sich 
zuerst nach oben, dann nach vorne krümmt und mit seinem Endtheil in einen 
häutig gebliebenen Ausschnitt der neunten Dorsalplatte einlagert. Klapälek 
betrachtet ihn als eine zu Copulationszwecken sehr stark modificirte Supraanal- 
klappe, obwohl er — besonders am Ende — eine paarige Zusammensetzung aus 
zwei symmetrisch gestellten Theilen zeigt. 

Bei der Copulation sitzt das ^ auf dem Rücken des 9» klammert sich 
mit den Beinen fest und krümmt den Hinterleib (nach meinen Beobachtungen 
öfters an der linken Seite) auf die Bauchfläche des 9 ; der ruthenförmige Fort- 
satz dringt in die Bursa copulatrix, die Appendices umklammern den Hinterleib 
von unten hinten nach vorne oben und die den Ductus ejaculatorius enthaltende 
Spitze des Fortsatzes der neunten Ventralplatte wird in die weibliche Geschlechts- 
öffnung gepresst. 

Gerstäcker ist es nie geglückt, diesen Act zu beobachten, und auch ich 
habe in drei Jahren trotz emsigsten Suchens nur einmal eine Copula von N. 
inconspicua gefunden. Es schlugen mir auch alle Versuche, in der Gefangen- 
schaft die Begattung zu erzielen, fehl, da sich die Thiere, wie schon früher er- 
wähnt, immer verletzten und tödteten. 

Diese Beobachtung ist um so auffallender, als sie mit den Erfahrungen an 
anderen kleinen Perliden in Widerspruch steht, denn Leuctra, Isopteryx, Capnia 
und Taeniopteryx findet man sehr häufig in gepaartem Zustande und kann sie 
ausserdem in der Gefangenschaft sehr leicht dazu bringen. 



Unter Berücksichtigung der durch die neueren Forschungen gewonnenen 
Ergebnisse hat die Diagnose des Genus folgendermassen zu lauten: 

Nemura (Latr.) P. 

Hinterflügel breiter als die Vorderflügel, faltbar. Fühler fadenförmig, 
Taster fadenförmig. Erstes und drittes Tarsenglied fast gleich lang, zweites sehr 
kurz. Dritte Apicalzelle am Grunde erweitert, von einer auf dem Sector radii 
schiefen Querader begrenzt, wodurch in der Pterostigmagegend eine deutliche 
x-ähnliche Figur entsteht. Cerci ein- bis zweigliedrig, bei den (J^ oft mannigfaltig 
modificirt. 



Zur Kenntniss der Plecopteren. 



49 



Schon das Studium unserer niederösterreichischen Arten zeigt uns, dass 
dieselben mehreren Gruppen augehören, \Yelche mindestens den Rang von Unter- 
gattungen beanspruchen. 

Die Arten der ersten dieser Gruppen {Protonemura nov. subg.), N. 
marginata, nitida und Meyeri, haben als Imagines wohl entwickelte Tracheen- 
kiemen. Morton erwähnt sie merkwürdiger Weise bei marginata und Meyeri 
nicht, wohl weil er die Arten nur in getrockneten Stücken vor sich hatte, bei 
denen man sie leicht übersehen kann. 

Die dieser Gruppe haben einen kurzen und breiten Zipfel der neunten 
Ventralplatte; die „Bauchblase" ist eiförmig oder kurz elliptisch. Die Cerci 
gleichen vollkommen denen des $. Auch die Subanalklappen sind wenig modi- 
ficirt, nur ihre Endhälfte ist verlängert und verschmälert. (Bei N. marginata 
ist nicht einmal das der Fall.) Der Dorsalfortsatz ist lang und relativ schlank. 

Beim $ ist der Hinterrand der siebenten Ventralplatte nur leicht ge- 
schwungen, niemals ausgerandet, so dass die Geschlechtsöfifnung frei zu Tage liegt. 

Ein weiteres gemeinsames Merkmal unserer niederösterreichischen hierher 
gehörigen Arten ist die dunkle Berauchung der starken schwarzen Adern, wodurch 
die Flügel ein buntes Aussehen gewinnen, welches den anderen Gruppen mangelt. 

Protonemura repräsentirt ohne Zweifel einen älteren Zweig des Nemuren- 
stammes. Hiefür spricht ausser der geschilderten primitiveren Organisation auch 
ein an sich geringfügiger Umstand, nämlich dass N. marginata und Meyeri die 
ersten, N. nitida hingegen die letzte Nemura des Jahres ist, was darauf hindeutet, 
dass sie einer geologischen Periode entstammen, in der noch ein kälteres Klima 
herrschte, als in der gegenwärtigen. Hiermit steht im besten Einklang, dass N. 
nitida in den Radstätter Tauern von Handlirsch schon im August gefangen 
wurde, während sie bei uns nie vor October erscheint und heuer noch am 14. De- 
cember gefunden wurde! 

Von den übrigen europäischen Arten möchte ich — so weit man nach 
blossen Beschreibungen und Abbildungen urtheilen kann — N. dubitans (wenn 
sie von nitida wirklich verschieden ist), ferner N. praecox und N. lacustris 
hierher rechnen. 

Die zweite Gruppe (Nemura s. str.) kennzeichnet sich durch folgende 
Merkmale : 

1. Tracheenkiemen nicht vorhanden. 

2. Der Zipfel der neunten Bauchplatte des ist raässig lang und breit, 
die „Blase" länger gestreckt wie bei der vorigen Gruppe. Die Cerci sind ein- 
gliedrig oder mit einem Rudiment eines zweiten Gliedes versehen; sie gleichen 
denen des 9 nicht, sondern sind in mannigfaltiger Weise zu Hilfsorganen bei der 
Begattung modificirt. Die Subanalklappen sind flach abgerundet, dreieckig, der 
Dorsalfortsatz ist stark und kurz. 

3. Die Subgenitalplatte des 9 ist nach rückwärts halbkreisförmig erweitert, 
so dass die Geschlechtsöffnung vollständig verdeckt wird. 

4. Die Flügel sind infolge der fehlenden Berauchung der Adern hyalin 
oder gleichraässig leicht gefärbt. ' 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 7 



50 



Peter Kempny. 



Hierher gehören N. variegata, lateralis und vermuthlich auch avicularis, 
Sahlbergi und camhrica. 

Diese beiden Gruppen müssten wir unbedingt als distincte Genera auf- 
fassen, wenn nicht N. cinerea ein Zwischenglied bilden würde, wie wir es nicht 
schöner finden können: Tracheenkiemen vorhanden, aber verkrüppelt; Vorsprung 
der Subgenitalplatte des 9 nicht halbkreisförmig, sondern von der Form einer 
in ihrem längeren Durchmesser halbirten Ellipse, so dass die Vaginalöffnung 
nur zum Theile bedeckt wird. 

Klapälek rechnet N. cinerea zur mar^ma/a-Gruppe (allerdings ohne 
nähere Untersuchung), ich bin jedoch der Ansicht, dass es besser ist, sie der 
zweiten Gruppe zuzutheilen, da mit ihr die Entwicklungsrichtung ihren Anfang 
nimmt, welche in N. variegata ihren derzeitigen Culminationspunkt erreicht; 
übrigens könnte man sie (vielleicht im Verein mit N. horealis) ebenso gut auch 
als selbstständige Uebergangsgruppe festhalten, zumal sie im Habitus mehr der 
N. inconspicua als der variegata oder lateralis gleicht. 

N. inconspicua gehört einer anderen Entwicklungsrichtung an. Der Mangel 
der Tracheenkiemen und die unberauchten Flügel stellen sie zwar der zweiten 
Gruppe näher, jedoch die nach einem ganz anderen Typus gebauten Genital- 
organe des und $ verlangen die Aufstellung eines eigenen Subgenus: 
Nemurella. 

Ein ideales Verwandtschaftsschema der mitteleuropäischen Nemuren würde 
daher beiläufig so aussehen: 



Indem ich jetzt zur Beschreibung der niederösterreichischen Arten über- 
gehe, muss ich noch vorausschicken, dass ich aus principiellen Gründen nur 
Morton 's Citate und Fundorte reproducire, da mir diejenigen der anderen 
Autoren vorderhand nicht beweiskräftig scheinen. Eine Ausnahme machen nur 
Herrn Prof. Brauer 's Typen, da ich sie selbst revidiren konnte. 

Ferner möchte ich davor warnen, bei Benützung der Beschreibungen zum 
Bestimmen der Grösse und Färbung allzuviel Gewicht beizulegen, da die Thiere 
in dieser Beziehung je nach der seit dem Ausschlüpfen verflossenen Zeit und 
auch nach der Localität unglaublich variiren. Massgebend sind nur die plastischen 
Merkmale und vor Allem die Genitalien. 



lateralis, variegata 



Meyeri, nitida 




marginata. 



III. Oesterreichische Arten. 



i 



Zur Kenntuiss der Plecopteren. 



51 



A. Protonemura. 

1. Protonemura marginata P. 

Nemura marginata P., Mem. Soc. Phys. et Hist. Nat., VII, p. 181, Fig. 5. 
P., Perlides, p. 307, PI. LH, Fig. 4—6. 
Mort., Tr. E. S. Lond., 1894, p. 569, PI. XIII (App. )• 
„ ? n. sp. Mort., 1. c, p. 568. 

„ marginata und Jmmeralis Brauer, Neur. Austr., p. 31, pro p. 
Exp.: cT 17— 21mw, 9 22— 2h mm. 

Kopf und Fühler schwarz. Wall der Fühlergrube weisslich; der Kopf 
mit graugelblichen Härchen dicht bekleidet. 

Pronot um fast quadratisch, etwas breiter als der Kopf ohne Augen, nach 
hinten kaum verschmälert, schwarz mit glänzend schwarzen Punkten. 

Seitenränder mit lichten Saumbändern. 

Meso-, Metanotum und Tergit des ersten Abdominalsegmentes 
schwarz, das übrige Abdomen dunkel röthlichbraun, nur der Hinterrand des vor- 
letzten und das ganze letzte Segment schwarz. 

Beine gelbgrau, Schenkelspitze, Basis der Tibien und die Tarsen dunkler, 
jedoch ist die schwarze Farbe nicht so scharf begrenzt wie bei der nächsten Art. 

Flügelwurzel gelbgrau (von der Farbe der Beine). Adern schwarz, stark 
beraucht, am stärksten in der Pterostigmagegend. 

Die Appendices des ^ siehe Taf. I, Fig. 1. Cerci denen des 9 gleich 
gestaltet; Subanalklappen ebenfalls ziemlich ähnlich, Dorsalfortsatz lang, schlank. 
Charakteristisch ist ausserdem noch ein sehr dünner biegsamer „Titillator" (?), 
der an seinem Ende in zwei Zähne, einen stärkeren und einen viel schwächeren 
ausläuft. 

Auch die Genitalorgane des 9 (Taf. I, Fig. 2) sind höchst primitiv, Vaginal- 
und Afterklappen sind einander sehr ähnlich, von der Form eines rechtwinkeligen 
Dreiecks mit abgestumpfter Spitze. 

Alle Appendices sind schwarz. 

Unsere Exemplare gleichen mehr der von Morton als fragliche neue 
Species abgebildeten Art (welche er als P. von Klapälek erhalten hatte), 

als seiner marginata. 

Dies veranlasste mich auch zu dem Irrthum, sie als N. Mortoni n. sp. an 
das k. k. naturhistorische Hofmuseum in Wien abzugeben, obwohl mir die auf- 
fallende Aehnlichkeit beider Abbildungen nicht entgangen war. 

In neuerer Zeit scheint Morton, wie ich aus einer Bemerkung Klapälek 's 
(1. c, p. 685) entnehme, ebenfalls zur Erkenntniss der Zusammengehörigkeit seiner 
beiden Arten gekommen zu sein, begeht hierbei aber einen neuen Fehler, indem 
er diese nitida Klap. mit nitida P. und daher auch mit lateralis Gerst. identifi- 
cirt, mit der sie gar nichts zu thun hat. 

7* 



52 



Peter Kempny. 



N. marginata ist bei Gutenstein häufig; sie erscheint als erste Nemura 
des Jahres schon Anfangs März und fliegt bis Ende April; sie hat nur eine 
Generation. In Prof. Brau er 's Sammlung fanden sich als N. marginata richtige 
marginata, aber auch ZaieraZis -Weibchen. 

2. Protonemura nitida P. 

Nemura nitida P., Mem. Soc. Phys. et Hist. Nat., VII, p. 180. 
„ P., Perlides, p. 392, PI. LI, Fig. 4—8. 
lateralis Gerst., Zeitschr. für wiss. Zool., S. 204—253, PI. XXIII. 
duhitans Mort., Tr. E. S. Lond., 1894, p. 568, PI. XIII (?). 

Exp.: cT 18— 21wm, $ 19— 23 mm. 

Der vorigen Art im Habitus sehr ähnlich. 

Kopf und Fühler wie bei dieser gestaltet und gefärbt. 

Pronotum ebenfalls fast quadratisch, nach rückwärts nur leicht ver- 
schmälert mit ziemlich geraden (mitunter gelblichen) Aussenrändern; Fläche 
glänzend schwarz mit zerstreuten schwarzen Höckerchen. 

Meso-, Metanotum und Tergit des ersten Abdominalsegmentes 
schwarz, das übi'ige Abdomen schmutzig rothbraun. 

Beine gelb, Schenkelspitze und Basis der Tibien scharf abgeschnitten 
schwarz, nie mit so allmäligem Uebergang in die Grundfarbe wie bei N. margi- 
nata. Tarsen schwarz. 

Flügelwurzel bräunlich, Adern etwas stärker beraucht wie bei der 
vorigen Art, weshalb die Thiere etwas dunkler, bräunlicher aussehen. 

Die für die Art am meisten charakteristischen Theile der Genitalanhänge 
(Taf. I, Fig. 3) sind die Subanalklappen. Diese bestehen aus einer dreieckigen 
Basalhälfte und einem verschmälerten, nach auswärts gewendeten Spitzentheil. 

„Bei stärkerer Vergrösserung erweisen sie sich aus zwei selbstständigen 
Theiien zusammengesetzt. Der nach innen gelegene verläuft in Form einer 
länglich-viereckigen Chitinplatte zuerst in der Richtung von vorne nach hinten, 
biegt sich aber dann fast unter einem rechten Winkel nach aussen und spitzt 
sich dabei zu einem lang ausgezogenen und scharfen Dorn zu. Die äussere Hälfte 
dagegen, welche mit ihrer erweiterten und abgerundeten Basis etwas weiter nach 
vorne reicht, beschreibt einen stark gekrümmten, nach aussen geöffneten Bogen 
und trägt an dem äusseren abgestumpften Ende ihres querlaufenden Schenkels 
sieben nach hinten gerichtete, an Länge allmälig zunehmende Kammzähne, im 
Anschlüsse an diese aber ein von ihrem Innen- und Spitzenrand ausgehendes 
zapfenförmiges Polster von häutiger Consistenz und feiner Beborstung seiner 
Oberfläche. ^) 

Der lange, schlanke, ziemlich frei bewegliche Dorsalfortsatz besteht aus 
zwei mit dem zehnten Hinterleibsring isolirt articulirenden, sich später aber — 



') Meiner Ansicht nach ist nur der innere Theil als modiflcirte Subanalklappe aufzufassen, 
der äussere jedoch dem doppelt gezähnten „Tilillator" der marginata homolog. 



Zur Konntuiss der Plecopteren. 



53 



im Verlaufe des hoi-izontal gerichteten Schenkels — schliugenförmig vereinigenden 
Chitinleisten, welche nach ihrer Vereinigung einen zunächst schmalen, stabförmigen, 
dann aber sich erweiternden und zwei kurze Aeste aussendenden Balken darstellen. 
Da, wo dieser Balken an seiner unteren (inneren) Fläche vor der Spitze buckei- 
förmig hervortritt, ist er mit sechs an Länge allmälig zunehmenden steifen 
Börstchen besetzt, während seiner schräg abgestutzten und aufgebogenen Spitze, 
sowie seiner freiliegenden oberen (äusseren) Fläche ein weiches, von einer unge- 
färbten Membran bekleidetes Polster aufliegt", (Gerstäcker.) 
Cerci denen des 9 gleich. 

Die Vaginalklappen des 9 sind ebenfalls dreieckig, wie bei N. margi- 
nata, jedoch an ihrer medialen Kante dünn, dann allmälig verdickt, um endlich 
ziemlich scharf gegen die äussere Kante abzufallen. Fig. 4 auf Taf. I gibt dieses 
Verhältniss gut wieder; Gerstäcker's Abbildung ist vollständig verfehlt. 

Die Beschreibung der Larve verdanken wir Pictet: „Braun, Endhälfte des 
Abdomens gelblieh, Beine und ein Längsstreifen auf dem Rücken gelb. Tracheen- 
kiemen vorhanden." 

Diese Art ist von Pictet geradezu vorzüglich beschrieben und abgebildet 
worden. Die gelben Beine mit den scharf begrenzten schwarzen Flecken am 
Kniegelenk und das glänzend schwarze Pronotum machen sie sofort kenntlich, so 
dass ich lange nicht begriff, wie Gerstäcker sie mit N. lateralis zusammen- 
werfen konnte. Dies wurde mir jedoch klar, als ich Gelegenheit hatte, Exem- 
plare aus verschiedenen Gegenden zu sehen, Stücke aus den Radstätter Tauern 
haben nämlich wirklich ganz deutliche, ziemlich breite gelbliche Aussenränder 
des Pronotums, und noch schöner zeigte diese Eigenthümlichkeit ein — leider 
vereinzeltes — welches ich durch meinen Freund F, Sikora, den bekannten 
Madagascar- Forscher, aus den Alpes maritimes erhielt. Morton erwähnt die Art 
1894 nur mit den paar Worten: „I accept the opinion now generally adopted, 
that Pictet 's N. nitida is the 9 of same (JSf. lateralis) species" (p. 565). 

Ein Blick auf Gerstäcker's Abbildung hätte ihn belehrt, dass seine N. 
lateralis und die des genannten Autors grundverschiedene Arten sind! In neuerer 
Zeit versuchte er eine andere — nicht glücklichere — Deutung, indem er N. 
lateralis Gerst. zu N. marginata P. zieht, mit der sie wieder nichts zu thun hat. 

Dagegen hege ich einen begründeten Verdacht, dass N. dubitans Mort. als 
Synonym hierher gehört, worüber ich mich bei dieser Art eingehender äussern 
werde. Mit dieser Feststellung werden auch alle Citate der anderen Autoren 
zweifelhaft. 

Die Art scheint eben nur dem Alpengebiet, diesem aber in seiner ganzen 
Ausdehnung eigenthümlich zu sein, und nur an Gebirgsbächen vorzukommen. 

In Gutenstein ist sie womöglich noch häufiger als N. marginata und er- 
scheint im Spätherbst, vom October bis Mitte December; sie ist gegen Kälte sehr 
unempfindlich. 

Um Wien scheint sie nicht vorzukommen; Brauer 's nitida sind lateralis- 
Weibchen. 

Pictet nennt als Fundorte die Schweiz, Böhmen, Deutschland und Piemout. 



54 



Peter Keinpny. 



3. Protonemura Meyeri P. 

Nemura Meyeri P., Perlides, p. 390, PI. LI, Fig. 1—3. 

„ Morton, Tr. E. S. Lond., 1894, p. 568, PI. XIII. 
„ „ Rostock, Neur. Germ., p. 159. 

„ „ Schoch, Neur. Helv., p. 29. 

Exp.: cT 15-5— 20 wm, 9 18-5—24 mm. 
Kopf schwarz, Hinterhaupt dunkel rothbraun. 
Fühler schwarz, Wall der Fühlergrube weissgelb. 

Pronotum etwas breiter wie der Kopf ohne Augen, nach rückwärts etwas 
verschmälert, die etwas gelblichen Seitenränder leicht geschwungen. Die Fläche 
ist nicht so glänzend wie bei den anderen Arten, aber von einer Granulirung wie 
bei variegata ist keine Rede; die gewöhnlichen grösseren schwarzen Höcker sind 
vorhanden. 

Meso- und Metanotum schwarz. 

Abdomen dunkel röthlichbraun, die letzten Segmente schwarz. 

Beine: Schenkel gelb, an der Spitze und in der Mitte mit einem schwarzen 
Ring, der besonders an den Mittel- und Hinterbeinen scharf begrenzt ist. Tibien 
gelblich, ihre Basis und Spitze verdunkelt, Tarsen graugelb. Haare der Beine 
schwarz. 

Flügel beinahe Aveisslich mit starken schwarzen Adern, Costa, Sector radii 
und Cubitus anticus mehr graugelb, Radius am Ende nach vorne gebogen, 
Endäste des Sector radii und des Cubitus anticus S-förmig geschwungen. Alle 
Adern breit grau beraucht, besonders in der Pterostigma-Gegend, so dass das 




Fig. 6. N. Meyeri. Vorderflügel. 
(Nach einer Photographie von H. Hinterberger.) 



Pterostigma selbst durch den Contrast fast weiss erscheint, und am Aussenrande 
der Vorderflügel. Da durch den nicht parallelen Verlauf der Adern deren Be- 
rauchung stellenweise zusammenfliesst, entsteht eine eigenthümliche Marmorirung 
der Flügel, die im Verein mit den schwarzen Ringen der Schenkelmitte diese 
Art auf den ersten Blick erkennen lässt. 

Die Subanalklappen des cf (Taf. I, Fig. 5) sind denen der N. nitida 
sehr ähnlich, jedoch ist ihr Endtheil noch viel länger, schmäler und schärfer 
zugespitzt und wendet sich statt nach aussen, eher nach innen und oben; eine 



I 



Zur Kenntniss der Plecopteren. 



55 



Kreuzung, wie sie Morton 's Figur zeigt, konnte ich an lebenden oder frisch 
getödteten Thieren nie beobachten. Auch die Vagiualklappen des 2 (Tat. 1, Fig. 6) 
sind denen der früher beschriebenen Arten sehr ähnlich, sie gleichen jedoch 
mehr einem gleichschenkeligen Dreiecke, und ihre medialen Kanten divergiren 
nach vorne. 

Pictet's Fig. 2 — obwohl in Färbung und Geäder vollständig verfehlt — 
gibt dennoch eine ziemlich gute Vorstellung von dem bunten Aussehen dieser Art. 
Schoch erwähnt den krummen Aderverlauf, Kostock jedoch weder diesen, noch 
die charakteristische Schenkelfärbung. 

Es ist interessant, dass N. Meyeri, die am meisten differenzirte Art ihrer 
Gruppe, durch ihr von den Verwandten verschiedenes Geäder und andere Sculptur 
des Pronotums eine gewisse Annäherung an N. variegata zeigt, welche in ihrer 
Gruppe ebenfalls die am meisten abweichende ist, so dass Pictet veranlasst 
wurde, beide zusammen in einer Gruppe allen anderen gegenüber zu stellen! 

Die Art findet sich in der Schweiz, der Lausitz, nach Morton auch in 
Nord-England (Mai und Juni, in höheren Lagen noch später) und Kärnten. In 
Gutenstein fliegt sie häufig von Ende März bis Ende Mai. Bei Wien kommt sie 
nicht vor. 

B. Nemura. 

4. Nemura cinerea Ol. 

Nemura cinerea Ol., Enc. meth., VIII, p. 186, Nr. 2. (?) 

P., Perlides, p. 401, PI. LIII, Fig. 1—9. 
„ „ Brauer, Neur. Austr., p. 31, pro p, 

Morton, Tr. E. S. Lond., 1894, p. 571, PI. XIII. 
Serriblis cinerea Burm., Handb. der Ent., II, S. 876. 
Nemura sulcicolUs, fumosa Steph., IHustr., p. 143. 

Exp.: ^ \l h—Umm, $ 13— 16 mm. 
Kopf schwarz, neben den Augen bräunlich. 
Fühler schwarz, Wall der Fühlergrube braun. 
Tracheenkiemen vorhanden, aber verkrüppelt. 

Pronotum etwas breiter wie der Hinterrand des Kopfes, deutlich breiter 
als lang, mit geraden, gelblichen Seitenrändern. 
Meso- und Metanotum schwarz. 
Abdomen gelb- bis braunroth. 

Beine gelbgrau, Spitze des Femur, Basis und Ende der Tibien und die 
zwei letzten Tarsenglieder etwas dunkler. 

Flügel glashell, Adern gelbbraun, nicht angeraucht, mit schwarzen 
Härchen besetzt. Bei sehr ausgefärbten Stücken werden Costa, Subcosta, Radius, 
und Sector radii schwarzbraun und die Flügelmembran bekommt einen bräun- 
lichen Ton, was schon Pictet auffiel, der darauf anfangs zwei difFerente Arten 
(N. picea und hrevicollis) gründete. 



56 



Peter Kempny. 



An den Genitalien des (Taf. I, Fig. 7) fällt die grosse Länge und 
geringe Breite des Zipfels der neunten Ventralplatte und der Baucliblase auf. 
Im Uebrigen sind die Genitalien sehr complicirt. Cerci und Subanalklappen sind 
in lange cjlindrische, am Ende abgerundete Gebilde umgewandelt. Fig. 7 auf 
Taf. I mag zur Bestimmung genügen, ist jedoch in der Ausführung verfehlt. 
Leider kann ich sie jetzt — aus Mangel an frischem oder in Formalin auf- 
bewahrtem Material — durch keine bessere ersetzen. 

Die Genitalien des 9 (Taf. I, Fig. 8) sind in dem morphologischen Theile 
schon geschildert worden. Die siebente Ventralplatte ist an ihrem Hinterrande 
in Form einer halbirten Ellipse verbreitert, so dass die Geschlechtsöffnung zum 
Theile verdeckt wird. 

Die Larve ist kurz und breit, einfarbig braun. Der Kopf abgeplattet, 
hinten gerundet. Der Prothorax ist beinahe quadratisch mit leicht abgerundeten 
Ecken. Tracheenkiemen vorhanden. Beine gewimpert, flach gedrückt, grünlich- 
gelb mit schwarzen Gelenken und Tarsen. 

N. cinerea ist weit verbreitet. Morton nennt Grossbritannien, Böbmen, 
Kärnten, die Schweiz, Frankreich und (fraglich) Portugal, In Gutenstein ist sie 
die seltenste Art, jedoch auch ziemlich häufig, und erscheint als letzte der 
Frühlingsnemuren erst Ende April oder Anfangs Mai, ihre Flugzeit erstreckt 
sich bis Anfangs August. Auch bei Wien kommt sie vor; in Prof. Brauer 's 
Sammlung befinden sich jedoch unter diesem Namen auch N. inconspicua und 
sehr kleine lateralis- , die allerdings im Habitus auffallend an N. cinerea 
erinnern. 

5. Ifemura lateralis P. 

Nemura lateralis F., Mem. Soc. Phys. et Hist. Nat., VII, p. 180, Fig. 4. (?) 
P., Perlides, p. 395, PI. LH, Fig. 1—3. (?) 
„ 5, , nitida ($), humeralis ($), mar ginata (Q), cinerea ((^) 

Brauer, Neur. Austr., p. 31, pro p. 
Morton, Tr. E. S. Lond., 1894, p. 564, PI. XIII. 
„ „ Klapälek, Sitzungsber. Ak. Wien, 1896, S. 707, Taf. IV, 

Fig. 1—7. 

Exp.: 13— 17 mm, 9 18-5—22-5 mm. 

Kopf und Fühler schwarz, Fühlerwall weissgelb. 

Pronot um so breit wie der Kopf ohne Augen, nach hinten ziemlich be- 
deutend verschmälert, mit geraden, breit gelb gesäumten Seitenrändern und 
scharfen Ecken. 

Meso- und Metanotum glänzend schwarz. 

Abdomen rothbraun. 

Beine licht graugelb, an den Kniegelenken kaum dunkler, die zwei letzten 
Tarsenglieder schwärzlich. 

Flügel beim ganz hyalin, beim 9 bräunlichem Grundton; Adern 
stark, schwarz, nicht beraucht. 



Zur Kenntniss der Plecopteren. 



57 



Die Genitalien des cT (Taf. I, Fig. 9) hat Klapälek (I.e., S. 707 ff.) 
ausführlich geschildert. 

Der Zipfel des neunten Ventralbogens ist ziemlich kurz, die „Bauchblase" 
länglich-elliptisch. 

Die Cerci sind an der inneren Seite weich und häutig, an der Aussen- 
seite und am Ende hornig, ihre Basis ist ein wenig verdickt und das Ende auf 
der Aussenseite in einen kurzen, starken Zahn verlängert. An der Bauchseite 
findet sich ganz vor dem Ende eine häutige, kreisförmige Stelle, welche ein 
kleines horniges Höckerchen oder sogar ein kurzes Glied, auf dessen Ende das 
Höckerchen sitzt, trägt. 

Die Subanalklappen sind gross, dreieckig, an der Spitze abgestumpft. 
Der Dorsalfortsatz hat eine fingerförmige Gestalt, ist zweigliedrig, am Grunde 
fast walzenförmig, weiter aber von oben und unten etwas zusammengedrückt. 
Sein Ende ist tief gespalten und jeder Abschnitt für sich abgerundet; die Dorsal- 
fläche ist mit einem Chitinplättchen bedeckt, dessen Ränder mit 5 — 6 Eücken- 
haken bewehrt sind. Die Bauchfläche ist etwas vertieft und vom unteren Rande 
dieser Aushöhlung erhebt sich ein häutiger Fortsatz, der am Grunde mit einer 
Spalte versehen ist und sich am Ende an zwei Chitinstreifen stützt. Jeder von 
diesen Streifen zieht sich auf der Innenseite der Vertiefung hin und läuft an 
dem Ende des häutigen Fortsatzes in einen kurzen, aber starken Zahn aus. 

Die Subgenitalplatte des 9 (Taf. I, Fig. 10) besitzt einen halbkreis- 
förmigen Vorsprung, der die Vaginalöffnung vollständig verdeckt. 

Nicht vollständig ausgefärbte Exemplare zeichnen sich durch graugelbe 
Fühler und ganz orangegelbes Pronotum, auf welchem die schwarzen Höckerchen 
auffallend scharf hervortreten, aus. 

N. lateralis kennt man aus der Schweiz, Savoyen, dem Schwarzwald, den 
Vogesen, Böhmen und Kärnten; in ganz Niederösterreich ist sie sehr häufig und 
erscheint nach marginata und Meyeri, aber vor variegata. 

Brauer 's N. nitida sind grosse dunkle $ dieser Art, ebenso seine »war^fi- 
nata und humeralis. Kleine fanden sich unter N. cinerea. 

6. Nemura variegata Ol. 

Nemoura variegata OL, Enc. meth., VIII, p. 186, Nr. 3. 

P., Ann. sc. nat., XXVI, p. 377. 

P., Mem. Soc. Phys. et Hist. Nat., VII, p. 179, Fig. 2. 

P., Perlides, p. 386, PI. L. 

Zett., Ins. Lapp., p. 1056, Nr. 3. 
„ „ Mejer-Dür, Neur. der Schweiz, S. 301. 

„ „ M'Lachl., Fedtschenko's Reisen in Turkestan, p. 55. 

„ „ Girard, Traite d'Entom., II, p. 324. 

„ macrophthalma P., Mem. Soc. Phys. et Hist. Nat., VII, p. 185, 
Fig. 11. 

Z. B. Ges. Bd. XL VIII. 8 



58 



Peter Kempny. 



Nemoura nehulosa, fuliginosa, palUda, cruciata, affinis, annulata, lutei- 
cornis, pusilla Steph., lUustr., p. 140 — 141. 
„ lunata Rambur, Nevropteres, p, 461. 
„ unibrosa P., Nevropt. d'Espagne, p. 20. 

variegata Morton, Tr. E. S. Lond., 1894, p. 561, PI. XIII. 
Nemura variegata Brauer, Neur. Austr., p. 31. 
„ „ Äusserer, Neur. Tirol., p. 145. 

„ „ Schoch, Neur. Helv., p. 28. 

„ „ Rostock, Neur. Germ., p. 158. 

Klapalek, Sitzungsber. Ak. Wien, 1896, S. 709, Taf. IV, 
Fig. 8—10. 

Semhlis pallipes Burm., Handb. der Ent., II, S. 875. 
Exp.: cj" 12-5— 20 mm, $ 15— 24 mm. 

Kopf schwarz, am Scheitel und dem Hinterhaupt bräunlich. 

Fühler schwarzbraun. Wall der Fühlergrube gelbbraun. 

Pronotum so breit wie der Kopf ohne Augen, die breit gelblichen Seiten- 
ränder stark geschwungen, die Fläche desselben fein granulirt. 

Meso- undMetanotum dunkelbraun bis schwarz, ebenso das Abdomen. 

Beine gelbgrau, Spitze der Schenkel, Basis und Spitze der Tibien und 
die zwei letzten Tarsenglieder dunkler. 

Flügel hyalin oder leicht bräunlich; Adern dunkelbraun oder schwarz, 
nicht beraucht, mit Ausnahme der das x bildenden. Vierte Apicalzelle im Vorder- 




Fig. 7. Hinterflügel von N. variegata. 
(Nach Morton.) 

flügel an der Basis zweiwinkelig, zwischen den Cubitalästen des Hinterflügels 
mehrere Queradern (Fig. 7). 

Zipfel des neunten Ventralbogens des (Taf. I, Fig. 11) massig lang 
und breit; „Bauchblase" zungenförmig, elliptisch. 

Cerci stark, am Grunde mässig erweitert und an der Spitze mit zwei 
Zähnen, einem stärkeren nach unten gerichteten und einem schwächeren nach 
oben und innen sehenden, bewehrt. Die Innenfläche bildet unter dem oberen 
Zahne noch einen weichen, konischen Höcker, welcher auf der Bauchfläche noch 
die Spuren der übrigen Glieder in der Form eines Chitinknöpfchens zeigt. Sub- 
analklappen dreieckig mit abgestumpfter Spitze. 



Zur Kcnntuiss der l'lecopteren. 



59 



Der Dorsalfortsatz ist sehr stark und breit. Sein ventraler Endzipfel 
ist lanzettförmig und überragt ein wenig den Hinterraud der durch ihn ver- 
deckten Vertiefung. Die Seitenränder desselben sind mit Rückhaken bewehrt 
und der Hinterrand ist mit spärlichen kleinen Dornen besetzt. Der ganze äussere 
Rand des queren Chitinstreifens, welcher beide Glieder des Fortsatzes theilt und 
in der Mittellinie in einem scharfen Winkel nach vorne ausläuft, ist mit kleinen, 
eine feine Säge bildenden Spitzen versehen. 

Beim 9 (Taf. I, Fig. 12) ist der Vorsprung der Subgenitalplatte viel 
mächtiger wie bei N. lateralis und von der Gestalt einer im längeren Durch- 
messer halbirten kurzen Ellipse. Die von Klapalek beschriebene viereckige 
Form muss Schrumpfungsvorgängen ihre Entstehung verdanken, da ich an 
frischen Exemplaren nie etwas dergleichen sah. 

Die Larve ist nach Pictet 9 mm lang, ziemlich dick, mit schlanken, nicht 
gewimperten Beinen und führt auf dem Kopf und dem Prothorax einen kleinen 
weisslichen Längsstrich; auf dem Ende eines jeden Ringes der Schwanzfäden 
befindet sich ein Wirtel von feinen Härchen. In der Jugend ist sie ganz schmutzig- 
gelb mit einem weisslichen Strich am Hinterhaupt und in der Mitte der drei 
Thoraxringe. Später wird sie dunkler braun. Vor dem Ausschlüpfen ist sie ein- 
förmig braun, der Prothorax breiter als der Kopf mit etwas durchscheinenden 
Rändern, ohne den weisslichen Streifen, der am Meso- und Metathorax noch 
ganz gut sichtbar ist. Die Flügel sind von der Körperfarbe, später werden sie 
schwarz. Die Cerci ändern sich wenig. 

Ohne Tracheenkiemen. 

N. variegata ist über die ganze paläarktische Region, von Spanien, 
England und Lappland bis Turkestan verbreitet. Bei Gutenstein erscheint sie 
Ende April und zum zweiten Male (aber fast nur $ ) Ende August. 

11^. Var. castanea mihi. 

Am 29. September 1896 fing ich ein 9 i^it ganz aufi'allend kastanien- 
brauner Flügelfärbung. In der Pterostigmagegend befinden sich so dunkel schwarz- 
braune Flecken, dass die Adern kaum erkennbar sind. Diese Varietät macht einen 
so fremdartigen Eindruck, dass sie entschieden einen eigenen Namen verdient; 
ein annähernd ähnliches Exemplar beschreibt schon Pictet, Perlides, p. 388. 

C. Nemurella. 

7. Nemurella inconspieua P. 

Nemura inconspieua P., Mem. Soc. Phys. et Hist. Nat., VII, p. 185. (?) 

P., Perlides, p. 404, PI. LIII, Fig. 10—13. (?) 
Morton, Tr. E. S. Lond., 1894, p. 572, PI. XIIL 
Klapalek, Sitzungsber. Akad. Wien, 1896, S. 704, 
Taf. III, Fig. 8—17. 

8* 



I 



60 



Peter Kempny. 



Nemura pallipes, pallicornis, nitida Steph., Illustr., p. 142—143. (?) 
„ cinerea Brauer, Neur. Austr., p. 31, pro p. 

Exp.: 13— 19 mm, 9 17— 21 ?wm. 

Kopf schwarz, Fühler graugelb mit schwarzen Härchen, Fühlerwall 
weissgelb. 

Pronotum ebenso breit wie der Hinterrand des Kopfes, nach hinten stark 
verschmälert, blass gelbbräunlich mit dunklerer Mitte. Vorderwinkel abgerundet, 
Seitenränder ziemlich gerade. 

Meso- und Metanotum braunschwarz. 

Abdomen gelbgrau. 

Beine gelbgrau, Schenkelspitze, Tibialbasis und Tarsen etwas dunkler. 
Flügel glashell mit gelblicher Wurzel und zarten gelbbraunen Adern. 
Zipfel der neunten Ventralplatte des lang und schmal (Taf. I, Fig. 13). 
Bauchblase langgestreckt elliptisch. 

Griffel eingliedrig, aber sehr gross, walzenförmig, in der Ansicht von 
oben ein wenig abgeflacht und gegen die Spitze erweitert; in der Seitenansicht 
bemerken wir auf ihnen vor der Spitze eine kreisförmige weiche Stelle, die ein 
Eudiment eines zweiten Gliedes trägt. Die Subanalklappen sind lang, konisch, 
an der Spitze abgestumpft und mit kurzen Börstchen besetzt. Der Dorsal- 
fortsatz ist auf der Bauchseite mit einer glatten Furche versehen, die sich vom 
Grunde fast bis an die Spitze hinzieht und mit zwei starken Chitinleisten begrenzt 
ist, welche ein wenig vor der Spitze des Fortsatzes stumpf endigen. Auf jeder 
Seite des Fortsatzes zieht ein Chitinstreifen hin, der an dem Ende die Chitin- 
leisten etwas überragt, und erweitert ist; beide zusammen umschliessen eine seichte 
Grube, in welche die Spitzen der Chitinleisten ein wenig hineinragen. Die Dorsal- 
fläche ist einfach, schwach chitinisirt, und nur quer über die Wurzel zieht sich ein 
dreieckiges Chitinplättchen hin, dessen Hinterrand mit einigen Spitzen besetzt ist. 

Vom zehnten Segment aus ziehen sich gegen die Mittellinie zwei Chitin- 
streifen hin, welche in der Mittellinie selbst nach hinten sich umbiegen und in 
zwei Chitingräten auslaufen, die in der Ansicht von unten stumpf enden, vom 
Grunde an divergiren und dann wieder sich mit den Enden gegen einander 
biegen; in der Seitenansicht erscheinen sie am Grunde viel stärker, gegen die 
recht scharfe Spitze allmälig verjüngt und in einem mässigen Bogen nach oben 
gekrümmt, säbelförmig. Beide Chitinstreifen vertreten die Ventralplatte des 
zehnten Ringes. 

Die siebente Ventralplatte des 9 (Taf. I, Fig. 14) läuft nach rück- 
wärts in einen stumpf dreieckigen Fortsatz aus, dessen Ende in eine Vertiefung 
des achten Segmentes hineinpas,st. Der Hinterrand desselben Ringes ist jederseits 
von der Spitze der Subgenitalplatte in einen niedrigen Höcker von entschieden 
klappenartigem Aussehen erhoben. 

Pictet's inconspicua ist gewiss eine Mischart aus verschiedenen kleinen, 
blassen Nemiiren, denn nur so erklärt sich seine Behauptung, dass diese Art immer 
ihre blasse Farbe behalte. In Wirklichkeit variirt keine Art so sehr in Grö.sse 

I 



Zur Kenntniss dor riecoptereu. 



61 



und Farbe, wie gerade diese. Man findet so klein wie cinerea (welche un- 
glaublicher Weise fast von allen Autoren als grösser bezeichnet wird), und 9> die 
der variegata kaum nachstehen. Derartige grosse, gewöhnlich auch hoch ausge- 
färbte 9 bereiteten mir Anfangs grosse Verlegenheiten, da sie in den Genitalien 
der inconspiciia vollständig glichen, im Habitus jedoch so sehr abwichen. Das 
Räthsel löste sich, als ich einst ein solches 9 n^it einem ganz typischen in 
copula fand. Ob nicht Pictet's N. humeralis auf diese weibliche Form der in- 
conspiciia gegründet ist? Die gelbliche Fiügelwurzel und die lichten Beine be- 
stärken mich in dieser Ansicht. 

Die Larve habe ich oft gezogen. 

Der Kopf ist abgeplattet, die Stirne schwarz, nach hinten durch einen 
lichten Querstreifen zwischen den Augen abgegrenzt. 

Der Fühlerwall ist fahlgelb, das erste Glied schwarz, die übrigen roth- 
gelb, nicht gewimpert. 

Prothorax breiter wie der Kopf mit den Augen, seine Ecken — besonders 
die hinteren — abgerundet. 

Meso- und Metathorax durch eine lichtere Längslinie getheilt. 

Flügelscheiden lang und schmal, die vorderen reichen bis zum zweiten 
Abdominalsegment, die hinteren — vom Abdomen abstehend — zeigen schon die 
Faltung des Imagoflügels; sie sind etwas lichter wie der Körper, 

Beine von der Farbe der Flügelscheiden, gewimpert, Spitze der Tarsen 
schwarz. 

Cerci blassgelb, nur das Grundglied schwarz, jedes Glied am Ende mit 
acht sternförmig gestellten Wimperhaaren. 

N. inconspicua findet sich in der Schweiz, in Schottland und Böhmen. 
Bei Gutenstein ist sie ungemein häufig und die einzige Nemura, die regelmässig 
in zwei Generationen (April bis Juni und wieder im September) auftritt. Auch 
bei Wien kommt sie vor, da sich einige Stücke in Prof. Brau er 's Sammlung als 
N. cinerea befanden. 

IV. Ausserösterreichische paläarktische Arten. 

Die noch folgenden paläarktischen Arten kenne ich nicht in natura. Da 
meines Wissens noch keine Beschreibungen derselben in deutscher Sprache existiren, 
gebe ich hier die Uebersetzung der Beschreibungen Morton's und, Copien seiner 
Abbildungen. Eine Abweichung habe ich mir nur insoferne gestattet, als ich bei 
Schilderung der männlichen Appendices die durch Klapälek ge.schafi'ene, morpho- 
logisch begründete Nomenclatur in Anwendung brachte. 

8. Nemura avieularis. 

Nemura avieularis Morton, Tr. E. S. Lond., 1894, p. 562, PI. XIII (App. cf)- 

„Kopf und Pronotum glänzend schwarz, das letztere zuweilen mit sehr 
schmalen gelben bis orangefarbigen Seitenbändern, welche aber bei getrockneten 



62 



Peter Kempny. 



Exemplaren nicht deutlieh sind. Es ist nur wenig breiter wie der Kopf ohne 
Augen und hat kaum gerundete Vorder- und Seitenränder; seine Fläche ist fein 
runzelig. 

Meso- und Metanotum sind ebenfalls glänzend schwarz, hinten mit 
brauner Zeichnung. 

Abdomen schwarz. 

Beine: Basis der Schenkel, Spitze der Tibien und die Tarsen schwarzbraun. 
Flügel graulich in verschiedenen Nuancen, fast hyalin, stark irisirend, 
in der Pterostigma-Gegend und um die x-Adern herum nur wenig gewölkt; das 
Geäder im Allgemeinen kräftig, schwärzlich; die vierte Apicalzelle an ihrer 
Basis nur selten zweiwinkelig. In den Hinterflügeln ver- 
lässt der Cubitus anticus den Radius erst in einer beträcht- 
lichen Entfernung von der Basalzelle. 

Beim ist der Fortsatz der achten Ventralplatte ver- 
gleichsweise kurz; die Cerci sind an der Basis breit, in der 
Mitte verschmälert und bilden am Ende einen grossen Kopf, 
der nach oben gerichtet und nach aussen zugespitzt ist; 
er trägt noch einen kleinen, augenähnlichen Höcker (das 
rudimentäre zweite Glied) und ähnelt auffallend einem 
Vogelkopf (Fig. 8). 

Exp.: ^ 17-5— 18 mm, $ 22 mm. 
Diese Art ist an den Appendices des ^T, an der sehr schwarzen Farbe des 
Hinterleibes und an den stark irisirenden, hyalinen, fast unberauchten Flügeln 
leicht zu erkennen. 

England und Schottland (April, Mai, nur an Seen), Finnland." 

9. Nemura Sahlbergi. 

Nemura Sahlbergi Morton, Tr. E. S. Lond., 1896, p. 56, PI. II (App. 

„Kopf und Pronotum glänzend schwärzlich, letzteres so breit wie der 
Kopf ohne Augen, am Vorderrande schwach braun mit schlecht ausgeprägten 
Seitenbändern und in der Mitte undeutlich runzelig; seine 
Seitenränder convergiren etwas nach hinten. 

Meso- und Metanotum ebenfalls glänzend schwarz. 
Abdomen matt schwarz. 

Beine schmutzig gelbbraun. Schenkel, Spitzen der Tibien 
und die Tarsen schwarzbraun. 

Flügel graulich, fast hyalin, irisirend. Geäder blass 
schwarzbraun, um das Pterostigma und die X-Adern herum 
matt schwarzbraun angeraucht. In den Hinterflügeln scheint 
der Cubitus anticus den Radius erst in beträchtlicher Ent- 
fernung von der Basalzelle zu verlassen. 

Diese, der N. avicularis-Gi'M^^e zugehörige Art besitzt mit Ausnahme der 
Cerci keine besonders scharfen Charaktere. Letztere sind an der Basis breit, 





Zur Kenntniss der Plecopteren. 



63 



werden im Schafte schlanker und bestehen am Ende aus einer medialen breiten, 
membranösen und einer lateralen chitinösen Partie, welche nach aussen einen 
undeutlich zweispitzigen Haken trägt und nach innen in Form von zwei langen 
spitzigen Spiessen ausgezogen ist (Fig. 9). 
Exp.: 14—17 mm. 

Finnland (bei Utsjoki von Sahlberg gefunden)." 



10. Wemura cambrica. 

Nemiira camhrica Morton, Tr. E. S. Lond., 1894, p. 563, PI. XIII (App. (^). 
Stephens. Illustr., p. 143. (?) 
„ pallicornis und yiitida, 1. c, p. 143 (an inconspicua P.?). 

„Kopf und Thoraxsegmente glänzend schwärzlich. Fühler bräunlich 
oder schwarz. 

Pronot um nahezu so breit wie der Kopf, mit blassen Seitenrändern, 
welche nach hinten leicht convergiren. 

Beine gewöhnlich gelblich, Basis der Schenkel und Tarsen dunkler. 

Flügel braungrau mit dunklerem Pterostigma und schwarzbraunem oder 
schwärzlichem Geäder. Die Cerci des sind (in der Seitenansicht) an ihrer 
Basis gerundet, der Schaft ist schlanker und fast cylindrisch, 
nach seiner Mitte gebogen und läuft nach aussen in eine nicht 
gar scharfe Spitze aus. Von unten gesehen ist das Ende der 
Appendices lateralwärts gewendet in Form eines dicken Hakens. 
Medialwärts ist der chitinisirte Theil in einen Sporn verlängert, 
unter dem sich ein membranöser Raum befindet (Fig. 10). 

Exp.: 12 — 18mm, das $ grösser. 

An allen fliessenden Gewässern Nordbritanniens, von 
den grössten Flüssen bis zu den kleinsten Bächlein sehr gemein. 
Die Grösse der Exemplare variirt je nach der Grösse der von ihnen bewohnten 
Gewässer." 




I 



11. Nemura dubitans. ^ 

Nemura duhitans Morton, Tr. E. S. Lond., 1894, p. 565, PI. XIII (App. cT)- 



„Dunkelbraun oder schwarz, Fühler dunkelbraun. 
Pronotum breit, mit deutlichen, gewöhnlich blassen, leicht gerundeten 
Rändern. 

Beine bräunlich, die Schenkel oben dunkler, ebenso die Spitzen der 
Tibien und die zwei Endglieder der Tarsen. 

Flügel transparent, von einförmig braunem Tone mit dunklerem Ptero- 
stigma; Geäder nicht sehr stark. 

Das ist von allen verwandten Arten durch seine Genitalien leicht zu 
unterscheiden. 



64 



Peter Kempny. 



„Bauchblase" lang und schmal. Subanalklappen von gewöhnlicher Länge, 
allmälig bis zu dem stumpfen, augenscheinlich einfachen Ende zulaufend (Fig. 11). 
Exp.: cT 15 mm, 9 20 mm. 
Schweiz (Oeiiikon, April)." 

Ich kann mich des Verdachtes nicht erwehren, dass diese Art synonym 
mit N. nitida P. (lateralis Gerst.) ist. 

Die ganze Beschreibung, sowie die Schilderung der Genitalien enthält 
nichts dieser Annahme Widersprechendes, mit Ausnahme der als lang und schmal 
geschilderten „ Bauchblase welche aber an den getrockneten 
Exemplaren verschrumpft sein könnte. So viel steht fest, dass 
Morton die N. lateralis Gerst. (Pictet's und meine N. nitida) 
auch heute noch nicht kennt, sonst hätte er sie nicht mit seiner 
N. marginata, mit der sie in den Genitalien nur sehr wenig 
Aehnlichkeit hat, zusammenwerfen können. Da es aber nicht 
wahrscheinlich ist, dass sie unter dem reichhaltigen Material, 
welches er von Dr. Eis erhielt, wirklich nicht vertreten war 
(kommt sie ja doch von unseren österreichischen Alpen an bis in die Alpes mari- 
times bei Nizza vor!), so bleibt nur der Schluss übrig, dass er sie eben verkannt 
und als neue Art beschrieben hat. Jedenfalls sind neue Untersuchungen, womöglich 
an frischen Thieren, nothwendig. 




12. Nemura praecox. 

Nemura praecox Morton, Tr. E. S. Lond., 1894, p. 566, PI. XIII (App. <S , 
Pronotum). 

„Kopf und Thorax schwarz. Fühler gleichfärbig. 
Pronotum breiter als der Kopf ohne Augen, kurz, die Saumbänder an 
getrockneten Exemplaren nicht gut ausgeprägt, die Seitenränder gewöhnlich in 
ihrer Mitte mit einem stumpfen Winkel, hinter welchem 
sie convergiren. 

Beine: Schenkel oben, Spitzen der Tibien und die 
Tarsen schwärzlich braun. 

Flügel graulich, zuweilen rauchig, Geäder schwärz- 
lich braun. Alle Adern mehr oder weniger dunkler beraucht, 
besonders deutlich am Pterostigma und dem X. 

Die Genitalien des sind complicirt. Die „Bauch- 
blase" ist gross, die Subanalklappen (Morton sagt: was 
den langen dornigen Scheiden der N. Meyeri zu entsprechen scheint) sind an 
der Basis breit mit einem sehr kurzen Dorn (Fig. 12). 
Exp.: ^ IS mm, 9 20— 23 mm. 

Zu erkennen an der complicirten Genitalstructur, den russigen Flügeln 
und der Form des Pronotums, welche bei den britischen Stücken constant ist. 

Grossbritannien, schon Anfangs März und noch früher (am Clyde, in Perth- 
shire und Manchester)." 




Zur Kenutniss dor Plecopteren. 



65 




13. Nemura maracandioa. 

Taeniopteri/oc maracandica M'Lachl., Fedtschenko's Reisen in Turkestan, 

Neiiroptera, p. 54. 
Nemura maracandica M'Lachl., Ent. M. M., XXIV, p. 90. 

Morton, Tr. E. S. Lond., 1894, p. 567, PI. XIII 

(App. d). 

^Schwarz mit graulichem Flaum, etwas glänzend. 

Kopf in der Mitte des Discus concav. 

Pronotum meist quadratisch, Seiten geradlinig, 
beinahe parallel, Vorderwinkel abgestumpft, Discus leicht 
runzelig. 

Beine nahezu gelbbraun, mit grauem Flaum be- 
kleidet, Schenkel aussen. Schienen an der Basis schwarz- 
braun, Tarsen schwarz. ^ig. 13. 

Abdomen schwarz. Bauchblase („ventral lamina") 
dreieckig, abgestutzt, unten etwas concav; Appendices gelbbraun. Subgenitalplatte 
des 9 gross, angedrückt, mit gerundeten Rändern (Fig. 13). 

Vorderflügel verlängert, graulich, fein mit dunkler grauen Flecken ge- 
sprenkelt, Geäder schwärzlichbraun. 

Exp.: 18— 24wm. 

Bei Samarkand und Taschkent." 

14. Nemura ornata. 

Nemura ornata M'Lachl., Fedtschenko's Reisen in Turkestan, Neuroptera, 
p. 55. 

„ Morton, Tr. E. S. Lond., 1894, p. 567. 

„Schwärzlich mit graulichem Flaum, glänzend. 
Kopf in der Mitte des Discus concav. 

Pronotum breiter als lang, fast quadratisch, Seiten gerade, parallel, 
Discus meist glatt. 

Beine schwarz mit graulichem Flaum, Schenkel mit gelbbrauner Spitze. 

Subgenitalplatte des 9 gi'oss, angedrückt, ganz querstreifig. 

Vorder flügel kurz, breit, glasig, mit schwarzem Geäder; zwei unregel- 
mässige Binden, die Ränder der Adern und einige kleine Wölkchen rauchig. 
Hinterer Ast des Sector radii sehr gekrümmt. 

Exp.: 17— 17-5 mm (9). 

Der Meyeri ähnlich, aber die Zeichnungen sind viel bestimmter. Stammt 
aus den Gebirgen um Kokand." 

15. Nemura lacustris. 

Nemura lacustris Bietet, Nevropteres d'Espagne, p. 21. (?) 

Morton, Tr. E. S. Lond., 1894, p. 570, PI. XIV (App. cf)- 

Z B. Ges. Bd. XLVIIL 9 



66 



Peter K c lu p u y. 



„Kopf und Pro 110 tum .schwärzlich oder pechfarben, Fühler gleichfarbig, 
Hinterhaupt und Ränder des Pronotum zuweilen blässer. Pronotum fast so breit 
wie der Kopf ohne Augen, fast quadratisch, Seitenränder kaum nach hinten 
convergirend. 

Beine schmutzig gelbbraun, an der Spitze der Glieder 
dunkler. 

Flügel graulich, zuweilen mit leicht bräunlichem 
Ton, fast hyalin, irisirend, die x-Adern leicht augeraucht; 
im Pterostigma bleibt oft zwischen den berauchten Adern 
ein heller Raum, fast wie bei iV'. Meyeri; Radius am Ende 
leicht nach vorne gebogen. 

Die Genitalien des sind denen des N. margi- 
wflfici-Männchens sehr ähnlich, aber bei keinem der untersuchten Stücke sind die 
Kämme der Scheide, welche die aufrechten Stücke begleitet, sichtbar, und die 
nach oben gerichteten Dornen sind kürzer und kräftiger (Fig. 14). 
Pyrenäen, Spanien, Portugal." 




16. Nemura borealis. 

Nemura horealis Morton, Tr. E. S. Lond., 1894, p. 571, PI. XIV (App. ). 

„Kopf glänzend dunkelbraun, Fühler gewöhnlich blässer. 

Pronotum fast quadratisch, schmäler als der Kopf, 
bräunlich. 

Beine gelbbraun, beinahe ohne dunklere Zeich- 
nungen. 

Flügel blass, fast hyalin, mit sehr blassem Geäder. 
Beim ist der Bauchlappen (Lamina) ziemlich 
schmal und verlängert; die Appendices (Subanalklappen) 
an der Basis breit, konisch, beim getrockneten Insect ge- 
dreht, verbreitern sich gegen das plattgedrückte Ende, 
dessen Ränder tief gesägt sind (Fig. 15). 
Fig. 1.5. Finland und (?) Lappland." 




Ueber Präparation und Aufbewahrung der Perliden in 

Sammlungen. 

Jeder, der zum Zwecke systematischer Studien genöthigt war, Typen anderer 
Autoren zu untersuchen, wird unbedingt zugestehen, dass die bisher geübte Methode 
der Präparation und Aufbewahrung von Perliden (sie nämlich gleich den Ange- 
hörigen anderer Insectenordnungen an Nadeln zu spiessen und zu spannen), 
wenigstens für die kleineren Arten äusserst unpraktisch und verwerflich ist. 
Erstens sind infolge der grossen Gebrechlichkeit dieser Thiere, auch bei grosser 
S(U'gfalt, Beschädigungen derselben im Laufe dei' Jahre unvermeidlich. Der 



Znr Keiintiii^s »lir IMecopleren. 



67 



Hauptübelstand ist aber, dass so behandelte Thiere für die wissenschaftliche 
Untersuchung oft werthk^s sind, da gerade die wichtigen Theile durch Schrumpfung 
ihre Gestalt verändern. Drittens endlich erschwert die vorstehende Nadel die 
Anwendung von stärkeren Objectiven mit geringer Focaldistanz, die immerhin 
in einzelnen Fällen unumgänglich nothwendig sind. 

Alle die.se üebelstände lassen sich mit einem Schlage beseitigen, wenn 
man sich entschliesst, die Thiere in Zukunft in flüssigen Medien aufzubewahren, 
wozu sich meiner bisherigen Erfahrung nach am besten eine 1 — 2°/oige For- 
malinlösung eignet, die ja jetzt in der Zoologie schon vielfach als Ersatzmittel 
für den bis vor Kurzem allgemein gebräuchlichen Alkohol Anwendung gefunden 
hat. Letzterer ist jedoch weniger gut, da er in zu starker Concentration leicht 
Schrumpfung bewirkt und überdies die Präparate härtet, was beim Formalin 
nicht der Fall ist. 

Mit in dieser Weise aufbewahrten Thieren kann man beinahe so manipu- 
liren, wie mit frischen; nur müssen dieselben vor dem Einlegen in das Formalin 
mit Alkohol befeuchtet werden, da sie die wässerige Formalinlösmig sonst nicht 
benetzt. Der grosse Vortheil dieser Methode tritt besonders auf Sammelreisen 
hervor; so erhielt ich von Herrn Handlirsch über 300 Perliden aus den Tauern 
in bestem Zustande in zwei kleinen Eprouvetten! 

Uebrigens kann man so behandelte Exemplare nachträglich noch immer 
auf eine sehr einfache Weise spannen, indem man sie auf einem Blatt Pauspapier 
in einem Tropfen Wasser ausbreitet. Es ist gut, zuerst den Mesothorax vom 
Rücken her mit einer Nadel zu durchbohren, was das spätere Spiessen erleichtert; 
hierauf zieht man mit zwei Nadeln die Flügel an ihrer Wurzel auseinander. 
Nachdem dies geschehen ist, dreht man die Thiere auf den Rücken, und durch 
vorsichtiges Nachhelfen mit den Nadeln gelingt es nun leicht, die Flügel in die 
gewünschte Stellung zu bringen, worauf man sie trocknen lässt, was gewöhnlich 
12—24 Stunden in Anspruch nimmt. Glasplatten sind bei dieser Methode nicht 
zu gebrauchen, da die Thiere nach dem Eintrocknen zu stark daran festhaften, 
weshalb die Flügel sich nicht leicht ohne Beschädigung ablösen lassen. 

Zum Schlüsse steckt man eine mit Insectenleim bestrichene Nadel durch 
die Lücke des Mesothorax und die Präparation ist vollendet. 



Erklärun;^ der Abbildungen. 
Tafel I. 

Fig. 1. Prutonemura marcjinata P. cf. Abdominalanhänge, von unten gesehen. 
„ :3. „ nitida P.^ . 

V o. „ yieyeri P. • „ ' „ „ „ 

r> ri r) r> $ • r) « n « 

„ 7. Nemiira cinerea Ol. cf. „ „ „ ., 

9* 



68 



Peter Kempny. Zur Kenntniss der Plecopteren. 



Fig. 8. Nemura cinerea Ol. 9- Abdominalanhäuge, von unten gesehen. 

„ 9. „ lateralis P. cf • « « « „ 

11 10. 11 « n 9 • V 11 rt 11 

„11. „ variegata Ol. cf. „ „ „ „ 

» 1^- 11 11 11 9 • 11 11 11 ri 

„ 13. Nemurella inconspicua P. cT. „ „ „ „ 

n 14- n 11 „ 9 • « « « » 



Beitrag ziuLepidopterenfauna des niederösterreichisch- 
steirisclien Grenzgebietes. 

Von 

Dr. Peter Kempiiy. 

(Eingelaufen am 10. December 1897.) 

Herr Carl Hübner, gräti. Hoyos-Sprinzeustein'scher Forstassistent, war 
durch seine Berufsthätigkeit genöthigt, den Sommer 1897 „In der Walster" 
einem zwischen Mariazell und Ulreichsberg, genau an der niederösterreichisch- 
steirischen Grenze liegenden kleinen Orte zuzubringen. Seine wenigen Musse- 
stunden benützte er sehr eifrig zum Sammeln von Insecten aller Ordnungen, 
besonders aber von Coleopteren und Lepidopteren, welch' letztere er mir zur 
Bestimmung überliess, wofür ich ihm meinen Dank ausspreche. 

Obwohl die Zahl der erbeuteten Arten keine besonders grosse ist, da der 
Nachtfang am Köder nur sehr wenig betrieben wurde, so sind die Ergebnisse 
doch so interessant, dass ich mich veranlasst sehe, sie hier zu verölfentlichen, 
umso mehr, als über dieses Gebiet bis jetzt nichts bekannt gemacht worden ist. 

Der Ort „In der Walster", wo Herr Hübner sein Standquartier hatte, 
liegt in einer Seehöhe von 818 m im Thale der „weissen Walster", bereits in 
Steiermark, jedoch nur wenige Minuten von der Grenze entfernt. 

Die Hauptsammelgebiete gehören jedoch zu Niederösterreich. Erstens das 
von „der Walster" nach Westen verlaufende „Ottersbachthal", welches sich 
allmälig bis zu 880 m erhebt. Wo dieses Thal von der Verlängerung des in nord- 
südlicher Eichtung streichenden Thaies der „schwarzen Walster" geschnitten wird, 
befindet sich ein nur aus einigen Hütten bestehender Ort, welcher in der Special- 
karte 1:75.000 ebenfalls „In der Walster" genannt wird, was jedoch, wie mir 
Herr Hübner mittheilt, unrichtig ist. 

In Wirklichkeit heissen diese Hütten „Fadenthal-Hütten", nach dem von 
hier aus nach Norden verlaufenden Fadenthal. 

Dieses liegt zwischen den höchsten Bergen dieser Gegend, der Büchleralpe 
(1375 7w) im Westen und dem Sulzberg (1399 m) im Osten; besonders der letztere 
lieferte auf seinen herrlichen Alpenwiesen und Holzschlägen eine sehr interessante 



Beitrag zur Lepidopterenfauna des niederösterreichisch-steirischen Grenzgebietes. 



69 



Ausbeute. Mauches gute Thier wurde auch in dem von „der Walster'* in nord- 
östlicher Richtung gegen Ulreichsberg (868 w) ziehenden „Rottenbachthal** 
gefunden. Endlich wäre noch der von „der Walster" genau nach Osten ver- 
laufende „Krummbach" zu nennen, welcher beim Knollenhals in die Strasse 
St. Aegyd-Terz einmündet. 

Der Charakter der Lepidopterenfauna dieses Gebietes ist selbstverständlich 
der der subalpinen Gegenden im Allgemeinen, wie er aus den Faunen von 
Gutenstein, Hohenberg und Gaming schon bekannt ist, es treten jedoch einige 
alpine Elemente auf, welche man bei der verhältnissmässig nicht sehr beträcht- 
lichen Seehöhe noch nicht vermuthen würde. 

Zum Schlüsse ist es mir eine angenehme PÖicht, Herrn Dr. Bebel dafür 
zu danken, dass er mir, wie so oft schon bei früheren Gelegenheiten, auch jetzt 
wieder bei der Bestimmung aller irgendwie zweifelhaften Arten behilflich war. 

Papilio Machaon L. Selten. 

Parnassius Apollo L. Büchleralpe, Sulzberg, nicht häufig. 

„ Mnemosyne L. Auch im Thale; nur gefunden. 
Pieris Brassicae L. und 
„ Rapae L. Häufig. 

Napi L. Wie bei Gutenstein im Frühling als var. Bryoniae 0., im 
Sommer als var. Napaeae Esp. 
Anthocharis Cardamines. Häufig. 

Leucophasia Sinapis L. und var. Lathijri Hb. Häufig. 

Colias Phicomone Esp. Ein aufiallend grosses, weisses $ im Ottersbach, und 
zwar im Thale. 
„ Hijale h. Ueberau. 
Polijommatus HippotJioe L. Ottersbach, häufig. 
„ Dorilis Hufn. Ottersbach. 

„ Amphidamas EsY>. viiwobscura. Zwei schöne vom Sulzberg. Eines 

befindet sich in meiner, das andere in der Landessammlung des naturhist. 
Hofmuseums in Wien ; wohl der interessanteste Fund der ganzen Aus- 
beute. Uebrigens soll die Art, wie mir Herr Dr. Rebel mittheilt, in 
früheren Jahren im Helenenthal bei Baden gefangen worden sein. 
Lycaena Icariis Rott. Ueberall. 

Hylas Esp. Ottersbach. 
„ Minima Fuessl. Häufig. 

„ Semiargus Rott. In Holzschlägen häufig; die Exeniplare aus den 

höheren Lagen auffallend klein. 
„ Arion L. Ottersbach. 
Nemeohius Lucina L. Gemein. 

Vanessa Urticae L. Im Thale gross, am Sulzberg sehr klein. 

„ Jo L. und 

„ Antiopa L. Sehr häufig. 
Pyrameis Atalanta L. und 



70 



Peter Kempny. 



Pyrameis Cardui L. „In der Walster." 
Melitaea Athalia Rott. Sehr häufig. 
Ärgynnis Euphrosijne L. Ueberall. 

„ Ino Esp. Ottersbach auf Suinpfwiesien häufig. 
. „ Aglaja L. Krummbach. 
Maniola Medusa S. V, Ueberall, in der bekannten Uebergangsform zur Hippo- 
medusa 0. Meissn. 
„ Euryale Esp. Ueberall häufig. 
Fararge Maera L. Häufig, ebenso wie 
Hiera F. 

„ Äegeria var. Egerides Stg. In lichten Wäldern. 
Coenonympha Iphis S. V. und 

„ Ärcania L. Ottersbach. 

„ Pamphilus L. Ueberall. 

„ Tiphon Rott. Ottersbach, auf Sumpfwiesen, 

Pyrgus Serratulae Rbr. und 

„ Malvae L. Häufig, ebenso 
Nisoriades Tages L. 
Pamphila Sylvanus Esp. und 
Carterocephalus Palaemon Pall. 
Beilephila Galii Rott. Fadenthal, einmal. 
Ino Statices L. und 
Zygaena'^) Filipendulae. Fadenthal. 
Nemeophila Bussula L. Ueberall. 

„ Plantaginis L. Krummbach. 
Callimorpha Dominula L. Ueberall häufig. 
Arctia Caja L. In der Walster. 

„ Purpurata L. Krummbach. 
Hepialus Humuli L. Auf einer Wiese im Fadenthal zu Tausenden in der 

Dämmerung schwärmend, und zwar sowohl als 9 • 
Psyche Graslinella B. Nicht selten. 
Epichnopteryx Pulla Esp. Häufig. 
Penthophora Morio L. Häufig, 
Bombyx Quercus L. var. alpina Frey. Krummbach. 

„ Biihi L. Fadenthal. 
Aglia Tau L. Rottenbach. 
Harpyia Vinula L. In der Walster. 
Acronycta Bumicis L. In der Walster. 
Agrotis Augur F. In der Walster. 
„ Pronuba L. Ulreichsberg. 
„ Occulta L. In der Walster. 
Neuronia Popularis F. 



1) Zygaeneü waren in diesem Jahre dort sehr selten. 



Beitrug zur Lepicloiitereiitauuii des uiederösterreicbisch-steiribclieu Grenzgebietes. 



71 



Mamestra Vissimilis Kiioch. 
„ Dentina V. 

„ Marmorosa Bkh. var. Microdon Gii. 
DiantJioecia Caesia S. V. 
Polia Chi L. 

Hadena Burea F. und abeiT. Alopecurm Esp. 
Mithymna Imbecilla F. 
Caradrina Quadripunctata F. 
Amphipyra Tragopoginis L. 
Plusia Bractea S. V. 
„ Jota L. und 

„ Gamma L. Alle diese im Gasthaiise iu der Walster am Lieht. 
Änarta Cordigera Thnbg. üeberall; ebenso: 
Heliaca 2'enebrata Sc. 
PJiotedes Captiuncula Tr. Häufig. 
Prothymia Viridaria Gl. 
Euclidia Mi Gl. und var. Litterata Gyr. 

„ Glyphica L. und 
Herminia Tentacularia L. 
Nemoria Viridata L. Häufig. 
Jbfiis Putata L. Häufig. 
Acidalia Pallidata S. V. 

„ Immorata L. 

„ Ornata Sc. 
Zonosoma Linearia Hb. Ein Stück. 
Cabera Pusaria L. 

„ Exanthemata Sc. 
Numeria Pulveraria L. Häufig; ein Stück fast ohne schwarze Punkte. 

„ Capreolaria S. V. 
Ellopna Prosapiaria L. var. Prasinaria Hb. Nur diese Form. 
Selenia Bilunaria Esp. 
Veniii a Macularia L. 
Macaria Signaria Hb. 
Hyhernia Aurantiaria Esp. Einmal. 

„ Defoliaria Gl. Nicht selten. 
Boarmia Bepandata L. Häufig. 

Gnophos Sordaria Thnbg. var. Mendicaria H.-S. Am Rosskopf. 
Ematurga Atomaria L. und 
Phasiane Clathrata L. Gemein. 

^ orm Lineata Sc. Sehr häufig, darunter ein monströses cj^ mit sehr ver- 
kürztem linken Hinter- und rechten Vorderflngel. 
'h tholitha Plumharia F. und 

„ Limitata Sc. Sehr häufig; ebenso 
Minou Murinnta Sc. und aberr. Cinerearia Stgr. 



72 P. Kempuy. Beitrag z, Lepidopterenfauua des niederöst. -steilischen Grenzgebietes. 



Odezia Atrata L. Auf Wiesen häufig. 
Änaitis Praeformata Hb. Fadenthal, häufig. 
Chimatobia Brumata L. und 

„ Boreata Hb. Nicht selten. 
Lygris Popidata L. 
Cidaria Ocellata L. Sehr häufig. 

„ Variata S. V. und ab. Stragulata Hb., letztere in sehr schönen Exemplaren. 

„ Viridaria F. Sehr häufig. 

„ Aqueata Hb. Nicht häufig. 

„ Incursata Hb. Am Rosskopf. 

„ Montanata S.V. Gemein; ebenso 

„ Ferrugata Cl. 

„ Fluviata Hb. Ein Stück. 

„ Dilutata S. V. Häufig. 

„ Caesiata S. V., mit Uebergängen zur aberr. Annosata Zett. 
„ IncuUai'ia H.-S. Nicht selten. 
„ Fer&era^a Sc. Häufig, ebenso. 
„ Trist ata L. 

„ Luctuata Hb. Viel seltener. 
„ Molluginata Hb. Ziemlich selten. 
„ Albulata S. V. Gemein. 
Eupithecia Ahietaria Göze. Ziemlich häufig. 
„ Satyr ata Hb. Häufig. 
„ Castigata Hb. Seltener. 
? „ Extraversaria H.-S. Ein sehr schlecht erhaltenes Stück wird von 

Herrn Dr. Rebel fraglich zu dieser Art gestellt. 
Aglossa Pinguinalis L. In der Walster. 
Botys Octomaculata F. 
„ Nigrata Sc. 

„ Alpinalis S. V. Büchleralpe und Sulzberg. 

„ Fuscalis S. V. 

„ Crocealis Hb. 

„ Pandaiis Hb. Sehr häufig. 
Nomophila Noctuella S.-V. 
Pionea Forficalis L. Ulreichsberg. 
Diasemia Litterata Sc. Häufig. 
Grambus ConcJiellus S. V. Ulreichsberg, mit 
„ Pyramidellus Tr. 
„ Combinellus S. V. 
Sciaphila Argentana Cl. 
Penthina Arcuella Cl. 
Grapholitha Pflugiana Hw. 
Chimahacehe Phryganella Hb. 
Leioptilus Carphodactylus Hb. 



Neue Hieraciea des östlichen Europa. 



73 



Neue Hieraeien des östlichen Europa. 

Von 

Dr. A. Kehmanu. 

(Eingelaufen am 30. Mai 1897.) 



IV. 

Systematisclies Yerzeicliniss säramtliclier in den drei ersten Serien 
(Verhandlungen der k. k. zool.-botan. Gesellschaft, Jahrg. 1895, 
1896 und 1897) beschriebenen Formen. 

(Die erste Zahl bedeutet die Seite der „Verhandlungen", die zweite, in Klammern hefindliche, die 
Seite der Separat -Abdrücke.) 



Hieracium Hoppeanum Schult. 

Subsp. vulpimim, V. Z. B., 1896, 

330 (II, 2). 
Subsp. Vrzyhyslaivskii, 1896, 330 

(II, 2). 

Uiei'acium Pilosella L. 

a) Trichosca'pum N. P. 
Subsp. polycomoides, 1897, 282 
(III, 5). 

Subsp. lagarophyllum, 1895, 320 
(1, 4). ^ 
«. genuinum. 
ß. nigripilum. 
y. epilosum. 
Subsp. holostenoicles, 1896, 330 
(II, 2). 

1. normale. 

2. pilosiusculum. 

Subsp. holosteniforme, 1896, 331 
(II, 3). 

Subsp. piliperdum, 189,5,321 (1, 15). 
h) Trichophorum N. P. 
Subs]). Iioloskense, 1895, 320 (I, 4). 

var. pilicaule. 
Subsp. flavovirens, 1896,331 (11,3). 
Subsp. pubiflorum, 1896,332(11,4). 

Z. B. Ges. Bd. XLYIII. 



Subsp. rudnense, 1896, 332 (II, 4). 

a. genuinum. 

ß. longipilum. 
Subsp. tenianthum, 1896,332(11,4). 

cc. genuinum. 

1. ovale. 

2. lanceolatum. 
ß. suhglandulosum. 

c) Tricholepium N. P. 

Subsp. tricholepium N. P. var. hypo- 
leucum, 1896, 333 (II, 5). 

Subsp. tricholepium N. P. var. hypo- 
leucoides,\d>'d^, 333 (11,5). 

d) Latiusculum N. P. 

Subsp. chlorolepium , 1896, 334 

(II, ö). 

e) Melanops N. P. 

Subsp. chlor ocraspedum, 1896, 334 
(II, 6). 

Subsp. halarophyton, 1896, 334 
(II, 6). 

Subsp. mnooloma, 1896, 335 (II, 7). 
Subsp. rosulatiforme, 1896, 335 
(II, 7). 

«. genuinum. 

ß. lanceolatum. 

10 



74 



A. Kehmano. 



Siibsp. xjseudorosulatum, 1896, 335 
(II, 7). 
a. genuinum. 
ß. leucoloma. 
Subsp. psetidomelanops N. P. var. 

themnanthum, 1896, 336 
(II, 8). 

Subsp. hadrosoma, 1896,336 (11,8). 

1. normale. 

2. pilosius. 

Subsp. HorodenJcae, 1896, 336 (II, 8). 
cc. genuinum. 

1. epüosum. 

2. suhpüosum. 
ß. strictipilum. 

y. chlorocephalum. 

f) Suhcaulescens N. P. 

Subsp. akidolepium, 1896, 337 (11,9). 

1. genuinum. 

2. caneseens. 

Subsp. dkidophyllim, 1896, 338 
(II, 10). 

1. normale. 

2. grandifolium. 

g) Vulgare N. P. 

Subsp. nanorosulatum, 1896. 338 
(II, 10). 

Subsp. chioneolepium, 1896, 338 
(II, 10). 
«. genuinum. 
ß. angustifolium. 
Subsp. vulgariforme, 1896, 339 
(II, 11). 

Subsp. aphthonomnoum, 1896, 339 
(II, 11). 
«. genuinum. 
ß. hrevifolium. 
y. furcatum. 
Subsp. aphthonotrichum, 1896, 339 
(II, 11). 

Subsp. scitophyllum, 1896, 340 
(II, 12). 
«. genuinum. 
ß. caneseens. 



Subsp. nannoides, 1896, 340 (II, 12). 
Subsp. ischnanthum, 1896, 340 
(II, 12). 

1. normale. 

2. multifloceum. 
Subsp. hrachycalathium, 1896, 341 

(II, 13). 

Subsp. stenophyllum N. P. var. steno- 
phyiloides, 1896, 341 (II, 
13). 

Subsp. indivisiforme, 1896, 341 (II, 
13). 

Subsp. orphnodes. 1896,342 (II, 14). 
a. genuinum. 
ß. atriceps. 
y. polytrichum. 
S. umhrosum. 

h) Suhvirescens N. P. 
Subsp. dicranum, 1896, 342 (II, 14). 

i) Minuticeps N. P. 
Subsp. clariflorum, 1S97, 283(111, 6). 

k) Trichadenium N. P. 

Subsp. pseudodilatatum, 1896, 343 
(II, 15). 
cc. hrevifolium. 
ß. longifolium. 
Hieracium hypeuryum (Hoppje- 
anum-Pilosella) N. P. 
Subsp. podolicum, 1896, 343 (II, 5). 
Hieracium Auricula Lmk. et DC. 
Subsp. melanocalathium, 1895, 321 
(I, 5). 
var. suhmarginatum. 
Hieracium auriculiforme (Pilo- 
sella- Auricula) Fr. 
Subsp. lagarophyton, 1895, 321 
(I, 5). 

Subsp. pictisquamum, 1895, 322 
(I, 6). 

Hieracium collinum Oochn. 

Subsp. trichoderma, 1895, 322 (1,6). 
a. genuinum. 

1. normale. 

2. astolonum. 



Nene Hieracien des östlichen Europa. 



75 



ß. longifvlium. 
Subsp. (hihlanense, 1895, 328 (1, 7). 
Hieraeium stoloniflorum (auran- 
tiacum-Pilosella) W. K. 
Subsp. 3Iicl-i€iciczii, 1895, 323 (1,7). 
Hieraeium p^nissieum (collinum + 
Pilosella) X. P. 
Subsp. macroglossum, 1895, 324 
(I, 8). 

Üiihs^. chloropoides, 1895, 324 (1,8). 
cc. genuinum. 
ß. diversicaule. 
Subsp. Lipnickianum, 1895, 325 
(I, 9). 
var. longifolium. 
Subsp. gnaphalium N. P. var. theio- 
}iantJiiim, 1895, 325 (1,9). 
Subsp. gnaphalium N. P. var. zaiva- 
do wiense, 189h, S2G(I,\0). 
Hieraeium flagellare (collinum- 
Tilosella) Willd. 

Subsp. anisocepJialum, 1895, 326 
(I, 10). 
«. genuinum. 

1. normale. 

2. adenolepium. 
ß. leucochnoum. 

Subsp. hrachyacron, 1895, 327 (I, 

11) . 

var. fiircatum. 
Subsp. glaucochlormn, 1895, 828 
(I, 12). 

1. genuinum. 

2. estriatum. 

3. pilosius. 

Subsp. niankowiense, 1895, 828 (I, 

12) . 

Subsp. Kloeheri, 1895, 329 (I, 13). 

cc. genuinum. 

ß. strigoviense. 
Subsp. helohium, 1895, 329 (I, 13). 

1. genuinum. 

2. calvum. 

3. fulvipilum. 



Subsp. anacraspedum, 1895, 830 
(I, 14). 

Hieraeium maerostoloiium (Pilo- 
sella + flagellare) €r. Schild. 
Subsp. ivull-ense, 1895, 330 (I, 14). 
Subsp. firmipes, 1895, 331 (I, 15). 

1. estriatum. 

2. striatum. 
Hiei'aeium aerotrieJium ( flagellare 

subsp. tatrense N. P. + H. Pilosella 
L.) nov. hybr. 
Subsp. acrotrichum, 1897, 283 
(III, 6). 

Hieraeium spathophyllmn {col- 
linum -Auricula) N. P. 
Subsp. nanocollinum, 1895, 331 
(I, 15). 
«. genuinum. 
ß. pilosum. 
Subsp. polysarcum, 1895, 332 (I, 

16) . 

Hieraeium elatius (collinum -{■ fla- 
gellare) nov. hyhr. 
Subsp. elatius, 1895, 332 (I, 16). 
Hieraeium glomeratum (cymo- 
sum-collinum) Fr. 
Subsp. pycnocephalum, 1895, 338 
(I, 17). 

Subsp. calemelanum, 1895, 333 (I, 

17) . 
ß. genuinum. 

ß. super collinum. 
y. super cymosum. 
Hieraeium bifureum (echioides 
Pilosella) M. B. 
Subsp. pseudoqracile, 1895, 834 (I, 

18) .' 

Subsp. anthelaephilum, 1895, 884 
(I, 18). 
u. furcatum. 
ß. umhellatum. 
Hieraeium fallax (echioides-cymo- 
sum) P. 
Subsp. nivipilum, 1895, 335 (1, 19). 

10* 



76 



A. Rehmann. 



Hieracitim florentinurn All. 

Subsp. setosopetiolatum, 1897, 284 
(III, 7). 

Subsp. dilutius, 1897, 284 (III, 7). 
Subsp. dolinense, 1897, 285 (III, 8). 
Subsp. JaUonsUi, 1897,285 (111,8). 
a. genuinum. 
ß. pilosius. 
Subsp. Pseudosanii, 1897, 286 
(III, 9). 
«. genuinum. 
ß. Lithuanorum. 
Hieracium magyaricum N. P. 
a) Cryptomastix N. P. 

Subsp. chaetophorum, 1897, 287 
(III, 10). 
«. genuinum. 

1. normale. 

2. oligocephalum. 
ß. florentinoides. 

h) Effusum N. P. 

Subsi^. EojowsMi, 1897,288(111, 11). 
Subsp. scepusiense, 1897, 288 (III, 
11). 

Subsp. dohromilense, 1897, 289 
(III, 12). 

1. normale. 

2. epilosum. 

c) Megalomastix N. P. 

Subsp. pseudomegalomastix, 1897, 
289 (III, 12). 
«. genuinum. 

1. parcifloccum. 

2. nudipedunculum. 
ß. lancifolium. 

1. normale. 

2. subpilosum. 

3. subglandulosum. 

4. subfloccosum. 

5. haplotrichum. 

6. sasoviense. 

Subsp. ferroviae, 1897, 291 (III, 
14). 

Subsp. saevum, 1897, 291 (III, 14). 



Subsp. myriotrichum, 1897, 292 

(III, 15). 
cij Magyaricum N. P. 

Subsp. filiferum Tausch var. a#ro- 

Zwiam,1897,292(III,15). 
Subsp. adenocladum, 1897,293 (III, 

16). 

e) Cymanthum N. P. 

Subsp. callicymum, 1897, 293 (III, 
16). 

f) Bauhini N. P. 

Subsp. agathanthum, 1897, 294 

(III, 17). 
Subsp. vedutrix, 1897, 295 (III, 18). 
a. genuinum. 

1. astolonum. 

2. stoloniferum. 
ß. vratislaviense. 
y. ruhristolonum. 

1. normale. 

2. multifloccum. 

Subsp. mnoocladum, 1897, 296 (III, 

19) . 

Subsp. hyperadenium, 1897, 296 

(III, 19). 
Subsp. anisocladum, 1897, 297 (III, 

20) . 

1. normale. 

2. parcifloccum. 

Subsp. hypermelanum, 1897, 298 
(III, 21). 
ß. normale. 

1. genuinum. 

2. nudicaule. 
ß. moneres. 

y. duplicicymum. 
Subsp. chaunocymum, 1897, 298 
(III, 21). 

Hieracium brachiatuni (floren- 
tinum vel magyarictim - Pilosella) 
Bert. 

Subsp. muranense, 1895, 335 (1, 19). 
Subsp. tenuissimum., 1895, 336 (I, 
20). 



Neue Hieracien des östlichen Europa. 



77 



Subsp. nigrihracteum, 1895, 336 
(I, 20). 

Subsp. tfavicauk. 1895, 337 (I, 21). 
Subsp. eriithromnoum, 1895, 337 
(I, 21). 

Subsp. enjthrotricluou, 1895, 337 
(I, 21). 

Subsp. semiplanum, 1895, 338 (1, 22). 

var. cylindricum. 

var. epilosum. 

var. pilosissimum. 
Subsp. pantepsilon, 1895, 339 (1, 23). 
Subsp. ischnophyllum, 1895, 339 
(I, 23). 

Subsp. pUcato-acuminatum, 1895, 
^ 339 (I, 23). 

P 1. normale. 

2. epilosum. 

3. pilicaule. 

Subsp, lagarophyllinum, 1895, 340 
(I, 24). 

Subsp. flavifornie, 1895, 340 (I, 24). 

var. trichocephalum. 
Subsp. diluviale, 1895, 341 (I, 25). 
Subsp. pinetorum, 1895, 341 (1,25). 
Subsp. atrocladum, 1895, 342 (1, 26). 
Hieraciuni venetianmn (floren- 
tinum <. Pilosella) X, P. 
Subsp. HanJcae, 1895, 342 (I, 26). 
Hieraciuni leptopliyton (magyari- 
cum r> Pilosella) N. P, 
Subsp. nemato ciados, 1895. 342 
(I, 26). 
var. epilosum. 
Subsp. melanophilum, 1895, 343 
(I, 27). 

Subsp. approximatum, 1895, 343 
(I, 27). 

Subsp. setigeriforme, 1895, 344 (I, 
28). 

Hieraciuni sulplmreuni (floren- 
tiniim 4- Auricula) Doell. 
Subsp. leucocheilos, 1895, 344 (I, 
28). 



Hieraciuni paragoguni (floren- 
tinum-auriculiforme) X. P. 
Subsp. ciliiferum, 1895, 345 (I, 29). 
Subsp. Informe, 1897, 299 (III, 22). 
Hieraciuni calomastix (magyari- 
cum + aiirantiacmn) N. P. 
Subsp. riCbristylum, 1895, 345 (I, 
29). 

Hieraciuni trigenes (Pilosella + 
calamastix) P. 
Subsp. Dyhowslcianum, 1895, 346 
(I, 30). 

Hieraeium arvicola (florentinum- 
collinum) N. P. 
Subsp. rectipes, 1897, 300 (III, 23). 
Hieraciuni ßoribundum (flori- 
lmndum-collinum-Äuri€ula)W\mm, 
et Grab. 
Subsp. pseudodolinense, 1897, 301 
(III, 24). 

1. pilosius. 

2. suhpilosum. 

Subsp. pseudofloribundum, 1897, 

301 (III, 24). 
Subsp. atonanthum, 1897, 301 (III, 
24). 
«. genuinum. 
ß. erythrophilum. 
Subsp. laeticeps, 1897, 302 (III, 25). 
«. genuinum. 
ß. pseudoindescriptum. 
Subsp. heterodesmum, 1897, 303 
(III, 26). 

1. corymhosum. 

2. subfurcatum. 
Hieraciuni tiigriceps (floribundum. 

> Pilosella) ]S". P. 
Suhs]). fistulosim, 1895, 346(1,30). 
Hieraciuni pilosellifloruni (flori- 
bundum <. Pilosella) N. P. 
Sub^hlcirrophyllum, 1897,304 (III, 
27). 
«. genuinum. 
ß. brevipilum. 



78 



A. Rehmann. Neue Hieracien des östlichen Europa. 



Subsp. kirrolepium, 1897, 304 (III, 
27). 

Subsp. melanoglaucum, 1897, 305 
(III, 28). 

Hieracium Lohavzewskii (ma- 
gyaricuni+floribundum) iiov. hybr. 
Subsp. LobarzewsUi, 1897, 305 
(III, 28). 
«. Simplex, 
ß. polycladum. 
Subsp. strictistolomim, 1897, 306 
(III, 29). 

Hieracium ijseiidoinloselliflo- 

rum (LoharsetvsJcii + Pilosella) 
iiov. hybr. 
Subsp. pseudopüoselUflorum, 1897, 
306 (III, 29). 

1. normale. 

2. suhpilosum. 
Hieracium Ohomyanum ( col- 

linum + magyaricum) N. P. 
Subsp. suUatrense, 1897, 307 (III, 
80). 



Hieracium altefurcatum (flagel- 
lare + magyaricum) iiOT. hybr. 
Subsp. altefurcatum, 1897, 307 
(III, 30). 

Hieracium umbelliferum (ma- 
gyaricum-cymosum) N. P. 
Subsp. pycnomnoum, 1897, 308 

(III, 31). 
Subsp. cymosicephalum, 1897, 309 

(III, 32). 
Subsp. melanolepium, 1897, 309 

(III, 32). 
Subsp. Fleischeri, 1897, 310 (III, 33). 
Hieracium calodon (florentinum- 
echioides) Tausch, 
^uhsiß. trisemaenum, 1897, 310 (III, 

33) . 

Subsp. longissimum, 1897, 311 (III, 

34) . 

Hieracium pannonicum ( magijari- 
cum-echioides) X. P. 
Subsp. echioidipilum, 1897, 311 
(III, 34). 



Zu den Bestrebungen des österreichischen 
Bundes der Vogelfreunde in Graz. 

Der Bund der Vogelfreunde, welcher eine ausserordentliche Eührigkeit ent- 
faltet, um der massenhaften Vertilgung der Vögel entgegen zu treten, hat auch 
an unsere Gesellschaft eine Reihe von Zuschriften gerichtet, die uns nun veran- 
lassen, die Agitation des genannten Bundes kurz zu beleuchten. 

Dass gegenwärtig mehr denn je Vogelfedern als Hutschrauck verbraucht 
w"5rden und dass dadurch einige unserer heimischen, der Land- und Forstwirth- 
schaft theilweise nützlichen Vögel, sowie unberechenbare Mengen prächtiger 
exotischer Arten der Mode zum Opfer fallen, und manche davon in Gefahr ge- 
rathen, bald gänzlich ausgerottet zu werden, ist eine nicht zu läugnende That- 
sache; es erschiene uns daher das Bestreben ganz löblich, dass von ökonomischen, 
wissenschaftlichen und ethischen Gesichtspunkten aus eine Bewegung gegen die 
übertriebene Vertilgung unserer gefiederten Freunde eingeleitet werde. 

Dies sollte aber in einer mehr sachgemässen Weise und nicht mit theil- 
weise oder ganz unrichtigen Argumenten geschehen. 



Zu deu Bestrebungen des östeneicliiscben Bundes der Vogelfreiiudc in (iraz. 



79 



So erhiubeii wir uus zunächst schon die Ansicht auszusprechen, dass der 
Vogelfang zu Nahrungszvvecken, namentlich in unseren Heimatsländern, wo der- 
selbe heute ohnedies nur mehr in einigen Gebieten in grösserem Umfange be- 
trieben wird und nur während einer kurzen Periode gestattet ist, an der Ver- 
minderung der Vögel wenig Schuld trägt. Die Zahl der beispielsweise in Südtirol 
mit Netzen erbeuteten Vögel kann gegenüber den thatsächlich durchziehenden 
Massen doch nur einen geringen, nicht ins Gewicht fallenden Percentsatz be- 
tragen. Der Grund der Abnahme mancher Vögel ist weniger in dem Fange, als 
darin zu suchen, dass durch die fortschreitende Cultur den Thieren an ihren 
Brutstätten vielfach die natürlichen Lebensbedingungen entzogen werden. In 
früheren Zeiten wurde der Vogelfang im Herbste überall und in viel grösserem 
Umfange betrieben als dies gegenwärtig noch der Fall ist, und trotzdem gab es 
mehr Vögel als heute. Wenn man also W'ieder eine Zunahme der Vögel erzielen 
will, so muss man darauf hinarbeiten, ihnen mit Vorbedacht und künstlich die 
entzogenen Lebensbedingungen wieder zu schaffen. In dieser Richtung sollte der 
Bund der Vogelfreunde zu wirken bestrebt sein und darauf ausgehen, für Ein- 
führung solcher bekannter, geeigneter Mittel Sorge zu tragen. 

Gar nicht einverstanden können wir mit den zu weit gehenden Beschrän- 
kungen sein, welche der Bund der Vogelfreunde dem Halten von Stuben vögeln 
auferlegt haben möchte, wie sich aus dem Entwürfe einer Petition um ein neues 
Vogelschutzgesetz ergibt, und ganz entschieden müssen wir der Absicht entgegen- 
treten, dem Sammeln von Vögeln zum Zwecke des Unterrichtes, für Museen, 
Thiergärten und Schulen mehr Hindernisse in den Weg zu stellen, als bereits 
ohnedies bestehen. 

Wenn man schon den Vogelfang regeln will, was ja in mancher Hinsicht 
nothwendig wäre, so darf man nicht mit unrichtigen Behauptungen und Dar- 
stellungen agitiren wollen. In dem Entwürfe jener Petition des „Bundes" au 
den Reichsrath um „Erlass eines für alle Kronländer giltigen Gesetzes zum 
Schutze aller nützlichen Vögel" heisst es: „Die absolut schädlichen Vögel 
sind zu verfolgen, die nützlichen absolut zu schützen." Dem gegen- 
über ist zu bemerken, dass die Vögel nur relativ nützlich oder schädlich sind, 
dass viele Arten oft nur local oder temporär nützen oder schaden. Dass bezüglich 
der sogenannten schädlichen Vögel gesagt wird, sie „sind zu verfolgen", dass 
damit deren Ausrottung förmlich decretirt wird, das wird sich kaum vom ethischen 
Standpunkte, den der „Bund der Vogelfreunde" einnehmen will, rechtfertigen 
lassen; gar nicht kann dies aber vom wissenschaftlichen Standpunkte gebilligt 
werden. Viele der sogenannten schädlichen Vögel sind ohnedies schon so decimirt, 
dass die von den wenigen „Letzten ihres Stammes" gebrauchte Nahrung national- 
ökonomisch gewiss nicht ins Gewicht fällt. Wir verweisen nur auf die geringe 
Zahl der Adler und anderer Raubvögel, welche zu den herrlichsten Geschöpfen 
der Natur gehören, auf die bedeutende Verminderung der Reiher und Kormorane, 
i sowie anderer interessanten Vertreter unserer Ornis. Diese soll man nicht über- 
i band nehmen lassen, man soll sie gelegentlich erlegen dürfen, aber man soll sie 
auch nicht ausrotten wollen. Im Haushalte der Natur, wo diese noch in ihrer 



L. V. Lorenz. Zu den Bestrebungen des österr. Bundes der Vogelfreunde in Graz. 



UrsprÜDglichkeit wirkt, spielen auch solche Arten eine nützliche Rolle, und selbst 
zu Gunsten des grossen Egoisten, des Menschen. In Bulgarien ist der Kaiser- 
adler noch ein vorwiegend nützlicher Vogel durch das Vertilgen der Erdziesel, in 
den Gegenden, wo noch die wilde Fischerei besteht, reduciren die Sumpf- und 
Wasservögel die im Uebermasse sich entwickelnde Fischbrut und ermöglichen es 
dem Reste, desto besser zu gedeihen. Sie thun Aehnliches wie der Forstmann, 
der den Wald durchlichtet, um eine gleichmässige kräftige Entwicklung der Bäume 
zu erzielen. Wir halten es für überflüssig, in dieser Beziehung noch mehr zu sagen. 

Dagegen können wir uns nicht enthalten, noch zwei Agitationsmittel des 
Bundes der Vogelfreunde zu berühren. Geradezu heiter müssen jeden denkenden 
Menschen, auch wenn er nicht Vogelfänger ist, jene rosarothen Plakate stimmen, 
welche der Bund der Vogelfreunde in Wien und anderwärts verbreitet und die 
ausser durch den Schlachtruf: „Fort mit den Vogelleichen von den Damenhüten!", 
auch durch ein Bild wirken sollen, welches einen Schwärm von Schwalben dar- 
stellt, der sich in einem Netze gefangen hat und wo nun von mehreren handfesten 
Männern mit Knüppeln auf die im Netze hängenden Schwalben losgeschlagen 
wird. Wenn überhaupt Schwalben oder andere kleine Vögel in Netzen gefangen 
werden, so schlägt man sie nicht in den Netzen mit Stöcken todt, da erstens 
die Vögel sowohl für den Hutschmuck als für die Bratpfanne nach einer solchen 
Behandlung unbrauchbar wären, und zweitens die theueren, aus feinem Garn oder 
Seide geknüpften Netze vollkommen zerrissen würden. Ernster als diese bildliche 
Darstellung von Etwas, das es gar nicht gibt, ist die Aufmunterung zu nehmen, 
dass die Mitglieder des Bundes der Vogelft*eunde ihre noch mit Federn sich 
schmückenden weiblichen Mitbürger kühler oder gar nicht mehr grüssen sollen. 
Herrschen denn nicht schon Unfriede und Hass genug in der Welt? 

Dr. L. V. Lorenz. 



Referate. 

MartoreUi, Oiacinto. Nota zoologica sopra i gatti selvatici e le loro 
af finita colle razzc dornest! che. (Atti della Societa Italiana di Scienze 
Naturali e del Museo Civico. Milano, Vol. XXXV [1896], p. 250—280, Tab. I 
und II.) 

In einem Aufsatze über das Vorkommen von Felis caffra in Südeuropa in 
diesen „Verhandlungen" (Bd. XLVII, Heft V, S. 341—346) habe ich die oben 
citirte Arbeit Martorelli's aus Versehen übergangen und erlaube ich mir nun, 
hier ein nachträgliches Referat über dieselbe zu erstatten. 

Der Verfasser erwähnt zunächst, dass er bereits in einer Abhandlung über 
die Vögel und Säugethiere von Sardinien (Pistoia, 1884, 4°) die Vermuthung 
ausgesprochen habe, dass die auf Sardinien wild vorkommenden Katzen ver- 
wilderte Hauskatzen und nicht etwa Repräsentanten der europäischen Wildkatze 
(Felis catus) seien. Dieser Bemerkung lässt er dann die Beschreibungen und 



Referate. 



81 



Abbildungen von zwei im wilden Zustande erbeuteten Katzen folgen, von denen die 
eine (Taf. I) im October 1895 bei Populonia nächst Piambino an der toskanischen 
Küste, die andere (Taf. II) im Jahre 1893 auf Sardinien erlegt worden war. 

Diese beiden Katzen zeigen deutliche Unterschiede von Felis eatus, sowohl 
in der Färbung als in den Grössenverhältnisseu. Das Exemplar von Sardinien 
(Taf. II) ist aber auch wieder etwas verschieden von jenem aus den toskanischen 
Maremmen (Taf. I), insbesondere ist bei ersterem das Haar länger, dichter und 
am Grunde röthlich gefärbt, der Schwanz zeigt weniger dunkle Ringe. Mar to- 
reil i findet diese Katze am ähnlichsten mit einem Exemplare von Felis mani- 
culata Rüpp. aus Abjssinien, mit welchem er sie im Mailänder Museum ver- 
gleichen konnte, und führt auch an, dass nach einer Mittheilung Prof. Sardelli's 
sich La taste gelegentlich dahin äusserte, dass es zu Felis caffra gehöre. 

Das Ergebniss, zu welchem verschiedene Betrachtungen den Autor führen, 
ist schliesslich, dass die wilde Katze von Sardinien, ebenso wie jene aus dem 
Toskanischen, zu einer Abart der Felis maniculata gehören, für welche er den 
Namen Felis mediterranea in Vorschlag bringt. 

Was die Katze von Sardinien betrifft, so konnte ich mit Martorelli 
schon auf Grund des von mir untersuchten Felles einer sardinischen Katze, welche 
durch Graf Ferdinand Trauttmansdorff bei Sorradile erlegt worden war, ganz 
übereinstimmen, und weiche ich nur bezüglich der Benennung von ihm ab, was 
aber von keiner wesentlichen Bedeutung ist; die Hauptsache bleibt, dass Prof. 
Martorelli und ich unabhängig von einander zu der Ueberzeugung gelangten, 
dass die sardinischen wilden Katzen von Felis catus verschieden, dagegen mit 
den afrikanischen Wildkatzen Felis maniculata oder Felis caffra am nächsten 
verwandt, beziehungsweise identisch seien. Ich neige mehr der letzteren Ansicht 
zu, weil das von mir untersuchte Katzenfell mit verschiedenen afrikanischen 
Katzen verglichen, thatsächlich jenen aus Südafrika am ähnlichsten ist. Es 
werden von dieser sardinischen Katzenform durch Martorelli in der in Rede 
stehenden Arbeit drei Exemplare namhaft gemacht, die sich im Museum zu Mai- 
land befinden, und die mir schon der Beschreibung nach alle mit meiner Katze 
von Sorradile übereinzustimmen schienen. 

Während der vergangenen Ferien nahm ich nun Gelegenheit, von Südtirol 
aus einen Abstecher nach Mailand zu machen, wo Prof. Martorelli die Liebens- 
würdigkeit hatte, mir seine sardinischen Wildkatzen zu zeigen und ich mich durch 
den Augenschein überzeugte, dass diese eine grosse Gleichförmigkeit in der Färbung 
und Qualität des Felles besitzen und mit der von Graf Trauttmansdorff 
erbeuteten Katze identisch sind. Ausserdem wies mir Martorelli auch noch 
das Fell einer in Marocco erlegten Katze vor, das er seit seiner Publication er- 
halten hatte und das gleichfalls mit den sardinischen Katzen übereinstimmt. 

Das früher erwähnte Exemplar aus den toskanischen Maremmen (Taf. I), 
welches Martorelli in seiner Arbeit auch zu seiner Felis mediterranea zieht, 
obwohl er selbst auf einige Unterschiede zwischen ihr und den sardinischen Katzen 
aufmerksam" macht, rief dagegen in mir mehr den Eindruck einer Hauskatze mit 
wildkatzenähnlicher Färbung hervor, und auch Martorelli sprach sich bei der 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 11 



82 



Referate. 



Gelegenheit dahin aus, dass er dieselbe nunmehr als eine Varietät der Felis 
mediterranea aufzufassen geneigt sei. Es wäre jedenfalls zu wünschen, dass es 
ihm gelänge, noch einige weitere wilde Katzen aus den Maremmen, wo solche 
ziemlich zahlreich sein sollen, zu erhalten. 

Den Umstand, dass die erwähnten Katzenformen von Sardinien und aus 
Toskana mehr oder weniger verlängerte Haare an den Spitzen der Ohren tragen, 
halte ich in Uebereinstimmung mit Martorelli keinesfalls für massgebend, um 
dieselben etwa in die Gattung Chaus einzureihen. 

Noch möchte hier hervorgehoben werden, dass Martorelli in seinem 
Aufsatze ausser den wilden Katzen aus den beiden erwähnten Gegenden Italiens 
(Sardinien und Toskana) noch ein Exemplar namhaft macht, das 1868 bei 
Maccagno am Lago di Garda erlegt wurde und einer typischen europäischen 
Wildkatze entspricht. 

Es ist also keinesfalls ganz richtig, dass in Italien Felis catus nicht vor- 
komme, wenn man nämlich die politischen Grenzen ins Auge fasst. Für die 
appenninische Halbinsel scheint man das aber wohl behaupten zu können, denn 
die Katzen von Toskana sind, wie dargelegt, von der gewöhnlichen Wildkatze 
verschieden und ebenso jene von Sardinien. 

Hinsichtlich der Hauskatzen stimmt Martorelli am Schlüsse seines Auf- 
satzes mit jenen Forschern überein, welche eine Abstammung derselben von 
mehreren verschiedenen wilden Arten annehmen, dagegen widerspricht er der 
allgemein verbreiteten Ansicht, dass die alten Griechen und Römer keine Haus- 
katzen kannten und sucht dies durch einige Citate zu erhärten. 

Wenn nun auch durch die von Graf Trauttmansdorff auf Sardinien 
erlegte und von mir behandelte wilde Katze, die ich als Felis caffra ansprach, 
nicht der erste Nachweis geliefert ist, dass eitie besondere Form von Wildkatzen 
auf Sardinien vorkomme, so bildet dieselbe doch einen weiteren Beleg dafür, 
dass dies der Fall sei, wie schon vorher Martorelli dargethan hat. 

Dr. L. V. Lorenz. 

Costantin, J. Les vegetaux et les milieux cosmiques. (Adaptation- 
Evolution.) Paris, F. Alcan, 1898. 

Dieses klar und fesselnd geschriebene Buch des bekannten Franzosen sucht 
uns ein übersichtliches Gesammtbild von dem Einflüsse der äusseren Factoren 
auf die Pflanze zu geben, insoferne dieselben für den Gestaltungs- und Art- 
bildungsprocess der Pflanze von Wichtigkeit sind. 

Es ist ein Verdienst des Verfassers, seinem Buche eine philosophische 
Grundlage gegeben zu haben, wodurch dasselbe mehr als eine blosse Zusammen- 
stellung von Thatsachen wird. Andererseits vermeidet der Autor ebenso das Ein- 
gehen in naturphilosophische Speculationen, welche nicht bewiesen werden können. 
Auf dem Boden der thatsächlichen Beobachtung und des Experimentes stehend, 
bescheidet er sich mit einer vorläufigen Erklärung der Erscheinungen, welche er 
folgendermassen präcisirt: „Wohl reagirt die Pflanze auf Grund , innerer und 



Referate. 



83 



angeborner' Eigeuschafton, aber diese Reactiou erfolgt nur, wenn die Pflanze in 
bestimmte chemisch-physikalische Verhältnisse versetzt wird." 

Zum Schlüsse sei der grossen, öfters sogar auf Detailarbeiten sich ein- 
lassenden Literaturkenntnis des Autors gedacht, der sein interessantes Buch ganz 
auf der Höhe der heutigen Forschung zu erhalten weiss. Dr. L. Linsbauer. 

Matile, P. Contribution a la faune des Copepodes des environs de 
Moscou. Avec 1 PI. (Bulletin de la Societe imperiale des Nat. de Moscou, 
1897, Nr. 1.) 

Verfasser bringt eine Zusammenstellung der von ihm während der drei 
letzten Jahre in der Umgebung von Moskau gesammelten Copepoden, nachdem 
sich schon vor ihm, jedoch in zumeist ziemlich ungenügender Weise, drei russische 
Forscher, Poggenpohl (1874), Ulianine (1874) und Kortschaguine (1887), 
mit diesem Gegenstande beschäftigt hatten. In seinen Literaturangaben bemerkt 
Verfasser noch, dass ihm Schmeil's treffliche Arbeit wegen des „prix excessive- 
raent eleve" leider nicht zugänglich war; daher finden wir auch in dieser Arbeit, 
wie in manchen anderen neueren Publicationen (vgl. z. B. die leider erst in 
serbischer Sprache erschienene Arbeit von J. Fiutek, Glasnik, Bd. IX, 1897, 
Sarajewo, p. 399 — 410), vielfach alte, heute von den meisten Forschern schon 
aufgegebene Namen. 

Aus der Gruppe der Cjclopiden wurden gefunden : C. coronatus Claus 
(= fuscus Jurine bei Schmeil), tenuicornis Claus (= albidus Jurine bei 
Schmeil), strenuus Fischer, insignis Claus, hyalinus Rehberg (= oithonoides 
var, Jiyalina Rehberg bei Schmeil), Leuckarti Sars, vernalis Fischer, viridis 
Fischer, diaphanus Fischer, varicans Sars, serrulatus Fischer, macrurus Sars, 
affinis Sars, canthocarpoides Fischer (phaleratus Koch bei Schmeil). 

Von Harpacticiden wurde nur Canthocamptus staphylinus Jurine ge- 
sammelt, von Calaniden Diaptomus coeruleus Fischer, denticornis Wierzejski, 
amhlyodon Marenzeller, schliesslich noch Heterocope saliens Lilljeborg. 

A. Steuer. 

Daday, Eng. y. Crustaceen. In: Resultate der wissenschaftlichen Erforschung 
des Balaton-Sees. IX. Section. 1897. 

Verfasser bringt auf Grund älterer Arbeiten und neuer, eigener Unter- 
suchungen eine zusammenfassende Darstellung der Crustaceenfaunen des grossen 
und kleinen Balaton, die wegen der Verschiedenheit der Zusammensetzung ge- 
sondert zur Besprechung kommen. 

Während der grösste Theil der Formen infolge ihres mehr minder ausge- 
prägten Cosmopolitismus schon von vielen anderen Oertlichkeiten bekannt ist, 
beschreibt Verfasser wiederum einige Thiere als neue Arten, bezw. Varietäten ; es 
sind das folgende: Cyclops hathyhius, Canthocamptus tentaculatus, Candona 
haJatonica, Cypridopsis verrucosa, Cypris incongruens Ramdh. var. balatonica, 
Candona reticulata. 

Da vorliegende Arbeit Schmeil bei der Abfassung seines „Nachtrages" 
offenbar nicht vorlag, unternahm Referent nach der von Daday gegebenen 

11* 



84 



Referate. 



Skizze und Beschreibung eine Ueberprüfung des als neu beschriebenen Cyclops 
hathyhius. Es ergibt sich Folgendes: Cyclops fmhriatus var. Poppei gleicht in 
der Grösse vollkommen dem Cyclops hathyhius, die beide kleiner sind als der 
typische fimhriatus. Zur Erläuterung des Baues des Cephalothorax fehlt leider 
die entsprechende Abbildung. Die Beborstung des Afters deutet auf die var. 
Poppei hin, während die weit abstehenden Furcen wieder für den typischen 
fimhriatus sprechen. Es heisst weiter in der Diagnose: „Ungefähr in der Mitte 
sind dieselben auf der Rückenseite mit einer schräg geordneten Borstenreihe 
geziert, in welcher eine Borste doppelt so lang ist als die übrigen." Die schräg 
verlaufende, vollständige Borstenreihe würde sogar für affmis sprechen, mit dem 
Daday's Form aber sonst wenig gemein hat. Nun zeichnet Verfasser die Borsten- 
reihe aber nicht „schräg geordnet", sondern senkrecht zur Körperachse, und 
die längere Borste ist nicht in der Borstenreihe, sondern unter derselben, was 
auch aus der Zeichnung ersichtlich, und entspricht der „Seitenborste" (Schmeil, 
I, Taf. VII, Fig. 11). 

Die Antennen dürften denen von fimhriatus var. Poppei bei Schmeil 
vollkommen gleichen, nur finden wir bei Schmeil wieder eine unvergleichlich 
exactere Zeichnung. Die Zahl der Borsten an den Schwimmfüssen, die Verfasser 
als Unterscheidungsmerkmal anführt, bietet kein sicheres Artmerkmal, da sie „für 
die Individuen einer Art durchaus nicht constant" ist (Schmeil, I, S. 28). Die 
Skizze des fünften Fusses dürfte bei genauerer Ausführung ebenfalls sich der einen 
oder der anderen der hier in Betracht kommenden Formen nähern. Schliesslich 
wäre es sicher sehr wünschenswerth gewesen, wenn uns der Verfasser über die 
„verkümmerten, farblosen" Augen etwas Näheres berichtet hätte. 

Auf Grund der vorgenommenen Vergleichung möchte Referent, wenn die 
der Arbeit beigefügten Skizzen der Wahrheit entsprechen, namentlich die Furca 
richtig gezeichnet ist, den Cyclops hathyhius als eine der var. Poppei nahe- 
stehende neue Varietät von fimhriatus hinstellen. Soll vorliegende Form aber 
nicht wie so viele andere ihrer ungarischen Verwandten zum Aerger der Faunisten 
als „sp. inc." ein trauriges Dasein fristen, dann ist eine neuerliche, exacte Be- 
schreibung und eine nicht minder genaue Zeichnung des Thieres, zu der Schmeil's 
Arbeit als Muster dienen mag, unerlässlich. 

In sehr dankenswerther Weise bringt Verfasser am Schlüsse der Arbeit 
einige biologische Daten, die allgemein interessiren dürften; die gefundenen 
Crustaceen w^erden nach ihrem Vorkommen in folgende Gruppen eingetheilt: 
Uferbewohner (Bewohner sandiger Ufer, Bewohner seegrasbewachsener Ufer, Be- 
wohner sandiger und seegrasbewachsener Ufer), Bewohner des offenen Wasser- 
spiegels, Bewohner des Seegrundes. 

Die Ergebnisse seiner mit den Angaben Weismann 's über das Plankton 
des Bodensees übereinstimmenden Beobachtungen der Planktonarten fasst Ver- 
fasser in folgenden sechs Punkten zusammen: 

1. Im Laufe des Tages ziehen sich die Bewohner des freien Wasserspiegels 
in die tieferen Wasserschichten hinab. 



Referate. 



85 



2. Mit Anbruch des Abeuds steigen die Arten aus den tieferen Wasser- 
schiehten nach und nach in die höheren Wasserschichten, bis an die Oberfläche 
herauf. 

3. An sonnigen Tagen halten sich die Arten auf dem Grunde, an trüben 
Tagen in höheren Wasserschichten auf, verhalten sich also ebenso, wie bei Anbruch 
des Abeuds. 

4. In windstillen, mondlosen Nächten ist die Individuenanzahl der Arten 
vielfach grösser als in mondhellen Nächten. 

5. Bei Sturm und Gewitter ziehen sich die Arten gleicherweise bei Tage 
und bei Nacht in die tieferen Wasserschichten hinab. 

6. Windstiller, langsamer Regen lockt die Arten auch bei Tage in die 
höheren Wasserschichten, zuweilen sogar bis ganz an die Oberfläche hinauf. 

A. Steuer. 

Riehard, Jules. Entomostraces, recueillis parM. le Directeur Stein- 
dachuer dans les lacs de Janina et de Scutari. Avee une illustr. 
(Annalen des k. k. naturhist. Hofmus., Bd. XII, Heft I, Wien, 1897.) 

Verfasser constatirt, dass die Crustaceenfauna der beiden von Stein- 
dachner durchforschten Seen ungemein jener der macedonischen Seen gleicht, 
über die schon früher berichtet wurde (s. J. Richard, Animaux inferieurs, 
notamment Entomostraces recueillis par M. le Prof. Steindachner 
dans les lacs de la Macedonie, in Annalen des k. k. naturhist. Hofmus., 
Bd. VII, Heft 4 [Notizen], Wien, 1892). Wie überall ist auch hier die pelagische 
Fauna an Arten arm, jedoch an Individuen ziemlich reich. Es fanden sich von 
Cladoceren: Diaphanosoma hracTiyurum Lievin, Hyalodaphnia Jardinei Baird, 
Hyalodaphnia Jardinei Baird. var. vitrea Kurz, Bosmina longirostris 0. F. Müller, 
Leptodora Kindti Focke; von Copepoden wurden gesammelt: Cyclops Leuckarti 
Sars und Diaptomus coeruleus Fischer, ferner eine neue Speeles: Diaptomus 
Steindachneri, der in seiner Form am meisten dem Diaptomus haccilUfer ähnelt. 

A. Steuer. 

Mi^ula, Dr. Waltlier. Synopsis Characearum europaearum. lUustrirte 
Beschreibung der Charaeeen Europas mit Berücksichtigung der übrigen Welt- 
theile. Leipzig, Ed. Kummer, 1898, 8^ VI + 176 S., 133 Abb. Preis 8 Mk. 
Vorliegendes Werk ist ein Auszug der Beschreibung der Charaeeen in 
Rabenhorst's Kryptogamenflora, II. Aufl., Bd. V, von demselben Verfasser, und 
! soll die Vorzüge dieses Handbuches mit grösserer Kürze und billigerem Preise 
j verbinden. Die Abbildungen sind aus dem Hauptwerk sämmtlich herüber- 
j genommen und finden wir mit Ausnahme von Tolypella hispanica alle euro- 
; päischen Speeles und den grösseren Theil der Varietäten und Formen darin 
abgebildet. 

Eine Einleitung über den Bau, sowie das Sammeln und Bestimmen der 
Charaeeen wird gewiss für Viele sehr erwünscht sein, welche sich noch nicht 
sehr eingehend mit den bezüglichen Verhältnissen beschäftigt haben. Hierauf 
folgt die Systematik der Charaeeen; an der Spitze derselben finden wir einen 



86 



Referate. 



Schlüssel für säinmtliclie in Europa bekannten 51 Arten. Die dann folgende 
Beschreibung der einzelnen Species ist eine ausreichend eingehende und werden 
am Schlüsse immer die Varietäten und Formen kurz charakterisirt. Specielle 
Standorte sind nicht angeführt, sondern nur das betreffende Land. Ein alpha- 
betisches Artregister und eine Literaturübersicht schliessen das Werkchen, welches 
Jedem, der sich mit dieser interessanten, leider viel zu wenig beachteten Gruppe 
beschäftigen will, warm empfohlen sei. J. Brunn thaler. 



Berichtigung. 

In der in Heft 8 dieser „Verhandlungen" (Jahrg. 1897) erschienenen Arbeit 
(Ein Beitrag zur Kenntniss der Cladoceren- und Copepodenfauna Kärntens) finden 
sich in den Daten über die Fauna Galiziens einige Unrichtigkeiten, indem ich, 
der polnischen Sprache nicht mächtig, einige Orte als zur Fauna Galiziens ge- 
hörig anführte, die thatsächlich nicht mehr in Oesterreich liegen. 

Die Verfasser der hier berücksichtigten, bisher nur in polnischer Sprache 
erschienenen Publication, die Herren Prof. Dr. Dybowski und Dr. Grochowski, 
sahen sich veranlasst, daraufhin eine längere „Berichtigung" an die Gesellschaft 
einzusenden, der wir u. A. Folgendes entnehmen: „Unter dem Ausdrucke ,kra- 
jowj' (einheimisch) verstehen wir Alles, was sich auf dem polnischen Boden, d. h. 
in allen Provinzen, welche einst der polnischen Regierung (!) gehörten, 
befindet . . . ." 

Wenn wir schon bei faunistischen Studien uns auf einzelne Länder be- 
schränken und so unser Arbeitsgebiet mehr minder willkürlich abgrenzen, ist es 
doch naheliegend, bei dieser Abgrenzung auf die gegenwärtige Ländervertheilung 
Rücksicht zu nehmen. 

=^ * * 

Gleichzeitig erlaube ich mir zu meiner Arbeit „Copepoden und Cladoceren 
des süssen Wassers aus der Umgebung von Triest" (Jahrg. 1897, Heft 9) zu be- 
merken, dass auf S. 12 der Autorname bei Daphnia ohtusa nicht „Koch", sondern 
„Kurz" heissen soll, und dass durch ein Versehen des Lithographen auf Taf. III, 
Fig. 7 die hyaline Membran an dem Antennengliede weggelassen wurde. 



II Bericht der Section für Planktonkunde. 



Versammlung am 13. Jänner 1898. 
Vorsitzender: Herr Dr. L. Linslbauer. 

Herr Josef Brunuthaler bespricht „Das Phytoplankton" 
(I. Theil). 

Der Vortragende erörtert zunächst an der Hand eines Schemas 
die hydrographischen und biologischen Begriffe des Seekessels, des 
Ufers und seiner Theile in den verschiedenen Auffassungen Forel's, 
Schrötter und Kirchner's, Brandt's u. A. 

Hierauf bespricht derselbe den Begriff „Plankton" überhaupt, 
sowie in Hinsicht auf das Meer: pelagisches, Seen: limnetisches, 
Teiche: Heleo-, fliessende Gewässer: Potamo-Plankton; ferner actives 
und passives Plankton, parasitisches und Pseudoplankton. 

Sodann gelangten die wichtigsten Planktophyten zur Be- 
sprechung: Bakterien, Algen und Pilze. 

Besonders hervorgehoben wurden : Asterionella gracillima 
(Hantzsch) Heiberg, Fragilaria crotonensis (Edw.) Kitton, Cyclotella 
spec, Melosira granulata (Ehrbg.) Kütz.; Clathrocystis aeruginosa 
Henfrey, Gloeotrichia echinulata (Engl. Bot.) P. Kichter, Anabaena 
flos aquae (Lyngbye) Breb., Ceratium hirudinella 0. F. Müller, Dino- 
hryon divergens Imh., Dinohryon stipitatum Stein und Botryococcus 
Braunii Kütz. 

Diese, sowie die anderen nur kurz erwähnten Speeles wurden 
theils in Zeichnungen, theils in Präparaten vorgeführt. 



z.B. Ges. Bd. XL VIII. 



12 



88 



Versammlung der Section für Planktonkunde am 4. Februar 1898. 



III Bericht der Section für Planktonkunde. 

Versammlung am 4. Februar 1898. 
Vorsitzender: Herr Dr. L. Lorenz R. t, Liburnaii. 

Herr Josef Brunnthal er hält einen Vortrag: „Das Phyto- 
plankton" (IL Theil). 

Vortragender bespricht die geographische Verbreitung der Phyto- 
planktonten, und zwar der Kosmopoliten, localen Planktonten und 
Localrassen, ferner die horizontale und verticale Verbreitung, den 
Einfluss des Lichtes und der Wärme auf letztere (active und passive 
Wanderung bei Tag und bei Nacht). 

An der Hand einer Curventafel gibt derselbe eine üebersicht 
des Auftretens der wichtigsten Phytoplanktonten während eines Jahres, 
der Maxima und Minima (grosser Plöner See). 

Weiters werden besprochen die Plankton -Volumina, die Be- 
griffe von planktonarmen und planktonreichen Seen, sowie von Chroo- 
^coccaceen- und Dinobryon-Seen, wozu Beispiele angeführt werden. 

Schliesslich erörtert Vortragender noch die bisherigen Resultate 
der Untersuchungen an Teichen und Flüssen in Betreff des Heleo-, 
resp. Potamo-Planktons. 

Hierauf demonstrirt Herr Dr. Adolf Steuer die wichtigsten 
pelagisch lebenden Copepoden und Cladoceren. 



XII. Bericht der Section für Kryptogamenkunde. 

Versammlung am 28. Jänner 1898. 
Vorsitzender: Herr Dr. Alexander Zahlbruckner. 

Herr Dr. Fridolin Krasser hält einen Vortrag: „Algologische 
Studien an der Adria." 

Vortragender bespricht die wichtigsten Algenformen der Adria, 
besonders der Bucht von Triest, unter Demonstration conservirten 



Versammlung der Section für Kryptogamenkimde am 28. Jänner 1898. 



89 



und getrockneten Materials, sowie Vorlage der wichtigsten Algen- 
Averke, die Adria betreffend. 

Herr Dr. Alexander Zahlbruckner legt hierauf folgende 
Exsiccatenwerke vor : 

„Kryptogamas exsiccatas", Centuria III, herausgegeben 
von der Botanischen Abtheilung des k. k. naturhistorischen Hof- 
museums in Wien; 

Malme, Eichenes Suecici exsiccati quos edidit, adjuvante Dr. 
J. T. Hedlund. 

Schliesslich bespricht unter Vorlage der Literatur Herr Josef 
ßrunnthaler „Die Fortschritte in der Kenntniss der Laub- 
und Lebermooskunde". 

Nachstehende Uebersicht über die Neuerscheinungen der Literatur der 
Laub- und Lebermoose umfasst die Zeit von Ende Juni bis Ende December 1897. 

Von Werken, welche das Gesammtgebiet der Laubmoose betreifen, sind 
zu verzeichnen: Paris, Index Brjologicus, Bd. IV (60), und von Jaeger vmd 
Saue rbeck 's Genera et Speeles Muscorum (36) ein Neudruck. Geneau (23) hat 
seine Uebersicht über die Literatur der Muscineen zum Abschlüsse gebracht. 

Monographische Bearbeitungen von Laubmoosen lieferten: Best, Clao- 
podium (4); Müller, Harrisonia (56); derselbe, Triquetrella (57); Philibert, 
Ueber die Philonotis des Herbarium Lindberg (61). Einige Species wurden 
besehrieben, resp. klargestellt von: Anthony (1), Barbey (3), Britton (6), 
Grebe (25), Kern (40), Limpricht (44) und Philibert (62). 

Bei den Lebermoosen hat Schiffner (72) die Gattungen Omphalanthus 
und Lejeunia des Berliner Museums einer Revision unterzogen. 

Palacky (59) bespricht die Verbreitung der Laubmoose über die ganze 
Erde; von Arbeiten über einzelne Florengebiete sind eine grosse Zahl anzuführen. 
Ueber Deutschland sind zu nennen: in erster Linie Limpricht's Laubmoos- 
flora, Heft 31, die Gattungen PlagiotJiecium und Ämblystegium pro p. umfassend; 
ferner Grebe (26): über Laubmoose des westfälischen Berglandes, Grütter 
(28): Moosvegetation der Rominter Haide, Jaap (35): Meyenburg, Kalmuss (38): 
Laub- und Lebermoose von Elbing, Lindau (45): Laub- und Lebermoose Rügens, 
Lorch und Laubenburg (46): Bryophyten des Bergischen Landes, Warnstorf 
(78): Joachimsthal, und von demselben (79): Moor Vegetation der Tucheier Haide, 
ferner kleinere Arbeiten von Janzen (37) und Ruthe (69). 

Matouschek (50, 51) und Schiffner (71) haben Beiträge zur Bryologie 
Böhmens geliefert. 

Culmann (15) und Roll (68) ebensolche zur Schweizer Flora. 

12* 



90 



Versammlung der Section für Kryptogamenkunde am 28. Jänner 1898. 



Avetta (2) hat die Laub- und Lebermoosflora der Provinz Parma, Massari 
(48—49) die Puglia und Sardinien einer Untersuchung unterzogen. 

Frankreich betreffen kleinere Arbeiten von Corbieres (13), Etoc (19), 
Eavaud (64) und Rechin et, Sebille (65); England: Lett (43), Roberts 
(67) und Waddell (77). 

Hagen hat zwei Beiträge zur Bryologie Norwegens geliefert; einen 
kleinen (30) und einen sehr werthvollen (29), zum Theile neue, zum Theile 
^ Bemerkungen über Vorkommen etc. seltenerer Species betreffend. 

Von Arbeiten über die aussereuropäische Moosflora sind zu nennen: 
Afrika: Brotherus (8), Cardoso (9): Cap Verdische Inseln, Cardot(ll)und 
Trelease (75): Azoren und Madeira, De Poll (17): Sphagneen von Reunion. 

Asien: Cardot (10) über japanische Fontinalis, Makino (47) gibt eine 
Aufzählung japanischer Lebermoose, Müller (53) einen IL Beitrag zur Bryologie 
der chinesischen Provinz Schen-si. 

Amerika: Cheney (12) hat die nordamerikanischen Species von Amhly- 
stegium zusammengefasst, Gront (27) die nordamerikanischen Isotheciaceae und 
Brachytheciae, Müller (55) bringt Symbolae ad bryologiam jamaicensem, Howe 
(34) die nordamerikanischen Arten der Lebermoosgattung Porella revidirt. Kleinere 
Arbeiten liefern: Holzinger (31—32) und Howe (33). 

Australien und Oceanien: Geheeb (22) veröffentlicht Beiträge zur 
Bryologie von Australien und Tasmanien, Müller (54) solche zur Flora von 
Australien und (52) Hawai; Stephani (74) zur Kenntniss der Lebermoose 
Hawais. 

Arktische Gebiete betreffen die Arbeiten von Ostenfeld-Hansen 
(58): Jan Mayen, sowie die Bearbeitung der Laubmoose von Kindberg, Leber- 
moose von Stephani und Torfmoose von Warnstorf der Drygalski'schen 
Grönland-Expedition (76). 

An Arbeiten über Physiologie, Biologie und Morphologie sind folgende zu 
nennen: von Brizi (7) eine umfangreiche Abhandlung; Correns (14) gibt eine 
Uebersicht über die Vermehrungsweise der Laubmoose durch Brutorgane, Farn iiier 
(20) berichtet über die ungeschlechtliche Vermehrung vom Campylopus flexuosus, 
Debat (16) bespricht die Hybridisation bei den Moosen, Kohl (41) die Proto- 
plasmaverbindungen der Moosblattzellen, Steinbrinck (73) in ausführlicher 
Weise den hygroskopischen Mechanismus des Laubmoosperistonis; den Bau und 
die Entleerung der reifen Antheridien bei Polytrichum hat Schaar (70) unter- 
sucht. Gayet (21) veröffentlicht sehr wichtige Resultate seiner Studien über 
die Entwicklung des Archegoniums bei den Muscineen, während Gene au (24) 
über den Parallelismus bei der Entwicklung der Muscineen und Gefässkrypto- 
gamen spricht. 

Kamerling (39) hat die Marchantiaceen, in erster Linie in Hinsicht auf 
die wasserführenden, resp. wasserhaltenden Gewebe untersucht. Schliesslich sei 
noch einer kleinen Notiz Reusch's (66) über eine eigenthümliche Wachsthum- 
form einer Moosart gedacht. 

Kusnezow (42) hat einen Nekrolog auf Russow publicirt. 



Versammlung der Section für Kryptog:imenkuude am 28. Jänner 1898. 



91 



Nachsteheud das Literatiirverzeiehniss: 

1. Anthonj-, Emilia C, Fissidens incurvens. (The Asa Gray Bull., V, 1897, p. 47.) 

2. Avetta, C, Flora crittogamica della provincia di Parma, I. (Malpighia, 1897, 

p. 181—197.) 

3. Barbey, W., Bryum Haistii Schimp. (Bull. Herb. Boissier, 1897, p. 833.) 

4. Best, G. N., Revision of tbe Claopodiums. (Bull. Torrey Bot. Gl., 1897, p. 427.) 

5. Britton, Elizab. G., Report of tbe cbairraan of tbe division of Bryophyta. 

(Proc. National Science Club, Wash., 1897, p. 9.) 

6. — The Sword Moss. (Plant World, I, 1897, p. 1—5, Fig.) 

7. Brizi, ü., Contributo allo studio morfologico, biologico e sistematico delle 

Muscinee. (Ann. R. Ist. Botan. Roma, VI, 1897, p. 275.) 

8. Brotherus, V. F., Musci africani, II. (Engler's Jahrb., XXIV, S. 232.) 

9. Cardoso, J. J. A., Enumera^a a de plantas colhidas nas ilhas de Cabo Verde. 

(Bol. Soc. Broteroana, Coimbra, XIII, 1896, p. 130.) 

10. Cardot, J., Fontinales japonaises. (Rev. bryol., 1897, p. 33.) 

11. — Mosses of the Azores and of Madeira. (VIII. Ann. Rep. Missouri Bot. 

Garden, XIV, 1897, p. 51, c. Tab. 11.) 

12. Cheney, L. St., North American species of Ämblystegium. (Botan. Gaz., 

Vol. XXIV, 1897, p. 236-291, Tab. XI-XIII.) 

13. Corbieres, L., Muscinees rares ou nouvelles pour les Pyrenees. (Rev. Bryol., 

1897, p. 54.) 

14. Correns, C, Vorläufige Uebersicht über die Vermehrungsweisen der Laub- 

moose durch Brutorgane. (Ber. d. D. bot. Ges., 1897, S. 374.) 

15. Culmann, P., Deuxieme Supplement du Catalogue des Mousses des environs 

de Winterthur. (Rev. Bryol., 1897, p. 36.) 

16. De bat. De l'hybridation chez les Mousses. (Ann. Soc. bot. Lyon., XXI, 1897, p. 9.) 

17. De Poli, H., Les Spliagnum de l'ile de Reunion. (Rev. Bryol., 1897, p. 60.) 

18. Dixon, Thuidium or Thyidium. (Rev. Bryol., 1897, p. 39.) 

19. Etoc, R. P. G., Note sur la flore bryologique de Meudon. (Le monde des 

Plantes, VI, 1897, p. 155—159.) 

20. Fa milier, J., Ueber die ungeschlechtliche Vermehrung von Campylopus 

flexuosus (L.) Brid. („Flora", Vol. 84, 1897, p. 174, c. Fig.) 

21. Gay et, L. A., Recherches sur le developpement de l'archegone chez les Musci- 

nees. (Ann. Sciences natur., Botan., 1897, Nr. 3 — 6.) 

22. Geheeb, A., Nouvelles additions aux flores bryologiques de l'Australie et de 

la Tasmanie. (Rev. Bryol., 1897, p. 65.) 

23. Geneau de Lamarliere, L., Revue des travaux publies sur les Muscinees, 

depuis le V janvier 1889 jusqu'au 1" janvier 1897. (Rev. gen. bot., 
1897, p. 260—272, 318—323.) 

24. — Sur le parallelisme du developpement des Muscinees et des Cryptogames 

vasculaires. (Bull. Soc. d'etude des sciences nat., T. VI, 1897, p. 50—58.) 

25. Grebe, C, Cynodontium Limprichtianum nov. spec. (Subgenus n. Lynco- 

dontium). („Hedwigia", Bd. 36, 1897, Repertorium, Nr. 4/5, S. [103] 
bis [107], Taf. X.) 



92 



Versammlung der Section für Kryptogamenkunde am 28. Jänner 1898. 



26. Grebe, C, Neuheiten aus der Laubmoosflora des westfälischen Berglandes. 

(AUg. botan. Zeitschr. [Kneucker], S. 114-120, 156—157.) 

27. Gront, A. J., A Revision of the North American Isotheciaceae Bracliy- 

theciae. (Mem. Torrej Botan. Club, VI, 1897, p. 131.) 

28. Grütter, Die Moosvegetation der Rominter Haide. Abromeit, Systematische 

Zusammenstellung der Grütte r 'sehen Moosfunde. (Jahresber. Preuss. 
botan. Ver., 1896/97, S. 51—74.) 

29. Hagen, J., Schedulae bryologicae. (Kgl. Vidensk. Selsk. Skr., 1897, Nr. 2. 

30 p., 2 Tab.) 

30. — Webera Uitescens Limpr. i Sverige? (Bot. Not., 1897, p. 171.) 

31. Holzinger, J, M., On some mosses at high altitudes. (Minnesota Botan. 

Stud. Bull., Nr. 9, Part X und XI, 1897, p. 738.) 

32. — On the Genus Coscinodon in Minnesota. (Ebenda, p. 753, c. Tab.) 

33. Ho we, A. M., Notes on California Brjophytes, III. (Erythea, 1897, p. 87, c. Tab.) 

34. — The North American species of Porella. (Bull. Torrey Botan. Club, 

Vol. XXIV, 1897, p. 512-528.) 

35. Jaap, 0., Zur Flora von Meyenburg in der Prignitz. (Verh. d. Bot. Ver. der 

Prov. Brandenburg, 1897, S. 10.) 

36. Jaeger, A. und Sauerbeck, F., Genera et Species Muscorum systematice 

disposita etc. St. Gallen, Werner Hausknecht, 1897. (Sep.-Abdr. aus 
Jahresber. d. St. Gallischen naturw. Ges., 1870—1878.) 

37. Janzen, P., Bryologische Mittheilungen. (Schriften der Naturf. Ges. Danzig, 

IX, Heft 2, 1896, S. 249—250.) 

38. Kalmuss, F., Die Leber- und Laubmoose im Land- und Stadtkreise Elbing. 

(Schriften d. Naturf. Ges. Danzig, IX, Heft 2, Danzig, 1896, S. 180—217.) 

39. Kamerling, Z., Zur Biologie und Physiologie der Marchantiaceen. („Flora", 

Vol. 84, p. 1, c. Tab. 3.) 

40. Kern, F., Grimmia Limprichtii nov. spec. (Rev. Bryol., 1897, p. 56.) 

41. Kohl, F. G., Die Protoplasmaverbindungen der Spaltöffnungsschliesszellen und 

der Moosblattzellen. (Botan. Centralbl., LXXII, 1897, S. 257— 265, 1 Taf.) 

42. Kusnezow, N. J., Prof. Dr. E. Russow. (Botan. Centralbl., LXXI, 1897, S.265.) 

43. Lett, H. W., Fossombronia cristata Lindb. in Ireland. (Journal of Botan., 

1897, p. 409.) 

44. Limpricht, G., Drei neue Laubmoose. (Schles. Ges. f. vaterl, Cultur, Zool.- 

botan. Sect., Jahresber. für 1896, S. 1-5, 1897.) 

45. Lindau, G., Ein Beitrag zur Kryptogamenflora von Rügen. („Hedwigia", 

Bd. 36, 1897, Repertorium, S. [151]— [157]). 

46. Lorch, W. und Laubenburg, K., Die Kryptogamen des Bergischen Landes. 

Bd. I. Pteridophyten und Bryophyten. Gr.-8°. 191 S. Elberfeld (Bae- 
decker), 1897. 

47. Makino, T., A list of Japanese Hepaticae, determined by Mr. F. Stephan i. 

(The Tokyo Bot. Magaz., 1897, p. 34—40.) 

48. Massari, M., Contribuzione alla briologia pugliese e sarda. (Nuov. Giorn. 

Bot. Ital., 1897, p. 317.) 



Versammlung der Section für Kryptogamenkunde am 28. Jänner 1898. 



93 



49. Massari, M., Contribuzione alla briologia pugliese e sarda. II. Sardegna. 

(Ebenda, 1897, p. 357, c. Tab.) 

50. Matouschek, F., Brjologiscbe floristische Beiträge aus Böhmen. V. (Deutsche 

botan. Monatsschr-, 1897, S. 202.) 

51. — Bryologisch-floristische Mittheilungen aus Böhmen. VI. (Sitzungsber. 

des naturw.-med. Ver. f. Böhmen „Lotos", 1897, S. 91—98.) 

52. Müller, C, Additamenta ad Brjologiam Hawaiicam. (Bull. Herb. Boissier, 

1897, p. 850-853). 

53. — Bryologia provinciae Schen-si sinensis. II. (Nuov. Giorn. Bot. Ital., 

1897, p. 245.) 

54. — Symbolae ad Brjologiam Australiae. I. („Hedwigia", Bd. 36, 1897, 

p." 331-365.) 

55. — Symbolae ad bryologiam Jamaicensem. (Bull. Herb. Boissier, 1897, 

p. 547—567.) 

56. — Synopsis generis Harrisonia. (Oesterr. botan. Zeitschr., XLVII, 1897, 

S. 387-398, 417—420.) 

57. — Triqiietrella, genus Muscorum novum conditum et descriptum. (Ebenda, 

XLVII, 1897, S. 420-424.) 

58. Ostenfeld-Hansen, C, Contribution ä la flore de l'ile Jan Mayen. (Botan. 

Tidsskrift, XXI, 1897, p. 18—32.) 

59. Palacky, J., Zur Verbreitung der Laubmoose. (Verh. d. Ges. deutsch. Naturf, 

u^ Aerzte 1896. Frankfurt a. M., 1897. S. 161.) 

60. Paris, E. G., Index bryologicus sive enumeratio Muscorum hucusque cogni- 

torura adjunctis synonymia distributioneque geographica locupletissimis. 
(Suite!) (Actes Soc. Linn. Bordeaux, Ser. V, Tom. X, 1897, p. 1—256.) 

61. Philibert, H., Les Philonotis de l'herbier de Lindberg. (Rev. Bryol., 1897, 

p. 81—86.) 

62. — Une nouvelle espece de Seligeria. (Rey. Bryol., 1897, p. 49.) 

63. Rabenhorst, L., Kryptogamenflora von Deutschland, Oesterreich und der 

Schweiz. 2. Aufl., Bd. IV. Die Laubmoose von K. G. Limp rieht. 
Lief. 31. Gr.-8". Abth. III, S. 257—320. 

64. Ravaud, Guide du Bryologue et du Lichenologue aux environs de Grenoble. 

XI. (Rev. Bryol., 1897, p. 40 und p. 86 ff.) 

65. Rechin, J. et Sebille, R., Excursions bryologiques dans la Haute Tarentaise 

(Savoie). (Suite et Fin.) (Journ. Bot., 1897, XI, p. 291—298, 316—322, 
326-332.) 

66. Reusch, H., üeber eine eigenthümliche Wachsthumform einer Moosart. 

(Engler's Jahrb., XXIII, 1897, S. 573, m. Fig.) 

67. Roberts, M, The Mosses of the Upper Dovey. (Journ. Bot. Brit. and For., 

Bd. XXXV, 1897, p. 492-493.) 

68. Röll, Dr. J., Beiträge zur Laubmoos- und Torfmoosflora der Schweiz. („Hed- 

wigia«, Bd. 36, 1897, S. 320—330.) 

69. Ruthe, R, Drei neue in Pommern entdeckte Bryum-Arten. („Hedwigia", 

Bd. 36, 1897, S. 383-387.) 



94 



Versatninlung der Section für Kryptogatnenkunde am 28. Jänner 1898. 



70. Schaar, Ferd., lieber den Bau und die Art der Entleerung der reifen Anthe- 

ridien bei Polytrichum. (Ber. der Deutschen botan. Ges., Bd. XV, 1897, 
S. 479—482, Taf. XXIV.) 

71. Schiffner, V., Neue Beiträge zur Brjologie Nordböhmens und des Eiesen- 

gebirges. („Lotos", 1896, S. 268.) 

72. — Eevision der Gattungen Omphalanthus und Lejeunea im Herbarium 

des Berliner Museums. (En gl er 's Jahrb., XXIII, 1897, S. 578, m. Taf.) 

73. Steinbrinck, C, Der hygroskopische Mechanismus des Laubmoosperistoms. 

(„Flora", Vol. 84, 1897, p. 131, c. Fig.) 

74. Stephani, F., Hepaticae sandvicenses. (Bull. Herb. Boiss., 1897, p. 840— 849.) 

75. Trelease, W., Botanical observations on the Azores. (VIII. Ann. Rep. Mis- 

souri Bot. Garden, 1897, p. 77, c. Taf. 44.) 

76. Vanhöffen, C, Botanische Ergebnisse der von der Gesellschaft für Erdkunde 

zu Berlin unter Leitung Dr. v. Drygalski's ausgesandten Grönland - 
Expedition, nach Dr. Vanhöffen 's Sammlungen bearbeitet. 
Ä. Kryptogamen. 

IX. N. C. Kindberg in Linköping: Laubmoose aus dem 

Umanak-District, S. 64—68. 
VII. F. Stephani in Leipzig: Lebermoose aus dem Umanak- 
District, S. 62. 

VIII. C. Warnstorf in Neu-Euppin: Torfmoose vom Kara- 
jak-Nunatak, S. 63. 
(Bibliotheca Botanica, Heft 42. Stuttgart, E. Naegele, 1897.) 

77. Waddell, C. H,, Moss Exchange Club Catalogue of British Hepaticae. London, 

Wesley & Son, 1897. 

78. Warnstorf, C, Bericht über den im Auftrage des Botanischen Vereins vom 

26. September bis 2. October 1896 unternommenen bryologischen Aus- 
flug nach Joachimsthal. (Verh. des Botan. Ver. der Prov. Brandenburg, 
1897, S. 25.) 

79. — Die Moorvegetation der Tucheier Haide, mit besonderer Berücksichti- 

gung der Moose. (Schriften der Naturf. Ges. Danzig, IX, Heft 2, 1896, 
S. 111—179.) 



XIII. Bericht der Section für Kryptogamenkimde. 



Versammlung am 25. Februar 1898. 
Vorsitzender: Herr Dr. L. Linsbauer. 

Herr Dr. J. Lütkemüller hält einen Vortrag: „lieber die 
ZeUhaut und Poren bei den Desmidiaceen." 



Versammlung der Section für Lepidopterologie am 7. Jänner 1898. 



95 



Section für Lepidopterologie. 



Versammlung am 7. Jänner 1898. 

Vorsitzender: Herr Dr. H. Bebel. 

Herr Docent Dr. Thad. Garbowski sendet nachstehende 
lepidopterologische Notizen aus dem Jahre 1897 ein: 

1. BaptHa atrata L. — Sonst ziemhch vereinzelt, flog sie Anfang 
August in grösster Menge längs eines wasserreichen Strassengrabens am Höhe- 
punkte des Brennerpasses in Tirol (1362 m). 

2. Biston alpinus Sulz. Am oberen Plateau der Griesberger Alpe (in 
der Nähe des Kraxentraggletschers in Tirol) sind die Raupen Mitte August zahl- 
reich aufgetreten. Drei oder vier frei aufgefundene Stücke sassen an zerbröckelten 
grauen Felstrümmern, die mit einer gelben Parmelia bedeckt waren. Die Aehnlich- 
keit dieser trägen, wenig beweglichen Thiere mit der erwähnten Wandschüssel- 
flechte war im milden Lichte der Nachmittagssonne so auffallend, dass eine 
protective Anpassung der hellgelben, schwarz punktirten und gerieselten Eaupe 
an die Umgebung ausser Zweifel erscheint. Als Futter dient offenbar eine kleine 
Trifolium sp. 

3. Apterona crenulella Brnd. — Mimetische Anpassung der Gehäuse 
an eine kleine Schneckenart, mit welcher vergesellschaftet die Raupen an Brusso- 
netien bei Triest leben, wurde schon früher festgestellt.^) Heuer waren in der 
betreffenden Allee weder Raupengehäuse, noch Schneckenschalen zu finden; am 
1. Oetober wurden sie dagegen am Fusse älterer Eichen hinter dem Miramarer 
Parke in derselben Vergesellschaftung beobachtet. Die Raupen waren verpuppt. 
Nachträglich wäre zu bemerken, dass es sich hier um Farbenvarietäten der 
Xerophila ericetorum handelt. 

4. Zeuzera pyrina L. — In der ersten Hälfte des Juli war dieser 
Spinner in der südlichen Umgebung Wiens (insbesondere in Brunn am Gebirge) 
aussergewöhnlich häufig. 

5. Daphnis nerii L. — Obwohl Nerium in Miramare sehr üppig 
wuchert, leben dort die Raupen fast ausschliesslich an Vinca major, welche nament- 
lich einen vom Schwanenteiche hinauf führenden Hohlweg umsäumt. Noch 
Anfangs Oetober waren frische Frassspuren und Kothballen zu sehen. Die Raupe 
selbst verlässt bei Tage die Futterpflanze und liegt in lockerer Erde unter trockenen 
Blättern. 



•) T. Garbowski, Kleine Mittheilung über Apterona (Entom. Zeitschr., Guben, 1892, S. 124). 
Z. B. Ges. Bd. XL VIII. 13 



96 



Vorsammlung der Section für Lepidopterologie am 7. Jänner 1898. 



In Rovigno und auf Lussin wird sie auf iVerwm-Sträuchern angetroflfen. 

6. Deilephila euphorhiae ab. paralias Nick. — Auf der Insel 
Lussin an den mächtigen Wedeln der Euphorbia Wulfenii als erwachsene Raupe 
Mitte September erbeutet; Prof. Hatschek fand dann ein jüngeres Exemplar. 
Die Verpuppung erfolgt in einem schwachen Gespinnste zwischen trockenen 
Pflanzenresten. 

7. Charaoßes jasius L. — Am 22. September flog er in den heissen 
Mittagsstunden in Erdbeerbaumhainen zwischen Monte d'Ossero und der Insel 
Cherso; Herrn Prof. Hatschek gelang es, ein grosses Exemplar zu fangen. 

Es dürfte dies — wenigstens für Oesterreich — der nördlichste Flugort 
sein; bis jetzt war der Falter nur aus Dalmatien bekannt. 

8. Gonepteryoc Cleopatra L. — Der Falter scheint im Quarnero zu 
den seltensten Formen zu gehören. Nur einmal im September im Golfe von 
Lussinpiccolo beobachtet. y 

Nach Verlesung vorstehender Notizen bemerkt der Vorsitzende 
ad 3), dass er die Ansicht Dr. Garbowski's nicht theile, sondern 
annehme, dass die Spiraldrehung der Larvenröhre bei Äpterona aus 
statisch-mechanischen Gründen entstanden sei ; die festsitzende 
Lebensweise der Raupe hat hier ohne Mimicry zu einer Parallel- 
erscheinung mit der Bauart des Gehäuses von Heliciden geführt. 
Im Detail betrachtet, ist die Aehnlichkeit der Larvenröhre von Äpte- 
rona mit der Schale von Xylophila ericetorum eine sehr geringe; 
eher könnten noch Xylophila trochoides oder junge Cyclostoma- 
Schalen zum Vergleiche herangezogen werden. Der von Conchyologen 
(cfr. Martens in Sitzungsber. der Ges. Naturf. Freunde in Berlin, 
1891, S. 97) hervorgehobene Unterschied, dass die Helicidengehäuse;' 
rechts, die Äpterona-SsiGke aber links gewunden seien, kommt bei 
der Frage der täuschenden Nachahmung allerdings nicht in Betracht. 

Ad 5) bemerkt Herr Otto Habich, dass nach einer münd- 
lichen Mittheilung des Hofgarten-Inspectors Vogel die Raupe von 
Daphnis Nerii vor Jahren in Miramare immer auf Nerium gefunden 
wurde. 

Ad 7) macht der Vorsitzende die Mittheilung, dass Charaxes 
Jasius im heurigen Jahre von Dr. Franz Werner auch bei Mostar 
beobachtet wurde. 

Der Vortragende lenkt ferner die Aufmerksamkeit der Sections- 
mitglieder auf die im November-Heft des „Entomologist" (Vol. XXX, 



Versammlung der Scction für Lepidoptcrologic am 7. Jänner 1898. 



97 



p. 296) enthaltene Notiz von Fountaine, wonach derselbe ein weisses 
9 von Colias Chrysotheme in Mödling bei Wien erbeutet hätte. Da 
bisher von dieser Art, die seit Jahren regelmässig in grösserer Zahl 
an dem gedachten Flugplatze erbeutet wird, niemals eine weisse 
Form des 9 erbeutet wurde, liegt wahrscheinlich doch eine Ver- 
wechslung mit Colias 3Iyrmidone ab. Alba Stgr. vor, die ebenfalls 
in Mödling einzeln angetroffen wird. 

Herr Dr. Kebel setzt sodann seine Vorträge zur „Einführung 
in ein wissenschaftliches Studium der Lepidopteren" fort und be- 
handelt „Die Systematik der Jugatae und Frenatae incompletae 
unter Vorweisung von Familienrepräsentanten. 

^ Versammlung am 4. Februar 1898. 

Vorsitzender: Herr Dr. H. Bebel. 

Der Vorsitzende macht unter Demonstration diesbezüglicher 
Exemplare Mittheilung von dem Vorkommen einer erst kürzlich 
aus dem ßheingau beschriebenen Geometride in der Umgebung 
Wiens : 

Zonosoma Qxiercimontanaria Bastellberger (Stettiner entom. Zeit., 
1897, S. 120, 220, Biol.) kommt nach Vergleich von Originalstücken, welche Herr 
Bohatsch aus der Sammlung des Herrn Amtsrichters Püngeler zur Ansicht 
erhielt, mit Sicherheit auch in der Umgebung Wiens vor. Zwei Pärchen der 
neuen Art befinden sich in der Landessammlung am k. k. naturhistorischen Hof- 
museum, wovon ein vom Vorsitzenden am 31. Juli 1883 in Schönbrunn gefangen 
wurde; ein Pärchen wurde von Herrn Schieferer im Jahre 1887 bei Wien 
gezogen und ein $ stammt aus der Sammlung Rogenhofer 's. In der Sammlung 
des Herrn Bohatsch befindet sich ein Pärchen mit der Bezeichnung: „Bisamberg, 
26. März 1883" und „Prater, 1. Mai 1887". Die Stücke wurden bisher als zu 
Zonosoma Punctaria L. gehörig angesehen. 

Die neue Art steht zwischen Zonosoma Porata F. und Punctaria L. 
Der Falter unterscheidet sich von Punctaria durch meist geringere Grösse 
(28 7nm Exp.) und mehr gerundete Flügelform, indem die Vorderflügelspitze nicht 
vorgezogen und die Hinterflügel auf Rippe 4 weniger geeckt erscheinen. Die 
ledergelbe Grundfarbe ist fast ganz verdeckt von der dichten, scharlachrothen 

13* 



98 



Versammlung der Section für Lepidopterologie am 4. Februar 1898. 



Bestäubung. Der Mittelschatten ist meist breiter und durchaus Scharlach roth, 
während er bei Punctaria auf den Hinterflügeln meist grau erscheint. Weisse 
Mittelpunkte treten namentlich auf den Hinterflügeln deutlich auf und fehlen 
bekanntlich bei Punctaria vollständig. Dagegen mangelt der Quercimontanaria 
die bei Punctaria meist vorhandene Anhäufung dunkler Flecken im Saum- 
felde. Die schwarze Saumbezeichnung ist schwächer, bei Wiener Stücken oft nur 
punktartig. 

Von Porata F. unterscheidet sich der Quercimontanaria-Fsilter durch die 
schwächer entwickelten, nicht dunkel umzogenen weissen Mittelpunkte, Mangel 
der grauen Nebelflecke im Saumfelde und den viel schärferen Mittelschatten. 

Nach Bastelb erger zeigen die erwachsenen Raupen der drei Arten 
nachstehendes Aussehen : 

Punctaria L. Grasgrün (selten sepiabraun) mit hell rostrothen Seiten- 
flecken am 4.-9. Segment. 

Quercimontanaria Bastelb. Schlanker, stets durchaus braun, vom 
4. — 9. Segment am Rücken mit dunkeln Rautenflecken und mit stumpfwinkeligen 
weisslichen Seitenflecken. 

Porata F. Grün oder braun; bei letzterer Färbung tritt eine dunkle 
doppelte Rückenlinie ohne Rautenflecke auf. Die Bauchseite ist bedeutend heller, 
die Seitendreiecke sind spitzwinkelig, schmutziggelb. 

Die Raupe von Quercimontanaria lebt im Rheingau ausschliesslich auf 
Quercus; sie ist gegen rauhe Witterung sehr empfindlich. Von den Puppen 
entwickelt sich nur ein Theil zu einer zweiten Generation im Hochsommer. 

Zweifellos wird das Vorkommen dieser interessanten Form gar bald auch 
anderwärts innerhalb unserer Monarchie constatirt werden können. 

Zu den Mittheilungen des Vorsitzenden bemerkt Herr Dr. C. 
Schima unter Vorweisung eines männlichen Exemplares von Zono- 
soma Quercimontanaria, dass er sein Stück am 6. August 1892 in 
Hütteldorf in einem Eichenbestande erbeutet habe. 

Schliesslich setzt Herr Dr. H. Kebel seine Vorträge zur „Ein- 
führung in ein wissenschaftliches Studium der Lepidopteren" fort und 
beginnt die Systematik der „Frenatae obtectae" unter Vorweisung 
von Familienrepräsentanten. 



Versammlung der Section für Botanik am 18. Februar 1898. 



99 



XV. Bericht der Section für Botanik. 

Versammlung am 18. Februar 1898. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. G. Beck V. Mannagetta. 

Als Erster spricht Herr Prof. Dr. C. Fritsch über eine im 
Wiener botanischen Garten auftretende Wanderpflanze: Euphorbia 
humifusa. 

Der Vortragende legte die im Wiener Botanischen Garten schon seit minde- 
stens zehn Jahren auf Wegen und in Culturen vorkommende Euphorbia humi- 
fusa Willd. vor. Die Pflanze wird von Jahr zu Jahr häufiger und trat speciell 
im Sommer 1897 in solcher Menge auf, dass eine Centurie davon für die Flora 
exsiccata Austro-Hungarica gesammelt werden konnte. Euphorbia humifusa 
Willd. ist auch in anderen botanischen Gärten Europas,^) sowie auch ausserhalb 
derselben in Berlin, Paris u. a. 0. gefunden worden und dürfte sich immer mehr 
in Europa verbreiten. 

Vortragender erläuterte auch die Unterschiede dieser Art von den zunächst 
verwandten Arten und demonstrirte Exemplare der letzteren zum Zwecke des 
Vergleiches. Endlich machte derselbe auf die Abhandlung Petry 's in der Allgem. 
botan. Zeitschr., 1895, S. 11, aufmerksam, in welcher die in Deutschland gefun- 
denen Arten der Untergattung Änisophyllum besprochen werden. 

Sodann zeigt und bespricht Herr Prof. Dr. Gr. v. Beck folgende, 
ihm von Herrn Gartendirector Lauche aus den reichen Schätzen der 
bekannten Gewächshäuser zu Eisgrub übersendete Zierpflanzen: 

Einen Blüthenstand der Stangeria paradoxa, einer relativ 
selten in den Gärten vorkommenden Cycadee, von der ein männ- 
hches Exemplar in Eisgrub alljährlich zur Blüthe gelangt. 

Aceras (Barlia) longihracteata Kchb., eine der schönsten 
Orchideen der Mittelmeerländer. 

Ferner den interessanten Blüthenstand des javanischen Ä7nor- 
phophallus variahilis. 

Eine mit dem Handelsnamen Calanchoe marmorata be- 
zeichnete, gamopetale Crassulacee — die grösstblüthige Art — 
wurde aus dem Hinterlande Abyssiniens eingeführt. 



*) Nach freundlicher Mittheilung des Herrn H, Rettig trat sie auch im hotanischen Garten 
zu Krakau schon vor längerer Zeit auf. 



100 



Versammhing der Section für Botanik am 18. Februar 1898. 



Die neu importirte, unter Bedeckung auch im Freien aus- 
haltende, niedliche Liliacee PaschJcinia lihanotica. 

Endlich eine Orchidee: Bolbophyllum occuUum, deren 
Blüthenstand von den Bracteen vollständig und dauernd bedeckt 
wird und welche aus Mauritius stammt. 

Zum Schlüsse beantragt Herr M. F. Müll n er unter allgemeiner 
Zustimmung, Herrn Lauche für seine Bemühung, den Sectionsabend 
durch obige Pflanzensendung interessanter zu gestalten, den Dank 
der Versammelten auszusprechen. 

Er beantragt ferner, mit dem Beginne der besseren Jahreszeit 
die geplanten Excursionen wieder aufzunehmen und richtet be- 
züglich der Vertheilung von Herbarpflanzen an Schulen eine 
Anfrage an Herrn Prof. Dr. v. Beck, die zu einer lehrreichen und 
anregenden Discussion dieses Gegenstandes Anlass gibt. 

An der Besprechung betheiligen sich namentlich die Herren 
M. F. Müllner, L. Keller und Prof. Dr. v. Beck. 



Section für Ornithologie. 



Versammlung am 9. Februar 1898. 

Herr Gustos Dr. Ludwig Lorenz E. v. Liburnau referirte 
über das einstige Vorkommen von Comatihis eremita L. in 
Europa (s. Keferat auf S. 159) und über Pracäk's Arbeit „Mate- 
rialien zu einer Grnis Ostgaliziens" (s. Referat auf S. 160). 

Hierauf leitete Herr Fritz Zeller eine Discussion über die 
Vogelschutzfrage an der Hand des im Jahre 1877 dem k. k. Acker- 
bauministerium überreichten Entwurfes eines Reichs -Vogelschutz- 
gesetzes ein. 



Beitrug zur Gefilsspflauzeufloni des Liingiui. 



101 



Beitrag zur Gefasspflanzenflora des Lungau. 

Von 

stud. phil. Fritz Yierhapper jun. 

(Eingelaufen am 18. Jänner 1898.) 

Im vergangeneu Sommer hielt ich mich durch einige Wochen in Tamsweg 
im Lungau bei meinem lieben Freunde Herrn Ferdinand Hamperl, k. k. Steuer- 
inspector daselbst, auf und hatte Gelegenheit, die Flora des obersten Murthaies 
und seiner Gebirge kennen zu lernen. Ich war bestrebt, über der Pflanzenwelt 
der Hochgebirge die ebenso interessante der Thäler und Vorberge nicht zu ver- 
gessen. Von höheren Gipfeln bestieg ich den Preber bei Tamsweg (2741 m), 
einen der Berge der Preberkette im Lessacbthale (etwa 2000 m) und das Speyereck 
bei Mauterndorf (2408 m); von Bergen, die nicht oder nur wenig über die Wald- 
region hinausragen, den Lasaberg (1934 m), Schwarzenberg (etwa 1700 ?w) und 
Mitterberg (etwa 1500 m); ferner botanisirte ich in einigen Thälern: im Mur- 
thale um Tamsweg, Moosham, St. Michael, im Taurachthale bei Tamsweg, 
St. Audrä, Mauterndorf, im Lessachthaie von der Quelle der Lessach bis zu ihrer 
Mündung in die Taurach bei Wölting, im Thomathale (excl. Bundschuh), endlich 
im Seethale von Tamsweg bis Sauerfeld. Auch durchquerte ich die Moore bei 
Moosham und am Prebersee und besuchte zweimal das Kar des ßadstädter Tauern 
und einmal das bereits im Pongau gelegene Thal der Gnadenalpen. 

Meine Aufzählung umfasst sämmtliche von mir gesammelten Pflanzen, 
wenn auch viele nicht von neuen Standorten sind, weil eine Auswahl ungleich 
mehr Mühe und Zeit erfordert hätte, und es ja nicht schaden kann, wenn manche 
Angaben Saut er 's und Anderer wieder einmal aufgefrischt und bestätigt werden. 
Etwa 20 Arten sind für das Lungau und unter diesen fünf für das Kronland 
Salzburg neu.^) 

Die Untersuchung des Materials nahm ich im botanischen Museum der 
k. k. Universität Wien vor, und ich kann es nicht unterlassen, meinen hochge- 
schätzten Lehrern, den Herren Hofrath Dr. A. Kerner K. v. Marilau n, der mir 
die Benützung seines und des Musealherbars, sowie der Bibliothek gestattete, und 
Üniversitäts-Professor Dr. C. Fritsch, für die überaus liebenswürdige Unter- 
stützung dieser Arbeit raeinen wärmsten Dank auszusprechen. Auch fühle ich 
mich Herrn E. Hackel, Gymnasial-Professor in St. Pölten, für die Bestimmung 
der Festuca- Arten, und Herrn Dr. R. E. v. Wettstein, Universitäts- Professor in 
Prag, für die Revision und Richtigstellung der Semperviven verpflichtet. 

Die Pflanzen sind angeordnet nach Prof. C. Fritsch's „Excursionsflora", 
an welche ich mich auch bezüglich der Nomenclatur der Arten halte. 



1) Als für das Kronland Salzburg neu betrachte ich die in Fritsch's „Excursionsflora" für 
dieses Kronland nicht angegebenen Arten. Sie sind in meiner Aufzählung durch fetten Druck markirt. 



102 



Fritz Vierbapper. 



Polypodiaceae. 

Äsplenium septentrionale (L.) Hoffm. In den Spalten der Felsen ura Tamsweg 

häufig; so am Achnerkogl, Mitterberg; um Moosham. 
Äsplenium Trichomanes L. In den Spalten der Felsen um Tamsweg sehr häufig, 

z. B. am Achnerkogl. 
Äsplenium septentrionale X Trichomanes {Ä. Germanicum Weis.). Aeusserst 

spärlich unter den Stammeltern auf den Felsen des Achnerkogls bei 

Tamsweg. Neu für Lungau 
Äsplenium Buta muraria L. In Felsspalten und Mauerritzen um Tamsweg sehr 

häufig, z. B. bei St. Leonhard. 
Äspidium Lonchitis (L.) Sw. Auf Felsen des Speyereck bei Mauterndorf nicht 

selten. 

Cystopteris montana (Lam.) Beruh. Feuchte Felsen im Kar des Radstädter Tauern. 
Cystopteris alpina (Wulf.) Desv, In Felsspalten und Ritzen des Gerölles am 
Radstädter Tauern. 

Onoclea Struthiopteris (L.) Holfm. An Zäunen und im Gebüsche des Lessach- 
thaies bei St. Andrä und des Thomathales. Wohl auch in anderen Thälern 
des Gebietes anzutreffen. 

Ophioglossaeeae. 

Botrychium Lunaria L. (Sw.). Auf den Felsen um Tweng und weiter aufwärts 
am Tauern. 

Lycopodiaeeae. 

Lycopodium Selago L. In den feuchten Wäldern des Prebers und der Preber- 
kette. Steigt in die alpine Region bis über 2000 m, z. B. am Speyereck. 
In solcher Höhe wächst es auf Felsen in einer niedrigen, starren Form. 

Lycopodium annotinum L. Häufig in den Wäldern der Vorberge um Tamsweg; 
so am Mitterberg. 

Lycopodium alpinum L. lieber der Baumgrenze im Moose und an Felsen (von 
etwa 1800—2000 m) sonniger Gehänge am Preber, den Bergen der Preber- 
kette, Speyereck, Pleislingkeil am Radstädter Tauern. 

Lycopodium clavatum L. Häufig in den Bergwäldern um Tamsweg, z. B. am 
Mitterberg, 

Lycopodium Chamaecyparissus A. Br. Auf den mit Gras und Calluna bewachsenen 
Gehängen des Gipfels des Mitterberges bei Mauterndorf (1500 m). Da 
Saute r 's ^) Standort „am Radstädter Tauern" wohl im Pongau zu suchen, 
ist meiner der erste im Lungau. 

Da auch Lycopodium inundatum L. und complanatum L. 
im Lungau vorkommen, beherbergt dieses Ländchen alle Bärlappe 
der europäischen Flora. 



1) Flora der Gefässpflanzen des Herzogtliums Salzburg, S. 5. 



! 



Beitrag zur Gcfässpflanzenflora des Lnngau. 



103 



Selaginellaeeae. 

Selacjinella selaginoides (L.) Lk. Auf steinigem, grasigem Boden häufig am 
Spejereck. Auch im Moore um den Prebersee an Stellen, an welchen 
man Lycopodiiim inundatum erwarten würde. 

Coniferae. ^) 

Pinns Cemhra L. In einem spärlichen Bestände auf der Preberkette im Hinter- 
grunde des Lessachthaies in etwa 1600 m Meereshöhe. Vereinzelt wird der 
Baum um Tamsweg und an der Tauernstrasse angepflanzt. 

Pinns montana Mill. Während in den Kalkalpen und auch noch am Radstädter 
Tauern das Krummholz die steilen, steinigen Alpenhänge in Unmenge 
überzieht, traf ich es im Lungau in grossen Beständen nur im Moore auf 
der südlichen Abdachung des Schwarzenberges (1900 m) und in kleineren 
im Thale im Mooshamermoore. Dagegen wird es auf den Alpengehängen 
durch die folgende Pflanze vertreten. 

Juniperiis intermedia Schur. Dieser Strauch hält bekanntlich in systematischer 

|L Beziehung die Mitte ein zwischen Jimiperus nana Willd. und communis L. 
Im Lungau erscheint mir sein Auftreten unabhängig von dem Vorkommen 
dieser beiden Arten. Er ist sehr häufig, grosse Bestände bildend, am 
Preber und den Bergen der Preberkette über der Waldgrenze. Auch in 
der Waldregion beobachtete ich ihn am Schwarzenberg etwa in 1500 bis 
1600 m Meereshöhe. Juniperus nana kommt dort gewiss nicht vor, so 
dass man wohl nicht annehmen kann, dass Juniperus intermedia dort 
Bastard ist. 

Gramine ae. 

Phleim plialaroides Koel. Auf trockenen Rainen bei Tamsweg, infolge der hohen 

Lage des Thaies sehr niederwüchsig (höchstens 30 cm). 
Phleum alpinum L. Feuchte Triften, Wiesen um die Almhütten am Lasaberg, 

Speyereck. Am Speyereck sind Zwischenformen zwischen Phleum alpinum 

und pratense nicht selten. 
Agrostis riipestris All. Alpentriften, Felsen des Lasaberg, Preber, Speyereck. 

Am Lasaberg wird sie im Walde an quelligen Stellen in etwa 1700 m 

Meereshöhe hochwüchsig (bis zu 30 cm), lockerrasig und bekommt breitere, 

schlaffere, ausgebreitete Blätter. 
Beschampsia flexuosa (L.) Trin. Geht am Preber und Speyereck in einer niederen, 

steifen Alpenform weit über 2000 m hinauf. 



') Die ol)ere Grenze der Fichte ist im Lungau im Allgemeinen, abgesehen von den durch die 
verschiedene Lage gegen die Himmelsrichtungen u. s. w. bedingten Modificationen, etwa zwischen 
1900 und 2000 »i, also, wie Fritsch zuerst nachwies, viel höher, als Saut er dieselbe angibt. In 
den Kalkgebirgen allerdings geht sie nicht so hoch hinauf. Vergl. Fritsch, Beiträge zur Flora von 
Salzburg in diesen „Verhandlungen^, Jahrg. 1889, S. 580. 

Z. B. Ges. Bd. XL VIII. 1 4 



104 



Fritz Vierliapper. 



Trisetum spicatum (L.) Rieht. Triften am Preber und um den Gipfel des 
Speyereck (2400 m). 

Avenastrum 2>lttnictdme (Schrad.) Jess. (Deutschi. Gräser- und Getreide- 
arten, S. 216). Syn. : Avena planiculmis Schrad., Fl. Germ., I, p. 381, 
Tab. 6, Fig. 2; Avena latifolia Host, Gram. Austr., IV, p. 19, Tab. 32. 

Steinige, grasige Abhänge des Achnerkogl bei Tamsweg (etwa 1150 m 
über dem Meere). 

Diese in den Alpen ungemein seltene Pflanze hat, wenigstens an 
diesem Standorte, im Gegensatze zur breitblättrigen — daher der Name 
A. latifolia Host — , hochwüchsigen Form der Sudeten und theilweise 
auch der Karpathen, schmälere Blätter und einen niedrigeren, steiferen 
Wuchs. Sie gleicht fast vollständig Exemplaren aus Siebenbürgen und 
Bulgarien, die mir zum Vergleiche vorlagen. Von BeWi's Avena plani- 
culmis var. ß. Taurinensis (in Malp., IV [1890], p. 363), in deren Diagnose 
hervorgehoben wird: ,,vaginis glaberrimis, spiculis pallide virentibus, 
marginibus scarioso argenteis'^, unterscheidet sich die Lungauer Pflanze 
durch die von kleinen, kurzen Trichomen sehr rauhen Scheiden. Die 
Aehrchen sind zwar auch bleichgrün, während die in den Sudeten und 
Nordkarpathen vorkommende Avena violett gefärbte Aehrchen hat, aber 
es kann dies bei ersterer auch die Folge nachträglicher Verblassung sein. 

Betreffs der Verbreitung des Avenastrum planiculme glaube ich 
die Vermuthung aussprechen zu können, dass zwei Racen in Europa auf- 
treten, eine hochwüchsige, kräftige, breitblättrige nördliche und eine steife, 
niedrigere, schmalblättrige, vielleicht auch durchgehend lichter colorirte 
südliche Race, von denen die erstere über die Sudeten und Nordkarpathen, 
letztere, die Varietät Belli 's miteinbegreifend, über die Südkarpathen, den 
Balkan, Karst und die Alpen verbreitet ist. Bisher wurde Avenastrum 
planiculme in folgenden Ländern Europas aufgefunden: Böhmen, Schlesien, 
Ungarn, Siebenbürgen, Serbien, Bulgarien, Hereegovina, Bosnien, Krain, 
Italien, Kärnten, Steiermark, Salzburg. Aus den Alpen sind folgende Stand- 
orte bekannt: Tamsweg in Salzburg, Bruck an der Mur (Preissmann) 
und Marburg in Steiermark, Heiligenblut (?) in Kärnten und Turin in 
Italien. Drei von diesen Standorten sind im Murthale. Gewiss mit Recht 
sagt Belli, dass die Pflanze wegen ihres spärlichen Vorkommens in den 
Alpen im Verschwinden begriffen ist. 

Sesleria ovata (Hoppe) Kern. Hochgelegene Alpentriften des Preber und Speyereck. 

Oreochloa disticha (Hoffm.) Lk. Hochgelegene steinige Alpentriften am Preber 
und Speyereck. 

Poa supina Schrad. Alpenweiden des Speyereck. 

Poa cenisia All. Auf von Wasser überrieselten, steinigen Plätzen am Lasaberg. 
Wohl neu für Lungau. 

Poa alpina L. und var. vivipara. Häufig auf Triften der Alpen, z. B. am Speyer- 
eck. Auf den Felsen bei Tweng. 

Poa laxa Hnke. Triften des Preber. Wohl neu für Lungau. 



Beitrag zur Gefässpflanzenflora des Lungau. 



105 



Poa minor Gaud. Triften des Speyereck. Wohl neu für Lungau. 
Festuca alpina Sut. Felsige Triften am Speyereck. 
Festuca dura Host. Felsige Triften am Speyereck. 

Festuca rubra L. var. fallax Hack, subvar. nigrescens Lam, Triften des Lasa- 
berges. Da nur wenige Exemplare, an denen sich die Rasenbildung nicht 
gut erkennen lässt, zur Verfügung stehen, ist die Bestimmung nicht ganz 
sicherstehend. 

Festuca pumila Vill. Felsen des Speyereck. 

Bromus sterilis L. Eingeschleppt auf wüsten Plätzen an der Bahn bei Tamsweg. 
Wohl neu für Lungau. 

Cyperaeeae. 

Eriophorum vaginatum L. Im Moore am Gipfel des Schwarzenberg (1700 m) 

und um den Friedhof am Radstädter Tauern. 
Eriophorum polystachyum L. Im Moore um den Friedhof des Radstädter Tauern. 
Heleocliaris paucißora (Lightf.) Lk. Im Moore um den Prebersee. 
Elyna Bellardi (All.) Simk. Felsen des Speyereck. 

Kohresia bipartita (All.) Dalla Torre. Felsen des Speyereck. Etwa 2300 m über 

dem Meere. Neu für Lungau. 
Carex pauciflora Lightf. Moore der Vorberge im Lungau nicht selten; so am 

Schwarzenberg, um den Prebersee. 
Carex curvula All. Felsen des Preber, Speyereck. 

Carex echinata Murr. Als var. grypos Schk. in den Mooren am Lasaberg, um 
den Prebersee, um den Friedhof des Radstädter Tauern. Diese Varietät 
ist im Lungau von der Hauptart nicht streng geschieden, sondern zeigt 
üebergänge zu derselben. 

Carex brunnescens (Pers.). Felsen des Speyereck. 

Carex parviflora Host. Felsige Triften des Speyereck. 

Carex atrata L. Felsige Triften um den Gipfel des Schoberkopf im Lessach. 
Diese Pflanze erinnert durch ihren zarten Bau, den dünnen Stengel, die 
schmalen Blätter und die rundlichen Aehrchen an die verschollene Carex 
bina Schk. (C. distachya Willd.), von der sie sich aber schon durch den 
Besitz von vier Aehrchen unterscheidet. Carex bina hat nur drei oder 
zwei Aehrchen. Sie dürfte wohl eine locale Varietät der Carex atrata sein. 

Carex irrigua Sm. In einem Moore des Lasaberges häufig; wohl der einzige 
Standort im Lungau. Im Moore um den Friedhof des Radstädter Tauern, 
wo Sauter^) diese Pflanze angibt, sammelte ich Carex Umosa. 

Carex Umosa L. Im Moore um den Prebersee und um den Friedhof des Rad- 
städter Tauern. 

Carex capülaris L. Matten des Speyereck. 

Carex sempervirens Vill. Steinige Grasplätze des Preber und Speyereck. 
Carex frigida All. Feuchte Stellen am Radstädter Tauern. 



') Flora der Gefässpflauzeu dos Hcrzogtliums Salzburg, rf. 17. 



14* 



106 



Fritz Vierliapper. 



Juncaceae. 

Juncus alpinus Vill. Sehr häufig in feuchten Gräben um den Friedhof des 

Radstädter Tauern. 
Juncus trifidus L. Felsen des Speyereck. 
Juncus Jacquini L. Felsen des Speyereck (etwa 2200 w). 

Juncus triglumis L. Feuchte, quellige Plätze des Speyereck ; in feuchten, sandigen 

Gräben am Radstädter Tauern. 
Juncus castaneus Sm. In Mooren am Radstädter Tauern auf feuchten, sandigen 

Stellen, in Gräben. 

Luzula ßavescens (Host) Gaud. In den Bergwäldern des Preber und Speyereck 
nicht selten. 

Luzula silvatica (Huds.) Gaud. Am Radstädter Tauern im Krummholze. 
Luzula spadicea (All.) DC. Felsen des Preber, Speyereck (2100 m). 
Luzula muUiflora (Hofi'm.) Lej. var. congesta Lej. Steinige Triften des Preber 
und Speyereck, sehr häufig. 

Liliaceae. 

Tofieldia calyculata (L.) Wahlbg. 

ß. minor Neilr. = Tofieldia glacialis Gaud. Steinige Triften des Radstädter 
Tauefn. 

var. ramosa Hoppe. Am Speyereck und Radstädter Tauern. 
Ällium oleraceum L. Wiesenraine bei Tamsweg. Neu für Lungau. 
Lilium hulbiferum L. In Hecken, an Zäunen des Achnerkogls bei Tamsweg 

(Hamperl, Holub). 
Polygonatum verticillatnm (L.) All. Im Gebüsche am Achnerkogl bei Tamsweg. 

Orchidaeeae. 

Gymnadenia albida (L.) Rieh. Häufig auf Triften der Alpen, z. B. am Lasaberg, 
Preber. 

Listera cordata (L.) R. Br. Im Moose der Wälder des Lasaberges. 
Goodyera repens (L.) R. Br. Bergwälder des Speyereck. 
Corallorhiza innata R. Br. Bergwälder des Speyereck. 

Salieineae. 

Salix reticulata L. Felsen des Speyereck, Radstädter Tauern. 
Salix retusa L. Felsen des Speyereck, Radstädter Tauern. 
Salix serpyllifolia Scop. Felsen des Speyereck. 

Salix herhacea L. Steinige Böden der Preberkette im Lessachthaie (gegen 2000 m). 
Salix Myrsinites L. Felsen des Radstädter Tauern. In der Art der Serratur des 

Blattrandes beträchtlich variirend und mit der folgenden Speeles durch 

Uebergänge verbunden. 
Salix Jacquiniana Willd. Mit Salix Myrsinites auf Felsen des Radstädter Taueru. 



Beitrag zur Gefässpflanzenflora des Lungan. 



107 



Snlix arhuscula L. Auf Felsen des Radstädter Tauern, in grösseren Sträuchern 
im Friedhofe. 

Salix rosmarinifolia L. Sumpfige Wiesen am Schwarzenberg und den Vorhergen 

des Preher gegen das Seethal. 
Salix grandifolia Sor. Felsen des Radstädter Tauern. 

Betulaceae. 

Betula nana L. Häufig in einem Moore am Lasaherg (etwa 1900 w). 
Älnus viridis (Vill.) DC. In kleinen Beständen auf grasigen Abhängen des 
Schwarzenberg und Mitterberg, etwa in einer Höhe von 1400 — 1600 m. 

Urtieaceae. 

Urtica urens L. In Tamsweg an Häusern, auf Schuttplätzen häufig. 

Santalaeeae. 

Thesium alpinum L. Steinige Wiesen am Mitterberg, Radstädter Tauern. 

Polygoneae. 

Rumex aquaticus L. Am Ufer der Taurach bei Tamsweg. Neu für Lungau. 
Rumex scutatus L. Steinige, sandige Stellen im Kar des Radstädter Tauern. 
Rumex Äcetosella L. Trockene Wiesen, Raine um Tamsweg, sehr häufig; am 

Achnerkogl, Lasaberg u. s. w. 
Bumex arifoUus All. Am Spejereck bei Mauterndorf über der Baumgrenze. 
Oxijria digyna (L.) Hill. An steinigen Rändern der Schneegruben des Speyereck 

(2200 m). 

Polygonum viviparum L. Auf Wiesen der Gebirge bis fast ins Thal häufig, z. B. 
am Lasaberg, Mitterberg, Radstädter Tauern. Auch Exemplare mit ver- 
grünten Blüthen kommen vor. 

Chenopodiaeeae. 

Chenopodium urhicum L. Strassenränder im Lessachthaie bei Lessach. 

Caryophyllaeeae. 

Silene acaulis L. Auf steinigen Stellen der Matten am Speyereck und Preber 
sehr häufig. Auf letzterem Berge sammelte ich die Form Silene exscapa All. 

Silene rupestris L. Auf Felsen um Tamsweg sehr häufig, z. B. am Fusse des 
Achnerkogls. 

Heliosperma quadrifidum (L.) A. Br. Auf feuchten Felsen des Speyereck. 
Gypsophila repens L. Steinige Böden am Radstädter Tauern. 
Bianthiis glacialis Hnke. Auf feuchten, steinigen Plätzen, am Rande von Schnee- 
gruben des Speyereck (2200— 2400 w). 
Dianthus inodorus (L.). Auf Felsen um Tweng. 



108 



Fritz V i e r h a p p e r. 



Dianthus superhus L. Als DiantJius speciosus Kern, auf üppigen, feuchten 
Bergwiesen häufig; so im Moore und auf den Wiesen um den Prebersee. 

Saponaria Pumüio (L.) Fzl. Auf den felsigen, grasigen Gehängen des Preber 
und Speyereck sehr häufig. Etwa von 2000 w an. 

Stellaria nemorum L. In feuchten Wäldern am Lasaberg. 

Gerastium latifoUum L. ^. glaciale Koch (Cerastium uniflorum Murr.). In 
Gesteinsspalten und im Gerölle am Preber und Speyereck, etwa von 
2200 w an. Diese Form hat grössere, relativ schmälere Blätter als die 
der salzburgischen Kalkalpen. 

Cerastium alpinum L. Auf Felsen des Preber. 

Cerastium arvense L. ß. strictum Koch (Cerastium- strictum Hnke.). Auf Felsen 
des Speyereck. 

Alsine sedoides (L.) F. Schltz. Auf felsigen Matten am Preber und Speyereck. 
Alsine Gerardi (Willd.) Wahlbg. Auf Felsen der Gebirge häufig, z. B. am Preber, 

Speyereck, Eadstädter Tauern. 
Arenaria ciliata L. In Felsritzen des Speyereck (2200 w). 

Moehringia ciliata (Scop.) Dalla Torre. Felsige Stellen am Radstädter Tauern. 
Herniaria glahra L. Auf sandigem Boden in den Thälern um Tamsweg häufig. 

Ranunculaeeae. 

Belphinium alpinum W. K. Auf einem Abhänge am Radstädter Tauern beim 
Scheidberg. In einer Form, die wegen der nur schwach behaarten Blüthen- 
stiele und der wenig getheilten, höchstens dreitheiligen Tragblätter schon 
an das Delphinium elatum der Sudeten erinnert. 

Aconitum rostratum Beruh. An Zäunen, in Gebüschen um Tamsweg nicht selten. 

Aconitum Tauricum Wulf. Auf Wiesen um die Almhütten des Speyereck. 

Anemone alpina L. Auf Matten der Gebirge häufig, z. B. am Speyereck. 

Banunculus paucistamineus Tausch. In Wasserlachen an der Taurach bei 
Tamsweg. 

Ranunculus glacialis L. In den Ritzen der Felsen und Spalten des Gerölles 
am Preber von etwa 2400 m an bis zur Spitze (2741 ^0 nicht selten. 

Ranunculus alpestris L. Am Rande der Schneegruben auf den Gebirgen häufig, 
z. B. am Speyereck. 

Banunculus aconitifolius L. Feuchte Wiesen um den Friedhof des Radstädter 
Tauern. 

Banunculus sceleratus L. In einem Strassengraben bei Schloss Moosham. 

Crueiferae. 

Kernera saxatilis (L.) Rchb. Felsen des Radstädter Tauern. 
Sisymhrium Sophia L. Wüste Plätze um Tamsweg, selten. 
Cardamine alpina Willd. Am Rande hoch gelegener Schneegruben (2200 m) des 
Si)eyereck. 



Beitrag zur Gefässpflanzenflora des Liingau. 



109 



Cardamme impaiiens L. Feuchte Wiesen im Tauernkar des Radstädter Tauern. 
Cardamine resedifoUa L. Felsige Plätze am Preber und den Bergen der Preber- 

kette im Lessachthaie. 
üardamine amara L. Auf den feuchten Wiesen um den Friedhof am Radstädter 

Tauern und an quelligen Stellen und Baehrändern am Preber sehr häufig. 
Hutchinsia alpina (L.) R. Br. Im Gerölle am Radstädter Tauern. 
Hutchinsia hrevicauUs Hoppe. Felsen des Speyereck (2200 m). 
Draba Fladnitzensis Wulf. Felsen am Preber, Speyereck, von 2200 m an. 
Arabis glahra (L.) Weinm. In Holzschlägen an der Taurach bei St. Andrä. 
Arahis alpina L. Felsen am Preber, Speyereck. 
Arahis pumila Jacq. Felsen am Speyereck, Radstädter Tauern. 

Droseraeeae. 

Drosera rotundifolia L. Im Moore bei Schloss Moosham. 

Crassulaeeae. 

Sedum roseum (L.) Scop. Felsige Böden um den Gipfel des Speyereck. 

Sedum villosum L. Auf sandigen, nassen Plätzen am Preber, Speyereck gegen 

Mauterndorf und im Moore um den Friedhof des Radstädter Tauern. 
Sedum annuiim L. Auf Felsen des Lasaberges (1900 m) und bei Mauterndorf 

(1100 m). 

Sedum dasyphyllum L. Auf Felsen in den Thälern sehr häufig, z. B. bei Tams- 

weg am Achnerkogl, um Moosham u. s. w. 
Sedum alhum L. Auf den Felsen bei Tweng sehr häufig. 
Sedum alpestre Vill. In Felsspalten auf der Höhe des Lasaberges (1900 m). 
Sempervivum Wulfeni Hoppe. Felsen auf den Bergen der Preberkette im Lessach. 
Sempervivum Doellianum Lehm. Auf Felsen und in Ritzen des Gesteines im 

Lessachthaie bei Lessach. 
Sempervivum montanum L. Auf Felsen des Preber und Speyereck. Auf diesen 

Bergen wächst eine vom Sempervivum montanum Tirols verschiedene Form. 
Sempervivum arenarium Koch. Auf den Felsen um Tarasweg, namentlich am 

Achnerkogl sehr häufig.* Ebenso um Mauterndorf und im Lessachthaie 

bei Lessach. Ueberall in einer zu Sempervivum hirtum L. hinneigenden 

Form. 

Saxifragaeeae. 

Saxifraga mutata L. An quelligen, steinigen Plätzen, an Bachrändern am Rad- 
städter Tauern im Lungau und Pongau. 

Saxifraga Aizoon Jacq. Auf Felsen der Alpentriften am Speyereck. Auf Felsen 
der Preberkette im Lessach kommt die kleine, sehr wenig verzweigte Varietät 
Saxifraga Aizoon ß. minor Koch = Saxifraga brevifolia Sternbg. vor. 

Saxifraga Burseriana L. Auf Felsen um die Gnadenalpen des Radstädter Tauern 
(Pongau). 

N 



110 



Fritz Vierhapper. 



Saxifraga caesia L. Felsen der Alpen, häufig, z. B. am Speyereck. 

Saxifraga Rudolphiana Hornsch. Im Gestein um Schneegruben des Speyereck 
(2000 m). Neu für Lungau. Diese Pflanze ist gewiss viel häufiger, als 
Sauter^) angibt, anzutreffen und wurde nur oft mit Saxifraga oppositi- 
foUa verwechselt. 

Saxifraga aizoides L. Feuchte Felsen, quellige Plätze der Alpen sehr häufig, 
z. B. am Preber, Speyereck, Radstädter Tauern. Auf letzterem kommen 
auch Spielarten vor mit hell- oder dunkelorange, rothbraun oder dunkel- 
roth gefärbten Blüthen (var. atroruhens Bert.). 

Saxifraga aspera L. Auf Felsen des Lasaberges (1900 m); am Achnerkogl bei 
Tamsweg schon in der Höhe von etwa 1 100 m. 

Saxifraga intermedia Hegetschw. Auf Felsen des Speyereck in der Höhe von 
etwa 2200 m gemeinsam mit Saxifraga hryoides. Saxifraga aspera steigt 
in ihrer typischen Tracht nicht so hoch hinauf. Neu für Lungau. 

Saxifraga hryoides L. Felsen der höheren Alpen, erst in der Höhe von 1900 m 
beginnend; am Preber, den Bergen der Preberkette im Lessach, Speyereck. 

Saxifraga stellaris L. An feuchten,' quelligen Plätzen der Berge sehr häufig, so 
am Lasaberg, Preber, Speyereck. 

Saxifraga androsacea L. Auf steinigen Böden, Felsen der Alpen häufig, z. B. 
am Preber, Speyereck, Radstädter Tauern. In der Verzweigung und Be- 
blätterung der Stengel und in der Blattgestalt sehr veränderlich. 

Saxifraga Seguieri Spr. Gemeinsam mit Saxifraga androsacea am Rande einer 
Schneegrube des Speyereck. Während Saxifraga androsacea noch in voller 
Blüthe stand, war Saxifraga Seguieri an derselben Stelle schon abgeblüht. 
Diese für Lungau sehr seltene und interessante P:^anze stimmt mit der 
Tiroler Saxifraga Seguieri in der Form und Consistenz der JBlätter und 
in der Art der Stengelbeblätterung vollkommen überein. Die Fetalen sind 
fast ebenso schmal wie bei der Tiroler Pflanze und nur um Weniges länger 
als diese, aber viel kürzer und schmäler als die der androsacea. Ich 
hege, obwohl sich an der verblühten Pflanze die gelbe Petalenfärbung 
nicht mehr deutlich wahrnehmen lässt, doch keinen Zweifel, dass die 
Lungauer Pflanze mit der Tiroler Saxifraga Seguieri zu identificiren sei. 

Saxifraga moschata Wulf. In mehreren Formen auf den Felsen der höheren 
Alpen. Ich sammelte Saxifraga muscoides a. compacta M. K. und ß. cae- 
spitosa Neilr., erstere am Speyereck, letztere, mehr minder drüsig behaart 
und so zu y. moschata Gaud. hinneigend, am Preber und Speyereck. 

Saxifraga adscendens L. Felsen des Speyereck (2300 m) in einer ungemein ge- 
drungenen Form und am Radstädter Tauern (1500— 1600 m). 

Saxifraga rotundifolia L. Feuchte Felsen der Wälder und quellige Plätze um 
die Almhütten am Speyereck u. s. w. 

Bibes Grossularia L. In Holzschlägen an der Taurach bei St. Andrä. 



1) Flora der Gefässpflanzen des Herzogthums Salzburg, S. 101. 



Beitrag zur Gerässidlaiizenllora dos liUUgau. 



III 



Rosaeeae. 

Futentilla aurea L. Alpeiimatten häufig, am Lasiiberg, Preber, Speyereck, Rad- 
städter TauerD. 

Potentilla palustris (L.) Scop. Im Moore um deu Prebersee. 
Fotentilla cmdescens L. Auf Felsen um Tweng. 

Geu7}i montanum L. Matten, steinige, feuchte Böden am Lasaberg, Preber, 
Speyereek häufig. 

Gexitn reptans L. In den Felsspalten der höheren Alpen, erst von etwa 2000 m 

an, z. B. am Preber, Speyereck. 
Dnjas octopetala L. Felsen des Speyereck u. s. w. 

Leguminosae. 

Trifolium pratense L. ß. alpinum Neilr. {Trifolium nivale Sieb.). Alpenmatten 

des Radstädter Tauern. 
Trifolium hadium Schreb. An feuchten, quelligen Stellen des Speyereck gegen 

Mauterndorf und in Gräben am Radstädter Tauern. 
Ästragalus alpinus L. Steinige Matten am Fusse des Pleislingkeil (Radstädter 

Tauern). 

Oxytropis Tiroliensis (Sieb.) Fritsch. Auf steinigen Alpenmatten am Preber. 
Die Pflanze vom Preber ist durch ihre lange, schmale Fahne, die blass- 
gelbe Farbe der Petalen und den am SchifiFchen deutlich hervortretenden 
Augenfleck, sowie durch die das Schifi^chen an Länge überragenden Flügel 
leicht von Oxytropis ccmpestris (L.) DC. zu unterscheiden. Ganz violett 
gefärbte Formen fand ich nicht. Auch fallen diese Exemplare durch ihre 
lange seidige Behaarung auf. — Am Speyereck kommt ein anderer Typus 
vor, welcher durch die schöne^ gelbe Färbung der Petalen, die breitere, 
kürzere Fahne, die etwas kürzeren Flügel und die sehr verschwommenen, 
blassen Augenflecke schon viel mehr an die echte Oxytropis campestris 
erinnert und wohl als Uebergangsform zu dieser aufzufassen ist. Sauter^) 
gibt die obere Grenze dieser Pflanze mit 2200 m zu niedrig an; sie wächst 
auf den Kämmen des Speyereck noch in einer Höhe von gegen 2400 m. 
Oxytropis Tiroliensis ist neu für Lungau. 

Oxytropis triflora Hoppe. Steinige Matten der höchsten Kämme des Speyereck 
(2400 m). 

Hippocrepis comosa L. Felsige Matten um die Gnadenalpen am Radstädter 

Tauern (Pongau). # 
Hedysarum obscurum L. Matten des Preber. 

Geraniaeeae. 

Geranium phaeum L. An der Tauernstrasse am Radstädter Tauern. (Schon im 
Pongau.) 



') Flora der Gefässpflanzen des Herzogthums Salzburg, S. 14.5. 
Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 



15 



112 



Fritz Vierhapper. 



Geranium pratense L. Auf den Wiesen der Thäler im Lungau ungemein häufig, 
oft tonangebend, z. B. um Tamsweg überall, um Ramingstein. Auch im 
benachbarten Steiermark im Murthale häufig. Eine jener Pflanzen, durch 
deren Besitz sich die Lungauer Thalflora von der der übrigen Gaue Salz- 
burgs unterscheidet. 

Geranium palustre L. Diese Pflanze, die nach Sauter^) dem Lungau fehlt, ist 
an Gebüschen und Zäunen in der Umgebung Tamswegs nicht selten, z. B. 
an der Taurach bei Wölting und am Fusse des Achnerkogls. Vielleicht 
beruht Sauter's Angabe, dass Geranium sanguineum, das weder mein 
Vater noch ich finden konnte, im Lungau wächst, auf einer Verwechslung 
dieser Pflanze mit Geranium palustre. 

Erodium cicutarium (L.) L'Her. Schuttplätze in Tamsweg. 

Empetraeeae. 

Empetrum nigrum L. Auf Gehängen der Alpen häufig, so am Lasaberg. 

Violaceae. 

Viola rupestris Schmidt. In einer hochwüchsigen, schlaff'en Schattenform auf 
Felsen um Tweng. Neu für Lungau. 

Oenothereae. 

Epilohium palustre L. Sehr klein und unverzweigt im Moore um den Prebersee. 
Epilohium montanum L. In jener zarten, unverzweigten, wenigblüthigen Form, 

die Neilreich^) als „ß. suhalpinum'^ beschreibt, Inden feuchten Wäldern 

des Lasaberges. 

Epilohium alsinefolium Vill. An feuchten, quelligen Stellen am Speyereck, Rad- 
städter Tauern. 
Circaea alpina L. Feuchte Stellen der Wälder des Preber. 

Umbelliferae. 

Pachypleurum simplex (L.) Rchb. Auf Alpentriften am Preber, Speyereck. 

Pirolaceae. 

Pirola uniflora L. Unter Calluna und Bhododendron am Lasaberg. 
Pirola secunda L. Bergwälder des Schwarzenberg. 

Ericaceae. 

Bhododendron ferrugineum L. Am Lasaberg, Preber ebensolche Bestände bildend 
wie Rhododendron hirsutum L. am Radstädter Tauern. 



') Flora der Gefässpflanzen des Herzogthums Salzburg, S. 132. 
2) Flora von Niederösterreich, II, S. 872. 



Beitrag zur Gefässpflanzenflora des Lungau. 



113 



Loiseleiiria procnmhens (L.) Desv. Am Lasaberg, Preber u. s. w. über der Baum- 
region grosse Flächen überziehend. 
Andromeda poUfoUa L. Im Moore bei Moosham. 
Vaccinium Oxijcoccos L. Im Moore bei Moosham. 

Vaccinium uliginosum L. In Mooren häufig, so um den Prebersee. In den 
Lichtungen der Bergwälder tritt es oft in grossen Heerden auf und unter- 
bricht so die Bestände des noch viel häufigeren Vaccinium Myrtillus L, 

Primulaeeae. 

Primula minima L. Auf steinigen Matten am Lasaberg, Preber, Speyereck sehr 
häufig. 

Primula glutinosa Wulf. In Gesteinsspalten am Preber sehr häufig. Blühte im 
August in 2600 m Meereshöhe. 

Aretia alpina (Lam.) Wulf. In Fels- und Gesteinsspalten des Preber von 2600 m 
bis zur Spitze (2741 m). Tritt in zwei Formen auf, einer lockerrasigen, 
die auch in Tirol die häufigere zu sein scheint (nach dem Herbar Kern er), 

^ und einer dichtrasigen, mit kleineren, dichter behaarten Blättern und 

P kleineren Blüthen. 

Androsace ohtusifolia All. Felsige Matten des Speyereck (2200 m). 
Soldanella pusilla Baumg. In den Bergwäldern des Lasaberges (1800 m) und 
am Rande der Schneegruben des Preber und Speyereck (2200 w). 

Plumbafeineae. 

Armeria alpina (Hoppe) Willd. Felsen der höchsten Kämme des Speyereck 
(2400 w). 

Gentianaceae. 

Gentiana ciliata L. Auf Triften am Radstädter Tauern in grossblüthigen, breit- 
blättrigen Exemplaren. 

Gentiana Pannonica Scop. Auf fetten Alpentriften um die Gnadenalpen am 
Radstädter Tauern (Pongau). 

Gentiana acaulis L. Matten auf der Höhe des Lasaberges. 

Gentiana Bavarica L. Steinige, feuchte Alpenmatten am Preber, Speyereck; 
am Radstädter Tauern auf den Sumpfwiesen um den Friedhof. — Am 
Preber wächst auch var. rotundifolia Koch. — Ferner sammelte ich am 
Speyereck und namentlich schön am Radstädter Tauern Formen, die sich 
zwischen Gentiana Bavarica und verna L. intermediär zu verhalten 
scheinen. Eine genaue Deutung derselben behalte ich mir vor. 

Gentiana prostrata Hnke. Auf den Matten am Gipfel des Speyereck (2408 m). 
Neu für Lungau. 

Gentiana nivalis L. Auf steinigen Alpenmatten am Preber, Schoberkopf, Speyer- 
eck, Radstädter Tauern nicht selten. 

15* 



114 



Fritz Vierhapper. 



Gentiana calycina (Koch). Auf Matten am Radstädter Tauern, namentlich um 
den Friedhof. Der Saisondimorphismus ist hier nach Wettstein*) infolge 
der hohen Lage (etwa 1750 m) verwischt. Die von mir gesammelte Pflanze 
stimmt grösstentheils mit subsp. antecedens überein, darunter sammelte 
ich nur wenige, aber zur selben Zeit, welche wie schwache Exemplare der 
subsp, anisodonta aussehen. 

Gentiana Stii'iacaW ettst. Aufwiesen im Thale bis auf die Alpenmatten in die 
Höhe von etwa 1800m aufsteigend; im Lungau nicht selten, z. B. um 
Moosham, St. Michael, am Preber, Speyereck, Radstädter Tauern. 

Gentiana tenella Rottb. Auf den Matten am Gipfel des Speyereck (2408 m). 

Sweertia perennis L. Im Moore um den Prebersee häufig; auf den Bergen der 
Preberkette im Lessach auf Matten. 

Sweertia Carinthiaca Wulf. Alpenmatten am Radstädter Tauern (1750 m). 

Borragineae. 

Lycopsis arvensis L. In Getreidefeldern, an trockenen Rainen um Tamsweg nicht 
selten. 

Myosotis alpestris Schm. Steinige Alpenmatten am Pi-eber. 

Myosotis suaveolens W. K. An ähnlichen Orten am Speyereck. Gleicht durch 
die auff'allend schmalen oberen Stengelblätter, das Merkmal, welches Beck^) 
als das für diese Race allein constante bezeichnet, sehr gut der Pflanze der 
dinarischen Alpen, von der sie jedoch durch den gedrungeneren Blüthen- 
stand abweicht. Auch die von Wettstein^) für Myosotis suaveolens 
angegebenen Meikmale: das Abstehen der Kelche und die allmälige 
Verschmälerung der Basalblätter in den Blattstiel treffen bei meiner 
Pflanze zu. 

Die Thäler Lungaus sind an Borragineen verhältnissmässig reich. 

Labiatae. : 

Ajuga pyramidalis L. Auf Triften am Speyereck. 

Nepeta Cataria L. An Gartenmauern Tamswegs, offenbar verwildert. <, 

Galeopsis Ladanum L. Auf steinigen Böden um Tamsweg am P'usse des Achner- 
kogls nicht selten. In einer Form mit ziemlich schmalen Blättern, die 
aber nicht zu Galeopsis angustifolia Ehrh. gehört. 

Stachys palustris L. Im Gebüsch am Ufer der Taurach bei Wölting. 

Stachys Jacquini (Gren. et Godr.) (Briq.). Auf Felsen bei Tweng. " 



•) „Die europäischen Arten der Gattung Gentiana aus der Sectio Endotricha Froel." in 
Denkschr. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, Bd. LXIV, S. 16 — 20 (des Sep.-Ahdr.). 

2) Flora von Niederösterreich, II, 2, S. 970. 

3) In Kern er 's „Schedae ad florae exsicc. Austr.-Hung.*-, IV, p. 61. 



Beitrag zur Gefässpflanzenflora des Lunga«. 



115 



Serophulariaeeae. 

Linaria alpina (L.) Mill. Felsige Alpenmatten am Preber. 
Veronica aphylla L. Steinige Matten, namentlich an feuchten Stellen, am 
Spejereck. 

Veronica bellidioides L. Auf steinigen Alpenmatten am Lasaberg, Preber, 
Spejereck. 

Veronica alpina L. In mannigfachen Formen, meist an feuchten Stellen der 

Matten am Lasaberg, Preber, Speyereck. 
Veronica fruticans Jacq. In Felsspalten, auf steinigem Boden am Lasaberg. 
Vei'onica opaca Fr. In Gesellschaft der Veronica agrestis auf wüsten Plätzen 

in Wölting bei Tamsweg. 
Vero7iica agrestis L. Auf wüsten Plätzen, an Rändern der Häuser u. s. w. im 

Lungau nicht gerade selten; z. B. um Tamsweg, Wölting, Moosham. Neu 

für Lungau. 

Veronica agrestis und opaca wurden bisher im Lungau nicht be- 
obachtet, ihr Vorkommen daselbst dürfte also wohl neueren Datums sein, 
was als Beweis für das immer weitere Umsichgreifen dieser Arten in 
unseren Gegenden gelten mag. 
Euphrasia minima Jacq. Felsige Matten des Speyer eck. 

Euphrasia pulchella Kern. Felsige Marten am Preber massenhaft. Wohl neu 
für Lungau. 

Euphrasia Salishurgensis Funk. Felsige Matten des Radstädter Tauern. 

Bartschia alpina L. Steinige Triften des Speyereck und in den sumpfigen Wiesen 
um den Friedhof des Radstädter Tauern, 

Älectorolophus angustifolius (Gmel.) Heynh. Im Buschwerk, auf Felsen um 
Tamsweg, z. B. am Fusse des Achnerkogls. 

Pedicularis rostrata L. Felsige Matten am Radstädter Tauern, Speyereck. 
Saute r^) verstand unter seiner „Pedicularis rostrata L." die Pedicularis 
caespitosa Sieb, und gibt dieselbe vom Speyereck als Urgebirgspflanze an. 
Meine Pflanze vom Speyereck ist wegen der sehr wenig flaumigen Kelche 
und der deutlich gewimperten Unterlippe Pedicularis rostrata L. (= Pedi- 
cularis rostrata L. h) Jacquini Koch nach Sauter). Diese ist Kalkpflanze. 
Da das Speyereck viele Kalkeinlagerungen enthält, ist ihr Vorkommen 
daselbst gar nicht autfallend. Immerhin kann am Speyereck auf Urgestein 
auch Pedicularis caespitosa Sieb, wachsen. 

Pedicularis asplenifolia Floerke. Im Gesteine des Preber gegen die Spitze (2600 w). 

Pedicularis geminata Portschlg. Im Gesteine hoher Regionen des Preber. 

Pedicularis palustris L. Im Moore um den Prebersee. 

Pedicularis verticillata L. Matten des Speyereck. 

Pedicularis foliosa L. Matten am Radstädter Tauern. 

Pedicularis recutita L. Steinige Matten am Radstädter Tauern. 



') Flora der Gefässpflanzen des Herzogthums Salzburg, S. 85, 86. 



116 



Fritz Vierhapper. 



Orobanehaeeae. 

Orohanche alba Steph. Trockene Wiesenraine bei Tamsweg. 

E-ubiaeeae. 

Galium tricorne With. Auf Schuttplätzen bei Tamsweg nur an einer Stelle be- 
obachtet. Neu für Lungau. Nach der Art des Vorkommens ist wohl 
anzunehmen, dass die Pflanze eingeschleppt ist. 

Galimn Baldense Spr. ^) Auf Felsen am Spejereck in der Höhe von etwa 
2200m und im Schotter im Kar des Radstädter Tauern (1750 m). Sauter^) 
confundirte Galium Baldense und Helveticum Weig. und führte als Stand- 
orte der für ihn einl^eitlichen Art das steinerne Meer, den Hundstöd und 
den Radstädter Tauern auf. Während nun im Gebiete des westlich von 
der Salzach gelegenen steinernen Meeres (z. B. Hundstöd) typisches Galium 
Helveticum wächst, tritt am Radstädter Tauern und Speyereck das Galium 
Baldense auf. 

Valerianaeeae. 

Valeriana montana L. Auf Felsen in der Waldregion des Speyereck. 
Valeriana Celtica L. Auf steinigen Matten der höheren Lungauer Berge, über 

1900 w beginnend, häufig; so am Preber, den Bergen der Preberkette im 

Lessach, Speyereck. 

Campanulaeeae. 

Campanula pusilla Hnke. Auf Felsen am Radstädter Tauern sehr häufig. 
Campanula Scheuchzeri Vill. Auf Triften der Alpen nicht selten, so auf den 

Bergen der Preberkette im Lessach und am Radstädter Tauern. 
Campanula pulla L. An feuchten, felsigen Stellen, im Bachkiese am Fusse des 

Pleislingkeil (Radstädter Tauern). 
Campanula alpina Jacq. Felsige Alpenmatten am Preber und den Bergen der 

Preberkette im Lessach. Um den Gipfel des Schoberkopfes fand ich eine 

sehr niedrige, verkümmerte Form mit aufrechten kleinen Blüthen und aus 

der Corolle ragendem Griffel. 
Campanula harhata L. Auf Wiesen um Tamsweg bis auf die Alpenmatten sehr 

häufig, so vom Murthale über die Gelände des Achnerkogls bis auf das 

Plateau des Lasaberges (1900 m). 
Pliyteuma pauciflorum L. Felsen der höheren Alpen, am Preber, den Bergen 

der Preberkette im Lessach (1900 m) und am Speyereck (2200 m). Auf 

letzterem Berge fand ich es auch Aveissblühend. Die niedrige Form „glohu- 

lariaefolium'' ist, wie auch Saute r erwähnt, die häufigere und naturgemäss 

besonders in höheren Lagen anzutreffen. 



•) Bezüglich der Verbreitung dieser Art siehe A. Kerner, Nov. plant, spec, Dec. I, p. 6—14. 
2) Flora der Gefässpflanzen des Herzogthums Salzburg, 1879, S. 70. 



Beitrag zur Gefösspflanzeiiflora des Lungau. 



117 



Phyteima confusmn Kern. Auf steinigen Matten der Alpen nicht selten: am 

Lasaberg, Preber, Spejereck. 
Phyteuma hemisphaericum L. Alpenmatten am Lasaberg, Preber, Speyereck 

häufig. 

Compositae. 

Adenostyles glahra (Vill.) D. C. In Waldschlägen, auf sonnigen Abhängen am 

Radstädter Tauern massenhaft. 
Solidago alpestris W. K. Am Speyereck über der Waldgrenze in der Ericaceen- 

Formation. 

Aster BelUdiastnim (L.) Scop. Auf Wiesen in der Waldregion des Speyereck. 
Aster alpinus L. Felsige Matten um den Gipfel des Schoberkopf im Lessach. 
EHger'on neglectus Kern. Felsige Matten am Preber, sowie am Gipfel des 

Speyereck (2408 m). 
Erigeron alpinus L. Felsige Alpenmatten am ßadstädter Tauern. 
Erigeron glabratus Hoppe et Hornsch. Am Radstädter Tauern in Gesellschaft 

des Erigeron alpinus und, wie es scheint, in diesen übergehend. 
Erigeron uniflorus L. In Gesellschaft des Erigeron neglectus am Speyereck. 
Filago arvensis L. Auf trockenen Rainen, sonnigen Abhängen im Lungau häufig, 

z. B. um Tamsweg, Sauerfeld, Moosham. 
Antennaria Carpatica (Wahlbg.) Bluff et Fing. Felsen am Speyereck. 
Gnaphalium supinum L. Felsige Alpenmatten am Lasaberg, Preber, Speyereck, 

Radstädter Tauern. 

Gnaphalium Hoppeanum Koch. An ähnlichen Plätzen wie Vorige am ßadstädter 
Tauern. 

Achillea Clavenae L. Am Radstädter Tauern schon auf den Felsen bei Tweng. 
Achillea moschata Wulf. Felsen des Preber. 

Achillea atrata L. Felsen, steinige, quellige Plätze, Bachränder am Preber und 

Speyereck häufig. 
Achillea Clusiana Tausch. Felsen des Radstädter Tauern. 
Chrysanthemum alpinum L. Felsen der Alpenraatten am Preber und Speyereck 

sehr häufig. 

Homogyne alpina (L.) Gass. In den Wäldern des Lasaberges bis über die Wald- 
grenze häufig. 

Homogyne discolor (Jacq.) Gass. Im Krummholz am Fusse des Pleislingkeil 

(Radstädter Tauern). 
Arnica montana L. Auf den Matten des Lasaberges (1900 m) sehr häufig. 
Doronicum Austriacum Jacq. An quelligen, felsigen Stellen in den Wäldern 

des Lessachthaies (1300 m). 
Doronicum glaciale (Wulf.) Nym. Am Rande von Schneegruben, auf feuchten 

Felsen am Speyereck in einer Höhe von etwa 2300 m. 
Doronicum Clusii (All.) Tausch. An ähnlichen Stellen wie Vorige am Preber. 

Von Doronicum glaciale auffallend verschieden. 



118 Flitz Vi e rh a p p c r. Beitrag zur Gefässpflanzcnflora des Luugau. 

Senecio suhalpinus Koch. Auf feuchten Grasplätzen, in Gräben an der Strasse 
des Radstädter Tauern. Manchmal in Formen, welche dem Senecio alpinus 
(L.) Scop. schon sehr nahe kommen. 

Senecio Carniolicus Willd. Felsen der Alpenmatten am Lasaberg, Preber, den 
Bergen der Preberkette, Speyereck, von 1900 w aufwärts häufig. 

Senecio rupestris W. K. Steinige Plätze um Tweng. 

Senecio abrotanifolius L. Felsen, steinige Matten am Radstädter Tauern überaus 
häufig. 

Senecio Sarracenicus L. Auf Abhängen, Waldblössen am Radstädter Tauei-n bei 

Tweng zu Tausenden. 
Carduus viridis Kern. Feuchte Felsen um Tweng. 

Cirsium spinosissimum (L.) Scop. Steinige Matten am Preber und Speyereck. 
Etwa in einer Höhe von 2200 m und darüber. 

Cirsium arvense Scop. An Zäunen und Hecken um Tamsweg häufig. Im Lessach- 
thaie bei Lessach (1200 m) wächst eine Form mit ganzrandigen, schwach 
bewehrten Blättern, welche etwa der var. „ß. mite^ Neilr. entspricht. 
Dieselbe ist durch ihren noch viel mehr als das gewöhnliche Cirsium 
arvense an eine Serratula erinnernden Habitus sehr auffällig. Sie ist durch 
gleichfalls im Mur-, Taurach- und Lessachthaie vorkommende Zwischen- 
formen mit dem typischen Cirsium arvense verbunden. 

Centaurea pseudophrygia C. A. Mey. Im Gebüsche an Waldrändern bei Tweng. 

Leontodon Pyrenaicus Gouan. Steinige Alpenmatten, am Preber sehr häufig. 

Leontodon hispidus L. Grasplätze am Radstädter Tauern. 

Willemetia stipitata (Jacq.) Gass. In den Sumpfwiesen um den Friedhof des 
Radstädter Tauern. 

Taraxacum alpinum (Hoppe) Koch. Steinige Böden am Rande von Schneegruben 
des Speyereck {2200 m). 

Crepis aurea (L.) Gass. Auf saftigen Alpentriften der Preberkette, des Speyereck 
und Radstädter Tauern. 

Crepis paludosa L. In den Sumpfwiesen um den Friedhof des Radstädter Tauern. 

Hieracium bupleuroides Gmel. subsp. Schenlcii Griseb. Felsen um Tweng. 

Hieracium villosiceps Naeg. et Pet. Felsen am Radstädter Tauern. 

Hieracium amplexicaule L. Auf Felsen des Achnerkogls bei Tamsweg (1200 m). 
In einer Form, welche sich durch ihre wenig verzweigten ein- bis drei- 
blüthigen Stengel, durch die kleineren, den Stengel verhältnissmässig weniger 
umfassenden Stengelblätter und den niedrigeren Wuchs und zarteren Bau 
von dem typischen H. amplexicaule unterscheidet und sich mehr minder 
dem H. pulmonarioides Vill. nähert, von dem es aber durch den Mangel 
drüsenloser Trichome an den Basalblättern leicht auseinander zu halten ist. 
— Schon früher hat L. Keller diese Pflanze bei Mauterndorf aufgefunden. 

Hieracium alpinum L. Auf Felsen der Alpenmatten am Lasaberg, den Bergen 
der Preberkette im Lessachthaie, Speyereck. 



Die bisher bekannten Verbascum- Alten Griechenlands. 



119 



Die bisher bekannten Vei^bascum-Arten Griechenlands. 

Von 

Dr. E. Y. Haläcsy. 

(Eingelaufen am 21. Jänner 1898.) 



Uebersieht der Gruppen. 

I. Gruppe. Thapsiis Rchl)., Fl. germ., p. 383. — Kräuter; Blüthen 
gebüschelt, in einer einfachen oder ästigen Traube; die zwei längeren (unteren) 
Staubfäden kahl oder wollig, die zwei kürzeren (oberen) dichtwollig, Antheren 
der beiden längereu Staubblätter am Staubfaden herablaufend. 

II. Gruppe. Lyclinitis Rchb., Fl. germ., p. 380. — Kräuter; Blüthen 
vorherrschend gebüschelt, in einer einfachen oder ästigen Traube; alle fünf Staub- 
fäden (bei V. meteoricum ausnahmsweise nur zwei) wollig, Antheren alle gleich, 
nierenförmig. 

III. Gruppe. Blattaria Rclib., Fl. germ., p. 379. — Kräuter; Blüthen 
einzeln, in einer einfachen oder ästigen Traube; alle fünf Staubfäden wollig, die 
zwei längeren aber schwächer, Antheren herablaufend oder nierenförmig. 

IV. Gruppe. Spinosa Boiss., Fl. or., IV, p. 300. — Dorniger, viel- 
ästiger Halbstrauch; Blüthen einzeln; alle fünf Staubfäden wollig, Antheren 
nierenförmig. 

Schlüssel zur Bestimmung der Arten. 

1 Blüthen gebüschelt, in einer einfachen oder ästigen Traube 2 

Blüthen einzeln, in einer einfachen oder ästigen Traube 35 

2 Antheren der zwei längeren Staubblätter am Staubfaden herablaufend . 3 
Antheren alle nierenförmig 17 

3 Wolle der Staubfäden weiss oder gelblich 4 

Wolle der Staubfäden purpurn oder röthlich 9 

4 Bluraenkrone trichterig V. thapsits. 

Blumenkrone radförmig 5 

5 Pflanze dichtfilzig; Blüthenstiele kürzer als der Kelch 6 

Pflanze dünnfilzig (Blätter oberseits fast kahl); Blüthenstiele so lang 

als der Kelch V. Guicciardii. 

6 Blätter gänzlich von einem Blatte zum anderen herablaufend .... 7 
Blätter nicht bis zum nächsten Blatte herablaufend 8 

7 Die zwei längeren Staubfäden zweimal länger als die auf der einen Seite 

herablaufende Anthere V. densiflorum. 

Die zwei längeren Staubfäden viermal länger als die auf der einen Seite 
herablaufende Anthere V. macrurum. 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 16 



120 



E. V. Haläcsy. 



8 Stengel dichtfilzig; die zwei längeren Staubfäden zweimal länger als 

die auf der einen Seite herablaufende Anthere ... F. phlomoides. 
Stengel dünnfilzig; die zwei längeren Staubfäden viermal länger als 
die auf der einen Seite herablaufende Anthere .... F. Sartorii. 

9 Blüthen fast sitzend 10 

Blüthenstiele so lang oder länger als der Kelch 12 

10 Stengel ästig 11 

Stengel einfach V. epixanthinum. 

11 Stengel reich drüsenhaarig; Kapsel kugelig, so lang als der Kelch. 

F. malacotrichum. 
Stengel drüsenarm; Kapsel eiförmig, doppelt so lang als der Kelch. 

F. foetidum. 

12 Untere Blätter in den Stiel verschmälert 13 

Untere Blätter gestielt, am Grunde herzförmig F. peliuni. 

13 Traube einfach oder am Grunde mit einigen kurzen Aesten 14 

Blüthenstand eine umfangreiche vielästige Eispe . . . V. adenotrichum. 

14 Traube sehr locker, Blüthen häufig einzeln ... F. agrimonioides. 
Traube ziemlich gedrungen, Blüthen stets gebüschelt 15 

15 Stengel armdrüsig, die unteren Blätter gehäuft, viel grösser als die oberen 16 
Stengel gleichmässig beblättert, drüsenlos, die mittleren Blätter am 

grössten V. epirotum. 

16 Untere Blätter sehr kurz gestielt V. taygeteum. 

Untere Blätter lang gestielt V. pindicolum. 

17 Kelch 8— 10 mm lang 18 

Kelch 2, höchstens 6 mm lang 21 

18 Blüthen gestielt F. Beiseri. 

Blüthen sitzend 19 

19 Wolle der Staubfäden gelblich 20 

Wolle der Staubfäden purpurn V. Boerhavii, 

20 Stengel einfach oder ästig; Blätter buchtig-fiederspaltig mit abgerundeten 

Lappen, meist wellenrandig V. undulatum. 

Stengel sparrig-ästig; Blätter fiederschnittig bis fiedertheilig mit fieder- 
spaltigen oder grob gezähnten Zipfeln . . . . . F pinnatifidum. 

21 Kapsel kugelig bis ellipsoidisch, höchstens 2^2 mal so lang als der Kelch; 

Blumenkrone aussen sternhaarig 22 

Kapsel cylindrisch, 3 — 5 mal länger als der Kelch; Blumenkrone kahl. 

F. graecum. 

22 Wolle der Staubfäden weiss oder gelblich 23 

Wolle der Staubfäden purpurn oder röthlich 31 

23 Pflanze reich drüsenhaarig 24 

Pflanze ohne Drüsenhaare 25 

24 Stengel ruthenförmig-ästig, Traube locker F. gloeotrichum. 

Stengel einfach, Traube ziemlich gedrungen F. tymphaeum. 

25 Blüthenstand eine einfache oder am Grunde etwas ästige Traube ... 26 



I 



Die bisher bekannten Verbasciim -Arten Griechenlands. 



121 



Blüthenstand eine vielästige umfangreiche Rispe 27 

2(3 Untere Blätter gestielt, oval, am Grunde herzförmig oder abgerundet. 

V. delphicum. 

Untere Blätter länglich-lanzettlich, in den sehr kurzen Stiel verschmälert. 

V. acutif olium. 

27 Blätter beiderseits oder doch unterseits dichtfilzig 28 

Blätter von feinem, dicht anliegendem Filze aschgrau, etwas glänzend . 30 

28 Blätter beiderseits dichtfilzig, Filz bleibend, nicht flockig 29 

Blätter beiderseits dichtfilzig, Filz abfällig, flockig . V. pulverulentum. 
Blätter dünnfilzig, oberseits fast kahl, grün .... V. Heldreichii. 

29 Rispe locker, Aeste ruthenförmig; Blüthen fast sitzend; Kapsel so lang 

als der Kelch F. mucronatum. 

Rispe gedrungen, pyramidal; Blüthen deutlich gestielt; Kapsel zweimal 
länger als der Kelch V. megaphlomos. 

30 Blätter fein gekerbt; Rispenäste lang, ruthenförmig; Kapsel so lang als 

der Kelch V. Haussicnechtii. 

Blätter tief buchtig-gelappt; Rispenäste kurz, sparrig; Kapsel zweimal so 
lang als der Kelch F. leucophyllum. 

31 Untere Blätter in den Stiel verschmälert 32 

Untere Blätter gestielt, am Grunde herzförmig oder abgerundet. 

F. thyrsoideum. 

32 Pflanze ohne Drüsenhaare * 33 

Pflanze mit Drüsenhaaren V. meteoricum. 

33 Blätter fein gekerbt 34 

Blätter buchtig-gelappt V. sinuatum. 

34 Pflanze dichtfilzig; untere Blätter in den langen Stiel verschmälert; 

Wolle der Staubfäden purpurn F. Adeliae. 

Pflanze flockig filzig; untere Blätter sehr kurz gestielt; Wolle der Staub- 
fäden blassroth V. mallopliorum. 

35 Pflanze zweijährig 36 

Pflanze ein Halbstrauch F. spinosum. 

36 Blumenkrone gelb; Antheren der zwei längeren Staubblätter herablaufend. 

F. hlattaria. 

Blumenkrone violett; Antheren alle nierenförmig . . V. phoeniceum. 



I. Gr nippe. Thapsus Rchb., 1. c. 

a. Wolle der Staubfäden weisslich oder gelblich. 
a. Blumenkrone trichterig. 

1. F. thapsus L. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, dichtfilzig 
wie die ganze Pflanze; Blätter fein gekerbt, die unteren länglich, in den Stiel 
verschmälert, stumpf, die oberen länglich-lanzettlich, spitz, von einem Blatte 
bis zum anderen herablaufend; Blüthen gebüschelt, in einer endständigen Traube, 

16* 



122 



E. V. Haläcsy. 



Traube verlängert, gedrungen, einfach oder am Grunde ästig; Blüthenstiele 
kürzer als der Kelch; Blumenkrone trichterig; die zwei längeren Staubfäden fast 
kahl, viermal länger als die auf der einen Seite kurz herablaufende Anthere, die 
drei kürzeren weisswollig mit nierenförmigen Antheren; Kapsel eiförmig, so lang 
als der Kelch. 

V. thaxjsus L., Spec. pL, p. 177; Sibth. et Sm., Pr. fl. gr., I, p. 149; Mazz. 
in Ant. ion., V, p. 210; Chaub. et Bory, Exp. Mor., III, 2,-p. 73, Fl. Pelop., 
p. 15; Marg. et Reut., Fl. Zante, p. 70; Fraas, Fl. class., p. 191; Boiss., Fl. 
or., IV, p. 301. — F. Schraden Mey., Chlor, hanov., p. 326. 

Stengel 50 cm bis r5 m hoch, Traube bis 30 cm lang; Blätter vom dichten 
Filze gelblichgrün; Blumenkrone lichtgelb, klein, Saum 13 — 22 mm breit; Kapsel 
bis 10 mm lang. 

An steinigen, sonnigen Plätzen, selten und wahrscheinlich oft verwechselt. 
Boissier führt als Standort nur Zante an (Margot). Angegeben wird die Art 
ausserdem auf dem Festlande und auf den Inseln (Sibthorp), auf Korfu bei 
Spartilla (Mazziari), in Euboea und Phthiotis (Fraas), in Arkadien bei Tripo- 
litza (Bory et Chaubard). Mai bis Juli, 

ß. Blumenkrone radförmig. 

o Pflanze dichtfilzig', Blüthenstiele kürzer als der Kelch. 

• Blätter gänzlich von einem Blatte zum anderen herablaufend. 

2. F. densiflorum Bert. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, 
dichtfilzig wie die ganze Pflanze; Blätter gekerbt, die unteren länglich, in den 
Stiel verschmälert, stumpflich, die oberen länglich-lanzettlich, spitz; Blüthen 
gebüschelt, fast sitzend, in einer endständigen Traube, Traube verlängert, 
gedrungen, einfach oder am Grunde ästig; Blumenkrone flach; die zwei 
längeren Staubfäden fast kahl, zweimal länger als die auf der einen 
Seite lang herablaufende Anthere, die drei kürzeren weisswollig mit 
nierenförmigen Antheren; Kapsel eiförmig, so lang als der Kelch. 

F. densiflorum Bert., Rar. pl., Dec. III, p. 52 und Fl. ital., II, p. 575. — 
F. thapsiforme Heldr., Fl. Kephalon., p. 55. — F. thapsus Dallap., Prosp., p. 23. 
Exsicc: Sint., Iter Thess., Nr. 924. 

Stengel 50 cm bis 1*5 m hoch, Traube 20 — 30 cm lang; Blätter vom dichten 
Filze gelblichgrün; Blumenkrone citronengelb, ansehnlich, 30 — 50 mm breit; Kapsel 
bis 10mm lang. Aendert ab: 

ß. thapsiforme (Schrad.) Vis. Traube locker, am Grunde häufig ästig. 

V. thapsiforme Schrad. in Comm. Goett., II, p. 13. — F. densiflorum var. 
thapsiforme Vis., Fl, Dalm,, II, p, 154. 

Trockene, sonnige Plätze der unteren Region bis in das Gebirge, selten, 
Thessalien: auf dem Berge Sina bei Malakasi (Sintenis); auf Kephalonien: bei 
Argostoli, Pessada, bis auf die Kuppen des Aenos (Heldreich). Mai bis Juli. O 

3, V. macruruni Ten. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, dicht- 
filzig wie die ganze Pflanze; Blätter fein gekerbt, die unteren länglich, in den 



Die bisher bekannten Verhasaim -Arten Griechenlands. 



123 



Stiel verschmälert, stumpflieb, die oberen länglicb-lanzettlicb, spitz; Blütben ge- 
büscbelt, fast sitzend, in einer endständigen Traube, Traube verlängert, sehr 
gedrungen, einfach; Blumenkrone flach; die zwei längeren Staubfäden 
fast kahl, viermal länger als die auf der einen Seite kurz he rablaufende 
Anthere, die drei kürzeren weisswollig, mit nierenförmigen Antheren; Kapsel 
eiförmig, so lang als der Kelch. 

V. macrurum Ten. ad Fl. neap. pr. app., V, p. 9, Fl. Nap., III, p. 216, 
Tav. 214; Form, in Deutsche botan. Monatschr., IX, p. 26 Sep.; Hai. in Denkschr. 
der mathem.-naturw. Cl. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, Bd. LXI, p. 511; 
Bald, in Malpigh., IX, p. 79 Sep. — V. Schraden Raul., Descript. Cret., p. 819. 
— F. thapsiforme Boiss., Fl. or., IV, p. 301. 

Exsicc: Orph., Fl. gr. exs. Nr. 733; Heldr., Exs. fl. hellen, a. 1887. 

In den Grössenverhältnissen mit V. densiflorum übereinstimmend, von 
diesem jedoch durch den helleren, mehr weisslichen Filz, die äusserst gedrungene, 
dicht wollig-filzige Traube und durch die kurz herablaufenden Antheren der 
längeren Staubblätter verschieden. 

An gleichen Orten wie Vorige. In Thessalien: auf dem Ossa bei Selikanj 
und Spilia (Formänek); im Peloponnes: in der Tannenregion des Panachaikon, 
1000 w (Haides j), auf der Kyllene bei Trikala, 1000— 1300 m (Heldreich), 
auf dem Malevo oberhalb Kastanitza (Orphanides); auf Kreta: am Cap Maleka, 
bei Lutro, Rhodakino, Avdhu (Raul in), auf dem Ida (Baldacci). Mai bis Juli. 

t • Blätter kürzer oder länger, aber nicht bis zum nächsten Blatte 
herablaufend. 

4. V, pJilomoides L. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, dicht- 
filzig wie die ganze Pflanze; Blätter gekerbt, die unteren länglich- 
verkehrteiförmig, in den Stiel verschmälert, stumpflich, die oberen eiförmig, 
spitz, mit halbumfassendem Grunde sitzend; Blüthen gebüschelt, fast sitzend, in 
einer endständigen Traube, Traube verlängert, locker oder gedrungen, einfach 
oder am Grunde ästig; Blumenkrone flach; die zwei längeren Staubfäden 
fast kahl, zweimal länger als die auf der einen Seite lang herab- 
laufende Anthere, die drei kürzeren weisswollig mit nierenförmigen Antheren; 
Kapsel eiförmig, so lang als der Kelch. 

F. phlomoides L., Spec. pL, p. 1194; Mazz. in Ant. ion., V, p. 210; Boiss., 
Fl. or., IV, p. 301; Form, in Deutsche botan. Monatsschr., IX, p. 26 Sep., in 
Verb. d. nat. Ver. Brünn, XXXIV, p. 62; Hausskn. in Mitth. d. Thür. bot. Ver., 
X, p. 161. — F. australe Schrad. in Comm. goett., II, p. 24. 

Stengel 50 cm bis 15 m hoch, Traube 30— 50 cm lang; Blätter heller oder 
dunkler grün; Blumenkrone citronengelb, ansehnlich, 30 — 50 ?mw breit; Kapsel 
10 mm lang. 

Auf sonnigen Plätzen der Bergregion, selten. Epirus: am Peristeri 
(Formänek); Thessalien (H e 1 d r e i c h) : bei Karditza und am Pelion (Formänek), 
bei Katherine (Sintenis); Euboea: auf den Bergen Tympanon und Dirphys 



124 



E. V. Haläcsy. 



(Heldreich); auf dem Chelone auf der Halbinsel Methana (Haussknecht); 
auf der Insel Tenos (Sartori); auf Korfu: bei Klonu und Pauliana (Mazziari), 

Anmerkung. V. phlomoides Sibth. et Sm., Fl.gr., III, p. 19, Tab. 224, 
mit dem Standorte Byzant und die gleichnamige Art in Chaub. et Bory, Fl. 
Pelop., p. 15, haben purpurne Wolle, repräsentiren daher eine andere Art. 

5. V. Sartorii Boiss. et Heldr. Wurzel spindelig-ästig; Stengel 
aufrecht, dünnfilzig; Blätter gekerbt, dichtfilzig, die unteren länglich- 
lanzettlich, in den Stiel verschmälert, stumpflich, die oberen eiförmig, spitz, 
mit halbumfassendem Grunde sitzend; Blüthen gebüschelt, fast sitzend, in einer 
endständigen Traube, Traube verlängert, einfach oder am Grunde ästig; Blumen- 
krone flach; die zwei längeren Staubfäden bis zur Mitte bebärtet, 
doppelt so lang als die auf einer Seite kurz herablaufende Anthere, 
die kürzeren weisswollig mit nierenförmigen Antheren; Kapsel eiförmig, so lang 
als der Kelch. 

F. Sartorii Boiss. et Heldr., Diagn. pl. or., Ser. I, Fase. 7, p, 38; Hai. in 
Denkschr. der mathem.-naturw. Gl. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, Bd. LXI, 
p. 511; Hausskn. in Mitth. d. Thür. bot. Ver., X, p. 160. — V. phlomoides 
ß. Sartorii Boiss., Fl. or., IV, p. 302. 

Exsicc. : Hai., Iter gr. secund. a. 1893. 

Stengel 40 cm bis 1 m hoch, unter dem dünnen Filze braun durchscheinend; 
Traube 30 — 40 cm lang; Blumenkrone citronengelb, 30 — 40 mm breit. — Durch 
die lanzettlichen unteren Blätter und die kurz herablaufenden Antheren der 
längeren Staubblätter von voriger Art verschieden. 

An sonnigen Plätzen der unteren Kegion bis in das Gebirge. In Thessalien: 
bei Volo, Aivali und im dolopischen Pindus (Haussknecht); in Attika: auf 
dem Pentelikon (Held reich); im Peloponnes: bei Kalavryta auf dem Berge 
Kastro (Haläcsy); auf dem Ithome in Messenien (Heldreich); auf Zante 
(Margot). Mai bis Juli. O 

5. X 17. F. Sartorii X rigidum, „Stellt gleichsam ein ästiges F. Sartoriv' 
dar mit auseinandergerückten Blüthenknäueln; diese, sowie die länger zugespitzten i 
Kelchzipfel verrathen den Einfluss von F. rigidum; das Indument ist dichter,! 
mehr ins Gelbliche neigend und nicht abwischbar, wie bei letzterer Art. Kapseln i 
steril." 

F. rigidum X Sartorii (V. semirigidum) Hausskn. in Mitth. d. Thür. bot. 
Ver., X, p. 166. — F. phlomoides X rigidum (V. semirigidum) Hausskn., 1. c, 
V, p. 72. 

Unter den Eltern bei Volo und Karditza in Thessalien (Haussknecht). 

5. X 26. F. Sartorii X pulverulentum. Von ersterem durch das hellere, 
leicht abwischbare Indument, stärkere Verästelung, feiner gekerbte Blätter, kleinere,, 
deutlich gestielte Blüthen, kleinere Kelche und kürzer herablaufende Antheren derj 
zwei langen Staubfäden verschieden; von letzterem durch dichtere, kurze Aeste, 
grössere, dichter stehende Blüthenbüschel, weniger flockigen Filz, grössere Kelche 
und Blumenkronen und kurz herablaufende Antheren abweichend. 



Die bisher bekannten Verhasctim -ki ten Griechenlands. 



125 



V. floccosum X phlomoides (V. siihphlomoides) Haussku. in Mitth. d. Thür, 
bot. Ver., V, p. 71. — V. pulcerulentum X Sartorii (V. suhplilomoiäes) Haussk., 
1. c, X, p. 164. 

An Abhängen der unteren Region beim Kloster Korona im Pindus 
(Haussknecht). 

5. X 27. V, Sartorii X Heldreichii, Von ersterem durch den rispigen 
Blüthenstand, die grob gekerbten, schwächer filzigen unteren Blätter und die 
kürzer herablaufenden Antheren der längeren Staubfäden; von letzterem durch 
dichtere, stärker filzige Rispenäste, minder entfernte Blüthenbüschel, fast noch 
einmal so grosse, kürzer gestielte Blüthen und die etwas herablaufenden Antheren 
verschieden. 

F. Heldreichii X phlomoides (V. coenohitarum) Hausskn. et Heldr. in Mitth. 
d. Thür. bot. Ver., V, p. 72. — V. Heldreichii X Sartorii (V. coenohitarum) 
Hausskn. et Heldr., 1. c, X, p. 165. 

Exsicc: Heldr., Iter IV per Thessal. a. 1885. 

In der unteren Region des dolopischen Pindus beim Kloster Korona in 
Eichenhainen (Held reich). 

5. X 32. F. SartoHi X sinuatum. In der Blattgestalt bald der einen, 
bald der anderen Stammart näherstehend. Von V. Sartorii durch die unregel- 
mässig buchtig-gelappten unteren und buchtig-gekerbten oberen Blätter und die 
röthliche Staubfadenwolle; von V. sinuatum durch die dichtere Bekleidung, 
kräftigere, steif aufrechte, dicht sternfilzige, nicht fast ganz kahl werdende 
Stengel mit aufrechten, kurzen, kräftigeren, nicht sparrig abstehenden Aesten, 
unregelmässig dicht zusammengedrängte Blüthenbüschel, minder tief buchtige 
untere und grössere, dichtstehende, mit breitem Grunde sitzende obere Blätter, 
grössere Blüthen und kurz herablaufende Antheren der zwei längeren Staub- 
gefässe verschieden. Kapseln steril. 

V. Sartorii X sinuatum (V. pseudosinuatum) Hausskn. in Mitth. d. Thür, 
bot. Ver., X, p. 166. — F. phlomoides X sinuatum (V. pseudosinuatum) Hausskn., 
1. c, V, p. 72. 

Thessalien: Beim Kloster Korona im Pindus (Haussknecht). 

o o Pflanze nicht dichtfilzig; Blüthenstiele so lang als der Kelch. 

6. V. Guicciardii Boiss. et Heldr. Wurzel spindelig-ästig; Stengel 
aufrecht, einfach, unten kahl, oben sternhaarig bis dünnfilzig; Blätter gekerbt, 
unterseits dünnfilzig, oberseits fast kahl, eilänglich oder länglich, die unteren in 
den Stiel verschmälert, die oberen mit halbumfassendem Grunde sitzend; Blüthen 
gebüschelt, in einer endständigen Traube, Traube verlängert, locker, einfach; 
Blumenkrone flach; die zwei längeren Staubfäden fast kahl, viermal länger als 
die auf der einen Seite kurz herablaufende Anthere, die kürzeren gelbweiss- 
wollig mit nierenförmigen Antheren; Kapsel eikugelig, etwas länger als der Kelch. 

F. Guicciardii Boiss. et Heldr., Diagn. pl. or., Ser. II, Fase. 6, p. 127, Fl. 
or., IV, p. 303; Heldr., Chloris tou Parn., p. 24; Hai. in Denkschr. der mathem.- 



126 



E. V. Haläcsy. 



naturw. Cl. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, Bd. LXI, p. 317; Hausskn. in 
Mitth. d. Thür. bot. Ver., X, S. 160. 

Stengel 50 cm bis TSm hoch, braun, glänzend; Traube durch Auseinander- 
rücken besonders der unteren Blüthenbüschel sehr verlängert, aber auch oberwärts 
locker, bis 70 m lang; Blumenkrone citronengelb, mittelgross, 20 — 22 mm breit; 
Kapsel fast kahl, erbsengross. 

Exsicc: Heldr., Herb.gr. norm., Nr. 696; Hai., Iter gr. secund. a. 1893. 

Auf sonnigen, buschigen Plätzen der Bergregion, an Rainen, sehr selten. 
Am Fusse des Parnasses bei Pagna und Eachova (Held reich); in Akarnanien: 
an den Macchien auf dem Berge Makrinoros unweit von Menidi am ambrakischen 
Golfe (Haläcsy); Thessalien: auf dem Ghavellu im dolopischen Piudus (Hauss- 
knecht). Juni bis Juli. Q 

6. x 32. F. Guicciardii X sinuatiim. Von V. Guicciardii durch die 
etwas dichtere Bekleidung, den verästelten Stengel, die buchtig-gezähnten unteren 
Blätter und die nierenförmigen Antheren aller Staubblätter; von V. sinuatum 
durch die grosse Blumenkrone und die gelbliche Staubfaden wolle verschieden. 
Kapseln taub. 

F. amhracicum ( Guicciardii X sinuatum) Hai. in Denkschr. der mathem.- 
naturw. Cl. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, Bd. LXI, p. 317. 

Akarnanien: in den Macchien auf dem Berge Makrinoros bei Menidi am 
Golf von Arta unter den Stammeltern (Haläcsy), 

b. Wolle der Staubfäden purpurn. 

a. Blüthenstiele kürzer als der Kelch, Blüthen fast sitzend, 
o Stengel ästig. 

7. F. malacotrichum Boiss. et Held. Wurzel spindelig-ästig; Stengel 
aufrecht, beblättert, flockig-filzig und reichlich drüsenhaarig; Blätter fein 
gekerbt, dünnfilzig, oberseits grün, unterseits gelblichgrau, die unteren eiförmig! 
oder eilänglich, stumpflich, in den Stiel verschmälert, die oberen mit abgerundetem 
oder herzförmigem Grunde sitzend; Blüthen gebüschelt, flockig-filzig, in ver- 
längerten, unterbrochenen Trauben; Deckblätter lanzettlich, dichtdrüsig, so lang 
als der Kelch; Kelchzipfel lanzettlich, dichtdrüsig; Blumenkrone flach; die zwei 
längeren Staubfäden bebärtet, zweimal länger als die auf einer Seite herablaufende 
Anthere, die kürzeren purpurwollig mit nierenförmigen Antheren; Kapsel 
kugelig, so lang als der Kelch. 

V. malacotrichum Boiss. et Heldr., Diagn. pl. or., Ser. II, Fase. 3, p. 142; 
Boiss., Fl. or., IV, p. 305. 

Exsicc: Heldr., PI. Fl. Hellen, a. 1887. 

Stengel 1 m hoch, braun, im unteren Theile wenig, im oberen stärker 
flockig, unterhalb der Mitte verästelt; Drüsenhaare an demselben sehr kurz und 
hauptsächlich im oberen Theile, auch Blattrand, Deckblätter und Kelche sind' 
drüsenhaarig; Blumenkrone gelb; Kapsel 5 mm lang, filzig. 

Ob eine von Sintenis und Bornmüller im Jahre 1891 beim Kloster 
H. Dionysios am Olymp — am classischen Standorte des V. malacotrichum — 



Die bisher bekannten Verbascuvi -Arten Griecbenlands. 



127 



gesammelte und im Iter turcicum unter Nr. 1390 ausgegebene Pflanze zu dieser 
Art gehört, vermag ich, da das Exemplar unvollständig und im vorgeschrittenen 
Fruchtstadium befindlich ist, nicht mit Sicherheit zu sagen. Die Fruchtbüschel 
derselben sind äusserst compact, aneinanderstossend und geben dem Blüthenstande 
ein knorriges Aussehen. Die in einer Kapsel beigegebene Blumenkrone hat einen 
Durchmesser von 2 cm, die Staubgefässe mit jenen von V. malacotrichum überein- 
stimmend. Die Pflanze soll nach Sintenis 3— 4 m hoch sein. 

Bisher nur in der Waldregion des Olymp bei dem Kloster Hagios Dio- 
nysios (Held reich) und auf dem Pelion oberhalb Zagora (Aphentulis). Juli, 
August. 

8. V, foetidmn Boiss. et Heldr. Wurzel spindelig-ästig; Stengel auf- 
recht, beblättert, flockig-filzig, drüsenarm; Blätter fein gekerbt, dünnfilzig, 
oberseits grün, unterseits graugelblich, die unteren umfangreich, eiförmig oder 
eilänglich, stumpf, plötzlich in den kurzen Stiel verschmälert, die oberen kleiner 
mit abgerundetem oder herzförmigem Grunde sitzend; Blüthen gebüschelt, flockig- 
filzig, in verlängerten, unterbrochenen Trauben; Deckblätter lineal, drüsig, so 
lang als der Kelch; Kelchzipfel lanzettlich, drüsig; Blumenkrone flach; die zwei 
längeren Staubfäden bebärtet, zweimal länger als die auf einer Seite lang herab- 
laufende Anthere, die kürzeren purpurwollig mit nierenförmigen Antheren; 
Kapsel eiförmig, doppelt so lang als der Kelch. 

F. foetidum Boiss. et Heldr., Diagn. pl. or., Ser. II, Fase. 3, p. 141; Boiss., 
Fl. or., IV, p. 305. 

Stengel 1— l'3m hoch, des geringen, leicht abwischbaren Filzes wegen 
braun; untere Blätter sammt Stiel 15 — 25cm lang, 8 — 10cm breit; Trauben 
30— 45 cw lang; Blumenkrone 3 cm breit, gelb. Die Pflanze soll den Geruch von 
Datura stramonium haben und wurde in neuerer Zeit nicht wieder gefunden. 
Ich selbst besitze nur ein mangelhaftes Bruchstück derselben. Nach der Be- 
schreibung steht sie dem V. malacotrichum zunächst, mit welcher Art sie auch 
den ästigen Stengel gemein hat, und unterscheidet sich nach Boissier von der- 
selben durch kräftigeren Wuchs, gelblichen Filz und doppelt grössere Kapseln. 

Bisher nur in der Tannenregion des Parnasses bei Dipotamo (Held reich). 
Juli. O 

o o Stengel einfach. 

9. F. ejnacanthinuni Boiss. et Heldr. Wurzel spindelig-ästig; Stengel 
aufrecht, kurzfilzig und dicht drüsenhaarig; Blätter länglich, stumpf, fein ge- 
kerbt, beiderseits dicht weissfilzig, unterseits heller, die unteren aneinander 
gerückt, in den Stiel verschmälert, die oberen viel kleiner, mit verschmälertem 
Grunde sitzend; Blüthen gebüschelt, dichtfilzig, in einer endständigen Traube, 
Traube verlängert, unterbrochen, einfach; Deckblätter lineal, dichtdrüsig, solang 
als der Kelch; Kelchzipfel lanzettlich, dichtdrüsig; Blumenkrone flach; die zwei 
längeren Staubfäden bis zur Mitte bebärtet, dreimal länger als die auf einer Seite 
herablaufende Anthere, die kürzeren purpurwollig mit nierenförmigen Antheren; 
Kapsel eiförmig, länger als der Kelch. 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 17 



128 



E. V. Haläcsy. 



V. epixanthinum Boiss. et Heldi*., Diagn. pl. or., Ser. I, Fase. 7, p. 39; 
Boiss., Fl. or., IV, p. 304; Heldr., Chloris tou Parn., p. 24 und in Sitzungsber. 
der Akad. der Wissensch, in Berlin, VI, p. 4. 

Exsicc: Heldr., Herb, norm., Nr. 695. 

Stengel 25—50 cm hoch, Traube 20—30 cm lang, Blumenkrone 20—25 mm 
breit, am Grunde oft violett gefleckt, Staubfäden sammt Wolle tief purpurn; 
Kapsel 7—8 mm lang, filzig. Von den beiden vorhergehenden Arten durch den 
niedrigen Wuchs, den unverästelten Stengel, die gehäuften unteren Blätter, den 
dichten Blattfilz und reichlichere Bedrüsung hochverschieden. 

Aendert ab: 

ß. Samaritanii (Heldr.). Stengel noch dichter drüsig; Blätter ober- 
seits rostfarben-, unterseits graufilzig, einzelne Blüthen etwas länger gestielt, 
Staubbeutel der längeren Staubfäden etwas weniger herablaufend. 

F. Samaritanii Heldr. in Boiss., Diagn. pl. or., Ser. II, Fase. 6, p. 127; 
Hai. in Verh. der zool.-bot. Gesellsch. in Wien, 1888, p. 18. — V. epixanthinum 
ß. Samaritanii Boiss., Fl. or., IV, p. 304. 

An grasigen Plätzen der Hochgebirge (1200 — 2200 m). Auf dem Taygetos, 
Olenos und Parnass (Heldreich); angeblich auch am Pelion (Held reich), viel- 
leicht verwechselt. Die var. ß. auf dem Tymphrestus (Heldreich) und auf der 
Kiona (Haläcsy). Juli, August. O 

ß. Blüthenstiele so lang oder länger als der Kelch, 

o Untere Blätter in den Stiel verschmälert. 

X Traube einfach oder am Grunde mit einigen kurzen Aesten. 

• Blüthen stets gebüschelt. 

10. F. taygeteiim Hai. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, 
einfach, filzig, drüsenarm; Blätter länglich-lanzettlich, spitz oder zugespitzt, 
fein gekerbt, beiderseits dichtfilzig, unterseits heller, die grundständigen in 
den sehr kurzen Blattstiel verschmälert, die wenigen stengel- 
ständigen diesen nahegerückt, sitzend; Blüthen gebüschelt, filzig, in einer 
endständigen Traube, Traube verlängert, ziemlich gedrungen, einfach; Deckblätter 
lineal, armdrüsig, so lang als die Blüthenstiele; Blüthenstiele so lang oder 
zweimal länger als der Kelch, Kelchzipfel lanzettlich, drüsig; Bluraenkrone 
flach; die zwei längeren Staubfäden bis zur Hälfte bebartet, fast viermal länger 
als die auf einer Seite herablaufende Anthere, die kürzeren röthlichwoUig mit 
nierenförmigen Antheren; Kapsel eiförmig. 

F. taygeteum Hai. in sched. 

Exsicc: Pich 1er, PI. Gr. exs. a. 1876 als F. epixanthinum. 

Stengel 25 cm hoch; Blätter etwa 10 cm lang und 3 cm breit; Blumen- 
krone 20—25 mm breit, gelb. Von der Tracht des F. epixanthinum, mit dem 
es insbesondere die am Stengelgrunde gehäuften Blätter gemein hat, von dem- 
selben aber durch den lockeren Filz, die zugespitzten Blätter, die lang gestielten 
Blüthen und die Drüsenarmuth verschieden. ; 



Die bisher bekannten Vcrbasciim -Arten Griechenlands. 



129 



Bisher blos auf den höchsten Erhebungen des Taygetos (Pichler). 
Wahrscheinlich bezieht sich der Taygetos-Standort des V. epixanthinum hierher. 
Juli. O 

11. F. 2^iridicolimi Freyu et Sint. Wurzel spindelig-ästig; Stengel 
aufrecht, einfach, filzig, drüsenarm; Blätter länglich oder länglich-lanzettlich, 
spitz oder zugespitzt, fein gekerbt, beiderseits filzig, oberseits bräunlichgrün, 
unterseits grau, die unteren grösser, in den Stiel lang verschmälert, 
die oberen rasch kleiner werdend, sitzend; Blüthen gebüschelt, filzig, in 
einer endständigen Traube, Traube verlängert, ziemlich gedrungen, einfach oder 
am Grunde mit einigen kurzen Aesten; Deckblätter lineal, drüsig, so lang als 
die Blüthenstiele ; Blüthenstiele so lang oder zweimal länger als der 
Kelch, Kelchzipfel lanzettlich, drüsig; Blumenkrone flach; die zwei längeren 
Staubfäden bis zur Hälfte bebärtet, viermal länger als die auf einer Seite kurz 
herablaufende Anthere, die kürzeren violettwollig mit nierenförmigen Antheren; 
Kapsel eiförmig oder ellipsoidisch, länger als der Kelch. 

V. pindicolum Freyn et Sint. in Bull. herb. Boiss., V, p. 793. — V. Sama- 
ritanii Hausskn. in Mitth. d. Thür. bot. Ver., X, p. 160. 

Exsicc. : Heldr., Iter quart. per Thessal. a. 1885; Sint., Iter Thessal., 
Nr. 922. 

Stengel 40 — 70m hoch; Blätter sammt Stiel bis 20 cm laug und 7 cm 
breit; Blumenkrone 30— 35 wm breit, gelb. Von F. epixantliinum und V. Sama- 
ritanii durch den höheren Wuchs, die grösseren spitzen oder zugespitzten Blätter, 
die zwar ziemlich lockere, aber nicht unterbrochene Traube, den verhältnissmässig 
reicher beblätterten Stengel, die heller gefärbte Wolle, insbesondere aber durch 
die lang gestielten Blüthen verschieden. Von V. taygeteum durch den höheren 
bis zur Traube beblätterten Stengel, die lang gestielten unteren Blätter, grössere 
Blumenkronen und kürzer herablaufende Antheren der beiden langen Staub- 
blätter abweichend. Diese Art hat entschieden herablaufende Antheren und 
gehört daher in die Gruppe Thapsus und nicht Lychnitis, wohin sie die Autoren 
stellten. 

Bisher nur im Pindusgebirge auf den Bergen Plaka bei Chaliki (Sintenis), 
Ghavellu (Haussknecht) und Karava (Heldreich), 1700—2000 m. Juni, 
Juli. O 

12. F. ejnrotum Hai. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, ein- 
fach, kurzfilzig, drüsenlos, der ganzen Länge nach gleichmässig be- 
blättert; Blätter lanzettlich oder länglich-lanzettlich, spitz oder stumpflich, 
oberseits dünnfilzig, grün, unterseits graufilzig, die unteren und etwas 
grösseren mittleren in den Stiel verschmälert, die obersten kleiner, mit ab- 
gerundetem Grunde sitzend; Blüthen gebüschelt, filzig, in einer endständigen 
Traube, Traube verlängert, ziemlich gedrungen, einfach; Deckblätter lineal, mit 
vereinzelten Drüsen besetzt, länger als die Blüthenstiele; Blüthenstiele so 
lang als der Kelch; Kelchzipfel lanzettlich, drüsenlos; Blumenkrone flach; 
die zwei längeren Staubfäden bis zur Hälfte bebärtet und viermal länger als die 

17* 



130 



E. V. Haläcsy. 



auf einer Seite kurz herablaufende Anthere, die kürzeren röthlichwollig mit 
nierenförmigen Antheren; Kapsel unbekannt. 

F. epirotum Hai. in scbed. — V. epixanthinum Hai. in Denkschr. der 
mathem.-naturw. Cl. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, Bd. LXI, p. 32. 

Exsicc: Hai., Iter gr. secund. a. 1893. 

Stengel 40— 50 cw hoch; Blätter saramt Stiel bis 15 m lang und 3— 5 cw 
breit; Blumenkrone 20— 25 mm breit, am Grunde öfters purpurn gefleckt. Von 
der vorhergehenden Art durch den gleichmässig beblätterten Stengel, die oberseits 
dünner filzigen grünen Blätter und kürzere Blüthenstiele verschieden. 

Auf grasigen, steinigen Triften der unteren Hochgebirgsregion. Bisher 
blos auf dem Tsumerka oberhalb Vulgarelion und Theodoriana in Epirus (Haläcsy). 
Juli. O 

• ♦ Blüthen einzeln und zu 2 — 3 gebüschelt. 

13. F. agrimoniodes Deg. et Borl). Wurzel spindelig-ästig; Stengel 
aufrecht, einfach, dünnflockig und drüsenhaarig; Blätter länglich oder länglich- 
lanzettlich, spitz, fein gekerbt, beiderseits filzig, oberseits bräunlichgrün, unterseits 
grau, die unteren grösser, in den Stiel lang verschmälert, die oberen rasch kleiner 
werdend, sitzend; Blüthen einzeln und zu 2 — 3 gebüschelt, flockig-filzig, in einer 
endständigen Traube, Traube ziemlich locker, einfach ; Deckblätter lineal, drüsig, 
so lang als die Blüthenstiele; Blüthenstiele so lang oder länger als der Kelch, 
Kelchzipfel lanzettlich, drüsig; Blumenkrone flach, die zwei längeren Staubfäden 
bis zur Hälfte bebärtet, 3— 4 mal länger als die auf einer Seite herablaufende 
Anthere, die kürzeren violett-wollig mit nierenförmigen Antheren; Kapsel eiförmig, 
länger als der Kelch. 

V. agrimoniodes Deg. et Borb. in Termeszettud. közl. potfüz., XLI, p. 85 
und ap. Form, in Verh. d. nat. Ver. Brünn, XXXV, p. 46. 

Stengel 90 cm hoch, untere Blätter 15 cm lang; Kapseln fertil. 

Die Art ist nach einem einzigen, unvollkommenen Exemplare beschrieben 
und hat, der schlanken Traube und der zumeist einzeln stehenden Blüthen wegen, 
ein eigenthümliches, von ihren nächsten Verwandten verschiedenes Aussehen; 
gleichwohl kann ich die Vermuthung nicht unterdrücken, dass sie von dem oben 
beschriebenen F. pindicolum vielleicht specifisch nicht verschieden sei, da mit 
Ausnahme der eben erwähnten Merkmale die übrigen mit dieser Art überein- 
stimmen. Sollte durch ein reichlicheres. Material diese Identität festgestellt 
werden, so hätte der Name F. agrimoniodes, als im Jänner 1897 publicirt, vor 
dem im October desselben Jahres publicirten F. pindicolum den Vorrang. 

Bei Phlambures und Mitriza im Chassiagebirge in Nordthessalien 
(Pormänek). Juli. 

X X Blüthenstand eine umfangreiche vielästige Rispe. 

14. F. adenotrichufn Hai. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, 
beblättert, sternhaarig und nebstbei dicht drüsenhaarig wie die ganze Pflanze; 
Blätter fein gekerbt, grün, oberseits spärlich, unterseits dichter behaart, die 



Die bisher bekannten Verbasacm -krten Griechenlands. 



131 



unteren breit elliptisch, stumpf, in den Stiel verschmälert, die oberen viel kleiner, 
lang zugespitzt, sitzend; Blüthenbüschel 2— 6 blüthig, in ziemlich lockeren 
verlängerten Trauben, Trauben zu einer umfangreichen vielästigen 
Kispe zusammengestellt; Deckblätter eilanzettlich, länger als der Kelch; 
Blüthenstiele so lang oder länger als der Kelch; Kelchzipfel eilanzettlich; Blumen- 
krone flach; die zwei längeren Staubfäden wenig bebärtet, 3— 4mal länger 
als die auf einer Seite herablaufende Anthere, die kürzeren purpurwollig mit 
nierenförmigen Antheren; Kapsel kugelig, dichtfilzig. 

V. adenotrichum Hai. in sched. — V. Samaritanii Hai. in Denkschr. der 
mathem.-naturw. Cl. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, Bd. LXI, p. 16. — V. 
viscidulum Frejn et Sint. in Bull. herb. Boiss., V, p. 702, non Pers., Syn. pl., 
I, p. 215. 

Exsicc: Sint., Iter Thessal., Nr. 1218; Hai, Iter gr. secund. a. 1893. 

Stengel 1'5— 2 m hoch, Rispenäste bis 50 cm lang, untere Blätter 25—30 cm 
lang und 10—14 cm breit, Kelch kaum 5 mm lang, Blumenkrone 3 cm breit. 

F. Samaritanii, für welches ich vor Jahren diese Art gehalten habe, ist 
durch niedrigen Wuchs, die am Grunde des Stengels gehäuften, viel kleineren 
Blätter, einfache Traube und fast sitzende Blüthen verschieden. Den Drüsen- 
reichthum haben beide Arten gemein, doch sind bei V. adenotrichum die Drüsen- 
haare länger. 

An Waldrändern der Bergregion. In Thessalien: im Thale des Flusses 
Prion (Sintenis) und auf dem Oxya im Pindus oberhalb Kastania, nächst der 
Militärstation (Haläcsy). Juli. O 

o o Untere Blätter gestielt, am Grunde herzförmig. 

15. F. pelium Hai. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, beblättert, 
flockig-filzig, ohne Drüsenhaare ; Blätter grob gekerbt, oberseits dünnfilzig, unter- 
seits dicht graufilzig, die unteren elliptisch, stumpf, kurz gestielt, die oberen ei- 
länglich, spitz, mit halbumfassendem Grunde sitzend; Blüthen gehuschelt, flockig- 
filzig, in verlängerten dichten oder unterwärts etwas lockeren Trauben; Deckblätter 
lanzettlich, drüsig, kürzer als der Kelch ; Kelchzipfel lanzettlich, drüsig; Blumen- 
krone flach; die zwei längeren Staubfäden fast kahl, zweimal länger als die auf 
einer Seite herablaufende Anthere, die kürzeren purpurwollig mit nierenförmigen 
Antheren; Kapsel eiförmig, kahl, länger als der Kelch. 

F. pelium Hai. in sched. 
I Exsicc: Heldr., Iter Thessal. a. 1882. 

Stengel 70cm bis Im hoch, braun; Blätter sammt Stiel 12 — 15cm lang, 
8 — 9cm breit; Stiel 3cm lang, oberseits dunkelgrün; Blumenkrone gelb, 3cm 
breit; Kapsel 7— 8m7?i lang. — Steht zweifellos dem F. malacotrichum zunächst, 
durch den un verästelten (ob stets?) Stengel, insbesondere aber durch die ganz 
andere Gestalt der Blätter, wie auch durch den starken Filz derselben von diesem 
wesentlich abweichend. 

Thessalien: am Pelion oberhalb Portaria, 1300m (Heldreich). Juli. O 



132 



E. V. Haläcsy. 



II. Grruppe. Lyehnitis Rchb., I. c. 

a. Kelch 8 — 10 mm lang; Blumenkrone aussen sternhaarig; Wolle 

der Staubfäden gelblichweiss. 
«. Blüthen gestielt. 

16. F. Meiseri Hai. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, einfach, 
dicht weissfilzig wie die ganze Pflanze; Blätter fein gekerbt, die unteren ellip- 
tisch oder rundlich-elliptisch, kurz bespitzt, in den langen Stiel verschmälert, die 
obersten eiförmig, sitzend, allmälig in Deckblätter übergehend; Blüthen gebüschelt, 
in einer endständigen, einfachen, gedrungenen Traube; Blüthenstiele so lang als 
der Kelch; Kelch bis zum Grunde in lanzettliche Zipfel getheilt; alle fünf Staub- 
fäden dicht gelb wollig; Kapsel unbekannt. 

V. Beiseri Hai. in sched, 

Stengel 20 cm lang; Blätter sammt Stiel 10— 12 cm lang und 4 cm breit, 
Stiel 5 — 6 cm lang; Kelch 8 mm lang; Blumenkrone gelb, 2 cm breit. Die Art ist 
nach einem einzigen Exemplare beschrieben, daher die hier angegebenen Masse 
des Stengels und der Blätter keine allgemeine Giltigkeit haben können, es dürften 
namentlich viel höhere Exemplare vorkommen. Ist mit keiner anderen griechi- 
schen Art verwandt. 

Aetolien: auf dem Vardusiagebirge oberhalb Granitsa (Reiser). Juli. © 

ß. Blüthen sitzend. 

X Wolle der Staubfäden gelblich. 

17. F. undulatmn Lam. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, 
einfach oder ästig, vveiss- oder gelblichfilzig wie die ganze Pflanze; Blätter 
zahlreich, die unteren kurz gestielt, länglich, buchtig - fieder spaltig, 
wellenrandig mit abgerundeten Lappen, die mittleren gleich gestaltet, 
sitzend, die oberen eiförmig, meist ganz randig, mit herzförmigem halb- 
umfassenden Grunde sitzend; Blüthen gebüschelt, in endständigen lockeren 
Trauben; Kelch bis fast zum Grunde in lanzettliche Zipfel getheilt; alle fünf 
Staubfäden dicht gelbwollig; Kapsel eikugelig, länger als der Kelch. 

F. undulatum Lam., Dict., IV, p. 221 pro p., da der Autor darunter auch 
das später von Boissier abgetrennte F. ptychophyllum YerstRuden hat; Chaub. 
et Bory, Fl. Pelop., p. 15; Clem., Sert., p. 71. — F. plicatum S. et Sm., Pr. fl. 
gr., I, p. 150, Fl. gr., III, p. 21, Tab. 226; Link in Linn., IX, p. 577; Fr aas, 
Fl. class., p. 190; Boiss., Fl. or., IV, p. 312; Hausskn. in Mitth. d. Thür, bot. 
Ver., X, p. 160. — Icon.: Tourn., Voy., p. 128; Sibth. et Sm., Fl. gr., 1. c. 

Exsicc: Heldr., Herb. gr. norm., Nr, 399 und 1161. 

Stengel bis 1 m hoch, untere Blätter bis 25 cm lang, Kelch bis 10 mm 
lang; Blumenkrone 25 — 35 mm breit, gelb. 

Aendert ab: 

ß. rigidum (Boiss. et Heldr.). Pflanze dünner filzig, Blätter meist 
minder wellenrandig, graugrün, Kelchzipfel verkahlend. Durch zahlreiche Uebei-- 



Die bisher liekaiuitcn Verhasciun-Arten Griecliciilands, 



133 



gänge mit der Gruudform verbunden; ebenso wie V. calaurium Heldr., Exs. a. 
1854, welches sich nur durch flache, minder gewellte Blätter unterscheidet. 

V. rigiäum Boiss. et Heldr., Diagn. pl. or., Ser. II, Fase. 3, p. 143. 

Sonnige Hügel, steinige Plätze. Gemein um Athen (Sibthorp), so auf 
der Akropolis, am Phaleron, am Fusse des Hymettus, Pentelikon und Parnes; 
bei Laurion (Haussknecht); bei Nauplia und Patras (Link), auf den Inseln 
Porös (Friedrichsthal), Hydra (Sibthorp), Keos und Kythnos (Tourne- 
fort). — Die var. ß. in Thessalien bei Meteora, Karditza, Pharsala, Aivali, Pir- 
sufli, Volo (Haussknecht), am Pelion bei Volo und Milies (Held reich); bei 
Katherina (Sintenis), auf Skopelos (Leonis), auf dem Telethrion in Nord- 
Euboea (Heldreich); in Aetolien am Taphiassos und Chalkis und in Achaia bei 
Dervenion (Haläcsy); auf der Halbinsel Methana (Haussknecht), auf Porös 
(Held reich). Juni, Juli. O 

17. X 18. V, undulatum X pinnatifidum. Von V. undulatum durch 
dünnere Stengel, nicht wellenrandige, gezähnte oder fiedertheilige, kleinere Blätter 
und schwächeres Indument; von V. jpinnatifidum durch dichtere, wenig ästige 
Stengel, minder getheilte, oft nur gezähnte Blätter, näher stehende Blüthen- 
büschel und grössere Blüthen verschieden. 

V. pinnatifidum X pUcatiim (V. paradoxum) Hausskn. in Mitth. d. Thür, 
bot. Ver., V, p. 72 und X, p. 167. 

Am Meeresufer bei Phaleron nächst Athen (Haussknecht). 

17. x 32. V. undulatum X sifiiia tum. Ein häufiger Bastard, bald der 
einen, bald der anderen Stammart sich nähernd. Von F. undulatum durch 
schwächere Stengel, reichlichere, dünnere Aeste, kleinere, mehr flache Blätter, 
öfters etwas herablaufende obere Blätter, doppelt kleinere, zum Theile kurz ge- 
stielte Blüthen und röthliche Antheren; von V. sinuatum durch minder reich- 
liche Verästelung, kürzere Aeste, wellenrandige Blätter und kürzer gestielte, zum 
Theile sitzende Blüthen verschieden. 

V. plicatum X sinuatum (V. erraticum) Hausskn. in Mitth. d. Thür. bot. 
Ver., V, p. 72 und X, p. 167; Hai. in Verh. der zool.-bot. Gesellsch. in Wien, 1888, 
p. 763. 

Exsicc. : Heldr., Herb. gr. norm., Nr. 1064. 

Attica: am Phaleron, bei Kephyssia, beim Kloster Mendeli am Pentelikon 
(Haussknecht), bei Tatoi (Haläcsy); Nord-Euboea: am Telethrion bei Hagios 
Joannes (Held reich). 

18. V. pinnatifidum Vahl. Wurzel spindelig, senkrecht; Stengel 
aufrecht, sparrig-ästig, dünnfilzig wie die ganze Pflanze; Blätter zahlreich, 
die unteren rosettig, gestielt, länglich-lanzettlich, fiederschnittig bis 
fiedertheilig mit fiederspaltigen oder grobzähnigen Zipfeln, die 
oberen sitzend, länglich oder länglich-lanzettlich, fiederschnittig oder grob ge- 
zähnt; Zipfel länglich, ungleich grob gezähnt oder selbst wieder fieder- 
schnittig; Blüthen gebüschelt, in endständigen lockeren Trauben; Kelch bis fast 
zum Grunde in lanzettliche Zipfel getheilt; alle fünf Staubfäden dicht gelbwollig; 
Kapsel eiförmig, so lang als der Kelch. 



134 



E. V. Haläcsy, 



F. pinnatifidum Y^ihl, Symb., 2, p. 39; Urv., Enum., p. 25; Boiss., Fl. 
or., IV, p. 312; Chaub. et Bory, Fl. Pelop., p. 15; Hausskn. in Mitth. d. Thür, 
bot. Ver., X, p. 161. — Icon.: Sibth. et Sm., Fl. gr., III, p. 23, Tab. 228. 

Exsicc: Heldr., Herb. gr. norm., Nr. 398 und 1162; Orph., Fl.gr. exs., 
Nr. 369. 

Stengel 30—45 cm hoch, vielästig, Aeste starr, fast stechend ; Kelch 8 mm 
lang; Blumenkrone 25 mm breit, gelb. — Aendert ab: 

ß. dentatum Hausskn., 1. c. Untere Blätter grob gezähnt. 

Auf sandigem Meeresufer. In Thessalien (Auch er), auf Euboea, Aegina, 
Hydra (Spruner), Syra (ürville); sehr häufig am Phaleron bei Athen (Held- 
reich). Die var. ß. am Phaleron (Haussknecht) und bei Oreous in Nord- 
Euboea (Held reich). Juni, Juli. 

18. X 32. V. pinnatifidum X sinuatmn, Stengel langästig, sparrig; 
Grundblätter noch einmal so gross als bei F. pinnatiftdum, mit längeren, mehr 
zugespitzten, gezähnten und kurz gelappten Zipfeln, auch die Stengelblätter sind 
grösser, aber schärfer und dichter gezähnt als bei F. sinuatum; Blüthen sitzend 
und kurz gestielt; Wolle der Staubfäden blassröthlich ; Kapseln steril. 

F. pinnatiftdum X sinuatum (V. phalereum) Hausskn. in Mitth. d. Thür, 
bot. Ver., V, p. 72 und X, p. 168. 

Am Phaleron bei Athen (Haussknecht). 

X X Wolle der Staubfäden purpurn. 

19. F. Boerhavii L. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, einfach, 
flockig-filzig, später verkahlend wie die ganze Pflanze; Blätter grob gekerbt, die 
unteren gestielt, eiförmig oder länglich, die oberen mit halbumfassendem Grunde 
sitzend; Blüthen gebüschelt, in endständigen lockeren Trauben; Kelch stieldrüsig, 
fast bis zum Grunde in lanzettliche Zipfel getheilt; alle fünf Staubfäden dicht 
purpurn -wollig; Kapsel ellipsoidisch, länger als der Kelch. 

F. Boerhavii L., Mant., p. 45; Boiss., Fl. or., IV, p. 313. 

Stengel 40cm bis Im hoch; Kelch 8mm lang; Blumenkrone 3cm breit, 
gelb, am Schlünde violett gefleckt; Kapsel zuletzt kahl. 

Bisher blos in Messenien bei Kaiamata (Gittard); in neuerer Zeit nicht 
wieder gefunden, für Griechenland überhaupt sehr zweifelhaft, da Gittard auf den 
Etiquetten nach Boissier mehrfach unrichtige Standortsangaben gemacht hat. 
Mai bis Juli. 

h. Kelch 2 bis höchstens 6 mm lang. 

a. Kapsel kugelig bis ellipsoidisch, höchstens 2^/2 mal so lang als 

der Kelch; Bluraenkrone aussen sternhaarig. 
X Wolle der Staubfäden weiss oder gelblich, 
o Pflanze mit Drüsenhaaren. 

20 F. gloeotrichum Hausskn. et Heldr. Wurzel spindelig-ästig; 
Stengel aufrecht, ruthenförmig-ästig, dicht drüsenhaarig-klebrig wie die 



Die bisher bekannten Verbascum -Arten Griechenlauds. 



135 



ganze Pflanze, nebstbei unterwärts etwas sternhaarig; Blätter gekerbt, beiderseits 
dicht graufilzig, die unteren länglich oder eilänglich, stumpf, in den Stiel ver- 
schmälert, die oberen länglich, spitz oder zugespitzt, mit halbumfassendem Grunde 
sitzend; Blüthen einzeln oder zu 2 — 6 gebüschelt, in lockeren Trauben, 
Trauben in eine endständige lockere Rispe zusammengestellt; Deck- 
blätter lanzettlich, länger als die Blüthenstiele; Blüthenstiele kürzer als der 
Kelch; Kelch bis zum Grunde in Lmzettliche Zipfel getlieilt; die zwei längeren 
Staubfäden bis zur Hälfte, die drei kürzeren durchaus schmutzig- weisswollig; 
Kapsel eiförmig, bespitzt, so lang oder etwas länger als der Kelch. 

V. gloeotrichum Hausskn. et Heldr. in Mitth. d, Thür. bot. Ver., V, p. 87 
und X, p. 162. — V . perviscosum Borb. apud Form, in Verh. d. nat. Verh. Brünn, 
XXV, p. 46, solum nomen (nach eingesehenem Exemplare). 

Exsicc: Heldr., Iter quart. per Thessal. a. 1885; Sint., Iter Thessal., 
Nr. 1000. 

Stengel 50— 80 cm hoch; untere Blätter 10— 25 cm lang, 4— 10 c?m breit, 
im Trocknen schwärzlich; Kelch 4 — hmm lang; Blumenkrone 25— 35 mm breit, 
gelb, durchscheinend punktirt; Kapsel 4— 5 mm lang, zuletzt verkahlend. Durch 
das schwärzliche Colorit sehr auffallend. 

An grasigen Hügeln. In Thessalien: bei Kalabaka, Trikala, Zarkos 
(Haussknecht), Povelci und Kerasia Sina (Formänek). Juli. O 

21. V. tymijhaeiim Freyn et Siiit. Wurzel spindelig-ästig; Stengel 
aufrecht, einfach, drüsenhaarig wie die ganze Pflanze; nebstbei, besonders 
oberwärts, flockig-filzig; Blätter gekerbt, oberseits fein behaart, unterseits grau- 
filzig, die unteren elliptisch oder länglich, spitz, in den ziemlich langen Blatt- 
stiel verschmälert, die oberen oval, zugespitzt, mit halbumfassendem Grunde 
sitzend; Blüthen zu 4—5 gebüschelt, in einer endständigeu Traube, Traube 
verlängert, ziemlich gedrungen, einfach oder am Grunde mit einigen wenigen 
Aesten; Deckblätter lineal, länger als die Blüthenstiele; Blüthenstiele so lang 
oder länger als der Kelch; Kelch fast bis zum Grunde in lanzettliche Zipfel 
getheilt; die zwei längeren Staubfäden bis zur Hälfte, die drei kürzeren durchaus 
weisswollig; Kapsel ellipsoidisch, bespitzt, etwas länger als der Kelch. 

V. tymphaeum Freyn et Sint. in Bull. herb. Boiss., V, p. 795. 

Exsicc: Sint., Iter Thessal., Nr. 923. 

Stengel 75 cm hoch; untere Blätter sammt Stiel 12— 20 cm lang, 4— 5 cm 
breit; Blattstiel 4—7 cm lang; Traube 35 cm lang; Blüthenstiele 3 — 10 mm lang; 
Kelch 5— 6 mm lang; Blumenkrone gelb, 20 mm breit; Kapsel 6—1 mm lang. 
Durch die Drüsigkeit zwar mit voriger Art verwandt, aber durch die angegebenen 
Merkmale von derselben weit verschieden. 

Dem V. pindicolum höchst ähnlich, aber dichter drüsig und die Wolle der 
Staubfäden weisslich. Die Antheren der zwei langen Staubfäden sind zwar nach 
dem von mir gesehenen, im Knospenzustande befindlichen Materiale nicht herab- 
laufend, aber doch breit angewachsen, so dass mir die Pflanze bezüglich ihrer 
Stellung zweifelhaft ist. 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 18 



136 



E. V. Haläcsy. 



In der subalpinen Region des tymphaeischen Pindus zwischen Dokimi und 
Kisiltepe (Sintenis). Juli. Q 

o o Pflanze ohne Drüsenhaare. 

— Blüthenstand eine einfache oder am Grunde etwas ästige Traube. 

22. F. delphicum Boiss. et Heldr. Wurzel spindelig-ästig; Stengel 
aufrecht, fast kahl, oberwärts dünnfilzig; Blätter gekerbt, oberseits grün, 
unterseits graufilzig, die unteren lang gestielt, oval, stumpf, am 
Grunde abgerundet oder herzförmig, die oberen elliptisch, halbumfassend 
sitzend; Blüthen gebüschelt, in einer endständigen Traube, Traube verlängert, 
ziemlich gedrungen, einfach oder am Grunde mit einigen kurzen Aesten; Blüthen- 
stiele länger als der Kelch; Kelch graufilzig, fast bis zum Grunde in lanzett- 
liche Zipfel getheilt; alle fünf Staubfäden weisswoUig; Kapsel eiförmig, 
stumpf, zweimal so lang als der Kelch. 

F. delphicum Boiss. et Heldr., Diagn. pl. or., Ser. II, Fase. 3, p. 146; 
Boiss., Fl. or., IV, p. 324. 

Exsicc: Heldr., Herb. gr. norm., Nr. 799, 

Stengel 40 — 60 cm hoch, bald verkahlend, braun; Blattspreite 15cm lang, 
8 cm breit, oberseits sehr dünnfilzig, Blattstiel 5 cm lang; Traube 20— 30 cm 
lang; Kelch 2 — 3mm lang; Blumenkrone gelb, 20 mm breit; Kapsel 4 mm lang, 
zuletzt kahl. — In der Tracht an F. lanatum Schrad. erinnernd, welches aber 
purpurne Wolle besitzt. 

In der Wald- und oberen Region des Dirphys (Delphi) auf Euboea, 1000 
bis 1700m (Heldreich). Juli. O 

23. V. acutifolium Hai. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, 
etwas flockig, oberwärts dünnfilzig; Blätter ganzrandig, oberseits grün, unter- 
seits flockig-weichfilzig, die unteren in den sehr kurzen Stiel ver- 
schmälert, länglich-lanzettlich, spitz, die oberen plötzlich kleiner werdend, 
länglich oder eiförmig, halbumfassend sitzend; Blüthen gebüschelt, in einer end- 
ständigen Traube, Traube verlängert, locker, am Grunde mit einigen kurzen 
Aesten; Blüthenstiele so lang oder etwas länger als der Kelch; Kelch dicht- 
flockig, fast bis zum Grunde in lanzettliche Zipfel getheilt; alle fünf Staub- 
fäden gelblich wollig; Kapsel kugelig, bespitzt, so lang als der Kelch. 

F. acutifolium Hai. in sched. — F. pulverulentum Hai. in Denkschr. der ' 
mathem.-naturw. Gl. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, Bd. LXI, p. 249 pro p. 
und Exs. in Iter gr. sec. a. 1893. 

Stengel 70— 80 cm hoch, bräunlich, glänzend, stellenweise dünnflockig; 
Blätter unterseits mit einem dichten, weissflockigen, abwischbaren Pilze bekleidet, 
die unteren 10 — 13 cm lang und 3 — 4 cm breit; Kelche und Kapseln sehr klein; 
Blumenkrone gelb, 20 — 25 mm breit. — Mit F. delphicum hat die Art nur den 
am Grunde wenig ästigen Blüthenstand gemein; viel näher steht dieselbe dem 
F. pulverulentum, von dem es aber durch das eben erwähnte Merkmal, besonders 
jedoch durch die länglich-lanzettlichen, spitzen Grundblätter abweicht. 

An steinigen, grasigen Orten bei Kaientini in Epirus (Haläcsy). Juli. 



Die bisher bekannten Verbascuvi -Arten Griechenlands. 



137 



= Blüthenstand eine vielästige, umfangreiche Kispe. 

; Blätter (wenigstens in der Jugend) beiderseits oder doch unter- 

seits dichtfilzig. 
, Blätter beiderseits dichtfilzig, Filz bleibend, nicht flockig. 

24. V. tnucronafuni Lam. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, 
dicht weissfilzig wie die ganze Pflanze; Blätter gekerbt, die unteren länglich, 
zuweilen etwas gelappt, sehr kurz gestielt, die oberen viel kleiner, kreis- 
rundlich, plötzlich zugespitzt, halbumfassend sitzend; Blüthen gebüschelt, in 
sehr lockeren Trauben, Trauben in eine endständige lockere Rispe 
zusammengestellt, Rispenäste ruthenf örmig; Blüthen fast sitzend; 
Kelch fast bis zum Grunde in breit lanzettliche Zipfel getheilt; alle fünf Staub- 
fäden dicht weisswollig; Kapsel kugelig, so lang als der Kelch. 

V. mucronatum Lara., Dict., IV, p. 218; Raul., Descr. ile Grete, p. 819; 
Boiss., Fl. or., IV, p.. 315. — V. auriculatum Sibth. et Sm., Fl. gr., III, p. 20, 
Tab. 225. — V. candidissimum DC, Fl. fr., SuppL, p. 413. 

Stengel \—l'bm hoch, die unteren Blätter bis 45 cm lang; Blüthenbüschel 
3— 5 cm von einander entfernt; Kelch 4— 5 mm lang, mit weisser, seidiger Wolle 
dicht umhüllt. Kapsel hanfkorngross. 

Auf Kreta ohne nähere Standortangabe (Labillardiere, nach Boi ssier). 
In neuerer Zeit nicht wieder gefunden. Juli. O 

Anmerkung. Von Mazziari in Ant. ion., V, p. 210 wird auf Korfu bei 
Garnades ein V. auriculatum angegeben, das zweifellos nicht mit der Sibthorp- 
schen Pflanze identisch ist und zu irgend einer anderen Art gehört. 

25. F. megaphlomos Boiss. et Heldr. Wurzel spindelig-ästig; 
Stengel aufrecht, dicht gelbfilzig wie die ganze Pflanze; Blätter ganz- 
randig, die unteren länglich-lanzettlich, in den Blattstiel ver- 
schmälert, die oberen viel kleiner, halbumfassend sitzend; Blüthen gebüschelt, 
in ziemlich gedrungenen Trauben, Trauben in eine endständige, umfang- 
reiche, pyramidenförmige Rispe zusammengestellt; Blüthenstiele 
so lang als der Kelch oder etwas länger; Kelch fast bis zum Grunde in 
lanzettliche Zipfel getheilt; alle fünf Staubfäden dicht weisswollig; Kapsel ei- 
förmig, stumpf, zweimal so lang als der Kelch. 

V. megaphlomos Boiss. et Heldr., Diagn. pl. or., Ser. II, Fase. 3, p. 144, 
— F. speciosum var. megaphlomos Boiss. et Heldr., 1. c. ; Boiss., Fl. or., IV, p. 325. 
Exsicc: Orph., Fl. gr. exs., Nr. 370. 

Stengel 60 cm bis 1*5 m hoch, sehr reichblüthig; Blätter durch den sehr 
dichten Filz dicklich, die grundständigen 30—35 cm lang, 5—7 cm breit. Blatt- 
spreite breit am Stiel herablaufend; Kelch 3mm lang; Blumenkrone gelb, 20 bis 
25 mm breit; Kapsel filzig, 5 mm lang. — Eine Parallelart des mitteleuropäischen 
F speciosum Schrad., welches sich durch einen viel schwächeren Filz (besonders 
an den Blättern) und längere Blüthenstiele unterscheidet. — Aendert ab: 

ß. macrophyllum. Grundblätter elliptisch oder oval, 30 cm lang, 16 cm 
breit, mit aufgesetzter Spitze, 

18* 



138 



E. V. Halacsy. 



Exsicc: Heldr., PI. exs. fl. hellen, a. 1896. 

y. microcalyx. Blüthenstiele länger als der Kelch; Kelch fast um die 
Hälfte kleiner. 

Exsicc: Heldr., Iter Thessal. a. 1882. 

Sonnige Abhänge der Waldregion. Auf dem Parnass und Kyllene (Held- 
reich). Die var. ß. auf dem Korax (Tuntas) und im Dorfe Segditza auf der 
Kiona (Halacsy). Die var. y. auf dem Pelion (Heldreich). Juli, August. 

Blätter beiderseits dichtfilzig, Filz abfällig, weiss, flockig. 

26. V, pulverulentmn Till. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, 
dicht weissfilzig-flockig wie die ganze Pflanze, Filz zuletzt abfällig; Blätter ganz- 
randig oder fast unmerklich gekerbt, die unteren elliptisch oder länglich, sitzend 
oder in den kurzen Stiel verschmälert, die oberen viel kleiner, eirundlich, zu- 
gespitzt, mit umfassendem Grunde sitzend; Blüthen gebüschelt, in lockeren 
Trauben, Trauben in eine umfangreiche, pyramidenförmige Rispe zusammengestellt; 
Blüthenstiele so lang oder etwas länger als der Kelch; Kelch bis zum Grunde 
in lineallanzettliche Zipfel getheilt; alle fünf Staubfäden weisswollig; Kapsel 
eikugelig, stumpf, so lang als der Kelch. 

V. pulverulentum Vill., Hist. pl. Dauph., II, p. 490; Pieri, Gore, fl., p. 32; 
Mazziari in Ant. ion., V, p. 210; Boiss., Fl. or., IV, p. 322; Hai. in Denkschr. 
der mathem.-naturw. Gl. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, Bd. LXI, p. 248 
und p. 317; Hausskn. in Mitth. d. Thür. bot. Ver., X, p. 161; Bald., Ric. roll, 
bot. 1895 Alban., p. 38. — F. floccosum W. et. K., PI. rar. Hung., I, p. 81, Tab. 79; 
Mazz., 1. c, p. 212; Form, in Verh. d. nat. Ver. Brünn, XXXIII, p. 34 und XXXIV, 
p. 62 Sep. 

Exsicc: Sint., Iter Thessal., Nr. 535. 

Stengel 40 cm bis 1 m hoch; Blätter in der Jugend dicht weissfilzig, zuletzt 
verkahlend, oft beiderseits ganz grün; Kelch und Kapseln sehr klein, 2— 3 wm 
lang; Blumenkrone gelb, 15— 20 mm breit. 

An Wegen, Rainen, steinigen Grasplätzen. InAetolien: bei Sikya (Held- 
reich); in Akarnanien: bei Arapis und Anina (Halacsy); in Epirus: bei Murakia 
(Baldacci), Prevesa, Han Mescho, Janina, Sadovica, Han Levka, Govrica (For- 
mänek), Arta, Vulgarelion (Halacsy); in Thessalien: im dolopischen Pindus 
bei Korona, in die subalpine Region bis oberhalb Pezula aufsteigend (Hauss- 
knecht), bei Kalabaka (Sintenis); bei Miluna am Fusse des Olymp (Por- 
mänek); in Eurytanien: im Dorfe Klavsi bei Karpenisi (Held reich); auf Korfu: 
bei Signes und Manducchio (Mazziari). Juni bis August. O 

26. X 27. V. piilveridentum X Heldreichii, Von V. pulverulentum 
durch die un regelmässig gelappten, grob gekerbten unteren Blätter, den schwächeren 
Filz und die an V. Heldreichii erinnernde Tracht; von diesem durch die stärker 
filzigen, allmälig in den Stiel verlaufenden Blätter und das flockig filzige Indument 
in der Rispe verschieden. Kapseln steril. 



Die bisher bekannten Vcrhascum -Xrten Griechenlands. 



139 



V. Heldreichii X pitlverulentum (V. sterile) Hausskn. in Mitth. d. Thür. bot. 
Ver., X, p. 170. 

An wüsten Plätzen beim Kloster Korona im Pindus (Haussknecht). 

26. X34. V. pulvet'ulentnm X thyrsohleiitH. Von ersterem durch 
grob gekerbte, länger gestielte untere Blätter, länger gestielte Blüthen und 
purpurwollige Staubfäden; von letzterem durch einen dichteren Filz aller Theile 
und die in den Stiel verschmälerten unteren Blätter verschieden. 

V. nigrum X pulverulentum Hausskn. in Mitth. d. Thür. bot. Ver., X, p. 164. 
— V. permixtum Hai. in sched. 

Im Aspropotamos-Thale bei Kodri (Haussknecht). 

Blätter dünnfilzig, oberseits fast kahl, grün. 

27. F. Heldreichii Boiss. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, 
dünnfilzig; Blätter oberseits dünnfilzig bis kahl, unterseits dichter filzig, die 
unteren gestielt, eilänglich oder länglich, unregelmässig lappig gekerbt oder 
leierförmig, die oberen eiförmig bis rundlich, grob gekerbt, sitzend; Blüthen 
gebüschelt, in lockeren dünnen Trauben, Trauben in eine endständige Rispe 
zusammengestellt; Blüthenstiele filzig, so lang oder etwas länger als der Kelch; 
Kelch filzig, fast bis zum Grunde in lanzettliche Zipfel getheilt; alle fünf Staub- 
fäden weisswollig; Kapsel eikugelig, bespitzt, zweimal so lang als der Kelch. 

F. Heldreichii Boiss., Diagn. pl. or., Ser. II, Fase. 3, p. 147, Fl. or., IV, 
p. 326; Hai. in Denkschr. der mathem.-naturw. Gl. der kais. Akad. der Wissensch, 
in Wien, Bd. LXI, p. 480; Hausskn. in Mitth. d. Thür. bot. Ver., X, p. 162. 

Exsicc. : Heldr., Iter quart. per Thessal. a. 1885. 

Stengel 50—80 cm hoch; Blätter grün, in der Regel klein oder mittelgross, 
manchmal aber auch sammt Stiel bis 30cm lang und 12 cm breit; Rispenäste 
ruthenförmig; Kelche und Kapseln klein wie bei V. pulverulentum-, Blumenkrone 
gelb, ebenfalls klein. 

Auf Brachen, Hügeln, an Wegen, in Gehölzen, nur in Thessalien: auf 
dem Pelion bei Drakia und Oljmp beim Kloster Hagios Dionysios (Sintenis); 
an den Ufern des Enipeus bei Orman Magula (Held reich), bei Palaeocastro 
(Leonis), Aivali, Karditza, Korona, Malakasi, Tsungeri (Haussknecht). Juni, 
Juli. O 

Anmerkung. V. lychnitis L., nach Mazziari in Ant. ion., V, p. 210 auf 
Korfu bei San Marco, kommt daselbst sicherlich nicht vor und beruht die An- 
gabe auf einer irrthümlichen Bestimmung. 

; ; Blätter (wenigstens in der Jugend) von feinem, dicht anliegendem 
Filze aschgrau, etwas glänzend. 

28. F. Haiisshnechtii Heldr. Wurzel spindelig-ästig; Stengel auf- 
recht, fast kahl, vom Grunde oder von der Mitte in eine reichästige Rispe über- 
gehend, Aeste ruthenförmig, bogig aufsteigend; Blätter gekerbt, die 
unteren eilänglich, in den Stiel allmälig verschmälert, oberseits bald verkahlend, 



140 



E. V. Halacsy. 



die oberen plötzlich verkleinert, eiförmig, zugespitzt, mit halbumfassendem Grunde 
sitzend; Blüthen zu 3—5 gebüschelt, in sehr lockeren Trauben, Trauben in eine 
endständige lockere Rispe zusammengestellt; Blüthenstiele kürzer oder so lang 
als der Kelch; Kelch flockig-filzig, fast bis zum Grunde in lanzettliche Zipfel 
getheilt; alle fünf Staubgefässe weisswollig; Kapsel kugelig, so lang als der 
Kelch. 

V. HaussJcnechtii Heldr. apud Hausskn. in Mitth. d. Thür. bot. Ver., V, 
p. 71 und X, p. 161. 

Exsicc: Heldr., Iter quart. per Thessal. a. 1885. 

Stengel 1 m hoch und darüber, braun, glänzend ; Blätter bis 25 cm lang 
und 7— 10 cm breit, die stengelständigen fast gänzlich kahl, dunkelgrün; Kelch 
3 — 4 mm lang, Zipfel bald verkahlend; Blumenkrone gelb, 25 — 30 mm breit; 
Kapsel filzig. 

Auf grasigen Hügeln bei Aivali, Orman Magula, Pharsalus und Karditza 
in Thessalien (Held reich und Haussknecht), hier häufig. Juni, Juli. O 

Anmerkung. Eine dem V. Haussknechtii nahe verwandte, in Griechen- 
land nicht vorkommende Art sammelte Degen Anfangs Juni 1890 an sandigen 
Ufern des schwarzen Meeres bei Kila in Thrakien. Da ich selbe für eine neue 
Art halte, gebe ich hier die Beschreibung derselben: V. Degenii Hai. in sched. 
Wurzel spindelig; Stengel aufrecht, rundlich, schwarzbraun, kahl oder sehr spär- 
lich feinflockig, glänzend, oberwärts ästig, Aeste kurz, aufrecht; grundständige 
Blätter lanzettlich, spitz, in den kurzen Blattstiel verschmälert, fein gekerbt, 
beiderseits von feinem, dicht anliegendem Filze aschgrau, oberseits bald ganz kahl 
werdend, die stengelständigen rasch kleiner werdend, entfernt, länglich-lanzettlich, 
spitz, mit breitem Grunde sitzend, oberseits kahl, unterseits auf dem Mittelnerv 
flockig; Blüthen zu 3—6 gebüschelt, flockig filzig, in lockeren, nur oberwärts 
gedrungenen schmalen Trauben, Trauben in eine endständige lockere Rispe mit 
verlängertem Mitteltriebe zusammengestellt; Blüthenstiele kürzer als der Kelch; 
Kelch bald verkahlend, fast bis zum Grunde in lineallanzettliche Zipfel getheilt; 
Staubfäden weisswollig, Antheren nierenförmig; Kapsel ellipsoidisch, bespitzt, 
filzig, doppelt so lang als der Kelch. 

Stengel Im hoch, etwa 7mm im Durchmesser; Grundblätter bis 14c?» 
lang bei einer Breite von 3 cm; die stengelständigen kleiner, die obersten nur 
mehr 3 cm lang; Trauben sehr schmal, der Mitteltrieb 40 cm lang, die Seitenäste 
viel kürzer; Kelch 3 — 4 mm lang; Blumenkrone gelb, klein, 15 mm breit. 

Von F. Haussknechtii durch die lanzettlichen, kurz gestielten Rosetten- 
blätter, die kurzen Seitenäste der Rispe, kleinere Blumenkrone und die ellipsoi- 
dische Kapsel verschieden. 

17. X 28. F. rigidum X Haussknechtii, Von der Tracht des F. Hauss- 
Jcnechtii, von demselben durch länger in den Stiel herablaufende untere Blätter, 
einen dichteren Filz derselben und um die Hälfte kleinere Kelche verschieden; 
von F. rigidum durch spärlich bekleidete braune Stengel, grössere, fast ganz- 
randige untere Blätter und kleinere Kelche abweichend. 



Die bisher bekannten Verhaacum -Arten Griechenlands. 



141 



V. Haussknechtii X rigidum (V. dervichorum) Hausskn. et Heldr. in Mitth. 
d. Thür. bot. Ver., V, p. 72 und X, p. 169. 

Exsicc: Heldr., Iter quart. per Thessal. a. 1885. 

An grasigen Hügeln bei Aivali in der Nähe des Derwisch-Klosters und bei 
Karditza in Thessalien (Haussknecht). 

29. F. leucophyllmn Grisel). Wurzel spindelig-ästig; Stengel auf- 
recht, dünnfilzig, vom Grunde oder von der Mitte in eine reichästige Rispe über- 
gebend, Aeste kurz, sparrig; Blätter länglich, tiefbuchtig gelappt, 
Lappen abgerundet, die unteren in den Stiel verschmälert, die oberen viel 
kleiner, oft fast ganzrandig, mit breitem Grunde sitzend; Blüthen zu 1 — 3 ge- 
büschelt, in sehr lockeren Trauben, Trauben in eine endständige lockere Rispe 
zusammengestellt; Blüthenstiele kürzer oder so lang als der Kelch; Kelch dünn- 
filzig, fast bis zum Grunde in lanzettliche Zipfel getheilt; alle fünf Staubfäden 
weisswollig; Kapsel eilänglich, bespitzt, zweimal so lang als der Kelch. 

V. leucophyllum Griseb., Spie. fl. rum., II, p, 46; Boiss., Fl. or., IV, p. 320; 
Hausskn. in Mitth. d. Thür. bot. Ver., X, p. 161. 

Exsicc: Heldr., Iter quart. perThessal. a. 1885; Sint., Iter Thessal., Nr.217. 

Eine sehr zierliche Art. Stengel 20 — 40 cm hoch; Blätter klein, bis 13 cm 
lang und 3 cm breit, die meisten aber kleiner, oft wellig; Kelch 3 mw lang, Zipfel 
Terkahlend; Blumenkrone gelb, klein, 10 mm breit; Kapsel zuletzt kahl, schwarz. 

Aendert ab: 

ß. integrifoliuvi Hausskn. Alle oder doch die meisten Blätter ganz- 
randig. 

Auf grasigen Hügeln, nur in Thessalien. Auf dem Hügel der Akropolis 
von Pharsalus, bei Aivali (Haussknecht) und bei Kalabaka (Sintenis). Mai, 
Juni. O 

X X Wolle der Staubfäden purpurn oder röthlich. 
o Untere Blätter in den Stiel verschmälert. 
- Pflanze ohne Drüsenhaare. 
, Blätter fein gekerbt. 

30. F. Adeliae Heldr. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, 
dichtfilzig wie die ganze Pflanze; Blätter fein gekerbt, die unteren 
eilänglich, in den langen Stiel verschmälert, die oberen eiförmig, mit herz- 
förmigem Grunde sitzend; Blüthen gebüschelt, in ziemlich gedrungenen Trauben, 
Trauben in eine endständige Rispe zusammengestellt; Blüthenstiele kürzer oder 
so lang als der Kelch; Kelch fast bis zum Grunde in lanzettliche Zipfel getheilt; 
alle fünf Staubfäden dicht purpurwollig; Kapsel eiförmig, stumpf, zweimal 
so lang als der Kelch. 

V. Adeliae Heldr. in Boiss., Diagn. pl. or., Ser. II, Fase. 3, p. 145; Boiss., 
Fl. or., IV, p. 321. 

Exsicc: Heldr., Herb. gr. norm., Nr. 1063. 

Stengel 30— 60 cm hoch; Rosettenblätter sammt Stiel bis 20 cm lang und 
9 cm breit, meist aber kleiner; Rispe bald wenig ästig, bald umfangreich und 



142 



E. V. Haläcsy. 



pyramidal wie bei V. megaphlomos; Kelch 2 mm lang, dichtfilzig; Blumenkrone 
gelb, 15 mw breit; Kapsel dichtfilzig, später verkahlend, 4 mm lang. 

Bisher nur auf Naxos, sowohl an der Küste, als auch auf dem Berge Dia 
bei Apironthas (Heldreich). Juni. © 

31. V. mallojyhorum Boiss. et Heldr. Wurzel spindelig-ästig; Stengel 
aufrecht, dicht flockig-filzig wie die ganze Pflanze; Blätter fein ge- 
kerbt oder ganzrandig, die unteren länglich oder eilänglich, in den sehr kurzen 
Stiel verschmälert, die oberen eiförmig, mit halbumfassendem Grunde sitzend; 
Blüthen gehuschelt, in lockeren oder ziemlich gedrungenen Trauben, Trauben in 
eine endständige pyramidale, selten nur wenig ästige Rispe zusammengestellt; 
Blüthenstiele so lang oder länger als der Kelch; Kelch fast bis zum Grunde in 
lanzettliche Zipfel getheilt; alle fünf Staubgefässe blass purpurwollig; Kapsel 
ellipsoidisch, 2V2inal länger als der Kelch. 

F. mallophorum Boiss. et Heldr., Diagn. pl. or., Ser. I, Fase. 7, p. 39; 
Boiss., Fl. or., IV, p. 323; Heldr. in Sitzungsber. der Akad. der Wissensch, in 
Berlin, VI, p. 156; Heldr., Chloris tou Parn., p. 24; Hausskn. in Mitth. d. 
Thür. bot. Ver., X, p. 161. 

Exsicc: Orph., Fl. gr. exs., Nr. 1161. 

Stengel 40—80 cm hoch, mit flockigem, abwischbarem Filze bekleidet, 
meist in eine umfangreiche Rispe übergehend, selten fast einfach wie bei der 
Pflanze von der Kyllene; untere Blätter bis 35 cm lang und 10 cw breit, sehr 
dicht weissfilzig, die oberen viel kleiner, dicht flockig-filzig; Blüthenstiele bis 
bmm lang; Kelch 2 mm lang; Blumenkrone gelb, 25 mm breit; Kapsel filzig, 
5 — 6 mm lang. — Durch das flockige Indument, sehr kurz gestielte untere Blätter, 
längere Blüthenstiele, hellere Wolle der Staubfäden und die ellipsoidische Kapsel 
von voriger Art verschieden. Mehr mit V. pulverulentum verwandt, welches aber 
weisse Wolle der Staubfäden und eine eikugelige Kapsel besitzt. 

In der Bergregion. In Aetolien: auf dem Aropokephala (Samaritani); 
Thessalien: auf dem Ghavellu, Karava, Baba und Zygos (Haussknecht), Pelion 
(Heldreich); auf dem Delphi in Euboea (Heldreich); Parnass (Orphanides); 
im Peloponnes: auf dem Olenos, Kyllene, Taygetos (Heldreich) und Malevo 
(Orphanides). Juni bis August. 

Blätter buchtig gelappt, 

32. V, sinuatum L. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, filzig wie 
die ganze Pflanze, meist schon vom Grunde in eine sparrig-ästige Rispe über- 
gehend; Blätter länglich, die unteren fast sitzend oder in den Stiel verschmälert, 
buchtig-gelappt, wellenrandig, stumpf, die oberen gekerbt, spitz, mit herzförmigem 
Grunde sitzend, kurz herablaufend; Blüthen gebüschelt, in lockeren Trauben, 
Trauben in eine endständige lockere Rispe zusammengestellt; Blüthenstiele so 
lang als der Kelch; Kelch fast bis zum Grunde in breitlanzettliche Zipfel ge- 
theilt; alle fünf Staubgefässe purpur wollig; Kapsel kugelig, so lang als der Kelch. 

F. sinuatum L., Spec. pl., p. 178; Sibth. et Sm., Fl. gr. pr., I, p. 150, 
Fh gr., III, p. 22, Tab. 227; Mazz. in Antol. ion., V, p. 212; Chaub. et Bory in 



Die bisher bokannton Verhascian -Avtan Griechenland! 



143 



Exp. Mor., III, 2, p. 73, Fl. Pelop., p. 15; Marg. et Reut., Fl. Zante, p. 70; 
Friedr., Reise, p. 271; Fraas, Fl. class., p. 191; Raulin, Descr. ile Grete, p.819; 
Weiss in Verh. der zool.-bot. Gesellsch. in Wien, 1869, p. 745; Boiss., Fl. or., IV, 
p. 322; Heldr., Fl. Kephal., p. 55; Hai. in Verh. der zool.-bot. Gesellsch. in Wien, 
1888, p. 760; Hausskn. in Mitth. d. Thür. bot. Ver., X, p. 161; Bald, in Malp., 
IX, p. 80 Sep.; Form, in Deutsche botan. Monatsschr., IX, p. 26 Sep. und in Verh. 
d. nat. Ver. Brünn, XXXIII, p. 38, XXXIV, p. 62, XXXV, p. 46 Sep. - ? V. undu- 
latum Pieri, Fl. corc, p. 31 et Mazz. in Antol. ion., V, p. 212. 

Stengel 50—80 cm hoch; Grundblätter gewöhnlich 10— 20 cm lang, manch- 
mal aber auch bedeutend länger, die obersten sehr klein, in Deckblätter über- 
gehend; Kelch 2 — 3ww lang; Blumenkrone gelb, 20mm breit; Kapsel filzig. 

An Wegen, wüsten Plätzen, Rainen, im ganzen Lande verbreitet, auch 
auf den Inseln : Korfu, Kephalonien, Zante, Cerigo, Kreta, Dia, Porös und Syra. 
Juni, Juli. O 

1^1 26. X 32. F. pulverulentum X sinuatmn. Von V. pulverulenium durch 
den wenig flockigen Filz, etwas herablaufende Stengelblätter und rothe Wolle der 
Staubfäden; von V. sinuatum durch den erst oberwärts verästelten Stengel und 
die grob gekerbten, nicht buchtigen unteren Blätter verschieden. 

F. hyhridum Brot., Fl. lusit., p. 210; Form, in Verh. d. nat. Ver. Brünn, 
XXXIII, p. 32 Sep. — F. flo.ccosum X sinuatum Form., 1. c. 
Bei Kanali und St. Joannes auf Korfu (Formänek). 

27. X 32. F. Heldreichii X sinuatum. Von ersterem durch die stärkere, 
abwischbare Bekleidung, sehr kurz gestielte, tief gezähnte, unregelmässig wellige 
Blätter und röthliche Wolle der Staubfäden; von diesem durch mehr sparrig ab- 
stehende Rispenäste, blassröthliche Wolle der Staubfäden und die an F. Heldreichii 
erinnernde Tracht verschieden. Kapseln steril. 

F. Heldreichii X sinuatum (V. ambigens) Hausskn. in Mitth. d. Thür. bot. 
Ver., V, p. 72 und X, p. 169. 

Bei dem Kloster Korona im Pindus (Haussknecht). 

28. X 32. F. HaussJcnechtii X sinuatum. Von ersterem durch kurz- 
filzige, nur zuletzt etwas kahl werdende Stengel, sehr kurz gestielte, unregelmässig 
wellenrandige untere Blätter, gekerbte Stengelblätter und röthliche Wolle der 
Staubfäden; von letzterem durch minder sparrigen Wuchs, dunklere, höhere Stengel, 
schwächeren Filz und weniger wellenrandige Blätter verschieden. Kapseln steril. 

F. HaussTcnechtii X sinuatum (V. thessalum) Hausskn. in Mitth. d. Thür, 
bot. Ver., V, p. 72 und X, p. 169. 

Auf wüsten Plätzen bei Karditza in Thessalien (Haussknecht). 

= Pflanze mit Drüsenhaaren. 

33. F. metemHcum Hausskn. Wurzel spindelig-ästig; Stengel auf- 
recht, dünnfilzig, fast vom Grunde an ästig; Blätter beiderseits dünn 
graufilzig, die unteren schmal länglich-lanzettlich, lang in den Stiel 
herablaufend, unregelmässig lappig gekerbt, die oberen fast sitzend, 

Z. B. Ges. Bd. XL VIII. 19 



144 



E. V. H aläcsy. 



elliptisch-lanzettlich, fein gekerbt oder ganzrandig, allmälig in eine lange, hakig 
gekrümmte Spitze verschmälert; Blüthen gehuschelt, fast sitzend, in lockeren 
Trauben, Trauben in eine endständige lockere Rispe zusammengestellt; Deck- 
blätter schmallanzettlich, sichelförmig, dicht drüsenhaarig; Kelch dicht stern- 
und drüsenhaarig, fast bis zum Grunde in eilanzettliche, lang zugespitzte Zipfel 
getheilt; die zwei längeren Staubfäden in der unteren Hälfte roth- 
wollig, die drei kürzeren kahl; Kapsel unbekannt. 

V. meteoricum Hausskn. in Mitth. d. Thür. bot. Ver., X, p. 163. 

Stengel 60 m hoch; untere Blätter 20 cm lang, nur 5 — 10 mm breit; 
Blüthenbüschel 2— Sblüthig; Kelch 5 mm lang; Blumenkrone 20 mm breit, gelb, 
durchscheinend punktirt. Habe keine Exemplare gesehen. Durch den Mangel 
der Wolle an den drei kürzeren Staubfäden eine ganz exceptionelle Art. 

Auf grasigen Hügeln beim Kloster Hagios Stephanos oberhalb Kalabaka 
in Thessalien in Gesellschaft von F. gloeotrichum. Juli. O 

o o Untere Blätter gestielt, am Grunde herzförmig oder abge- 
rundet. 

34. F. thyrsoideum Host. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, 
zerstreut sternhaarig oder dünnfilzig; Blätter ungleich gekerbt, oberseits grün, 
unterseits ziemlich dichtfilzig, die unteren lang gestielt, eiförmig oder eilänglich, 
die oberen kürzer gestielt oder mit abgerundetem Grunde sitzend; Blüthen ge- 
büschelt, in lockeren Trauben, Trauben in eine endständige Elspe zusammen- 
gestellt; Blüthenstiele so lang oder länger als der Kelch; Kelch filzig, fast bis 
zum Grunde in lanzettliche Zipfel getheilt; alle fünf Staubfäden dicht purpur- 
wollig; Kapsel ellipsoidisch, filzig, länger als der Kelch. 

V. thyrsoideum Host., Fl. austr., I, p. 289. — V. nigrum Mazz. in Ant. 
ion., V, p. 212; Boiss., Fl. or., IV, p. 328; Hausskn. in Mitth. d. Thür. bot. 
Ver., X, p. 162. — V. Chaixi Hai. in Denkschr. der mathem.-naturw. Cl. der kais. 
Akad. der Wissensch, in Wien, Bd. LXI, p. 249 und 480. — V. hanaticum Form, 
in Deutsche botan. Monatschr., IX, p. 25 und in Verh. d. nat. Ver. Brünn, XXXIII, 
p. 34 Sep. 

Exsicc: Sint., Iter Thessal., Nr. 925. 

Stengel 60 cm bis 1 m hoch, oberwärts kantig ; untere Blätter bis 25 cm 
lang und 15 cm breit, mit gleichlangen Stielen; Kelch 2 mm lang; Blumenkrone 
dunkelgelb, am Grunde oft violett, 10—15 mm breit. Von V. nigrum L., dem 
es zunächst verwandt ist, durch die reichästige Inflorescenz und den dichteren 
Filz der Blattunterseite verschieden. F. Chaixi Vill. und F. hanaticum haben 
stielrundliche Stengel, kürzere Blüthenstiele und am Grunde eingeschnittene und 
dadurch fast leierförmige Blätter. 

An felsigen, buschigen Stellen der Bergregion, selten. Auf Korfu: bei 
Govino (Mazziari); in Epirus: im Thale des Dipotamos (Formänek), bei Kalar- 
rytes und Chaliki (Haläcsy); in Thessalien: bei Kastania, Malakasi (Formänek), \ 
Tsungeri, Kodri, Neuropolis (Haussknecht), Korona (Heldreich); in Achaia: ! 
auf der Kjllene bei Flamburitza nächst Trikala (Orphanides). Juni, Juli. Q 



Die bisher bekannten Verbascicm- Arten Griechenlands. 



145 



? 31.x 35. V, mallop7iorti7H X thyrsoidetim. Ein muthmasslicher 
Bastard dieser Arten. Stengel steif aufrecht, bald verkahlend; Blätter unterseits 
graufilzig, oberseits wenig behaart, die unteren gross, gestielt, eilänglich, ungleich 
grob gekerbt, die oberen viel kleiner, eirundlich, kurz zugespitzt, mit herzförmigem 
Grunde sitzend; Blüthen gebüschelt, in lockeren Trauben, Trauben in endständiger, 
steif aufrechter Rispe; Blüthenstiele länger als der flockig filzige, bis zum Grunde 
in lineale Zipfel getheilte Kelch; Wolle der Staubfäden purpurn. 

V. hypoleucum (nigrum X ? mallophorum) Boiss. et Heldr., Diagn. pl. or., 
Ser. II, Fase. 3, p. 147. — V. hypophyllum (nigrum X ? sinuatum) Boiss., Fl. or., 
IV, p. 329. 

Stengel kräftig, dick; Spreite der Grundblätter 15 — 20 cm lang, 10 — 18 cm 
breit; Blüthen klein. Boissier und Heldreich nahmen anfänglich die Combi- 
nation mit F. mallophorum als wahrscheinlich an, während Boissier nachträglich 
eine solche mit F. sinuatum muthmasst. Mir scheint erstere Annahme mehr 
Berechtigung zu haben, weil F. hypoleucum einen robusten Stengel hat und 
gerade diese Eigenschaft auch das F. mallophorum von der Kyllene besitzt. 

In schattigen Schluchten der Tannenregion auf der Kyllene im Feloponnes 
(1300 m). 

ß. Kapsel cylindrisch, 3 — 5 mal länger als der Kelch; Blumenkrone 
kahl. 

35. V. graecum Heldr. et Sart. Wurzel spindelig-ästig; Stengel auf- 
recht, am beblätterten Grunde flockig filzig, oberwärts kahl, glänzend; Blätter 
beiderseits dicht weissfilzig, die unteren länglich oder verkehrt eilänglich, in den 
Stiel verschmälert, ganzrandig oder randschweifig, öfters wellenrandig, die stengel- 
ständigen länglich oder eiförmig, sitzend; Blüthen zu 4 — 5 gebüschelt in lockeren 
Trauben, Trauben in eine endständige Rispe zusammengestellt, Rispenäste kahl 
oder dünn kurzfilzig; Blüthenstiele so' lang oder länger als der Kelch; Kelch 
flockig bis fast kahl, fast bis zum Grunde in lineale Zipfel getheilt; alle fünf 
Staubfäden dicht weisswoUig. 

F. graecum Heldr. et Sart. in Boiss., Diagn. pl. or., Ser. II, Fase. 3, 
p. 148; Boiss., Fl. or., IV, p. 336; Hai. in Verh. der zool.-bot. Gesellsch. in Wien, 
1888, p. 760. 

Exsicc: Orph., Fl. gr. exs., p. 371. 

Stengel 50 — 70 cm hoch. Grundblätter im Zuschnitt und in der Grösse 
sehr variirend, bis 30 cm lang; Kelch 1*5 — 2 5 mm lang; Blumenkrone 15 bis 
20 mm breit, sattgelb. Kapsel verkahlend, 6—8 mm lang. Durch die dicht weiss- 
filzigen Grundblätter und die im Gegensatze hiezu sehr gering bekleidete Rispe 
und die langen Kapseln sehr auffällige Art. — Aendert ab: 

ß. aetolicum Boiss. Blätter grösser, dünnfilzig, fast grün. Kapseln 
etwas grösser. 

F. graecum ß. aetolicum Boiss., Fl. or., IV, p. 336; Hausskn. in Mitth. 
d. Thür. bot. Ver., X, p. 162. 

19* 



146 



E. V, Halacsy. 



y. Zuccarinii Boiss., 1. e. Grundblätter stumpfer, spatelig-verkehrt 
eiförmig; Blüthen einzeln oder zu zwei; Kelchzipfel kürzer, stumpflich. 
Celsia tomentosa Zucc, PL nov., 2, p. 22. 

Steinige, buschige Plätze, bis in die Tannenregion der Gebirge herauf- 
steigend. Am Parnes (Held reich), bei Rachova am Parnass (Halacsy), bei 
AmphLssa mit elliptischen, am Grunde abgerundeten Rosettenblättern (Halacsy), 
am Pelion mit stärkerer Bekleidung der Rispe und grösseren Blumenkronen und 
am Olymp (Sintenis); bei Platanos auf dem Malevo (Orphanides). Die var. /3. 
auf dem Arapokephala in Aetolien (Samaritani); die var. y. bei Zeitun in 
Thessalien (Berger). Bei hinlänglichem Materiale die Pflanze des einen oder 
anderen Standortes wahrscheinlich als eigene Art abzutrennen. Juni. O 

III. Grriippe. Blattaria ßchb., 1. c. 

a. Blumenkrone gelb; Antheren der zwei längeren Staubblätter 
herablaufend. 

36. F. blattaria L. Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, kahl, 
nur in der Traube flaumig und zerstreut kurz drüsenhaarig; Blätter kahl, die 
unteren länglich oder länglich-verkehrt eiförmig, stumpf, buchtig fiederspaltig, 
in den Blattstiel verschmälert, die oberen länglich, spitz, ungleich grob gezähnt, 
halbumfassend sitzend; Blüthen einzeln in einer endständigen Traube, Traube 
verlängert, locker, einfach oder am Grunde ästig; Deckblätter lanzettlich; Blüthen- 
stiele 2— 3 mal länger als der Kelch; Kelch drüsenhaarig, fast bis zum Grunde 
in lanzettliche Zipfel getheilt; alle fünf Staubfäden purpurwollig; Kapsel kugelig, 
länger als der Kelch. 

V. blattaria L., Spec. pl., p. 178; Sibth. et Sm., Pr. fl. gr., I, p. 151; 
Pieri, Fl. Gore, p. 31; Mazz. in Antol. ion., V, p. 212; Chaub. et.Bory in 
Exp. sc. Mor., III, 2, p. 73, Fl. Pelop., p. 15; Marg. et Reut., Fl. Zante, p. 70; 
Boiss., Fl. or., IV, p. 308; Heldr., Fl. Kephal., p. 55; Gelmi in Nuovo giorn. 
bot. ital., XXI, p. 450; Form, in Deutsche botan. Monatsschr., IX, p. 26 Sep., in 
Verh. d. nat. Ver. Brünn, XXXIII, p. 33, XXXIV, p. 62 und XXXV, p. 46 Sep.; 
Hai. in Denkschr. der mathem.-naturw. Gl. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, 
Bd. LXI, p. 248; Hausskn. in Mitth. d. Thür. bot. Ver., X, p. 160. 

Stengel 50 cm bis l*5mhoch, schlank; Blumenkrone kahl, 25— 30 wm 
breit; Kapsel erbsengross. — Aendert ab: 

ß. hlattariforme (Griseb.). Blüthenstiele 4 — 5 mal länger als der Kelch; 
Deckblätter meist kleiner, schmäler. Durch Uebergänge mit der Stammform 
verbunden. 

V. hlattariforme Griseb. in Wiegm. et Er., Arch., XVIII, p. 321; Hausskn. 
in Mitth. d. Thür. bot. Ver., X, p. 160. — V. repandum Griseb., Spie. fl. rum. et 
bith., II, p. 41; Oster m. in Verh. -der zool.-bot. Gesellsch. in Wien, 1887, p. 665, 
nicht Willd., Enum., p. 226, welches sehr kurze Blüthenstiele hat. — ? F. visci- 
dulum Mazz. in Antol. ion., V, p. 212, non Pers., Syn. pl., I, p. 215. 



Die bisher bekannten Verbascum -Arten Griechenlands. 



147 



An sonnigen, buschigen Stellen der Ebene und der Bergregion. Verbreitet 
in Epirus und Thessalien, südlich bis Laraia (Formanek) und dem Parnasse 
(Heldreicb); auf Euboea: bei Kastaniotissa (Heldreich), Steni (Pichler); im 
Peloponnes: bei Sparta, Zarnate, Koubeh, an dem Pamisus, bei Neamessini, 
Methone (Chaubard et Bory); auf Kephalonien, Zante, Korfu. Mai, Juni. Q 

5. X 36. F. Sartorii X hlattaria. Von ersterem durch dünnere Stengel, 
schwächere, zum Theile drüsige Bekleidung und lang gestielte, viel kleinere 
Blüthen ; von letzterem durch kräftigeren Wuchs, kurzhaarige Stengel und Blätter, 
etwas herablaufende Stengelblätter, genäherte Blüthen und viel kürzere Blüthen- 
stiele; von beiden durch unregelmässig buchtig gekerbte Blätter, 1— Sblüthige 
Blüthenbüschel und blassröthliche Wolle der Staubfäden verschieden. 

V. hlattaria X Sartorii (V. pseudoflagri forme) Hausskn. in Mitth. d, Thür, 
bot. Ver., X, p. 164. — V. hlattaria Xphlomoides (V. flagriforme) Hausskn., 1. c, 
V, p. 71, non Pfund. — V. hlattariforme X Sartorii (V. parallelum) Rctusukn., 
1. c, X, p. 165. 

Exsicc. : Hausskn., Iter gr. a. 1885. 

Unter den Stammeltern bei Karditza in Thessalien (Haussknecht). 

23. X 36. F. acutifolimn X hlattaria. In der Tracht bald der einen, 
bald der anderen Stammart näherstehend. Von F. acutifolium durch beiderseits 
grüne, nicht filzige, fein oder auch grob gekerbte Blätter, meist wenigerblüthige 
Büschel, längere Blüthenstiele, drüsenhaarigen Blüthenstand und purpurne Wolle 
der Staubfäden; von F. hlattaria durch nicht buchtig fiederspaltige, beiderseits 
kurzhaarige Blätter, gebüschelte, verhältnissmässig sehr kurz gestielte Blüthen 
und nierenförmige Antheren verschieden. Kapseln taub. 

F. macilentum (pulverulentum X hlattaria) Hai. in Denkschr. der mathem.- 
naturw. Cl. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, Bd. LXI, p.248, non Pranchet. 
— F. petrophilum Hai. in sched. 

Auf steinigen, buschigen Grasplätzen der Bergregion bei Kaientini in Epirus 
unter den Stammeltern nicht selten (Haläcsy). 

h. Blumenkrone violett; Antheren alle nierenförmig. 

37. V, phoeniceiim L, Wurzel spindelig-ästig; Stengel aufrecht, flaumig, 
Traube drüsig-flaumig; Blätter randsch weifig oder grob gekerbt, oberseits ziemlich 
kahl, unterseits flaumig, die unteren eiförmig oder elliptisch, stumpflich, am 
Grunde abgerundet oder kurz in den Stiel verschmälert, die oberen eilänglich 
oder länglich, spitz, an Grösse sehr abnehmend; Blüthen einzeln in einer end- 
ständigen Traube, Traube drüsig-flaumig, verlängert, locker, einfach; Deckblätter 
lineallanzettlich ; Blüthenstiele 2 — 3 mal länger als der Kelch; Kelch drüsenhaarig, 
fast bis zum Grunde in elliptische, stumpfliche Zipfel getheilt; alle fünf Staub- 
fäden purpurwollig; Kapsel eiförmig, länger als der Kelch. 

F. phoeniceum L., Spec. pl., p. 178; Mazz. in Antol. ion., V, p. 212; 
Form, in Deutsche botan. Monatsschr., IX, p. 25 Sep. — F ferruginetim Andr., 
Bot. rep., Tab. 162. — F. triste Sibth. et Sm., Pr. fl. gr., I, p. 151. 



I 



148 



E. V. Halacsy. 



Stengel 30 — 80 cm hoch, nach oben zu der wenigen kleinen Blätter wegen 
fast nackt; Blumenkrone kahl, 25 ww breit. 

An sonnigen, buschigen Stellen, höchst selten. Auf Korfu (Pieri): bei 
Kasopo (Mazziari); in Thessalien: im Peneios-Thale bei Han Kuraneos (For- 
mänek). Mai, Juni. O 

IV. Gfruppe. Spinosa Boiss., 1. c. 

38. V, spinosum L. Niedriger Halbstrauch, Stamm vom Grunde an 
verzweigt, vielästig, Aeste ineinander verstrickt, beblättert, dünnfilzig wie die 
ganze Pflanze; Blätter klein, länglich, ganzrandig bis buchtig fiederspaltig, in den 
Stiel verschmälert; Blüthen einzeln, in einer kurzen, lockeren Rispe, Rispenäste 
sparrig, in einen Dorn auslaufend; Blüthenstiele so lang oder länger als der 
Kelch; Kelch fast bis zum Grunde in lanzettliche, sturapfliche Zipfel getheilt; 
alle fünf Staubfäden schmutzig gelbwollig; Kapsel länglich, zweimal so lang als 
der Kelch, dünnfilzig. 

V. spinosum L., Spec. pl., ed. 2, p. 254; Sibth. et Sm., Pr. fl. gr., I, p. 151, 
Fl. gr., III, p. 23, Tab. 229; Sieb., Reise, II, p. 318, Tab. 7, in „Flora", I, p. 275, 
in Avis, p. 3, Rem., p. 3; Raul., Descr. ile Grete, p. 820; Osterm. in Verh. der 
zool.-bot. Gesellsch. in Wien, 1890, p. 297; Bald, in Malpigh., IX, p. 80 Sep. 

Exsicc: Reverch., PI. de Grete, Nr. 118. 

Bildet etwa 25 — 50 cm hohe, dichte, stechende Rasen. Blumenkrone gelb, 
8 — 10 wm breit, aussen dünnfilzig. 

An steinigen, buschigen Plätzen niedriger und gebirgiger Gegenden, bis 
1300m. Endemisch in Kreta: auf den Bergen bei Lakkus (Reverchon), Dra- 
kona, Hagios Paulos (Raulin), auf der Hochebene Omalo (Baldacci), im Thal- 
kessel von Askyphos bis an die Baumgrenze am Hagios Theodoros. Juni, Juli, fl 



Zweifelhafte, unvollkommen beschriebene Art: 
F. limnense Fraas, Fl. class., p. 191. 
Bei Limni in Nord-Euboea (Fraas). 



Register. 







Seite 




Seite 


Celsia tomentosa Zucc 


146 




143 


V. 


acutifolium Hai 


136 


„ ambracicum Hai 


126 


n 


acutifolium X blattaria . . 


147 




137 


n 


Adeliae Heldr 


141 


„ auriculatum Sibth. et Sm. 


. 137 


» 




130 




123 




aetolicum Boiss 


145 


„ hanaticum Form 


144 




agrimoniodes Deg. et Borb. . 


130 




. 146 



Die bisher bekannten Verbascum -Arten Griechenlands, 



149 







Seite 






Seite 


V. blattaria X phlomoides Hsskn. 


147 


V. 




122 


n 


hlattariforme Griseb. . . . 


146 




malacotrichum Boiss. et Heldr. 


126 


V 


hlattariformc X Sartorü 






mallophorum Boiss. et Heldr. 


142 






147 


■55 


mallophorum X thyrsoideum . 


145 


V 


Boerhavii L 


134 


»5 




137 


n 




133 


55 


meteoricum Hausskn. . . . 


143 


n 




137 






138 


n 


Chaixi Hai 


144 


5) 


mucronatum Lani 


137 


n 


coenohitarum Hsskn. et Heldr. 


125 




nigrum Aut 


144 


« 


delphicum Boiss. et Heldr. 


136 


55 


nigrum X pulverulentum 








140 






139 






134 


55 


nigrum X sinuatum Boiss. 


145 


» 


densiflorum Bert 


122 




paradoxum Hausskn. . . . 


133 




dervichorum Hausskn. et Heldr. 


141 


»5 


parallelum Hausskn. . . . 


147 


V 


epirotum Hai 


129 


55 




131 




epixanthinum Boiss. et Heldr. 


127 


55 


permixtum Hai 


139 


n 


erraticum Hausskn 


133 






135 


n 


ferrugineum Andr 


147 


55 


petrophilum Hai 


147 


n 


flagriforme Hausskn. . . . 


147 




phalereum Hausskn. . . . 


134 


n 


floccosum W. et K 


138 


55 




123 




floccosum' X phlomoides Hkn. 


125 




phlomoides X rigidum Hsskn. 


124 




floccosum X sinuatum Form. . 


143 




phlomoides X sinuatum Hsskn. 


125 




foetidum Boiss. et Heldr. . . 


127 






147 


« 


gloeotrichum Hsskn. et Heldr. 


134 




pindicolum Freyn et Sint. 


129 


n 


graecum Heldr. et Sart. . . 


145 




pinnatifidum Vahl .... 


133 


r 


Guicciardii Boiss. et Heldr. . 


125 




pinnatifidum X plicatum 




r 


Guicciardii X sinuatum Hai. 


126 




Hausskn 


133 


» 


HaussTcnechtii Heldr. . . . 


139 


55 


pinnatifidum X sinuatum 






Haussknechtii X sinuatum 






Hausskn 


134 




Hausskn 


143 


55 


plicatum Sibth. et Sm. . . . 


132 


r 


Heldreichii Boiss 


139 




plicatum X sinuatum Hausskn. 


133 




Meldreichii X phlomoides 




55 


pseudo flagriforme Hausskn. . 


147 




Hausskn 


125 




pseudosinuatmn Hausskn. 


125 




Heldreichii X sinuatum Hsskn. 


143 




pulverulentum Hai 


136 






143 






138 




hypoleucum Boiss. et Heldr. . 


145 




pulverulentum Xhlattaria Hai. 


147 


n 




145 




pulverulentum X Heldreichii 




r 


integrifolium Hausskn. . . 


141 




Hausskn 


138 




leucophyllum Griseb. . . . 


141 


55 


pulverulentum X sinuatum 


143 


n 




148 


55 


pulverulentum X thyrsoideum 


139 


V 


lychnitis L 


139 




JReiseri Ha] 


132 


n 


macilentum Hai 


147 




repandum Griseb 


146 


n 






55 


rigidum Boiss. et Heldr. . . 


132 



150 



E. V. Haläcsy. Die bisher bekannten Verbasctim- Arten Griechenlands. 



Seite 



V. rigidum X HaussTcnechtü 

Hausskn. et Heldr. . . . 140 

„ Samaritanii Hai. . . . . 131 

„ Samaritanii Hausskn. . . . 129 

„ Samaritanii Heldr 128 

„ Sartorii Boiss. et Heldr. . . 124 

„ Sartorii X hlattaria Hausskn. 147 

„ Sartorii X Heldreichii Hsskn. 125 
„ Sartorii X pulverulentum 

Hausskn 124 

„ Sartorii X rigidum Hausskn. 124 

„ Sartorii X sinuatum Hausskn. 125 

„ semirigidum Hausskn. . . . 124 

„ Schraderi Mey 122 

„ sinuatum L 142 

„ speciosum Schrad 137 



Seite 

V. spinosum L 148 

„ sterile Hausskn 139 

„ subphlomoides Hausskn. . . 125 

„ taygeteum Hai 128 

„ thapsiforme Boiss 123 

„ thapsiforme Schrad 122 

„ thapsus L 121 

„ thessalum Hausskn 143 

„ thyrsoideum Host . . . . 144 

„ triste Sibth. et Sm 147 

„ tymphaeum Freyn et Sint. . 135 

„ undulatum Lam 132 

„ undulatum Pieri 143 

„ undulatum X pinnatifidum . 133 

„ undulatum X sinuatum . . 133 

„ Zuccarinii Boiss 146 



Ein Beitrag zur Gesehlechtsmetamorphose. 

(Vorläufige Mittheilung.) 

Von 

Dr. J. Fl. Babor 

in Prag. 

(Eingelaufen am 14. Jänner 1898.) 

Im Jahre 1861 hat Ed.Claparede den Terminus „successiver Hermaphro- 
ditismus" für diejenige Zwittrigkeit eingeführt, welche durch IJngleichzeitigkeit 
in der Reife beider Geschlechtsproducte in der Gonade gekennzeichnet wird. 
Seitdem sind von dieser Succession der Geschlechter in allen Thiergruppen, wo 
überhaupt Hermaphroditen^) angetroffen werden, von Spongien bis zu Fischen, 
sehr zahlreiche Fälle bekannt geworden, ja es scheint jetzt, dass simultane Reifung 
der Eier und Spermatozoon nur für einen geringen Theil aller Hermaphroditen 
gilt; die Nacheinanderfolge^) der beiden Geschlechter ist bekanntlich bei der Mehr- 
zahl der betreffenden Thiere die Proterandrie, wogegen die Proterogynie nur 
selten vorkommt {Salpa nach Krohn, Korscheit, Heider; einige Nackt- 



*) Gleichviel, ob es sich um obligatorische oder facultative Zwitter handelt ; von teratologischen 
Hermaphroditen sehen wir in der vorliegenden TJebersicht ab. 

-) Eine übersichtliche Zusammenstellung diesbezüglicher Beobachtungen verdanken wir 
Montgomery (1895) und Wheeler (1896). 



Ein Beitrag zur Geschlcchtsraetaraorphose. 



151 



Schnecken), ebenso wie es auch im Pflanzenreiche der Fall ist. Jedoch die Suc- 
cession der Geschlechter in der Gonade (histologisch gemeint) kann bei einigen 
Thieren, die gleich genannt werden, auch über das hermaphroditische Stadium 
hinausgehen und daher zur zweiten Eingeschlechtliehkeit desselben Individuums 
führen, so dass wir folgende drei Phasen dann unterscheiden müssen: 1. die 
erste Eingeschlechtliehkeit (bei proterandrischen Formen (^), 2. die Zwittrigkeit, 
3. die zweite Eingeschlechtliehkeit (bei proterandrischen Formen also 9); diese 
Erscheinung habe ich (1894) an einigen Nacktschnecken festgestellt und als „Cyclus 
der Geschlechtsentwickelung" bezeichnet. Alle Fälle von diesem Cyclus, die bis 
jetzt bekannt wurden, sind: 1. Cymothoiden, Paul Meyer in Neapel, 1879; 
2. Apus, Bernard, 1891 und 1896 (? ob auch bei Cirrhipeden); 3. Stichostemma, 
Montgomery, 1895; 4. Myzostomen, Wheeler, 1895 und 1896; 5. Myxine, 
Vogt et Yung, 1894 (die früher schon von Cummingham und Nansen als 
proterandrischer Hermaphrodit erkannt worden ist). Da ich mich aber neulich 
habe überzeugen können, dass (bei Limax maximus) der Geschlechtswechsel mit 
diesen drei Stadien nicht abgeschlossen sein muss, sondern, dass unter Umständen 
die Succession des Sexus noch weiter schreiten kann (also beim proterogynischen 
Limax maximus: 

9-^'~^ ~^-9), so will ich dem möglichst indifferenten 
Terminus von Wheeler „Dichogamie" (ursprünglich in der Botanik, von 
Sprengel gebraucht) vor meinem „Cyclus" im Allgemeinen Vorhand geben. 
Kurzum, es gibt zahlreiche Thiere (auch unter den Vertebraten finden wir Ver- 
treter), deren Gonade histologisch als „successive hermaphroditisch" oder „dicho- 
gamisch" zu bezeichnen ist, d. h. ihre Gonade liefert beiderlei Geschlechts- 
elemente nacheinander, also in zeitlich getrennten Perioden. Ab und zu werden 
ausnahmsweise bei getrenntgeschlechtlichen Thieren in der Gonade zufällig 
vereinzelte Elemente des anderen Sexus vorgefunden, die möglicher Weise als 
Reminiscenz auf ursprünglichen Hermaphroditismus der betreffenden Thier- 
gruppen aufzufassen sind [Wirbelthiere ^)], oder in anderen Gruppen, die aus- 
gesprochen gonochoi-istisch sind, auf einen beginnenden Hermaphroditismus hin- 
deuten (Prosobranchiaten wenigstens, vielleicht alle Weich thierclassen, Pelseneer). 
Als einheitliches Resultat dieser Betrachtung könnten wir also generalisirend 
die Fähigkeit des indifferenten Keimepithels, beiderlei Geschlechts- 
zellen nacheinander zu liefern, hervorheben. 

Weiter sei uns gestattet, hier auf die bekannte Abhängigkeit der acces- 
^ sorischen Geschlechtsdrüsen vom jeweiligen Zustand der Gonade die Aufmerksam- 
[ keit zu lenken. Es handelt sich uns nämlich um die sog. senile Prostatahypertrophie 
! vom Menschen, d.i. um einen Versuch, ihre Aetiologie und Pathogenesis (sit venia 
verbo) zu finden, oder wenigstens einige klinische Erfahrungen darüber mit 
biologischen That Sachen in Zusammenklang zu bringen. Durch zahlreiche Ver- 
suche, die neuerlich von Griffiths angebahnt wurden, ist es zweifellos erwiesen. 



Es sei da an die ^ Anlage der Gonade der Selachier (Semper), an das Weber 'sehe und 
I Syrski'sche Organ mancher Teleostier, an das Bidder'sche Organ der Kröten und an die üreier 
neben Zellsträngen in fötalen (auch Menschen-) Hoden (Semen, Janosik, S. Minot u. A.) erinnert, 
Z, B. Ges. Bd. XLVIII. 20 



152 



J. Fl. Babor. 



dass zwischen der Prostata der Säuger und ihrem Hoden eine Correlation be- 
steht, nach welcher der active Zustand des Hodens immer den activen Zustand 
der Vorstehdrüse bedingt (anatomisch als auch functionell gedacht). Zu diesem 
unumstösslichen factischen Sachverhalt steht die senile Hypertrophie der Pro- 
stata als normale physiologische Erscheinung (als ein Attribut des hohen Alters 
bei sonst gesunden Männern) in schroffem Widerspruch: kein seniler Vor- 
gang trägt den Charakter einer Hypertrophie, und da finden wir eine ausge- 
sprochene Wucherung in einer accessorischen Geschlechtsdrüse bei Greisen, wo 
die Geschlechtsfunction schon erlöscht ist und der Hoden einer marantischen 
Atrophie verfällt; ein offenbarer Widerspruch, den bis jetzt keine pathologische 
Theorie (C asper, Lyon u. m.) zu beseitigen im Stande war und der durch die 
chirurgische Erfahrung, dass die hypertrophische Prostata nach der Castration 
sehr oft in prompter Weise kleiner wird, nur noch vergrössert wird.*) — Nun 
glaubte ich also in der oben besprochenen Erscheinung der Dichogamie in Ver- 
bindung mit diesen Erfahrungen über die Prostata (siehe auch die neueste 
Monographie der accessorischen Geschlechtsdrüsen von Disselhorst) einen 
Fingerzeig finden zu können, um theoretisch die senile Prostatahypertrophie auf 
eine erneute, zweite Production von Geschlechtszellen im Hoden zurückzuführen; 
hypothetisch könnte man entweder eine neue Spermatogenesis oder eine Wucherung 
von indifferentem Keimepithel, möglicher Weise auch Auftreten von weiblichen 
Elementen erwarten. Diese aprioristische Annahme hat sich dann durch that- 
sächliche Beobachtung bestätigt. Ich habe die beiden Hoden von einem 63jährigen 
kräftigen Mann, der an beginnender Prostatahypertrophie litt (an intercurrentem 
Lungenödem als Emphysematiker zufällig gestorben) untersuchen können und 
fand Folgendes: von verschiedenen Veränderungen an Blutgefässen und Capillaren- 
neubildung abgesehen, hat sich gezeigt: 1. hie und da normale Spermatogenesis 
mit reifen Spermatozoen; 2. verschiedenartige Degeneration im Epithel der 
Samencanälchen, wie solche bei sehr alten Männern, bei Castraten, bei natürlicher 
oder experimenteller Ischämie des Hodens beobachtet wurde (conf, Griffiths u. A.); 
3. eine Wucherung und Neubildung des indifferenten Keimepithels," 
die an geeigneten Stellen Bilder liefert, welche nicht an die Histo- 
genesis .der tubuli seminiferi, sondern vielmehr an die Pflüger- 
Valentin'schen Schläuche erinnert, Zellstränge wie im fötalen 
Ovarium aufweist und in der That auch hie und da, mitunter 
gruppenweise, Primordialeier mit Primitivfollikeln enthält. — Es 
handelt sich nicht um „TJreier" (= indifferente Urgeschlechtszellen) oder um die 
Germano'schen grossen Zellen im embryonalen Hoden, sondern um junge Eier 
in Follikeln, die denen im Ovarium neugeborener Mädchen ganz ähnlich aus- 
sehen; sie erinnern einigermassen an die „Säulenzellen" (columnar-cells) 
Griffith's (im Hoden der Greise), sind aber von einem deutlichen ein- 
schichtigen platten Follikelepithel (PrimärfoUikel) eingeschlossen. 

1) Der Kürze halber nehme ich da typische normale genuine Prostatahypertrophie ganz 
schematisch als Grundlage dieser Darstellung, also vorläufig ohne Berücksichtigung abnorm ver» 
laufender Fälle. 



Ein Beitrag zur Geschlechtsmetamorphose. 



153 



Demnach haben wir also, in Uebereinstimmung mit anatomischer und 
physiologischer Erfuhrung, auch für senile Prostatahypertrophie einen Zustand 
der Thätigkeit im Hoden als correlative causa moves festgestellt, und zwar kann 
derselbe auch beim Menschen, in Uebereinstimmung mit zoologischen (und bota- 
nischen) Thatsachen, als ein Ausdruck der Dichogamie der Gonade angesehen 
werden. 

Beiträge zur Kenntniss der Orthopteren -Fauna der 

Hercegovina. 

Von 

Dr. Franz Werner. 

(Eingelaufen am 4. Fehruar 1898.) 

Während meines Aufenthaltes in der Hercegovina im September des vorigen 
Jahres wandte ich nebst den Reptilien und Batrachiern, derentwegen ich die 
Reise hauptsächlich unternommen hatte, auch den Orthopteren mein Augenmerk 
zu und gebe in nachstehendem Verzeichniss den ersten Beitrag zur Kenntniss der 
Orthopteren der südlichen Hercegovina, dem ich, da ich meine Excursionen in 
die Hercegovina zu wiederholen gedenke, wohl noch weitere nachfolgen lassen kann. 

Für die Bestimmung einiger mir zweifelhafter Arten bin ich Herrn Hof- 
rath Dr. C. Brunner v. Wattenwyl zu grossem Danke verpflichtet. Die An- 
ordnung der aufgezählten Arten geschah nach seinem „Prodromus der europäischen 
Orthopteren". 

Blattodea. 

1. Ectohia Uvida Fabr. var. brevipennis Brunn. — Korito. 

2. Äphlebia brevipennis Fisch. — Korito. 

3. Ldboptera decipiens Germ. — Trebinje. 

Mantodea. 

4. Mantis religiosa L. 

In der ganzen Hercegovina häufig angetroffen, namentlich bei Trebinje, 
Korito und Mostar, überall auch vereinzelt die (hier sehr dunkle) braune Form. 
Auf dem Podvelez bei Mostar fing ich ein 9> welches sich an einem grossen 
Exemplar des hier häufigen Fapilio Machaon gütlich that. In Paarung traf ich 
sie nur einmal. 

5. Ameles decolor Charp. 

Nicht selten bei Trebinje. — Die Exemplare sind durchwegs einfarbig 
bräunlich, ebenso wie diejenigen, welche ich bei Ragusa (Ombla) und Budua fing 
und von Dr. K. C. Schneider aus Rovigno erhielt. 

20* 



154 



Franz Werner. 



Acridiodea. 

6. Tryxalis nasuta L. 

Nur bei Mostar, namentlich zwischen Mostar und Buna, auf einem ein- 
gezäunten Weideplatz an der Strasse gefunden, nicht aber bei Trebinje. 

7. Stenohothrus nifipes Zett. — Korito. 

8. Stenohothrus petraeus Bris. — Korito. 

9. Stenohothrus hicolor Charp. — Trebinje, 

10. Stenohothrus elegans Charp, — Korito, 

11. Stenohothrus dorsatus Zett. — Korito. 

Während ich von den übrigen Orthopteren wohl so ziemlich Alles sammelte, 
was mir unterkam, das Verzeichniss in dieser Beziehung demnach einen gewissen 
Grad von Vollständigkeit für die Jahreszeit beanspruchen darf, dürfte die Anzahl 
der Stenohothrus -Arten namentlich bei Korito eine wenigstens doppelt -^o grosse 
sein, als angeführt sind. Ich hoffe, dieses Versäumniss bei einer neuerlichen 
Reise einbringen zu können, 

12. Stethophyma hrevipenne Br. 

Ein typisches 9 bei Korito gefangen. 

13. Epacromia strepens Latr. 

Nicht selten bei Trebinje, sowohl Exemplare mit einfarbig rothbraunem, 
als auch (seltener) in der Mittellinie mit einem gelben Längsstreifen gezierten 
Pronotum. 

14. Oedipoda miniata Fall. 

Gemein bei Trebinje, Bilek, Plana, Korito und Mostar. Von Puschnig 
bereits für die Hercegovina erwähnt (Mostar, Bunaquelle). 

15. Oedipoda coerulescens L. 

Nur bei Korito und Mostar gefunden, aber wohl in der ganzen Hercego- 
vina neben der Vorigen. 

16. Äcridium aegyptium L. 

Einzeln bei Bilek. Sehr häufig auf dem Podvelez bei Mostar auf Granat- 
apfelsträuchern, wo ich in den Morgen- und Nachmittagsstunden die halb- 
erfrorenen Thiere ohne Mühe von den Zweigen ablösen konnte. Bei der sonst 
grossen Vorsicht dieser stattlichen Heuschrecken war mir die durch die Kälte 
gebotene Möglichkeit, zahlreiche schöne und grosse Exemplare zu sammeln, sehr 
angenehm. Um die Mittagszeit war es nicht möglich, sich den Thieren mehr als 
auf 2 m Entfernung zu nähern. Alle waren tief dunkel graubraun, wie die von 
dem kleinen Eiland S. Nicolo bei Budua in Dalmatien, während die von Budua 
selbst stammenden Exemplare hell gefärbt waren. 

17. Pezotettix mendax Fisch. 

Ich fing einige und 9 dieser schön grün gefärbten Art auf Haselnuss- 
büschen bei Korito. 

18. Platyphyma Giornae Rossi. 

Diese häufige dalmatinische Art ist auch in der Hercegovina weit verbreitet 
und besitze ich Exemplare aus Trebinje, Korito und Mostar (Podvekz). 

19. Tettix depressus Bris. — Ein einziges Exemplar bei Korito gefangen. 



Beiträge zur Kenntniss der Orthopteren-Fauua der Hercegovina. 



155 



Loeustodea. 

20. Acrometopa macropoda Burm. 

Ein 9 dieser schönen Art fing ich am Nachmittage des 18. September bei 
Korito auf einem Pistacienstrauche, 

21. Tylopsis liliifolia Fabr. 

Häufig in grüner und graubrauner Färbung bei Trebinje und Mostar im 
hohen Grase. 

22. Locusta viridissima L. — Ein 9 Korito gefangen. 

23. JRhacocleis discrepans Fieb. 

Nicht selten in niedrigem Eichengebüsch bei Trebinje und Korito. 

24. Änterastes Baymondi Yers. 

Ein einziges 9 ^ei Trebinje gefangen. 

25. Pachytrachelus striolatus Fieb. 

Nicht häufig in niedrigem Eichengebüsch bei Korito. 

26. Thamnotrizon Dalmaticus. Krauss. 

Häufig in niedrigem Eichengebüsch bei Korito bis gegen 1200 m, aber 
sonst nirgends angetrofi'en. Variirt sehr in der Färbung; ausser typischen Exem- 
plaren, die dem Th. apterus Fabr. einigermassen ähneln, findet man vereinzelt 
auch solche von fast gelblichweisser Färbung mit bräunlichen Seiten, und zwei 
besitzen eine schmale helle, beiderseits breit dunkelbraun geränderte Längs- 
mittellinie vom Kopfgipfel bis zum Hinterrand des Pronotum; das eine besitzt 
sogar drei helle Längslinien auf dem Kopfe, ein 9 einen nahezu weissen Kopf 
mit dunklem Streifen von der Fühlerbasis zum Auge und hinter demselben. 
Etwas variabel ist auch die Länge des hinteren Fortsatzes des Pronotums, sowie 
die Länge und Form der Legescheide des 9- 

27. Platycleis grisea Fabr. 

Nicht selten bei Trebinje und Bilek. 

28. Platycleis intermedia Serv. 

Ein 9 "f^^^ Mostar (Podvelez); bedeutend kleiner als die auf dem Eilande 
S. Nicola bei Budua vorkommenden Exemplare. 

29. Platycleis modesta Fieb. 

Bei Korito nicht selten; auch bei Mostar. 

30. Ephippigera sphacophila Krauss. 

Diese in Dalmatien anscheinend häufige Art traf ich nur bei Korito auf 
Pistacien- und Eichengesträuch in wenigen Exemplaren, und 9- Hinterkopf 
blutroth, wie ein Granat glänzend, Färbung der Oberseite des fast violett. 
— Von Pu sehnig bei Mostar (Bunaquelle) gefangen. 

Gryllodea. 

31. Oecanthus pellucens Scop. 

In der ganzen Hercegovina nicht selten. 

32. GryUomorphus Dalmatinus Ocsk. 
Bei Trebinje und Mostar. 



156 F. Weruer. Beiträge zur Kenntniss der Ortbopteren-Fauna der Hercegovina. 



Merkwürdig war mir das Fehlen der beiden im südlichen Dalmatien so 
häufigen Acridier Caloptenus italicus (bei Budua, auf dem Eiland S. Nicolo in 
riesigen Exemplaren gefangen) und Äcrotylus insuhricus (bei Budua enorm häufig). 
Dass Ameles und Tryxalis sich nicht weiter in die Hercegovina hineinwagen, 
erscheint mir bei dem rauhen Klima der inneren Hercegovina sehr erklärlich. 
Aehnliches finden wir auch bei den Reptilien. 



Referate. 

Scudder, Samuel H. Revision of the orthopteran group Melanopli 
(Acrididae), with special reference to north american forms. 
(From the Proceedings of the United States National Museum, Vol. XX.) 
Washington, 1897. 

Seit einer langen Reihe von Jahren beschäftigen sich die amerikanischen . 
Entomologen mit ihrer Orthopterenfauna durch Beschreibung einzelner Species. 
Allein es ist schwierig, aus diesen Beschreibungen Nutzen zu ziehen, indem die 
Systematik, welche von den europäischen Entomologen aufgestellt wurde, nicht 
berücksichtigt, sondern eine conventionelle Bezeichnung der Genera angewandt 
wird, welche mit der Definition, welche wir denselben geben, nicht übereinstimmt 
(z. B. Caloptenus, Acridium, Tryxalis, Becticus etc.). 

H. de Saussure hat in seinem „Prodrome des Oedipodiens" (Geneve, 1888) 
eine grosse Zahl der nordamerikanischen Oedipodiden, welche von Thomas u. A. 
beschrieben sind, systematisch geordnet, und beute liegt eine ähnliche Arbeit 
über die Melanopli, eine Gruppe aus der Zunft der Acrididae, von Sam. H. 
Scudder vor. 

Diese Gruppe gehört wesentlich der neuen Welt an und ist in Europa 
und Asien nur durch das Genus Pezotettix vertreten, welches wenige Species 
aufweist gegenüber der grossen Zahl der nordamerikanischen. Hier bilden die 
Melanopli einen wesentlichen Charakter der Fauna und spielen ungefähr die 
gleiche Rolle, wie bei uns die Stenobothri, verzweigen sich jedoch in eine viel 
grössere Menge von Species, welche zum Theil nothdürftig einzeln beschrieben 
wurden. 

Scudder unterzog sich der Mühe, alle diese Einzelbeschreibungen kritisch 
zu ordnen, was ihm nur allein durch das reiche Material, worüber er verfügte, 
möglich war. Den bereits beschriebenen fügte er eine grosse Zahl neuer Species bei. 

Mit vielem Erfolg verwendet er zur Classification die Form der männlichen 
Geschlechtsorgane und bildet dieselben in vorzüglichen Zeichnungen auf 26 Tafeln 
ab. Es werden 30 Genera und 231 Species beschrieben, und hiemit dürfte die 
betreffende Fauna ziemlich erschöpft sein. 

Diese fleissige und gewissenhafte Arbeit muss als eine mustergiltige Mono- 
graphie imd eine Zierde der orthopterologischen Literatur bezeichnet werden. 

Brunner. 



Referate. 



157 



Marsh, C. D. On the limnetic crustacea of Green Lake. (Trans, of the 
Wisconsin Acad. of sciences, Vol. XI, 1897, p. 179—224, Tab. V— XIV.) 

Die vom Verfasser behandelten Resultate stützen sich auf eine mehrere 
Jahre umfassende Reihe von Untersuchungen (seit August 1893). In einer 
Beschreibung des Untersuchungsgebietes wird der Green Lake zu den Dinobryon- 
Seen gerechnet, „and yet I have never found Dinobryon in it". Verfasser schlägt 
für die nordamerikanischen Seen eine Eintheilung in tiefe (wenn über 40 m tief) 
und seichte Seen vor, und bemerkt, dass die Faunen dieser zwei Classen in ihrem 
allgemeinen Charakter sehr distinct seien. Für die seichten Seen sei wenigstens in 
den Sommermonaten das Vorkommen chlorophyllführender Algen charakteristisch. 

Die folgenden Seiten bringen eine ausführliche Darstellung des vom Ver- 
fasser construirten Schliessnetzes, der Fang- und Zählmethode. Unter den unter- 
suchten Thieren nimmt der schon durch seine Häufigkeit und seine von den 
übrigen Copepoden leicht unterscheidbare Körperform ausgezeichnete Diaptomus 
die erste Stelle ein. Während die in Europa untersuchten Seen meist immer 
nur eine Speeles zu beherbergen scheinen, fand Verfasser im Green Lake den 
D. minutus und sicilis, deren abwechselnde Häufigkeit („Während des September 
und October war 1). minntus viel mehr häufig. Im September wurden von D. 
sicilis nur sehr wenige gefunden. Im October und November wuchs die relative 
Menge von D. sicilis, und in den Wintermonaten bestanden die Sammlungen fast 
ausschliesslich aus D. sicilis.^) zur muthmasslichen Annahme eines Saison- 
dimorphismus führte. 

Die Diaptomiden wurden in allen Tiefen gefunden, doch in den tieferen 
Schichten nur in geringerer Anzahl. Verfasser findet weder in den verschiedenen 
Jahreszeiten, ^) noch in den Tag- und Nachtfängen einen bedeutenden Unterschied 
(in Bezug auf die Quantität), so dass weder tägliche noch jährliche Wanderungen 
angenommen werden können. 

Bei der Besprechung der übrigen Copepoden und der untersuchten pela- 
gischen Cladoceren können wir uns kürzer fassen. 

Epischura meidet helles Licht, zieht warmes Wasser vor und zeigt sowohl 
jahreszeitliche als auch tägliche Wanderungen. 

Auch Limnocalanus meidet helles Licht und hohe Temperatur, weshalb 
seine täglichen verticalen Wanderungen im kalten Wasser ausgesprochener sind. 

Cyclops brevispinosus ist sehr zahlreich zwischen 5 und 20 m. Tag- und 
Nachtfänge gaben für ihn keine augenfälligen Unterschiede. 

Cyclops fluviatilis scheint keine täglichen verticalen Wanderungen zu 
unternehmen, doch konnte in Bezug auf sein Vorkommen in den verschiedenen 
Jahreszeiten eine Bevorzugung des wärmeren Wassers beobachtet werden. 

Leptodora ist ein ausgesprochenes Oberflächenthier, doch konnte kein ent- 
scheidender Beweis, der für eine tägliche Wanderung sprechen würde, erbracht werden. 



•) Da, wie wir gesehen, zwei Species im See vorkommen, die, wie Verfasser selbst sagt, sich 
nicht gleich verhalten, sind diese Angaben nur ganz allgemein für das Genus verwerthbar und lassen 
Specialuntersuchungen an den einzelnen Arten um so wünschenswerther erscheinen. 



158 



Referate. 



Bei Daphnia Kahlbergiensis wurde ein deutliches Aufsteigen gegen die 
oberflächlichen Wasserschichten zur Nachtzeit beobachtet. 

Bosmina (Verfasser führt in dieser Arbeit leider nicht die Species an) 
zeigt in ihrem Vorkommen quantitativ keine merklichen Verschiedenheiten in 
den verschiedenen Jahreszeiten. Ihre nachweisbaren täglichen Migrationen dagegen 
werden durch Phototaxis erklärt. 

Durch Meiden hellen Lichtes dagegen finden wiederum die täglichen 
Wanderungen der Daphnien ihre Erklärung. 

Auf Grund dieser Thatsachen sieht sich Verfasser genöthigt, entgegen seiner 
ursprünglichen, vorgefassten Meinung von einer gleichmässigen Bewegung der 
Crustaceen in ihrer Gesammtheit, bei den einzelnen Genus, bezw. Species ein 
verschiedenes Verhalten anzunehmen, das für die einzelnen Formen wie für die 
einzelnen Localitäten von Fall zu Fall genau ermittelt sein will. 

Winde scheinen auf die Vertheilung der Entomostracen keinen merklichen 
Einfluss zu haben. Die oben hervorgehobenen Ergebnisse der Untersuchungen 
stehen in Uebereinstimmung mit den Beobachtungen France 's und Birge's. 

Ein Schlusscapitel endlich ist der horizontalen Vertheilung der limnetischen 
Crustaceen gewidmet. Nach einer übersichtlichen Zusammenstellung des gegen- 
wärtigen Standes der Frage (Ansichten von Fric und Vävra, Imhof, Zacharias, 
Apstein, Eeighard, Ward) kommt Verfasser auf Grund seiner Untersuchungen 
zu dem Resultate, dass die Crustaceen des Green Lake keine gleichmässige 
horizontale Verbreitung erkennen lassen. 

Zum Schlüsse seiner sehr interessanten Ausführungen gibt Verfasser der 
He nsen 'sehen Zählmethode vor der einfachen volumetrischen Messung den Vorzug 
und fordert zu möglichst genauen und durch lange Zeit fortgesetzten Unter- 
suchungen auf, die allein im Stande sind, uns ein klares Bild von der Vertheilung 
der Organismen zu geben. Ad. Steuer. 

W, A. Herdman, J. C. Thompson and A. Scott. Ontheplankton collected 
continuously during two traverses of the North Atlantic in the 
Summer of 1897; with descriptions of new species of Copepoda; and an 
appendix on dredging in Puget Sound. (Trans. L'pool Biol. Soc, Vol. XII, 
Read Nov. 12ti»e 1897. PI. V-VIII.) 

Herdman benützte auf seiner Reise zum Sammeln des Plankton kein 
Netz, sondern verwendete die schon vor Jahren von Kräm^r^) im rothen Meere 
mit Erfolg in Anwendung gebrachte Pumpmethode, die ja überdies auch vor 
Kurzem von dem verstorbenen Frenzel für Süsswasser-Untersuchungen em- 
pfohlen wurde. Besonderes Interesse muss die nun auch von Herdman wieder 
hervorgehobene innige Beziehung der Strömungsverhältnisse zu der Vertheilung 
der Planktonorganismen erregen; Verfasser sagt p. 41 ungefähr; „Der Einfluss 
des Wechsels der Temperatur auf die Organismen war sehr bemerkbar, besonders 
im kalten Labradorstrom. . . . Hätten wir kein Thermometer gehabt und auch 



Ausserdem von J. Murray, wie Verfasser p. 82 anführt. 



Referate. 



159 



sonst unsere Position nicht bestimmen können, ich ghiube, es wäre durch die 
mikroskopischen Planktonuntersuchungen allein möglich gewesen, Gewissheit zu 
erlangen, ob wir uns im Labradorstrom befunden hätten oder nicht." 

Einem ausführlichen Verzeichnisse der einzelnen Fänge folgt eine Liste 
der von Thompson und Scott bestimmten Copepoden, unter denen sich auch 
drei neue Species finden, nämlich Eurythemora herdmani, Corynura discaudata 
und Acartia forcipata. Nicht unerwähnt darf bleiben, dass von dem bekannten, 
überall vorkommenden Cdlaniis fmmarchiciis die grössten Exemplare im Labrador- 
strom gefunden wurden und dass diese Form im südlicheren Theile des North 
Atlantic von C. propinquus und tonsus vertreten zu werden scheint. 

Endlich kommt Herdman auch auf das Capitel „Copepoden als Nahrungs- 
mittel" zu sprechen. Er findet die Thiere, über deren Zubereitung schon vor 
Zeiten der Prinz von Monaco berichtet, äusserst schmackhaft und empfiehlt den 
Fang derselben bei Unglücksfällen auf See (Hungersnoth bei Schiffbruch). 

Zum Schlüsse bringt Herdman ein Verzeichniss der im Puget Sound 
(Pacific coast) gesammelten Thiere, unter denen Pfieudoliehomolgus columhiae 
(n. gen., n. spec.) für die Wissenschaft neu ist. Ad. Steuer. 

Mattirolo, 0. II geuere Cerebella di Vincenzo Cesati. Eicerche intorno 
al suo sviluppo e alla sua sistemazione. (Memorie della R. Accademia d. sc. 
deir ist. di Bologna, Ser. V, Tom. VI, p. 663—684 [1897]. Con una tavola.) 
Cesati beschrieb 1851 einen &uf Ändropogon IscJiaemum vorkommenden 
Pilz als Cerebella Andropogonis. Die systematische Stellung dieses Pilzes war 
bisher sehr zweifelhaft. Manche Autoren stellten die Gattung zu den Ustilagineen. 
Nach den vorliegenden, sehr eingehenden üntersuchimgen des Verfassers, durch 
welche namentlich die Entwicklungsgeschichte des Pilzes genau festgestellt wurde, 
hat jedoch der Pilz mit den Ustilagineen nichts zu schaffen, sondern er gehört 
zu den „Hyphomyceten", und zwar Tubercularieen im Sinne Saccardo's. — 
Die zweite, von Cooke und Massee 1887 beschriebene Art, Cerebella Paspali, 
dürfte nach dem Verfasser von Cerebella Andropogonis kaum specifisch ver- 
schieden sein. Fritsch. 

Rothschild, Hartert und Kleinschmidt. „Comatibis eremita L., a Euro- 
pean Bird." (Novitates zoologiae, IV [1897], Nr. 3, p. 371—377, PI. VIII, 
IX, X.) 

Nach den gemeinschaftlichen Studien der genannten Forscher stellt es sich 
heraus, dass die jetzt Comatibis eremita L. genannte Ibis-Art unter die Vertreter 
der europäischen Ornis aufzunehmen sei, da dieselbe, wenngleich sie heute nicht 
mehr in unserem Welttheile vorkommt, in früheren Zeiten in den Alpengegenden, 
insbesondere in der Schweiz Brutvogel war. Klein schmidt fand zunächst in 
Bechstein's „Gemeinnütziger Naturgeschichte Deutschlands" (1791) die Beschrei- 
bung und Abbildung eines Vogels, der Walrabe genannt war. Weiter ergab 
sich, dass bereits der alte Gesner in seinem „Vogelbuche" den Waldrapp oder 
Steinrapp abbildet und schildert, einen Vogel, der in den Wäldern lebte und 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 21 



160 



Eeferate. 



auf hohen Felsen und Schlossthürmen brütete, und zwar in den Gebirgen von 
Baiern, Steiermark (Klausrapp) und am Lago Maggiore (Meerrapp). Sein Fleisch 
war nach Gesner schmackhaft, seiner Stimme wegen wird er ein „Scheller" 
genannt und „er gwünt ein Glatz in seinem Alter"; von Gestalt glich er einer 
Henne, er war schwarz mit grünem Schimmer, am Nacken hatte er einen Schopf, 
der Schnabel war lang und roth; der Vogel lebte von Heuschrecken, Grillen, 
kleinen Fischen, Fröschen und besonders auch Maikäferlarven. Er legte zwei bis 
drei Eier, hatte einen sehr hohen Flug, kam zeitlich im Frühjahre und zog 
schon im Juni wieder fort. Man nahm ihm gerne seine Jungen, indem man sich 
an Seilen zu seinen Felsennestern herabliess. Das waren in Kürze die Angaben 
Gesner 's. Später reproducirte Aldrovandus die Beschreibung Gesner 's und 
begleitete dieselbe gleichfalls mit einer Abbildung eines aus lUyrien stammenden 
Exemplares unter der Bezeichnung „Phalocrocorax ex Illyrio missus". Linne 
führt den Vogel (X. Ed., 1758) als Upupa eremita und (XII. Ed., 1766) als Corvus 
eremita auf. Noch eine Reihe älterer Autoren erwähnt des Vogels bis auf Be ch- 
stein, der ihn, wie bemerkt, zunächst auch als besondere Art unter dem Namen 
Waldrapp beschreibt, in der zweiten Auflage der „gemeinnützigen Natur- 
geschichte" aber die Ansicht ausspricht, dass Gesner mit dem Waldrapp den 
Corvus graculus, die Alpenkrähe, gemeint haben müsste. Darin hatte aber Bech- 
stein Unrecht, denn Gesner unterschied die Alpenkrähe ganz gut und erwähnt 
ihrer neben dem „Waldrapp". Bechstein's Ansicht bewirkte jedoch, dass man 
lange den Corvus eremita Linne's, den Waldrapp Gesner 's, für identisch 
mit der Alpenkrähe hielt und unbeachtet Hess. Man findet ihn seitdem nur als 
Synonym von Pyrrhocorax graculus angeführt. 

Hemprich und Ehrenberg entdeckten dann an der arabischen Küste 
einen Ibis, den sie Ibis comata nannten, welcher Name jedoch nicht publicirt 
wurde. Erst Eüppel schreibt über den Vogel und nennt ihn Comatibis comata 
(1850). Derselbe wurde dann weiters von Locke und Canon Tristram in Algier 
aufgefunden, ferner von Danford und C. Tristram am Euphrat. Was nun 
diese neueren Autoren über den Vogel berichten, stimmt ganz mit dem überein, 
was der alte Gesner von dem „Waldrapp" erzählt. Er brütet im Gegensatze 
zu den anderen Vertretern derselben Familie in wüsten Gebirgen zusammen mit 
Falken und Raben, auf Felsen und auf den Wällen der alten Saracenenburg von 
Birejk und nährt sich von Käfern, Heuschrecken und Reptilien; die Jungen haben 
einen ganz befiederten Kopf, erst im Alter erscheint er kahl, roth und gelb. 

Auch die alten Abbildungen des Waldrapp, Corvus sylvaticus, Phalacro- 
corax von Illyrien entsprechen dem Aussehen von Ihis comata der späteren 
Autoren (jetzt nach den neuen Regeln der Nomenclatur als Comatibis eremita L. 
zu bezeichnen), der demnach früher in Europa heimisch war, jedoch von da schon 
vor Ende des vorigen Jahrhunderts verschwunden ist. Dr. L. v. Lorenz. 

Prazäk, Dr. J. P. Materialien zu einer Ornis Ostgaliziens, (Journal 
für Ornithologie, XLV [1897], Heft III, S. 225—348 und Heft IV, S. 365 
bis 479.) (Fortsetzung folgt.) 



Referate. 



161 



Obwohl diese Arbeit noch lange nicht abgeschlossen ist, so können wir 
uns doch nicht enthalten, schon jetzt über sie zu berichten, da dieselbe bei vielen 
Fachgenossen, welche sie gelesen, sogleich grosses Aufsehen erregt hat und in 
der That verdient, bald weiter bekannt gemacht zu werden. Der Verfasser theilt 
in der Einleitung mit, dass sein Opus das Ergebniss „der" seit 1890 bis Sommer 
1896, meist in der Zeit vom April bis November, nach Ostgalizien unternommenen 
Excursionen sei. Die Anwendung des bestimmten Artikels zur Bezeichnung 
der Excursionen des Autors Hesse vermuthen, dass diese weltbekannt seien, doch 
haben verschiedene Correspondenten Prazäk's, sowie meine Wenigkeit von 
solchen Sammelreisen vorher nie etwas erfahren und waren daher über die Nach- 
richt von denselben überrascht. Merkwürdig ist es auch, dass in Lemberg, in 
dessen Umgebung (sowie in der Gegend von Sambor) Prazäk hauptsächlich 
seine erfolgreiche Sammelthätigkeit durch sechs Jahre entfaltet zu haben angibt, 
der Name Prazäk's sowohl, als der seiner beiden Sammler Zadorozni und 
Kieme ra ganz unbekannt war, als ich im October vorigen Jahres selbst in 
Lemberg weilte. Weder Sr. Exc. dem Grafen W. Dzieduszycki, noch dessen 
Gustos, Herrn Zontak, oder dessen Präparator Hartll, noch den dortigen 
Behörden war je von der Sammelthätigkeit Prazäk's und seiner erwähnten 
Genossen etwas bekannt geworden. Es würde daher besondere Anerkennung 
verdienen, dass es Prazäk gelang, in verhältnissmässig kurzer Zeit und in so 
unauffälliger Weise solche reiche Materialien in Ostgalizien zusammen zu bringen, 
so grosse Serien von Bälgen jeder Art und darunter so viele seltene asiatische 
Gäste zu erbeuten, dass durch seine CoUection (Prazäk hebt ausdrücklich hervor, 
dass er für seine Arbeit nur seine eigene Sammlung und Bibliothek zur 
Hand hatte) die reichhaltige ornithologische Sammlung des berühmten Museums 
Dzieduszycki in tiefen Schatten gestellt erscheint. Wer sich die Mühe nimmt, 
die in den bisher veröffentlichten Theilen der „Materialien" Prazäk's ange- 
führten Exemplare von Bälgen beiläufig zusammen zu zählen, wird leicht die 
Zahl 6000 erreichen, und wer je selbst zu sammeln versucht hat, wird diese 
Zahl zu schätzen wissen, mit welcher Prazäk's Sammlung ostgalizischer Vögel 
noch lange nicht erschöpft sein dürfte. Von besonderem Interesse sind jedenfalls 
die mehr oder weniger seltenen Arten, weshalb wir mehrere von diesen hier 
besonders hervorheben möchten, z. B.: 

Turdus naumanni, 2 Ex., November 1894 und Jänner 1896 auf dem Markte zu 
Lemberg gekauft. 

Turdus fuseatus, 1 Ex., Februar 1895 in Lemberg gekauft. — An diese Art 
knüpft Prazäk die Bemerkung, dass sich im Wiener Hofmuseum ein richtig 
bestimmtes montirtes Exemplar derselben aus Oesterreich befinde, das 
aber weder von Pelzeln in seinen „Beiträgen" in Verhandlungen der k. k. 
zool.-botan. Gesellsch., noch von Dr. v. Lorenz in seinem Kataloge ange- 
führt wird. Es hätte sein können, dass dieser Vogel von Pelzeln und 
mir übersehen wurde. Ich konnte aber, nachdem ich durch Prazäk's 
Arbeit auf denselben aufmerksam geworden, den Vogel durchaus nicht in 
unserer Sammlung finden. Vielleicht gehört er zu jenen Objecten, dio 

21* 



162 



Referate. 



während der Zeit von Prazäk's Thätigkeit am Hofmuseum in Verstoss 
gerathen sind? 

Turdus ohscurus, 4 Ex., November 1894, Jänner 1893, Februar 1894, December 
1895 in Lemberg gekauft. 

Geocichla sihirica, 1 Ex., 24. December 1895 unweit von Lemberg erlegt. 

Cyanecula suecica, und zwar: leucocyanea 42, rothsternige 22, Wolf'sche Blau- 
kehlcben 18 Bälge, macht zusammen 82 Bälge aus Galizien! — Ausserdem 
erwähnt der Verfasser, dass er seine systematischen Bemerkungen über 
die Blaukehlchen auf eine Reihe von mehr als 500! Vögeln aus verschie- 
denen Gegenden stütze. 

Phylloscopus horealis, 1 Ex., 20. April 1895, Zbaraz. 

Locustella lanceolata, 2 Ex., 10. und 20. September 1893, Tarnopol. 

Panurus hiarmicus, 54 Ex. ! 

Poecile palustris horealis, 5 Ex., 27. September 1895, Podberezce bei Lemberg; 
2. December 1895, Sknilow; 2. März 1895, Kamionka Strumilowa. Diese 
führt Verfasser an, nachdem er erwähnt, dass ihm aus Oesterreich-Ungarn 
nur 5 Ex. bekannt seien, die alle aus Galizien stammen, er scheint also 
nur die seinigen zu meinen. In der Anmerkung erwähnt er jedoch, dass 
im gräflich Dzieduszy cki'schen Museum sich auch ein Exemplar von 
horealis (cT, Nr. 579, 30. September 1851 in Poturzyca erlegt) befinde, 
welches aber vom Besitzer des Museums unter gewöhnlichen Sumpfmeisen 
genannt wird (Mus., S. 87). Im Kataloge dieses Museums von 1880 wird 
dieses Exemplar allerdings einfach unter Parus palustris angeführt, und 
zwar auf S. 85 in der polnischen, auf S. 83 in der deutschen Ausgabe, 
nicht S. 87, und unter Nr. 597, nicht 579; in dem neuen Führer dieses 
Museums von 1895 (nicht 1896, wie Prazäk S. 476, 7. citirt) wird das- 
selbe Exemplar aber bereits als P. horealis bezeichnet. 

Poecile luguhris, 2 Ex., 14. Juni 1891, Pass Delatyn (Karpathen). 

Cyanistes cyanus, 4 Ex., 8. November 1893, Brzezany (nicht Brzeziany); 19. Jänner 
1895, Dobrotwor; 29. November 1895, Gliniany; 13. Februar 1896, Böbrka. 
(Im Museum Dzieduszycki nur zwei Exemplare aus Russisch-Polen.) 

Budytes flavus horealis, 58 Ex. vom Dniester, San und Bug. — Am 16. August 
1895 erlegte Prazäk angeblich auf zwei Schüsse 26 horealis; jedenfalls- 
ein besonderes Kunststück oder seltener Glücksfall, da die Schafstelzen in 
der Regel nicht in Schaaren so dicht beisammen sitzen oder fliegen, dass 
es möglich wäre, deren viele mit einem Schusse zu erlegen. - 

Budytes flavus campestris, 9 Ex. von Borszczow, Jagielnica und anderen Orten 
am Dniester. 

Budytes flavus paradoxus, 5 Ex., Kolomea. — Dazu die Bemerkung, dass das 
Hofmuseum Original-Exemplare dieser Form mit Brehm 's autographischen 
Etiketten besitze, die aber nicht in dem Verzeichnisse der „Typen" dieses 
Museums von Pelzeln und Lorenz genannt sind, weil selbe „übersehen" 
wurden. Einige Original-Exemplare von B r e h m gelangten allerdings 1888 
in das Hofmuseum, es befindet sich aber unter diesen verschiedenen 



Referate. 



163 



Brehm 'sehen Formen keine einzige, die als B. flavus paradoxus bezeichnet 
wäre. Der zweite Theil der „Typen", in welchem die Stelzen aufzunehmen 
gewesen wären, wurde übrigens schon 1887 publicirt! 
Budijtes flavus xanthophrys, 2 Ex., 28. April, Czeremosz. 

Budytes citreola, 4 Ex., 12. September 1891, Tarnopol; 23. September 1896, 
Sknilow. 

Änthus cervimis, 9 Ex., 26. und 30. April 1896, Na Blotach; 20. und 24. September 
1895, Sknilow bei Lemberg; 30. September 1893, Tarnopol; 4. October 
1894, Zborow; 28. September 1895, Pustomyty (nicht Pustomytz). 

Anthus gustavi, 1 Ex., 17. October 1894 bei Jaryczöw Stary (nicht Garyczow). 

Anthus richardi, 11 Ex., 20. Sept. 1893 bei Tarnopol mit einem Coup double 
12 Stück erlegt. Bravo! 

Erythrosterna parva, 37 Ex. 

CannaMna Unaria holboelli, 74 Ex. 

Carpodacus erythrinus, 15 Ex. — Es wurde das Brüten dieser Art bei Firlejow, 

Wolica Barylowa, Tarnopol und Kolomea festgestellt. (!) (Jahr? !) 
Pinicola enucleator, 1 Ex., 24. Jänner 1896, Brzuchowice bei Lemberg. 
Loxia bifasciata, 38 Ex. 

Emheriza hortulana, 37 Ex., bei Popowce (Bezirk Brody), Kochajow bei Lemberg, 

Kozwadow, Rakowiec, Wielka Wies etc. beobachtet. 
Emheriza cirlus, 1 Ex., 19. Mai 1894 bei Jezierzany erlegt, war zur Präparation 

untauglich. 

Eviberiza leucocephala, 3 Ex., 26. December 1892, Sokol; 12. December 1894, 
Miklaszöw; 16. Februar 1895, Jakimczyce (nicht Jakimczice). 

Emheriza aureola, 1 Ex., 18. Jänner 1895 bei Lemberg durch Zadorozni ge- 
fangen. 

Cynchramus rusticus, 1 Ex., März 1896 bei Przemysl erlegt, konnte nicht präpa- 
rirt werden. 

Cynchramus pusillus, 3 Ex., 10. November 1893, Malechow; 17. Jänner 1896, 
Mierzyniec. 

Calcarius lapponicus, 13 Ex. in den Wintern 1891, 1893, 1894, 1895 und 1896 
bei Moszkow, Barszczowice, Sknilow, Korczyn, Drohobycz, Lemberg und 
Brzezany erlegt. 

Vlectrophenax nivalis, 26 Ex. 

Lullula arborea cherneli, 7 Ex., Kocman und Zastawna. 
Otocorys alpestris, 23 Ex. 

Calandrella hrachydactyla, 14 Ex., 1893 bei Tarnopol; 1896 an der bukowinisch- 
galizischen Grenze brütend gefunden. 

Melanocorypha sihirica, 17 Ex., 20. December 1891, Grzymalow; 3. Februar 1891, 
Toporow; 15. Jänner 1893, Trembowla (nicht Terebowla); 19. März 1893, 
Nowe Siolo; 1. und 3. Februar 1894, Skalat; 6. Jänner 1895, Szczerzec; 
18. December 1896, Lopatyn; 13. und 16. März 1896, Zborow. {Im Museum 
Dzieduszycki befindet sich nur ein Exemplar dieser Art, dessen Prazäk 
aber nicht erwähnt.) 



164 



Referate. 



Melanocorypha yeltoniensis, 1 Ex., März 1896 bei Husiatyn erbeutet. 

Pastor roseus, 24 Ex., Juni 1892, Przemysl, Kolomea, Tlumacz; 1895, Iwansköw (?), 

Budzanow, Böbrka, Kamionka Strumilowa. 
Caprimulgus europaeus, 102 Ex. 

Dendrocopus leuconotus, 16 Ex., Sokal, Zloczöw, Cieszanow; 2 Ex. im Jänner 

1896 zu Lesienice bei Lemberg erlegt, 
Merops apiaster, 14 Ex. Der Vogel soll brütend beobachtet worden sein : 23. Juni 

1891 an einer Localität (?) am Seretb östlich von Jagielnica von Zadorozni; 

Juni 1896 dort von Prazäk nicht mehr gefunden, dafür aber unweit 

Zaleszczyki (nicht Zalescziky) am Dniester; Ende Juni 1894 bei Mielnica 

(nicht Mielwice) von Zadorozni und Kieme ra. 
Upupa epops, 74 Ex. 

Syrnium lapponicum, 1 Ex. vor 10—12 Jahren durch Postmeister Ja vurek bei 

Trembowla erlegt und dem Prazäk geschenkt. 
Glaucidium passerium, 10 Ex. 
Buteo huteo desertorum, 47 Ex. 
Buteo ferox, 5 Ex. 
Aquila maculata, 64 Ex.! 

Aquila mogilnik Gm. = orientalis Gab., 1 Ex. vor Jahren von Postmeister 

Ja vurek erlegt und Prazäk geschenkt. 
Entolmaetus fasciatus (Aquila honelli), 1 Ex. am 1. Mai 1896 bei Lemberg erlegt 

und durch Herrn J. Slysz dem Prazäk übergeben, war zum Ausstopfen 

nicht geeignet. 

Accipiter nisus hreviyes, 4 Ex., 16. Mai 1890, Jagielnica; 24. Mai 1893, Skala 
am Zbrucz; 28. Mai 1896, Horodenka: 9. Mai 1891, Iwanköw. 

Diese Stichproben sind wohl geeignet, jeden „denkenden Ornithologen" nicht 
nur mit Bewunderung, sondern mit Verwunderung zu erfüllen. Es ist ja nicht 
unmöglich, dass die eine oder andere, oder alle von Prazäk angeführten Raritäten 
gelegentlich einmal in Galizien vorkommen können, es ist aber an sich schwer 
glaublich, dass Prazäk und seine Sammler, deren alle, und manche davon in 
so grosser Anzahl, während einer verhältnissmässig kurzen Sammelzeit zu erhalten 
in der Lage waren. Wer aber den Herrn Dr. Prazäk persönlich näher kennen zu 
lernen und sich von der Unverlässlichkeit seiner Worte und Handlungen zu 
überzeugen Gelegenheit hatte, der wird ein gewisses Misstrauen nicht unterdrücken 
können. Im Verhältnisse zu den Serien seltener Arten sind von den häufigeren 
Speeles noch grössere Reihen von Bälgen aufgezählt; entsprechend ist auch die 
Zahl der angeblich gesammelten Eier und Nester eine enorme. Muss es da nicht 
Wunder nehmen, dass von diesen Sammlungen in der Hauptstadt Galiziens nichts 
bekannt wurde? Ist es nicht befremdend, dass Graf Dzieduszycki, der bei 
Pieniaki (südlich von Brody) und Sokal ausgedehnte Güter besitzt, in deren Be- 
reiche auch verschiedene der von Prazäk angegebenen Fundorte liegen und wo 
ohne Erlaubniss des Grafen nicht gejagt werden darf, nie etwas von diesen Col- 
lectionen eu gros zu hören bekam? Eigenthümlich ist es auch, dass die Daten 



Referate. 



165 



bei den verschiedenen Arten (auch bei den selteneren, wo doch genaue Angaben 
von Interesse wären) sehr ungleich sind; einmal wird nur der Monat angegeben, 
ein anderes Mal nur das Jahr, hie und da der Tag, einmal sind die Fundorte 
genannt, ein anderes Mal nicht, und wenn sie genannt sind, ist sehr oft nicht 
angegeben, wo dieselben liegen. Wer kennt alle die kleinen Ortschaften, die da 
in überraschender Menge aufgezählt werden? Auch ist es merkwürdig, dass 
Prazak öfter aus dem Kataloge des Museums Dzieduszycki citirt, dann aber 
wieder an anderen Stellen sagt, er erinnere sich oder er erinnere sich nicht, ob 
diese Art in dem genannten Museum vorhanden sei ; dass er oft, wo es am Platze 
wäre, von der Dziedusz jcki'schen Sammlung gar nicht spricht. Dass seine 
Citate nicht ganz genau sind, ergibt sich aus den bei den früher gegebenen 
Stichproben gemachten Berichtigungen. 

Ich will für heute nicht weiter kritisiren und nur noch meiner persönlichen 
Ansicht Ausdruck geben, dass das Journal für Ornithologie besser gethan hätte, 
dem Herrn Prazak seine Arbeit zurück zu senden. Die Redaction des „Aquila" 
war da viel vorsichtiger, es wurde von dieser Seite, nachdem eine Prüfung der 
Prazak'schen Zugsdaten aus Böhmen der von 0. Herman und J. Hegyfoky 
vorgenommenen Ueberprüfung nicht Stand halten konnte, dem Autor das 
Manuscript mit seinen 100jährigen Datenreihen wieder zur Verfügung gestellt.^) 

Dr. L. V. Lorenz. 

Wettstein, R. t. Grundzüge der geographisch-morphologischen Me- 
thode der Pflanzensystematik. 64 S., 7 Karten und 4 Textabbildungen. 
Jena (G. Fischer), 1898. Preis 4 M. 

Das vorliegende Buch beschäftigt sich nicht mit der Systematik der grossen 
Hauptabtheilungen des Pflanzenreiches; die in demselben empfohlene Methode 
kann nur für die Unterscheidung und Gruppirung nahe verwandter Formen, 
also Artengruppen, beziehungsweise Unterarten oder Rassen formenreicher Sammel- 
arten angewendet werden. Hier aber ist allerdings diese Methode berufen, viel 
zu leisten und überall an die Stelle vager und willkürlich schwankender syste- 
matischer Gruppirungen wissenschaftlich werthvolle Grundsteine zu setzen. Dies 
erkennt man am besten aus den bereits früher veröffentlichten Arbeiten des 
Verfassers über die Gattung Euphrasia^) und über die endotrichen Gentiana- 
Arten,^) aus denen er denn auch die Beispiele nimmt, welche er in der vor- 
liegenden Schrift in den Vordergrund stellt und durch die beigegebenen Karten 
erläutert. 

Worin besteht nun diese geographisch-morphologische Methode? Das 
Hauptgewicht derselben beruht darauf, dass sie sich niemals mit dem morpho- 
j logischen Vergleich der nahe verwandten Formen begnügt, sondern stets auch 

j ') Siehe „Aquila", IV, 1897, Nr. 4, p. 193 und 198. 

' ^) Wettstein, Monographie der Gattung Euphrasia. Leipzig, 1896. Vergl. das Referat in 

diesen „Verhandlungen", 1896, S. 149. 

Wettstein, Die europäischen Arten der Gattung Gentiana aus der Section Endotricha 
Froel. (Denkschr. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, Bd. LXIV, 1897). Vergl. das Referat in 
diesen „Verhandlungen", 1897, 8. 109. 



166 



Referate. 



deren geographische Verbreitung festzustellen sucht. Aus letzterer können 
dann in vielen Fällen mehr oder weniger sichere Schlüsse auf den phylogenetischen 
Zusammenhang der betreffenden Formen gezogen werden, namentlich dann, wenn 
es sich um europäische Pflanzen handelt, da die Geschichte dieses Continentes in 
den jüngeren geologischen Epochen ziemlich genau bekannt ist. Sucht man dann 
die Eesultate dieser Untersuchungen in der systematischen Gruppirung auszu- 
drücken, indem man z. B. Formen jüngeren Ursprunges als Unterarten be- 
zeichnet und dieselben den älteren, zum Theile allerdings hypothetischen Arten, 
aus denen sie sich herausgebildet haben, subsummirt, so hat man dadurch ein auf 
wissenschaftlicher Grundlage fussendes System gewonnen. Ein solches 
System entspricht dann, soweit dies überhaupt möglich ist, den natürlichen 
Verwandtschaftsbeziehungen, während dies bei solchen Systemen, die nur 
nach der grösseren oder geringeren Aehnlichkeit der Formen aufgestellt sind, 
niemals der Fall sein wird. 

Allen, die sich mit Untersuchungen über formenreiche Pflanzengattungen 
(Hieracien! Rubus! Eosen! etc.) beschäftigen, sei Wettstein's Schrift besonders 
zur Leetüre empfohlen. Keiner derselben wird sie aus der Hand legen, ohne 
neue Gesichtspunkte zu gewinnen, die den wissenschaftlichen Werth seiner Arbeiten 
nur erhöhen können. F ritsch. 



IV. Bericht der Section für Planktonkunde. 



Versammlung am 4. März 1898. 
Vorsitzender: Herr Hofrath Prof. Dr. J. Wiesiier. 

Herr Dr. L. Linsbauer hält einen Vortrag über: „Die Licht- 
verhältnisse des Wassers", der hier auszugsweise wieder- 
gegeben sei : 

„Das Tageslicht, welches in Wasser eingedrungen isf", ist nicht mehr weisses 
Licht, sondern erfährt eine Zerlegung, der zufolge das durch eine gewisse Wasser- 
schichte filtrirte Licht eine andere Zusammensetzung erhalten hat. Die Compo- 
nenten des in einer bestimmten Tiefe vorhandenen Gesammtlichtes werden jedoch 
mit wechselnder Tiefe des Eindringens in verschiedenem Masse durchgelassen, 
geschwächt oder gänzlich vernichtet werden, da die auswählende Absorption der 
einzelnen Wasserschichten und andere, Einfluss nehmende Factoren nicht überall 
dieselben sind. 

Die Bestimmung der Zusammensetzung, d. h. der Mischfarbe des Lichtes, 
das in einer gewissen Tiefe angetroffen wird — nicht nur für das pflanzliehe, 
sondern auch für das thierische Leben ist dieselbe von Wichtigkeit — , wurde in 
früheren Zeiten mittelst der ^Senkscheibenmethode" ausgeführt, Avobei aus 
dem Verschwinden weisser oder verschieden gefärbter Scheiben in verschiedenen 
Tiefen ein Rückschluss auf das Eindringen einzelner Strahlen gezogen wurde. 
Die exactere spectroskopische Untersuchung ergab in Uebereiustimmung mit 
den Resultaten der vorigen Beobachtungen ein frühzeitiges Verschwinden der 
schwächer brechbaren Spectralbezirke. Hiernach würden in grösseren Tiefen die 
blauen und violetten Strahlen vorwiegen, während z. B. Oltmanns eine sehr 
bald für alle Strahlengattungen gleichmässig werdende Absorption annimmt, so 
dass in allen Wasserschichten annähernd gleich zusammengesetztes Licht ver- 
schiedener Stärke herrschen würde. Nach Soret hingegen haben die mittleren 
Spectralbezirke, also die grünen Strahlen, die Fähigkeit, am tiefsten einzudringen, 
indess Agassiz in grossen Tiefen gar ein rothgelbes Dämmerlicht annehmen zu 
dürfen glaubte! 

So ist man also zu einer bestimmten Entscheidiing in der Farbenfragc 
des Meereslichtes noch nicht gekommen. 

Z. B. Ges. Bd. XLYIII. 22 



168 



Versammlung der Section für Planktonkunde am 4. März 1898. 



Indirecte Schlüsse, aus der Färbung und verticalen (unter besonderen Um- 
ständen auch horizontalen) Vertheilung der Algen und besonders der Tiefsee- 
thiere gezogen, geben einige Anhaltspunkte zur Beurtheilung der betreffenden 
Lichtverhältnisse, 

Der Vegetationscharakter des Meeres wird bedingt durch das Vorherrschen 
der „Grünalgen", der „Braunalgen" und der „Eothalgen", wenn man sich von 
der Oberfläche gegen die Tiefe zu bewegt, was Engelmann in Beziehung zu 
den Absorptionsspectren der betreifenden Algenchromatophoren und zu deren 
Assimilationsenergie in den verschiedenen Spectralhälften gebracht hat. Bei den 
„Rothalgen" ist die Assimilationsstärke in „Blau", verglichen mit der in „Roth", 
viel grösser, als bei den „Braunalgen", bei diesen wieder grösser als bei den 
„Grünalgen", so dass also, da die Florideen am tiefsten eindringen, an den Stellen 
ihres Vorkommens die blauen und violetten Strahlen vorwiegend anzutreffen sein 
werden. Auch die horizontale Verbreitung der genannten Algen in manchen 
Grotten, sowie das Vorkommen der mit Thieren in Symbiose lebenden Zooxan- 
thellen mit verschieden gefärbten Chromatophoren lässt dieselben Schlüsse zu. 

Zur Schätzung der Lichtfarbe in den eigentlichen Tiefen des Wassers 
hat man die Färbungsverhältnisse der Tiefseethiere herangezogen und, das an 
denselben vorwiegende Orange, Roth und Purpur als Schutzfärbung betrachtend, 
den Schluss gezogen, dass in diesen Tiefen die complementären Lichtfarben 
Grün bis Blau vorherrschen werden, da ein Körper, von seiner Complementär- 
farbe beschienen, auf dunklem Untergrunde unsichtbar wird, also „schützend" 
gefärbt ist. 

Das in manchen Tiefen auftretende Phosphorescenzlicht der Tiefseeorga- 
nismen ist vorwaltend grünlich und die es ausstrahlenden Thiere sind, dem eben 
Gesagten entsprechend, in den meisten Fällen mit den complementären Farben, 
wie purpur- oder scharlachroth, geschmückt. 

Das Blau grösserer Wassermassen, das wohl deren Eigenfarbe ist, kann 
zeitlichen und örtlichen Veränderungen unterworfen sein. Namentlich üben einen 
solchen verändernden Einfluss Trübungen durch feste Theilchen, speciell durch 
verschieden gefärbte, in grosser Individuenzahl auftretende Organismen thierischer 
und pflanzlicher Natur aus, dem z. B. die Roth- und die Grünfärbung mancher 
Meere oder Meerestheile zuzuschreiben ist. 

Der zweite Hauptfactor, der bei dem Stadium der Lichtverhältnisse des 
Wassers besonderes Interesse beansprucht, ist die Lichtstärke einer bestimmten 
Farbe in den einzelnen jeweiligen Tiefen. Theoretisch ergibt sich, dass mit in 
arithmetischem Verhältnisse zunehmenden Tiefen die Lichtstärken in geometrischer 
Proportion abnehmen, der Formel nach das Licht erst in unendlicher Tiefe er- 
löschen müsste, d. h. auch in den grössten Meerestiefen würde noch eine, wenn 
auch für unsere Begriffe und Verhältnisse minimale Beleuchtungsstärke vorhanden 
sein. Es sprechen auch einige physikalische Erscheinungen dafür, dass das Licht 
viel tiefer eindringt, als man gewöhnlich glaubt, und einige, allerdings noch der 
Bestätigung harrende Organismenfunde könnten als thatsächliche Stütze heran- 



VersaiiimliiDg der Scctioii für Plaulctonkunde am 4. März 1898. 



169 



gezogen werden. Somit ergibt sich hieraus die Frage, ob es denn wirklich in 
grö.ssten Tiefen eine völlig lichtlose, eine „aphotische" Region gibt oder nicht. 

M;ui hat zunächst die unterste, absolute Grenze des Lichteindringens zu 
bestimmen versucht, wobei sich herausgestellt hat, dass, je empfindlichere Methoden 
man in Anwendung brachte, desto weiter die Lichtgrenze nach unten zu ver- 
schoben wurde, so dass man nunmehr weiss, dass bei 500 m dieselbe (für die 
chemischen Strahlen) noch nicht erreicht ist. 

Wichtiger ist jedoch die Messung der Intensität des Lichtes an einer be- 
stimmten Stelle, denn wenn auch eine unterste Grenze der Beleuchtung existiren 
sollte, so wird jedenfalls das pflanzliche Leben schon vorher, bei einem gewissen, 
für jede Species verschiedenen Lichtminimum ein Ende nehmen. Bisher hat 
man jedoch diese Lichtstärken nur mehr oder minder genau, d. h. ungenau 
abgeschätzt und sich mit unbestimmt en Ausdrücken behelfen müssen. Schweizer 
Forscher, Fol und Sarasin, nahmen für den Genfer See in 170 m Tiefe eine 
Beleuchtung ähnlich der klarer, mondloser Nächte an; Berthold schloss aus 
pathologischen Veränderungen gewisser Algen, wie sie sonst directe Sonnen- 
beleuchtung liervorruft, dass in 70—80 m Tiefe im Meere von Capri noch eine 
sehr starke Lichtwirkung vorhanden sein muss. Ziemlich willkürlich ist die 
Annahme Verill's, dass in Tiefen von etwa 3500— 5500 7?i grünes Licht von 
der Stärke unserer Vollmondnächte herrsche! 

Es ist klar, dass die Lichtintensität an einem gewissen Orte unter Wasser 
sich mit der Ab- oder Zunahme des auf der Erdoberfläche vorhandenen Lichtes 
ändern muss. Abgesehen davon variirt die Intensität des Lichtes in bestimmten 
Tiefen auch local: das Wasser in der Nähe von Küsten und in Häfen ist un- 
durchsichtiger als das des freien Meeres, das Mittelmeer etwa dreimal durch- 
sichtiger als die Ostsee. Mitunter können in grossen Mengen auftretende 
Organismen eine deutliche Veränderung der Durchsichtigkeit, eine merkliche 
Intensitätsschwächung des eindringenden Lichtes erzeugen. Derlei Intensitäts- 
änderungen können in ihrem Gefolge dann Wanderungen mancher Lebewesen 
haben. 

Interessant ist es, die untere Gi-enze der Vegetation in tiefen Wasser- 
ansammlungen zu eruiren. Die grösste Tiefe, die bisher für höhere Pflanzen 
gefunden wurde, erreicht ein Moos: Thamnium alopecurus, das Forel im Genfer 
See in 60 m Tiefe entdeckte. Im Uebrigen geht die in grösseren Tiefen aus- 
.schliesslich noch vorkommende Algenvegetation mit einigen hundert Metern 
sehr rasch einem Ende entgegen, wenn auch einige Pflanzenfunde neuester Zeit 
für bedeutend grössere Tiefen zu sprechen scheinen, in denen noch pflanzliches 
; Leben herrschen kann. 

I Ueberblicken wir das Endresultat, so ergibt sich, dass wir weder die 

1 Zusammensetzung des in einzelnen Tiefen vorhandenen Lichtes, noch dessen 
I Stärke kennen; ferner, dass die „untere" Grenze der noch wirksamen chemischen 
; Strahlen bei 500 m noch nicht erreicht ist und wir überhaupt nur für verhältniss- 
' mässig geringe Tiefen uns ein Bild der complicirten, die Lichtverhältnisse im 
Wasser bedingenden Factoren machen können." 

22* 



170 



Versaiamluug der Section für Plauktoiikimde am 4. März 1898. 



Zum Schlüsse deraonstrirt der Vortragende noch einen Apparat, 
mit dem er miter Anwendung seiner schon früher^) vorgeschlagenen 
Methode Lichtfarbe und Lichtstärke in den einzelnen Wassertiefen 
zu untersuchen gedenkt. 



Section für Lepidopterologie. 

Versammlung am 4. März 1898. 

Vorsitzender: Herr Dr. H. Rebel. 

Der Vorsitzende bringt eine Zuschrift der gräflich Hoj^os- 
Sprinzenstein'schen Forst- und Güterdirection zu Gutenstein, ddo. 
1. März 1898, Z. Mjd zur Verlesung, wonach den Mitgliedern der 
zoologisch-botanischen Gesellschaft das Benützen auch nicht mar- 
kirter Wege im Jahre 1898 mit dem Ersuchen gestattet wird, die 
zu wählenden Touren und die Zeit vorher den Herren Oberförstern 
in Stixenstein (Gahns, Gösing, hoher Hengst, Schneeberg), respective 
Gutenstein (Oehler, Gaiskopf, Kaxgebiet, Sonnleithstein) oder Hohen- 
berg (Neuwald, Gippel, Göller) bekannt zu geben, von welchen dann 
Erlaubnissscheine ausgestellt werden. 

Herr Otto Bohatsch macht Mittheilungen über eine von 
Dr. Staudinger zurück erhaltene Determinanden-Sendung. 

Herr Otto Hab ich theilt mit, dass er die Eaupe von Zono- 
soma Quercimontanaria Bastelb. nicht selten Mitte bis Ende Sep- 
tember in Schleimbach bei Wien gefunden und den Falter mehrfach 
daraus gezogen habe. Der Mittelschatten aller Flügel bleibt bei 
Quercimontanaria (im Gegensatze zu Z. Punctaria L.) auch auf den 
Hinterflügeln stets roth. 

Herr Dr. Bebel setzt sodann seine Vorträge zur „Einführung in 
ein wissenschaftliches Studium der Lepidopteren" fort und behandelt 



') Siehe diese „Verhandlungen", Jahrg. 1895. 



Vcrsamuiliiijg der Section für Lcpidopterologic am 4. März 18i>8. 



171 



die Systematik weiterer Heterocerenfamilien unter Vorweisung von 
Repräsentanten der Epipleniiden, Uraniiden, Aganaiden, Cocytiiden 
und Agaristiden. 



XVI. Bericht der Section für Botanik. 



Versammlung am 18. März 1898. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. G. Beck v. Mannagetta. 

Herr Dr. C. v. Keissler zeigt mehrere interessante Pflanzen 
aus dem botanischen Universitätsgarten vor. 

Sodann spricht Herr Dr. W. Figdor auf Grund eigener Unter- 
suchungen „Ueber die Ursachen der Anisophyllie". 

Zum Schlüsse hält Herr M. Ras s mann einen Vortrag über 
interessante Pflanzenfunde in Niederösterreich. 

Jeder Botaniker weiss, dass die Flora der nächsten Umgebung Wiens 
jetzt bei Weitem nicht mehr jenen Artenreichthum aufweist, wie dies noch vor 
etwa 20 Jahren der Fall gewesen ist. Territorien wie der Prater, der Laaerberg, 
die Türkenschanze u. s. w., welche dem Pflanzenfreunde in den Fünfziger- und 
Sechzigerjahren noch eine überaus reiche und mannigfaltige Fülle von Pflanzen- 
formen zur Verfügung stellten, gleichen heutzutage grösstentheils wüsten, devastirten 
Flächen. Wenn es also auch in unseren Tagen nicht mehr möglich ist, auch nur 
an einem der erwähnten Punkte Paritäten in vielen Exemplaren zu sammeln, 
so dürfte es doch nicht ganz ohne Interesse sein, von Zeit zu Zeit etwas über 
den jeweiligen Stand der Flora auf diesen einst so ergiebigen Fundstätten zu 
erfahren. 

Im Laufe der letzten zehn Jahre (1887 — 1897) sind nun auch schon viele 
der von mir in der „Flora der Türkenschanze" (in diesen „Verhandlungen", 
Bd. XXXVII, Sitzuugsber., S. 57) aufgezählten Pflanzenarten von diesen ihren 
Standorten verschwunden und nur sehr wenige Raritäten haben sich bis heute 
auf diesem classischen Boden erhalten. Als Ergänzung zu dem eben citirten 
Berichte möchte ich nur eine ganz kurze Mittheilung machen über von mir in 
letzterer Zeit auf der Türkenschanze aufgefundene neue Standorte seltenerer 
Pflanzen. Meist wohl vorübergehend und zufällig habe ich dort angetroffen: 
AlUum vinecde L. beim neuen Döblinger Friedhof 1888 unter Getreide häufig, 
Achillea setacea W. et K., Xeranthemum annuum Ii., Centaurea solstitialis L , 
Asperula arvenm L., Salria austriaca Jacq. auf grasigen Abhängen im Stern- 



172 



Versammlung der Sectiou für Botanik am 18. März 1898. 



wartepark 1893 ziemlich häufig, Orohanche caerulea Vill. uud Orohanche arenaria 
Borkh. sind beide vorübergehend wieder aufgetaucht; Sisynihrium irio L. gegen 
Gersthof selten und zufällig (1893), Silene gallica L. auf einem Brachfeld gegen 
Neustift 1891 häufig und schliesslich LatJiyrus hirsutus L. bei Döbling 1897. 

Im Anschlüsse daran noch einige neue Standorte für Niederösterreich: 
Boletus regius Krombh. mit Boletus satanas Lenz auf lichten, sandigen Wald- 
plätzen in Maissau. 

Eyssopus officinalis L. massenhaft auf Mauern in Ravelsbach (pol. Bez. Ober- 
Hollabrunn). 

Ädenophora liliflora Bess. am Manhartsberg an Waldrändern gegen Fladnitz. 
Astragalus asper Jacq. bei Sievring 1897. 
Trifolium arvense L. gracilc (Thuill.) bei Maisi^au. 

Vicia grandiflora Scop. ß. sordida W. et K. auf Feldern im oberen Krotenbach- 
thal bei Neustift a. W. 

Lathyrus aphaca L. Diese für Niederösterreicli neue Pflanze traf ich das 
erste Mal schon im Jahre 1883 auf der Türkenschanze. Seit dieser Zeit habe 
ich sie dort erst wieder im Sommer 1897 gesehen und zugleich im selben 
Jahre einen neuen Standort bei Sievring aufgefunden. Höchst wahrsehein- 
. lieh wurde diese Pfianze aus Ungarn oder Südsteiermark, wo sie wild 
wächst, mit fremden Samen eingeschleppt und bürgert sich nun neuerer 
Zeit in der Umgebung Wiens allmälig ein. 

Zum Schlüsse will ich noch eine Foi-m von Echium vulgare L., die ich 
aus Klein-Meiseldorf im Waldviertel habe, demonstriren, wovon mir aber leider 
nur ein Fragment zur Verfügung steht. Diese Form unterscheidet sich von dem 
typischen Echium vulgare L. wohl vorzugsweise durch den in allen Theilen zarteren 
Bau, den eigenthümlichen Blüthenstand, der auf den ersten Blick etwa an den 
einer Nonnea erinnern würde, und durch die in der Blumenkronenröhre einge- 
schlossenen gelben Staubgefässe. Meines Erachtens dürfte diese Form so ziemlich 
mit dem in Reichenbach 's Flora germanica, p. 336 beschriebenen (weibliche 
Pflanze) Echium Wierzhiclcii Haberle identisch sein, allerdings mit Ausnahrae 
des zweifelsohne ganz eigenartigen Blüthenstandes. Die Fnige, ob auch diese von 
dem normalen Typus, wie schon erwähnt, vorzüglich durch die besondere Inflo- 
rescenz abweichende Form — wie dies Fieber in Opiz, Oekonom.-techn. Flora 
von Böhmen von den meisten abnormen Formen des Genus Echium annimmt — 
hauptsächlich durch Insecten hervorgerufen wird, möchte ich so lange unent- 
schieden lassen, bis mir die Gelegenheit geboten wird, genau zu untersuchen, 
unter welchen Verhältnissen (Boden, Klima etc.) gerade diese abnormen Bildungen 
zu Tage treten. 



Lebermoose Tirols. 



173 



Lebermoose Tirols. 

Von 

Jos. B. Jack. 

(Eingelaufen am 3. Februar 1898.) 

Herr Stud. phil. Friedrich Stolz aus Innsbruck, welcher in seinen freien 
Stunden dem Studium der Laubmoose obliegt und sein schönes Heimatland nach 
solchen durchforscht, schenkt bei seinen Wanderungen auch den zierlichen Leber- 
moosen seine Aufmerksamkeit. Er hat in den letzten Jahren mit dem Sammeln 
solcher begonnen und dies namentlich im Jahre 1896 in ergiebigster Weise 
fortgeführt. 

Die sehr reiche Ausbeute, welche Herr Stolz hierbei machte, überlies er, 
durch Herrn Prof. Dr. v. Dalla-Torre in Innsbruck freundlichst veranlasst, 
mir zum Studium und Bestimmen, und es soll nun nicht versäumt werden, von 
den grossen Schätzen des schönen Tirols auch anderen Lebermoosfreunden Kennt- 
niss zu geben. 

Ich kenne nur eine kleine Schrift von Dr. Fr. S auter, welcher in derselben 
die Standorte von wenig über 100 Arten auiführt, die von ihm zum grössten 
Theile in der Umgebung von Lienz gesammelt wurden.^) 

Der überaus thätige J. Breidler hat in seinen „Lebermoose Steiermarks" 
auch manche Angaben von Standorten solcher in Tirol, zunächst aus Vorarlberg 
aufgeführt.'^) 

Eine specielle Arbeit über die Lebermoose Vorarlbergs verfasste C. Loitles- 
berger, welcher in der reichen Umgebung seiner früheren Berufsthätigkeit in 
Feldkirch sehr eifrig und mit vielem Erfolge der Erforschung jenes Gebietes 
oblag. ^) 

Noch muss ich bemerken, dass ich die Standorte der Lebermoose, welche 
in den genannten Schriften von Saute r, Breidler und Loitlesberger auf- 
geführt sind, ebenso jene, welche Dr. Arnold in Tirol sammelte und die in 
„Beitrag zur Kenntniss der Lebermoose Tirols" verzeichnet sind, nicht aufgezählt 
habe.*) Dagegen führe ich die Standorte einer Anzahl Arten, welche ich selbst 
bei früheren Excursionen in Vorarlberg fand, auf; ausserdem noch von jenen 
wenigen Species, welche in Gott sehe und Rabenhorst 's „Hepaticae europ. 

') Hepaticae aus Tirol von Dr. F. Sauter in Innsbruck. Oesterr. botan. Zeitschrift, 1894, 
Jahrg. XLIV, Nr. 4 und 5, April und Mai. 

Die Lebermoose Steiermarks. Eine systematische Zusammenstellung der bisher aufgefundenen 
Arten mit Angabe ihrer Verbreitung. Von Johann Breidler. Graz, Verlag des naturwissenschaft- 
lichen Vereines für Steiermark, 1894. 

') Vorarlbergische Lebermoose von C. Loitlesberger. Aus den Verhandl. der k. k. zool.- 
botan. Gesellsch. in Wien, .Jahrg. 1894. 

*) Beitrag zur Kenntniss der Lebermoosflora Tirols von Jos. B. Jack. Aus den Verhandl. der 
k. k. zool. -botan. Gesellsch. in Wien, Jahrg. 189.5. 



174 



J. Ii. Jack. 



exsiccatae" aus dem genannten Gebiete ausgegeben, mir vorliegen und anderswo 
nicht zur Veröffentlichung gekommen sind. 

Herr Stolz hat auf den Convoluteu seiner gesammelten Lebermoose meist 
auch die Höhenlage des betreffenden Fundortes bezeichnet, dabei aber leider 
versäumt, die Natur der Unterlage anzugeben, was diesem Verzeichnisse nun 
fast ganz fehlt. Es ist vorauszusetzen, Herr Stolz werde sich der Lebermoose 
seines, an solchen reichen Heimatlandes dauernd annehmen und das Fehlende 
noch nachholen. Er wird dabei noch manche Art auffinden, die dieser Liste 
fehlt, von welcher aber anzunehmen ist, dass sie im Bezirke auch vorkommen 
werde. Mag dieser Aufsatz nun als Vorläufer für eine dereinstige Lebermoos- 
flora von Tirol, die wir von Herrn Stolz erwarten dürfen, dienen können. 

In der Anordnung der Gattungen und Arten folge ich der systematischen 
Aufstellung der Synopsis Hepaticarum von Gottsche, Lindenberg und 
Nees von Esenbeck und ziehe vor, die in diesem Buche gebrauchten Namen 
anzuwenden, wie dies von Limpricht in seiner classischen, leider nicht alle 
Arten der deutschen Lebermoose umfassenden Flora, ^) ebenso in dem zum Studium 
der Lebermoose so werthvollen Werke von F. Stephani, in welchem leider nur 
die Jungermannien, diese aber mit vortrefflichen Abbildungen, nicht aber auch die 
übrigen deutschen Lebermoose aufgeführt sind,^) geschehen ist. 

Ich habe in der folgenden Aufzählung nur wenige Gattungsnamen, welche 
einige Berechtigung haben und häufiger angewendet werden-, als Synonyme bei- 
gefügt. So lange die oben genannte Synopsis Hepaticarum nicht durch eine neue 
Ausarbeitung, die wir in nächster Zeit von dem unermüdlichen und ausgezeichneten 
Kenner der Lebermoose F. Stephani gewiss erwarten dürfen, ersetzt ist und das 
Chaos der vielen Gattungsnamen, welche jetzt gebraucht werden, verdrängt sein 
wird, ist es nöthig, bei dem vortrefflichen, bis jetzt allein giltigen Gesetzbuche 
— der genannten Synopsis — zu verbleiben. 

Ein angehender Lebermoosforscher vermag bei der wirklich unter den 
Botanikern herrschenden Anarchie sich nicht leicht durch das Labyrinth der 
neueren Gattungsnamen hindurch zu finden. Es ist an der Zeit, die Gray 'sehen 
Namen, auch viele der Lindberg'schen Schöpfungen wieder über Bord zu 
werfen, oder sie höchstens noch im Synonymenregister mitzuschleppen. Auch 
die Verwendung der Du Mortier 'sehen Namen bedürfte der Einschränkung. 
Eine allzu weit getriebene Prioritätensucherei, welche jedem Autor sein Recht 
wahren möchte, droht dadurch in das Gegentheil umzuschlagen. Es werden 
Namen älterer Autoren, welche sich auf ganz vage, unbestimmte und nicht mehr 
genau zu verificirende Dinge beziehen, für erst in neuerer Zeit genau bekannt 
gewordene und systematisch festgestellte Arten und Formen hervorgesucht, an 
deren Feststellung die herangezogenen alten Autoritäten auch nicht das geringste 
Verdienst haben. Die letzteren waren zu ihren Zeiten gewiss auch nicht im 

') G. K. Limpricht, Die Lebermoose in Prof. Ferd. Coli n : Kryptogamenflora von Schlesien, 
Bd. 1, 1876. 

^) Deutschlands Jungermannien in Abbildungen nach der Natur gezeichnet nebst Text von 
-F. Stephani. VII. Bericht des Botanischen Vereines zu Landshut, 1879. 



Lebermoose Tirols. 



175 



Entferntesten im Besitz der zur Feststellung erforderliehen wissenschaftlichen 
Hilfsmittel und Kenntnisse. Nur da, wo eine Gattung oder Art klar und zweifels- 
ohne beschrieben ist, wo also dem älteren Autor Unrecht geschehen ist, kann eine 
Benützung seiner Namen eintreten; die Priorität ä tont prix ist eine Unmöglichkeit. 

Insoferne kann man auf diese archäistischen Bestrebungen den bekannten 
Satz: „Summum jus summa injuria" mit Fug und Recht anwenden. 

Constanz, im November 1897. 

1. Ordn. Jungermanniaceae. 

A. Foliosae. 

1. Farn. Gryiunoinitria. 

Gymnomitrium N. v. E, 

G. concinnatum Corda. Rosenjoch bei Innsbruck, 2000 — 2700 m; bei der Schaf- 
hütte am Glungetzer gegen das Voldererthal, 2100 m; am Patscherkofl, 
2696 m; Tulfein im Voldererthal bei Hall, 200 m; Alpeiner im Valserthal 
am Brenner, 1475 ?w; Soyjoch im Martellthal (Vintschgau), 2850m; Krumm- 
kampenthal im Gepatsch (Kaunserthal), 2400 m; ober Kühtai bei Oetz, 
2200 m; Spitze des Birchkogls bei Kühtai, 2834 w; Ober-Schönlisens in 
Lisenserthal (Seirain), 2650 m; Zischkeler bei Praxmar, 3000 m; Zünigspitze 
bei Windisch-Matrei, 2200 — 2700 m; bei der Defregger-Hütte im Südosten 

(des Venediger, 3000— 3200 m (Stolz). — Vorarlberg: An Felsen unter dem 
Klosterthaler Gletscher, 2250 m, und bei der Hütte im oberen Vermunt- 
thale (J.). 

G. corallioides N. v. E. Ober der Isshütte bei Sistrans, 1908 m; mit Jungermannia 
alpestris Sehl, im Kraspesthal (Seirain), 2100m; am Neunerkogl daselbst, 
2800 m; Fimberthal (Paznaun) 1900 m; Krummkampenthal im Gepatsch 
(Kaunserthal), 2400— 3000 m; Wände des Fernerkogls in Lisens (Seirain), 
2400 m; Möserlingwand bei Windisch-Matrei, 2180 m; Mullvitzkees im 
Südosten des Venediger, 2400— 3100 m (Stolz); Bozen (Bausch); Neuner- 
spitze bei Innsbruck (Ventieri); Röthelspitze bei Meran (G. v. Solms). 

G. confertiim Limpr. ^) Krummkampenthal im Gepatsch (Kaunserthal), 2400 m 
(Stolz) (test. Limpricht). 

Sareoscyphus Corda. 

S. Ehrharti Corda. Kraspesthal (Seirain), 2100 m; am Wege zur Nürnberger 
Hütte in Längenthal, 2200 m; Perlwallthal bei St. Anton am Arlberg, 
1600 m; Möserlingwand bei Windisch-Matrei, 2000 m, und an der Zünig- 



„Flora", 1881, Nr. 5. — 
I für vaterl. Cultnr, S. 313 (1880). 
Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 



Sareoscyphus confertus Limpr. im 57. Jahresber. der Schles. Ges. 



23 



176 



J, B. Jack. 



alpe daselbst mit Jungermannia albicans L., 2500 m (Stolz), lieber einet- 
feuchten Gneiswand am Taschachgletscher im Pitzthal in schönen, braun- 
rothen Easen (Arnold). — Vorarlberg: An nassen Felsen im Vermunt- 
thale (J.). 

h) aquaticus N. v. E. Am Wege zur Nürnberger Hütte im Längenthal (Stubai), 
2100 im Stockerbache bei der Zürnbachalpe bei Hagen (Selrainthal), 
1800 w, in 15cm langen, schönen, dunkelbraunen, fast schwarzen Rasen; 
ober dem Windisch-Matreier Tauernhause an überrieselten Felsen (Stolz). 

— Vorarlberg: An Felsen im unteren Vermuntthale, 2800— 3000 m (J.). 
S. sphacelatus N. v. E. Am Wege zur Nürnberger Hütte im Längenthal (Stubai), 

2000 m (Stolz). 

S. revolutus N. v. E. Nächst Innsbruck: Im Sendesthaie bei Axams, 2050m, 
ßosskogl, 2400— 2600 m; Spitze des Birchkogls bei Kühetai, 2843 m; Horn- 
thaler Joch zwischen Lisens (Seirain) und Stubai, 1815 m; Möserlingwand 
bei Windisch -Matrei, 2100m (Stolz). An Gneiswänden der Nordseite 
der Bergschneide ober dem Vennathale am Brenner, 8300' (Arnold), in 
G. und Rabh., Hepat. europ. exsicc, Nr. 585. 

S. densifoUus N. v. E. Siehe den folgenden, 

S. commutatus Limpricht. ^) — Vorarlberg: In Felsritzen bei der oberen Hütte 
im Vermuntthale, 7000' (J.), in G. und Rabh., Hepat. europ. exsicc, Nr. 458, 
als Sarcoscyphus densifoUus y. fascicularis N. v. E. bezeichnet. 

S. Funkii N. v. E. Weg zur Nürnberger Hütte im Längenthal (Stubai), 2200 m; 
Tulfein im Voldererthale bei Hall, 1200 m (Stolz). — Vorarlberg: Beider 
Hütte im oberen Vermuntthale (J.). 

Alicularia Corda. 

A. Scolaris Corda. Tulfein im Voldererthale bei Hall; Heiligwasser; Glungetzer 
südlich von Innsbruck, 2400 m; Patscherkofl, 2000 m; ober Sistrans mit 
Calypogeia Trichomanis Corda ; Axamergraben bei Völs, 850 m ; Vikarthal, 
1300— 1400 m; Blenderle-Seen bei Kühtai, 2300 m; Neunerkogl (Kraspes- 
thal), 2500 m; Lisens im Selrainthal; Längenthal bei Kühtai; Kühtai bei 
Uetz, 2000m; Oelgrabenjoch zwischen Pitz- und Kaunserthal, 2900m (Stolz). 

— Vorarlberg: Montafun bei der Hütte im oberen Vermuntthale (J.). 

A. minor (N. v. E.) Limpr. (Jungermannia scalaris ß. repanda Hüben.). Mutterer- 
joch zwischen Selrain und Stubai, 2600 m; am Wege zur Nürnberger Hütte 
(Stubai); Längenthal bei Kühtai; diese meist in niederen, bräunlichen Rasen; 
Ranalt im Unterbergthal (Stubai), 1260 m, sehr schön in 5 cm hohen, unten 
abgeblassten, an der Spitze 4 — 5 mm grünen, aufrechten Rasen, wie es 
scheint, an sandiger Stelle im Wasser gewachsen. Bei dieser sterilen Pflanze 
finden sich auch länglich-ovale, concave, an der Spitze abgerundete Unter- 
blätter (Stolz). 



') Limpricht, Neue und kritische Lebermoose. 57. Jahresber. der Schles. Ges. für vaterl. 
Cultur, S. 314. 



Lebermoose Tirols. 



177 



A. compressa Hook. In einem Bache am Kratzenberge im Hollersbachthale, 
1800m (Sauter), ebendaselbst (Grüner). — Vorarlberg: In kleinen 
Wassertümpeln nächst der oberen Hütte im Vermuntthale, 2100 m. = G. 
und Rabh., Hepat. europ. exsicc, Nr. 443 (J.). 

2. Farn. Juugermannieae. 

Plagiochila N. et M. 

P. asplenioides N. et M. Lanserwald bei Igls, 1180 iw; Paschberg bei Wilten; 
Voldererthal bei St. Magdalena; ober Sistrans; Casetto di Saint Vall Rabbi 
bei Ober-Sulzberg (Stolz). 

Scapanla Lindenb. 

S. Bartlingii N. v. E. Gammerspitze im Schmirnthale am Brenner, 1700 m 
(Stolz). 

S. aequiloha N. v. E. Unter der Lizumalpe bei Axams, 1400 w; auf der Nock- 
spitze (Saile), 1800 w; Pitz im Oberinnthal; Ueberschall, Uebergang vom 
Lafatscher- ins Vomperthal (Karwendelgruppe), auf mit Humus bedeckten 
Kalkfelsen, 1970 w; Eingang des Schmirnthales bei St. Jodok am Brenner, 
1200 w; unter der Gammerspitze im Schmirnthale, 1900 m; am Wasser- 
falle des Lobenbaches gegenüber dem Windisch-Matreier Tauernhause, 
1600 m (Stolz). — Vorarlberg: Waldtobel bei Tschagguns, an der Mittag- 
spitze, bei Hohenkrummbach am Widderstein, an Kalkfelsen bei Bezau, 
bei Möllau auf Erde und morschem Holze (J.). 

S. aspera Bernet. Vorarlberg: Schwarzenberg, Mittagspitze, Pfänder bei Bre- 
genz (J.). 

S. subalpina N. v. E. Wiesengrabenrand der Alpe Saxener im Gschnitzthale, 
1500m (Sauter). 

S. iindulata M. et N. 

Reihe Ä. Foliis ciliatis, denticulatis ve Nees. Lanserwald 
bei Igls, 1600 m; Seirainthal: Fötscherthal, 1600 m, Gleirschthal, 2200 m, 
Ober-Schönlisens im Lisenserthal, 2300 — 2600 m; Oberbergthal im Stubai, 
1900 m (Stolz). — Vorarlberg: Silberthal bei Schruns und an nassen 
Felsen im Vermuntthale (J.). 

Reihe B. Foliis integerrimis vel obsoletissime denti- 
culatis. Patscherkofl bei Innsbruck, 1900 m; Arlberg bei St. Christoph, 
1800 m; Selrainthal: bei Lisens, 1673 m, Alpe Stockach, am Wege von 
der Gallwies nach Schönlisens, 2100 m; Längenthal bei Kühtai; Geraer 
Hütte im Valserthal am Brenner, 2000m, in 12cm langen Pflanzen; 
Gschlössthal bei Windisch-Matrei, 1600 m (Stolz). 

S. ulüjinosa N. v. E. Sendes bei Axams nächst Innsbruck, 1900 m; Gepatsch im 
Kaunserthal, 1800— 2400 ?w; Alpe Stockach (Seirain); Längenthal bei 

23* 



178 



J. B. Ja elf. 



Stubai; Bendelthal ober St. Anton; Schlattenkäs im Osten des Venediger, 
1800 w; Möserlingwand bei Windiscb-Matrei, 1900 m, in 10 cm langen 
schwarzen Rasen (Stolz). 

Jungermannia L. 

§.1. Complicatae. 

J. albicans L. {Diplophyllum Du Mort.). Lanserwald bei Igls, 1600 am 
Patscherkofl und im Axamergraben bei Innsbruck; Passberg bei Wilten, 
750 m; Selrainthal: Zirbelwald, Lisens, 1700 — 1950 m, Oberachsel bei 
Praxmar, 2350 m, Schwarzhorn im Fötscherthale, 2814 m, Kraspesthal, 
2300 m; Kemmater Wasserfall, am Eingange, 650 m; Oberbergthal (Stubai), 
1600 m; Gepatsch im Kaunserthal; ober Kühtai bei Oetz, 2200m; am 
Wasserfalle des Landeggbaches bei der Säge im Windisch-Matreier Tauern- 
thaie, 1300 m (Stolz). — Vorarlberg: Silberthal bei Schruns an nassen 
Felsen, in dichten, 8m hohen, aufrechten Rasen, reich mit Kelchen; bei 
der Hütte im oberen Vermuntthale (,T.). 
Yüv.h) taxifolia (Wahlb.). Rosenjoch bei Innsbruck, 2000— 2800 m; Sonnen- 
spitze bei Sistrans, 2654 m, mit Gymnomitrium concinnatum Corda; auf 
der Spitze des Birchkogls bei Kühtai, 2483 m; im Walde unter der Zünig- 
alpe bei Windisch-Matrei, 1600— 2000 m (Stolz). 

J. obtusifolia Hook. (Diplophyllum Du Mort.). Bei der Constanzer Hütte im 
Fasulthale bei St. Anton am Arlberge mit Jungermannia albescens Hook. 
(Stolz). 

J. exsecta Schmid. Innsbruck: Nockhöfe bei Mutters, Rinnerberg bei Rinn, 
1400 m, unter Heiligwasser, 1100 m; Selrainthal bei Hagen, 1650 m; ober 
Kühtai. 

J. minuta Crantz {Diplophyllum Du Mort.). Um Innsbruck: im Lanserwald bei 
Igls, 1500 m, Heiligwasser, bei 1100 und 1250 m, Rosenjoch, 2700 m, 
Rinnerberg bei Rinn, 1400 — 2000 m, Vikarthal, mit Perianthien auf 
Sphagnum mit J. trichophylla L., 1095 m; Isshütte bei Sistrans, 1870 m; 
Schwarzbrunn im Voldererthal, 1700 m; Padauner Sattel am Brenner, 
1600m; Seirain: Lisenserthal mit J. ventricosa D., ebenso im Kraspes- 
thale, 2000 m; auf der Spitze des Birkkogls bei Kühtai, 2834 m; Hüfing 
bei Windisch-Matrei, 2400— 2900 m; im Walde unter der Zünigalpe, 
1700 m; auf der Dorferalpe im Südosten des Gross -Venediger, 2200 m 
(Stolz). — Vorarlberg: Bei der Hütte im oberen Vermuntthale; im 
Waldtobel bei Tschagguns zwischen Laubmoosen in der Form 2 protracta 
ß. XX capillaris N. v. E. = G. und Rabenh., Hepat. europ. exsicc, 
Nr. 464 (J.). 

J. Michauxii Weh. Vorarlberg: Auf morschem Holze im Walde bei Mellau mit 
J. Schraden Du Mort. (J.). 



Lebermoose Tirols, 



179 



§.2. Integrifoliae. 

* Mit UnterbLätterii. 

J. Taylori Hook. {Mylia Gray). Vikarthal bei Innsbruck, 1900 w; Gwandalpe 
im Voldererthale, 1050m; Seirain: Alpe Stockach, 1895 w; Kraspesthal, 
^ 1900 m; Fötscherthal, 1900— 2000 m; Gepatsch im Kaunserthal, 2000 m; 

■ Valserthal am Brenner, 1800— 2000 m (Stolz). 

h) anomala Hook. Oberachsel bei Praxmar im Lisenserthal (Seirain), 2310 m 
* (Stolz). — Vorarlberg: Auf morschem Strünke im Walde bei Mellau. 
= G. und Rabh., Hepat. europ. exsicc, Nr. 593 (J.). 
J. Schraderi Mart. {Aplozia Du Mort.). — Vorarlberg: Im Walde bei Tschagguns 
auf morschem Holze; Mellau im Walde. = G. und Rabh., Hepat. europ. 
exsicc, Nr. 592 (J.). 

* Ohne Unterblätter. 

J. nana N. v. E. (Äplozia Du Mort.). Bei Innsbruck in der Götznerhöhle (Stolz). 

— Vorarlberg: Bei der oberen Hütte im Vermuntthale, 2100 m (J.). 
/. caespitiosa Lindenb. (Äplozia Du Mort.). Kraspesthal im Seirain, 2100 m 

(Stolz). 

J. hyalina Hook. {Nardia Carr., Äplozia Du Mort.). Nächst Innsbruck am Oster- 
berg bei Götzens, 1250 ?w; zwischen St. Leonhard und Wens im Pfitzthale, 
1300m (Stolz). — Vorarlberg: Im Steinwalde bei Feldkirch (J.). 

J. sphaerocarpa Hook. (Äplozia Du Mort.). Patscherkofl, 2000 m; Schneeberg 
bei Passeier, 2400 m; Längenthal bei Kühtai mit J. mma Schred. (Stolz). 

J. tersa N. v. E. (Äplozia Du Mort.). Tulfes im Voldererthale bei Hall, 2100 m; 
Seirain: Ober-Schönlisens im Lisenserthale, 2200— 2600 m, mit J". quinque- 
dentata Web. und /. alpestris Schleich, bei 2200— 2600m (Stolz). 

J. cordifolia Hook. (Äplozia Du Mort.). Möserlingwand bei Windisch-Matrei, 
2000 m (Stolz). 

J. ohovata N. v. E. (Nardia Carr.), Patscherkofl, 2000 m; Fimberthal (Paznaun), 
2000 m ; Schneeberg bei Passeier, 2400 m ; Neunerkogl (Kraspesthal), 2600 m 
(Stolz). 

J. riparia Tayl. (Äplozia Du Mort.). Nördlich von Innsbruck: Mühlauer Klamm 
mit Kelchen und im Höttinger Graben (Stolz). — Vorarlberg: an nassen 
Felsen im Waldtobel bei Tschagguns; Mittagspitze im Bregenzer Wald (J.). 

§.3. Bidentes. 

* Mit Unterblättern. 

J. acuta Lindenbg. Schattige Felsen bei Passberg, 700 m; Schieferfelsen der 
Sillschlucht hinter dem Berge Isel; Tätscherbrunn ober Hötting, 1200 m 
(Stolz). 

Muelleri N, v. E. Am Osterberg bei Götzens und am Wege zum Höttinger 
Bild bei Innsbruck; Kemater Wasserfall am Eingange ins Seirainthal, 
050 m; Jamthal bei Galtür im Paznaunthal, 2000 m (Stolz). — Vorarl- 



180 



J. B. Jack. 



berg: Tobel bei Tschagguns auf Erde und an Felsen; an Felsen bei 
Schwarzenberg im Bregenzer Wald ; Mellau an morschem Holze im Walde ; 
Bezau an Kalkfelsen (J.). 
J. albescens Hook. {Cephalozia Du Mort.). Am Glungetzer bei Innsbruck, 2400 w; 
Tulfein im Voldererthal bei Hall, 2000 m; ober Kühtai bei Oetz, 2200 w; 
bei der Nürnberger Hütte im Längenthal bei Stubai, 2300 w; Krumm- 
karapenthal im Gepatsch (Kaunserthal), 2400 — 2800 m; Schaf buchj och bei 
Galtür (Paznaunthal), 2650 m; Grünsee der Möserlingwand bei Windisch- 
Matrei, 2300 m (Stolz). 

* Ohne Unterblätter. 
J. inflata Huds. Am Wege zur Nürnberger Hütte im Längenthal (Stubai); am 
Wege von der Alpeiner Alpe zur Geraer Hütte im Valserthale am Brenner, 
1600 m; gemengt mit Scapania uliginosa N. v. E. am Schlattenkees im 
Osten des Venediger, 1800m (Stolz); Torfboden auf Glimmerschiefer am 
kleinen Rettenstein, 5500' (Arnold). = G. und Rabh., Hepat. europ. 
exsicc, Nr. 497. 

P J. Wenselii N. v. E. Längenthal bei Kühtai, gemengt unter sphaerocarpa 
Hook. Vielleicht doch nur eine Form der vielgestaltigen /, alpestris Schi. 
(Stolz). 

J. orcadensis Hook. Lanserwald bei Igls nächst Innsbruck, 1400 m; ober Kühtai 
bei Oetz, 2000 m, mit J. alpestris gemengt; Seirain: Zirbelwald bei Lisens, 
1700— 1900 m, Oberachsel bei Praxmar, 2300 m, in langen, compacten 
Rasen (Stolz). — Vorarlberg: Waldtobel bei Tschagguns, in 10 cm langen 
Pflanzen zwischen Laubmoosen. = G. und Rabh., Hepat. europ. exsicc, 
Nr. 460 (J.). 

J. ventricosa Dicks. Um Innsbruck: Axamer Graben bei Völs, 800 w, Heilig- 
wasser, am Patscherkofl, 1800 m, am Grünenbühel des Patscherkofl, 2100 m, 
Schwarzbrunn im Voldererthale, 1700m; Seirain: Hagen bei Seirain, 1650m, 
Fötscherthal, 1250 m, Zirbelwald bei Lisens, 1700 — 1950 m, Wände am 
Fusse des Fernerkogels bei Lisens, 2200 m ; Krummkampenthal im Gepatsch 
(Kaunserthal), 2300 m; Windisch-Matrei : bei Hüfing, 2300 m, Zünigalpe, 
2300— 2500 m (Stolz). 
h) porphyroleuca N. v. E. Bei Innsbruck: im Vikarthal, 1700m, Lanserwald 
bei Igls auf Sphagnum, 1500m, Patscherkofl, 1800m; Seirain: Lisens 
zwischen Laubmoosen, 1600 m, Oberbergthal (Stubai) auf Sphagnum, 1000 
bis 1900 m, überall mit langen, röthlichen Perianthien (Stolz). 

J. alpestris Schleich. Isshütte bei Sistrans, 1860 m; Vikarthal, Tulfein im Vol- 
dererthale bei Hall, 2000 m; Seirain: Oberachsel bei Praxmar im Lisenser- 
thale, 2300 m, ober der Schafalpe im Fötscherthale, 2100 m; Kühtai bei 
Oetz, 2000 m; am Wege zur Nürnberger Hütte im Längenthal, 1800 m; 
an Felsen im „Schnapsloch" im Gepatsch (Kaunserthal), 2000 m; Zünig- 
alpe bei Windisch-Matrei, 2500 m; Oltenspitze bei St. Jodok am Brenner, 
2170 m. — Die Pflanzen dieser Standorte bilden meist dunkle Rasen und 



Lebermoose Tirols. 



181 



gehören vorwiegend der Form y. minor N. v. E. an (Stolz). — Vorarl- 
berg: im oberen Vermuntthale, 2100 in schönen, rothbraiinen Käsen, 
ebenso auch beim Klosterthaler Gletscher (J.). 
/. Beichardti Gottsche. Tulfein im Voldererthale bei Hall, 2100 m; Patscher- 
kofl bei Innsbruck, 2100 m; Kraspesthal (Seirain), 2000 m; Möserlingwand 
bei Windisch-Matrei, 2000—2600 m. Die Pflanzen dieser Standorte bilden 
meist grosse, dunkelbraune Rasen (Stolz). 

§. 4. Barbatae. 

* Ohne Unterblätter. 

J. incisa Schrad. Innsbruck: Oberhalb Sistrans, 1050m, Vikarthal, 1600m; bei 
Hall am Tulferberg, 1000 m, und im Voldererthale; ober der Patscher 
Alpe, 1750 m; Zischkeles bei Praxmar, 2500 m; Längenthal bei Kühtai, 
2000 m; Kraspesthal im Seirain, 2200 m; Gschlöss am Venediger, 1600 m 
(Stolz). — Vorarlberg: Auf morschem Holze im Tobel bei Tschagguns; 
im Vermuntthale bei der Hütte; im Gauerthaie bei Schruns; Mellau im 
Bregenzer Wald (J.). 

J.polita^. V. E. Einnerberg bei Rinn nächst Innsbruck, 1500— 1600m; Seirain 
am Schwarzhorn, 2300 m; am Wege zum Fernthaler Joche von Praxmar 
nach Stubai ober der Lisenseralpe, 1800— 1900 m; Längenthal bei Kühtai; 
Kirchbergthal bei Ulten, 2000 m; Gschlöss am Venediger, 1600 m (Stolz). 

** Mitunterblättern. 

J. Floerkei W. et M. (.7. harhata var. Floerlcei N. v. E.). Längenthal am Wege 
zur Nürnberger Hütte, 2200 m; ober Kühtai bei Oetz, 2200 m; Lagonesalpe 
im Gschnitzthale bei Steinach am Brenner, 1700 m, und im Lorleswalde 
bei St. Jodok daselbst, 1700 m; Marchthal im Vintschgau, 1350 m (Stolz). 

J. hjcopodioides Wallr. (-7. harhata ynr. lycopodioides N. v. E.). Um Innsbruck: 
Lanseralpe am Patscherkofl, 1800 m, auf dem letzteren, 2150 m, unter 
Heiligwasser, 1300 m, ober der Lizumalpe bei Axams, 1800 m; Tulfein im 
Voldererthale bei Hall, 2000m; Seirain: Wände am Fusse des Fernerkogls 
in Lisens, 2200 m, ober Schönlisens, 2300 m, bei Gries, 1350 m; Nürnberger 
Hütte im Längenthal (Stubai), 2300 m; Brenner: Im Firaberthal (Paznaun), 
auf einer Wiese bei Paznaun, 1600 m, Jamthal bei Galtür im Paznaunthal, 
1800 m, Valserthal, 1300 m; Navisthal bei Matrei; Dorferalpe im Südosten 
des Venediger, 2100 m. — Bei Schönlisens und im Fimberthal auch Formen 
mit Uebergang zur folgenden 7. harhata Sch. (Stolz). — Vorarlberg: An 
Felsen im Gauerthaie, 1500— 1800 m. = G. und Rabh., Hepat. europ. 
exsicc, Nr. 560; im oberen Vermuntthale (J.). 

J. harhata Schmid (7. harhata var. Schreheri N. v. E.). Um Innsbruck: Unter 
und ober Heiligwasser, 1100— 1300 m, am Sagbach bei Mutters, 1200 m, 
Passberg bei Wilten, 850 m, Arzthai bei Patsch, 1600 m, Altrans, Volderer- 
thal, Iglerwald, ober Sistrans, 1300 ?w; Seirain: Kemater Wasserfall beim 
Eingang ins Seirainthal, bei Hagen, 1650 m, ober Schönlisens im Lisenser- 



182 



J. B. Jack. 



thal mit /. setacea W., am Wege zum Fernthaler Joch von Praxmar nach 
Stubai, ober der Lisenseralpe, 1800— 1900 m; Oberbergthal, 1400— 1600 ?n; 
Vennathal am Brenner, 2450 m; Kirchbergthal bei Ulten, 1900 m; Wald 
unter der Zünigalpe bei Windisch-Matrei, 1700 m (Stolz). — Vorarlberg: 
An Felsen im unteren Vermuntthale ; Silberthal bei Schruns; Kalkfelsen 
bei Bezau (J.); Schattwald (Brugg er). 
/. qumquedentata Web. (J. harhata var. quinquedentata N. v. E.). Nächst Inns- 
bruck: Unter der Lizumalpe bei Axams, 1200 m, Axamergraben bei Völs, 
Osterberg bei Götzens, 1200 m, zwischen Axams und Grinsens, bei Heilig- 
wasser, 1270 m, Isshütte bei Sistrans, 1870 m, Schwarzbrunn im Volderer- 
thal bei Hall, in einer Quelle über 5 cm lange Pflanzen; Selrainthal bei 
Seirain, 950 m; beim Kemater Wasserfalle am Eingange ins Selrainthal; 
Kraspesthal, 2100 m; Fötscherthal, 1900 m; Zischkeles bei Praxmar, 2600 m; 
Lisenserthal, 1500 — 1600 m; Silz im Oberinnthal; Kühtai bei Oetz, 2000 m; 
Fabsteg im Fimberthal (Paznaun), 2000 m; Erleswald bei St. Jodok am 
Brenner, 1500 m; im Walde Eabbi bei Ober-Sulzberg, 1200 m; Windisch- 
Matrei: Tauernthai bei der Landecksägge, 1300 m, Tauernhaus bei Ronne- 
berg, 1200 m, Möserlingwand, 2400— 2600 m, Zünig, 2300 m (Stolz). — 
Vorarlberg: Vermuntthal, Tschagguns, Mellau (J.). 

§.5. Bicuspides. 

J. catenulata Hueb. {Cephalozia Lindb.). Vorarlberg: Auf morschen Strünken 
im Walde bei Mellau = G. und Rabh., Hepat. europ. exsicc, Nr. 594, 
auch auf Polyporus igniarius daselbst (J.). 

J. hicuspidata L. {Cephalozia Du Mort.). Um Innsbruck: Adlerhof bei Axams, 
1300 m, Heiligwasser, 1400 m, Rinnerberg bei Rinn, 1100 m, Patscherkofl, 
2000m, Vikarthal, 1300m, Mühlberggraben bei Mutters; Seirain: Lisens, 
1650 m, Oberachsel bei Praxmar im Lisenserthal, 2350 m, Kraspesthal, 
2400 m; Krummkampenthal im Gepatsch (Kaunserthal), 2500 m; Grünsee 
der Möserlingwand bei Windisch-Matrei, 2300 m (Stolz). — Vorarlberg: 
Im oberen Vermuntthale, auf kiesiger Erde im Waldtobel bei Tschagguns, 
Mellau im Walde (J.). 

/. connivens Dicks. (Cephalozia Du Mort.). Kühtai bei Oetz, 2000 m (Stolz). 
— Vorarlberg: Im Walde bei Tschagguns mit /. minuta Crtz. (J.). 

/. curvifoUa Dicks. (Cephalozia Du Mort.). — Vorarlberg: Im Waldtobel bei 
Tschagguns auf morschem Holze und an der Rinde von Rothtannen; 
Mellau mit Harpanthus scutatus Spr. und Liochlaena lanceolata N, v. E. 
(J.); bei Schattwald (Brugg er). 

§.6. Aequifoliae. 

* Trichophyllae. 

J. setacea Web. (Blepharostoma Du Mort.). Ober der Isshütte bei Sistrans, 1950 m; 
bei der Ochsenhütte, 1650 m; Selrainthal: Im Zirbelwald in Lisens, 1700 



Lebermoose Tirols. 



183 



bis 1950 w, ober Schönlisens in Gesellschaft von J.harbata Schmid, ober 
Kühtai bei Oetz, 2200 w, Blenderle-Seen bei Kühtai, 2300 am Wege 
von der Alpeiner Alpe zur Geraer Hütte im Valserthale am Brenner, 
1900 m; Padaun am Brenner, 1500 m; Verwallthal bei St. Anton am 
Arlberg, 1(300 m (Stolz). 
J. tricJwphylla L. {Blepharostoma Du Mort.). Um Innsbruck : Aldrans, 750 m, 
Mutteralpe bei Mutters, 1700 m, Heiligwasser, 1270 m, Vikarthal mit J. 
minuta Crtz., Rinnerberg bei Rinn, 1200 m, Rosenjoch, 2400 m, Sistrans, 
3100 m, am Wege zum Höttingerbild; an Felsen im Lanserwald bei Igls, 
1000 m; Voldererthal bei Hall; Felsklüfte ober der Lagonesalpe im Gschnitz- 
thale, 1700 m; Weg zur Nürnberger Hütte im Längenthal (Stubai), 1800 w; 
im Lorleswald bei St. Jodok am Brenner, 1400— 1500m; Ottenspitze bei 
St. Jodok, 2170 m; Windisch-Matrei: Steineralpe, 2200 m, Zünigalpe, 2000m, 
Hüfing; Wald bei Rabbi (Ober-Sulzberg), 1200 m (Stolz). — Vorarlberg: 
Vermuntthal, Tschagguns (J.); Hinterstein bei Schattwald (Brugger). 

* * Julaceae. 

/. julacea Lightf. (Änthelia Du Mort.). Am Wege zur Nürnberger Hütte im 
Längenthal (Stubai), 2000 ?w; Selrainthal bei Stockach; Grünsee der 
Möserlingwand bei Windisch-Matrei, 2300 m (Stolz). 

J. Juratzkatm Limpr. {J. julacea y. clavuligera et glaucescens N. v. E.). Krumm- 
kampenthal im Gepatsch (Kaunserthal), 2600 — 3200 m; Längenthal bei 
Kühtai, 2200 m (Stolz); auf der Alpe Waldrast, 7800' hoch (Arnold), in 
G. und Rabh., Hepat. europ. exsicc, Nr. 606. — Vorarlberg: Unten am 
Klosterthaler Gletscher, 2400 m (J.). 

Sphagnoecetis N. v. E. 

S. communis N. v. E. {Odontochisma Du Mort.). 

Var. ß. macrior N. v. E. (Odontochisma denudatum Du Mort.). 

Blenderle-Seen bei Kühtai, 2350 ?w (Stolz). — Vorarlberg: Auf 
morschem Holze bei Mellau (J.). 

Liochlaena N. v. E. 

L. lanceolata N. v. E. {ÄxjloziaDuMoyt.). Vorarlberg: Waldtobel bei Tschagguns (J.). 

Lophocolea N. v. E. 

L. hidentata N. v. E. Lanserwald bei Igls, 1400?^, gemengt mit Laubmoosen; 

Passberg bei Wilten (Stolz). 
L. heterophylla N. v. E. Vorarlberg: Mellau auf morschem Holze (J.). 

Harpanthus N. v. E. 

H. scutatus Spruce (Jungermannia W . et M.). Vorarlberg: Im Walde bei Tschag- 
guns; Mellau auf morschem Holze (J.). 
H Flotowianus N. v. E. Patscherkofl bei Innsbruck, 1700 m (Stolz). 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 24 



184 



J. B. Jack. 



Chiloscyphus Corda. 

Ch. polyanthus Corda. Um Innsbruck: Heiligwasser, 1270 m, Patscherkofl, 2000 w, 
Sparberegger See bei Lans, Hallthal am Bacbe, Jamthal bei Galtür (Paz- 
naunthal), 1800 — 1900 m; Gallmähder zwischen Ornith und Täfeis im 
Stubaithal; Val Rabbi (Ober-Sulzberg), 1100m (Stolz). 

3. Farn. Greocalyceae. 

Geoealyx N. v. E. 

G. graveolens N. v. E. Vorarlberg: Waldtobel bei Tschagguns (J.). 

4. Fam. Trichoinanoideae. 

Calypogeia Raddi. 

C. Tridiomanis Corda {Kantia Gray). Um Innsbruck: Götzenshöhle, unter der 
Lizumalpe bei Axams, 1500 ?w, Rinnerberg bei Rinn, 1200 m, Volderberg; 
Seirain: Lisenserthal, Oberachsel bei Praxmar, 2150 Felsklüfte ober der 
Lagonesalpe bei Gschnitz, 1700 m-; Oberbergthal (Stubai), gemengt mit 
Lepidozia und Mastigohryum deflexum, 1400 m; Navis bei Matrei, 1500 m; 
Grat der Klammerspitze bei St. Jodok am Brenner, 2300—2500 m. — 
Gschlöss bei Windisch-Matrei, 1600 m; die Pflanze von diesem Standorte 
zeichnet sich durch die grossen Unterblätter aus, welche nur sehr leicht 
ausgeschweift oder vollkommen rund ohne die geringste Schweifung sind. 
Leider fehlen fruchtende Exemplare. Vergl. Limpricht, a.a.O., S. 439. 
(Stolz.) — Vorarlberg: Auf morschem Holze im Waldtobel bei Tschagguns 
und bei Mellau (J.). 

Lepidozia N. v. E. 

L. reptans N. v. E. Lanserwald bei Igls, 1300 m, gemengt mit Tetraphis pellu- 
cida Hedw. ; Rinnerberg bei Rinn nächst Innsbruck auf Waldboden, 1000 
bis 1600 m; Voldererthal bei Hall; Zirbelwald bei Lisens (Selrainthal), 
1700— 1950m (Stolz). — Vorarlberg: Wald bei Tschagguns, Mellau (J.); 
Schattwald (Brugg er). 

Mastigobryum N. v. E. 

M. trilohatum N. v. E. {Bazzania Gray). Im Walde bei Heiligwasser, 1270 bis 
1300m (Stolz); Wald bei Brandenberg (Arnold). — Vorarlberg: Silber- 
thal bei Schruns; Mellau (J.). 

M. deflexum N. v. E. {Bazzania triangularis [Schleich.]). Sehr formenreich und 
viel verbreitet. Um Innsbruck: Rosskogl, 2639 m, in 12 cm langen Pflanzen, 
Isshütte bei Sistrans, 1870 m, Vikarthal, 1900 m, Lanserwald bei Igls, 
1500 m, Tulfein im Voldererthal bei Hall, 2050 m, Schwarzbrunn im 
Voldererthal, 2050m; Seirain: Felsen am Kemater Wasserfalle am Ein- 



Lebermoose Tirols 



185 



gange ins Thal, 650 w, Fötscherthal, 1600 m, Zirbelwald in Lisens, 1700 
bis 1900 m, Lisenserthal am Wege von der Gallwiesalpe nach Schöulisens, 
2100»?, Wände am Fusse des Fernerkogls, 2200 w; Lüfenerthal, 1500 w; 
Langenthal bei Kühtai, ober Kühtai bei Oetz, 2200 w; am Brenner im 
Valserthal, 1600 — 2000 7n, und am Wege von der Alpeiner Alpe zur Geraer 
Hütte, 1700 wi; Windisch-Matrci: an der Möserlingwand mit Oreoweisia 
serrulaia Funk, 2200?»; Wasserfall des Cerunabaches bei Rabbi (Ober- 
Sulzberg); Wasserfall des Lobenbaches, gegenüber dem Malreiner Tauern- 
hause, 1000 w (Stolz). — Vorarlberg: Vermuntthal, in grossen, schönen 
Rasen ; Tobel bei Tschagguns, Gauerthai ; Mittagspitze im Bregenzer Wald 
= G. und Rabh., Hepat. europ. exsicc, Nr. 88 (J.). 

5. Farn. Ptilidieae. 

Trichoeolea Du Mort. 

T. Tomentella N. v. E. Silz im Ober-Innthal; Thaurer Schloss bei Innsbruck 
und im Volderer Wald (Stolz). — Vorarlberg: Waldsehlucht bei Tschag- 
guns; an Kalkfelsen bei Bezau im Bregenzer Wald (J.). 

Sendtnera Endl. 

S. Sauteriana N. v. E. Auf dem Rosenjoch im Voldererthale bei Innsbruck in 
Felsenklüften, 2650 w (Stolz); zwischen Gneisfelsen im Finsterthale bei 
Kühtai (Lojka). — Wiederholt wurde diese seltene Art ausgetheilt in: 
Rabenh., Hepat. europ. exsicc, Nr. 33a: auf schattigen Schieferfelsen am 
Kleinen Rettenstein bei Jochberg, 6000—7000' (Sauter); Nr. 33 6: auf 

(dem Rosskogl oberhalb Inzing bei Innsbruck in einer Höhe von circa 
5000' stets steril (Arnold); G. und Rabh., Hepat. europ. exsicc, Nr. 422: 
am Rosskogl bei Lörbrudli auf Erde zwischen GlimmerschiefergeröUe 
(Arnold). 

Ptilidium N. v. E. 

P. ciliare N. v. E. (Blepharozia Du Mort.). Rinnerberg bei Rinn nächst Innsbruck, 
1400 m, reich an Perianthien; ober Sistrans, 1200 m; auf überrieselten 
Gneisfelsen bei Kühtai, 2000 m; zwischen Gries und Hagen im Selrain- 
thal, 1500m; Issthal nördlich von Hall, 1600m; Unterbergthal im Stubai, 
1200m; Wald unter der Zünigalpe bei Windisch-Matrei, 1700 m; Larix 
bei Greith; Gschnitzthal bei Steinach am Brenner (Stolz). — Vorarlberg: 
Silberthal bei Schruns auf morschem Holze (J.). 

6. Farn. Platyphyllae. 
Radula Du Mort. 

B. complanata Du Mort. Innsbruck: Petersbrünnel, Vikarthal, 1400 m, Spitzbühel, 
Voldererthal; Felsen im Marsthal, 1500 m; Neunerkogl im Kraspesthal 

24* 



186 



J. B, Jack. 



(Seirain), 2400 w; Kühtai bei Oetz; Jamthal bei Galtür, 1800— 1900m; 
Casetta di Saint im Val Rabbi (Ober-Sulzberg) (Stolz). 

Madotheca Du Mort. 
M. platyphylla Du Mort. Ober-Hötting; Terfens bei Schwaz im Unterinnthal; 
Kreith bei Mutters; Martelthal (Vintschgau), 700 w; Val Rabbi bei Male 
(Ober-Sulzberg); Val di Sol, 1000 m; Casetta di Saint, 2000 m. — Windisch- 
Matrei: Frossnitzthal, 1400— 1800 w; Proseckerklamm, 1100m (Stolz). 

7. Farn. Jubiileae. 
Lejeunea Libert. 

L. serpyllifolia Libert. Kemater Wasserfall am Eingange ins Seirainthal; Val 
Rabbi (Ober-Sulzberg), 1200m, auf Erde (Stolz). — Vorarlberg: Wald- 
tobel bei Tschagguns (J.). 

PruUania Raddi. 

F. dilatata N. v. E. Innsbruck: Höttinger Graben an Buchen, im Wald ober 
Hötting, Stangensteig bei Hötting, 900 m; Silz im Ober-Innthal; Oberberg- 
thal in Stubai, 1200 m (Stolz). 

F. Jackii Gottsche. An feuchten Felsen ober der Alpe bei Lisens (Seirain), 
1700m (Stolz). 

F. Tamarisci N. v. E. Silz im Ober-Innthal; Längenthal bei Praxmar (Seirain), 
2300m; Gschlöss am Venediger, 1600m (Stolz); an einer Tanne bei 
Brandenberg ober Rattenberg (Arnold). 

B. Frondosae. 

8. Farn. Codonieae, 

Fossombronia Raddi. 
F. pusilla Lindenb. Vorarlberg: Auf feuchtem Wege im Steinwald bei Feld- 
kirch (J.). 

9. Farn. Diplomitrieae. 

Moerkia Gottsche. 
M. norvegica Gottsche. Tulfein im Voldererthal bei Hall, 2100 m; bei der Geraer 
Hütte im Valserthal am Brenner, 2100 m (Stolz). 

10. Farn. Haplolaeneae. 

Pellia Raddi. 

P. epiphylla Dillen. Götzensergraben bei Innsbruck (Stolz). 

P. calycina N. v. E. Im Voldererthal und am Hungerberg bei Innsbruck (Stolz). 
— Vorarlberg : Im Waldtobel bei Tschagguns ; auf Schiefer bei Schwarzen- 
berg im Bregenzer Wald (J.). 



Lebermoose Tirols. 



187 



Blasia Micheli. 

B. pusilla L. Zwischen Axams und Grinsens, sowie am Rosskogl bei Innsbruck 
(Stolz). — Vorarlberg: Auf kiesiger Erde im Waldtobel bei Tscliagguns (J.). 

11. Farn. Aiieureae. 

Aneura Du Mort. 

A. pinguis Du Mort. An einer Quelle ober Hötting bei Innsbruck; Tätscherbrunn 

in Gesellschaft von J. acuta Lindenb., 1200m (Stolz). 
A. multifiäa Du Mort. Vorarlberg: Auf Erde im Waldtobel bei Tschagguns 

= G. und Rabh., Hepat. europ. exsicc, Nr. 463 (J.). 
A. palmata Du Mort. Im Volderer Wald bei Volders (Stolz). — Vorarlberg: 

Auf morschem Holze im Walde bei Tschagguns; Mellau im Bregenzer 

Wald (J.). 

12. Farn. Metz§:erieae. 
Metzgeria Raddi. 

M. fiircata N. v. E. Vorarlberg: An Felsen bei Au im Bregenzer Wald = Rabh., 

Hepat. europ. exsicc, Nr. 120: ß. communis 1. major X alhescens N. v. E. 

= Metzgeria conjugata Lindb. (J.). 
M. pubescens Raddi. Passberg; Eingang des Schmirnthales bei St. Jodok am 

Brenner, 1200m (Stolz). — Vorarlberg: An Kalkfelsen bei Bezau im 

Bregenzer Wald (J.). 

II. Ordn. Marchantiaceae. 

13. Farn. Jecorarieae. 

Marehantia L. 

M. polymorpha L. Navis, Spitzbühel und Volfer Moor (Stolz). 

Sauteria N. v. E. 

S. alpina N. v. E. Auf der Hafelekarspitze, 224^ m, im Kalkgebirge nördlich 
von Innsbruck (Stolz); auf Erde längs einer feuchten Kalkwand am Grunde 
der Gerloswände auf der Wald raster Alpe, 1620m (Arnold). 

Fegatella Raddi. 

F. conica Raddi. Spitzbühel, mit Früchten; ober Hötting; Navisthal bei Navis, 
reichlich mit Früchten (Stolz). — Vorarlberg: Waldtobel bei Tschagguns (J.). 

Prelssia N. v. E. 

P. commiitata N. v. E. Gschnitzthal am Brenner (Stolzj. — Vorarlberg: Beim 
Lünersee oberhalb Bludenz, reich mit Früchten (J.). 



188 



J. B. Jack. 



Grimaldia Raddi. 

G. barbifrons Bisch. Beim Dorfe Arzl bei Innsbruck, auf Erde an besonnten 
Felsen (Stolz); an sonnigen, felsigen Abhängen auf fettem Humus allge- 
mein verbreitet um Grätsch bei Meran (Lohse) = G. und Rabh., Hepat. 
europ. exsicc, Nr. 261; bei Meran fruchtend (Milde). 

G. dicJiotoma Raddi. Hafelekarspitze, 2243 m; Küchelberg bei Meran, 450 m 
(Stolz); Kalkboden des Blaser Matrei und b) auf Kalkboden eines be- 
grasten Abhanges auf dem Blaser in einer Höhe von 6500' = G. und 
Rabh., Hepat. europ. exsicc, Nr. 517 (Arnold). 

Reboulia Raddi. 

R. liemisphaerica Raddi. An Mauern und Felsritzen bei Meran (Bamberger). 



III. Ordn. Anthocerotaceae. 

Notothylas Sull. 

N. fertilis Milde. Bei Meran (Milde). 

Anthoeeros Mich. 

Ä. laevis L. Vorarlberg: Auf einem feuchten Waldwege (Steinwald) bei Feld- 
kirch = G. und Rabh., Hepat. europ. exsicc, Nr. 462 (J.). 



IV. Ordn. Ricciaceae. 

Oxymitra Bisch. 

0. pyramidata Bisch. Bekleidet grosse Flächen an dürren, trockenen, sehr 
heissen Abhängen unter Schloss Thurnstein bei Meran mit Rieda sub- 
tumida (Milde) = G. und Rabh., Hepat. europ. exsicc, Nr. 328. 

Rioeia Mich. 

B. glauca L. Auf Aeckern beim Dorfe Arzl bei Innsbruck (Stolz). — Vorarl- 
berg: Auf einem Acker bei Schruns = G. und Rabh., Hepat. europ. 
exsicc, Nr. 646 (J.). 

R. Bischof fii Hueben. Meran (Milde). 

R. ßuitans L. Höttinger Glessen bei Innsbruck (Stolz). 

* * * 



Hier füge ich noch einige Fundorte von 
Andreaea petrophila Ehrh. an, welche Herr Stolz mit Lebermoosen sammelte: 
Lanserwald bei Igls, 1300?«; Sendesthal bei Axams; Seirain: Gleirschthal, 
2800 m, in sehr schönen Rasen, Fötscherthal, 1600 ni, Kraspesthal, 2100 m, 



Lebermoose Tirols. 



189 



mit Gymnomitnum corallioides vergesellschaftet; Zischkeles bei Praxmar 
im Lisenserthal, 3000?« (Stolz). Dasselbe Laubmoos fand ich auch in 
Vorarlberg bei der oberen Hütte des Vermuutthales und an Felsen unter 
dem Klosterthaler Gletscher, 2250 m (J.). 



Register. 

(Die nicht cursiv gedruckten Namen sind Synonyme.) 



Seite 

Aliadaria Corda 176 

compressa Hook 177 

minor (N. v. E.) Limpr. . . 176 

scalaris Corda 176 

Aneura Du Mort 187 

multifida Du Mort 187 

palmata Du Mort 187 

pingiiis Du Mort 187 

Anthelia Du Mort 183 

julacea (Lightf.) 183 

Juratzkana (Limpr.) .... 183 

Anthoceros Mich 188 

laecis L 188 

Aplozia Du Mort 179 

cae.spiticia (Lindenb.) . . . 179 

cordifolia (Hook.) . . . . . 179 

hyalina (Lyell.) 179 

lanceolata (L.) 183 

nana (N. v. E.) 179 

riparia (Tayl.) 179 

Schraderi (Mart.) 179 

sphaerocarpa (Hook.) . . . 179 

tersa (N. v. E.) 179 

Bazzania Gray 184 

triangularis (Schleich.) . . . 184 

trilobata (L.) 184 

Blasia Mich 187 

pusilla L 187 

Blepharostoma Du Mort. . . . 182 

setacea (Web.) 182 

trichophylla (L.) 183 

Blepharozia Du Mort 185 

ciliaris (L.) 185 j 

'lypogeia Raddi 184 | 



Seite 

Calypogeia Trichomanis Corda . 184 



Cephalozia Du Mort 180 

albescens (Hook.) 180 

bicuspidata (L.) 182 

catenulata (Hueb.) .... 182 

connivens (Dicks.) .... 182 

curvifolia (Dicks.) , . . . 182 

Chiloscyphus Corda 184 

polyanthus Corda .... 184 

Diplophyllum Du Mort. ... 178 

albicans (L.) 178 

minutum (Crantz) .... 178 

obtusifolium (Hook.) .... 178 

Fegatella Baddi 187 

conica Raddi 187 

Fossombronia Raddi 186 

pusilla Lindenb 186 

Frullania Raddi 186 

dilatata N. v. E 186 

Jackii Gottsche 186 

Tamarisci N. v. E 186 

Geocalyx N. v. E 184 

graveolens N. v. E 184 

Grimaldia Raddi 188 

barbifrons Bisch 188 

dichotoma Raddi 188 

Gymnomitrium N. v. E. . . . 175 

concinnatum Corda .... 175 

confertum Limpr 175 

corallioides N. v. E 175 

Harpanthus N. v. E 183 

Flotoivianus N. v. E. . , . 183 

scutatus Spruce 183 

Junger mannia L 178 



190 J. E. 

Seite 

Jungermannia acuta Lindenb. . 179 

albescens Hook 180 

albicans L 178 

alpestris Schleich 180 

harbata Schmid 181 

var. Floericei N. v. E. . . 181 

var. lycopodioides N. v. E. 181 

var. quinquedentata N. v. E. 182 

var. Schreberi N. v. E. . . 181 

bicuspidata L 182 

caespiticia Lindenb 179 

catenulata Hu eben 182 

connivens Dicks 182 

cordifoUa Hook 179 

curvifoUa Dicks 182 

exsecta Schmid 178 

FloerJcei W. et M 181 

hyalina Hook 179 

incisa Schrad 181 

inflata Huds 180 

julacea Lightf 183 

Juratzlcana Limpr 183 

lycopodioides Wallr. . . . 181 

Michauxii Web 178 

minuta Crtz 178 

Muelleri N. v. E 179 

nana N. v. E 179 

obovata N. v. E 179 

orcadensis Hook 180 

obtusifolia Hook 178 

polita N. V. E 181 

porphyroleuca'N. Y. E. . . . 180 

quinquedentata Web. . . . 182 

Reichardti Gottsche . . . . 181 

riparia Tayl 179 

Schraden Mart 179 

scutata (W. et M.) . . . . 183 

setacea Web 182 

sphaerocarpa Hook 179 

Tatjlori Hook 179 

tersa N. v. E 179 

trichophylla L 183 

ventricosa Dicks 180 



Jack. 

Seite 

Jungermannia Wenzelii N. v. E. 180 



Kantia Gray 184 

Trichomanis (L.) 184 

Lejeunea Libert 186 

serpyllifolia Lib 186 

Lepidozia N. L. et G 184 

reptans N. v. E 184 

Liochlaena N. v. E 183 

lanceolata N. v. E 183 

Lophocolea N. v. E 183 

bidentata N. v. E 183 

heterophylla N. v. E. . . . 183 

Madotheca Du Mort 186 

platyphylla Du Mort. . . . 186 

Marchantia L 187 

polymorpha L 187 

Mastigobryum N. v. E 184 

deflexum N. v. E ,184 

trilobatum N. v. E 184 

Metzger ia Raddi 187 

conjugata Lindb 187 

furcata N. v. E 187 

pubescens Raddi 187 

MoerUa Gottsche .186 

norvegica Gottsche .... 186 

Mylia Gray 179 

anomala (Hook.) 179 

Taylori (Hook.) 179 

Nardia Gray 179 

hyalina (Lyell.) 179 

obovata (N. v. E.) .... 179 

Notothijlas SuU 188 

fertilis Milde 188 

Odontoschisma Du Mort. . . . 183 

communis (Dicks.) .... 183 

denudatum (Du Mort.) . . . 183 

Oxymitra Bisch 188 

pyramidata Bisch 188 

Pellia Raddi 186 

calycina N. v. E 186 

epiphylla Dil 186 

Flagiochila N. et M 177 

asplenioides N. et M. ... 177 



I erhandl . der k k zool bot . Oes 
Band HTUf. 1898. 



Taf. n . 



Fr. Werner: 

BatJXLchier v ToqolancL. 




Loboriiioosc Tirols. 



191 



Seite 

Preissia N. v. E 187 

commutata N. v. E 187 

Ptilidium N. v. E 185 

ciliare N. v. E 185 

Radula Du Mort 185 

complanata Du Mort. . . . 185 

Pehoulia Raddi 188 

hemisphaerica Raddi . . . 188 

Biccia Mich 188 

Bischoffii Hueben 188 

fluitans L 188 

glauca L 188 

Sarcoscyphus Corda 175 

commutatus Limpr 176 

confertus Limpr 175 

densifolius N. v. E 176 

Ehrharti Corda 175 

FunUi N. V. E 176 



Seite 

Sarcoscyphus revolutus N. v. E. . 176 



sphacelatus N. v. E 176 

Sauteria N. v. E 187 

alpitia N. V. E 187 

Scapania Lindenb 177 

aequiloba N. v. E 177 

aspera Bernet 177 

i BartUngii N. v. E 177 

siibalpina N. v. E 177 

I uUginosa N. v. E 177 

undulata M. et N 177 

j Sendtnera Endl 185 

Sauteriana N. v. E 185 

I Sphagnoecetis N. v. E 183 

communis N. v. E 183 

Trichocolea Du Mort 185 

Tomentella N. v. E 185 



Ueber Eeptilien und Batrachier aus Togoland, 
Kamerun und Tunis 
aus dem kgl. Museum für Naturkunde in Berlin. 

Von 

Dr. Franz Werner. 

II/) 

(Mit Tafel II, 4 Abbildungen im Texte und einer Bestimmungstabelle der 
Kameruner Reptilien.) 

(Eingelaufen am 7. Jänner 1898.) 

Als Fortsetzung der Bearbeitung des mir vom kgl. Museum für Natur- 
kunde in Berlin hierzu eingesandten Materials übergebe ich nun die Beschreibung 
der Batrachier der Oeffentlichkeit. Dieselbe hat weit grössere Schwierigkeiten 
gemacht, als die Bearbeitung der Reptilien; namentlich die Hylambates -krteii 
sind mir durchaus nicht so klar geworden, als ich bei der nicht unbedeutenden 
Zahl von Exemplaren erwarten konnte, und erinnerten mich lebhaft an die 



») Siehe diese , Verhandlungen'', Bd. XL VII, 1897, 6. Heft, S. 395, Taf. II. 
Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 25 



192 



Franz Werner. 



chilenischen Borhorocoetes -Arten. Ein abschliessendes Ergebnis« hat die Unter- 
suchung des Materials nicht ermöglicht, wir sind bei den Batrachiern, sowohl 
was die Anzahl der in Kamerun und Togo vorkommenden Arten anbelangt, als 
auch in Bezug auf die scharfe Scheidung derselben noch sehr im Unklaren, die 
Eappien namentlich bedürfen einer kritischen Durcharbeitung, die holfentlich 
Herr Custos Dr. Tor nie r, welcher auch die ostafrikanischen Arten einer Durch- 
arbeitung unterzogen hat (die freilich noch nicht abgeschlossen ist), mit dem- 
selben Fleiss und wissenschaftlichen Scharfblicke vornehmen wird. Infolge des 
noch unvollkommenen Zustandes unserer batrachologischen Kenntnisse muss ich 
auch vorderhand darauf verzichten, eine Bestimmungstabelle der Kameruner 
Batrachier zu geben, und mich einstweilen auf eine solche der Eeptilien be- 
schränken, die, auf wissenschaftliche Genauigkeit und Vollständigkeit verzichtend, 
blos den sich für Reptilienkunde interessirenden Deutschen in Kamerun einen 
Anhaltspunkt zur möglichst sicheren Bestimmung und Erkennung der dort vor- 
kommenden Reptilien geben soll. 

Eine recht vollständige Uebersicht über die Literatur, welche auf die 
Herpetologie Kameruns Bezug hat, hat in letzter Zeit Dr. Yngve Sjöstedt (K. 
Svenska Vet. Akad. Handlingar, Bd. 23, Afd. IV, Nr. 2) auf S. 30—32 gegeben. 
Die in dieser Abhandlung neu beschriebenen Arten sind in die vorliegende Be- 
stimmungstabelle bereits einbezogen. 

Erwähnen will ich noch, dass nach einer brieflichen Mittheilung meines 
verehrten Freundes Prof. Oskar Boettger Aparallactus houlengeri = per- 
affinis = Elapops modestus ist. Ebenso wäre noch zu bemerken, dass, wie ich 
beim Studium der Peter s'schen Abhandlungen fand (was übrigens nicht eben 
hierher gehört, aber doch mitgetheilt werden soll), Cophomantis punctillata Ptrs. 
das eben verwandelte Junge von Hyla appendiculata Blngr. ist (vgl. Werner, 
Zool. Anzeiger, 1894, Nr. 461). 

A. Firmisternia. 
1. Bauidae. 

1. Eana mascareniensis DB. (Boulenger, Cat. Batr. Sal., p. 52). 

Von diesem Frosch liegt mir ein typisches $ von Kamerun vor, sowie 
eine grössere Anzahl von Exemplaren einer Varietät, welche ich als var. aequi- 
plicata bezeichnen möchte und welche sich vom Typus dadurch unterscheidet, 
dass die diesem zukommende deutliche, continuirliche Dorsolate ralfalte fehlt 
und der Rücken und die Seiten mit kürzeren Längsfalten versehen sind, von denen 
die lateralen noch kürzer und dicker (oft warzenartig) sind als die dorsalen (beim 9 
können sie ganz fehlen), während die dorsalen schwach entwickelt, aber deutlich sind. 

Die Schnauze ist stets lang und zugespitzt, meist IV2 (IV3 — 2) Augen- 
durchmesser lang, die Gaumenzähne stehen in zwei ziemlich langen, sehr schiefen 
Reihen zwischen den Choanen. Der Augendurchmesser ist der Entfernung der 
Schnauze vom Nasenloch gleich, die Breite des Interorbitalraumes der des oberen 
Augenlides; der Durchmesser des sehr deutlichen Tympanums ^k—^U~^k von 



lieber Reptilien und Batrachier aus Togoland, Kamerun und Tunis. 



193 



dem des Auges. Der erste Finger ist ein wenig kürzer als der zweite. Von den 
Zehen reicht an der vierten die Schwimmhaut bis zur Basis oder Mitte der vor- 
letzten, an den übrigen bis zur Basis oder Mitte der letzten Phalange. Das Tibio- 
tarsalgelenk reicht weit über die Schnauzenspitze hinaus (beim 9 nicht viel weniger 
als beim <^). 

Oberseite hell graubraun, ein breiter blassgelber Spinalstreifen stets vor- 
handen. Unterseite milchweiss, Unterkieferränder abwechselnd weiss und dunkel- 
braun gefleckt, 40wmi, 9 56 wm. 

Kamerun (Victoria und Buca; Preuss coli.). 

Eine Anzahl von JRana-Larven, welche wohl dieser Art angehören dürften, 
zeichneten sich durch ein breites silberfarbiges Längsband auf der Mitte des 
Bauches aus. 

2. Chiromantis rufescens (Gthr.). 

Polypedates rufescens Günther, P. Z. S., 1868, p. 468. 

Cfiiromantis guineensis Buchholz et Peters, Monatsber. der kgl. Akad, d. 
Wiss. in Berlin, 1875, S. 203, Taf. I, Fig. 1. 

Chiromantis rufescens Boulenger, Cat. Batr. Sal., 1882, p. 92. 

Zwei nicht besonders gut erhaltene Exemplare aus Buca (Preuss coli.). 

Wie schon Boulenger bemerkte, ist die paarige Stellung der Finger bei 
dieser Art am wenigsten ausgesprochen, bei den vorliegenden beiden Exemplaren 
kaum merklich. 

Schnauze = IVs Augendurchmesser; Tympanum = Augendurchmesser; 
Entfernung des Auges vom Nasenloch gleich dem Augendurchmesser. Interorbital- 
raum gleich der doppelten Augenlidbreite. Saugscheiben der Finger = ^/s Tym- 
panum. Das Tibiotarsalgelenk erreicht den Vorderrand des Auges. Schwimmhaut 
der äusseren Finger reicht ebenso wie die der inneren bis zum proximalen Ende 
der vorletzten Phalange. Oberseite ganz glatt, olivenbraun, Unterseite bläulich- 
weiss. Ein Interorbitalband vorhanden. Aulfallend ist die Länge des knöchernen 
Sternalstieles. 

3. Ärthroleptis variahilis Matschie. — Peters, Monatsber. der kgl. Akad. 
d. Wiss. in Berlin, 1875, S. 210, Taf. III, Fig. 1—3 (dispar). — Matschie, 
Sitzungsber. d. Ges. naturf. Fr. in Berlin, 1890, S. 173. 

Die vorliegenden, sehr zahlreichen Exemplare (welche wahrscheinlich schon 
der trefflichen Beschreibung Matschie's zur Grundlage gedient haben) variiren 
ausserordentlich in Färbung und Zeichnung. Gemeinsam ist ihnen allen die braune 
Kehle mit weisser Längsmittellinie (wie Bana latastii, iberica, graeca und noch 
manche andere Kaniden, also wohl ein alter Charakter), welche Peters aller- 
dings von seinen Exemplaren nicht erwähnt. Die Kehle junger Exemplare ist 
einfarbig weiss, nur die Unterkieferränder dunkel gefleckt. 

Die Variabilität erstreckt sich auf folgende Punkte in der Färbung und 
Zeichnung: 

1. Färbung gelbbraun, rothbrau% graubraun, chocoladebraun, ledergelb, 
grau. 

25* 



194 



Franz Werner. 



2. Zeichnung wie in Fig. 1 der oben erwähnten Peters 'sehen Tafel. 

a) Alle drei Rückenflecken verbunden (ganz wie in der Abbildung) ; 
h) nur der erste und zweite verbunden; 

c) nur der zweite und dritte verbunden; 

d) alle drei getrennt. 

3. Zeichnung wie in Fig. 1 der citirten Tafel. 

a) Zeichnung mit hellen Rändern; 

h) ebenso, aber mit dunklen Punkten zwischen der Rückenzeich- 
nung und dem dunklen lateralen Längsband (ganz wie Fig. 1); 
c) ebenso, aber auch die dunklen Punkte hell gerändert. 

4. Zeichnung wie in Fig. 2 der citirten Tafel (die drei Querbänder des 

Rückens entsprechen den drei Rückenflecken der Fig. 1). 
a) Kopf vor dem Interocularband sehr hell gefärbt; 
h) ein Subocularflecken vorhanden (auch auf Fig. 2 sichtbar). 

5. Unregelmässige Marmorirung. 

6. Einfarbigkeit. 

a) Die dunkle Lateralbinde fehlt; 
h) die helle Spinallinie (Fig. 3) fehlt. 
Unter etwa 50 Exemplaren aus Buca (Preuss coli.) waren nur wenige 
ganz ähnlich. 

4. Arthroleptis verrucosus n. sp. (Taf. II, Fig. 8). 
Nächstverwandt dem Ä. africanus Hall. 

Kopf ^/s der Totallänge, etwas breiter als der übrige Körper. Tympanum 
deutlich, ^/s Augendurchmesser, darüber eine «leutliche Falte, vom Hinterrand 
des Auges zur Basis des Vorderbeines ziehend; Saugscheiben deutlich, nicht aber 
die Subarticularhöcker. Schwimmhäute der Zehen gut ausgebildet, bis zum 
proximalen Ende der ersten Phalange reichend. Ein kleiner walzlicher innerer 
und ein kleiner spitziger, harter äusserer Metatarsaltuberkel. Tibiotarsalgelenk 
reicht bis zum Nasenloch. Oberseite warzig, davon besonders zwei grosse längs- 
gerichtete und längliche kantige Warzen in der Scapulargegend auffallend. Unter- 
seite vollkommen glatt. 

Oberseite graubraun, die grösseren Warzen hellbraun mit dunkleren 
Rändern. Extremitäten dunkler gebändert. 

Unterseite weiss, Kehle und Brust mit grossen dunkelbraunen Flecken, 
welche aber keine weisse Mittellinie auf der Kehle freilassen wie bei voriger 
Art. Totallänge 27 mm. — Kamerun. 

5. Bappia acutirostris Ptrs. et Buchh., Monatsber. der kgl. Akad. d. Wiss. 
in Berlin, 1875, S. 207, Taf. II, Fig. 4. 

Ein Exemplar von 20 mm Länge (9)- 

Schnauze abgerundet, IVs Augendurchmesser. Nasenloch der Schnauze 
zweimal näher als dem Auge. Tympanum verborgen. Finger mit halben, Zehen 
mit fast ganzen Schwimmhäuten. Tibiotarsalgelenk reicht zwischen Auge und 
Nasenloch. Ober- und Unterseite glatt. 



Ueber Reptilien nnd Batrachier ans Togoland, Kamerun und Tunis. 



195 



Oberseite hellbraun mit dunklerer symmetrischer Zeichnung. Extremitäten 
mit wenigen dunklen Querbändern. Unterseite farblos. 

6. Eappia sp. 

Mir liegen sieben Exemplare einer Bappia vor, die infolge ihres nicht 
besonders guten Erhaltungszustandes noch weniger sicher determinirbar sein 
dürften, als die folgende Art. Zu erwähnen wäre, dass das <^ dieser Art einen 
Kehlsack mit grosser „ Saugscheibe " und an den Fingern ^/a, an den Zehen ^/s, 
oder fast ganze Schwimmhäute besitzt, dass das Tibiotarsalgelenk bis zur 
Augenmitte oder bis zum vorderen Augenrand reicht, dass bei einem Exemplar 
ein Tjmpanum auf einer Seite erkennbar ist (Vs Augendurchmesser) und dass 
schliesslich der Augendurchmesser gleich der Entfernung des Auges vom Nasen- 
loch und gleich IV2 Schnauzenlängen ist. Das grösste Exemplar mit kleinen 
Wärzchen um die Mundwinkel; Kopf mit abgestutzter Schnauze. Färbung im 
Leben nach Preuss: Oberseite braun, Unterseite weiss oder gelblichweiss (2 Exem- 
plare); Oberseite grün, unterseits gelb, Oberschenkel seitlich, desgleichen Füsse 
schön roth (5 Exemplare). 

Buca, 2. Juli 1891. 

7. Bappia äff. picturata (Schleg.) Ptrs. 
von 28 Wim Länge. 

Finger mit Vs? Zehen mit ganzer Schwimmhaut. Schnauze IV3 Augen- 
durchmesser. Nasenloch der Schnauzenspitze doppelt so nahe als dem Auge. 
Tibiotarsalgelenk erreicht den Vorderrand des Auges. Oberseite glatt, Unterseite 
fein granulirt. Tympanum klein, deutlich. Ein grosser Kehlsack vorhanden, 
Oberseite bräunlichgrau, Seiten und zwei Flecken auf dem Rücken schwarzbraun, 
Kehle bräunlichgrau, Bauch weiss. 

Bei der Verwirrung, welche in der Rappiensynonymie herrscht, muss 
ich mich begnügen, das vorliegende Exemplar in die Nähe oben erwähnter Art zu 
stellen, mit welcher es bis auf das deutliche Tympanum so ziemlich übereinstimmt. 

8. Megalixalus fornasinii Bianc. — Peters, Monatsber. der kgl. Akad. d. 
Wiss. in Berlin, 1875, S. 206, Taf. I, Fig. 2 {HyperoUus dorsalis Schleg.). — 
Boulenger, Cat. Batr. Sal., p. 130. 

(j^, $ und Junges. besitzt Kehlsack mit deutlicher Saugscheibe. 9 i^it 
weissen Punkten an den Körperseiten und auf der Oberseite der Hinterbeine. 
Die drei Exemplare bilden eine ziemlich deutliche Reihe in der Entwicklung der 
Zeichnung von dem Jungen mit deutlichem bis zum mit ganz in unregelmässige 
Flecken aufgelösten Mittelstreifen. 

Ich bin nach dem mir vorliegenden Material nicht im Stande, M. leptosomus 
Ptrs. und fornasinii Bianc. mit Sicherheit zu trennen. Das junge Exemplar, 
welches dem Typus von HyperoUus dorsalis Ptrs. vollständig entspricht, besitzt 
ebensowenig kleine Tuberkeln auf der Haut, wie die übrigen beiden Exemplare, 
und auch die sonst noch gesehenen, im Uebrigen ganz typischen Exemplare dieser 
Art, wie z. B. das in meiner Sammlung befindliche, lassen keine Spur davon 
erkennen. Da ich sonst keinen wesentlichen Unterschied zwischen beiden Arten 



196 



Franz Werner. 



erkennen kann, als dass M. leptosomus anscheinend schlanker ist als der M. 
fornasinii, so bin ich nicht sicher, ob sich die Peters'sche Art auf die Dauer 
aufrecht erhalten lassen wird. 

9. Megalixdlus spinosus Buchh. et Ptrs. — Buchholz et Peters, Monatsber. 
der kgl. Akad. d. Wiss. in Berlin, 1875, S. 208, Taf. I, Fig. 2. — Boulenger, 
Cat. Batr. Sal., p. 130. 

Kopf fast so lang als der übrige Körper. Schnauze länger als Augen- 
durchmesser. Nasenloch der Schnauzenspitze doppelt so nahe als dem Auge. 
Tibiotarsalgelenk reicht über den Vorderrand des Auges hinaus. Finger mit ^/s, 
Zehen mit ganz zu den Saugscheiben (nur bei der vierten zur letzten Phalange) 
reichenden Schwimmhäuten. Subarticularhöcker doppelt und deutlich an den 
Fingern, einfach und undeutlich an den Zehen. Ein äusserer kleiner spitziger 
und ein innerer grösserer rundlicher Metatarsalhöcker vorhanden. Kehle glatt, 
Bauch granulirt. Auf der Unterseite der Oberschenkel grössere, zerstreute Granulae. 

Oberseite dunkelbraun, Kehle ebenso mit undeutlichen schwarzen Flecken 
und kleinen weissen Granulae. Bauch schwärzlich. Hinterbeine heller braun 
mit dunklen Querbändern, unterseits einfarbig hellbraun. Palmae und Plantae 
schwärzlich, Subarticularhöcker gelblich. — Totallänge 26 mm. 

10. Hylamhates rufus Reichenow, Archiv für Naturg., 1874, Bd. 40, S. 291, 
Taf. IX, Fig. 1 a, h (Leptopelis). (Taf. II, Fig. 4.) 

Von dieser Art liegen mir zehn Exemplare vor, die sich sowohl in der 
Färbung, als auch in ihren morphologischen Merkmalen sehr wesentlich unter- 
scheiden und unbedenklich als verschiedene Arten aufgefasst werden könnten, 
wenn die Extreme nicht eben durch Zwischenformen mit einander verbunden 
wären. So aber kann ich sie nur als Varietäten des H. rufus auffassen. 

Wie gross die Variabilität der Art ist, möge aus nachstehenden Bemer- 
kungen ersehen werden: 

Die Länge der Schnauze variirt zwischen einem und P/s Augendurchmesser. 

Der Durchmesser des Tympanums beträgt — % Augendurchmesser. 

Die Entfernung des Tympanums vom Auge ^/s — ^js Augendurchmesser. 

Die Breite des Interorbitalraumes ist gleich der anderthalbfachen bis fast 
doppelten Breite eines der oberen Augenlider (und dabei stets gleich der Ent- 
fernung der beiden Nasenlöcher von einander). 

Das Tibiotarsalgelenk reicht bei nach vorne an den Körper angelegtem 
Hinterbein mindestens zur Augenmitte, höchstens bis zum Nasenloch. 

Die Haut der Oberseite ist entweder glatt oder mit vereinzelten kleinen 
Körnchen besetzt, oder — wie bei dem Original-Exemplar — chagrinirt. Die 
mittleren Subarticularhöcker der beiden äussersten Finger sind entweder einfach 
oder vorne mehr weniger tief gespalten. 

Vollständig übereinstimmend ist nur die Stellung der Gaumenzähne und 
ihre Entfernung von einander,^) die stets so gross ist, wie eine dieser Ganmen- 



') Bei einem der Exemplare der var. modesta fehlen die Gaumenzähne üherhaupt! 



lieber Rpptilien und Batiacliier aus Togoland, KaiuPiun und Tunis. 



197 



zahngruppeii im Durchmesser; ferner die Länge der Schwimmhäute zwischen den 
Fingern und Zehen. 

Ich kann nach dem vorliegenden Materiale folgende Varietäten unter- 
scheiden : 

a) Var. boulengeri Wern. (Taf. II, Fig. 4). — Bou lenger, Cat. Batr. 
Sal., p. 136. 

1 Exemplar („lichtbraun mit grünen Zeichnungen", Preuss coli., Victoria, 
Kamerun, 29. Jänner 1892). 

Im Alkohol sind die grünen Zeichnungen violett geworden, sie sind gelb 
eingefasst. Es befindet sich ein Querband zwischen den Augen, ein grosser drei- 
eckiger, mit der Spitze nach vorne gerichteter Fleck auf dem Rücken; auch die 
Extremitäten sind in derselben Farbe gebändert. Ein rein weisser Fleck unter 
dem Auge. Flanken schwarz gefleckt, Unterseite einfarbig weiss. Haut oberseits 
chagrinirt. 

Ich benenne diese schöne Varietät nach dem Autor, welcher sie zuerst 
beschrieben hat; Boulenger beschreibt ganz übereinstimmend mit dem mir vor- 
liegenden Exemplar solche „with dark symmetrical markings viz. a crossline bet- 
ween the eyes, and a large triangulär spot on the middle of the back". 

Die Schnauze ist bei dieser Form ziemlich lang, 1^/3 Augendurchmesser; 
die Haut über dem Tympanum sehr deutlich chagrinirt. 

h) Var. modestaWern}) — Boulenger, Cat. Batr. Sal., p. 136. 

Einfjirbig roth- oder graubraun, nur selten mit vereinzelten weissen oder 
schwarzen Punkten oder sehr undeutlichen dunklen Flecken. Seiten einfarbig 
weisslich oder mehr weniger dicht braun punktirt. Ein mehr weniger undeut- 
licher weisser Fleck unter dem Auge, vor und hinter ihm ein immer undeut- 
licher und in die Grundfärbung übergehender brauner Fleck. Unterseite ein- 
farbig gelblich weiss. Extremitäten undeutlich oder gar nicht gebändert, Ober- 
schenkel bis auf einen schmalen Streifen auf der Oberseite unpigmentirt. 

Haut der Oberseite fast vollständig glatt, doch ist bei abgetrockneten 
Exemplaren mehr weniger deutlich eine sehr feine Körnelung zu sehen. Bei den 
meisten Exemplaren sind grössere Körnchen auf der sonst glatt erscheinenden 
Oberseite verstreut zu bemerken. Schnauze ebenso lang oder kürzer als bei der 
vorigen Form. Grösse geringer. 



1) Zu dieser Varietät reebne ich auch drei Larven (Togo, März 1891, Büttner coli.) in wenig 
verschiedenem Entwicklungsgrade (d. i. mit noch nicht, einerseits und beiderseits vorgebrocheneu 
Vorderbeinen), welche sich durch die grosse Länge ihres Schwanzes 

(42mm bei 60mm Totallänge: dreibeiniges Exemplar, 
39 „ „ 57 „ „ zweibeiniges „ 

35 „ „ 52 „ „ vierbeiniges „ ) 

auszeichnen. After median. Zähne des Unterschnabels in zwei Reihen dicht nebeneinander. Ober- 
halb des Schnabels zwei, unterhalb drei Reihen von Lippenzähnchen. Mundfeld von Papillen umgeben. 

Kehle braun, einfarbig oder in der Mitte weiss, Bauch weiss oder bläulichgrau. Unterer 
Schwanzsaum weiss, Schwanz braun und gelblich gefleckt. Hinterbein unterseits gelblich. Oberseite 
braun (siehe Fig. lü und 11). 



198 



Frauz Werner. 



Das Original-Exemplar des H. rufus entspricht in der einfarbig braunen 
Oberseite und der Zeichnung der Kopfseiten dieser Varietät, sonst aber in den 
morphologischen Merkmalen und den gefleckten Flanken der vorigen. — Kamerun. 

c) Var. ventrimaculata Wem. 

Aehnlich der vorigen Varietät, aber der Bauch mit grösseren braunen 
Flecken und die Hinterbacken dunkelbraun. — Kamerun. 

d) Var. notata Ptrs. et Buchh., Monatsber. der kgl. Akad. d. Wiss. in Berlin, 
1875, S. 205, Taf. II, Fig. 1. 

Färbung der Oberseite blaugrau mit einem feinen schwarzen Netzwerk. 
Die von den Autoren des Hylambates notatus beschriebenen weissen Flecken 
können fehlen, der obere Mundrand ist jedoch stets weiss und der weisse Fleck 
unter dem Auge wenigstens angedeutet. 

Haut der Oberseite glatt, erscheint aber infolge des schwärzlichen Netz- 
werkes wie chagrinirt. Seiten einfarbig oder gefleckt wie bei var. houlengeri. 
Noch kleinere Varietät, da keines der vorliegenden zwei Exemplare die Grösse 
des Original-Exemplares übertrifft. 

Schnauze mehr weniger vorspringend (am wenigsten bei dem Original- 
Exemplar), so dass sie von unten deutlich sichtbar ist. Gaumenzahngruppen 
genähert. Schnauze kurz, nicht länger als der Augendurchmesser, nur bei dem 
Original-Exemplar länger. 

Zwei Exemplare von Kamerun. 

Die Feststellung der Arteinheit aller dieser Formen machte mir kaum 
geringere Schwierigkeiten, als die Bearbeitung der Borhorocoetes -Arten. Durch 
die Liebenswürdigkeit des Herrn Gustos Dr. G. Tornier war es mir möglich, 
die Original-Exemplare von Hylambates rufus, notatus und palmatus zu sehen 
und mich zu überzeugen, dass keines der mir vorliegenden Exemplare zu palmatus 
gehört. 

Es wird vielleicht befremden, dass ich vier Varietäten aufzähle, ohne einen 
„Typus" oder eine „Stammform" zu erwähnen. Es geschieht dies einfach aus 
dem Grunde, weil ich absolut nicht anzugeben im Stande bin, welches die Stamm- 
form ist oder sein kann. Es ist vielfach in der Literatur gebräuchlich, die Begriffe 
„Typus", „Stammform", „Hauptform", „Original-Exemplar" zu verwechseln. 

Die Original-Exemplare einer Art müssen durchaus nicht die typischen, 
die typischen nicht die Stammform sein. 

Unsere gemeine Kingeinatter ist bei uns zwar die Hauptform, sie ist aber 
durchaus nicht die Stammform, als welche die gestreifte „Varietät" bilineata 
Jan. = persa VdiW. — murorum Bp. anzusehen ist; ebenso ist Coluher quatuor- 
lineatus die Varietät und sauromates die Stammform, denn diese behält die 
ursprüngliche Fleckenzeichnung der Jungen bei; dasselbe gilt für Coluher leo- 
pardinus, der jetzt endlich von Bou lenger durch die Annahme des Bonaparte- 
schen Speciesnamens als Stammform kenntlich gemacht wurde, während er 
früher als Varietät von quadrilineatus galt. Vergleicht man aber die Jungen 
der Coluber-kvtexi Europas, so muss man zugestehen, dass die so sehr überein- 



Ueber Reptilien und Batrachier aus Togoiand, Kamerun und Tunis. 



199 



stimmende jugendliche Fleckenzeichnung die ursprünglichere und die dieselbe 
tragenden erwachsenen Formen als die Stammformen zu bezeichnen sind. Das 
Gleiche gilt für die „var." aurolineatus von Tropidonotus viperinus, Python 
spilotes var. variegatiis, Cohiber ohsoletus var. spüoides und noch viele Andere, 
welche trotz ihrer Degradirung zu Varietäten, die sie ihrer späteren Entdeckung 
oder Beschreibung verdanken, die Stammformen der entsprechenden Arten sind. 
Es wäre verfehlt, hieraus für die Nomenclatur Schlüsse zu ziehen und Aenderungen 
derselben aus diesem Grunde vorzunehmen, weil ja der Name Nebensache ist 
und eine Varietät die Art ebenso gut repräsentiren kann und muss, als die 
Stammform. Es soll aber nur darauf hingewiesen werden, was so oft ausser 
Acht gelassen wird, dass: 

1. Die Original-Exemplare einer Art wohl die „Typen", aber nicht den 
„Typus" der Art vorstellen. Aus diesem Grunde ist auch der Ausdruck Original- 
Exemplar dem Ausdruck „Typ-Exemplar" vorzuziehen, da er nicht zu ver- 
wechseln ist. 

2. Den Typus der Art repräsentirt die gemeinste und verbreitetste Form 
derselben, die Hauptform. 

3. Die Stammform, von welcher sich die übrigen Formen ableiten lassen, 
fällt durchaus nicht nothwendiger Weise mit dem Typus, der Hauptform, zusammen. 

11. Hylamhates brevirostris u. sp. (Taf. II, Fig. 5 und 6). 

Sehr nahe verwandt dem H. rufus, aber Gaumenzähne in sehr stark ge- 
näherten, auf der Verbindungslinie der Choanenhinterränder liegenden Gruppen, 
Schnauze ebenso lang oder küi-zer als der Augendurchmesser, Kopf kürzer und 
breiter als bei H. rufus (Verhältniss seiner Breite zur Totallänge des Frosches 
wie 1:2"9— 3'1; bei H. rufus wie 1 : 3"4). Schnauze von unten sehr deut- 
lich sichtbar, ebenso die Nasenlöcher, was bei H. rufus nur bei einem 
Exemplar der var. notata einigermassen der Fall ist, während sonst die Schnauze 
und die Nasenlöcher bei dieser Art von unten nicht im Mindesten sichtbar sind. 
Haut der Oberseite mehr weniger deutlich chagrinirt. Schwimmhäute und Sub- 
articularhöcker wie bei H. rufus, ebenso Metatarsalhöcker, Haut der Unterseite, 
Grösse (V2 Augendurchmesser) und Entfernung (vom Auge) des Tympanums, 
Länge der Hinterbeine etc. 

Färbung der Oberseite rothbraun, licht purpurroth oder silbergrau, ein- 
farbig oder (das purpurrothe Exemplar) mit violetten Flecken und Punkten, die 
unter Anderem eine undeutliche Querbinde zwischen den Augen erzeugen. Bei 
diesem Exemplar sind auch die Unterkieferränder und der grösste Theil der 
Kehle, sowie die Körperseiten braun, der Bauch braun gefleckt. Ein weisser 
Fleck unter dem Auge ist niemals vorhanden oder auch nur an- 
gedeutet. Bei den übrigen Exemplaren sind die Körperseiten braun punktirt 
oder einfarbig. 

Von dieser Art liegen mir drei grosse und ein halbwüchsiges Exemplar 
vor. Totallänge 58—64 mm. — Kamerun (ein Exemplar aus Victoria, Preuss coli.). 

Das eine Exemplar besitzt eine überzählige Saugscheibe am dritten 
Finger links. 

Z. B. Ges. Bd. XL VIII. oß 



200 



Franz Werner. 




12. Cornufer johnstonii Blngr. (Taf. II, Fig. 2, 2 a und 3). — Bou- 
lenger, Proc. Zool. Soc. London, 1887, p. 564. 

1 9 5 Victoria, Kamerun; 1 9> 3 cf, Kamerun. 

Das 42 mm lange Exemplar aus Victoria (Fig. 3) entspricht ganz der 
Beschreibung Boulenger's; hinzuzufügen wäre höchstens Folgendes: 

Gaumenzähne in zwei schiefen Gruppen hinter den Choanen. Schnauze 
lV2nial so lang als der Augendurchmesser. Schnauzenkante gerade, stumpf. 

Zügelgegend nicht concav, sondern in der Art vertieft, dass der 
Querschnitt etwa ^-förmig aussieht. 

Interorbitalraum = dem Augenliddurchmesser, Occipital- 
gegend flach, Tympanum ^/a Augendurchmesser; erster Finger 
kürzer als der zweite. Zehen mit kleinen Erweiterungen; Suh- 
articular- und Metatarsalhöcker klein, deutlich. Eine starke Falte 
über dem Tympanum. 

Oberseite braun mit schwarzen Flecken und schwachem 
Erzschimmer, namentlich in der Tympanalgegend. Die schwarzen Flecken liegen 
auf flachen warzenförmigen Erhebungen der im Uebrigen fein chagrinirten Haut. 
Seiten marmorirt. 

Die (Fig. 2) zeigen auf der Unterseite des Oberschenkels eine flache, 
elliptische, grosse Drüse, wie sie bei Mantidactylus- Arten an derselben 
Stelle vorkommt (Fig. 2 a), sind kleiner als das 9 > oberseits schwarz (nur schlecht 
erhaltene Exemplare braun), Seiten weiss punktii t, Kehle dunkelbraun, Brust und 
Bauch gelblich, dunkel gefleckt. 

Tibiotarsalgelenk reicht über die Schnauzenspitze hinaus. Tympanum 
^/s — ^/s, Schnauze gleich oder etwas länger (IV4) ^Is der Augendurchmesser. 
Saugscheiben der Finger kleiner als das Tympanum. Seiten mit scharfen, kurzen 
Längsfalten, wie solche auch auf der Oberseite der Hinterbeine bemerkbar sind. 
Zwei innere Schallblasen vorhanden. 

13. Astylosternus n. gen. Kaiiidarum. 

Zunge tief ausgeschnitten; Gaumenzähne vorhanden. Finger 
und Zehen nur an der Basis mit Schwimmhäuten verbunden. 
Aeussere Metatarsalia getrennt. Omo- 
sternum mit knöchernem Stiel, der 
^it einem gegabelten Ende den 
Praecoracoiden aufsitzt. Sternum eine Knorpelplatte. 
Pupille? (Exemplar schlecht erhalten.) 

Astylosternus diadematus 11. sp. 

Kopf breit, Schnauze abgerundet, so lang als 
der Augendurchmesser. Nasenloch von Auge und 
Schnautzenspitze gleichweit entfernt. Tympanum 
= ^/a Augendurchmesser. Finger und Zehen lang 

und dünn. Tibiotarsalgelenk erreicht die Schnauzen- Astylosternus diadematus. 
spitze. (V4 nat. Gr.) 





Ueber Keptilien und Batnicliier aus Togoland, Kamerun und Tunis. 



201 



Gaumenzäbne klein, auf der Verbindungslinie der ClioaneDhinterränder. 
Interorbitalrauni = Augenliddurcbmesser. Haut oben und unten glatt. 

Oberseite dunkelbraun, ein breites, dunkles, beller gerändertes Querband 
zwischen den Augen, ein dunkler Fleck unter dem Auge; Hinterbeine quer- 
gebändert. Keble und Bauch weisslich. Totallänge hOmm; Kopflänge IC, Kopf- 
breite 21, Hinterbein S4, Vorderbein Shmm. 

Victoria, Kamerun (Preuss coli.). 

14. Atelopus africanus n. sp. 

So auffallend das Vorkommen einer Art dieses amerikanischen Genus auch 
erscheinen mag. so haben wir doch Derartiges bereits bei anderen Batrachiern 
(DermopMs) und auch Reptilien (Amphisbaena) kennen gelernt. Die neue Art, 
die mir in 30 wohlerhaltenen Exemplaren vorliegt, steht dem Phryniscus hibronii 
Schmidt am nächsten. 

Kopf etwa ebenso lang als breit, seine Länge etwa 2V3nial in der des 
Rumpfes enthalten. Kopfseiten fast vertical, Schnauze vorspringend, stumpf zu- 
gespitzt, Nasenloch doppelt so weit vom Auge als von der Schnauzen- 
spitze entfernt; seine Entfernung vom Auge gleich dem Augen- 
durchmesser, Interorbitalraum doppelt so breit als ein Augenlid. 
Finger ohne Schwimmhaut, der erste sehr deutlich entwickelt. 
Hinterbein erreicht mit dem Tibiotarsalgelenk die Augenraitte. 
Zehen mit etwa halben Schwimmhäuten, die innere vollkommen 
deutlich. Weder Subarticular-, noch Metatarsal- oder Metacarpaltuberkeln vor- 
handen, Zunge länglich-elliptisch. Oben schwarz mit oder ohne zwei undeutlichen 
helleren Längsbändern. Unterseite bei Jungen schwärzlich, bei ganz alten Exem- 
plaren dunkel rothbraun, gelblich gefleckt. Totallänge 45— 48ww, 

Bismarkburg (Adeli, Togo). 

B. Arcifera. 
1. Bufonidae. 

15. Nect02)hryne parvipalmata n. sp. (Taf. II, Fig. 7 und 7 d). 

Unterscheidet sich von N. afra Ptrs. durch die kurzen, wenngleich deut- 
lichen Schwimmhäute der Finger. 

Schnauze schief nach hinten und unten abgestutzt, oben in der Mitte mit 
einer Längsfurche, IVs Augendurchmesser lang. Schnauzenkante deutlich ge- 
schweift, aber nicht scharf, sondern abgerundet, fast wulstig vortretend. Nasen- 
löcher sehr nahe der Schnauzenspitze. Zügelgegend ziemlich steil nach aussen 
abfallend. Tjmpanum verborgen. Interorbitalraum zweimal so breit als ein 
oberes Augenlid. 

Erster Finger reicht wenig über das Metacarpalglied des zweiten hinaus; 
Schwimmhaut zwischen dem ersten und zweiten Finger Va, sonst nur "^U. Finger 
2—4 lang, schlank, flach, die Enden nicht erweitert, aber wie die ganzen Finger 
überhaupt mit einem Saum umgeben. Vorder- und Hinterbeine lang, schlank, 

26* 




202 



Franz Werner. 



letztere erreichen mit dem Tibiolarsalgelenk den Hinterrand des Auges und reichen 
mit dem Tarsometatarsalgelenk über die Schnauzenspitze hinaus. Von den Zehen 
die erste bis dritte bis zur letzten, die fünfte bis zur vorletzten, die vierte bis 
zur drittletzten Phalange mit Schwimmhaut. Zwei sehr undeutliche Metatarsal- 
tuberkeln. Kopf oben mit einigen grösseren, Schläfengegend mit zahlreichen 
kleineren Warzen, ebenso die Oberseite der Extremitäten; sonst nur rauh. Unter- 
seite der Oberschenkel granulirt. Oben braun, unten gelblich. Länge 33 mm, 
Oberarm 12 mm, Unterarm und Hand bis zur Spitze des vierten Fingers 16 mm. 
Kamerun? 

16. Bufo regularis Rss. — Boulenger, Cat. Batr. Sah, p. 298. 

14 Exemplare dieser schön bunt gezeichneten häufigen Art aus Kamerun 
(Barombi-Station 10, Victoria 1, Kamerun 3). 

Die Länge des ersten Fingers ist sehr schwankend, er kann bis zur Basis, 
Mitte, zum Ende der vorletzten Phalange des zweiten Fingers reichen. Die 
Länge und Zahl der Warzen auf dem oberen Augenlid ist grösser bei Erwachsenen, 
als bei Jungen. Die gelbe Spinallinie kann fehlen. Kehle manchmal braun 
(cf?), Bauch gelb bis braun. Ein junges entspricht meinem B. polycerus 
(Sitzungsber. der kgl. bayer. Akad. der Wiss., Bd. XXVIL 1897, Heft II, S. 211) 
so ziemlich, das Tarsometatarsalgelenk reicht bis zur Augenmitte; ich vermag 
aber diese Art auf Grund des neuerdings untersuchten Materials nicht einmal als 
Varietät aufrecht zu erhalten, sondern nur als extreme Form von B. regularis 
anzusehen. Bei dem Exemplare aus Victoria (wie die von Barombi von Preuss 
gesammelt) ist der erste Finger nur um eine Phalange länger als der zweite. 

17. Bufo tuherosus Gthr. — Boulenger, Cat. Batr. Sal., p. 304. 

Diese in fünf typischen Kameruner Exemplaren vorliegende Art ist durch 
die ausserordentlich vortretenden, wirklich „knollenartigen" Paratoiden sehr aus- 
gezeichnet und kenntlich. 

18. Bufo laevissimus Wern., Sitzungsber. der kgl. bayer. Akad. der Wiss., 
Bd. XXVII, 1897, Heft II, S. 212. (Taf. II, Fig. 1.) 

Ein prachtvolles, 110 langes 9 ^^^s Kamerun, welches sich von den 
Münchener Original-Exemplaren durch den Besitz einer sehr deutlichen Dorso- 
lateralfalte unterscheidet, die wohl bei den Originalen infolge ihrer weniger guten 
Erhaltung unsichtbar geworden ist. 

Die Parotoiden sind 40 mm lang und nur die obere, hell gefärbte Partie 
mit Poren versehen. Die dreieckige Form des höchst wahrscheinlich (wie bei 
Vipera raddii) erectilen oberen Augenlides ist hier deutlich bemerkbar. Tympanum 
deutlich, vertical elliptisch, der verticale Durchmesser gleich des Augendurch- 
messers. Oberseite hell rothbraun, Seiten chocoladebraun. 



Im Anhange gebe ich nun hier eine Bestimmungstabelle der Rep- 
tilien von Kamerun, welche, wie ich hoife, sich bei der Identificirung der dort 
vorkommenden Arten als brauchbar bewähren wii;d. 



Ueber Reptilien und Batracliier aus Toguland, Kamerun und Tunis. 



203 



Ich habe es so viel als möglich vermieden, schwieriger erkennbare oder 
irgendwie unbeständige Merkmale anzugeben, konnte aber bei den Schlangen 
doch nicht umhin, schliesslich auch die so wichtigen Kopfschilder zu Hilfe zu 
nehmen. 

Auffallend ist die geringe Anzahl von Eidechsenarten gegen die Schlangen, 
welche fast 60 "/o der bisher sicher bekannten Keptilien ausmachen. 

Es ist selbstverständlich, dass die hier erwähnten Arten nicht alle sind, 
welche in Kamerun vorkommen, haben sich doch in dem so gut erforschten 
Europa in den letzten Jahrzehnten noch neue Arten ergeben ; ebenso werden sich 
noch manche Kameruner Arten unter denjenigen mit dem unbestimmten Fund- 
orte „Westafrika" finden, oder solche, die bisher zwar von den nördlich und 
südlich gelegenen Ländern, nicht aber noch von Kamerun selbst aufgeführt sind. 

Es wurden von mir mit wenigen Ausnahmen nur solche Arten auf- 
genommen, die entweder in der Literatur mit Bestimmtheit von Kamerun an- 
gegeben oder mir selbst von diesem Fundorte zur Bestimmung zugekommen sind. 

Der mir für diese Bestimmungstabelle vorschwebende Gedanke war der, 
namentlich für die Bestimmung der Arten an Ort und Stelle eine Anleitung zu 
geben, die eine möglichst genaue Erkennung der bisher bekannten Arten er- 
möglicht. Die mir aus Kamerun nicht sicher bekannten Arten sind eingeklammert. 
Den weitaus grössten Theil aller hier aufgeführten Arten habe ich selbst — 
theilweise in sehr ansehnlicher Individuenzahl — zu untersuchen Gelegenheit 
gehabt. 

A. Schildkröten. 

Körper in einem aus Bücken- und Bauchschale bestehenden Panzer steckend;- 
Kiefer zahnlos mit Hornscheide. 
I. Landschildkröten mit Klumpfüssen und geraden, stumpfen Nägeln. Hinter- 
theil des Rückenpanzers bei erwachsenen Exemplaren etwas beweg- 
lich (nach unten) . Cinixys 

[L Rand des Rückenpanzers weder aufgebogen noch gezähnt. 

C. helliana (Bell 's Landschildkröte).] 
2. Rand des Rückenpanzers aufgebogen und gezähnt. 

a) Vordertheil der Bauchschale über die Rückenschale vorragend; 

letztere nach hinten sanft abfallend. 

C. erosa (zackige Landschildkröte). 

b) Vordertheil des Bauchpanzers nicht über den Rückenpanzer vor- 

ragend; letzterer hinten steil abfallend. 

C. homeana (Home 's Landschildkröte). 
II. Wasserschildkröten mit fünf deutlich unterscheidbaren Zehen, alle mit 
meist scharfen, etwas gebogenen Krallen an Vorder- und Hinterbeinen; 
Vorderhälfte des Bauchpanzers beweglich (aufwärts). 

Pelomedusidae. 



204 



F r a n z Werner. 



1. Kopf vorne abgerundet, Oberschnabel nicht hakig nach abwärts ge- 

bogen, Baiichschale in der Mitte gelblich. 

Sternothaerus derhianus (gemeine afrikanische 
Wasserschildkröte). 

2. Ebenso, aber Bauchschale schwarzbraun. 

Sternothaerus gahonensis (Gabun -Wasserschildkröte). 

3. Kopf vorne zugespitzt, Oberschnabel hakig nach unten gebogen. 

Sternothaerus niger (schwarze Wasserschildkröte). 

III. Wasserschildkröten mit weichem Panzer, ohne Hornplatten, Schnauze in 
einen Rüssel endigend, Kiefer unter fleischigen Lippen verborgen. Nur 
die drei inneren Zehen mit Krallen Trionychidae 

1. Bauchpanzer hinten mit einer Hautfalte, unter der die Hinterbeine 

verborgen werden können. 

Cycloderma auhryi (Aubry 's Weichschildkröte). 

2. Bauchpanzer ohne Hautfalte, Hinterbeine daher frei. 

Trionyx triunguis (gemeine afrikanische Weichschildkröte). 

B. Krokodile. 

Grosse, wasserlebende Reptilien mit durch Klappen verschliessbaren Nasenlöchern, 
verticaler Pupille, Ohr mit beweglichem Deckel; Rücken mit Knochenschildern 
gepanzert, Schwanz seitlich zusammengedrückt, mit zackigem Kamm auf der 
oberen Schneide, Zehen mit mehr weniger entwickelten Schwimmhäuten, 
Vorderfüsse fünf-, Hinterfüsse vierzehig. 

Schnauze lang, mindestens 2^4 mal so lang als an der Basis (welche man durch 
eine quer über die Schnauze, genau vor den Augen gezogene Linie bildet) 
breit, die Nahtlinie der beiden Unterkieferäste lang, reicht bis zum Niveau 
des siebenten oder achten Unterkieferzahnes. Oberseite der Beine mit stark 
gekielten Schuppen. Junge oben braun mit dunkelbraunen, grossen Flecken, 
alte Thiere einfarbig dunkelbraun. 

Crocodilus cataphractus (Panzerkrokodil). 

Schnauze kürzer, l'^/s— 2mal so lang als an der Basis breit; Nahtlinie der Unter- 
kieferäste reicht nur bis zum Niveau des vierten oder fünften Unterkiefer- 
zahnes. Oberseite der Beine imi schwach gekielten oder glatten Schuppen. 
Junge oben braun mit dunklen Flecken und zahlreichen dunklen Punkten, 
alte Thiere einfarbig olivenbraun . Crocodilus niloticus (Nilkrokodii). 

Schnauze kurz, wenig länger als an der Basis breit; Waden ohne Schuppenkamm 
am Hinterrande; Hinterkopf breit, mit einer Art flachen, harten, viereckigen 
Platte. Junge dunkel mit gelbbraunen Flecken und Querbinden, Unterkiefer 
auf gelblichem Grunde mit grossen dunklen Flecken; alte Thiere einfarbig 

schwärzlich Osteolaemus tetraspis 

(= Crocodilus frontatus; Stumpf- oder Alligatorkrokodil). 



Ueber Reptilien nnd Batiachier aus Togoland, Kamerun und Tunis. 



205 



C. Chamacleons. 

Allgen mit ringförmigem Lid; Zunge cylindrisch, weit vorschnellbar, mit ver- 
dicktem und klebrigem Ende; Zehen zu zwei und drei zangenartig verbunden, 
zum Klettern geeignet; Schwanz einrollbar, ebenfalls als Greiforgan beim 
Klettern dienend. Körper seitlich zusammengedrückt. Kopf knöchern und 
kantig, häufig mit einem Helm am Hinterkopfe. Ausschliesslich Baumthiere. 
Im Kamerungebiete folgende Arten: 

1. Schwanz wenigstens körperlang; Klauen einspitzig. 

Chamaeleon. 

A. Kopf des mit langen Hörnern (zwei nach vorne gerichtete, neben- 

einander stehende auf der Schnauzenspitze), Rücken und Oberseite der 
vorderen Schwanzhcälfte mit einem welligen, durch die Dornfoi-tsätze 
der Wirbel gestützten Hautkaram; zwischen den feinen Körnerschuppen 
des Rumpfes grosse, flache, runde Schuppen. 9 zwei sehr kleinen 
Schnauzenhörnern und ohne Kamm. 

Ch. montium (Bergchamaeleon). 

B. Kopf des ohne Hörner; in beiden Geschlechtern ein Hautkamm wie 

beim der vorigen Art und grössere runde, flache Schuppen zwischen 
den kleinen Körnerschuppen Ch. er i Status 

C. Kopf des mit drei Hörnern (eines auf der Schnauzenspitze und 

eines vor jedem Auge, alle drei nach vorne gerichtet); keine grösseren 
Schuppen zwischen den Körnerschuppen des Rumpfes. Hinterkopf 
mit einem kleinen Hautlappen auf jeder Seite. 

Ch. oioenii (dreihörniges Chamaeleon). 
Z>. Kopf des ohne Hörner; kein Hautkamm auf dem Rücken; keine 
vergrösserten Schuppen unter den Körnerschuppen des Rumpfes ; ein 
continuirlicher Kamm aus kleinen, spitzigen Schuppen auf der Mittel- 
linie von Kehle und Bauch. 
a) Ein grosser, beweglicher Hautlappen auf jeder Seite des Hinter- 
kopfes, beide in der Mitte des Nackens aneinanderstossend (JU), 
mit einem kleinen, spornartigen Fortsatz an der Ferse. 

Ch. dilepis (grosslappiges Chamaeleon). 
h) Aehnlich, aber ein kleiner, be^ '-eglicher Hautlappen auf jeder Seite 
des Hinterkopfes (ww). 

Ch. parvilohus (kleinlappiges Chamaeleon). 

c) "Aehnlich, aber der Hautlappen am Hinterkopf blos angedeutet, nicht 

beweglich Ch. gracilis (schlankes Chamaeleon). 

d) Aehnlich, aber ganz ohne Hautlappen am Hinterkopf, cT ohne Sporn. 

Ch. senegalensis (Senegal-Chamaeleon). 

2. Schwanz sehr kurz, Klauen zweispitzig. 

Rhampholeon spectrum (kurzschwänziges Zwergchamaeleon). 



206 



Franz Werner. 



D. Eidechsen. 

Ä. Eidechsen mit vier Beinen und deutlichem Schwanz. 

I. Schwanz lang, seitlich zusammengedrückt. Oberseite des Körpers 
mit kleinen, einander ziemlich ähnlichen Schuppen, welche von einem 
Ring kleinerer Körnerschuppen umgeben sind. Kopf, Hals und Zunge 
lang, letztere lang zweispitzig. Beine kräftig, fünfzehig. Grosses Thier 
(bis 2 m lang) von bunter Färbung (mit gelblichen Augenflecken und 
Querbinden auf dunklem Grunde). 

Varanus niloticus (Nilwaran, Wasserwaran). 
II. Oberseite mit sehr kleinen Schuppen, zwischen denen sich grössere, runde, 
sogenannte „Tuberkelschuppen" befinden. Pupille senkrecht, Augen- 
lider nicht unterscheidbar. Zehen an der Basis erweitert, auf der Unter- 
seite mit queren Haftlamellen in zwei Reihen. Kleine, nächtliche, oft 
in den Häusern lebende Eidechsen . Hemidactylus (Hausgecko) 

1. Oberseite mit breiten, dunklen Querbinden; ein dunkler, hufeisen- 

förmiger Fleck hinter den Augen . H. fasciatus (Bindengecko) 

2. Oberseite mit dunklen Flecken, ein dunkler Strich vom Nasenloch 

durchs Auge zur Ohröffnung; die Tuberkelschuppen gekielt, in (16 — ) 
20—22 Längsreihen H. guineensis (Hausgecko)*) 

3. Aehnlich, aber die Tuberkelschuppen glatt, convex . H. mahouia^) 

4. Aehnlich, aber die Tuberkelschuppen spitzig, stachelartig. 

H. echinus (Stachelgecko). 

III. Aehnlich, aber keine Tuberkelschuppen und die Zehen an der Spitze drei- 

eckig oder herzförmig erweitert. 

Phyllodactylus porpJiyreus (Cap-Gecko). 

IV. Körper mit stark gekielten, rhombischen Schuppen, Schwanz drehrund, 

Hinterkopf- und Halsseiten mit Gruppen von Stachelschuppen, cf mit 
prachtvoll rothem Kopf, Oberseite braun oder stahlblau. Gemein, 
namentlich auf Hausdächern. Agama colonorum (Siedieragame). 
V. Kopf mit grösseren Schildern, Schwanz mit Wirtein stark stacheliger 
Schuppen. Rückenschuppen klein. 

Lacerta echinata (Stachelschwanzeidechse). 
VI. Ko])f mit grösseren Schildern, Schwanz plattgedrückt, an den Seiten ge- 
zähnt, Rücken mit zwei Reihen grösserer Schildchen. Grün mit schwarzen 
Längsstreifen . . Holaspis guentheri (Plattschwanzeidechse). 
VII, Körper mit fischschuppenähnlichen, hinten abgerundeten, glatt anliegenden 

Schuppen Scincoidae (Wühlechsen) 

1. a) Schuppen in 28—32 Reihen um die Rumpfmitte, mit drei deut- 
lichen Längskielen. Rücken hellbraun, Seiten dunkelbraun. 

Mahuia raddoni (gemeiner Glanzskink). 
h) Schuppen mit 4 — 7 Längskielen . . Mahuia maculilahris 

1) Wohl kaum von H. brookii Gray specifiscli verscliieden. 

2) Mit dieser Art ist wahrscheinlicli H. muriceus Ptrs. vielleicht nur eine Varietät. 



Ueher Reptilien und Batrachier aus Togoland, Kamerun und Tunis. 



207 



2. Schuppen in 32—36 Reihen rund um die Rumpfmitte, mit drei deut- 

lichen Längskielen. Oben braun mit dunklen Längslinien; Seiten 
weiss und schwarz senkrecht gebändert; Unterseite weiss mit 
schwarzen Längslinien. 

Ly fjosoma fernandi (grosser Glanzskink). 

3. Schuppen glatt, in 56 — 57 Reihen . . L. hrevipes (Kurzbeinskink) 

4. Schuppen glatt, in 24—26 Reihen. L. gemmiventris (Goldskink). 

5. Schuppen glatt, in 22 Reihen. 

L. Meichenoiüi (Reichenow's Skink). 

6. Schuppen glatt, in 20 Reihen L. vigintiserierum 

Fusslose Eidechsen mit nicht deutlich unterscheidbarem kurzen Schwanz und 

kleinen, unter der Haut verborgenen Augen. 

1. Wurmartige Eidechse mit glatten, fischschuppenähnlichen Schuppen; 

Nasenlöcher ins Schnauzenschild gebohrt. Färbung schwärzlich. 

Feylinia currori. 

2. Sehr regenwurmähnliche Eidechsen, deren Haut durch regelmässige 

Längs- und Querfurchen in lauter rechteckige Felder zerlegt ist, 
die länger als hoch sind. Amphishaenidae (Doppelschleichen) 

[a) Kopf mit abgerundeter Schnauze Amphisbaena] 

[h) Schnauze seitlich zusammengedrückt, Schnauzenschild sehr gross, 
mit scharfer, senkrechter Schneide . . Anops africanus] 
c) Schnauze von oben nach unten zusammengedrückt, Rostrale sehr 
gross, mit horizontaler Schneide. Hautfelder auf der Brust 
vergrössert Monopeltis semipunctata 

E. Schlangen. 

(Giftschlangen sind durch ein vorgesetztes f gekennzeichnet.) 

Kleine, wurmförmige Schlangen (selten über ^j^m lang) mit glatten, an- 
liegenden fischschuppenähnlichen Schuppen und sehr kurzem Schwanz; 
Augen unter der Haut verborgen; Nasenlöcher in einem eigenen Schild. 

Typhlopidae (Wurmschlangen). 

1. Schnauzenschild mit scharfer horizontaler Kante, Schwanz mit einem 

kleinen Stachel; Schuppen in 22 Reihen um die Rumpfmitte; Körper- 
dicke etwa 74 mal in der Länge enthalten. Oberseite bräunlich. 

1. Typhlops caecus (blinde Wurmschlange). 

2. Schnauzenschild mit stumpfer horizontaler Schneide, Schwanz ebenfalls 

mit Stachel; Schuppen in 24—30 Reihen um die Rumpfmitte; Dicke 
21— 32 mal in der Länge enthalten. Meist gelb mit braunen Längslinien 
oder braun mit gelben Flecken oder Punkten. Häufigste Art. 

2. T. punctatus (gemeine Wurmschlange). 

3. Schnauzenschild mit stumpfer horizontaler Schneide; Schuppen in 24 Reihen 

um die Rumpfmitte. Dicke etwa 53 mal in der Länge enthalten. Färbung 
etwa wie T. punctatus. 3. T. huchholzi (Buchholz's Wurmschlange). 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 27 



208 



Franz Werner, 



4. Schnauze abgerundet; Schuppen in 24 Keihen um die Rumpfmitte. Dicke 
66 mal in der Länge enthalten. Färbung ähnlich wie 2\ punctatus. 

4. T. decorosus (Rundschnauzen -Wurmschlange). 

B. Grosse Schlangen mit 81—93 Längsreihen glatter Schuppen, verticaler Pupille, 

kurzem Greifschwanz und einer tiefen Grube im ersten und zweiten Ober- 
lippenschild jederseits. Oberseite mit schöner brauner Zeichnung auf grauem 
Grunde, ein Netzwerk von unregelmässigen Längs- und Querbändern vor- 
stellend; Kopf oben mit dunklem, dreieckigem Fleck, an den sich hinten 
drei dunkle Längsbänder anschliessen. Länge bis 4 m. 

5. Python Sehae (Assala-Riesenschlange). 
Dicke, walzliche Schlange von kaum Meterlänge, von braunvioletter Färbung 
mit unregelmässig verstreuten gelben Flecken, mit glatten Schuppen in 
29 — 32 Längsreihen; Schwanz abgerundet, mit 20 — 28 Schilderpaaren 

unterseits 6. Calaharia reinhardtii (Walzenschlange) 

(Lebt wahrscheinlich unter Steinen und in Erdlöchern und wühlt 
in der Erde.) 

C. Schlangen mit grossen Kopfschildern; auf der Oberseite des Kopfes zwei 

Paare, dann drei Schilder zwischen den Augen und hinter diesen wieder 
ein Paar grosse Schilder: Nattern. 

L Mittelreihe der Rückenschuppen mit zwei Längskielen, die übrigen 
Schuppen mit einem Kiel. Oberseite einfarbig braun, Kopf stark platt- 
gedrückt. 
a) Schuppen in 21 Längsreihen. 

7. Gonionotophis vossi (Doppelkielnatter). 
h) Schuppen in 15 Reihen, am Halse 17. 

8. Simocephalus poensis (Plattkopfnatter). 
c) ebenso, aber drei Oberlippenschilder das Auge berührend, statt zwei. 

9. Simocephalus guirali. 

2. Schuppen alle nur mit einem Kiel. 

a) Schuppen in 23 Längsreihen; zwischen den Nasenschildern nur ein 
einziges, unpaares Schild. Färbung oben graubraun, dunkel gefleckt. 

10. Hydraethiops melanogaster 
(schwarzbäuchige Wassernatter). 
h) Färbung schön grün, eine schwarze Längslinie hinter dem Auge. Körper 
schlank, 15 Schuppenreihen. . . 11. Gastropyxis smaragdina 

(gemeine Baumschlange). 

c) Färbung grün mit 14 — 16 schwarzen Längslinien; Schuppen in 15 Längs- 

reihen. Körper schlank, 

12. Hapsidophrys lineata (Streifenbaumschlange). 

d) Färbung schwarz mit oder ohne gelbliche Punkte; Schuppen in 13 bis 

15 schiefen Reihen, die seitlichen viel kürzer als die gekielten Rücken- 
schuppen. Kehle und Oberlippe gelblich oder bräunlich. 

13. Thrasops flavigularis (schwarze Baumschlange). 



Ueber Reptilien und Batrachier aus Togoland, Kamerun und Tunis. 209 

e) Schuppen schmal, in 19 schiefen Reihen, schwach gekielt; Körper sehr 

schlank. Kopf mit langer Schnauze und starker Schnauzenkante; 
Pupille horizontal. Färbung braun, grau oder smaragdgrün, dunkel 
punktirt; ein dunkler Streifen vom Nasenloch zum Auge und von da 
zum Mundwinkel; Oberlippe hell. 

14. Thelotornis kirtlandi (Sammtbaumschlange). 

f) Färbung sandgelb mit braunen Flecken oder Querbändern oder einfarbig; 

Schuppen in 23—27 Reihen (die seitlichen drei oder vier schief), mit 
gesägten Kielen. Pupille senkrecht elliptisch. 

15. Dasypeltis scahra (Eierschlange). 
(Sandschiauge, welche sich von Eiern nährt, die ganz ver- 
schlungen und von den unteren, mit Email bekleideten Dornfortsätzen 
der Halswirbelsäule im Schlünde zermalmt werden.) 
(f) Dunkelbraun mit (selten ohne) fünf gelben Längslinien. Kopf gelb mit 
schwarzen Flecken und zwei Paar schiefer Längsstreifen. Schuppen 
in 23 Reihen. Unterseite gelblich. 

16. Bothrophthahnus lineatus (gestreifte Grubennatter). 
h) Graubraun; Schuppen in 19 Reihen; Kopf niedergedrückt mit kurzer 
Schnauze und runder Pupille. 

16a. Tropidonotus depressiceps (flachkopfige Wassernatter). 
3. Schuppen glatt, in 15 Reihen. 

a) Färbung grün, Bauch- und Schwanzschilder mit einem continuirlichen 
Längskiel jederseits; Körper schlank .... Philothamnus 
a. Färbung glänzend blaugrün, Kopf vorne deutlich verschmälei't, 
höchstens 165 Bauchschilder . . 17. Philothamnus nitidus 

(glänzende Strauchschlange). 
ß. Grün mit schwarzen Querbändern, über 169 Bauchschilder, Kopf 
elliptisch. 

18. Philothamnus nigrofasciatus {= semivariegatus?) 
(gebänderte Strauchschlange). 
h) Ganz ähnlich der vorigen Gattung, aber Schwanzschilder nicht gekielt. 

Chlorophis (Grünschlange). 
a. Afterschild getheilt; mehr als 94 Schwanzschilderpaare. 

19. Chlorophis irregularis. 
ß. Afterschild ungetheilt; weniger als 94 Schwanzschilderpaare. (Manch- 
mal braun, schwarz gebändert.) 

20. Chlorophis heterodermus. 
c) Färbung grün, wie die beiden vorigen Gattungen. Schuppen schmal, 
in schiefen Reihen. Kopf sehr lang gestreckt. Körper schlank 

(Länge über 2 m) f Dendraspis (Baumgiftnatter) 

(c. Schwanzschuppen schwarz gerändert oder schwarz; Oberlippenschilder 
schwarz gerändert (15 — 19 Schuppenreihen) (Junge mit schwarzen 

Querbinden) f 21. Dendraspis jamesonii 

27* 



210 



Franz Werner. 



ß. Grün oder olivenbrauD, meist einfarbig, Oberlippenschilder und 
Schwanzschuppen nicht schwarz gerändert (19—23 Schuppenreihen). 

t 22. Dendraspis angusticeps. 

d) Färbung schwarz, jede Schuppe mit grünem Längsstreifen. Kopf oliven- 

grün, Kopfschilder schwarz getüpfelt und gerändert. Auge sehr gross, 
Kopf kurz, Körper schlank. Schuppen sehr schmal, in 17 schiefen 
Eeihen. Hinter den beiden grossen Schildern am Hinterkopf noch 
ein Paar kleinere. 

23. Bhamnophis aethiops (grossaugige Baumnatter). 

e) Körper seitlich zusammengedrückt, Kopf breit, Auge mit senkrechter 

Pupille. 

«. Schuppen in 17 Reihen; untere Schwanzschilder einreihig. Oberseite 
bei Erwachsenen einfarbig dunkelbraun oder grau, bei Jungen 
gelblich mit dunklen Querbändern. 

24. Dipsadohoa unicolor (braune Baumschlange). 
ß. Schuppen in 19 Reihen, die der Mittelreihe des Rückens vergrössert, 
sechseckig; Oberlippenschilder einfarbig. 

25. Dipsadomorphus pulverulentus 
(punktirte Baumschlange). 
y. Schuppen in meist 23 (21—25) Reihen, die der Mittelreihe des Rückens 
stark vergrössert, sechseckig; Oberlippenschilder dunkel gerändert. 
(Wird über 2m lang.) . 26. Dipsadomorphus blandingi 

(gebänderte Baumschlange). 

f) Schwanzschilder einreihig, Körper drehrund, Färbung, wenigstens 

oberseits, dunkel, schwarz, braun oder grau, 
«. Schuppen in 25—27 Reihen, Schwanz ziemlich lang, mit 40 bis 
55 Schilderpaaren an der Unterseite; 8 Oberlippenschilder jeder- 
seits. Auge mit vertical elliptischer Pupille. 

27. Boodon olivaceus (dunkle Boazahn-Natter). 
ß. Schuppen in 23 — 27 Reihen, Schwanz kurz mit nur 23 — 27 Schilder- 
paaren; 5 Oberlippenschilder. Auge sehr klein mit runder Pupille. 

28. t Ätractaspis corpulentus (dicke Wühlviper).*) 
y. Schuppen in nur 15 Reihen. 8 Oberlippenschilder. Auge klein. 

28c«. Elapops modestus (Erdnatter). 

g) Schwanzschilder zweireihig, Körper drehrund, Färbung ebenfalls 

düster. 

«. Kopf sehr platt gedrückt; Auge mit vertical elliptischer Pupille. 
Schuppen in 17 Längsreihen. Lycophidium (Wolfszahnnatter), 
1. Oberlippenschilder 8, weniger als 190 Bauchschilder. Zwei parallele 
gelbbraune Längsbänder an jeder Kopfseite, die sich auf der 



») Diese Art nebst Psammophis brevirostris erhielt ich aus Klein-Popo von Herrn Rede- 
mann in Antwerpen. Da die übrigen Arten der Sendung typische Kameruner Formen vorstellten, 
nehme ich keinen Anstand, obige beiden Arten der Fauna Kameruns einzuverleiben. 



Ueber Reptilien wnd Batrachier aus Togolaud, Kamerun und Tunis. 



211 



Schnauze vereinigen. Zwei Oberlippenschilder berühren das 
Auge 29. -L. laterale 

2. Oberlippenschilder 8, weniger als 190 Bauchschilder. Drei Ober- 

lippenschilder berühren das Auge ... 30. L. irroratum 

3. Oberlippenschilder 8, 190—210 Bauchschilder, drei Oberlippen- 

schilder berühren das Auge .... 31. i. semicinctum 

4. Oberlippenschilder 7, drei berühren das Auge. 32. L. fasciatum 

5. Oberlippenschilder 8; 225 Bauchschilder . 33. L. elapoides^) 
ß. Kopf plattgedrückt, Auge gross mit vertical elliptischer Pupille. 

Schuppen in 15 Keihen, Schwanz lang (über 80 Schilderpaare). 

34. Hormonotus modestes (Plattkopf-Baumnatter). 
y. Kopf nicht platt, Schuppen in 19 Reihen, Schwanz sehr kurz, Ober- 
lippenschilder 7. 35. Bothrolycus ater (schwarze Grubennatter) 
tT. Schuppen in 23 Reihen, 8 Oberlippenschilder, 2 parallele schmale 
Längslinien auf jeder Kopfseite. 

36. Boodon virgatus (gestreifte Boazahn-Natter), 
f. Schwanz kurz (höchstens 28 Schilderpaare), Körper plump, Auge sehr 
klein mit runder Pupille. 

1. Schuppen in 15 Reihen, 7 Oberlippenschilder. 

37. Miodon gahonensis. 

2. Schuppen in 21 Reihen, 5 Oberlippenschilder, Afterschild ungetheilt. 

38. t Ätractaspis matschiensis 
(Matschie's Wühlviper). 

3. Schuppen in 25 — 27 Reihen, 5 Oberlippenschilder, Afterschild 

getheilt 39. f Ätractaspis irregularis 

4. Schuppen in 19 Reihen, 5 Oberlippenschilder, Afterschild getheilt. 

40. t Ätractaspis retieulata^) 
C. Schuppen kurz, glatt, glänzend, in 17 — 19 Reihen, Schwanz lang 
mit über 70 Schilderpaaren; dunkelbraun oder olivenfarbig bis 
schwarz, mit oder ohne helle Querbinden. Weniger als 180 Bauch- 
schilder . . . 41. Grayia smythii (glatte Wasserschlange) 
7]. Schuppen in 17—25 Reihen in der Mitte des Körpers, an dem erweiter- 
baren Halse mehr (21—29); 6 — 7 Oberlippenschilder, mindestens 
180 Bauchschilder. (Länge 2—2^2 wi.) f f -ZV aja (Speischlange). 
1. Kopfseiten gelblich mit schwarzen Nähten der Oberlippenschilder; 
Oberseite wenigstens der hinteren Hälfte des Körpers schwarz, 
mit oder ohne weisse, meist in Querbinden gestellte Flecken; 
Hals unten gelblich mit schwarzen Querbinden. 

42. tt Naja melanoleuca (schwarzweisse Speischlange). 



') Sj Ostedt führt 1. c, p. 35 auch LycopJiidium capense und p. 36 Ätractaspis hihronii für 
Kamerun auf, was jedenfalls auf Verwechslung der Arten mit verwandten in der Literatur zurück- 
zuführen sein wird. Beide Arten überschreiten den Aequator wohl kaum nach Norden. Dagegen dürfte 
Ätractaspis aterrima Gthr. in Kamerun vorkommen, welche Art sich von der A. re.ticidata durch das 
ungetheilte Afterschild und die einreihigen Schwanzschilder unterscheidet. 



212 



Franz Werner. 



2. Kopfseiten ohne schwarze Nähte der Oherlippenschilder. Oberseite 
braun oder schwarz, ebenso Unterseite von Kopf, Hals und 
Schwanz ; Bauch gelb und schwarz gebändert. Seltener als vorige 
Art. 43. tt Naja nigricollis (schwarzhalsige Speischlange) 
J". Oberseite graubraun mit einem gelben Querband im Nacken, welches 
schwarz eingefasst und im Alter weniger deutlich sein kann. 
Unterseite gelb, Auge mit runder Pupille, 8 Oberlippenschilder, 
17 Schuppenreihen ... 44. Tropidonotus fuliginoides 

(Halsband-Wassernatter). 

Oberseite braun, mit oder ohne schmale weisse Querbänder, Schläfe 
mit schwarzem Fleck, der häufig mit dem der anderen Seite auf 
dem Nacken verbunden ist; Unterseite gelblich, Auge gross, mit 
vertical elliptischer Pupille. Schuppen meist in 19 (selten 17) 
Eeihen .... 45. Leptodira hotamhoeia (Krötennatter) 

Oberseite braun mit zwei Reihen runder schwarzer Flecken, welche 
hell gerändert sein können; Kopf, Schwanz, ein Querband auf 
dem Nacken oberseits schwarz, Unterseite weiss; 15 Schuppenreihen, 
Auge klein mit runder Pupille .... 46. Miodon notatus 

Oberseite grau oder graubraun mit einer Reihe grosser dunkler 
Flecken auf dem Rücken und einem A -förmigen Flecken auf dem 
Hinterkopfe ; Auge mit runder Pupille, mässig gross. Seitenschuppen 
in schiefen Reihen . . 47. f Causus rhomheatus (Pfeilotter) 

Oberseite hell gelbbraun oder gelblich, einfarbig oder mit breiten, 
dunkler braunen Längsbändern (3—4). Unterseite hellgelb. Schwanz 
lang. Kopf lang, Auge gross, Schuppen in 17 Reihen. Das mittlere 
der drei Schilder zwischen den Augen bedeutend schmäler als die 
seitlichen. 

48. Psammophis sihilans (gemeine Sandrennschlange). 
Aehnlich, aber das mittlere der drei Schilder zwischen den Augen 
wenig schmäler als die seitlichen. Schnauze kürzer. Seltenere Art. 

49. Psammophis hrevirostris 
(kurzschnauzige Sandrennschlange), 
Kopf oben mit kleinen gekielten Schuppen bedeckt. Pupille vertical; 
Körper gedrungen, Kopf kurz und breit, deutlich vom Körper 
abgesetzt Viperidae 

1. Schnauze ohne Horn; Schwanz mit einer Schilderreihe unterseits, 

zum Greifen eingerichtet. Färbung grün, gelb oder orange, mit 
oder ohne Querbinden. 

50. t Ätheris squamiger (grüne Baumviper). 

2. Schnauze mit Hörnern; Schwanz kurz, nicht einrollbar. 

a') Schnauzenhörner nur zwei grössere, dicht nebeneinander 
stehende. Kiele der Kopfschuppen lang, ziemlich scharf; 
Kopfoberseite hellbraun mit dunkler Längsmittellinie. 

51. t Bitis rhinoceros (gahonica) (Gabun -Viper). 



Uolior Keptilien und Batiacliier aus Togolaiul, Kaniorun und Tunis. 



213 



b') Schiiaiizenhörner von einander entfernt, ausser den zwei 
grösseren noch mehrere kleinere vor und hinter ihnen. Kiele 
der Kopfschuppen kurz, dick, warzenartig; Kopfoberseite 
grau mit einem grossen, dreieckigen, dunklen Fleck, dessen 
Spitze bis zwischen die Schnauzenhörner reicht. 

52. t Bitis nasicornis (Nashornviper). 
3. Schnauze ohne Hörner, Nasenlöcher nach aufwärts gerichtet, 
Schwanz kurz, nicht einrollbar. Oberseite mit dunklen, welligen, 
gelb eingefassten, breiten Querbinden. Kopf sehr breit, Körper 
sehr plump und kurz . . 53. f Bitis arietans (Puffotter) 



Erklärung- der Abbildungen. 
Tafel II. 

Fig. 1. Bufo laevissimus Wern. QU Gr.). 
„ 2. Cornufer joJinstoni Blngr., (nat. Gr.). 

„ 2 a. „ „ „ Oberschenkel von unten, mit der Drüse, 

n 3. „ „ „9 (nat. Gr.). 

„ 4. Hylamhates rufus Eeich. (var. boulengeri n.). Kopf von oben (nat. Gr.). 
„5. „ hrevirostris n. sp. Kopf von oben (nat. Gr.). 

6. „ „ jung. „ „ „ „ „ 

„ 7. Nectophrijne parvipalmata n. sp. (nat. Gr.). 
„ 7 a. „ „ „ „ Kopf von der Seite (nat. Gr.). 

„ 8. Ärthroleptis verrucosus n. sp. Kehle (nat. Gr.). 
„9. „ variabilis Mtsch. „ „ „ 

„ 10, 11. Larve von Hylamhates rufus. 



Zur Kenntniss der Plecopteren. 

IL Neue und ungenügend bekannte Leuctra -Arten. 

I. Theil. 

Von 

Dr. Peter Kempuy. 

(Mit Tafel III.) 

(Eingelaufen am 20. Februar 1898.) 

Die werthvollen Ergebnisse, welche die Untersuchung der Genitalanhänge 
bei der Gattung Nemura und in jüngster Zeit auch bei Taeniopteryx und Capnia 
geliefert hatte, veranlasste mich, auch das so vernachlässigte Genus Leuctra 
Stephens in dieser Beziehung zu studiren. 



214 



Peter Kempny. 



Seit Pictet finden wir in allen faunistischen Arbeiten immer nur dessen 
L. nigra, fusciventris und cylindrica angeführt, und selbst die Artberechtigung 
der letzteren wurde angezweifelt. Seine L. angusta, flavicornis und hrunnea 
scheinen nicht wieder aufgefunden worden zu sein, oder konnten wenigstens nicht 
mehr identificirt werden. 

Auch Morton musste die beabsichtigte Bearbeitung dieses Genus auf- 
schieben, weil — wie er schreibt — die Beschaffung von Material zu schwierig war. 

Unter diesen Umständen war ich nicht wenig überrascht, als ich mich 
nach drei Sammeljahren im Besitze von beinahe einem Dutzend Leuctra- Arten 
aus der Gutensteiner Gegend allein befand, wozu noch zwei Arten kommen, die 
aus der Tauern -Ausbeute Handlirsch's stammen. 

Zum Ueberflusse bildet Klapälek in seiner schon früher erwähnten Arbeit 
über die Genitalanhänge der Plecopteren als L. nigra eine Leuctra ab, die mit 
keiner bei uns vorkommenden Art zusammenfällt. 

Wenn nun ein so kleines Gebiet schon so viele Species beherbergt, lässt 
sich wohl zuversichtlich erwarten, dass noch weit mehr aufgefunden werden dürften. 

Ich erachte daher eine monographische Bearbeitung des Genus dermalen 
für verfrüht und begnüge mich vorderhand damit, die Arten meiner Sammlung 
zu beschreiben und die für die Bestimmung wichtigsten Theile — die Genital- 
anhänge — , sowie das Geäder der Pterostigmagegend genau abzubilden. 

Auf dieser so geschaffenen Grundlage lässt sich hoffentlich in einiger Zeit 
eine Monographie aufbauen, vorausgesetzt, dass es mir gelingt, bei den Neuro- 
pterologen Interesse für diese trotz ihrer Unscheinbarkeit so interessanten Thiere 
zu erwecken. 

Da der Zweck der vorliegenden Arbeit ein so limitirter ist, so kann ich 
die morphologischen und biologischen Verhältnisse als bekannt voraussetzen, und 
begnüge mich hier mit einer kurzen Schilderung der Structur des Pronotums 
und der Genitalanhänge im Allgemeinen. 

Dem Pronotum wurde bekanntlich von Pictet eine grosse Bedeutung bei 
der Unterscheidung der Arten beigemessen, und es ist auch nicht zu leugnen, 
dass es specifische Merkmale darbietet — jedenfalls ausgeprägtere wie bei Nemura 
— , weshalb es bei der Beschreibung nicht vernachlässigt werden darf; diese 
Charaktere sind jedoch nicht präcis genug, um für sich allein eine sichere Be- 
stimmung zu ermöglichen, und können höchstens zur Unterstützung der auf 
andere Weise gewonnenen Resultate herangezogen werden. 

Es ist gewöhnlich von quadratischer oder rechteckiger Form mit ge- 
schwungenen Rändern und abgerundeten Ecken. Durch zwei intensiv gefärbte, 
sehr schmale Querfurchen werden ein ziemlich schmales Vorderrand- und 
Hinterrandfeld vom eigentlichen Discus abgetrennt. Der Discus selbst be- 
steht aus drei Feldern, einem mittleren glatten (welches durch eine die vordere 
und hintere Querlinie verbindende Mittellinie in zwei Felder getheilt wird) 
und zwei seitlichen, mehr oder weniger gerunzelten. Die Grenzen zwischen dem 
Mittel- und den Seitenfeldein bilden zwei nach innen convexe Bogenlinien 
(Nebenlinien), welche dadurch entstehen, dass die Runzeln am medialen Rande 



Verliandl. der k. k. zool.-hot. Ges., rJ^^f jjj P. Kempmj: 

Band XLVIII, 1S9S. Zur Kenntniss der Plecopteren. 




Zur Kenatuiss der Plecoptereii. 



215 



der Seitenfelder stärker entwickelt sind und enger aneinander treten. Aehnliche, 
aber weniger deutliche und nach innen concave Bogenlinien (Aussenlinien) 
finden sich in der Nähe des Seitenrandes; der schmale Streifen zwischen letzterem 
und den Aussenlinien ist glatt, nicht gerunzelt. 

Auch das Hinterrandfeld zerfällt in drei Abtheilungen; das breite Mittel- 
feld liegt etwas höher als die schmalen Seitenfelder und springt nach rückwärts 
in Form eines Rechteckes mit abgerundeten Ecken vor. 

Weit wichtiger als das Pronotum und für sich allein zur Bestimmung 
der Art genügend ist der Bau der Genitalanhänge, bezüglich dessen ich auf 
die schon erwähnte Arbeit Klapälek's (Sitzungsber. d. kais. Akad. der Wissensch, 
in Wien, 1896) verweise. 

Derselbe ist bei Leuctra ein ziemlich einfacher. 

Das Abdomen des Männchens besteht aus zehn Ringen, wovon jedoch 
der erste und der Ventralbogen des zehnten verkümmert sind. Die neunte 
Ventralplatte ist stark verlängert und trägt nahe der Wurzel einen kleinen, an 
der Spitze wenig erweiterten und abgerundeten, mit fuchsrothen Haaren bekleideten 
Fortsatz, welcher der „Bauchblase" der Nemuren homolog ist, den „Bauchpinsel" 
— meiner Ansicht nach ebenfalls eine Drüse oder ein Duftorgan. 

Die Cerci sind eingliedrig, abgerundet cylindrisch, den Cercis der Nemura- 
Weibchen ähnlich, jedoch schlanker. 

Die Supraanalklappe erscheint als weissgelbe, stumpf kegelförmige 
Warze unter einem Ausschnitt des zehnten Dorsalbogens. Eigenthümlich modifi- 
cirt sind die Subanalklappen; sie entspringen als dreieckige Chitinplättchen 
(mit mehr oder weniger geschwungenen Rändern) vom Rudiment der zehnten 
Ventralplatte und gehen entweder plötzlich oder allmälig in nach oben und vorne 
gerichtete, seitlich comprimirte, schmale Chitingräten über. Zwischen ihnen be- 
finden sich zwei, sich von der Basis zur Spitze verjüngende, in der Seitenansicht 
gewöhnlich breiter als die Subanalklappen erscheinende, nach oben gebogene 
Chitinplättchen mit abgerundeter Spitze, die dicht neben einander hinter dem 
Hinterrande des neunten Segmentes entspringen. Klapälek stellt diese Gebilde, 
die „Titillatoren", den inneren Gräten von Chloropeiia und Isopteryx gleich, 
und glaubt, dass sie als Ductus ejaculatorius dazu dienen, bei der Begattung den 
Samen in die weibliche Geschlechtsöflfnung überzuleiten, während die sich inner- 
halb der Scheide öffnenden Subanalklappen eine festere Verbindung der Geschlechter 
ermöglichen. 

Eine den Lewcim-Män neben allein zukommende Auszeichnung sind eigen- 
thümliche Anhänge an einigen Dorsalsegmenten, deren Sitz und Form bei jeder 
Art speciell geschildert werden muss. 

Noch primitiver ist der Bau des Weibchens. 

Wir finden die schlanken, eingliedrigen Cerci, die stumpf kegelförmige 
Supraanalklappe und die zwei grossen, dreieckigen Subanalklappen, deren 
lateraler Rand etwas concav, deren medialer leicht convex oder fast gerade und 
deren Spitze abgestumpft ist. 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 28 



Peter Kompny. 



Die Genitalöffnung befindet .sich auf dem achten Segment und liegt 
entweder frei zu Tage, seitlich begrenzt von zwei je nach der Art verschieden 
gestalteten Scheidenklappen, öder sie wird von einer ebenfalls sehr verschieden 
geformten Subgenital platte verdeckt. 

* * * 

Alle unsere Leuctren erscheinen nur in einer Generation. Viele 
sind weit verbreitet und besitzen eine lange Flugzeit, andere wieder findet man 
nur an wenigen Stellen und oft nur an ein paar Tagen, jedoch an diesen dann 
auch gewöhnlich massenhaft, 



1. Leuetra nigra Ol. 

L. nigra Klap., Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, 1896, 
S. 695-697, Taf. II, Fig. 1—8. 

Ueber die wahre L. nigra Ol. (Pictet) wird wohl kaum mehr Klarheit 
zu erlangen sein, umso mehr, als sie ohne Zweifel eine Mischart aus einer ganzen 
Anzahl später zu beschreibender Arten darstellen dürfte. Das Beste wäre daher, 
den Namen vollständig fallen zu lassen. Will man ihn aber durchaus beibehalten, 
so gebührt er meiner Ansicht nach der citirten Art Klapälek's, womit in 
Zukunft wenigstens jeder Zweifel ausgeschlossen wäre. Bei uns fehlt diese, so 
dass ich nichts Näheres darüber mittheilen kann. Hoifentlich erhalten wir von 
dem Autor bald eine vollständige Beschreibung. 

2. Leuetra cylindrica D. G. 

L. cylindrica D. G., Mem. sur les Ins., VII, p. 599, PI. XLIV, Fig. 17—19. 

„ Pictet, Perlides, p. 366, PI. 47, Fig. 1—5. 
„ „ Brauer, Neur. Austr., p. 31. 

„ „ Brauer, Neur. Europas (Festschr. der zool.-botan. Gesellsch. 
in Wien, 1876, S. 295). 

Exp.: 20— 22 mm, 9 23— 26 mm. 

Kopf schwarzbraun, Hinterhaupt etwas lichter. 

Fühler schwarz, Scapus und Pedicellus dunkel gelbbraun. 

Pronotum fast um ein Drittel länger als breit, mit leicht geschwungenen 
Seitenrändern und abgerundeten Ecken. Die Farbe variirt, je nach dem Grade 
der Ausfärbung, von dunkel gelbbraun bis schwarzbraun ; im ersteren Falle treten 
die, in nach vorne convergirende, ziemlich regelmässige Ketten angeordneten, 
schwärzlichen Runzeln der Seitenfelder deutlich hervor. Mittellinie gut entwickelt,, 
schwarz, die Nebenlinien verlaufen vorne nahezu parallel, divergiren jedoch in 
ihrem hinteren Viertel ziemlich beträchtlich. 

Meso- und Metanotum dunkel gelbbraun. 



Zur Kenntniss der Plecopteren. 



217 



Beine gelbbraun. Schienen und Tarsen dunkler. 

Flügel bei beiden Geschlechtern bräunlich. Adern kräftig, gelbbraun, 
Radius, vorderer Ast des Sector radii, sowie die Verbindungslinie zwischen beiden 
schwarzbraun (Taf. III, Fig. 1 d). Im vorderen Cubitalfeld 4—6, im hinteren 
12—15 Queradern. 

Abdomen des Männchens (Taf. III, Fig. 1 a, b) oben dunkel bräun- 
lich, vom sechsten Ring an jedoch nur schwach chitinisirt, gelblichweiss und 
sattelförmig abgeflacht. Nahe dem Vorderrand dieses Ringes entspringen zwei 
— von oben gesehen — rechteckige, in der Seitenansicht lang elliptische Höcker. 
Das siebente Dorsalsegment trägt — ebenfalls nahe seinem Vorderrande — zwei 
schmälere, in ihrer Mitte rechtwinkelig gebrochene Haken, deren scharfe Spitze 
nach innen gerichtet ist. Auf dem neunten Ringe befindet sich ein grosser, 
rechteckiger, schwarzer Fleck mit sanft bogenförmig eingezogenem Vorderrand. 
Subanalklappen von der Seite gesehen schlank, Titillatoren breiter, in der Ober- 
ansicht gegen die Spitze verjüngt, mit einem kleinen Endknöpfchen, in der 
Mitte leicht divergirend. 

Abdomen des Weibchens (Taf. III, Fig. 1 c) oben fahlgelb mit je vier 
schwarzen Punkten auf jedem Segment und einem dreieckigen schwarzen Fleck, 
dessen Basis am Hinterrand des neunten und dessen Spitze am siebenten Segment 
liegt. Ein grösserer schwarzer Fleck befindet sich am zweiten und ein kleinerer 
am dritten Ring. Segment 10 und die Supraanalklappe ganz schwarz. Ventral- 
platten und kleine, dreieckige Chitinplättchen in den gelben Intersegmentalfalten 
schwarz. Die siebente Ventralplatte springt in der Mitte stumpfwinkelig vor, 
die achte besitzt geschwungene Seitenränder, welche in die Scheidenklappen, 
deren Form aus der Figur ersichtlich ist, übergehen. Segment 9 und 10, Subanal- 
klappen und Cerci schwarz. 

Eine von Pictet gut beschriebene Art, die wegen ihrer Grösse und der 
auffallenden Länge des Pronotums auch ohne Untersuchung der Genitalien nicht 
zu verkennen ist. Dennoch wurde sie von Ris und Rostock (Berl. entom. 
Zeitschr., 1892, S. 4) als das 9 nigra erklärt, was sich nur dadurch 

erkl§l,ren lässt, dass ihnen die wahre cylindrica nicht bekannt war. Wenn 
Rostock meint, dass auch Brauer 's cylindrica zu nigra gehören, so ist er im 
Irrthum — es sind wahre cylindrica. 

L. cylindrica ist bei Gutenstein sehr häufig; sie erscheint in manchen 
Thälern (z. B. Längapiesting) im August, in anderen (Quick) merkwürdiger Weise 
erst von Ende September bis Ende November. Brauer's Angabe „April" dürfte 
auf Beimengung von anderen Arten beruhen, da diese Species mir niemals im 
Frühjahre vorkam. 

3. Leuctra Klapaleki n. sp. 
L. nigra aut. pro p. 

L. cylindrica Klap., Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, 
1896, S. 697—701, Taf. II, Fig. 9-19 ($?). 

28* 



218 



Peter Kempny. 



Exp.: cT U—\6mm, 9 16—\9mm. 

Kopf lind Fühler schwarz, Scapus der letzteren noch dunkler. 

Pronot um schwarz, quadratisch, vordere Ecken abgerundet. Die schwarzen 
Querlinien etwas breiter wie bei L. cylindrica. Mittellinie krcäftig, am hintei'en 
Ende mit einem kreisförmigen Wäi'zchen und davor mit einer dreieckigen Quer- 
wurzel versehen. Nebenlinien schwach geschwungen, hinten nur wenig mehr 
divergirend als voi-ne. Seitenfelder mit nach vorne convergirenden runzeligen 
Strichelchen. 

Meso-, Metanotum und Beine schwarz. 

Flügel beim cT graulich, beim 9 mehr bräunlich, mit starken, dunkel 
gelbbraunen, bei ausgefärbten Stücken deutlich und ziemlich breit berauchten 
Adern. Querader zwischen Subcosta und Radius vor Einmündung in den letzteren 
stark nach rückwärts gebogen. Die Querader zwischen dem Radius und seinem 
Sector trifft den vorderen Ast des letzteren ziemlich weit von der Theilungsstelle 
(Taf. III, Fig. 2(?). Im vorderen Ciibitalfeld 5, im hinteren 11—14 Queradern. 

Abdomen des (Taf. III, Fig. 2o, h) oben schwarz, von der Mitte des 
sechsten Ringes an jedoch nur wenig chitinisirt, gelbweiss. Beiläufig in der Mitte 
der Dorsalfläche dieses Ringes entspringen nahe bei einander zwei schwarze Höcker, 
die vorne und hinten abgeflacht und an der Spitze abgerundet sind. Die Rücken- 
fläche des siebenten Segmentes ist sattelförmig abgeflacht; die beiden Ränder 
dieser Abflachung werden von vorne nach hinten allmälig höher und laufen am 
Hinterrand in zwei Höcker aus, die denen am sechsten Segment ähnlich, jedoch 
viel länger sind, und deren Enden convergiren. Basaltheil der Subanalklappen 
dreieckig mit geschwungenen Rändern, Enden zugespitzt und etwas lateralwärts 
gebogen. Titillatoren schlank. Cerci schlank. Basal- und Enddrittel gewöhn- 
lich dunkler als der mittlere Theil. 

Abdomen des 9 S^^^ gewöhnlichen vier Reihen schwarzer 

Punkte, auf Segment 9 — 7 ein dreieckiger, mit der Spitze am Hinterrand des 
siebenten Ringes endigender schwarzgrauer Fleck, Segment 10 und Supraanal- 
klappe oben ganz schwarz. Die achte Ventralplatte wird durch zwei Längs- 
furchen in drei Felder getheilt (Taf. III, Fig. 2 c). Die äusseren sind elliptisch 
geformt und gehen nahe dem Hinterrande des Segmentes in die schief aufgesetzten, 
eiförmigen Scheidenklappen über. Das Mittelfeld ist in der Mitte deutlich 
der Länge nach gekielt, was besonders an frisch getödteten, trocken untersuchten 
Exemplaren schön zu sehen ist. Bei in Flüssigkeiten aufbewahrten Stücken ist 
dieser Kiel infolge Wegfallens der Lichtreflexe weniger deutlich. Subanal- 
klappen ziemlich plump, schwarz. Cerci schlank, denen des gleich gestaltet 
und gefärbt. 

Die männlichen Genitalien dieser Art wurden zum ersten Mal von Kla- 
pälek (1. c.) beschrieben und abgebildet, weshalb ich sie nach ihm benenne. 
Seine (nur schematische) Abbildung des 9 gehört jedoch nicht hierher, sondern 
möglicher Weise zur wahren cylindrica. Dagegen bezieht sich ohne Zweifel die 
angebliche Herbstgeneration der L. nigra auf L. Klapdleki, da sie eine sehr 
häufige und weit verbreitete Art ist. Sie erscheint Anfangs September und fliegt 



Zur Kenntniss der Plecopteren. 



219 



bis halben December, als letzte Perlide des Jahres. Im heurigen Winter fand 
ich bei Thauwetter noch am 21. Jänner ein einzelnes 9- 

Ausser in Niederösterreich findet sie sich auch in Böhmen (Wittingau). 

4. Leuctra Braueri n. sp. 

L. angusta P., Perlides, p. 376, PI. XLIX, Fig. 4—6 (V). 
Exp.: cT 15— 17-5 mm, 9 16— 19 wrm. 

Kopf kastanienbraun und — wie fast der ganze Körper — mit starken 
schwarzen Haaren bekleidet; ein Fleck neben den Augen lichter, Hinterhaupt 
dunkler. 

Fühler wall blassgelb, Scapus braun, Pedicellus gelb, die übrigen Glieder 
wieder braun, gegen die Fühlerspitze zu allmälig dunkler werdend. Sie sind fein 
behaart und am Ende jedes Gliedes steht ein Wirtel von steiferen Börstchen. 

Pronotum blass gelbbraun. Der Vorderrand ist stark geschwungen und 
bildet in der Mitte einen stumpfen Winkel, die Seitenränder sind nur leicht ge- 
schwungen. Querlinien scharf, schmal und intensiv schwarz. Die Mittellinie 
besteht aus einer Eeihe Wärzchen und Strichelchen und wird von einigen kurzen 
Querstrichen gekreuzt, von denen besonders einer, der an der Grenze des hinteren 
Viertels steht, deutlich ist. Seitenfelder stark mit kreisförmigen und elliptischen 
Runzeln besetzt. Durch ihre medialwärts stärkere Ausbildung entstehen die nach 
aussen concaven Nebenlinien, welche hinten etwas mehr als vorne divergiren. 

Meso- und Metanotum gelbbraun. 

Beine blass graugelb, Spitze des Femur, der Tibien, sowie die Tarsen 
kaum dunkler. 

Flügel licht bräunlich, Adern ziemlich zart, gelbbraun (Taf. III, Fig. 3 d). 
Die Querader zwischen Subcosta und Radius bildet mit der zwischen letzterem 
und seinem Sector einen stumpfen Winkel, die Querader zwischen Radius und 
Sector radii trifft den vorderen Ast des letzteren ziemlich weit von der Theilungs- 
stelle entfernt. Im vorderen Cubitalfeld 5, im hinteren 11 Queradern. 

Abdomen des Männchens (Taf. III, Fig. 3 a, &) oben dunkelbraun, 
vom sechsten Segment jedoch nur mehr der Vorderrand, während der Rest des- 
selben gelb und mit vier schwarzen Punkten gezeichnet ist. Das siebente Segment 
trägt einen vom Vorderrand entspringenden, aufgerichteten, bandförmigen An- 
hang, der in zwei dreieckige, scharfe Zacken ausgezogen ist; von der Seite gesehen 
gleichen diese Zacken der Rückenflosse eines Fisches. Der ganze Anhang ist intensiv 
schwarz gefärbt. (Ein aus den Tauern besitzt auch schon auf dem sechsten 
Segment ein ähnliches, aber weit kleineres Gebilde; es ist dies — nebenbei be- 
merkt — die einzige Abnormität in den Genitalien, die ich bei Untersuchung 
von vielleicht 2000 Leuctren gefunden habe.) Dorsalfläche von Segment 8 und 9 
gelb; letzteres ist in der Mitte von einem grossen, schwarzen, trapezförmigen 
Fleck eingenommen, dessen breitere Seite dem nur in Form eines schmalen 
Querwulstes entwickelten zehnten Segment zugekehrt ist. Die Basalplatte der 



220 



Peter Kempny. 



Subanalklappen ist rechteckig, die Titillatoren sind spindelförmig mit einer 
leichten Einschnürung in der Mitte, Cerci massig schlank, graugelb. 

Abdomen des Weibchens oben fahlgelb mit einer graulichen Mittel- 
binde und (schwach ausgeprägten) vier Reihen schwarzer Punkte. Segment 10 
und ein halbkreisförmiger Fleck auf Segment 9, dessen convexer Vorderrand in 
der Mitte einen kleinen Ausschnitt bildet, dunkelbraun. Ventralplatten dunkel 
gelbbraun; die achte (Taf. III, Fig. 3 c) ist als Subgenitalplatte vorgewölbt 
und trägt hinten die drehrunden, länglichen, Cerci-ähnlichen Vaginalklappen. 
Subanalklappen kräftig, dunkelbraun, Cerci schlank. 

Von allen bisher beschriebenen Xmc^m -Arten lässt sich nur die auf ein 
einziges Stück gegründete Pictet'sche L. angusta zum Vergleiche heranziehen, 
die durch ihre geringelten Fühler und braune Flügelfärbung der L. Braueri 
allerdings nahe zu stehen scheint. Da jedoch bei jener 4 — 5 Pühlerglieder gelb 
und die übrigen, sowie der Körper schwarz sein sollen, da ferner das Pronotum 
eine andere Sculptur zeigt und endlich auch das Geäder am Pterostigma ver- 
schieden ist, ziehe ich es vor, meine Art als neu zu beschreiben — umso mehr, 
als die L. angusta ja noch aufgefunden werden kann — und benenne sie nach 
meinem verehrten Lehrer, Herrn Prof. Brauer. 

Die Verbreitung dieser schönen Art ist interessant. Bei Gutenstein kommt 
sie auf einer Sumpfwiese gegenüber dem „Edelhof" in unglaublicher Menge vor, 
aber nur auf einem einzigen, einige Quadratmeter grossen Flecke, 
wo eine Quelle aufgeht; sonst findet sie sich noch spärlich im „Panzenbach". 
Sehr häufig ist sie auch auf der „Haselrast", an der Grenze von Rohr (Nieder- 
österreich), und womöglich noch häufiger in der Nähe des Tauernhauses (Rad- 
städter Tauern), wo sie Freund Handlirsch von Coniferen klopfte. 

Ihre Flugzeit währt von Anfang Juli bis Ende September. 

5. Leuetra Handlirschi n. sp. 

Exp.: 7 b— S o mm, 9 8— 9-5 mm. 
Kopf schwarz, Fühler dunkel gelbbraun. 

Pronotum dunkel gelbbraun, fast quadratisch, mit leicht abgerundeten 
Ecken. Vordere und hintere Querlinie fein, intensiv schwarz; Mittellinie schmalj 
schwärzlich, die Nebenlinien divergiren vorne nur unbedeutend, in ihrem hinteren 
Drittel dagegen weit mehr, so dass die Distanz ihrer hinteren Endpunkte beinahe 
doppelt so gross ist wie die der vorderen. Seitenfelder nur schwach gerunzelt. 

Meso- und Metanotum dunkel gelbbraun. 

Beine etwas lichter, Schenkel an der Spitze dunkler. 

Flügel zart, licht bräunlich, Adern schwächlich, licht graugelb. Die 
Querader zwischen Radius und Sector radii trifft den vorderen Ast des letzteren 
beinahe an der Theilungsstelle (Taf. III, Fig. 4d). Im vorderen Cubitalfeld 4, 
im hinteren 7 Queradern. 

Abdomen des Männchens (Taf. III, Fig. 4a, b) deutlich zehngliedrig, 
die ersten zwei Segmente sind fahlgelb (Segment 2 jedoch mit dunklem Hinter- 



Zur Keuiituiss der Plccopteren, 



221 



rand und zwei dreieckigen Cliitiuplättchen am Vorderraiide), Segment 3—6 
schwärzlichbraun mit dunklerem Hinterraud, 7 — 9 oben schwach chitinisirt, 
gelbgrau. Besondere Auszeichnungen fehlen dieser Art, nur Segment 9 trägt 
einen trapezförmigen, vorne breitereu schwarzbraunen Fleck. Titillatoren 
länger, aber schwächer als die kräftigen, säbelförmigen Subanalklappen. 

Abdomen des Weibchens oben licht graugelb, die vier Punktreihen 
kaum angedeutet, das letzte Segment und drei an Grösse nach vorne abnehmende 
Flecke auf Segment 9—7 schwärzlich gelbgrau. Ventralplatten dunkel gelbbraun, 
in den Intersegmentalfalten kleine, dreieckige, gelbbraune Chitinplättchen. Die 
achte, in der Mitte nur schwach chitinisirte Ventralplatte trägt die einem liegenden 
cv) ähnlichen Vnginalklappen. Subanalklappen kräftig, dunkel gelbbraun, Cerci 
kurz, ziemlich plump (Taf. III, Fig. 4 c). 

Diese hübsche Speeles, die an Kleinheit mit Capnta pygmaea und Capnodes 
Schilleri wetteifert und nur von einer später zu beschreibenden Art noch über- 
troffen wird, entdeckte Handlirsch im August 1897 in den Radstädter Tauern, 
oberhalb des Tauernhauses. Ich erfülle daher nur eine angenehme Pflicht, indem 
ich sie ihm zu Ehren benenne. 

Erklärung der Abbildungen. 

Tafel III. 

Fig. 1. Leuctra cylindrica. 

„2. „ Klapäleki. 

„ 3. „ Braueri. 

„4. „ Handlirschi. 

(a = von oben; h — ^ von der Seite; c = 9 von unten; d — Geäder der 
Pterostigmagegend des linken Vorderflügels.) 

Die Geäderfiguren wurden mit Obj. und Oc. III, die übrigen mit Obj. 2 und 
Oc. III gezeichnet und auf die Hälfte verkleinert. 



Referate. 



Die botanischen Abhandlungen der Jahresberichte österreichischer 
Mittelschulen mit deutscher Unterrichtssprache 1897. 

Von 

Dr. Alfred Burgerstein. 

Richen, Gottfried, S. J. Die botanische Durchforschung von Vorarl- 
berg und Lichtenstein. (Pi*ogr. des Gymnasiums „Stella matutina" in 
Feldkirch. 90 S.) 



222 



Referate. 



Ueber diese Abhandlung, welche ein klares Bild der Flora Vorarlbergs 
bietet und Anspruch auf Vollständigkeit und Genauigkeit hat, ist bereits in diesen 
„Verhandlungen", Jahrg. 1897, Heft 8, S. 576 ein Referat erschienen. 

Heimerl, Dr. Anton. Beiträge zur Systematik der Nyctaginaceen. 
(Progr. der Staats-Oberrealschule im XV. Bezirke von Wien. 40 S.) 

Der Verfasser, ein bekannter Nyctaginaceen-Forscher, bespricht zuerst 
neben einigen kritischen Gattungen dieser Familie hauptsächlich diejenigen 
Genera, welche ihm seinerzeit bei der Bearbeitung der Nyctaginaceen für die 
„Natürlichen Pflanzenf;imilien" (III, Ib, 1889) theils gar nicht, theils nur un- 
vollständig vorlagen und worüber seitdem brauchbares Materiale zugewachsen ist. 
Von PJiaeoptilum werden alle Formen in eine Art vereinigt und drei Formen 
(ß. typica, ß. intercedens und y. Heimeriii Engler subspec.) derselben unter- 
schieden ; die Gattung Nyctaginia erkennt der Verfasser als unhaltbar und bringt 
die eine Art, um die es sich blos handelt, zu Boerhavia §. Solenanthae ; Eggersia, 
nun in männlichen und weiblichen Exemplaren bekannt, bildet höchstens eine 
Section von Neea; Ändradaea und Bamisia werden ausführlicher geschildert 
Auf den folgenden Seiten wird eine Uebersicht der Gruppirung der Unterfamilien 
und Tribus gegeben, wobei die seitherigen Verbesserungen, Emendationen etc. 
berücksichtigt wurden. Zum Schlüsse bringt der Verfasser eine Synopsis der 
systematischen Gruppirung der Gattungen, Arten und Varietäten auf Grund der 
ihm bisher bekannt gewordenen Exemplare, wobei den einzelnen Arten eine kurze 
Synonymik und die geographische Verbreitung beigefügt ist. Neu sind und mit 
kurzen Diagnosen versehen : Mirdbilis Oaxacae, Boerhavia ciliato-bracteata, 
Neea suhpuhescens, N. constrictoides, N. virens Pöppig (in sched.), N. Selloiana 
(Syn. Pisonia pubescens Schmidt, Flora Brasil), N. ohovata, N. salicifolia, N. 
fagifolia. Die Formenreihe der Mirahilis nyctaginea (Michaux), Boerhavia 
diffusa Lamarck und B. plumbaginea Cavan. wird eingehender dargelegt. 

Pfoser, Gottfried, P. Die Ameisenpflanzen. (Progr. des Staats-Gymnasiums 
zu den Schotten in Wien. 50 S.) 

Nach einleitenden Bemerkungen über die Lebensweise der Ameisen und 
ihre Rolle im Haushalte der Natur erläutert der Verfasser dann den Begriff der 
Myrmekophyten, zu denen nach War bürg nur solche Pflanzen zu rechnen 
sind, die in irgend einer Weise erbliche morphologische ICigenthümlichkeiten auf- 
weisen, die wir uns nicht anders, als in Relation zu Ameisen entstanden denken 
können. Delpino constatirte bereits mehr als 2900 myrmekophile Pflanzenarten 
aus 273 Gattungen. Im zweiten Capitel discutirt der Verfasser ausführlich die 
verschiedenen Ansichten, welche über die biologische Bedeutung der ext ra- 
nn ptialen (extrafloralen) Nectarien ausgesprochen worden sind, und ent- 
scheidet sich — womit Referent einverstanden ist — für die Delp ino-Belt'sche 
Lehre, nach welcher die extrafloralen Nectarien Anlockungsmittel für Ameisen 
zum Schutze der Pflanzen gegen phytophage Thiere, namentlich gegen gewisse 
Insecten sind. Im zweiten Theile dieses Capitels werden die Müller 'sehen Futter- 
körperchen amerikanischer Cecropia -Arten und die Belt'schen Körperchen von 



Referate. 



223 



Äcacia sphaerocephala beschrieben. Das ausführliche dritte Capitel ist dem Bau 
jener verschiedenen Pflanzentheile gewidmet, welche als Ameisenwohnungen 
dienen. Der Verfasser hat in dem vorliegenden Aufsatze die interessantesten 
Eesultate zahlreicher Arbeiten über Myrmekophilie in übersichtlicher, klarer und 
belehrender Weise vereinigt. 

Katzer, F. Die Blüthenbiologie in de r Mittelschule. (Progr. der Staats- 
Oberrealschule in Brünn. 24 S.) 

Der Verfasser erörtert zunächst die Erscheinungen der Auto- und Allogamie, 
der Dichogamie, Anemo- und Entomophilie, sowie andere Blütheneinrichtungen. 
Im Folgenden wird an vielen einheimischen Pflanzenarten genauer auseinander- 
gesetzt, wie an denselben die früher angeführten Sätze der Blüthenbiologie im 
Mittelschulunterrichte Anwendung finden können. Der Verfasser wünscht eine 
grössere Berücksichtigung der Blüthenbiologie in der Mittelschule. Damit ist 
Referent ganz einverstanden. Allein bei dem geringen Stundenausmasse, welches 
dem naturgeschichtlichen Unterrichte am Obergymnasium zugewiesen ist, und 
bei dem Umstände, dass dieser Unterricht mit Demonstrationen und Tafelzeich- 
nuDgen verbunden sein muss, wird man bei grösserer Schülerzahl die Biologie 
ebenso wie die anderen Disciplinen der Botanik nur sehr fragmentarisch be- 
sprechen können. Der Botanik ist heute im Obergymnasium ein Semester mit 
zwei wöchentlichen Lehrstunden zugewiesen, wie vor einem halben Jahrhundert. 
Welche Fortschritte haben aber seit jener Zeit Anatomie, Physiologie, Biologie, 
Pathologie, Kryptogamenkunde etc. gemacht! 

Solla, Dr. R. F. Pflanzenkrankheiten. (Progr. der Staats-Oberrealschule 
in Triest. 36 S.) 

Der Verfasser erörtert zunächst im Allgemeinen und an concreten Beispielen 
die ICrscheinungen des Parasitismus und der Symbiose, die Nitrificationsbacterien 
der LeguminosenknöUchen, Krankheiten parasitären und nicht parasitären Ur- 
sprunges, sowie teratologische Fälle. Im Folgenden wird eine Anzahl specieller 
Krankheiten genauer besprochen: 1, Bacteriose (Schleimfiuss, Gummifluss, 
Malnerokrankheit der Reben, Nassfäule der Kartoffeln etc.); 2. Rostkrankheiten 
(Getreide-, Blasen-, Gitter-, Säulenrost etc.); 3. Brandkrankheiten {TiUetia, 
Ustilago, Urocystis, Entyloma); 4. Mehl- und Russthau (Erisiphe, Sphaero- 
theca, Oidium, Fumago); 5. Fäule (Feziza borealis, F. aeritginosa, Nectria 
cinnaharina, Trametes radiciperda) ; 6. Gest alt Veränderungen (Hexenbesen, 
Gallen); 7. Krebs (Buchen-, Lärchenkrebs etc.). Wer sich über die häufigsten 
phytopathologischen Erscheinungen kurz unterrichten will, dem wird die vor- 
liegende Abhandlung gute Dienste leisten. 

Koller, R. Ueber die Zunahme der pflanzlichen Parasiten an Cultur- 
pflanzen. (Progr. des Gymnasiums der Theresianischen Akademie in Wien. 
50 S.) 

Nach einem geschichtlichen Abriss, betreffend die Erforschung von pflanz- 
lichen Krankheiten parasitären Ursprunges erörtert der Verfasser jene Ursachen, 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 29 



224 



Referate. 



welche uach seiner Ansicht für die Zunahme der Parasiten wirksam waren. Als 
solche sind anzunehmen: „Die gesteigerte Ausnützung des Bodens, die vergleichs- 
weise höheren Anforderungen an die Culturpflanzen und die schwierigeren 
Lebenshedingungen, denen sie vielfach in neuerer Zeit bewusst oder unbewusst 
ausgesetzt werden, die Verdrängung zahlreicher, dem Pflanzenbau nützlicher 
Thiere (welcher? Ref.), fortgesetzt einseitige- Vermehrungsart und vor Allem die 
aufgehobene Isolirung der Vegetationsgebiete." 

Noe, Dr. Franz. Der Schulgarten des k. k. Carl Ludwig-Gymnasiums 
im XII. Bezirke von Wien. (Progr. des Staats-Gymnasiums im XII. Be- 
zirke von Wien. 26 S.) 

Die Beschaffung von geeignetem und auch quantitativ hinreichendem 
frischen Pflanzenmaterial für den botanischen Unterricht an Mittelschulen ist 
namentlich in der Grossstadt nicht leicht; sie macht an Schulen mit Parallel- 
classen dem Lehrer der Naturgeschichte genug Sorgen und absorbirt auch einen 
Theil seiner schulfreien Zeit. Ein genügend grosser, zweckmässig angelegter 
und gut gepflegter Schulgarten — und einen solchen hat der Verfasser durch 
zielbewusste und mühevolle Arbeit zu Stande gebracht — wird aber die Be- 
schaffung des Pflanzenmateriales sehr erleichtern; er wird es leicht machen, 
Culturpflanzen in verschiedenen Entwicklungsphasen beobachten zu können; er 
wird es auch ermöglichen, physiologische, biologische und entwicklungsgeschicht- 
liche Erscheinungen zu deraonstriren. Die Zweckmässigkeit und Noth- 
wendigkeit von botanischen Schulgärten hat man in Deutschland 
schon lange richtig erkannt, und solche Gärten bestehen bereits an vielen 
deutschen Mittelschulen. In grösseren Städten (Berlin, Breslau, Posen, Altona, 
Königsberg etc.) hat man „Centralpflanzgärten" angelegt, die den Zweck haben, 
mehrere, resp. alle Schulen der Stadt mit frischen Pflanzen für jede Unterrichts- 
stunde zu versorgen, und die sich recht gut bewährt haben. Der Verfasser be- 
spricht in seinem Aufsatze alle diese Dinge in ausführlicher Weise. Er erörtert 
ferner die Entstehungsgeschichte des Schulgartens beim Carl Ludwig-Gymnasium, 
die Einrichtung, Benützung und den Betrieb des Gartens, sowie die Beschaffung 
des Materiales, Der Pflanzenbestand des 1000 grossen Gartens, für dessen 
Zustandekommen Herrn Prof. Noe volle Anerkennung gebührt, belief sich im 
Sommer 1896 auf 337 Arten, und zwar waren darunter 79 annuelle und zwei- 
jährige, 158 perenne Gewächse und 100 Holzpflanzen vertreten. 

Tschernich, Dr. Franz. Deutsche Volksnamen der Pflanzen aus dem 
nördlichen Böhmen. (Progr. des k. k. akademischen Gymnasiums in Wien. 
40 S.) 

Die vom Verfasser nach jahrelangem, eifrigen 'Sammeln theils aus der. 
Literatur, theils aus ungeschriebenen Quellen geschöpften mundartlichen Pflanzen- 
namen, die er in der vorliegenden Arbeit veröffentlicht, stammen grösstentheils 
aus der Umgebung von Böhm.-Leipa und aus dem westlichen Böhmen. Die zahl- 
reichen angeführten deutschen Volksnamen beziehen sich auf etwa 400 Pflanzen- 
arten, die zweckmässig in alphabetischer Reihenfolge angeführt sind. Das 



Referate. 



225 



lateinische Verzeichniss enthält leider manche veraltete Bezeichnungen, wie Abies 
alba statt Abies pectinata, Betula alba statt Betiila verrucosa, Frangula Alnus 
statt Bhatnnus Frangula, Mespilus Oxijacantha statt Crataegus Oxyacantlia, 
Pirus Aucuparia statt Sorbus Aucuparia, Pirus Torminalis statt Sorbus 
Torminalis, Polystichum filix mas statt Aspidium filix mas, Sabina officinalis 
statt Juniperus Sabina etc. 



Naumanii's ^Jaturgeschichte der Vögel Deutschlands und des angrenzenden 

Mitteleuropas. Herausgegeben von Dr. C. R. Hen nicke. Verlag von E.Köhler 

in Gera. Folio mit zahlreichen Farbentafeln. 

Es war ein glücklicher Gedanke, welcher Dr. Hen nicke beweg, eine neue 
Ausgabe von Naumann "s classischem Werke zu veranstalten. Zwei mächtige 
Bände desselben liegen bereits fertig vor, ein dritter ist im Erscheinen begriiFen. 
Zuerst gelaugte Bd. VI zur Ausgabe, der die Tauben, Hühner, Eeiher, Fla- 
mingos und Störche enthält; ihm folgte bald Bd. II mit den Grasmücken, 
Meisen, Timalien und Baumläufern. Naumann's alter Text ist unver- 
ändert geblieben, doch wurden stellenweise in denselben von Seite der Mitarbeiter 
an der neuen Ausgabe Zusätze in der Weise eingefügt, dass dieselben immer er- 
kennbar sind, und zu Beginn jedes Bandes werden die Namen der Bearbeiter 
jeder einzelnen Vogelart genannt, so dass das „Neue" von dem „Alten" stets 
unterschieden werden kann. Vielleicht wäre es noch zweckmässiger gewesen, die 
betreffenden Mitarbeiter bei jeder Art namhaft zu machen. Wir finden unter diesen 
lauter wohlklingende Namen, mit Ausnahme von „Prazäk", den wir aus den 
im zweiten Hefte die.ses Bandes der „Verhandlungen" angedeuteten Gründen 
wenig Vertrauen schenken. Der kann aber dem alten Naumann im Grunde 
nicht viel anhaben. Hennicke's Ausgabe ist reich durch Farbentafeln illustrirt 
mit meist nach der zweiten (8°) Ausgabe von Naumann in vollendeter Weise 
vergrösserten Abbildungen. Wir hegen den aufrichtigen Wunsch, dass der alte 
Naumann im neuen Kleide die weite Verbreitung finden möchte, die er wohl 
verdient. Der Preis beträgt 1 Mark per Lieferung, deren jede 3—4 Bogen Text 
und ebenso viele Chroraotafeln enthält. Es sollen im Ganzen gegen 100 Liefe- 
rungen erscheinen. Dr. L. v. Lorenz. 

Handlirsch, Ant. Monographie der Phymatiden. Annalen des k. k. natur- 
histor. Hofmus. in Wien, Bd. XII, 1897, S. 127-230. Mit 6 Tafeln und 35 Ab- 
bildungen im Texte. 

Der durch seine gediegenen hymenopterologischen Arbeiten wohl bekannte 
Verfasser hat sich in letzterer Zeit dem Studium der Hemipteren zugewendet. 
Seine erste grössere Arbeit auf diesem Gebiete ist die vorliegende Monographie. 
Der Verfasser bekundet darin denselben kritischen Scharfblick, dieselbe Sorgfalt 
und Gründlichkeit, welche seine früheren hymenopterologischen Arbeiten aus- 
zeichnen. 

Mit Recht wird vom Verfasser in der Einleitung seiner Arbeit betont, 
dass die entomologische Systematik nur dann wieder jene wis.senschaftliche Be- 

29* 



226 



Referate. 



deutuiig, die ihr gebührt, erlangen wird, wenn statt den vielen zerstreuten und 
unzusammenhängenden Einzelbeschreibungen grössere, zusammenfassende Mono- 
graphien geschaifen werden. 

Eine solche dankenswerthe Arbeit bietet uns jetzt der Verfasser, zu welcher 
er nicht nur die reichen Schätze des Wiener Hofmuseums, sondern auch die 
Materialien fast aller europäischen Museen — mit Ausnahme der englischen — 
benützen konnte. So war es ihm auch möglich, seine Arbeit zu einer möglichst 
vollständigen zu machen. 

Das ganze Werk zerfällt eigentlich in zwei Theile. 

Der erste, allgemeine Theil hat die Literatur, Morphologie, Anatomie, Ei- 
und postembrjonale Entwicklung, Lebensweise, geographische Verbreitung, sowie 
die systematische Stellung und Verwandtschaft der Phymatiden zum Gegenstande. 

Der Verfasser verweist die Phymatiden, welche bisher von den meisten 
Autoren in die Nähe der Aradiden und Tingitiden gestellt wurden, auf Grund 
ihrer morphologischen, anatomischen und biologischen Beziehungen — nach der 
zuerst von Schiödte vertretenen Auffassung — mit Recht in die Nähe der Re- 
duviiden. Am nächsten verwandt sind ihnen die Stenopodinengattungen Phimo- 
phorus und Äulacogenia. 

Die Familie der Phymatiden ist über die paläarktische, orientalische, 
nearktische und neotropische Region verbreitet. Beiläufig drei Viertel der bisher 
bekannten Arten leben in der neuen Welt; etwa ein Dutzend ist in der orien- 
talischen Region, namentlich in Ostindien zu Hause, während die paläarktische 
Region nur zwei Arten aufzuweisen hat. ^) Australien und Afrika mit Madagascar 
beherbergen keine Phymatiden. Ob die von J. Scott aus Neuseeland beschrie- 
benen zwei Phymata- Arten wirklich von dort stammen, ist nicht ganz sicher. 

Der zweite, specielle Theil des Werkes ist der Systematik gewidmet und 
enthält die musterhafte Beschreibung der Gattungen und Arten. Es werden im 
Ganzen 9 Genera mit 73 Arten beschrieben, von denen 3 Gattungen und 29 Arten 
neu sind. Dazu kommen noch 8 neue Arten, die G. C. Champion in der Bio- 
logia centrali-americana publiciren wird, die aber hier ebenfalls beschrieben 
werden. 

Die ganze Familie wird in drei natürliche Gruppen geschieden: Phyma- 
tinae mit 1, Macrocephalinae mit 6 und Carcinocorinae mit 2 Gattungen. 
Neue Gattungen sind: Cnizocoris, Glossopelta und Agreuocoris, alle drei aus 
der Gruppe der Macrocephalinen. 

Die Charakteristik der einzelnen Gattungen ist auf natürlicher Basis auf- 
gebaut; auch die Beschreibung und Begrenzung der Arten lässt nichts zu wün- 
schen übrig. Der Verfasser hat dazu zahlreiche neue Merkmale benützt, alle 
Synonymien genau nachgeprüft und die geographische Verbreitung der Arten au 
der Hand eines reichen Materiales — im Ganzen über 1500 Exemplare — genau 
festgestellt. Nur drei von Westwood und zwei von J. Scott beschriebene 



1) Auf S. 141 wird „errore calami" statt Phymata crassipes die amerikanische Ph. erosa als 
solche Art bezeichnet, welche fast über das ganze Gebiet der paläarktischen Region verbreitet ist. 



Referate. 



227 



Arten, deren Typen in den Sammlungen der Museen von London und Oxford 
stecken, hat der Verfasser nicht selbst untersuchen können. Sonst sind ihm die 
Typen der meisten bisher beschriebenen Arten vorgelegen. 

Es würde zu weit führen, hier die in dieser ebenso gründlichen als aus- 
gezeichneten Monographie aufgestellten neuen Arten namhaft zu machen. Ich 
glaube dies in diesem Referate umso eher umgehen zu können, weil ich vor- 
aussetze, dass ein Jeder, der sich für das Studium exotischer Hemipteren inter- 
essirt, die Arbeit selbst zu Rathe ziehen müssen wird. 

Die Bestimmung der Gattungen und Arten wird darin durch klar ver- 
fasste analytische Tabellen, gute Textfiguren, ferner durch zwei Tafeln mit Detail- 
zeichnungen und vier Tafeln mit Habitusbildern erleichtert. Diese letzteren sind 
von M. Freih. v. Schier eth meisterhaft gezeichnet und geben uns ein treues 
Bild von den mitunter recht sonderbaren Formen der Phymatiden. Besonders 
aulfallend sind die zwei Gattungen Carcinocoris Handl. und Carcinochelis Fieb. 
mit ihren krebsscheerenartigen Vorderbeinen. Sie bilden eine recht merkwürdige 
kleine Gruppe, welche der Verfasser Carcinocorinae nennt, welche aber eigent- 
lich Carcinochelinae genannt werden sollte, weil die Gattung Carcinochelis von 
beiden die ältere ist. 

Mit aufrichtiger Freude müssen wir den Verfasser auf dem Gebiete der 
Hemipterologie begrüssen uiid ihm unseren vollsten Dank ausdrücken, dass er 
die hemipterologische Literatur gleich mit einer so verdienstvollen und schönen 
Arbeit bereichert hat. Dr. G. Horväth. 

AVasmanii, E., S. J. Termiten von Madagascar und Ostafrika. Mit 
2 Taf. In: Abhandl. der Senckenbergischen naturforsch. Gesellsch., Bd. XXI, 
Heft 1 (Voeltzkow, Wissenschaftliche Ergebnisse der Reisen in Madagascar 
und Ostafrika 1889-1895, Frankfurt a. M., 1897). 

Der Umstand, dass, wie Verfasser in den „Vorbemerkungen zur Systematik 
der Termiten" berichtet, unter dem von Voeltzkow gesammelten Termiten- 
materiale nur von zwei Arten auch geflügelte Imagines vorhanden waren, von 
den übrigen jedoch nur Soldaten, Arbeiter, Larven und Nymphen, veranlassten 
ihn, die Systematik der Soldatenformen ernstlich in Angriff zu nehmen, und Ver- 
fasser ist der Meinung, „dass der vorgeschlagene Weg der einzige ist, der zu 
dem gewünschten Ziele führt, nämlich die Systematik der Termiten praktisch 
zu erleichtern und theoretisch zu klären," Hagen hat nämlich in seiner 
grundlegenden Monographie der Termiten die Arten stets in erster Linie nach 
den geflügelten Geschlechtern beschrieben und die betreffenden Soldaten nur 
nebenbei mit einer kürzeren Diagnose erwähnt. Bei den meisten der von ihm 
beschriebenen oder aufgenommenen Arten ist die Soldatenform gar nicht zu seiner 
Kenntniss gekommen. Die Soldatenform ist aber nicht nur eine definitive, son- 
dern zugleich auch die specialisirteste Kaste im ganzen Termitenstaate und daher 
für die Classification besonders geeignet; sie bietet ferner auch den Vortheil, 
dass man einen festen Anhaltspunkt gewinnt, um später die betrefi'enden Ima- 
gines dazu zu beschreiben. Im Folgenden widerlegt Verfasser einige Bedenken, 



228 



Referate. 



welche gegen sein System zu Felde geführt werden könnten. Man könnte be- 
fürchten, dass die Synonymie eine unerwünschte Bereicherung erfahre, indem 
eventuell eine und dieselbe Termitenart, von welcher bereits die Imago früher 
beschrieben wurde, nun noch unter einem zweiten Namen nach der Soldatenform 
erscheint. Dieser offenkundige Uebelstand wird indessen dadurch ausgeglichen, 
dass man auf Grund der Kenntniss der Soldatenform nun auch die dazu ge- 
hörigen Imagines leichter kennen lernen kann. Stellt sich heraus, dass letztere 
bereits unter einem anderen Namen beschrieben sind, so hat natürlich dieser 
Name nach den Nomenclaturgesetzen die Priorität. 

Man könnte weiters einwenden, die Ameisen seien Insecten mit vollkom- 
mener, die Termiten dagegen solche mit unvollkommener Verwandlung; die 
Arbeiter und Soldaten der Ameisen seien secundäre Imago formen, die Sol- 
daten und Arbeiter der Termiten dagegen nur secundäre Larvenforraen. 
Für die Systematik kommt es indessen nur darauf an, ob die betreffende Form 
eine definitive JCntwicklungsform der betreffenden Art ist, und nicht auf 
ihre theoretische Deutung. Nach des Verfassers Ansicht stellen die Soldaten der 
Termiten eine definitive morphologische Kaste dar, nicht aber einen 
Larvenzustand, der als Durchgangsphase zu einer anderen Form dient. Die 
Arbeiter der Termiten sind dagegen für die Systematik weit weniger verwerthbar. 

Als letzten Einwand führt Verfasser endlich* noch den an, die Soldaten- 
form sei eine Anpassungsform und ihre Verschiedenheiten seien Anpassungs- 
charaktere an die verschiedene Lebensweise der betreffenden Arten; allein 
daraus folge noch nichts gegen ihre systematische Brauchbarkeit für die Unter- 
scheidung von Gattungen, Untergattungen und Arten. 

Da man bei einer auf die Soldatenformen begründeten Systematik auf 
bedeutende Schwierigkeiten stossen würde, wenn ein und dieselbe Art mehrere 
von einander sehr verschiedene Soldaten besitzen würde, sieht sich Verfasser ge- 
nöthigt, auf diese Frage näher einzugehen. Es handelt sich hier zunächst um 
die als „Nasuti" bezeichneten Formen, die früher bald als Stellvertreter der 
Soldaten, bald als eigentliche Soldaten von bestimmten Euter mes -Arten ange- 
sehen wurden. Hagen vertrat in seinen späteren Arbeiten diese heute herrschende 
Ansicht und führte das Vorkommen der „Nasuti" in den Termes-Bauten auf die 
Symbiose verschiedener Termitenarten in demselben Neste zurück. Eine solche 
Symbiose von schwarzen Eutermes mit anderen Termiten lag dem Verfasser auch 
unter seinen im Folgenden beschriebenen Madagascar -Arten vor. 

Gleich manchen Termes sens. str. haben auch manche Eutermes -Arten 
Soldaten von zwei bedeutend verschiedenen Grössenstufen, z. B. Eutermes gemi- 
natus Wasm. n. sp. 

In dem folgenden III. Capitel (Versuch einer Systematik der Termiten- 
soldaten) gelangen folgende Genera zur Besprechung: Hodotermes Hag., Ter- 
mopsis Hag., Calotermes Hag. (Subgenus Calotermes- Hag. sens. str., Serritermes' 
Wasm. nov. subgen.), Termes (L.) Hag. (Subgenus Termes sens. str., Cornitermes 
Wasm. nov. subgen., Coptotermes Wasm., Bhinotermes Hag., Eutermes sens. str., 



Referate. 



229 



Ärmitermes Wasm. nov, subgen., Capritermes Wasm. uov. subgeu., Microtervies 
Wasin. nov, subgen., Spinitermes Wasm. nov. subgen., Anoplotermes Fritz Müller). 

Neu für die Wissenschaft sind folgende Arten, bezw. Varietäten: Calo- 
termes madagascariensis, C. voeltzhowi, C. hotva, Termes belUcosus subspec. 
Sansibarita, T. suhtilis, T. unidentatus, T. (Coptotermes) truncatus, Eutermes 
laticeps, E. canaliculus, E. geminatus, E. nigrita. 

Den Sehluss der Arbeit bilden eine (Capitel V) „Bestimmungstabelle der 
Termiten von Madagascar nach der Soldatenform" und ein Abschnitt „Zur 
Morphologie der Mundtheile der Termiten", in welch' letzterem über die Mund- 
theile der Soldaten und die morphologische Bedeutung der „Zunge" der Termiten 
abgehandelt wird. Ad. Steuer. 

Keriier t. Marilaun, A. Pflanzenleben. Zweite, gänzlich neu bearbeitete 
Auflage. Leipzig und Wien (Bibliographisches Institut), 1896 — 1898. 

lieber die erste Auflage dieses in den weitesten Kreisen bekannten und 
hochgeschätzten Werkes wurde seinerzeit in dieser Zeitschrift ausführlich berichtet.*) 
Unter Hinweis auf das damalige Referat genügt es wohl, hier auf die wichtig- 
sten Veränderungen hinzuweisen, welche das Buch durch die Neubearbeitung 
erfahren hat. 

Im ersten Bande sind insbesondere folgende Capitel mehr oder weniger 
verändert, bezw. erweitert oder neu eingeschaltet: „Die Bewegungen der Proto- 
plasten", „Die Verwesung", „Veränderungen des Bodens durch den Einfluss der 
sich ernährenden Pflanzen", „Die Triebkräfte für die Bewegung des rohen Nahrungs- 
saftes", „Die tropischen Gewächse in der trockenen Jahreszeit", „Die Wasser- 
spalten". Aber auch in den hier nicht genannten Abschnitten findet man neuere 
Beobachtungen eingeschaltet und Manches mehr oder weniger anders angeordnet. 

Eine viel tiefer greifende Veränderung hat der zweite Band des Werkes 
erfahren. Hier ist ein umfangreicher Abschnitt der ersten Auflage, die specielle 
Darstellung der „Stämme des Pflanzenreiches", vollständig weggeblieben, während 
dafür am Schlüsse des Bandes ein ganz neues Capitel — welches schon für die 
erste Auflage geplant war, aber damals nicht zur Ausführung kam — : „Die 
Pflanze und der Mensch", angefügt ist. Die Weglassung des systematischen Ab- 
schnittes war insoferne gerechtfertigt, als derselbe für das grosse Publicum ja 
doch eine relativ trockene Leetüre bildete; der Fachmann aber findet das 
Kerner 'sehe Pflanzensystem in der ersten Auflage publicirt. Die Abbildungen 
dieses ausgelassenen Abschnittes wurden in der neuen Auflage grösstentheils an 
anderen Stellen des Werkes benützt. 

Das neue Capitel: „Die Pflanze und der Mensch" wird dagegen von jedem 
Gebildeten mit dem grössten Interesse gelesen werden; es enthält eine gedrängte 
Darstellung der wichtigsten Nutz- und Zierpflanzen, einen Abriss der Geschichte 
der Gartenkunst (mit prächtigen Illustrationen), einen Abschnitt über „Die Pflanze 
als Motiv in der Kunst" u. A. m. 



') Vergl. diese „Verhanaiungen", Bd. XLII, Sitzungsber. vom 2. März 1892, 



230 



Referate. 



Von den neuen, durchwegs vorzüglichen Abbildungen seien noch besonders 
hervorgehoben: die Chromotafel „Schattenpalme auf Ceylon", ferner die Dar- 
stellung „thierfangender Lebermoose", „Dischidia Rafflesiana'^, „Ameisenstrasse 
mit Chelidonium^ , „Der Boabab", „Wasserspalten", „Gallen" und die „Floren- 
karte von Oesterreich-Ungarn". 

Kerner 's Werk hat sich die Welt erobert; es bedarf unter diesen Um- 
ständen wohl keiner besonderen Empfehlung. F ritsch. 



Zur Richtig stellun§r. 

In Heft 2, Jahrg. 1898 dieser Zeitschrift wurde von Herrn Fritz Vier- 
happer jun. ein „Beitrag zur Gefässpflanzenflora des Lungau" gebracht. Die 
Aufzählung umfasst, wie der Autor in der Einleitung angibt, sämmtliche von 
ihm gesammelte Pflanzen, „wenn auch viele nicht von neuen Standorten sind, 
weil eine Auswahl ungleich mehr Mühe und Zeit erfordert hätte". Unmittelbar 
darauf folgt dann die Angabe, dass von den aufgezählten Arten etwa 20 für das 
Lungau neu seien; man könnte daher glauben, der Autor habe sich doch der 
Mühe unterzogen, die Literatur durchzusehen. Das ist aber nicht der Fall, denn 
unter den als neu für das Lungau angeführten Pflanzen sind, soweit ich bisher 
feststellen konnte, sechs bereits von dort bekannt, und zwar: 
Äsplenium germanicum Weiss von Moosham, 
Poa laxa Hnke. vom Gurpetscheck, 
Poa minor Gaud. vom Hochfeind und Schwarzeck, 
Saxifraga Budolfiana Hornsch. vom Schwarzeck und Hochfeind, 
Gentiana prostrata Hnke. vom Gamsleitenspitz, der Wengeralpe und Speyereck, 
Euphrasia pulchella Kern, vom Seekaarspitz. 

Es wäre für Herrn Vierhapper jun. nicht allzu schwer gewesen, sich 
davon Kenntniss zu verschaffen, da Herr Prof. Fritsch in den „Berichten über 
die floristische Durchforschung von Oesterreich-Ungarn" (Oesterr. botan. Zeitschr., 
1894, Nr. 5 und 1895, Nr. 11, 12) die Standorte unter Angabe der Quellen 
publicirt hat. 

Wenn dem Autor so wenig Zeit zur Verfügung stand, dass er auch diese 
geringe Mühe scheuen musste, dann wäre es für ihn besser gewesen, seine 
Publication vorläufig zu verschieben. Dr. J, Lütkemüller. 



General -Versammlung^ am 23. März 1898. 

Vorsitzender : Herr Dr. R. Dräsche Frh. v. Wartimberg. 



Neu eingetretene Mitglieder. 

P. T. Herr Als Mitglied bezeichnet: 

Bauer, Franz Sales, Stiftshofmeister, Rein, 

Steiermark (Orn.) Durch die ornithologische Section. 

Blüm ml, Emil C, landw. Schriftsteller, 

XVIII./l, Weinhauserstrasse 102 . . . Durch das Secretariat. 
Bubäk, Prof. Franz, Hohenstadt, Mähren . Prof. C. Fritsch, A. Handlirsch. 
Chernel v. Chernelhaza, Stefan, Güns, 

Ungarn (Orn.) Durch die ornithologische Section. 

Femara, Carl, Mag. der Pharm., Wien 

(pharmakolog. Institut der Universität) . Durch das Secretariat. 
Glück, Heinrich, niederösterr. Landes-Thier- 

arzt, Gross-Enzersdorf (Orn.) .... Durch die ornithologische Section. 
Haffner, Alfred, Präparator, Wien, VI., 

Engelgasse 1 (Orn.) „ r „ 

Hock auf, Dr. med. et phil. Josef, Assistent 

am pharmakolog. Institut d. Univ. in Wien A. Handlirsch, Dr. A. Zahlbruckner. 
Hruby Freih. v. Gölenj, Josef, Moran, 

Post Cestin, Böhmen (Orn.) Durch die ornithologische Section. 

Janda, Georg, k. k. Professor, Walachisch- 

Meseritsch (Orn.) „ „ ^ « 

Landwirthschaftliche Akademie, kgl. ungar., 

Ungarisch-Altenburg (Orn.) r « » n 

Lauterer, Dr. Felix, Wien, I., Rathhaus- 
strasse 2 (Orn.) A. Handlirsch, Dr. A. Zahlbruckner. 

Lemcke, E., Chef der Firma B. Wester- 
mann & Co., New- York Durch das Secretariat. 

Linsbauer, Carl, Wien, V./2, Kohlgasse 53 Dr. L. Linsbauer, J. Brunnthaler. 
Majerszky, Adalbert v,, Realitätenbesitzer, 

Wien, III./3, Reisnerstrasse 30 (Bot.) . Durch das Secretariat. 
Mandelbaum, Albert, Wien, I./l, Franz 

Josefs-Quai 27 (Orn.) Durch die ornithologische Section. 

Mazurek, Dr. P. J., Pieniaki, Galizien (Orn.) A. Handlirsch, Dr. L. v. Lorenz. 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 30 



232 



General -Versaiiimlunf? am 23. März 1898. 



P. T. Herr Als Mitglied bezeichnet: 

Middendorf, Ernst v., Majoratsherr, Helle- 
norm, Bahnstation Elwa, Livland (Orn.) Durch die ornithologische Section. 

Nagl, Ferd., niederösterr. Landes-Ingenieur, 

Wien, I., Herrengasse 13 (Orn.) . . . „ „ „ ., 

Pallisch, Carl, Ingenieur, Pitten, Nieder- 
österreich (Orn.) „ „ 

Panzner, Hubert, k. u. k. Hauptmann, 
Schloss Gallenhofen bei Windischgrätz, 

Böhmen (Orn.) „ „ r „ 

Paul, Eudolf, Wien, III./l, Messenhauser- 
gasse 2 (Bot.) Prof. C. Fritsch, Dr. C. v. Keissler. 

Prowazek, Stanislaus, Wien, VIII., Lederer- 
gasse 34 (Planktonk.) J. Brunnthaler, Dr. A. Steuer. 

Rassmann, Moriz, Official, Wien, XVIII./ 1, 

Gentzgasse 4 (Bot.) Durch das Secretariat. 

Eausch, Mathias, Wien, VII., Schottenfeld- 
gasse 95 (Orn.) Durch die ornithologische Section. 

Riede r, Anton, k. k. Hausofficier, Mödling, 

Niederösterreich (Orn.) « « » « 

Satter, Hans, k. k. Gymn.-Prof., Gottschee L. Gangibauer, Jos. Kaufmann. 

Schaff er, P. Alexander, Pfarrer, Mariahof, 

Post Neumarkt, Steiermark (Orn.) . . Durch die ornithologische Section. 

Schiavuzzi, Dr. Bernhard, k. k. Bezirks- 
arzt, Pola (Orn.) » « « « 

Stadlober, Richard, Gutsbesitzer, Mariahof, 

P. Neumarkt, Steiermark (Orn.) . . . „ „ ^ „ 

Star kl, Dr. Gottfried, Gymn.-Prof., Kalks- 
burg, N.-Oe Durch das Secretariat. 

Strand, Embr., Cand. phil., Christiania, 

Stensberggaden 20, Norwegen ....„„ „ 

Verein für Vogelschutz und Vogelfreunde in 

Salzburg (Orn.) Durch die ornithologische Section, 

Vetter, Dr. Adolf, Wien, XIII., Lainzer- 

strasse 27 (Orn.) „ r « » 

Watzka, A. C, k. k. Hofrath, Wien, IV./l, 

Heumühlgasse 6 (Orn.) „ n n « 

Wang, Nikolaus, Secretär am k. k. natur- 
historischen Hofmuseum in Wien (Orn.) „ „ „ „ 

Weis, Ernst, Doctor der Med., Wien, IX./2, 

Spitalgasse 23 Dr. F. Krasser, Dr. A. Zahlbruckner. 

Zeller, Fritz, Kaufmann, Wien, II./2, Untere 

Donaustrasse 13 (Orn.) Durch die ornithologische Section. 



General -Versammlung am 23. März 1898, 



233 



Anschluss zum Schrifteiitausch. 
Trient: Direzzione della Rivista „Trideiitum", per Dr. G. Zippel. 



Bericht des Präsidenten Herrn Dr. Richard Dräsche Freih. 

V. Wartimberg. 

Ich begrüsse die General -Versammhing und beehre mich, den Bericht über 
die Wirksamkeit der Gesellschaft im abgelaufenen Jahre vorzulegen. 

Die Zahl der Mitglieder (incl. Schulen) ist von 510 auf 525 gestiegen. 
Neu eingetreten sind 38 Mitglieder, ausgetreten 15. Durch den Tod wurden uns 
8 Mitglieder entrissen, es sind dies die Herren: Arneth, Alfred Frh. v., Fekete, 
Gabr. V., Fuchs, Jos., Heinrich, Carl, Juranj, Dr. L., Leitgeb, Dr. Aug. v., 
Mojsisovics, Dr. Aug., Siegmund, Wilh. 

Ich fordere Sie auf, das Andenken an die Heimgegangenen durch Erheben 
von den Sitzen zu ehren. 

Der Jahrgang 1897 unserer Schriften hat 706 Seiten und 3 Tafeln. 

Als ein sehr erfreuliches Zeichen der regen Thätigkeit unserer Gesellschaft 
müssen wir die Gründung zweier neuen Sectionen bezeichnen. Es ist dies die 
Section für Ornithologie, die ihre Entstehung hauptsächlich der Fusion des 
ornithologischen Vereins mit unserer Gesellschaft verdankt, und die Section für 
Planktonkunde. 

Ich glaube nur im Sinne aller Mitglieder zu sprechen, wenn ich allen 
jenen Herren, welche an den Spitzen der Verwaltung unserer Gesellschaft und 
der einzelnen Sectionen stehen, wärmste Anerkennung und besten Dank für ihre 
erspriesslichen Leistungen ausdrücke. 



Bericht des Secretärs Herrn Prof. Dr. Carl Fritsch. 

Wie im Vorjahre, so kann ich auch heuer über eine beträchtliche Hebung 
der Publicationsthätigkeit der Gesellschaft berichten. Der im Jahre 1897 aus- 
gegebene Band unserer „Verhandlungen" umfasst 706 Druckseiten, während der 
Jahrgang 1896 nur 495, der Jahrgang 1895 nur 446 Seiten enthielt. Diese Zahlen 
beweisen nicht nur, dass die Gesellschaft in einem erfreulichen Aufschwünge be- 
griffen ist, sondern auch, dass unsere „Verhandlungen" von Jahr zu Jahr mehr 
als Publicationsort von den Autoren geschätzt werden. 

Die Verfasser der im XLVII. Bande enthaltenen zoologischen (der Mehr- 
zahl nach entomologischen) Abhandlungen sind die Herren Ericson, Gangi- 
bauer, Handlirsch, Hedemann, Hormuzaki, Kirchsberg, L.V.Lorenz, 
Montandon, Nemec, Otto, Steuer, Tomola, Verhoeff und Werner; 
botanische Abhandlungen lieferten uns die Herren Abel, Arnold, Bubäkj 
Cypers, Flatt, Keissler, J. v. Lorenz, Rehraann, RöU, Scholz, Strasser 
und Vierhapper. Hiezu kommen noch die zahlreichen wissenschaftlichen Mit- 

30* 



234 



General -Versammlung am 23. März 1898. 



theilungen, welche in den Sitzungsberichten der Sectionen für Botanik, Krypto- 
garaenkunde, Lepidopterologie und Zoologie enthalten sind. 

Ferner enthält der Jahrgang 1897 noch einen Nachruf an C. v. Ettings- 
hausen aus der Feder von Prof. Hörnes, endlich den Bericht über die Ent- 
hüllung des En dl ich er -Denkmales im Arcadenhofe der Wiener Universität. 

Unter den Referaten wäre in erster Linie des zusammenfassenden Be- 
richtes von Prof. Burger stein über die in den österreichischen Mittelschul- 
Programmen 1896 erschieoenen zoologischen und botanischen Arbeiten zu gedenken. 
Ausserdem referirten über zoologische Publicationen die Herren Handlirsch, 
Rebel und Steuer, über botanische die Herren Beck, Fritsch, Wettstein 
und Zahlbruckner. 

Mit dem verbindlichsten Danke an alle hier genannten und nicht genannten 
Förderer unserer Publicationen sei mein Bericht geschlossen. 



Berieht des Seeretärs Herrn Anton Handlirsch. 

Mit der Gründung und allmäligen Ausbildung der Sectionen steht eine 
vollkommene Aenderung des ganzen Vereinslebens in unmittelbarem Zusammen- 
hang. Während sich früher ein- oder höchstens zweimal im Monate eine grössere 
Zahl von Mitgliedern in den Vereinslocalitäten einfand, herrscht jetzt jede Woche 
1 — 2 mal reges Leben. Im abgelaufenen Vereinsjahre fanden über 40 Sections- 
versammlungen statt. Zur Erledigung der Geschäfte waren nur drei Ausschuss- 
sitzungen nothwendig, weil die laufenden Geschäfte in den verschiedenen Comites 
zur Abwicklung gelangten. 

An 16 Lehranstalten sind zusammen über 7200 zoologische und botanische 
Lehrmittel unentgeltlich abgegeben worden. Deren Vertheilung besorgten wie 
in den früheren Jahren Herr Dr. Oster m eye r und meine Wenigkeit. Materiale 
verdanken wir u. A. der zoologischen Station in Triest (Dr. Gräffe), dem zoo- 
logischen Institute der Universität und dem k. k. naturhistorischen Hofmuseum. 
Herr Dr. F. Arnold widmete dem Vereine neuerdings eine Suite seiner werth- 
vollen Eichenen, 

Die geehrten Mitglieder werden dringend gebeten, auch in der kommenden 
Saison so wie in früheren Jahren möglichst viele zum Unterrichte brauchbare 
Objecte zu sammeln und dadurch einen der wichtigsten Zweige unserer Vereins- 
thätigkeit nach Kräften zu fördern. 

Einer aus der Section für Lepidopterologie hervorgegangenen Anregung 
folgend, hat sich die Vereinsleitung an mehrere Forstverwaltungen gewendet, um 
den Mitgliedern die Erlaubniss zum Betreten dem allgemeinen Verkehre nicht 
zugänglicher Wege und Forstgebiete zu erwirken. Dieser Schritt war insofern 
erfolgreich, als von der k. k. Forst- und Domänen-Direction, sowie von den Forst- 
verwaltungen der Grafen Hoyos und Harr ach und des Stiftes Klosterneuburg 
die gewünschte Bewilligung unter den aus den unten mitgetheilten Zuschriften 
ersichtlichen speciellen Bedingungen bereitwilligst ertheilt wurde. 



General -Veisamiuluug am 23. März 1898. 

K. k. Forst- und Domänen-Direction in Wien. 



235 



An die geehrte k. k. zoologisch-botanisolie Gesellscliaft in Wien. 

In Beantwortung des geschätzten Schreibens vom 22. Februar 1898 beehrt 
sich die Forst- und Domänen-Direction mitzutheilen, dass die Benützung der auf 
den forstärarischen, beziehungsweise fondsherrschaftlichen Besitzungen gelegenen, 
dem allgemeinen Verkehre entzogenen Wege durch die Mitglieder der geehrten 
k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft bei deren Excursionen zum Zwecke zoo- 
logisch-botanischer Forschungen im Principe keinem Anstände unterliegt. 

Jedoch muss im Interesse der eigenen persönlichen Sicherheit der Mit- 
glieder der geehrten k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft daran festgehalten 
werden, dass sowohl bei Einzelnexcursionen als bei gesellschaftlichen Ausflügen 
jedesmal die Forst- und Domänenverwalter jener Wirthschaftsbezirke, über 
welche sich der betretfende Ausflug erstrecken soll, durch die Leitung der ge- 
ehrten k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft über die jeweilige Zulässigkeit 
des Ausfluges zu befragen und die Ausflüge erst nach Eintreffen der Zustimmungs- 
erklärung zu unternehmen sein werden, da nur auf diese Art Unfälle, besonders 
zur Zeit der Pürsch- und Anstandsjagden hintangehalten werden können. Zur 
Legitimation der Mitglieder wolle auf diesen Ausflügen die Vereinskarte mit- 
genommen werden. 

Die Forst- und Domänen -Verwaltungen des Wiener Directionsbereiches 
werden unter Einem hievon verständigt und angewiesen, der geehrten k. k. zoo- 
logisch-botanischen Gesellschaft und deren Mitgliedern mit thunlichster Coulance 
entgegen zu kommen. 

Wien, am 16. März 1898. 

Der k. k. Directions -Vorstand : 
Schill d.ler. 

* * * 

Stifts-Forstamt Klosterneuburg. 



Geehrtes Präsidium der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft 
in Wien. 

In höflicher Beantwortung des geehrten Schreibens vom 22. Februar 1898 
beehrt man sich mitzutheilen, dass die Herren Mitglieder in keiner Weise ge- 
hindert sein werden, ihre Studienexcursionen etc. auf stiftlichem Areale aus- 
zuführen, wenn sie sich durch die Vereinskarte legitimiren. 

Klosterneuburg, am 6. März 1898. 

Jenz, 

Oberförster. 



236 



General -Versammlung am 23. März 1898. 



Gräflich Hoyos-Sprinzenstein'sehe Forst- und Güter-Direction in 

Gutenstein, N.-Oe. 



Einem löbl. Präsidium der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft 

in Wien. 

Ueber Ansuchen des Präsidiums der sehr geehrten zoologisch-botanischen 
Gesellschaft in Wien vom 22. Februar a. c. wird den einzelnen Mitgliedern dieser 
Gesellschaft, welche sich speciell mit Sammeln befassen, zu diesem Zwecke das 
Benützen der auf gräflich Hoyos-Sprinzenstein'schem Gebiete befindlichen, auch 
nicht markirten Wege im Jahre 1898 gestattet; es wird jedoch ersucht, die zu 
wählenden Touren und die Zeit vorher den Herren Oberförstern in Stixenstein, 
Gutenstein oder Hohenberg bekannt zu geben, von welchen dann Erlaubnissscheine 
ausgestellt werden. 

Zur Forstverwaltung Stixenstein gehören: der Gahns, Gösing, hoher 

Hengst und Schneeberg. 
Zur Forstverwaltung Gutenstein gehören: der Oehler, Gaiskopf, das 

Raxgebiet mit dem Scheibwald und Globen, der grosse und kleine 

Sonnleithstein. 

Zur Forstverwaltung Hohenberg gehören: der Neuwald, der Gippel und 
der Göller. 

Bei der Intelligenz der Herren Vereinsmitglieder wird vorausgesetzt, dass 
keine Handlungen unternommen werden, wodurch dem Walde oder dem Wild- 
stande irgend ein Schaden zugefügt wird. 

Gutenstein, am 1. März 1898. 

Der Forstrath : 
Kellner. 

* * * 

Erlaucht gräfl. v. Harraeh'sches Forstamt der Domänen Prugg- 
Rohrau in Rohrau via Bruck a. d. L., N.-Oe. 



Löbl. k. k. zoologisch-botanische Gesellschaft in Wien. 

Der sehr geehrten Zuschrift vom 21. Februar 1. J. gemäss sind wir sehr 
gerne bereit, die Zustimmung zum Besuche unserer Wälder, das botanische Stu- 
dium der sehr geehrten Gesellschaft betreffend, die Zustimmung zu geben. 

Nur muss mit dem grössten Bedauern zur Kenntnissnahme gebracht 
werden, dass die beiden vereinten Erlaucht gräfl. Harrach'schen Domänen Prugg- 
Rohrau nur einen sehr ge ringen Theil Grundstücke in Oesterreich haben, von 
welchen ca. ^/lo in Ungarn sich befinden. 



General -Versammlung am 23. März 1898. 



237 



Es könnte daher nur der Wald am österreichischen Boden in der Gemeinde 
Sparndorf, welcher zu der Domäne Rohrau gehört, mit 356 Joch dem botanischen 
Studium unterzogen werden, welcher an die Otto gräfl. Traun schen Waldungen 
bei Maria-Ellend nächst Fischamend angrenzt. 

Rohrau, am 28. Februar 1898. 

Grustav Ivrejcar, 
Oberförster. 

* ^ * 



Uebersicht der im Laufe des Jahres 1897 an Lehranstalten abgegebenen zoologischen 
und botanischen Lehrmittel. 





Postnummerjj 


Bezeichnung der Schule 


Wirbelthierell 


1 

i 


Glieder- 
füssler 


Strahlthiere, 
Würmer 


Pflanzen 


Zusammen 






1 


Wien, V., k. k. Staats-Gymnasium 


1 


~ 


_ 






1 






2 


„ I., Zedlitzgasse, Bürgerscbule 






80 




400 


480 






3 


XV., Ober-Realschule 




1 




8 




9 






4 






1 


1000 


6 




1007 






5 


„ Katholischer Schulverein 


38 


100 


120 


15 


400 


673 






6 




15 


42 


122 


12 


400 


591 






7 


Wien, XIII., k. k. Staats-Gymnasium .... 


22 


30 


12 


8 


400 


482 






8 






30 


70 


2 


400 


502 






9 






30 


70 


2 


400 


502 






10 






30 


70 


2 


400 


502 






11 


Aich in Ober-Steiermark, evangelische Schule 




30 


70 


2 


400 


502 






12 


Thomingsdorf in Böhmen, Volksschule .... 




30 


70 


2 


400 


502 






13 






30 


70 


2 


400 


502 






14 


Floridsdorf, N.-Oe., Volksschule 


16 


30 


71 


3 


400 


520 






15 


Saaz in Böhmen, k. k. Staats-Gymnasium . . 


14 


3 


14 


13 




44 






16 




23 


42 


1 


11 


400 


477 








Summe • • • 


139 429 


1840 


88 


4800 


7296 





Berieht des Rechnungsführers Herrn Josef Kaufmann. 

Einnahmen pro 1897 : 

Jahresbeiträge mit p]inschluss der Mehrzahlungen und Eintritts- 
taxen von zusammen fl. 182.44 fl. 2.905 . 08 

Subventionen „ 1.310 . — 

Vergütung des h. n.-ö. Landesausschusses für die Naturalwohnung 

im Landhause „ 2.500 . — 

Zins für den vermietheten Wohnungstheil „ 410 . — 

Fijr die Benützung der Vereinslocalitäten vom Ornithologischen 

Verein und von den Gärtnern „ 80 . — 



238 



General -Vereammlung am 23. März 1898. 



Für Annoncen in den Monatsheften fl. 6 . — 

Verkauf von Druckschriften und Druck-Ersätze „ 1242 . 39 

Interessen von Werthpapieren und Sparcasseeinlagen . . . . „ 348 . 82 

Porto-Ersätze „ 18 . 27 

Für den Wohnungsfond angekaufte 600 fl. Wiener 

Verkehrsanleihe fl. 600 . — 

Summa . . fl. 8.820.56 

in Baarem und fl. 600 . — 

in Werthpapieren ; und mit Hinzurechnung des am 

Schlüsse des Jahres 1896 verbliebenen 

Cassarestes von „ 5.400 . — ^ 2.652 . 67-5 

im Ganzen . . fl. 6.000 . — fl. 11.473 . 23'5 



Ausg-aben : 





n 


dOU 




Quartiergeld des Kanzlisten 


n 


180 




Versicherungsprämie für den Kanzlisten 




50 


52 




V 


77 




Gebühren -Aequivalent 




10 


53 


Miethzins vom Mai 1897 bis Mai 1898 




2.050 




Versicherungsprämie für Bibliothek, Herbar, Möbel etc. . . , 




36 


85 


Beheizung, Beleuchtung und Instandhaltung der Gesellschafts- 










« 


178 


20-5 




n 


108 


89 




n 


282 


73 


Erforderniss für das Museum 


n 


41 


Ol 


Büchereinkauf 


V 


602 


32 


Buchbinderarbeit für die Bibliothek 




240 


57 


Ankauf von 600 fl. Wiener Verkehrsanleihe für den Wohnungsfond 




600 


96 






129 


75 




r> 


116 


75 


Herausgabe von Druckschriften: 








Für den Band XL VII der Verhandlungen, Druck 








und broschiren fl. 2.903 . 55 










fl. 


3.080 


85 


Summa . . 


fl. 


8.386 


93-5 



Hiernach verblieb am Schlüsse des abgelaufenen Jahres 1897 ein Cassarest 
von fl. 6000 . — in Werthpapieren und fl. 3086 . 30 in Baarem ; letzterer ist 
grösstentheils bei der Ersten österreichischen Sparcasse hinterlegt. 

Die Werthpapiere bestehen aus: 

1 einh. Silberrente vom 1. Juli 1868 zu 50 fl. 
5 einh. Silberrenten vom 1. Juli 1868 ä 100 fl. 



General -Versammlung am 23. Marz 1898. 



239 



2 einh. Silberrenten vom 1. October 1868 ä 100 fl. 
6 einh. Notenreuten vom 1. August 1868 ä 100 fl. 
1 einh. Noteurente vom 1. November 1868 zu 1000 fl. 
20 einh. Notenrenteu vom 1. November 1868 a 100 fl. 

1 vierperc. ungarische Kronenrente vom 1. December 1892 7ai 200 Kr. (100 fl.). 

2 vierperc. ungarische Kronenrenten vom 1. December 1892 ä 100 Kr. (50 fl.). 
14 Wiener Verkehrsanleihe vom 31. März 1894 a 200 Kr. (100 fl.). 

1 Rudolfslos zu 10 fl. 
1 Clarylos zu 40 fl. 

Hievon 1 Notenrente zu 100 fl., 1 ungarische Kronenrente zu 100 fl. und ein 
Rudolfslos (zwei sind bereits ohne Treifer gezogen worden) als Spende des 
Herrn k. k. General -Auditors Martin v. Damiauitsch und 2 ungarische 
Kronenrenten ä 50 fl. als Spende der Gattin desselben, Frau Louise Da- 
miauitsch, zum Andenken an ihren am 19. October 1867 verstorbenen 
Sohn Rudolf Damianitsch, stud. jur. 

Verzeichniss 
der im Jahre 1897 der Gesellschaft gewährten 
Subventionen : 

Von Sr. k. u. k. Apostolischen Majestät dem Kaiser Franz Josef I. fl. 200 . — 
„ Ihren k. und k. Hoheiten den durchlauchtigsten Herren Erz- 



herzogen : 

Josef Carl „ 50 . — 

Rainer „ 50 . — 

Eugen „ 50.— 

Franz Ferdinand von Este „ 50. — 

Friedrich „ 50 . — 

Von Sr. Majestät dem Könige von Baiern „ 40 . — 

Von Sr. kgl. Hoheit dem Herzoge von Cumberland „ 20.— 

Vom hohen k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht . . . . „ 300 . — 

„ löblichen Gemeinderathe der Stadt Wien „ 500 . — 

Verzeichniss 

der für das Jahr 1897 geleisteten höheren Jahresbeiträge von 7 fl. aufwärts. 

Von den P. T. Herren: 

Dräsche Freih. v. Wartimberg, Dr. Richard fl. 100. — 

Liechtenstein, regierender Fürst Johann von, Durchlaucht . . . „ 25.— 

Bartsch Franz r 20. — 

Du mba Nikolaus, Heidmann Alberich, Kinsky, Fürst Ferdinand, 

Durchlaucht, Nedwed Carl, Pelikan v. Plauenwald, Anton 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 31 



240 



General -Versammlung am 23. März 1898. 



Freiherr v., Rothschild, Albert Freiherr v., Schwarzen- 
berg, Adolf Josef Fürst, Durchlaucht, je fi. 10 . — 

Arnold, Dr. Ferdinand „ 8.81 

Bachinger August, Frau Draskovic, Gräfin Marie, HerrMiebes 

Ernst, je jwi, »-ti' .,8 . — 

Schnabl, Dr. Johann „ 7.60 

Berg, Dr. Carl, Fekete, Gabr, Fid. v., Fritsch Josef, Nawa- 

schin, Sergius V., Rossi Ludwig, Wocke, Dr. M. T., je . . „ 7. — 



Bericht des Bibliothek-Comites. 

Die Geschäfte der Bibliothek besorgten im laufenden Jahre die Herren 
J. Briinnthaler und Dr. A. Zahlbruckner, wobei die Vertheilung der Ge- 
sdiäfte, wie im vorhergehenden Jahre, beibehalten wurde. 

Die Zuwächse der Bibliothek betrugen im Jahre 1897: 

Periodische Schriften 286 Nummern, davon 268 Nummern durch 
Tausch, 16 Nummern durch Kauf und 2 Nummern als Geschenk; 

Einzelwerke und Sonderabdrücke 189 Nummern in 190 Theilen, 
wovon 143 Nummern in ebenso vielen Theilen der Bibliothek als Geschenk ein- 
liefen, 45 Nummern in 46 Theilen im Tauschwege und 1 Nummer durch Kauf 
erworben wurde. 

Die als Geschenke eingelaufenen Einzelwerke und Sonderabdrücke wurden 
bereits zu Ende der Semestraischlüsse in den Heften des Jahrganges 1897 unserer 
„Verhandlungen" ausgewiesen. Das Bibliotheks-Comite erfüllt eine angenehme 
Pflicht, an dieser Stelle neuerdings allen Spendern im Namen unserer Gesell- 
schaft den verbindlichsten Dank auszusprechen. 

Von wichtigen, allgemeiner interessirenden Acquisitionen dieses Jahres seien 
die folgenden namhaft gemacht: 

Annales de la Soc. entomologique (die Serie dieser werthvollen Zeitschrift 
wurde durch Kauf completirt). 

Claus, Lehrbuch der Zoologie. 6. Aufl. 

Fritsch, Excursionsflora für Oesterreich. 

Garcke, lUustrirte Flora von Deutschland. 17. Aufl. 

Pospichal, Flora des österreichischen Küstenlandes. Bd. I. 

Reichenbach, Icones Florae Germanicae, fortgesetzt von F.G.Kohl. 

Wettstein, Die europäischen Arten der Gattung Gentiana aus der Section 
Endotricha Froel. 

An der Fertigstellung des Zettelkataloges unserer Bibliothek wurde eifrig 
weitergearbeitet. Es konnten die Zettel für die Einzelwerke in Octav- und Quart- 
format und diejenigen des grössten Theiles der in den Cahiers untergebrachten 
Sonderabdrücke geschrieben und eingereiht werden. An diesen Arbeiten hat sich 
Herr Dr. F. Ostermeyer vielfach betheiligt. 



General -Versaminlun? am '23. Mfvrz 1898. 



241 



Herr Prof. Carl Grobben hielt dem am 6. Februar 1. J. ver- 
storbenen Prof. Dr. Rudolf Leuckart folgenden Nachruf: 

Hochverehrte Versammlung ! 

Ich mache Ihnen Mitthoilnng von dem, was Ihnen Allen thatsächlich 
bereits bekannt sein wird. Der Nestor der deutschen Zoologen, Geheimrath 
Rudolf Leuckart, Professor der Zoologie und Zootomie an der Universität in 
Leipzig, ist am G. Februar d. J, in dem hohen Alter von über 75 Jahren ver- 
schieden. Mit Leuckart ist nicht blos ein hervorragender, für seine Wissen- 
schaft begeisterter Forscher, sondern auch ein ausgezeichneter akademischer Lehrer 
und edler Mensch aus dem Leben geschieden. 

Die Nachricht von Leuckart 's Tode wird überall, wo man sich für 
Zoologie und Wissenschaft überhaupt interessirt, schmerzlich überrascht haben. 
Wer Leuckart 's kräftigen Körper und lebhaften Geist, wer dessen Freude am 
Lehramte noch in den letzten Jahren kannte, durfte hoffen, dass dem nunmehr 
verschiedenen Meister ein noch höheres Alter beschieden sein würde. Nicht wenig 
mag auf Leuckart das schwere Leid gewirkt haben, das ihm, der bereits hoch in 
Jahren stand, durch den Tod seines Sohnes und einer Tochter widerfahren war. 

Rudolf Leuckart war am 7. October 1822 in der ehemaligen Universitäts- 
stadt Helmstedt geboren, studirte in Göttingen, wo er sich auch 1847 für Zoo- 
logie und Physiologie habilitirte. Im Jahre 1850 folgte Leuckart einem Rufe 
als Professor der Zoologie nach Giessen, 1869 an die Universität von Leipzig, 
an welcher er bis an sein Lebensende wirkte. 

Leuckart's grosse Verdienste um die Zoologie können hier nur in Kürze 
vorgetragen werden. Reich ist die Zahl der Publicationen, in denen Leuckart 
während einer halbhundertjährigen wissenschaftlichen Thätigkeit die Resultate 
seiner Forschungen niederlegte. Eine der ersten Arbeiten Leuckart's, die im 
Jahre 1848 erschienene Schrift: „Ueber die Morphologie und die Verwandtschafts- 
verhältnisse der wirbellosen Thiere", war von hoher Bedeutung für die Systematik 
und Morphologie. In dieser Schrift zeigte Leuckart auch, dass in dem von 
Cuvier aufgestellten Thierkreise der Radiata Thiergruppen verschiedenen Baues 
zusammengefasst sind, und stellte den Thierkreis der Coelenterata auf, in welchen 
die Cuvier 'sehen Classen der Polypen und Acalephen vereinigt wurden. 

Als Schüler von Rudolf Wagner ist Leuckart mit grosser Vorliebe 
physiologischer Betrachtungsweise gefolgt. Es geht dies aus einer Reihe von 
Schriften hervor, so der Abhandlung „Ueber den Polymorphismus der Individuen 
oder die Erscheinungen der Arbeitstheilung in der Natur" (1851), seinem lichtvollen 
Artikel „Zeugung" inWagner's Handwörterbuch der Physiologie (1853), einem 
Muster klarer, auf eine grosse Fülle von Beobachtungen gestützter Darstellung; 
aus seiner mit Bergmann herausgegebenen „Anatomisch-physiologischen Uebersicht 
des Thierreiches" (1852), einem Werke, welchem bis heute keines seiner Art folgte. 

Von in der Folgezeit publicirten Abhandlungen seien angeführt: „Zoo- 
logische Untersuchungen" (1853—1854, 3 Hefte), jene „Ueber die Mikropyle und 

31* 



242 



General -Versammlung am 23. März 1898. 



den feineren Bau der Schalenhaut bei den Insecteneiern" (1855), „Zur Kenntniss 
des Generationswechsels und der Parthenogenesis bei den Insecten" (1858), „Die 
Fortpflanzung und Entwickelung der Pupiparen" (1858), die zahlreichen Ab- 
handlungen zur Naturgeschichte der Biene, „Die Organologie des Auges" (1875). 

Leuekart's fruchtbarstes und eigenstes Arbeitsgebiet waren jedoch die 
Parasiten, insbesondere die parasitischen Würmer. Seinen geschickten Experi- 
menten, sowie seiner scharfen Beobachtung verdankt die Zoologie auf diesem 
Gebiete zahlreiche und wichtige Entdeckungen. Von den Publicationen, welche 
dieses Gebiet betreffen, seien die bekanntesten erwähnt; so: „Die Blasenband- 
würmer und ihre Entwicklung" (1856), „Bau und Entwicklungsgeschichte der 
Pentastomen" (1860), „Untersuchungen über Trichina spiralis" (1860, 2. Aufl. 
1866), „Zur Entwicklungsgeschichte des Leberegels" (1882), „Neue Beiträge zur 
Kenntniss des Baues und der Lebensgeschichte der Nematoden" (1887). Auch 
die Kenntnisse vom Bau und der Entwicklung der menschlichen Parasiten gründen 
sich grossentheils auf Leuekart's Untersuchungen. Diese erschienen zusammen- 
gefasst in dem zweibändigen Werke: „Die Parasiten des Menschen und die von 
ihnen herrührenden Krankheiten", das in zweiter Auflage im Erscheinen begriffen 
ist, ein Buch, welches in gleicher Weise Zoologen, Aerzten, aber auch dem 
praktischen Leben dient. So hat Leuekart's Thätigkeit über das engere Gebiet 
der Zoologie hinaus zum allgemeinen Wohle der Menschheit gewirkt. 

Leuekart war auf allen Gebieten der Zoologie zu Hause. Hievon geben 
auch Zeugniss seine berühmt gewordenen zoologischen Jahresberichte im Archiv 
für Naturgeschichte, dessen Mitherausgeber Leuekart durch eine lange Reihe 
von Jahren war. Seit 1888 gab Leuekart gemeinsam mit Chun die Bibliotheca 
Zoologica, eine Sammlung zoologischer Original -Abhandlungen, heraus. Allgemein 
verbreitet sind endlieh die zoologischen Wandtafeln, welche Leuekart zum Theil 
zusammen mit Nitsehe edirte. 

Leuekart's Verdienste um die Entwicklung der Zoologie liegen nicht blos 
in seiner eigenen wissenschaftlichen Thätigkeit, sondern nicht zum wenigsten in 
der grossen Anregung, welche er in seiner Lehrthätigkeit gab. Leuekart's glän- 
zender Vortrag war allgemein gerühmt und verschaffte ihm den Ruf des besten 
akademischen Lehrers der Zoologie in Deutsehland. Sein Laboratorium war wohl 
das besuchteste und aus denselben sind unter den zahlreichen Schülern, welche 
hier aus aller Herren Länder sieh einfanden, viele später in hervorragender Weise 
wirkende Forseher hervorgegangen. 

Als Mensch erfreute sich Leuekart allgemeiner Achtung und Verehrung. 
Seines gastlichen Hauses werden seine Fachgenossen und Schüler gerne gedenken, 
sowie besonders letztere das warme Interesse nicht vergessen werden, mit welchem 
Leuekart ihr weiteres Schicksal und ihre Laufbahn als ihnen väterlich gesinnter 
Freund verfolgte. 

Die Ehren, welche Herrscher, wissenschaftliehe Corporationen, welche diö 
Schüler ihrem Meister erweisen können, sind Leuekart zu Theil geworden. 
Ordensauszeichnungen, die Erwählung in zahlreiche gelehrte Gesellschaften, die 
Festschrift und viele andere Widmungen seitens seiner Schüler und anderer Fach- 



General -Versammlung am 23. März 1898. 



243 



genossen anlässlich der Vollendung seines 70. Lebensjahres geben Zeugniss von 
dem grossen wissenschaftlichen Rufe, der hohen Achtung und allgemeinen Ver- 
ehrung, welche Leuckart genoss. 

Wir hier in Wien haben noch besonderen Anlass, Leuckart's in diesem 
Augenblicke zu gedenken. Die Wiener Schule, welche unter Hofrath Claus sich 
entwickelte, hatte insofern eine nähere Beziehung zu Leipzig, als Hofrath Claus 
Leuckart's wohl hervorragendster Schüler und Assistent war. 

Und so bitte ich Sie, sich zum Zeichen unserer aufrichtigen Trauer über 
den Tod Leuckart's, zugleich als feierlichen Ausdruck unserer Verehrung für 
den dahingeschiedenen Meister in der Zoologie, von den Sitzen zu erheben. 
Leuckart's Andenken sei von uns treu bewahrt. 

Hierauf sprach Herr Prof. Dr. Carl Fritsch: „lieber die geo- 
graphisch-morphologische Methode der botanischen Systematik". 



Section für Lepidopterologie. 



Versammlung am 1. April 1898. 

Vorsitzender: Herr Dr. H. Bebel. 

Der Vorsitzende macht Mittheilung über die weiters eingelangte 
Bewilligung zum Betreten der Forste seitens der k. k. Forst- und 
Domänen-Direction Wien und der Forstverwaltung des Stiftes Kloster- 
neuburg. (Vergl. oben, Seite 235.) 

Herr Dr. Eebel legt sodann eine Publication von Ch. Ober- 
thür über zwei Hybridenformen von Biston pomonarius und B. 
hirfarius vor; die erste betrifft das Kreuzungsproduct von B. hirta- 
rius cf und B. pomonarius $ und wurde seinerzeit bereits von Stand- 
fuss als Biston hybr. Pihii bekannt gemacht; die Gegenkreuzung 
von B. 2>omonarius cf mit B. hirtarius 9 glückte erst vor kürzerer 
Zeit Herrn Hüni in Zürich, und wurde die daraus erhaltene hybride 
Form (bisher nur cf) hybr. Hünii von Oberthür benannt. Die 
sehr gelungenen beiden photographischen Tafeln der Publication 
stellen diese beiden Hybridformen sammt je einem Vertreter der 
Elternarten dar. 



244 



Versammlung der Section für Lepidopterologie am 1. April 1898. 



Schliesslich setzt Herr Dr. Rebel seine Vorträge zur „Ein- 
führung in ein wissenschaftliches Studium der Lepidopteren" fort 
und behandelt die Systematik der Familien der Calliduliden, Drepa- 
nuliden, Perophoriden, Bombyciden und Endromiden. 



Beiträge zur Flora von Salzburg. 

V. 

Von 

Dr. Carl Fritsch. 

(Eingelaufen am 15. März 1898.) 

In den vier Jahren, welche seit der Veröffentlichung des vierten Theiles 
dieser „Beiträge"^) verflossen sind, konnte ich meine Kenntnisse über die salz- 
burgische Flora wieder bedeutend erweitern. Ich brachte den Hochsommer jähr- 
lich in Salzburg zu und machte kleinere und grössere Excursionen im Flachlande 
und in den Thälern Pongaus und Pinzgaus. Im Jahre 1894 besuchte ich insbe- 
sondere das Gasteiner Thal nebst dem Nassfeld und Anlauf thal, wo ich, obwohl 
schon zahlreiche Botaniker dort früher geweilt hatten,^) doch noch einiges Neue 
fand. Das Jahr 1895 war in erster Linie der Erforschung des oberen Salzach- 
thaies gewidmet; besonders um Mittersill und Krimml sammelte ich manches 
Interessante. In demselben Jahre besuchte ich auch das Kaprunerthal, in welchem 
ich eine Anzahl von Arten fand, die mir beim ersten Besuche dieses Thaies^) ent- 
gangen waren. Endlich durchforschte ich 1895 auch noch das Gebiet des Schaf- 
berges und die Umgebung von St. Gilgen, wo ich u. A. den für Salzburg neuen 
Muhus tomentosus Borkh. entdeckte. — Der regenreiche Sommer des Jahres 1896 
war meinen Forschungen nicht günstig. Nur Ende Juni machte ich eine mehr- 
tägige Excursion ins Unterpinzgau, wo ich bei Taxenbach und in der Umgebung 
von Bad Fusch thätig war. 

Im August 1897 besuchte mich in Salzburg Herr Dr. Carl Rechinger, 
mit dem ich gemeinsam einige recht erfolgreiche Excursionen unternahm. Herr 
Dr. Rechinger wandte sein Augenmerk hauptsächlich der von mir bisher 
ziemlich vernachlässigten Gattung Rumex zu und fand hiebei zwei interessante 
Bastarde, von welchen der eine überhaupt neu, der zweite für Salzburg neu ist. 
Ich selbst besuchte 1897 das Bürmoos bei Lamprechtshausen, ferner das Gebiet 
von Leogang und Saalfelden im Pinzgau. — Die bemerkenswertheren Funde auf 
allen hier erwähnten — und kleineren, hier nicht genannten — Excursionen 
findet man in dem weiter unten folgenden Verzeichnisse angeführt. 

1) Vgl. diese „Verhandlungen", Bd. XLIV, Abhandl., S. 49 (1894). 

^) Vg^' <ii6 Einleitung des eben citirten vierten Theiles dieser „Beiträge". . 
=«) Vgl. diese „Verhandlungen", 1888, Abhandl,, S. 76. ' 



Beiträge zur Flora von Salzburg. V. 



245 



Besonderes Augenmerk wendete ich auf meinen Wanderungen im Lande 
Salzburg jenen formenreicben Gattungen zu, welche erst in neuerer Zeit mono- 
graphisch durchgearbeitet wurden, wie die endotrichen Gentianen^) und die 
Gattungen Euphrasia^) von Weit st ein und Alectorolophus von Stern eck.^) 
Herr Prof. v. Wettstein hatte die Güte, raeine Euphrasien und endotrichen 
Gentianen zu revidiren, so dass meine unten gegebenen Mittheiluugen in Bezug 
auf die Bestimmung der Arten jedenfalls zuverlässig sind. Die Alectorolophus- 
Arteu habe ich selbst unter Zugrundelegung der Abhandlung von Sterneck be- 
stimmt. Bei dieser Gelegenheit konnte ich auch den von Saut er aus Salzburg 
beschriebenen Ehinanthus montanus aufklären, worüber ich in einer eigenen 
Abhandlung ausführlicher berichten werde.*) 

Besonderen Dank schulde ich Herrn Prof. Oborny in Znaira, welcher die 
Güte hatte, die von mir gesammelten Hier acium -Arten zu bestimmen. Bei der 
Bestimmung der Piloselloiden hat sich Prof. Oborny an die monographische 
Bearbeitung von Nägeli und Peter^) gehalten. Ich führe in dem folgenden 
Verzeichnisse die Namen der betreffenden „Subspecies" etc. im Sinne dieser Autoren 
an, ohne mich über die Bedeutung und den Werth der einzelnen Formen auszu- 
sprechen. Dass Nägeli und Peter in der Zersplitterung der Formen zu weit 
gegangen sind, ist wohl ausser Zweifel. Bei genauerer Beachtung der geo- 
graphischen Verbreitung der einzelnen Formen, im Zusammenhang mit 
der Variabilität der betreffenden Pflanzen an den einzelnen Standorten, wird 
man wohl später einmal zu einer klareren Uebersicht über das Formenchaos 
der Piloselloiden gelangen. Dasselbe gilt von der Artengruppe des Hieracium 
villosum L. 

Ich möchte diese Gelegenheit nicht vorüber gehen lassen, ohne denjenigen, 
welche mich in den letzten Jahren theils durch Ueberlassung von im Lande Salz- 
burg gesammelten Pflanzen, theils durch Mittheilung ihrer daselbst gemachten 
Beobachtungen unterstützten, meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. Es sind 
dies Fräulein M. Eysn in Salzburg und die Herren Dr. A. Ginzberger (Wr.- 
Neustadt), Dr. A. Heimerl, L. Keller, Dr. J. Lütkemüller, Dr. G. v. Pern- 
hoffer und F. Vierhapper jun. (sämmtlich in Wien). Die von denselben 
mitgetheilten Funde werde ich, soweit sie nicht schon veröffentlicht sind, an 
anderer Stelle publiciren, während die hier vorliegende Abhandlung die Zusammen- 
stellung meiner eigenen Funde enthält. 



') "Wettstein, Untersuchungen über Pflanzen der österr.-ungar. Monarchie. I. Die Arten 
der Gattung Oentiana aus der Section „Endotricha Fröl.". Oesterr. botan. Zeitschr., 1891—1892. — 
Die europäischen Arten der Gattung Gentiana aus der Section Endotricha Fröl. Denkschr. der kais. 
Akad. der Wisseosch, in Wien, Bd. LXIV (1896). 

Wettstein, Untersuchungen etc. (wie oben). II. Die Arten der Gattung Euphrasia. 
Oesterr. botan. Zeitschr., 1893 — 1895. — Monographie der Gattung Euphrasia. Leipzig, 189C. 

») Sterneck, Beitrag zur Kenntuiss der Gattung Alectorolophus All. Oesterr. botan. Zeit- 
■ tirift, 189.5. 

*) Vgl. das nächste Heft dieser „Verhandlungen". 

^) Nägeli und Peter, Die Hieracien Mitteleuropas. I. Piloselloiden. (München, 1885.) 



246 



Carl Fritsch. 



In dem nun folgenden Verzeichnisse habe ich dieselbe Form beibehalten, 
wie in den früher erschienenen „Beiträgen"^); ebenso bedeutet fetter Druck das- 
selbe wie dort, nämlich, dass die betreffende Pflanze bisher gar nicht aus Salz- 
burg bekannt war oder von anderen Autoren unter unrichtigem Namen aufgeführt 
wurde. Nur in Bezug auf die systematische Anordnung des Ganzen habe ich 
mich zu einer Aenderung entschlossen. In den früheren Beiträgen folgte ich in 
der Reihenfolge der Gattungen und Arten der zweiten Auflage von S auter 's 
Flora von Salzburg^), welche nach dem Endlicher'schen Pflanzensystem geordnet 
war. Nachdem nun aber die Bearbeitung der Phanerogamen in den „Natürlichen 
Pflanzenfamilien" von Engler und Prantl nahezu abgeschlossen ist (es fehlen 
nur ein Theil der Umbelliferen und die Cornaceen), so halte ich es unbedingt 
für geboten, sich nun bei floristischen Publicationen fortan an das Engl er 'sehe 
Pflanzensystem zu halten. Dadurch, dass ich in meiner Excursionsflora^) dieses 
System bereits durchgeführt habe, wird die Benützung desselben bei floristischen 
Arbeiten, die Oesterreich betreflFen, wesentlich erleichtert. Der jüngst erschienene 
Beitrag zur Flora des Lungau von Vierhapper*) ist bereits nach meiner 
„Excursionsflora" geordnet, und ich würde mich freuen, wenn Andere diesem 
Beispiele folgen würden. In dem folgenden Pflanzenverzeichnisse sind sowohl 
die Gattungen, als auch die Arten in derselben Reihenfolge aufgeführt, wie in 
der Excursionsflora. Auch die Nomen clatur ist — von ganz vereinzelten Aus- 
nahmen abgesehen — dieselbe wie dort. 

Polypodimn vulgare L. Auf Felsen des Georgenberges bei Kuchl. 
Scolopendrium vulgare Sm. Am Lambergsteige unterhalb des Nockstein bei . 
Salzburg. 

Äsplenium viride Huds. Auf Felsen des Georgenberges bei Kuchl. — Saute r 
gibt als obere Höhengrenze 1400 m an, was in Bezug auf die Kalkalpen 
ungefähr zutreffen dürfte; im Rosittenthal am Untersberg und bei der 
oberen Schafbergalpe traf ich die Art nur bis 1300 m. Dagegen wächst 
sie auf Felsblöcken oberhalb der Radeckalpe im Anlaufthal bei Gastein- 
noch in 1750 m Seehöhe mit Cryptogramme crispa (L.) R. Br. {Ällosorus 
crispus Beruh.), Lycopodium alpinum L. und Cystopteris fragilis (L.) 
Beruh. 

Phegopteris polypodioides Fee {Polypodium Phegopteris L.). Auch diese Art 
steigt viel höher, als Sauter angibt (1400m). Im Anlaufthale ist sie 
bis gegen 1800 m gemein. — Zu den nicht gerade zahlreichen Standorten 
dieser Art im Flachlande ist der Nordabhang des Irrsberges bei Strass-,? 
walchen beizufügen. ' 

Phegopteris Dryopteris (L.) Fee. Diese Art, welche nach Sauter nur bis 1300 
steigen soll, fand ich im Anlaufthale bis 1650m häufig; im oberen Theil 

1) Vgl. die Vorrede zu meinem ersten Beitrage, in diesen „Verhandlungen", 1888, S. 77. 

2) Sauter, Flora der Gefässpflanzen des Herzogthums Salzburg. 2. Aufl. (Salzburg, 1879.) 
Fritsch, Excursionsflora für Oesterreich. (Wien, 1897.) 

«) Siehe S. 101 des vorliegenden Bandes der „Verhandlungen". 



Beiträge zur Flora von Salzburg. V. 



247 



des Thaies wächst die Art nicht selten auf besonnten Felsen und wird 
dort viel steifer als an ihren normalen, schattigen Standorten. Dieselbe 
Beobachtung machte ich auch bei der Trauneralpe im Fuscherthale, wo 
die Pflanze gleichfalls auf besonnten Felsen in 1550 m Seehöhe wächst; 
die Blattabschnitte dieser der Insolation exponirten Form sind in der 
Regel auffällig zurückgerollt. — Zu den wenigen Standorten im „Flach- 
lande" ist hinzuzufügen : Am Abhänge des Schafberges oberhalb Hüttenstein. 

Fltegopteris Rohertiana (Hoffm.) A. Br. Bei Goldegg im Pongau; im Klammpass 
bei Lend; häufig am Fürstenweg zwischen Bad Fusch und Ferleiten. 

Aspidiiim Braunii Spenn. (Ä. aculeatum ß. Braunii Doli). In der zweiten Auf- 
lage von Sauter's „Flora" ist diese Art scheinbar auf dem Untersberg 
angegeben, indem es dort heisst: „4- aculeatum Doli var. lohatum Sw. 
in Bergwäldern .... gemein, z. B. Fagerklamm, Gaisberg, Untersberg 
(var. Braunii Doli), an feuchten Felsen im Schiefergebiete selten, als am 
Krimmierfalle." Hier liegt aber nur eine falsche Interpunction vor, wie 
uns der Einblick in die erste Auflage^) lehrt; dort heisst es: „J.. aculeatum 
Doli. var. lohatum Sw. in Bergwäldern .... gemein, z. B. Fagerklamm, 
Gaisberg, Untersberg, var. Braunii Doli an feuchten Felsen im Schiefer- 
gebiete selten, als: am Krimmlerfalle." Am Krimmlerfalle kommt Ä. 
Braunii Spenn. thatsächlich vor, wie Luerssen^) bestätigt und ich mich 
selbst überzeugen konnte. Ausserdem fand ich die Art in den Wäldern 
um den Kesselfall im Kaprunerthale und auch tiefer unten am oberen 
Ende der Sigmund Thun-Klamm, überall stets in Gesellschaft von A. 
lohatum (Huds.) Sw. In den Kalkalpen Salzburgs scheint die Art zu fehlen. 

Äspidium Thelypteris (L.) Sw. Am Eande eines kleinen Moorwäldchens zwischen 
Käsern und Lengfelden nächst Salzburg. 

Äspidium rigidum (Hoffm.) Sw. Bei der oberen Schafbergalpe mit Athyrium 
Filix femina (L.) Roth. 

Cystopteris montana (Lam.) Bernh. An nassen Waldstellen nächst dem Kessel- 
fall im Kaprunerthale. 

Onoclea Struthiopteris (L.) Hoffm. {Struthiopteris Germanica Willd.). An der 
Strasse zwischen Schwarzach und Lend; häufig an Strassenzäunen bei 
Bruck und Zell am See; im Kaprunerthal nächst dem Kesselfall. 

Botrychium Lunaria (L.) Sw. Auf dem Schafberg noch in 1700 m Seehöhe. 
Auf Abhängen oberhalb Bad Fusch. 

E(piisetum maximum Lam. {E. Telmateja Ehrh.). In Wäldern in der Nähe des 
Zwieselbades bei Abtenau. 

Equisetum silvaticum L. In Wäldern bei Lamprechtshausen gegen das Bürmoos 
zu; von Vierhapper sen. bereits früher in dem benachbarten Gebiete 
des Ibmermoores nachgewiesen.'') 



Mittheilnngen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, VIII, S. 102. 
2) Farnpflanzen, S. 356. 

^) XIT. Jahresbericht des Vereines für Naturkunde in Linz, S. 8 und 12. 
Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 32 



248 



Carl Pritsch. 



Lycopodium Selago L. Diese Art steigt im Anlaufthale bis 1800 m, während 
Sauter als obere Grenze 1600 m angibt. Der von Toepffer*) angegebene 
Standort am Bockhartsee liegt noch höher (etwa 1850 m). 

Lycopodium annotinum L. In einem kleinen Moorwäldchen bei Käsern nächst 
Salzburg zahlreich. Am Nordabhange des Irrsberges bei Strasswalchen. 

Lycopodium clavatum L. Diese im Flachlande nicht häufige Art'^) wächst in 
den schattigen Wäldern am Nordabhange des Irrsberges mit der vorigen. 
— Nach Sauter steigt diese Art nur bis 1300 m; schon im vierten „Bei- 
trage" konnte ich einen 1550 m hoch gelegenen Standort anführen;^) nun 
fand ich die Pflanze auf Abhängen im Nassfeld bei Gastein in 1650 m 
Seehöhe. 

Selaginella selaginoides (L.) Lk. (S. spinulosa A. Br.). An der Strasse zwischen 
Sulzau und Werfen. 

Selaginella Helvetica (L.) Lk. Auf Strassenmauern zwischen Schwarzach und 
Lend. 

JPinus uliginosa Neum. In dem Moore am Westende des Fuschlsees einen 
kleinen, lockeren Bestand bildend. — Während in den meisten Mooren Salz- 
burgs nur Legföhren wachsen, findet man in dem kleinen Moor am Fuschl- 
see ausschliesslich die geraden Stämme der Moorföhre. Die übrige Vege- 
tation des Moores bietet nichts AuflFälliges, aus^r dem Vorkommen von 
Sioeertia perennis L., die übrigens schon von Sauter dort gefunden 
wurde. Die von Beck*) für die Formation der Moorföhre in Niederöster- 
reich angegebenen Ericaceen finden sich auch hier, mit Ausnahme des 
Ledum palustre L., welches im Lande Salzburg überhaupt nicht vor- 
kommt. Neben der Moorföhre wachsen auch Birken und junge (ange- 
pflanzte?) Rothföhren. Es ist bedauerlich, dass Ascherson in seiner 
„Synopsis der mitteleuropäischen Flora" (I, S. 226) die so charakteristische 
Moorföhre nicht ausführlich behandelt. Die dort benützte Willkomra- 
sche Eintheilung der Pinus montana Mill. in drei Unterarten scheint 
mir aus dem Grunde bedenklich, weil sie nur auf ein einziges Merkmal 
(die Zapfengestalt) begründet ist. Zum mindesten hätte die Verbreitung 
der bäum förmigen Moorföhre, welche keineswegs „in sämmtlichen Zügen 
der Alpen" vorkommt, mehr Beachtung verdient. — Das Vorkommen der 
Pinus uliginosa Neum.^) im Lande Salzburg wurde von mir gemeinsam 
mit Herrn Dr. C. Eechinger auf einer Excursion im Sommer 1897 con- 
statirt. 



1) Deutsche botan. Monatssclirift, 1885, S. 40. 

2) Vgl. diese „Verhandlungen", 1889, S. 577. 
=') Vgl. diese „Verhandlungen", 1894, S. 53. 

") Annalen des k. k. naturhist. Hofmuseums, III, S. 74 — 76 (1888); Nadelhölzer Niederöster- 
reichs, S. 13 (1890). 

*) Ich schliesse mich in der Benennung dieser Föhre Beck an; die von Ascherson voran- 
gestellten Namen uncinata, rotundata^ humilis and ohliqua beziehen sich theils sicher nicht, theils 
nur zweifelhaft auf unsere baumartige Moorföhre. 



Beiträge zur Flora von Salzburg. V. 



249 



Ahies alba Mill. In den Wäldern des Birnberges bei Leogang nicht selten. 

Juniperus natm Willd. Da Saut er den Zwergwachholder nur in den Kalkalpen 
angibt, scheint es nicht unnöthig, die von mir beobachteten Standorte im 
Bereiche der Centralalpen anzugeben: Nassfeld (1650m) und Radeckalpe 
im Anlaufthale (1750 m) bei Gastein; sehr häufig am Radstädter Tauern. ^) 

fTunipettis intermedia Schur. — Zwischenformen zwischen J. commimis L. 
und J. nana Willd. scheinen namentlich im Lungau nicht selten zu sein. 
Typische J. intermedia Schur, d. h. eine in ihren Merkmalen zwischen den 
beiden Arten genau die Mitte haltende Form, fand ich z. B. am Fusse 
des Moserkopfes bei Mauterndorf (1150 m). Dieselbe stimmt mit der in 
der Flora exsiccata Austro-Hungarica unter Nr. 1839 ausgegebenen Pflanze 
aus Centraitirol vollkommen überein. Die Verhältnisse des Vorkommens 
sprechen übrigens nicht für die Bastardnatur dieser Form.''') Ich möchte 
annehmen, dass J. nana Willd. sich seinerzeit durch den Einfluss des 
alpinen Standortes aus dem gemeinen Wachholder herausgebildet hat, ohne 
sich bis jetzt von jenem vollständig zu isoliren. Das Vorkommen von 
Mittelformen ist dann phylogenetisch leicht verständlich. Dass solche 
habituell und morphologisch die Mitte zwischen den beiden Hauptformen 
haltende Pflanzen auch im anatomischen Bau ihrer Blätter eine ent- 
sprechende Mittelstellung aufweisen, wie dies Wettstein^) fand, ist auch 
bei dieser Deutung begreiflich.*) 

Juniperus communis L. In der Umgebung von Grossgmain (nächst der Ruine 
Piain, sowie auch gegen Hallthurm) nicht selten. Im Pongau zwischen 
Goldegg und Lend, sowie bei Mayrhofen im Gasteiner Thale. Im Pinzgau 
an felsigen Stellen beim Bahnhof Leogang und bei Weyerhof nächst Neu- 
kirchen. 

Taxus haccata L. Auf dem Georgenberg bei Kuchl nicht selten. In den Salzach- 
öfen bei GoUing. 

Sparganium simplex L. In Sümpfen unterhalb Mittersill am Wege zum Schloss 
Lambach. 

Potamogeton alpinus Balb. (P. rufescens Schrad.). In Gräben bei Söllheim; 
ferner zwischen Engendorf und Neuhofen. 

Triglochin palustre L. Diese Art scheint zwar im ganzen Lande verbreitet zu 
sein, ist aber doch nicht so häufig, dass die Anführung einzelner Stand- 
orte überflüssig erschiene. Ich fand die Pflanze im Flachlande in Wasser- 
gräben bei Radeck und Söllheim, auf der „Egg" zwischen Thalgau und 
Hof, sowie bei GoUing (am Feldweg zum Wasserfall); im Pongau bei 



•) Vgl. auch diese „Verhandlungen", 1889, S. 580. 

^) Vgl. auch Vierhapper jun. in diesen .Verhandlungen", 1898, S. 103. 

Wettstein, Ueber die Verwerthung anatomischer Merkmale zur Erkennung hybrider 
Pflanzen. Sitzungsber. der kais. Akad. der "Wissensch, in Wien, XCVI, S. 312 (1887). 

«) Vgl. hierüber J. Erb, Ueber den Werth der Blattanatomie zur Charakterisirung von Juni- 
ptrut communia L., t7. 'na?io Willd. und J. intermedia Schur. Berichte der Schweizerischen botan. 
Gesellsch., VII, S. 83—95 (1897). Ferner auch Ascherson und Gräbncr, Synopsis, I, S. 247. 



250 



Carl Fritsch. 



Goldegg, Radstadt und Untertauern (1025 m); im Lungau an der Mur bei 
St. Michael; im Unterpinzgau zwischen Landsteg und Embach. 
Setaria viridis (L.) Beauv. An [der Salzachbrücke bei der Station Schwarzach- 
St. Veit im Pongau. 

Leersia oryzoides (L.) Sw. Bei Thalgau an der nach Hof führenden Strasse 
zwischen Schilf ziemlich zahlreich. Im Jahre 1895 traf ich die Art da- 
selbst Ende August chasmogam blühend, während 1897 zu derselben Zeit 
alle Rispen in den Blattscheiden verborgen waren. 

Milium effusum L. Im Walde am Abhänge des Ridl nächst der Glashütte bei 
Hallein. 

Älopecurus fulvus Sm, {A. geniculatus var. caesius Neilr.). Um Salzburg nicht 
selten, so hinter der Eisenbahnbrücke nächst der Schiessstätte, sowie in 
Gräben zwischen Loig und Marienbad, 

Äpera Spica venti (L.) Beauv. (Agrostis Spica venti L.). Auf Schutt nächst dem 
Bahnhof Saalfelden, wohl zufällig eingeschleppt. Neu für Pinzgau. — 
Am Fusse des Gaisberges bei den Apothekerhöfen, gleichfalls nur zufällig 
(von Dr. Ginzberger gefunden). 

Avena orientalis Sehreb. Diese Art wird in neuerer Zeit um Salzburg, Hallein 
u. s. w. (auch im Pinzgau bei Aufhausen) häufig cultivirt; nächst der Glas- 
hütte bei Hallein fand ich sie auch schon verwildert. 

Sieglingia decumhens (L.) Bernh. {Triodia decwmhens Beauv., Danthonia de- 
cumbens DC). Am Fusse des Untersberges bei Grödig und St. Leonhard; 
auf dem Georgenberg bei Kuchl ; in einem Holzschlag am Fusse des Schaf- 
berges oberhalb Hüttenstein; am Abhänge des Birnberges bei Leogang; 
im unteren Theile des Anlaufthaies bei Gastein. 

Eragrostis minor Host. Dieses noch vor einem Decennium im Lande Salzburg 
nicht beobachtete Gras wurde zuerst im Jahre 1890 von Fugger und 
Kastner im Bereiche des Salzburger Bahnhofes beobachtet.^) Im Jahre 
1895 fand ich es zwischen den Eisenbahnschienen in der Haltestelle Barsch 
der Giselabahn. 

Poa alpina L. Am Salzachufer in der Brodhäuslau bei Salzburg (430 m); offen- 
bar aus den Alpen herabgeschwemmt. 

Bromus sterilis L. Im Jahre 1897 fand ich einige Exemplare dieser Art am 
Südabhange des Festungsberges bei Salzburg. 

Lolium Italicum A. Br, {L. multiflorum aut., an Lam.?). Bei Lend an der nach 
Schwarzach führenden Strasse. Am Bahnhof Saalfelden (1897). Neu für 
Pinzgau. 

Lolium temulentum L. Neben der Strasse zwischen Fuschl und St. Gilgen. 
Agropyrum caninum (L.) Beauv. An schattigen Felsen beim Wasserfall nächst 
Bischofshofen. 

TricJiophorum caespitosum (L.) Hiir im. {Scirpus eaespitosus L.). Auf Felsen (!) 
am alten Wege zur Schönangeralpe bei Krimml. 

') MittheiluBgen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, XXXI, S. 305 (1891). 



Beiträge zur Flora von. Salzburg. V. 



251 



Heleocharis pauciflorn (Lightf.) Lk. (Scirpus pauciflorus Lightf.). An nassen 
Stellen beim Bad Fusch. 

Carex pulicaris L. In dem Moore am Westende des Fuschlsees. 

Carex curvula All. Im Anlaufthal bei Gastein oberhalb der Radeckalpe (1800 m). 

Carex leporina L. Im Flachlande ist diese Art verhältnissmässig selten; ich 
fand sie ausser den bereits von Saute r angegebenen Standorten im Bür- 
moos gegen Lamprechtshausen zu, am Fusse des Irrsberges bei Strass- 
walchen und in einem Holzschlag zwischen Söllheim und Käsern. In den 
Gebirgsgauen ist die Pflanze viel häufiger, namentlich auf Schiefer. Im 
Pongau fand ich sie bei Werfenweng, Bischofshofen, Böckstein (auch im 
Nassfeld und Anlaufthal bis 1700 w); im Pinzgau bei Taxenbach, im 
Fuscherthal (Bad Fusch, Ferleiten, Trauneralpe häufig), auf dem Birn- 
berg bei Leogang und bei Neukirchen. 

Carex mucronata All. Auf Felsblöcken unterhalb des Bahnhofes Leogang in 
zahlreichen Rasen (800 m). 

Juncus diffusus Hoppe (effususX glaucus). Im Bürmoos gegen Lamprechts- 
hausen zu, zwischen den dort sehr häufigen Stammeltern. 

Juncus triglumis L. An nassen Stellen auf der Höhe des Radstädter Tauern 
zahlreich. 

Anthericum ramosum L. Diese in den Kalkalpen häufige Pflanze fand ich im 
Bereiche der Centraialpen bisher nur an zwei von einander sehr weit ent- 
fernten Standorten, nämlich auf Abhängen am Ausgange des Klammpasses 
im Gasteinerthal und auf KalkgeröUe bei Krimml an der Strasse nach Wald. 

Allium carinatum L. Auf dem Ridl bei Hallein. 

TAlium bulbiferum L. An buschigen Stellen in der Nähe des Bahnhofes Leogang. 

— Neu für Pinzgau. 
Folygonatum verticillatum (L.) All. {Convallaria verticillata L.). Am Fusse 

des Schafberges oberhalb Hüttenstein. Am Fusse des Birnberges bei 

Leogang. 

Folygonatum officinale All. {Convallaria Folygonatum L.). Auf dem Georgen- 
berg bei Kuchl. 
Convallaria majalis L. Auf dem Georgenberg bei Kuchl. 
Cypripedilum Calceolus L. Im Blüntauthal nächst den Wasserfällen. 
Orchis globosa L. Auf dem Gipfel des Schafberges. 

Herminium Monorchis (L.) R. Br. Bei Bad Fusch am Wege nach Ferleiten. 

Epipaetis palustris (L.) Cr. Auf feuchten Wiesen und in Auen des Flachlandes 
verbreitet: so bei Neuhofen an der Ischlerbahn, häufig am Wallersee, bei 
Hallwang, Maria Piain, St. Leonhardt (sehr zahlreich in den Auen an der 
Alm), am Fusse des Irrsberges bei Strasswalchen. — Im Oberpinzgau bei 
Mittersill an der Strasse gegen Hollersbach zu. 

Epipaetis latifolia (L.) All. Im Walde am Fusse des Ridl bei Hallein. Auf 
dem Georgenberg bei Kuchl (mit schön hellvioletten Blüthen). Auf dem 
Schlossberg bei Werfen. 

Listera cordata (L.) R. Br. Am Alpen Vereins wege neben den Krimmierfällen. 



252 



Carl Fritsch. 



Juglans regia L. Ein stattlicher Baum an der Werfener Strasse bei Golling in 
nächster Nähe der Salzachöfen, mitten unter Fichten und anderen Wald- 
bäumen, keinesfalls dort gepflanzt, sondern zufällig vor vielen Jahren aus 
Samen entstanden. 

Salix glahra Scop. Im Blüntauthal nächst dem Höllbachfall, 

Salix grandifolia Ser, Diese von den Floristen nur für die Kalkalpen ange- 
gebene Weide kommt auch im Gebiete der Tauern vor, allerdings nicht 
so häufig wie dort. Ich fand die Art sowohl an der Radstädter Tauern- 
strasse (1050 m), als auch im Gasteinerthal (am Wege zum Nassfeld, 
1400 m) und in der Umgebung von Bad Fusch. Bezüglich der verticalen 
Verbreitung dieser Art in den Kalkalpen ist die Angabe Sauter's: „1300 
bis 1900 m" dahin zu verbessern, dass dieselbe ganz allgemein bis in die 
Thäier (500 m und noch tiefer) hinabsteigt. Um Salzburg ist sie am 
Mönchs- und Capuzinerberg, sowie am Fusse des Untersberges sehr häufig, 
wächst auch auf dem Georgenberg bei Kuchl, auf dem Schlossberg bei 
Werfen u. s. w., lauter Standorte, welche tief unter 1000 m liegen. 

Salix Seringeana Gaud. fCapreaXincana). Ein grosser weiblicher Strauch 
dieses Bastardes steht an der Glan bei Fürstenbrunn. Derselbe wurde von 
Herrn Hofrath J. Kerner entdeckt, der auch von demselben 100 Herbar- 
exemplare für die Flora exsiccata Austro-Hungarica sammelte. Frl. M. 
Eysn legte von demselben Strauch fürBaenitz' „Herbarium europaeum" 
ein, wo die Pflanze bereits ausgegeben wurde. 

Älnus viridis (Vill.) DC. In der Weichselbachschlucht beim Bad Fusch. 

Quercus Rohur L. {Qu. pedunciilata Ehrh.). Am Wege von Schwarzach nach 
Goldegg. Auf dem Birnberg bei Leogang. 

Ulmus montana With. Im Walde am Fusse des Ridl bei Hallein. Auf dem 
Schlossberg bei Werfen. Sehr häufig zwischen Schwarzach und Goldegg. 

Humulus Lupulus L. Auch im Oberpinzgau nicht selten, so bei Mühlbach und 
Bramberg. — Jedenfalls im ganzen Lande verbreitet. 

Cannahis sativa L. Verwilderte Exemplare bei Oberndorf, am Eingange der 
Hühnerau bei Hallein, bei Schwarzach und Saalfelden. 

Urtica urens L. An Häusern in Seekirchen, Strasswalchen, Vigaun, Kuchl, 
Goldegg, Mairhofen im Gasteinerthale. Sehr häufig in den meisten Ort- 
schaften Pinzgaus, wo sie nach Sauter^) selten sein soll; so in Leogang, 
Piesendorf, Steindorf, Uttendorf, Hollersbach und Bramberg. 

Urtica dioica L. Der höchst gelegene mir bekannte Standort dieser Art ist die 
obere Radeckalpe im Anlaufthal bei Gastein (1750 m).^) 

Viscum alhum L. In der Heilbrunner Au auf Salix alba L. — Bei GoUing an 
der Werfener Strasse auf gepflanzten Apfelbäumen. 

Muniex Silvester Wallr. Der um Salzburg auf Wiesen so ausserordentlich 
gemeine Ampfer, welcher bisher schlechtweg als R. obtusifoUus L. be- 



') Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, III, S. 68 (1863). 

*) Andere hoch gelegene Standorte theilte ich mit in diesen „Verhandlungen", 1889, S. 580. 



Beiträge zur Flora ron Salzburg. V. 



253 



zeichnet wurde, ist nach den Beobachtungen Dr. Rechiugers, der im 
Sommer 1897 mit mir mehrere Excursionen in diesem Gebiete unternahm, 
durchwegs B. Silvester WaUr. ^) 
Hamex ScUishurgetisis Fritsch et Recliiiiger nov. hybr. (conglome- 
ratus X Silvester). 

Habitus der Pflanze zwischen dem der Stammeltern intermediär. 
Grundblätter lang (1 dm) gestielt, länglich-elliptisch, am Grunde rasch 
zusammengezogen, bei V^jidm Länge etwas über ^j^dm breit. Stengel- 
blätter viel kleiner, alle gestielt, die unteren breiter und mehr elliptisch, 
die oberen viel schmäler, lanzettlich, alle am Rande mehr oder weniger 
Avellig gekerbt. Blüthenstand sehr ästig und reichblüthig, mit verlängerten 
ruthenförmigen Aesten. Blüthenquirle bald sehr entfernt, bald mehr ge- 
nähert (V2 — 2 cm), die unteren zum Theile von Blättern gestützt, die über- 
wiegende Mehrzahl aber nackt. Blüthen zum Theile unfruchtbar, zum 
Theile gut entwickelte, aber kleine Früchte hervorbringend. Die drei inneren 
Zipfel der Fruchthülle (des Fruchtperigons) schmal dreieckig-länglich, netz- 
aderig, ganzrandig oder undeutlich gezähnelt, alle Schwielentragend. 

In einem Wiesengraben bei Grödig von Dr. Rechinger in mehreren 
Exemplaren zwischen beiden Starameltern entdeckt. 

Von Rumex Silvester Wallr. durch die kleineren, schmäleren Grund- 
blätter, die am Grunde beblätterten Blüthenstände mit mehr entfernten 
Wirtein, kleinere Blüthen und Früchte, sowie durch die schmalen, mehr 
länglich gestalteten inneren Fruchthüllblätter leicht zu unterscheiden ; von 
B. conglomeratus Murr, dagegen durch grössere, breitere Grundblätter, 
nur am Grunde beblätterte Blüthenstände und die manchmal am Rande 
etwas gezähnelten inneren Fruchthüllblätter verschieden; unter beiden auch 
durch die theilweise Unfruchtbarkeit — wie die meisten Bumex-Ba.sta,rde 
— auffällig. 

Dem Bumex afeoriiws Ruhmer ^) (conglomeratus X obtusifoUus) ist 
B. Salishurgensis begreiflicher Weise höchst ähnlich und im Herbar wohl 
überhaupt nicht sicher von demselben zu unterscheiden. Das beste Unter- 
scheidungsmerkmal bieten wohl die inneren Fruchthüllblätter, welche bei 
dem echten B. abortivus Ruhmer deutlich gezähnelt und auch grösser und 
breiter sind, entsprechend den analogen Merkmalen des typischen R. ob- 
tusifoUus L.^) Die hier beschriebene salzburgische Pflanze ist in Bezug 
auf ihre genetische Deutung schon aus dem Grunde nicht zweifelhaft, weil 
in der Nähe ihres Standortes aus dem Formenkreise des B. obtusifoUus 
L. (im weiteren Sinne) nur B. Silvester Wallr. vorkommt. 
Rutiiex Bihariensis Simoiikai (crispus X Silvester).'^) Am Rande eines 
Ackers bei Thalgau fand Dr. Rechinger ein einzelnes Exemplar. Auch 

•) Vgl. Rechinger in Oesterr. 'botan. Zeitscbr., 1892, S. 50—52. 
-) Ruhm er in Jahrb. des botan. Gart. u. Mus. zu Berlin, I, S. 253 (1881). 
^) Vgl. Haussknecht in Mitth. der geogr. Gesellsch. für Thüringen, III, S. 72—73 (1885). 
Vgl. über diese Pflanze Rechinger in Oestwr. botan. Zeitschr., XLII, S. 19 (1892). 



I 



254 



Carl Fiitsch. 



hier war für die Deutung des Bastardes in erster Linie der Umstand 
massgebend, dass in dieser Gegend ausser JR. crispus L. nur B. Silvester 
Wallr., nicht aber typischer R. obtusifoUus L. zu finden war. Ob der von 
Saut er bei Zell am See angegebene B. pratensis M.K. auch zu B. Bi" 
hariensis Simk. zu ziehen ist oder nicht, muss ich vorläufig unentschieden 
lassen. 

Bumex alpinus L. Der höchste Standort, den ich beobachtete, ist bei der oberen 
Eadeckalpe im Anlaufthal (1730 w); ich vermuthe aber, dass die Art an 
ihr zusagenden Standorten (um Sennhütten) auch noch höher steigt, 

Bumex scutatus L. Sehr häufig um Böckstein, sowohl gegen Bad Gastein, als 
gegen das Nassfeld zu, besonders aber im unteren Theile des Anlaufthaies. 
Hier wachsen die grüne und die blaubereifte Form durcheinander. 

Bumex Äcetosella L. In einem Haferfeld nächst der Haltestelle Wallersee. Auf 
den Glanwiesen bei Salzburg. Im Pinzgau verbreitet und stellenweise sehr 
häufig; von mir beobachtet bei Leogang, Saalfelden, Hofham, Bramberg und 
Neukirchen. Häufig im Anlaufthal am Wege von Böckstein ins Nassfeld. 

Polygonum viviparum L. Auf dem Gipfel des Schafberges (1780 m). 

Bdlygonum amphibium L. Die Landform in Menge in Kornfeldern (!) nächst 
' der Haltestelle Wallersee; ebenso in einem Weizenfeld bei Steindorf im 
Flachlande. — In der Eegel ist die Landform steril; blühend beobachtete 
ich sie bei Steindorf im Pinzgau an der Strasse. — In der Nähe des 
Goldeggersees wächst die Landform sehr häufig an dem nach Schwarzach 
führenden Fahrweg. Für Pongau ist die Art neu; sie ist somit jetzt 
in allen vier Gauen nachgewiesen. Die Landform ist viel häufiger als die 
Wasserform, da sie aber meist steril bleibt und anderen PoZt/^ronwm -Arten 
sehr ähnlich ist, wird sie leicht übersehen. 

Polygonum mite Schrk. Häufig bei Hallein und Kuchl. Zwischen Scb warzach 
und Goldegg im Pongau. 

Fagopyrum sagittatum Gilib. {Polygonum Fagopyrum L.). Verwildert in einigen 
Exemplaren bei Kuchl. 

Chenopodium glaucum L. Diese Art wurde für das Flachland zuerst von Fugger 
und Kastner nachgewiesen, und zwar im Bereiche des Salzburger Bahn- 
hofes.^) Ich fand sie nun auch in der Haltestelle Barsch zwischen den 
Schienen der Giselabahn in zahlreichen, sehr kleinen Exemplaren. An 
beiden Orten tauchte sie gleichzeitig mit Eragrostis minor Host auf. 

Atriplex patulum L. Auf dem Georgenberg bei Kuchl an Felsen! Sonst noch 
bei Hallein, Sulzau und Bischofshofen beobachtet. 

Melandryum rubrum (Wgl.) Garcke {M. silvestre Röhl.). Mit weissen Blüthen 
bei Golling (hier auch blassrosa), dann im Pinzgau bei Tobersbach und 
Hollersbach. 

Vaccaria parviflora Mnch. (Saponaria Vaccaria L.). An Häusern in Hallein zu- 
fällig und vereinzelt. 

») Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, XXXI, S. 295 (1891). 



Beiträge zur Flora vou Salzburg. V. 



255 



Stellaria nemorum L. Bei Taxeiibach nicht selten. 

Stellaria uliginosa Murr. In einem Mooigraben bei öeekirchen nächst dem 
Wallersee. 

Sagina Linnaei Presl. (S. saxatilis Wimm.). Bei der Schafbergalpe (1350 m). 

— Im Pongau bei Bischofshofen in der Nähe des Wasserfalles (600 m). 

— Sehr häufig in der Umgebung von Bad Fusch; auch noch bei der 
Trauneralpe (1550 m) häufig. 

Uerniaria glahra L. In der Stadt Salzburg auf Bauplätzen nächst der Auersperg- 
strasse. Im Pinzgau bei Saalfelden und Leogang nicht selten; auch bei 
Dorf Fusch an der Strasse. 

Actaea nigra (L.) {A. spicata L. z. Th.). Auf dem Georgenberg bei Kuchl. 

Aquilegia atroviolacea (Ave-Lall.) (A. atrata Koch). Im Pass Lueg und bei 
Werfen, 

Aconitum Vulparia Rchb. Der im Lande Salzburg, namentlich in den Vor- 
alpen sehr verbreitete gelbblühende Eisenhut wird von den älteren Autoren 
durchwegs als A. Lycoctonum L. bezeichnet. Der letztere Name, welcher 
auch von Koch und Neilreich in diesem Sinne gebraucht wurde, ist 
aber unzulässig. Linne verstand unter seinem A. Lycoctonum in erster 
Linie einen blaublühenden, in Scandinavien heimischen Eisenhut (A. septen- 
trionale Koelle), von dem er allerdings unsere mitteleuropäische gelb- 
blühende Pflanze nicht unterschied. Ueber den Namen A. Vulparia ver- 
gleiche man meine Ausführungen in den Verhandl. der zool.-bot. Gesellsch., 
1894, S. 133. 

Aconitum rostratum Beruh. {A. variegatum aut. mult., non L.). Was Linne 
unter seinem A. variegatum eigentlich verstand, ist nicht genügend klar 

— vielleicht den geschecktblühenden Eisenhut der Gärten, vielleicht gar 
das A. paniculatum Lam., jedenfalls aber nicht jene Art, welche Koch 
und Neil reich und mit ihnen die meisten Floristen so bezeichneten. 
Der älteste zweifellose Name für das A. variegatum Koch 's wäre A. Cam- 
marum Jacq. ;^) dieser Name kann aber deshalb nicht gebraucht werden, 
weil Linne unter A. Cammarum das A. Tauricum Wulf, mit A. rostratum 
Bernh. confundirte. A. rostratum. Beruh, begreift eigentlich nur eine be- 
stimmte Form des ganzen Formenkreises; gleichwohl folge ich in der An- 
wendung dieses Namens Beck,^) da mir dieser Ausweg der beste zu sein 
scheint. 

Clematis alpina (L.) Mill. {Atragene alpina L.). Im Weichselbachthal oberhalb 
Bad Fusch. 

Eanunculus aconitifolius L. Bis in die neueste Zeit werden R. aconitifolius L, 
und R. platanifolius L. fortwährend verwechselt, obwohl die beiden Arten 
bei einiger Aufmerksamkeit leicht und sicher zu unterscheiden sind.^) 



') Jacquin, Flora Austriaca, V, Tab. 424. 
^) Beck, Flora von Niederösterreich, S. 403. 

Vgl. darüber meine ausfülirliclie Besprechung in diesen „Verhandlungen", 1894, S. 121—129. 
Z. B. Ges. Bd. XLYIII. 33 



256 



Carl FritscL. 



Im Lande Salzburg ist U. aconitifolius L. entschieden häutiger und ver- 
breiteter; er wächst sowohl in Auen und an feuchten Waldstellen des 
Flachlandes, als auch an Bächen, Quellen und auf sumpfigen Wiesen der 
Kalk- und besonders der Centralalpen. ^) Er steigt in den Alpen höher 
als B. platanifoUus L., geht aber auch in die Ebene herab, was ich bei 
B. platanifoUus L. niemals beobachtet habe. Die von S auter für „die 
grössere Form platanifoUus L." angegebenen Standorte gehören durch- 
wegs zu B. aconitifolius L. Der höchst gelegene Standort, den ich be- 
obachtete, ist der Moserboden des Kaprunerthals (1970 m). 

Banunculus platanifoUus L. Schrank, der erste Verfasser einer salzburgischen 
Flora, hat diese Art offenbar ganz richtig von der vorigen unterschieden, 
wie man schon aus seiner „Baierischen Flora" ^) entnehmen kann. Im 
Lande Salzburg war ihm aber kein Standort bekannt, da er nur den 
Zemmgrund im benachbarten Tirol anführt.^) Braune^) fügt dazu das 
Weisseck im Lungau, wo die Art wohl wirklich vorkommen dürfte, obschon 
ich die Art aus dem Lungau bisher nicht gesehen habe. Im Jahre 1801 
gibt Michl B. platanifoUus L. bei Zell am See an.^) Alle späteren salz- 
burgischen Floristen haben aber die Art verkannt. Hinterhuber glaubte, 
dass B. aconitifolius L., wenn er in die Ebene herabsteigt, zum B. platani- 
foUus L. wird, weshalb dieser letztere nur als Varietät des erste ren auf- 
zufassen sei.^) Dieser Irrthum ist darauf zurückzuführen, dass Hinter- 
huber die üppigen Thalformen des echten B. aconitifolius L. für jB. 
platanifoUus L. hielt. Denselben Irrthum begingen später Zwanziger') 
und Sauter.*) — Der echte B. platanifoUus L. wächst in den Voralpen 
der Kalk- und Urgebirge, aber niemals mit jB. aconitifolius L. zusammen, 
da er andere Standorte bewohnt.®) Die von mir theils durch eigene 
Beobachtungen, theils durch Einsicht von Herbar-Exemplaren festgestellten- 
Standorte habe ich in der Oesterr. botan. Zeitschr., 1895, S. 481 mitgetheilt. 

Banunculus Lingua L. In Sümpfen bei Saalfelden gegen Maishofen zu sehr 
zahlreich. 

Banunculus sceleratus L. Die von S auter angegebenen Standorte „vor dem 
Ledererthore" und „im Stadtgraben vor dem Linzerthore" existiren in 
Folge Verbauung der betreffenden Localitäten längst nicht mehr. Dagegen 
fand ich die Art vor einigen Jahren in einer frisch ausgehobenen, feuchten 
Erdgrube bei Gnigl nächst Schloss Neuhaus. 



^) Vgl. die Standortsangaben in Oesterr. botan. Zeitschr., 1895, S. 481. 
2) Schrank, Baierische Flora, II, S. 97 (1789). 

Schrank, Primitiae Fiorae Salisburgensis, p. 143 (1792). 
«) Braune, Salzburgische Flora, II, S. 149 (1797). 
5) Michl in Hoppe 's Botan. Taschenb., 1801, S. 10. 
«) Hinterhuber, Prodromus (1. Aufl.), S. 4 (1851). 
') Zwanziger in diesen , Verhandlungen", 1862, Abhandl., S. 219. 

8) Saut er in Mittheil, der Gesellsch. für Salzburger Landeskunde, VIII, S. 215 (1868). 

9) Vgl. meine Angaben in Drude, Deutschlands Pflanzengeographie, I, S. 225. 



Beiträge zur Flora von Salzburg. V. 



257 



Hanunculus Sardous Cr. {R. Philonotis Ehrh.). Diese Art fehlt in den näheren 
Umgebungen der Stadt Salzburg, sowie in dem an Oberösterreich und 
Baiern grenzenden Hügellande, wie es scheint, vollständig. Hingegen ist 
sie in den Hauptthälern der drei Gebirgsgaue sehr verbreitet. Im Flach- 
lande fand ich sie zahlreich an feuchten Stellen bei Kuchl und Golling, 
im Pongau bei Werfen, im Lungau bei Mauterndorf und besonders häufig 
bei Tamsweg. Im Pinzgau ist die Pflanze an Strassen und sumpfigen 
Stellen gemein; so bei Unken, Lofer, Saalfelden, Leogang, Bruck, Fürth, 
Steindorf, Uttendorf, Mittersill u. a. 0. 

Thalictrum aquilegifolium L. Auf Moorgründen nächst der Haltestelle Wallersee. 

Papaver somniferum L. Verwildert in einzelnen Exemplaren bei Blomberg an 
der Ischlerbahn, Bergheim, Gnigl, Eisbethen, Werfen, Bischofshofen, 
Schwarzach und Dorf Gastein (an letzterem Orte mit gefüllten Blüthen). 

Papaver Bhoeas L. In Getreidefeldern des Flachlandes häufig und zahlreich, 
so bei Steindorf, Eugendorf, Bergheim, Grossgmain, Aigen, Oberalm, Kuchl. 
Im Pongau an dem von Goldegg nach Lend führenden Fahrwege. 

Lepidium Virginiciim L. Diese Art wurde im Jahre 1887 gleichzeitig von 
Dr. Stohl bei Aigen ^) und von mir am Damme der Gaisbergbahn bei 
Parsch eingeschleppt gefunden.^) Im Jahre 1888 fand ich die Art an 
letzterem Standorte^) nicht mehr;*) jedoch beobachtete ich sie später 
wieder dort und auch noch im Sommer 1897, allerdings nur in wenigen 
Exemplaren. Die Pflanze hat sich also schon durch 10 Jahre erhalten. 

Lepidium apetalum Willd. (L. micranthum Ledeb.).^) Im Sommer 1897 
fand ich ein Exemplar als Unkraut im botanischen Garten zu Salzburg. 

Diplotaxis muralis (L). DC, Im Jahre 1894 fand ich diese Art sowohl in den 
Anlagen vor dem Salzburger Bahnhofe, als auch an der Gaisbergstrasse 
nächst der Haltestelle Parsch; an letzterem Orte wächst sie jetzt nicht mehr. 

Rapistrum perenne (L.) All. Diese Pflanze ist von ihrem einzigen Standorte 
(bei Grödig)") wieder verschwunden. 

Poripa silvestris (L.) Bess. In der Station Grödig der Localbahn. In der 
Station Sulzau der Giselabahn. 

Cardamine trifolia L. Im Walde am nördlichen Abhänge des Irrsberges bei 
Strasswalchen mit Soldanella montana Willd. Häufig oberhalb Hütten- 
stein am Wege zur Schafbergalpe. 

Cardamine impatiens L. Am Fusse des Schafberges bei Hüttenstein. Auf dem 
Georgenberg bei Kuchl. Im Pinzgau bei Leogang und Taxenbach, 



') Vgl. diese „Verhandlungen", 1887, Sitzungsber., S. 74. 
*) Vgl, diese „Verhandlungen", 1888, Abhandl., S. 87. 

^) Den Standort bei Aigen kenne ich nicht; Exemplare dorther (leg. Stohl, 1887) habe ich 
jedoch gesehen. 

") Vgl. diese „Verhandlungen", 1889, Abhandl,, S. 588, 

*) Vgl. über diese Pflanze Ascherson in Abhandl. des Botan. Ver. der Prov. Brandenburg, 
XXXIII, S. 108 ff. 

Vgl. diese „Verhandlungen", 1889, Abhandl., S. 588. 

33* 



258 



Carl Fritscli. 



Cardamine süvatica Lk. Im Walde zwischen der unteren und oberen Schafberg- 
alpe. Auf dem Irrsberg bei Strasswalchen. Vereinzelt beim Bad Fusch. 

Cardamine Nasturtium (L.) Ktze.^) {Nasturtium officinale E, Br.). In Wiesen- 
gräben bei Mattsee. 

T)entaria enneaphylla L. In Wäldern beim Bad Fusch. In Sauter's „Vege- 
tationsverhältnissen des Pinzgaues" wird diese Art nur für die Kalkalpen- 
kette angegeben. 

Lunaria rediviva X. Zahlreich an der Strasse Scharfling— St. Gilgen unterhalb 
des Passes Hüttenstein (von A. Mayer, Frl. Eysn und auch von mir dort 
beobachtet). 

Ärahis glahra (L.) Weinm.^) (Turritis glabra L.). Am Fusse des Ridl bei Hallein. 

Arabis alpina L. In der Ruine Piain bei Grossgmain. In der Salzachau bei 
Kuchl. Im Schlosse Werfen. Beim Wasserfall nächst Bischofshofen. Im 
Klammpass bei Lend. 

Hesperts matronalis L. Vereinzelte verwilderte Exemplare im Parke von Golling. 

Sedmn maximum (I/.) {S. Telephium var. ochroleucum Neilr.). Auf den Hügeln 
um Salzburg (Mönchsberg, Nonnberg, Kuhberg) nicht selten, überall regel- 
mässig blühend; ebenso auf dem Schlossberg bei Mattsee. Die Angabe 
Sauter's, dass die Pflanze „sehr selten" blüht, kann ich nicht bestätigen. 
An sonnigen Südlehnen kommt sie in jedem Jahre, wenn auch erst gegen 
den Herbst zu, zur Blüthe. 

Sedum purpureum (L.) (S. Telephium var. purpurascens Tausch). Bei Maria Piain 
am Abhänge gegen Bergheim zu. Am Eisenbahndamm bei Strasswalchen. 

Sedum annuum L. Bei Böckstein an zwei Stellen (am Wege zur „Ankogl- Aus- 
sicht" und am Wege zum Nassfeld) gesellig. 

Sedum dasyphyllum L. Eine Thalpflanze, welche nicht über die Voralpenregion 
hinaus ansteigt. Der höchst gelegene Standort, welchen ich beobachtete, 
sind Felsblöcke an der Tauernstrasse oberhalb Tweng im Lungau (1300 m). 

Sedum album L. Auf dem Schafberg noch in 1600 m Seehöhe. Von Sauter 
nur für die „Felsen, Mauern und Dächer der Thäler" angegeben. 

Sedum alpestre Vill. (S. repens Schi.). Im Anlaufthal unterhalb der Radeckalpe 
(1650 w). Auf Mauern hinter dem Bad Fusch schon in 1300 m Seehöhe 
(hier im Juni blühend). Nach Sauter erst von 1900m aufwärts! 

Philadelphus coronarius L, Im Gollinger Park halb verwildert. 

Aruncus Silvester Kostel. (Spiraea Aruncus L.). Häufig längs der Bahnstrecke 
Salzburg— Seekirchen. Im Tauglwald und in den Salzachauen bei Kuchl. 
An einem Zaun neben der Strasse von Saalfelden nach Leogang. 

Btibus plicatus Wh. et N. Im Pinzgau verbreitet; von mir bei Leogang, Hofham, 
Mühlbach, Weyerhof, Neukirchen und Krimml beobachtet. (Vergl. unter 
dem Folgenden.) 

') üeber die Zugehörigkeit der Brunnenkresse zur Gattung Cardamine vergl, raeine Aus- 
führungen in diesen „Verhandlungen", 1894, Ahhandl., S. 318—321. 

^) Ueber die Unhaltbarkeit der Gattung Turritis vergl. meine Ausführungen in diesen „Ver^ 
handlungen", 1894, Abhandl., S. 309. 



Beiträge zur Flora von Salzburg. V. 



259 



Ruhus Nessensis Hall. {JR. sitberectus And.). Bisher hatte ich diese Art nur im 
Flachlande ^) und im Pongau^) nachgewiesen. Im Jahre 1897 fand ich sie 
nun auch im Pinzgau, und zwar bei Leogang an der Eisenbahn. Nach 
S auter ist zwar JB. suberectus And. im Pinzgau häufiger als „H. fruti- 
cosus L.";*) es ist aber gar kein Zweifel, dass Saute r hierunter den im 
Pinzgau verbreiteten R. plicatus Wh. et N. verstand. 

Eilbus snlcatus Vest. Am Fusse des Schafberges oberhalb Hüttenstein. 

Bubus bifrons Vest. Am Fusse des Schafberges oberhalb Hüttenstein. Häufig 
auf dem Plainberg bei Grossgmain, im Tauglwald und im Gollinger Park. 

Rubus macrostemon Focke. Bei Maria Piain. Auf dem Plainberg bei Gross- 
gmain (hier nur schwache Schattenformen). 

Rubus tomentosus Borkh. In meiner „Vorläufigen Mittheilung über die Rubus- 
Flora Salzburgs" habe ich die Vermuthung ausgesprochen, dass diese Art in 
dem an Oberösterreich angrenzenden Hügellande vielleicht aufgefunden 
werden könnte. *) Ich fand sie nun thatsächlich bei St. Gilgen an der nach 
Hüttenstein führenden Strasse, jedoch nur in wenigen sterilen Exemplaren. 

Rubus Ch'emlii Focke. Im Flachlande nicht selten; so z. B. bei Maria Piain 
und auf dem Irrsberg bei Strasswalchen. Das Vorkommen der Art im 
Lande Salzburg war mit Rücksicht auf die bisher bekannte Verbreitung 
derselben mit Bestimmtheit zu erwarten. 

Rubius caesius X Idaeus.^) An einem Zaune neben dem Bahnhof Seekirchen. 
Auf Felsen des Mönchsberges und Capuzinerberges. An einem Waldrand 
bei Grödig am Fusse des Untersberges. Im Pongau bei Schwarzach an 
der Strasse nach Lend. — Es stellt sich somit heraus, dass dieser Bastard 
im Lande Salzburg nicht selten ist. — Friderichsen gibt, auf eine 
Mittheilung Sabransky's gestützt, in seiner beachtenswerthen Abhandlung 
über die Corjlifolier an, der Bastard R. caesius X Idaeus sei in Oesterreich- 
Ungarn noch nicht nachgewiesen.^) Haläcsy führt aber schon im Jahre 
1891 mehrere Standorte aus Böhmen, Niederösterreich und Salzburg an,') 
nebst der darauf bezüglichen älteren Literatur. Merkwürdig ist allerdings 
der Umstand, dass die Pflanze in Niederösterreich, wo doch die Rubus- 
Flora so eifrig durchforscht wurde, in neuerer Zeit von Niemandem ge- 
funden wurde. 

Potentilla caulescens L. Im Bereiche der Centralalpen fand ich diese Art bisher 
nur im Klammpass bei Lend. Einen anderen Standort verölfentlichten 
bereits früher Fugger und Kästner.^) 

') Vgl. diese „Verhandlungen", 1888, S. 776. 
^) Vgl. diese „Verhandlungen", 1889, S. .590. 

') Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, TU, S. 101 (1863), 
*) Vgl. diese „Verhandlungen", 1888, Abhandl., S. 782. 

^) Vgl. meine früheren Mittheilungen in diesen „Verhandlungen", 1888, Abhandl., S. 784 und 
1894, Abhandl., S. 67. 

«) Botanisches Centralblatt, LXX, S. 342 (1-897). 

') Vgl, diese „Verhandlungen", 1891, Abhandl., S. 288. 

") Mittheilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, XXXf, S. 272 (1891). 



260 



Carl Pritsch, 



Sibhaldia procumhens L. Bei der oberen Eadeckalpe im Anlaufthal nicht selten. 
Am Moserboden des Kaprunerthals. 

Alchemilla arvensis (L.) Scop. Auf einem Brachfelde unweit Hof nächst dem 
westlichen Ende des Fuschlsees (mit Dr. Rechinger gefunden). 

Agrimonia Eupatoria L. In einem Holzschlag unterhalb der unteren Schafberg- 
alpe. An Waldrändern nächst der Haltestelle Wallersee. Am Fusse des 
Ridl bei Hallein. Im Tauglwald. Nicht selten zwischen Schwarzach und 
Goldegg. 

Sanguisorba officinalis L. Häufig und zahlreich auf Wiesen bei Strasswalchen. 

Bosa arvensis Huds. Häufig am Wege von Unken zur Schwarzbachklamm. 
Im Pinzgau sonst selten.^) 

Prunus spinosa L. Bei Eugendorf an der Thalgauer Strasse. Auf dem Plain- 
berg bei Grossgmain. Bei Hallein an der Gollinger Strasse und am Fusse 
des Ridl. In der Au am Fusse des Birnberges bei Leogang. 

Prunus avium L. Bei Strasswalchen, Mattsee, Eugendorf, Kuchl, Golling und 
Werfen, zumeist einzeln an Waldrändern. 

Prunus Padus L. Bei Eugendorf, Grossgmain, Hallein, Kuchl, Lend, Laderding, 
Leogang, Fürth und Weyerhof. Wohl in allen Hauptthälern des Landes 
verbreitet, wenn auch an manchen Orten nur spärlich. 

Genista tinctoria L. In der Saalau bei Saalbrück. 

Genista Germanica L. Auch auf dem Capuzinerberge. 

Cytisus scoparius (L.) Lk. (Sarothamnus scoparius Wimm.). Diese Pflanze 
wurde zuerst von Sieber auf dem Haunsberg gefunden,^) später auch 
von Frl. Eysn auf dem Heuberg bei Salzburg (hier nur ganz vereinzelt).^) 
Im Jahre 1896 entdeckte ich zu meiner grossen Ueberraschung eine ganze 
Hecke von zahlreichen, grossen Exemplaren an einem Waldrand in un- 
mittelbarer Nähe von Söllheim. Dass dieser so nahe bei der Stadt Salz- 
burg gelegene Standort so lange unbekannt blieb, ist mir unbegreiflich. 

Medicago sativa L,*) In Grasgärten in der Imbergstrasse in Salzburg. Auf dem 
ehemaligen Exercirfelde bei Gnigl. An der Gaisbergbahn bei Parsch. An 
der Giselabahn bei der Haltestelle Concordiahütte, in der Umgebung des 
Bahnhofes von Bischofshofen, ferner bei Schwarzach und Leogang. 

Medicago falcata L. In der Hühnerau bei Hallein. Im Pongau bei Bischofs- 
hofen und am Wege von Schwarzach nach Goldegg. 

Medicago varia Martyn (falcata X sativa). Im Jahre 1896 fand ich wenige 
Exemplare dieses Bastardes auf der Müllnerschanze in Salzburg. Es ist 
dies einer der ältesten Standorte des Luzernerklees im Lande. Sollte 
heute noch Jemand an der Bastardnatur der M. varia zweifeln, so wäre 
das hiesige Vorkommen ein neuer Beweis für dieselbe. Auf der Müllner- 



') Vgl. Sauter in Mittheil, der Ges. für Salzburger Landeskunde, III, S. 102. 

2) Mittheilungen der Gesellschaft für Salzhurger Landeskunde, XXXI, S. 269 (1891). 

9) Oesterr. hotan. Zeitschr., 1895, S. 482. 

«) Ueher die rasch erfolgte Verbreitung dieser Art im Lande Salzburg vgl. meine Mittheilungen 
in diesen „Verhandlungen", 1888, S. 89 und 1894, S. 68. 



Beitrilgo zur Flora von Salzburg. V. 



261 



schanze stehen beide Arten seit Jahren neben einander; aber man fand 
lange Zeit immer nur die typischen Arten, bis endlich in Folge eines 
Zufalles sich der Bastard bildete. Die Einschleppung des letzteren von 
aussen her ist zwar nicht ganz ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich. 

Trifolium fragiferum L.^) An feuchten Stellen des Weges, welcher von der 
Linzer Reichsstrasse nach Sollheim führt. Bei Hallein an der GoUinger 
Strasse gegen den Tauglwald zu an einer Stelle zahlreich. 

Trifolium campestre Schreb. {2\ procumhens aut.). An der Staatsbahn bei den 
Haltestellen Weng, Wallersee und Hallwang-Elexhausen. Bei Hallein an 
der Gollinger Strasse. Am Wege von Schwarzach nach Goldegg im 
Pongau. Bei Steindorf im Pinzgau. — Neu für das obere (Pinzgauer) 
Salzachthal. 2) 

Trifolium aureum Poll. (T. agrarium aut.). Oberhalb Hüttenstein am Fusse 
des Schafberges. Bei Grossgmain am Wege zur Ruine Piain. Am Fusse 
des Taxenbacher Schlossberges nächst der Haltestelle Rauris-Kitzloch. 

Lathyrus Silvester L. An der Salzach am Fusse des Taxenbacher Schlossberges. 
— Neu für Unterpinzgau. 

Lathyttts occidentalis (Fisch, et Mey.) Fritsch (Orobus luteus aut.). 
Der echte Orobiis luteus L. ist eine asiatische Pflanze, welche nach 
Europa nur im Ural hereinreicht. Dagegen ist der „Orobus luteus^ 
unserer Alpenländer mit obigem Namen zu bezeichnen.^) 

Geranium phaeum L. Am Fusse des Ridl bei Hallein an einer Stelle gesellig. 

Geranium pusillum L. An Häusern auf dem Nonnberg und am Fusse des Nonn- 
berges im Nonnthal. An Häusern in Vigaun. 

Geraniuin columbinum L. In Haferfeldern bei Steindorf und nächst der Halte- 
^ stelle Wallersee. Auf dem Mönchsberg bei Salzburg. Auf dem Plainberg 
bei Grossgmain. Am Fusse des Schlossberges in Golling. An sonnigen 
Wegrändern bei Bischofshofen. An sonnigen Stellen zwischen Schwarzach 
und Goldegg im Pongau. An Felsen zwischen dem Bahnhof und Markt 
Taxenbach. 

Geranium rivulare Vill. {G. aconitifolium L'Her.). Diese Art kommt weder 
im Lande Salzburg, noch im benachbarten Baiern vor.*) Herbarexemplare 
aus Reichenhall, welche man in verschiedenen Herbarien findet, sind 
Geranium palustre L. flor. albis! 

Oxalis stricta L. Im Pongau bei St. Johann und Schwarzach. Im Pinzgau 
bisher nur am Bahnhofe Lend. 

Callitriche angtistifolia Hoppe. In einem Tümpel bei Böckstein nächst 
der „Ankogl -Aussicht" (1150 w). 



») Vgl. diese „Verhandlungen'', 1888, S. 89 und 1889, S. 591. 

') Vgl. diese „Verhandlungen", 1891, S. 750. 

Vgl. meine Abhandlung: Ueber einige Orobus -Arten und ihre geographische Verbreitung. 
Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, mathem.-naturw. Cl., Bd. CIV, Abth. I (1895). 

*) Vgl. die Angaben in Hinterhuber's „Prodromus", 2. Auflage, S. 46; ferner Fugger 
und Kastner, Die Gefösspflanzen des Herzogthums Salzburg, S. 33. 



262 



Carl Fritsch. 



Eui)liorhia exigua L. Auf einem Brachfelde unweit Hof nächst dem westlichen 
Ende des Fuschlsees mit Älchemilla arvensis (L.) Scop. (Auf einer mit 
Dr. Rechinger unternommenen Excursion gefunden.) 

Empetrum nigrum L. Am alten Aufstiege vom Wasserfallboden des Kapruner- 
thales auf den Moserboden. 

Impatiens parviflora DC. Diese Pflanze wird in und um Salzburg immer häufiger. 
Sie wächst gegenwärtig ausser den früher angegebenen Standorten^) in 
der Freibadau, in Gärten in der Schwarzstrasse, auf dem Mönchsberg am 
Abstiege zur Riedenburg, und zwar an allen diesen Orten zahlreich. Auch 
weit ausserhalb der Stadt Stilzburg kommt sie schon vor, so z. B. bei 
Grossgmain am Wege zur Ruine Piain, wo ich sie im Jahre 1894 an 
einer Stelle in ziemlich vielen Exemplaren fand. 

Rhamnus cathartica L. Auf dem Schlosshügel in Mattsee; bei Eugendorf, Hallein 
und Kuchl (Georgenberg). Im Pongau bei Goldegg und Laderding; im 
Pinzgau bei Leogang (nächst dem Bahnhofe). 

Malva Alcea L. Am Eisenbahndamm bei der Haltestelle Wallersee. 

Malva silvestris L. Bei Lamprechtshausen. Bei Lend am Wege nach Goldegg. 

Malva neglecta Wallr. Die im Lande Salzburg verbreitete, kleinblüthige 
Malve, welche von den Autoren als „iHf. rotundifolia L." bezeichnet wird, 
ist am richtigsten mit dem Namen Malva neglecta Wallr. zu bezeichnen, 
wie dies auch in neueren Florenwerken, wie z. B. bei Garcke,^) Beck') 
u. A. geschehen ist. 

Hypericum humifusum L. Im Bürmoos bei Lamprechtshausen. 

Hijpericum quadrangulum L. Die Art kommt nicht nur in den „Gebirgsthälern" 
(wie Sauter angibt), sondern auch im Flachlande nicht selten vor, so z. B. 
bei Grossgraain, ferner in Auen bei Hallein und Kuchl. Die Angabe 
Hinterhuber's,^) dass diese Pflanze „auch manchmal auf Kalk" vor- 
kommt, ist sehr sonderbar; die Art ist vielmehr im Bereiche der Kalk- 
alpen überall verbreitet, wie dies auch in anderen Ländern, z. B. in 
Niederösterreich, ^) der Fall ist. 

Hypericum montanum L. Bei Oberalm am Ufer der Alm; im Tauglwald; auf 
dem Georgenberg bei Kuchl. Häufig um Goldegg. — Neu für Pongau. 

Viola hiflora L. Sehr häufig und zahlreich in den Umgebungen von Bad Fusch. 
In der Umgebung von Böckstein sowohl am Wege in das Nassfeld, als 
auch im Anlaufthal. 

Viola arvensis Murr.^) Im Flachlande bei Steindorf, Weng, Seekii'chen (im 
Getreide) und Eugendorf; im Pongau bei Schwarzach und Dorf Gastein. 
In Getreidefeldern bei Leogang. 



Vgl. diese „Verhandlungen", 1889, S. 5Ü0; 1894, S. 66. 
2) Garcke, Illustriite Flora von Deutschland, S. 107. 
») Beck, Flora von Niederösterreich, S. 539. 
*) 2. Auflage des „Prodromus", S. 44. 
*) Vgl. Beck, Flora von Niederösterreich, S. 530. 

«) Viola arvensis „Mnch." in meiner Excursionsflora S. 381 ist Druckfehler. 



Beitnlge zur Flora von Salzburg. V. 



263 



Viola rupestris Schm. ^) (F. arenaria DC). Am Wege von Bad Fusch nach 
Ferleiten an einem grasigen Abhänge (1200 ?n) mit Viola hiflora L. und 
Soldanella alpina L.! 

Epilohium hirsututn L. Am Fusse des Ridl bei Hallein an feuchten Stellen gesellig. 

Epilohium collinum Gmel. Auf Mauern des Mönchsberges bei Salzburg. An 
der Strasse zwischen Schwarzach und Lend. Auf Felsen bei Taxenbach, 
Auf den Abhängen des Birnberges bei Leogang. — Neu für Pongau. 

Circaea lutetiana L. Am Nordabhange des Irrsberges bei Strasswalchen. Auf 
dem Plainberg bei Grossgmain. Am Fusse des Ridl bei Hallein. 

Circaea intermedia Ehrh. An feuchten Stellen am Nordabhang des Irrsberges 
bei Strasswalchen mit den beiden anderen Arten. An der Werfener Strasse 
bei Golling nächst den Salzachöfen mit C. lutetiana L. (hier ganz steril). 

Circaea alpina L. An feuchten Waldstellen am Nordabhang des Irrsberges bei 
Strasswalchen. Oberhalb Hüttenstein am Wege zur Schafbergalpe. Beim 
Wasserfall nächst Bischofshofen. Bei Leogang an der Saalfeldener Strasse. 

Chaerophylliim aureum L. Im Flachlande verbreitet und nicht selten, so bei 
Strasswalchen, Steindorf, Weng, Eugendorf, Grödig. Im Pinzgau bei 
Leogang, Aufhausen, Tobersbach und Uttendorf, 

Toriiis Änthriscus (L.) Gmel. In einem Holzschlage unterhalb der unteren 
Schafbergalpe (900 w). Bei Neumarkt und Weng an der Eisenbahn. Bei 
Grossgmain häufig. Im Tauglwald und auf dem Georgenberg bei Kuchl. 
Auf dem Werfener Schlossberge. Sehr häufig im Gebiete von Schwarzach- 
Goldegg-Lend. 

Selinum Carvifolia L. Am Fusse des Ridl bei Hallein. Auf dem Georgenberg 
bei Kuchl. 

Laserpitium latifolium L. Bei Leogang an buschigen Stellen nächst dem Bahn- 
hof. — Die in Salzburg vorkommende Pflanze ist stets kahl oder fast kahl 
und stark bläulich bereift. Die behaarte Parallelform {L. asperum Gr.), 
welche z. B. auf den Kalkbergen Niederösterreichs häufig ist, kommt im 
Lande Salzburg nicht vor. 

Soldanella montana Willd. Im Walde am nördlichen Fusse des Irrsberges bei 
Strasswalchen. 

Naimimrgia thyrsiflora (L.) Rchb. {Lysimachia thyrsiflora L.). Zahlreich im 

Bürmoos gegen Lamprechtshausen zu. Vereinzelt in einem Graben nahe 

dem Ausflusse des Wallersees. 
Anagallis arvemis L. Auffallend häufig auf Brachfeldern zwischen Hof und 

Thalgau. Bei Bischofshofen und Leogang vereinzelt. — NeufürPongau. 
Syringa vulgaris L. Halb verwildert in der Ruine Piain bei Grossgmain ; ebenso 

bei Böckstein. 

Erythraea Centaurium (L.) Pers. Auf einer sumpfigen Wiese nächst der Halte- 
stelle Wallersee der Westbahn. Im Tauglwald. 



. ') Ich fasse hier diesen Nameu in demselben weiteren Sinne, wie Beck in der Flora von 
Niederösterreich, S. 519. 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 34 



264 



Carl Fritsch. 



Gentiana vulgaris (Neilr. pro var. G. acaulis L.) (G. acaulis aut., G. Clusii 
Perr. et Song.). Die sowohl auf den Kalkalpen, als auch auf den Mooren 
um Salzburg häufige „Gentiana acaulis^' (var. firma Neilr.) ist mit ihrem 
ältesten Namen als G. vulgaris (Neilr.) zu bezeichnen. Beck hat diese 
Nomenclatur zuerst durchgeführt,^) später aber wieder fallen gelassen,^) 
wahrscheinlich deshalb, weil der Varietätname „vulgaris^ auch unter G. 
Verna L. angewendet wurde, — aber G. verna L. var. vulgaris Kittel ist 
die typische G. verna L. Ich gebrauche daher den Namen G. vulgaris 
(Neilr.) in demselben Sinne wie Wettstein. ^) 

Gentiana acaulis L. {G. excisa Presl, G. acaulis var. mollis Neilr.). Die Pflanze 
des Schiefergebietes. 

Gentiana Sturmiana Kern. (G. Germanica aut. Salisb. pro maxima parte). 

Im grössten Theile des Landes verbreitet und häufig. Im Gebiete der 

Tauern kommt neben dieser Art auch noch G. Ehaetica Kern. (incl. G. 

Stiriaca Wettst.) und G. calycina (Koch) vor.*) 
Gentiana Ehaetica Kern. An dem Abhang zwischen dem Bärenwirth und 

dem Bad Fusch.^) 

Gentiana solstitialis Wettst. {G. obtusifolia aut. z. Th.). Am Wege von 

Bad Fusch nach Ferleiten von mir beobachtet.^) 
Menyanthes trifoliata L. Sehr häufig auf dem Torfmoor bei Neuhofen unweit 

Thalgaii. 

Calystegia sepium (L.) R. Br. (Gonvolvulus sepium L.). Im Pinzgau bei Unken, 
Leogang und Fürth. 

Cuscuta Europaea L. Im Innern der Ruine Piain bei Grossgmain auf Urtica 
dioica L. In der Tauglau bei Vigaun. Bei Golling an der Werfener 
Strasse nächst den Salzachöfen auf Salvia glutinosa L. Im Pongau bei 
Bischofshofen, Schwarzach (auf Urtica dioica L. und Humulus Lupulus L.) 
und Dorf Gastein. Im Pinzgau bei Zell am See, Mittersill und Hollers- 
bach. — Die von mir schon in einem früheren Beitrage erwähnte bleich- 
gelbliche Form mit weissen Blüthen ') fand ich nun auch bei Bischofshofen 
und zwischen Schwarzach und Goldegg (an letzterem Orte auf Hopfen). 

Symphytum officinale L. Im Flachlande bei Weng, Eugendorf, Saalbrück, Gross- 
gmain, Oberalm. Bei Goldegg und Dorf Fusch. — Die Spielart flor. 
roseo-purpureis vereinzelt auf feuchten Wiesen bei Gnigl. 



') Annalen des k. k. natuihist. Hofmuseums, II, S. 129. 
2) Flora von Niederösterreich, S. 938. 

^) Vgl. dessen Vortrag: Die Gescliiclite unserer Alpenflora (Verein zur Verbr. naturw. Kenntn., 
XXXVI, Heft 5, S. 25). 

") Vgl. Wettstein, Die europäischen Arten der Gattung Gentiana aus der Section Endotricha 
Fröl. Denkschr. der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, Bd. LXIV (1896). 
5) Vgl. Wettstein, a. a. 0., S. 342. 

«) Andere salzhurgische Standorte dieser Art findet man bei Wettstein, a. a. 0., S, 338. — 
Alle von mir hier angeführten endotrichen Gentianen wurden von Wettstein revidirt. 
') Vgl. diese „Verhandlungen", 1894, S. GG. 



Beiträge zur Flora vou Salzburg. V. 



265 



Atichusa officinalü L. Längs der Giselabalin von Ausserfelden bis über Taxen- 
bach hinaus nicht selten. Im oberen Salzachthal bei Niedernsiii, Hofham 
und Neukirchen. 

Cerinthe minor L. Um Goldegg im Pongau nicht selten. 

Äjuga reptans L. flor. albis. Am Wege von Bad Fusch nach Ferleiten. 

Äjuga Genevensis L. Im Pongau bei Sulzau, St. Johann, Schwarzach und Ead- 
stadt. Im Klammpass bei Lend. Im Oberpinzgau bei Neukirchen (sehr 
häufig) und Krimml. 

AJicga pyramidalis L. Im Anlaufthal bei Gastein. Nicht selten in den Um- 
gebungen von Bad Fusch. 

Teucrium Chamaedrys L. Auf dem Geoi-genberg bei Kuchl. 

Teucrium montanum L. An nach Süden exponirten Felsen in der Umgebung 
von Goldegg im Pongau nicht selten. Bei Mayerhofen im Gasteiner Thal. 
Bei Krimml auf Kalkfelsen an der Strasse nach Wald. 

Scutellaria galericulata L. In Getreidefeldern (!) bei Saalbrück. 

Brunella spuvia Stapf {grandißora X vulgaris). Auf begrasten Hügeln bei 
Glaneck mit den Stammeltern. 

Stachys alpina L. Am Wege von Böckstein in das Nassfeld. 

Siachys amhigua Sm. (palustris X silvatica). In feuchten Holzschlägen am Fusse 
des Ridl bei Hallein mit S. silvatica L. S. palustris L. sah ich zw^ar nicht 
in unmittelbarer Nähe, sie kommt aber in der Gegend vor. — Dieser 
Bastard fehlt in Saut er 's Flora, wurde aber schon vor vielen Jahren 
von Mielichhofer bei Grossgmain gefunden.^) 

Satureja Acinos (L.) Scheele {CalaminthaAcinos Clairv.). Sehr zahlreich am Damme 
der Staatsbahn von der Haltestelle Weng bis zur Haltestelle Wallersee. 

Satureja alpina (L.) Scheele (Calamintha alpina Lam.). Zu den Standorten 
im Bereiche der Centralalpen^) habe ich zwei hinzuzufügen: auf Felsen an 
der Grossarier Strasse vor Stegenwacht mit Teucrium montanum L,; 
zwischen Landsteg und Embach, 

Satureja nej^etoides (Jord.) (Briq.) {Calamintha officinalis var. Nepeta 
aut.). Die echte Satureja Nepeta (L.) (Briq.) {Calamintha Nepeta Hofifgg. 
et Lk.) ist eine südeuropäische Pflanze, welche in Oesterreich nur in Südtirol 
und Istrien vorkommt. Die in den übrigen Alpenländern wachsende klein- 
blüthige Calamintha ist C. nepetoides Jord. = Satureja Calamintha var. 
nepetoides Briq. = Satureja nepetoides Fritsch, Excursionsflora, S. 478. 
— Die Pflanze wächst ausser den von S auter für Calamintha officinalis 
var. Nepeta angegebenen Standorten auch häufig bei Golling (am Fusse des 
Schlossberges und an der Werfener Strasse). 

Hyoscyamus niger L. Bei Goldegg. — Neu für Pongau. 

Solanum tuberosum L. Auf einem Düngerhaufen bei Gnigl im Jahre 1894 zu- 
fällig einige verwilderte Exemplare. 



») Hinterhuber, Prodromus, 1. Aufl., S. 170; 2. Aufl., S. 160. 
2) Vgl. diese „Verhandlungen", 1888, Abhandl., S. 83; 1889, S. 583. 



34* 



266 



Carl Fritsch. 



Solanum nigrum L. Im Pongau bei Biscbofshofen (an Gartenzäunen) und 

Scb warzach. Im Pinzgau in Stuhlfelden und Bramberg an Häusern. 
Verbascum Thapsus L. Bei Hofgastein und Leogang. 

Verbascum Lychnitis L. An den Dämmen der Giselabahn längs der Strecken 
Eadstadt — Bischofshofen und Lend— Taxenbach nicht selten. 

Verbascum Austriacum Schott. In der Umgebung von Goldegg im Pongau nicht 
selten, auch in unverzweigten, dem V. nigrum L. ähnlichen Formen. 
Dieses Vorkommen, sowie auch jenes am Werfener Schlossberg sprechen 
gegen die Annahme, dass die Art erst in neuerer Zeit eingeschleppt worden 
wäre,^) — Im Jahre 1896 fand ich die Pflanze nun auch in der Brod- 
häuslau bei Salzburg in Gesellschaft von V. nigrum L.; vielleicht wurde 
sie von der Salzach aus dem Pongau herabgeschwemmt. 

Verbascum nigrum L. flor. albis. Zwischen Fürth und Piesendorf im Pinzgau. 
Mit blassgelblichen (fast weisslichen) Blüthen fand ich die Art bei der 
Haltestelle Concordiahütte der Giselabahn. 

Verbascum adulterinum Koch (nigrum X thapsiforme). Bei Fürth im Pinzgau, 
somit in der Nähe der bereits bekannten Ständorte bei Zell am See und 
bei Kaprun.^) 

Linaria vulgaris Mill. Zahlreich am Bahnhofe Seekirchen. 

Chaenorrhinum minus (L.) Lge. {Linaria minor L.). Im Pongau in den 
Bahnhöfen Sulzau und Schwarzach, sowie auf Strassenmauern bei Werfen, 

Mimulus luteus L. An der Giselabahn nächst der Station Leogang bei einem 
Wächterhaus gepflanzt und halb verwildert. 

Veronica aphylla L. Auf Felsblöcken oberhalb Bad Fusch nicht selten. 

Veronica Beccabunga L. flor. albis, roseo-striatis. In einem Graben an der 
Strasse zwischen Fuschl und St. Gilgen. 

Veronica latifolia L. (F. urticifolia Jacq.). Auf dem Georgenberg bei Kuchl. 
Im Pongau bei Bischofshofen und Böckstein. 

Veronica alpina L. Im Anlaufthal oberhalb der Radeckalpe. 

Melmnpyrum commutatum Tausch. (M. pratense aut. z. Th.). Die um 
Salzburg „in Gebüschen und Vorhölzern der Thäler der Kalkgebirge" 
(S auter) vorkommende Pflanze ist im Sinne Kerner's^) nicht M. pra- 
tense L., sondern M. commutatum Tausch. Aber auch das echte M. pra- 
tense L. kommt um Salzburg vor, namentlich auf Moorboden. 

Euphrasia RostJcoviana Hayne. Dass diese Art im Lande Salzburg gemein ist, 
habe ich schon in meinem ersten „Beitrage" angegeben.^) Thatsächlich 
findet sie sich in allen Gauen, besonders häufig in den tiefer gelegenen 
Thälern. Aber auch auf die Alpen steigt sie ganz allgemein, wenn auch 
nicht so hoch, als Wett stein die obere Grenze angibt.^) Auf dem Moser- 



1) Vgl. diese „Verhandlungen", 1889, Abhandl., S. 585. 

2) Vgl. diese „Verhandlungen", 1888, Abhandl., S. 84. 
Vgl. Oesterr. hotan. Zeitschr., 1870, S. 270—272. 

«) Vgl. diese „Verhandlungen", 1888, Abhandl., S. 84. 

5) Wettstein, Monographie der Gattung Euphrasia, S. 187. 



Beiträge zur Flora von Salzburg. V. 



267 



köpf bei Mauteriidorf fand ich sie in 1600 m Seehöhe in Gesellschaft der 
sehr ähnlichen Eujplirasia versicolor Kern., die nur durch den Mangel 
der Drüsen mit Sicherheit unterschieden werden kann. Hier ist JEuphrasia 
Bostl'oviana Hayne niedrig, unverzweigt und armblüthig (var. minuta 
Beck.)^) Auch im Fuscherthale, wo E. Bostkovimia Hayne besonders ge- 
mein ist, steigt sie in der Umgebung der Trauneralpe bis beiläufig 1600 m; 
hier steht in ihrer Gesellschaft meist die habituell sehr verschiedene 
Euphrasia minima Jacq. — Im Gegensatze zu diesen kleinen Alpenforraen 
finden sich auf Moorwiesen des Flachlandes, so z. B. im Ursprunger Moor, 
ausserordentlich hochwüchsige, schlanke Formen (var. uliginosa Ducomm.).^) 

Euphrasia hrevipila Burii. et Gremli. Ich fand diese Pflanze im Jahre 1888 
bei Tamsweg im Lungau. Wettstein bestimmte sie und veröffentlichte 
auch den Fundort,^) welcher bis jetzt der einzige im Lande Salzburg und 
der nördlichste in den österreichischen Alpenländern ist. Noch sei bemerkt, 
dass alle von mir bei Tamsweg gesammelten Exemplare unverzweigt und 
dabei zart und ziemlich niedrig sind. 

Euphrasia versicolor Kern. Im Lungau bei Tweng und auf dem Moserkopf bei 
Mauterndorf. (Vgl. oben unter E. Bostlcoviana Hayne.) 

Euphrasia minima Jacq. Da anderwärts (z. B. im Ortlergebiete) diese Art vor- 
herrschend gelb blüht, so muss ich vor Allem constatiren, dass ich sie 
im Lande Salzburg bisher nur weissblühend (var. pallida Gremli)*) 
beobachtet habe. Aus der Zusammenstellung der Standorte in Wettstein 's 
Monographie (S. 157) ist zu ersehen, dass die Art im Lande Salzburg bis 
jetzt nur im Bereiche der Centraialpen gefunden wurde. In den Kalk- 
alpen, wo sie von S auter angegeben wird, fand ich sie bis jetzt nicht. 
Vielleicht hat Saut er Alpenformen der E. Salishurgensis Funk für E. 
minima Jacq. gehalten.^) — In der Umgebung von Bad Fusch ist eine 
üppige, oft verzweigte Form der E. minima Jacq. mit dicklichen, fett- 
glänzenden Blättern nicht selten.^) 

Euphrasia Salishurgensis Funk. Im Eadstädter Tauernkar (1700 m) in sehr 
kleinen, habituell ganz der E. minima Jacq. gleichenden Exemplaren. 
An der Strasse zwischen Sulzau und Werfen (typisch). Bei Fuschl mehr- 
fach an der Strasse in stark verzweigten Formen, deren obere Blätter 
oft beiderseits 3 — 4 Zähne aufweisen. 

Alectorolophiis stenox>hyllus (Scluir) Steriieck. Im Juli 1895 fand ich 
diese Art in der Saalau bei Saalbrück. 1896 fand sie dann Keller bei 
Mauterndorf im Lungau') (ich besitze davon Exemplare). Die Pflanze ist 



1) Beck, Flora von Nicderösterrcich, S. 10.59. 

^) Vgl. Wettstein, Monographie der Gattung Euijhrasia, S. 191. 

^) Oesterr. botan. Zeitschr., 1894, S. 93. 

«) Vgl. Wett stein, Monogr., S. 159. 

Vgl. auch Wettstein, Monographie, S. 163, 
^) Aehnliche Formen erwähnt Wettstein in seiner Monographie, S. 160. 
') Vgl. diese „Verhandlungen", 1896, S. 378. 



268 



Carl Fritsch. 



vielleicht im Lande verbreitet, aber gewiss nicht häufig. Sterneck kannte 
sie aus Oesterreich nur von Seckau in Steiermark.^) 

Alectorolophus serotinus (Scliönli.) Beck. Das Vorkommen dieser Art in 
Salzburg war Sterneck ebenfalls nicht bekannt. Die Art ist aber in einer 
gedrungenen Bergform, welche S auter als Bhinanthus montanus be- 
schrieb,^) um Salzburg nicht selten. Näheres hierüber werde ich in einer 
speciellen Abhandlung berichten. 

Alectorolophus angustifolius (Gmel.) Heynh. Diese Art, welche Sterneck nur 
aus dem Pinzgau gesehen hat,^) ist wohl im ganzen Lande verbreitet und 
kommt sowohl auf den Kalkalpen, wie auch im Bereiche der Centraikette 
häufig vor. In der Tauernkette ist die Pflanze meist kleiner und dem dort 
vorkommenden Alectorolophus lanceolatus (Kov.) Sterneck ähnlich, während 
sie in den Kalkalpen schlanker und viel höher wird. Die Pflanze der Kalk- 
alpen kann mit A lanceolatus kaum in directen Zusammenhang gebracht 
werden, da letzterer dort nicht vorkommt; wenigstens fand ich ihn nur in 
der Tauernkette, und auch S auter gibt denselben nur für die „Schiefer- 
und Urgebirge" an. Die Urgebirgspflanze ist olFenbar Celakovsky bei 
Aufstellung seines Bhinanthus aristatus vorgelegen,*) da er den niedrigen 
Wuchs und die oft fehlende Verzweigung anführt, Merkmale, die bei der 
Kalkalpenpflanze höchstens an ganz verkümmerten Exemplaren auftreten. 
— Von den zahlreichen einzelnen Standorten, an welchen ich A. angusti- 
folius beobachtete, seien hier die folgenden angeführt: St. Gilgen (Strasse 
nach Fuschl und Fussweg nach Hüttenstein); Nordabhang des Capuziner- 
berges bei Salzburg; Auen an der Alm bei St. Leonhardt; Hühnerau bei 
Hallein; Tauglau bei Vigaun; am Schwarzbachfall bei Golling (eine ver- 
kümmerte, oft ganz unverzweigte Form); Strasse zwischen Scheffau und 
den Lammeröfen; Strasse zwischen Werfen und Sulzau; Abhang im Gross- 
arlthal oberhalb der Liechtensteinklamm; Kaiserpromenade bei Wildbad 
Gastein; Abhänge bei Böckstein am Wege in das Nassfeld; Bad Fusch 
(kleine, meist wenig verzweigte Form = JB. aristatus Celak.). 

Alectorolophus lanceolatus (Kov.)-"^) Sterneck. Sehr häufig auf dem Moserboden 
des Kaprunerthales (1950 m); ferner am Wege zur Pfandelscharte. 

Asperula odorata L. Am Nordabhange des Irrsberges bei Strass walchen. Im 
Walde unterhalb der unteren Schafbergalpe. In Wäldern nächst der Halte- 
stelle Wallersee der Staatsbahn. Auf dem Ridl bei Hallein. 

Galium rotundifolimn L. Am Nordabhange des Irrsberges bei Strasswalchen. 
Am Abhänge des Schaf berges (900 m). 



1) Oesterr. botan. Zeitschr., 1895, S. 302. 

2) Sauter in „Flora", 1857, S. 177. 

3) Oesterr. botan. Zeitschr., 1895, S. 276. 

«) Vgl. Celakovsky in Oesterr. botan. Zeitschr., 1870, S. 132. 

Die Nomenclatur dieser Art, beziehungsweise die Autor-Citation wurde von Dörfler (Her- 
barium normale, Nr. 3367) richtig gestellt, 



Beiträge zur Flora von Salzb\irg. V. 



269 



Galiutn trico'tme Witli. Eingeschleppt in Böckstein unmittelbar neben dem 
Curhaus (1894), jedenfalls nur vorübergehend. Eine alte Angabe, die sich 
auf das Vorkommen dieser Art auf dem Capuzinerberge bei Salzburg be- 
zieht,') ist entweder falsch, oder sie stützt sich auch auf einzelne, /Aifällig 
eingeschleppte Exemplare. Im Jahre 1897 fand Vierhapper die Art im 
Lungau.^) 

Samhucics racemosa L. Auf dem Irrsberg bei Strasswalchen. 

Viburnutn Opulus L. Bei Eugendorf nicht selten. Auf dem Georgenberg bei 

Kuchl. Zwischen Lend und Goldegg. Am Eingange des J'uscherthales. 
Valeriana montana L. Auf dem Werfener Schlossberg. 

Campanula IrachelktmL. flor. albis. Bei Saalfelden und Krimml im Pinzgau. 
Spectilaria Speculum (L.) DC. In Getreidefeldern bei Mattsee, Weng und Eugen- 
dorf nicht selten. 

Erigeron annuus (L.) Pers. {Stenactis hellidiflora A. Br.). Am Damme der 
Giselabahn ^) zwischen Pfarr Werfen und Bischofshofen. — Neu für 
Pongau. 

Erigeron acer L. Auf den Mauern der Ruine Piain bei Grossgmain. Im Klamm- 
pass bei Lend ; bei Bad Gastein. Im Pinzgau bei Taxenbach (nicht selten), 
Hofham und Wald. 

Helianthus annuus L. Im Bereiche der Stadt Salzburg verwildert auf Felsen 
beim „Schanzl" und auf Gartenmauern im äusseren Stein. 

Achillea collina Becker. Auf dem Mönchsberg, Festungsberg und Capuziner- 
berg bei Salzburg. 

MatmcaHa discoidea DC. Diese Wanderpflanze, welche im benachbarten 
Baiern bei München nicht selten ist,*) fand ich 1895 am Bahnhofe in 
Freilassing, wohin sie offenbar von München aus durch die Eisenbahn 
verschleppt wurde. Im Jahre 1897 fand ich die Pflanze nun auch in Salz- 
burg selbst, und zwar in einem Grasgarten in der Rupertgasse. 

Artemisia Ahsintliium L. An der Giselabahn bei St. Johann, wahrscheinlich 
verwildert, weil in der Nähe nicht selten cultivirt. 

Artemisia vulgaris L. An der Eisenbahn zwischen Hallwang und Berg-Maria 
Piain. An der Strasse zwischen Stuhlfelden und Mittersill im Pinzgau. 

Petasites hybridus (L.) G. M. Sch. (P. officinalis Mnch.). An Bächen bei Gross- 
gmain. An der Abtenauer Strasse unweit des Pichlfalles. Bei Hollersbach 
im Pinzgau. — Die alten Autoren beschrieben die zwittrigen und die 
weiblichen Pflanzen der Petasites -Arten getrennt, da ihnen die Zusammen- 
gehörigkeit derselben nicht bekannt war. So nannte Linne die zwittrige 
Pflanze der vorliegenden Art Tussilago Petasites, die weibliche aber Tussi- 
lago liybrida.^) Wir haben infolge dessen zwei gleich alte Namen für 



') Hinterhuber, Prodromus, 1. Aufl., S. 100; 2. Aufl., S. 96. 
^) Vgl. S. IIG des vorliegenden Bandes dieser „Verhandlungen". 
^) Vgl. diese „Verhandlungen", 1894, Abhandl., S. 57. 

■*) Besonders häufig fand ich die Pflanze auf der Theresienwiese bei München. 
^) Linne, Spec. plant., ed. 1, p. 866 (1753). 



270 



Carl Fritsch. 



unsere Art, von denen ich wegen Vermeidung der Doppelnamen („Petasites 
Petasites^) den zweiten (hyhridus) anwende.^) 

Petasites niveus (Vill.) Baumg. In der Tauglau bei Vigaun. Im Pass Lueg und 
an der Strasse zwischen Sulzau und Werfen. 

Petasites albus (L.) Gärtn. Häufig in der Umgehung von Bad Fusch, nament- 
lich in der Weichselbachschlucht. Am Abhänge des Birnberges bei Leogang. 

Senecio vulgaris L. Auf der Schafbergalpe noch in 1350 w Seehöhe. 

Senecio viscosus L. An der Salzachbrücke bei Bischofshofen zahlreich. 

Calendula officinalis L. Bei Saalfelden an der Zeller Strasse auf Schutt ver- 
wildert. 

Carlina aeaulis L. Unterhalb der oberen Schaf bergalpe noch in 1250 m See- 
höhe. 2) 

Ärctium tomentosum Mill. {Lajppa tomentosa Lam.). Bei Hüttenstein. An der 
Giselabahn nächst der Haltestelle Eisbethen. Bei Dorf Gastein und Leogang. 

Ärctium minus Bernh. {Lappa minor DC). Im Flachlande bei Glas, Oberalm 
und nächst dem Tauglwald. Im Pongau bei Bischofshofen und Dorf 
Gastein. Im Pinzgau bei Leogang, Fürth, Steindorf, Uttendorf, Mühlbach, 
Weyerhof. 

Carduus nutans L. Im Innern der Ruine Piain bei Grossgmain an einem Ab- 
hänge in mehreren grossen Exemplaren. — Neu für das Flachland. 

Carduus acantlioides L. Im Flachlande fand ich diese Art bisher nur bei Golling 
in der Nähe des Bahnhofes. Es ist mir unbegreiflich, dass S auter diese 
Art als „gemein um Salzburg" angeben konnte.^) 

Carduus crispus L. Bei Mayrhofen im Gasteiner Thal, dann bei Schwarzach 
und Lend. 

Carduus leptocephalus Peterm. (acantlioides X crispus). Am Fusse des 
Schlosshügels bei Golling. C. crispus L. ist dort gemein, C. acantlioides L. 
aber selten; jedoch steht letzterer ganz in der Nähe (siehe oben). 

Cirsium lanceolatum (L.) Scop.^) An der Ischlerbahn bei Zinkenbach und Hütten- 
stein. Am Damme der Staatsbahn bei Wallersee vereinzelt. In der Ruine 
Piain bei Grossgmain. Im Tauglwald bei Kuchl. — Am Abhänge des 
Schafberges steigt die Art bis zur oberen Schafbergalpe (1350 w). 

Cirsium heterophyllum All. Am unteren Krimmlerfalle truppweise. 

Cirsium hyhridum Koch, (oleraceum X palustre). An der Strasse zwischen Stuhl- 
felden und Mittersill; beide Stammeltern in der Nähe häufig. — Neu 
für Oberpinzgau. 

Cirsimn subalpinum Gaiid. (palustre X rivulare). Vereinzelt mit den beiden 
häufigen Stammeltern auf Sumpfwiesen bei Seekirchen und auf Moorwiesen 

') Ascherson wählt in solchen Fällen den Namen, welchen derjenige Autor verwendete, 
der die beiden gleichzeitig aufgestellten Arten zusammenzog ; es wäre das hier P. officinalis Much. 
Vgl. Oesterr. botan. Zeitschr., 189G, S. 4—5. 

2) Vgl. diese „Verbandlungen", 1889, S. 582; 1894, S. 57. 

3) Vgl. diese „Verhandlungen", 1889, S. 582. 

Vgl. diese „Verhandlungen", 1889, S. 582; 1894, S. 58. 



Beiträge zur Flora von Salzburg. V. 



271 



bei Glaneck. — Der in den salzburgischen Floren angeführte Standort 

^bei Laufen" liegt in Baiern. 
Serratula tinctoria L. flor. albis. An moorigen Waldrändern bei Glaneck. 
Centaurea pseudophrycjia C. A. Mey. (C. phrygia aut.). Am Wasserfall bei 

Bischofshofen. 

Pici-is paleacea Vest.^) Auf Wiesen bei Steindorf gegen Strasswalchen zu, 
nicht häufig. — Die Art war bisher nur aus den Voralpen Niederösterreichs 2) 
und Obersteiermarks bekannt. Ihr Vorkommen in Oberösterreich ist höchst 
wahrscheinlich. 

Mulgeäium aJpinum (L.) Less. An feuchten Stellen des Anlaufthales, sowie am 
Wege von Böckstein in das Nassfeld nicht selten. 

Crepis alpestris (Jacq.) Tausch. Auf den steinigen Matten unterhalb des Bahn- 
hofes Leogang vereinzelt. 

Crepis virens L. In der Station Sulzau zwischen den Schienen. Am Wege von 
Goldegg nach Lend. Bei Leogang. 

Hieracium Pilosella L. Unter den von mir im Lande gesammelten Formen 
fand Oborny: subsp. angustius Näg. et Pet. 2. suhpilosum Näg. et Pet. 
(H. Pilosella var. angustifolium Tausch) vom Kuhberg bei Salzburg; 
subsp. parviflorum Näg. et Pet. vom Mönchsberg bei Salzburg und vom 
Nassfeld bei Gastein; subsp. euronotum Näg. et Pet. vom Radstädter 
Tauern (1400 m); subsp. trichadenium Näg. et Pet. vom Fusse des Mitter- 
siller Schlossberges. 

Hieracium furcatum Hoppe. Auf dem Südabhang des Moserkopfes bei Mautern- 
dorf (1600 — 1800m), und zwar nach Oborny subsp. meiocephalum 
Näg. et Pet. 

Hieracium Äuricula L. In der nächsten Umgebung der Stadt Salzburg fanden 
mein Vater und ich (nach Oborny) die Formen epilosum, subeglandulosum 
und suhpilosum Näg. et Pet. des gemeinen H. Äuricula L. Dagegen fand 
ich im Gebiete der Tauern (so z. B. bei der Trauneralpe im Fuscherthal, 
1600 m, und am Südabhange des Moserkopfes bei Mauterndorf, 1800 bis 
1900 m) nur subsp. melaneilema Näg. et Pet. {H. Äuricula var. alpicolum 
Monn.). 

Hieracium Florentinum All. (H. praealtum Vill.). In der Umgebung der Stadt 
Salzburg scheint nach den Bestimmungen Oborny 's das typische H. 
praealtum Vill. vorzuherrschen. Ausserdem fand sich subsp. obscurum Rchb. 
am Fusse des Untersberges (bei Grossgmain auch suhfloccosum Näg. et Pet.), 
subsp. parcifloccum am Kuhberg bei Salzburg, subsp. canipedunculum 
Näg. et Pet. und subsp. suhcymigerum Näg. et Pet. am Schlossberg bei 
Taxenbach. Die durch die eigenartige Verzweigung des Köpfchenstandes 
sehr ausgezeichnete subsp. pedunculare Näg. et Pet. fand ich bisher nur 
auf Schutt am Wege von Schwarzach nach Goldegg im Pongau. — In 



1) Ueber die Unterschiede von P. hieracioides L. vgl. meine Excursionsflora, S. 603. 

2) Vgl. Beck, Flora von Niederösterreich, S. 1268. 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 35 



272 



Carl Fritsch. 



der zweiten Auflage von Hinterhuber's „Prodromus" (S. 123) wird H. 
Florentinum „Gaud." nur von einem einzigen Standorte {H. praealtum 
Vill. gar nicht) angegeben! 
Hieracium colUnum Gochnat {H. pratense Tausch). Auf Moorgründen bei See- 
kirchen. Hier sowohl wie auf den Moorgriinden bei Glaneck fand ich 
die subsp. subcolUnum Näg. et Pet. und stenocephalum Näg. et Pet. ge- 
mischt vor. 

Hieracium aurantiacum L. Die von mir am Moserkopf bei Mauterndorf (1800 m) 
gesammelten Exemplare*) bestimmte Oborny als subsp. subaurantiacum 
Näg. et Pet. 

Hieracium bracMatum Bertol. (Florentinum X Pilosella). Diese Pflanze 
(und zwar nach Oborny subsp. melanadenium Näg. et Pet.) fand mein Vater 
am Fusse des Gaisberges bei Salzburg und bezeichnete sie im Herbar, 
Neilreich folgend, mit dem — übrigens vollkommen zutreffenden — 
Namen H. Pilosella-praealtum. Koch^) confundirte die Pflanze mit 
Hieracium hifurcum M. B., welches der Combination H. echioides X Pilo- 
sella entspricht. Das von Sauter und Hinter huber im Pinzgau an- 
gegebene „H. hifurcum M. B." ist jedenfalls auch im Koch 'sehen Sinne 
aufzufassen und daher höchst wahrscheinlich zu H. hrachiatum Bertol. s. 1. 
zu ziehen. — Ich kann jedoch bei dieser Gelegenheit die Bemerkung nicht 
unterlassen, dass das italienisch-istrianische, echte H. hrachiatum Berto- 
loni's, wie schon Freyn^) richtig angab, durchaus nicht den Eindruck 
eines Bastardes macht. Ich habe die Pflanze selbst im Kaiserwalde bei 
Pola gesammelt und kann mich der Ansicht Freyn's nur anschliessen. 
Dagegen ist die nordwärts der Alpen, z. B. in Niederösterreich und Salz- 
burg vorkommende Pflanze wohl doch ein directer Bastard zwischen H. 
Florentinum und H. Pilosella. Wir haben hier off'enbar einen ähnlichen 
Fall vor uns, wie bei Sorhus Sudetica Tausch, der offenbar eine selbst- 
ständige Art, aber dem Bastard Sorhus Äria X Chamaemespilus höchst 
ähnlich ist,*) oder wie hei Potentilla splendens B>dLm., welche der Hybriden 
P. alba X sterilis sehr nahe steht. ^) Alle diese Arten sind wohl ursprüng- 
lich aus Bastarden hervorgegangen.^) 

Hieracium villosum L. Diese Art kommt namentlich auf dem Radstädter Tauern 
in verschiedenen Formen vor, welche sich theilweise dem H. villosiceps 
Näg. et Pet. sehr nähern. Oborny fand unter den von mir an dem eben 
genannten Orte gesammelten Exemplaren die var. calvescens b) angustum 
Näg. et Pet. und die subsp, glaucifrons 2. angustius Näg. et Pet. 



J) Vgl. diese „Verliandlungen", 1889, S. 583. 
2) Koch, Synopsis, ed. 1, p. 445. 

Vgl. diese „Verhandlungen", 1877, S. 370. 

4) Vgl. Kern er, Schedae ad floram exsiccatam Austro-Hungaricam, VII, p. 20—21. 

5) Vgl. Garcke, Illustrirte Flora you Deutschland (17. Aufl.), S. 195—196. 

^) Ueher diese Frage vergl. insbesondere die Abhandlung Kern er 's: „Können aus Bastarden 
Arten werden?" in der Oesterr. hotan, Zeitschr., .Jahrg. 1871. 



Beiträge zur Flora von Salzburg. V. 



273 



Hieracium viUosiccps Näg. et Pet. Auch diese Pflanze ist am Radstädter 
Tauern in mehreren Formen vertreten; ich fand (nach Oborny) dort 
subsp. villosifoliiim Näg. et Pet. und subsp. comatulum Näg. et Pet. 

Hieracium scorzonerifolinm Vill. Auf dem üntersberg bei Salzburg. 

Hieracium caesium Fr. Am Taxenbacher Schlossberg fand ich eine Form dieser 
Art mit gefleckten Blättern, nach Oborny zu H. carnosum Wiesb.^) 
gehörig. 

Hieracium suhcaesium Fr. Diese Form, welche von den salzburgischen 
Floristen bisher nicht beachtet, beziehungsweise unter H. murorum L, 
oder H. hifidum W. K. subsumirt wurde, ist im Lande offenbar verbreitet 
und nicht selten. Ich fand sie am Kuhberg bei Salzburg, auf den Mauern 
der Ruine Piain bei Grossgmain, am Fusse des Ridl bei Hallein, und — 
in einer mehr drüsigen, also zu H. silvaticum (L.) hinneigenden Form — 
am Radstädter Tauern. 

Hieracium vulgatum Fr. Im Lande verbreitet und durchaus nicht selten. Ich 
sammelte Exemplare im Flachlande bei Weng (in Wäldern) und Glaneck 
(auf Moorgründen), im Pongau bei Werfenweng und im Anlaufthal bei 
Böckstein, im Pinzgau am Taxenbacher Schlossberg und bei Bad Fusch. 
Die Exemplare aus den Gebirgsgauen sind an Drüsen ärmer als jene aus 
dem Flachlande; nach Oborny sind jene aus Bad Fusch zur var. Knafd 
Celak., jene aus dem Anlaufthal zur var. alpestre Uechtr. zu rechnen. 



Beschreibung einiger neuer Cassididen nebst 
synonymischen Bemerkungen. 

Von 

Dr. Franz Spaeth. 

(Eingelaufen am 1. April 1898.) 
1. 

1. Prioptera traheata Fairm. (Ann. Soc. Ent. Belg., 1888, p. 46) aus 
Kiang-Si ist die in den letzten Jahren in den Sammlungen ziemlich verbreitete 
Varietät der P. Whitei Boh. (Mon., IV, p. 26) mit einfarbig gelbem Halsschild. 

2. Von Bia (ol. Dolichotoma) lanuginosa Boh. besitzt das k. k. Hof- 
nmseum in Wien au.sser zahlreichen von Moriz in Venezuela gefangenen Stücken 
auch ein solches mit der Fundortangabe: „San Salvador. XII., 1877." Die Art 
kommt sonach auch in Central -Amerika vor, obwohl Champion sie in der 

Vgl. diese „Verhandlungen", 1888, S. 82. 
-) Eine solche Form erwähnt auch Beck, Flora von Niederösterreich, S. 12*J3, als „Iliem- 
cium Dichllianum* (non Wiesbaur I). 

35* 



274 



Franz Spaeth. 



Biologia Central -Americana nicht aufzählt. Von demselben Fundorte stammen 
auch drei Stücke der Musealsammlung mit einfarbig grünen Flügeldecken; zwei 
derselben besitzen noch eine ganz schwache Andeutung der bei der typischen 
Form vorkommenden, theilweise rothen Färbung der Flügeldecken, indem bei 
einem ein Fleck in der Mitte der Epipleuren, bei dem zweiten die Spitze des 
Buckels röthlich durchschimmert. 

Auf solche ganz oder nahezu einfarbige Stücke beziehe ich die Dolichotoma 
pubescens Boh., die sonach nur eine Varietät von Bia lanuginosa ist, mit der 
sie ja auch Boheman selbst vergleicht. 

3. Mesomphalia inornata Boh. (Mon., I, p. 257) (9), lucida Boh. 
(Mon., IV, p. 115) (cf) und illepida Boh. (Mon., IV, p. 117) halte ich nur 
für Varietäten der M. ohlita Dej . mit theilweise oder vollständig fehlenden Pelz- 
makeln auf den Flügeldecken. 

Die von Boheman erwähnten seichten, schwarzen Gruben auf den Flügel- 
decken finden sich zuweilen auch bei der Stammform. 

4. Mesomphalia luctuosa iiov. spec. 

Suhovalis, convexa; antennae nigrae articuUs hasalibus aeneis, apice 
rufescentihus; prothorax transversus, suUaevis, opacus, viridi-aeneus, pube brevi 
sparsissime vestitus; elytra subtriangularia, mediocriter gibbosa, antice retusa, 
pube brevi densius obsita, nigra, reticulo viridi-aeneo parum elevato, lato, dense 
inaequaliter punctato, foveolas mediocres includente, margine deflexo, antice 
posticeque non reticulato; subtus nigra, pedibus aeneis. 

Long. 16 5mm; lat. 13 5 mm. Hab.: Brasilia, Espirito Santo. 

Mit keiner der bekannten Mesomphalia -Arten besonders nahe verwandt, 
durch die bronzegrüne, punktirte und behaarte Reticulirung der Flügeldecken 
und den Mangel deutlicher Schulterecken leicht kenntlich. 

Kopf dunkel metallisch, zerstreut punktirt; an den Fühlern die vier 
ersten Glieder metallisch mit röthlichen Enden, glänzend, die folgenden schwarz, 
matt. Der Halsschild mehr als zweimal so breit als lang, vorne gerundet aus- 
geschnitten, schräg erweitert, die Hinterwinkel rechteckig, matt, äusserst fein 
chagrinirt, sehr fein, kaum wahrnehmbar punktirt, mit spärlicher kurzer Be- 
haarung. 

Die Flügeldecken mit vollkommen verrundeten Schultern, an der Basis 
nicht breiter als der Halsschild, von derselben bis zum ersten Drittel der Länge 
schräg gerundet-erweitert, von da zur Spitze gerundet-verengt, an letzterer ge- 
meinsam zugespitzt; sie sind mehr als dreimal so lang und an der breitesten 
Stelle vor der Mitte fast zweimal so breit als der Halsschild. Im ersten Drittel 
befindet sich ein ziemlich hoher, aber nicht spitz zulaufender gemeinsamer, nahezu 
glatter Höcker, welcher nach vorne ziemlich steil, nach rückwärts allmälig abfällt. 

Die Grundfarbe der Flügeldecken ist schwarz; über derselben befindet sich 
eine dunkel bronzegrüne, flache, sehr breite Reticulirung, welche doppelt, nämlich 
fein und grob, ziemlich dicht punktirt ist und zwischen der die Grundfarbe auf 
der Scheibe in seichten, glatten Gruben hervortritt. 



Beschreibung einigei' neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. 



275 



Wenn man das Thier etwas aus der Ferne betrachtet, so fallen von diesen 
Gruben besonders zwei auf jeder Flügeldecke auf, da sie grösser und etwas tiefer 
wie die übrigen sind; die eine steht in der Einsenkung zwischen Scheibe und 
Dach in der Höhe des Buckels, die zweite näher der Naht im letzten Drittel, 

Die ganzen Flügeldecken mit Ausnahme des Buckels sind mit spärlicher, 
heller Behaarung versehen, welche besonders gegen das Dach zu länger und dichter 
wird und vornehmlich auf der metallischen Reticulation steht. 

Das Dach fällt vorne steil ab und ist nicht bis an den Rand reticulirt. 

Unterseite schwarz, glänzend, nur die Beine mit metallischem Schimmer; 
das Prosternura ist vorne gleichmässig abgestutzt, der Prosternalfortsatz tief aus- 
gehöhlt, die Klauen haben einen mässig grossen Basalzahn; die Epipleuren sind 
hinten dicht behaart. 

Von Herrn H. Fruhstorfer erhalten. 

5. Omoplata Fmilistorfevi iiov. spec. 

cf . Subtriangularis, modice convexa, nitida; Caput nigrum vertice piceo, 
antennarum articuUs quatuor hasalihus hrunneis, ceteris nigris; prothorax hre- 
viter triangiclaris, hrunneus, antice dilutior, opacus, suhremote punctulatus ; 
elytra leviter gihbosa, liumeris valde prominulis, in medio vix ampliata, apicem 
versus rotundata, dilute flavo-hyalina, punctis numerosis inprimis in disco 
exteriore et in margine reticulato nigris, sutura calloque Immerali hrunneis, 
macula transversa humerali punctoque prope apicem suturae nigris; suhtus 
nigra, margine segmentium abdominalium, basi apiceque femorum,, tibiis, tarsis- 
que brunneis. Mas. Antennis apice crassioribus. 

Long, et lat. 10 mm. Brasilia, Minas Geraes. 

Etwa von der Gestalt der 0. dichroa, von allen bekannten Omoplata- 
Arten durch die Zeichnung der Oberseite weit abweichend. Kopf unter den 
Fühlern schwarz, ober denselben am Scheitel braun mit einigen tiefen Punkten. 
Palpen braun. Die ersten vier Glieder der Fühler gelbbraun, glänzend glatt, die 
folgenden schwarz, matt, grob längsrissig punktirt, gegen die Spitze stärker weiss- 
grau behaart, beim cf stark verbreitert, plattgedrückt, das letzte Fühlerglied an 
der Spitze braun. 

Halsschild kurz dreieckig, an der Basis 2'5mal so breit als lang, vorne in 
der Mitte leicht ausgerandet, gegen die Hinterwinkel ausgeschweift schräg er- 
weitert, zart erhaben gerandet, hinten beiderseits ausgebuchtet, in der Mitte 
ziemlich spitz gegen das kaum sichtbare Schildchen vorgezogen, mässig gewölbt, 
pechbraun, vorne am Rande zu beiden Seiten des Kopfes und in der Mitte ober 
demselben etwas heller durschscheinend, matt, mit zerstreuten feinen Punkten 
besetzt, in der Mitte mit einer schwach vertieften, vom Schildchen bis zum 
Kopfe reichenden Längslinie. 

Flügeldecken doppelt so breit als der Halsschild und 25 mal so lang; 
breiter als lang; an der Basis schwarz gezähnelt, ausgebuchtet, die Schultern 
ziemlich stark vortretend und die Hinterecken des Halsschildes umfassend; 
hinter der Basis kaum erweitert, gegen die Spitze breit gerundet- verengt; mässig 



276 



Franz Spaeth. 



gewölbt, hinter dem Schildchen mit einem gemeinsamen, schwach erhabenen 
Buckel, glänzend, auf der Scheibe ziemlich grob und dicht, aber nicht tief schwarz 
punktirt, die Punkte bilden einige innen regelmässige, aussen verworrene Punkt- 
reihen; das breit abstehende Dach ist von der Scheibe durch eine hinter dem 
Schulterhöcker beginnende und bis hinter die Mitte reichende stärkere und tiefere 
Punktreihe, innerhalb welcher eine kürzere ebensolche steht, getrennt; dasselbe 
ist hell, durchsichtig, reticulirt, glatt, jedoch mit einer grösseren Anzahl verein- 
zelt stehender, stellenweise gereihter, auffallender, schwarzer, ziemlich tiefer 
Punkte besetzt. 

Die Flügeldecken sind hellgelb, glänzend, durchscheinend; ein hinter dem 
Schildchen beginnender, an der Basis rasch verbreiteter Nahtstreif, welcher sich 
über den Buckel und sodann etwas verengt bis an das Ende der Scheibe nahe 
vor die Spitze erstreckt, sowie die Schulterbeulen sind braun, lackartig glänzend. 

Die Basis der Flügeldecken ausserhalb der Schulterbeulen nimmt ein matter, 
grosser, querer, schwarzer Fleck ein ; ein ebensolcher, aber viel kleinerer befindet 
sich zu beiden Seiten der hellgelben Nahtspitze. 

Unterseite glänzend schwarz, nur die Hüften und Trochanteren der Beine, 
sowie diese selbst, mit Ausnahme der Schenkelmitte, und die äussersten Ränder 
der Abdominalsegmente sind gelbbraun. 

Der Prosternalfortsatz ist stark vertieft; die Klauen haben an der Basis 
den gewöhnlichen grossen, dreieckigen Zahn. 

Ein Exemplar dieser prachtvollen Art mit der Fundortangabe: „Minas 
Geraes, Brasilia" habe ich von Herrn Fruhstorfer erhalten. 

6. Omaspides Natteferi nov. spec. 

Subtriangularis, wodice convexa, supra flava, anguste obscuro-marginata, 
subtus rufo-ferruginea, ore, antennis (basi excepta), tibiis tarsisque nigris; 
prothorax breviter triangularis, apice late emarginatus, lateribus basin versus 
oblique ampliatis, medio leviter sinuatis, fere laevis, nitidus, margine basali 
et angulis posterioribus nigris; elytra humeris non prominulis, obsolete minus 
crebre punctata, margine suturali et basali angulisque humeralibus anguste nigris. 

Long. 9'5, lat. 8 mm. Brasilia. 

Mit keiner der bisher bekannten Omaspides -Krten zu verwechseln, viel 
kleiner als diese; einer kleinen Omoplata nicht unähnlich, von denselben jedoch 
durch nicht vorstehende, von der Basis an schräg verrundete Schultern der 
Flügeldecken, sowie durch die Fühler verschieden, bei welchen das dritte Glied 
nur so lang ist wie das erste allein, während es bei Omoplata die Länge der 
ersten zwei Fühlerglieder zusammengenommen erreicht. 

Kopf fein, ziemlich dicht punktirt, in der Mitte gefurcht, rothbraun, der 
Mund schwarz. Fühler die Basis des Halsschildes etwas überragend, gegen die 
Spitze schwach verbreitert, plattgedrückt, schwarz, matt, behaart, jedoch das 
2.-4. Glied, zuweilen auch die Spitze des ersten lothbraun, glänzend, glatt. 
Halsschild kurz dreieckig, vorne ausgerandet, der schräg gegen die Hinterecken 
erweiterte Vorderrand abgesetzt, beiderseits deutlich ausgebuchtet, die Randlinie 



Beschreibung einiger neuer Oassididen nebst synonymischen Bemerkungen. 277 



aufgebogen, die Hinterecken spitz; vor der Basis läuft nach der ganzen Breite 
derselben eine sehr schwach eingedrückte Linie; der Mittellappen ist gegen das 
Schildchen ziemlich stark vorgezogen; die Oberseite ist gelbröthlich, glänzend, 
nahezu glatt; Schildchen klein, schwarz. 

Die Flügeldecken Tönial so breit als der Halsschild, an der Basis einzeln 
gebuchtet, mit abgerundeten Schultern; hinter der Basis schwach gerundet er- 
weitert, von der Mitte ab gerundet verengt; wenig gewölbt, ziemlich fein ver- 
loschen, wenig dicht punktirt, nur die das Dach von der Scheibe trennende Punkt- 
reihe ist etwas tiefer; schaalgelb, der Naht- und Basalrand schmal schwarz 
gesäumt, letzterer an den Schulterwinkeln etwas, wischartig dreieckig erweitert. 

Auf der Unterseite sind die Seitenränder der Flügeldecken sehr schmal, 
die Naht an der Spitze breiter gebräunt; der Körper ist glänzend und glatt, 
rothbraun, der Mund, die Tarsen, mit Ausnahme der Klauen, und die Schienen 
schwarz. Der Prosternalfortsatz der Länge nach vertieft, die Klauen mit einem 
starken Zahn. 

Die Type befindet sich im Wiener Hofmuseum und wurde von dem be- 
rühmten Brasilienreisenden Joh. Natter er zwischen 1817 und 1835 in Brasilien 
gesammelt; ein zweites Exemplar habe ich von M. Thery mit der gleichen Vater- 
landsangabe erhalten. 

7. Chelymorpha notata Dej, (Boh., II, p. 72) besitzt glatte Klauen 
und ein nicht vertieftes Prosternum, gehört daher in das Genus Cistudinella 
Champ. 

8. Physonota lutarella Boh. nov. var. caucana, 

Supra picea, margine prothoracis elytrorumque confertim reticulato dilu- 
tiore; subtus nigra, flavo-variegata. 

Long. 18— 19 mm, lat. 15 mm. Columhia; ad flumen Cauca. 

Die Stammform ist der Ph. alutacea sehr ähnlich, aber bedeutend grösser 
und durch die citronengelbe Färbung der Scheibe von Flügeldecken und Hals- 
schild (bei alutacea ist sie strohgelb), den regelmässigen Mangel von Flecken auf 
den Flügeldecken, den etwas breiteren Seitenrand, vor Allem aber dadurch speci- 
fisch verschieden, dass die Zwischenräume der Punkte auf den Flügeldecken bei 
ihr glatt, glänzend, bei alutacea aber deutlich chagrinirt und daher matt sind. 

Sehr aulfällig erscheint die var. caucana, bei welcher das engmaschige 
Netzwerk, welches die eigentlich hellgelbe, durchscheinende Oberseite überzieht, 
dunkel kaffeebraun ist; da die Grundfarbe nur dort deutlich wahrnehmbar ist, 
wo nicht der Körper darunter anliegt, also» an den Seitendächern von Halsschild 
und Flügeldecken, so erscheint die ganze übrige Oberseite kaffeebraun. Auf der 
Unterseite überwiegt ebenfalls die dunkle Grundfarbe, nur das Prosternum, die 
Hüften, einige Flecken an den Seiten des Metasternums, sowie je drei am Hinter- 
rande zusammenfliessende Flecke auf jedem Abdominalsegmente, die Basis der 
Schenkel und die Spitze der Schienen sind gelb. 

Die Flügeldecken haben etwas weiter nach aussen vorspringende Schultern 
und sind gegen die Mitte etwas stärker erweitert. Ich glaube, diesen Unter- 
schieden keinen specifischen Werth zuerkennen zu können. 



278 



Franz Spaeth. 



Einige Exemplare in meiner Sammlung und in jener des Dr. V. Plason, 
sämmtliclie nach der Etikettirung von derselben Provenienz (Caucathal). 

9. Cassida externeguttata Fairm. (Ann. de la Soc. Ent. Belg., 1882, 
C. R., p. LVIII) und Cassida Bonnyana Gorh. (Proc. of Zool. Soc. London, 
1892, p. 95) haben gekämmte Klauen und gehören daher zu Äspidomorpha. 

Aspidomorpha Bonnyana, die von Gorh am aus dem Aruwimithal am 
oberen Kongo beschrieben wurde, besitze ich aus Kamerun (Lolodorf, Heyne); 
dieselbe unterscheidet sich von Ä. hepatica ausser durch die von Gorham er- 
wähnten Halsschildmakeln noch durch etwas tiefere und dabei unmerklich dich- 
tere Punktirung der Flügeldecken, welche denselben ein schwach seidenglänzendes 
Aussehen verleiht. C. A. Dohm hat bereits in der Stett. Entom. Zeit., 1880, 
S. 150 auf diese Form als hepatica var. aufmerksam gemacht. Bei Ä. hepatica 
ist die Angabe in Boheman (Monogr., II, p. 342) „elytris antice obsolete gibbosis^ 
zu streichen, da sie unrichtig ist. 

10. In der Deutschen ent. Zeit., 1896, S. 19 zieht Weise Cassida morata 
Boh. als Synonym zu Aspidomorpha confmis Klug; nach meiner Ansicht, mit 
Unrecht; denn selbst, wenn Boheman, wie ihm dies öfters passirte, die ganz ver- 
schiedene Bildung der Klauen übersehen haben sollte, so stimmt doch die übrige 
Beschreibung nicht überein; denn nach der Beschreibung soll bei C. morata der 
Prothorax „crebre distincte punctatus^, die Flügeldecken ^dorso subseriatim 
punctata, interstitio tertio elevato, subcarinato^ sein, ferner soll das Thier eine 
Grösse von nur 4 mm besitzen; alles Merkmale, die auf A. confmis nach den 
zahlreichen mir vorliegenden Stücken nicht zutreffen. 

Nachschrift, lieber mein Ersuchen war Herr Prof. Chr. Aurivillius 
so freundlich, die Typen Boheman 's von Cassida morata im Stockholmer Museum 
zu untersuchen; dieselben haben nach seiner Mittheilung glatte Klauen, eine Grösse 
von 4— 4 25 mm, und die Flügeldecken können nur dicht an der Naht „subseriatim 
punctata^ genannt werden. Cassida morata ist sonach keine Aspidomorpha. 

11. Aspidomorpha Badeni Wag. (Mittheil. Münch, ent. Ver., 1877, 
S, 64) ist von A. punctum F. nicht specifisch verschieden. 

12. Charidotis Herminae iiov. spec. 

Breviter-rotundata, convexa; prothorax antice flavo-hyalinus, reticulatus, 
nitidus, laevis, postice piceus, opacus, sparsim punctatus ; scutellum sat magnum, 
opacum, rugosum; elytra obtuse gibbosa, nitida, punctatostriata, interstitiis 
interioribus apice convexis, castanea, piceo- et flavo-longitudinaliter variegata, 
margine valde explanato, subdeflexo, laevi, maculis duabus pellucidus reticulatis; 
corpus subtus flavum, prosterno nigro. 

Long. 8 mm, lat. 7'5 mm. Hab. : Brasilia, Minas Geraes. 

Kopf gelb; die Fühler, nach aussen allmälig verdickt, erreichen nicht ganz 
die Hinterwinkel des Halsschildes; Glied 3 um die Hälfte kürzer und viel dünner 
als 2, beide zusammen so lang als 4, Glied 5 so lang als 4, die folgenden kür- 
zeren untereinander ziemlich gleich lang; Glied 1—7 hellgelb, die folgenden 
dunkler. 



■ 



Beschreibung einiger neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. 



279 



Der Halsschild ist quer elliptisch, 2 5 mal so breit als lang, vorne weit 
gerundet, nicht ausgeraudet, hinten etwas stärker gerundet, mit Ausnahme des 
sehr breiten und schwach vorgezogenen Mittellappens nicht gebuchtet. Vorder- 
und Hinterrand treffen in einem ziemlich spitzen Winkel zusammen, die Ecken 
selbst sind abgerundet. Eine knapp hinter den Hinterwinkeln beginnende, den 
ganzen Halsschild quer durchziehende, vollkommen gerade Linie trennt in auffälliger 
Weise den HaLsschild in zwei, in Bezug auf Farbe und Sculptur ganz verschiedene 
Theile; der vordere ist hellgelb, durchscheinend mit grossen Netzmaschen, voll- 
kommen glatt, stark glänzend; der rückwärtige ist dunkelbraun mit drei wenig 
bemerkbaren, etwas helleren, queren Flecken nahe der Trennungslinie, ganz matt, 
in der Mitte fein punktirt; in der Richtung von der Schulterbeule zum Kopf steht 
beiderseits bogenförmig eine Gruppe gröberer Punkte, welche umso tiefer werden, 
je näher sie der Trennungslinie stehen; ausserhalb dieser Punktgruppen stehen 
gegen die Hinterecken einige seichte, feine, in die Quere gezogene Punkte. 

Das Schildchen ist ziemlich gross, gleichseitig dreieckig, dunkel pechbraun, 
matt, mit Ausnahme der Seitenränder fein gerunzelt. 

Die Flügeldecken sind an der Basis ziemlich tief ausgeschnitten, aber nicht 
gebuchtet, schliessen mit den Schulterecken eng an den Halsschild an, erweitern 
sich sodann bis in die Mitte und sind hinten breit gerundet verengt; sie sind 
breiter als lang, etwa TS mal so breit und 2 5 mal so lang als der Halsschild; 
hinter dem Schildchen erheben sie sich zu einem schwachen, gemeinsamen Höcker; 
auf dem Rücken jeder Scheibe stehen ein kurzer Nahtstreif neben dem Schild- 
chen, welcher nur bis zur Spitze des Höckers reicht, und zehn bis zum Ende der 
Scheibe fortlaufende, tiefe Punktstreifen ; von denselben sind die ersten drei hinten 
stark vertieft, so dass sowohl die Naht, wie die ersten zwei Zwischenräume hier 
stark convex sind; der zweite und vierte Zwischenraum sind, und zwar ersterer 
im letzten Fünftel, letzterer bald hinter der Mitte verbreitert; der zehnte Punkt- 
streifen ist hinten sehr tief, fast grubig und trennt die Scheibe von dem voll- 
kommen glatten Dache. 

Die Flügeldecken sind hellbraun mit zahlreichen kastanienbraunen, zu- 
meist länglichen Flecken gesprengelt; von letzterer Farbe treten besonders je 
zwei Flecken auf dem vierten Zwischenräume, der eine hinter der Basis, der 
andere weit hinter der Mitte, ferner ein Punkt auf dem Höcker und ein grösserer, 
ebenfalls gemeinsamer, herzförmiger hinter dem letzteren hervor. Das Dach ist 
hellgelb durchscheinend mit je zwei dunkelbraunen Flecken; der eine beginnt, 
mit der Zeichnung der Scheibe zusammenhängend, nahe der Basis und setzt sich, 
die äusserste Schulterecke freilassend, ziemlich gleich breit längs des Randes bis zur 
Mitte fort; der zweite beginnt etwas hinter der letzteren und verbindet sich vor 
dem Ende der Scheibe mit dieser; es bleiben sonach die äusserste Schulterecke, 
eine grosse, in der Mitte mit dem Seitenrande zusammenhängende, nach vorne 
gegen die Schulterbeule einen schwachen Ast entsendende Fenstermakel und die 
Ideite Spitze hell durchscheinend, weitmaschig genetzt. 

Unterseite gelb, das Prosternum schwarz, die Mittelbrust und die Seiten- 
stücke der Hinterbrust bräunlich. 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 36. 



280 Fr. Spaeth, Beschreib, einiger neuer Cassididen nebst synonymischen Bemerkungen. 



Klauen ungezähnt, von den dichten Wiraperkränzen des dritten Tarsen- 
gliedes überragt. 

Ich habe ein Exemplar dieser prächtigen Art, deren complicirte Zeichnung 
sich nur schwer durch Worte wiedergeben lässt, von Herrn Fruhstorfer mit 
der Fundortangabe: „Brasilia, Minas Geraes", ein zweites aus Joinville in Bra- 
silien erhalten. 

13. Metriona {Coptocycla Bob.) physodes Boh., Mon., III, p. 266 
ist von M. catenata Dej. nicht specifisch zu trennen, da sie mit ihr durch Ueber- 
gänge vollständig verbunden wird. 

Bei dieser Varietät fliessen die der höchsten Wölbung der Flügeldecken 
zunächst stehenden sechs erhabenen gelben Makeln in eine durch die Naht ge- 
theilte, zwei gegen einander stehenden Winkelzeichen (><) ähnliche Zeichnung 
zusammen, mit der sich oft noch andere Makeln verbinden. 



Referate. 

Case. On the Osteology and Relationships of Protostega. (Journal of 
Morphology, Vol. XIV, Nr. 1, Juni 1897, p. 21—55, PI. IV— VI.) 

Der Verfasser sucht in dieser Untersuchung einer fossilen Schildkröte die 
Frage zu lösen, ob die grosse tropische, manchmal auch die europäischen Küsten 
besuchende Lederschildkröte (Dermochelys oder Sphargis coriacea) eine selbst- 
ständige Gruppe (Athecae) der Schildkröte oder nur eine besonders specialisirte 
Form der Seeschildkröten (Chelonidae) vorstellt. 

Bis zum Jahre 1870 waren alle Autoren darin einig, dass Sphargis zu den 
Cheloniden gehöre, wozu allerdings die sehr ähnliche Form und Ausbildung der 
Extremitäten, sowie andere, weniger aulfallende Punkte der Uebereinstimmung 
sehr leicht verleiten konnten, obwohl gerade die Aehnlichkeit der zu Flossen um- 
gewandelten Extremitäten, wie wir sie ja auch bei Walen und Pinguinen finden, 
durch Anpassung an dieselbe Lebensweise im Meere erklärt werden kann. Im 
Jahre 1871 trennte nun der verstorbene ausgezeichnete amerikanische Herpeto- 
loge Cope Dermochelys von den übrigen Seeschildkröten als eigene Gruppe, 
während er die übrigen Schildkröten in zwei ihr gleichwerthige Gruppen, Crypto- 
dira und Pleurodira (zu denen Döderlein noch als dritte die Gruppe Triony- 
choidea hinzufügte), zusammenfasste. Seither sind die Ansichten getheilt, und 
während Gervais, Seeley, Döderlein, Boettger, Dollo (weicherden Athecae 
alle übrigen Schildkröten als Thecophora gegenüberstellte), schliesslich Smith- 
Woodward, Bernard, Boulenger, Günther, Lydekker die Ansicht Cope's 
theilten, bezw. theilen, stehen auf der anderen Seite Rütimeyer, Baur, Zittel, 
Dam es, von welchen Zittel die Athecae wieder nicht zu den Cheloniden rechnet, 
sondern als eine besondere Gruppe der Cryptodira betrachtet, so dass wir drei 
Ansichten über die systematische Stellung von Sphargis zu verzeichnen haben. 



Referate. 



281 



Nach Untersuchung zweier Exemplare von Frotostega aus der Kreide von 
Niobrara in Kansas kommt der Verfasser zu dem Ergebniss, dass Frotostega 
zwischen den Cheloniidae und Dermochelys steht und gibt als Beweis dafür 
folgende Zusammenfassung der Resultate: 

1. Die Schädelknochen sind denen der Chelonidae zu vergleichen; die 
Zwischenform ist durch Frotostega repräsentirt. 

2. Die Halswirbel sind in beiden Familien übereinstimmend, der vierte 
biconvex und die Gelenkflächen zwischen dem sechsten und siebenten flach. 

3. Der Bauchpanzer von Dermochelys ist eine reducirte Form des Plastrons 
der ältesten Cheloniden; Zwischenstadien bei Frotostega und Frotosphargis. 

4. Der Rückenpanzer besteht aus Hautverknöcherungen; dieselben er- 
schienen, als der Knochenpanzer infolge Vergrösserung der seitlichen Fontanellen 
verschwunden war; eine Zwischenform mit verloren gegangenem Carapax und 
noch nicht entstandenen gesonderten Hautverknöcherungen ist bei Frotostega 
und Frotosphargis zu finden. (Ob aber der Rückenpanzer nicht vielleicht bei 
den beiden Prof osfe^/a-Exemplaren nicht erhalten geblieben ist? Es erscheint 
unglaublich, dass eine Schildkröteuform den primären Panzer verloren haben 
soll, bevor der secundäre sich gebildet hat, also ganz ohne Rückenpanzer existirt 
haben soll! Nachdem nur wenige Rippen und keine Dorsolumbalwirbel gefunden 
wurden, die der Art doch gewiss nicht gefehlt haben, ist das Fehlen des mit den 
Wirbeln vielleicht gar nicht mehr im Zusammenhange stehenden Rückenpanzers 
wohl auch erklärlich! Der Ref.) 

5. Der Vorgang des Verschwindens des „Peripherals" (Marginalia) ist in 
allen Stadien bekannt. 

6. Die Nuchalplatte von Dermochelys ist mit einem Gelenkfortsatz für 
den letzten Halswirbel versehen, wie bei den Cheloniden; dieser Fortsatz fehlt 
aber bei Frotostega. Die Dermo chely s-Form muss also erst entstanden sein, als 
schon der Fortsatz der Nuchalplatte vorhanden war. (Dieser Fortsatz ist durch- 
aus nicht so complicirter Natur, dass er nicht als zweimal selbstständig entstanden 
gedacht werden kann! Der Ref.) 

Im Allgemeinen scheint dem Referenten aber doch Frotostega eine echte 
Cheloniide zu sein, die allerdings mehrere entschiedene Merkmale von Sphargis 
an sich trägt. — Schliesslich bemerkt der Verfasser noch, dass Archeion ischyrus 
Wieland aus der oberen Kreide von Süd-Dakota auch nichts Anderes als eine 
Frotostega -Art sei. 

Ob sich aus der Untersuchung des Verfassers wirklich die Unhaltbarkeit 
der Gruppe Äthecae ergibt, will Referent dahingestellt sein lassen. Verwandt 
sind schliesslich alle Schildkröten miteinander, es handelt sich ja meist um den 
Abstand, der die gegenwärtig lebenden Formen von einander trennt, und dieser 
ist gross genug, um die Gruppe „Äthecae^ zu rechtfertigen. 

Dr. Fr. Werner. 

Boulenger. The Tailless Batrachians of Europa. (Part I.) London, 1897. 
Printed for the Ray Society. 

36* 



282 



Referate. 



Der nun vorliegende erste Band des neuesten grossen Werkes des berühmten 
Herpetologen des British Museums bietet uns die allgemeine Einleitung in die 
Froschlurchfauna Europas und die erste Hälfte des speciellen Theiles, welcher 
die Disco glossidae und Felöbatidae behandelt. 

Der allgemeine Theil bietet in kurzer, klarer Darstellung eine Fülle höchst 
interessanter Mittheilungen, welche von dem Autor, der ja selbst die wichtigsten 
Beiträge zur Kenntniss der europäischen Proschlurche geliefert hat, mit grösster 
Sorgfalt geprüft und gesichtet wurden, so dass man sicher sein kann, dass in 
diesem Compendium der Proschlurchkunde Europas keine zweifelhaften und 
werthlosen Angaben aufgenommen wurden. Die ganze umfangreiche moderne 
Literatur ist ebenso zum Aufbaue des Werkes herbeigezogen, wie die classischen 
Werke früherer Zeiten, und das Werk wird daher, angenehm und interessant 
geschrieben, trotz strenger Wissenschaftlichkeit ebenso dem Anfänger als Ein- 
führung in die Amphibienkunde, wie dem erfahrenen Forscher als Rathgeber in 
vielen Fällen unentbehrlich sein. Die Capitel der allgemeinen Einleitung be- 
handeln folgende Abschnitte: Eintheilung; äussere Merkmale, Integument, Haut- 
secretion, Skelet, Eingeweide, Lebensweise, Stimme, Paarung und Eiablage, 
Spermatozoen, Eier, Entwicklung und Metamorphose, Kaulquappen, Bastarde, geo- 
graphische Verbreitung. Eine Fülle interessanter Details ist in diesen 120 Seiten 
aufgespeichert. 

Aus dem die Classification betreffenden Capitel erfahren wir unter Anderem, 
dass Europa derzeit 20 Arten von Froschlurchen beherbergt, nämlich 1 JDisco- 
glossus, 2 Bomhinator, 2 Älytes, 1 Pelodytes, 2 Pelobates, 3 Bufo, 1 Hyla und 
8 Bana- Arten. Hervorzuheben ist auch der Abschnitt über die Färbung der 
Froschlurche und ihrer Kaulquappen, über Hautsecretion u. s. w. Was die geo- 
graphische Verbreitung anbelangt, so wäre aus den vom Autor gegebenen Tabellen 
hervorzuheben, dass Bana temporaria von allen Arten am weitesten nach Norden 
(70°), Bufo viridis am weitesten nach Süden (28 °n. Br.) geht, dass Bana tempo- 
raria, in Europa wenigstens, mit 10.000 Fuss die höchste verticale Erhebung er- 
reicht, und dass im Ganzen 5 Arten über 6000, 10 Arten über 4000, 12 Arten über 
3000 Fuss über dem Meeresspiegel erreichen. Eine interessante Zusammenstellung 
ist auch von den Froschlurchen gemacht, welche um die grösseren Städte Europas 
vorkommen, und aus welcher ersichtlich ist, dass um Wien, Paris, Coimbra und 
Bonn die grösste Zahl von Arten vorkommt (nämlich 10), während London und 
St. Petersburg mit drei Arten den letzten Rang einnehmen. 

Der systematische specielle Theil ist mit prachtvollen farbigen Abbildungen 
auf sechs Tafeln geschmückt, von welchen die Bombinatoren-Tafel dem Referenten 
allerdings am wenigsten gelungen erscheint, indem die tiefdunkle Einfassung 
der rothen und gelben Bauchfärbung nicht natürlich sein dürfte. 

Ausser den Tafeln zieren zahlreiche, sehr instructive Abbildungen das 
Werk, welche anatomische Details, die Art und Weise der Paarung, die Form 
der Laichmassen, die Larvenformen und vieles Andere illustriren. Auch Kärtchen 
der geographischen Verbreitung jeder einzelnen beschriebenen Art sind jeder 
Familienübersicht beigegeben. 



Referate. 



283 



Mau darf füglich auf den zweiten Theil des schönen Werkes gespannt 
sein, welcher die Bearbeitung der schwierigen Gruppe der braunen Frösche ent- 
halten wird; hoflFentlich wird derselbe schon im Jahre 1898 erscheinen. Da auch 
der ausgezeichnete Magdeburger Batrachologe W. Wolterstorf f ein ähnliches 
Werk, eine umfangreiche Monographie der paläarktischen Schwanzlurche unter 
der Feder hat, welche in Text und Illustrationen dem Boulenger 'sehen Werke 
nichts nachgeben wird, so werden wir am Ende dieses Jahres zAvei Werke über 
die Amphibien Europas besitzen, welche sogar in der so reichen herpetologischen 
Literatur ihres Gleichen nicht finden. Dr. Fr. Werner. 

Wolterstorff. Die Reptilien und Amphibien der nord westdeutschen 
Berglande. (Jahresber. und Abhandl. des Naturwiss. Ver. in Magdeburg für 
1892; auch in Commission bei W. Niemann, Magdeburg, 1898.) 

In diesei* interessanten Arbeit schildert der bekannte Autor mit besonderer 
Berücksichtigung der physikalischen und orographischen Verhältnisse die Reptilien- 
und Amphibienfauna des Gebietes, welches die Berglande zwischen der unteren 
Saale bis zum Niederrhein, also den Harz, das braunschweigische Hügelland, das 
Kyffhäusergebirge, das Weser- und Leine-Bergland, sowie schliesslich das west- 
fälische Bergland umfasst. 

Mit Hilfe einer Anzahl von tüchtigen Mitarbeitern, wie man sie bei uns 
wohl schwer finden dürfte, da die genauere Kenntniss und Fähigkeit, die wenigen 
Arten, namentlich unserer Amphibienfauna sicher zu unterscheiden, bei wenig 
mehr als einem Dutzend Personen gefunden werden dürfte, hat der Verfasser 
das ganze Gebiet mehr weniger vollständig erforscht. Eine grosse Zahl von 
Fundorten für die in Betracht kommenden Arten ist theils durch die Sammel- 
thätigkeit des Verfassers selbst, theils durch die seiner Mitarbeiter, schliesslich 
durch das Studium von conservirten Exemplaren der Schul- und Musealsamm- 
lungen, sowie aus der Literatur zusammengebracht worden, und man kann nun 
die Verbreitung der einzelnen Arten im Gebiete grösstentheils bereits deutlich 
erkennen. Es ist das Studium dieses Buches allen den so zahlreichen Natur- 
freunden, die es auch bei uns gibt und die wirklich oft in Verlegenheit sind, 
wie sie ihren Eifer für die Wissenschaft kundgeben und nach besten Kräften 
für die Erforschung ihrer engeren Heimat thätig sein können, sehr anzuempfehlen. 
Die wenigen Reptilien- und Amphibienarten, die Mitteleuropa aufweist, und 
deren Anzahl gegen die der Käfer und Schmetterlinge geradezu verschwindend 
klein ist, können mit Hilfe der guten Bestimmungsbücher, welche ja jetzt existiren, 
leicht erkannt und unterschieden werden; es kann dann jeder Freund der Reptilien- 
und Amphibienwelt leicht sein Scherflein zur Erforschung namentlich der geo- 
graphischen Verbreitung nach dem Muster des Verfassers beitragen. Wie viel 
ist sogar noch in Niederösterreich zu thun! Wir wissen fast noch gar nichts 
von der Verbreitung von lüma agilis und arvalis, von Bombinator iffneus und 
pachypus nördlich von der Donau, vom Vorkommen der Vipera ursinii im 
Marchfeld u. s. w. Es wäre sehr verdienstlich, wenn sich auch für Oesterreich 
bald ein solches Werk schreiben Hesse, und auch die kleinste Mittheilung, möge 



284 



Referate. 



sie sich auf die Biologie oder auf das Vorkommen einzelner Arten beziehen, 
welche dem Referenten oder der zoologisch-botanischen Gesellschaft zugeht, wird 
gewiss berücksichtigt werden. Allerdings muss auch der betreffende Lurchfreund 
zuvor, wie schon erwähnt, über die in seiner Heimat möglicher Weise vor- 
kommenden Arten unterrichtet sein; er muss z. B. doch wenigstens die drei 
Arten brauner Frösche und die beiden Bomhinator -Arten Niederösterreichs 
unterscheiden können, wenn er nicht mehr Verwirrung als Nutzen stiften will, 
— Referent will an dieser Stelle mehr auf das Werk als Ganzes, als Vorbild 
für ähnliche Arbeiten, als auf Details hingewiesen haben, doch sind auch die 
einzelnen biologischen und anderen Mittheilungen, die durch die vorangehenden 
Schilderungen des landschaftlichen Charakters der betreffenden Gegenden an 
Anschaulichkeit und Interesse gewinnen, an sich lesenswerth. 

Dr. Fr. Werner. 

Zeriieeke. Leitfaden für Aquarien- und Terrarienfreunde. Verlag 
von Gustav Schmidt (vorm. Robert Oppenheim), Berlin, 1897. 

Bei der grossen Verbreitung, welche nicht nur die Aquarien- und Terrarien- 
liebhaberei in den weitesten Kreisen gewonnen hat, ist ein Werk, welches Belehrung 
über Einrichtung und Instandhaltung von Aquarien und Terrarien auf Grund 
langjähriger Beobachtungen und Erfahrungen erprobter Fachleute mittheilt, 
gewiss mit Freude zu begrüssen. Auch der Zoologe, welcher sich nicht nur mit 
den wohl conservirten Leichen der Thiere allein befasst, sondern auch eines oder 
das andere lebend erhalten will oder nothgedrungen muss, sei es, weil er sie 
nicht gleich aufarbeiten kann, oder aber gewisse Entwicklungsstadien erwartet, 
wird in diesem Werk viele beherzigenswerthe praktische Winke finden. 

Der Inhalt des vorliegenden Werkes ist ein so reicher, dass es nicht 
möglich ist, alle Capitel zu besprechen oder auch nur anzuführen. Es sei hier 
nur erwähnt, dass in dem Capitel „Süsswasseraquarien" Form, Herstellung, Auf- 
stellung, Bodengrund, Bepflanzung, Nachpflanzen und Ergänzung, der Felsen, das 
Wasser des Aquariums, das Einfüllen desselben, die Wechselbeziehungen zwischen 
Pflanzen und Thieren, der Springbrunnen, selbstthätige Ablaufheber, die Durch- 
lüftung des Wassers, Heizapparate; schliesslich die Pflanzen für den Felsen und 
das Aquarium, die Bewohner des Aquariums (Fische, Amphibien und niedere 
Thiere) besprochen sind. 

In ähnlicher gründlicher Weise wird auch das Seewasseraquarium, das 
Terrarium (ungeheizte, feuchte und trockene, geheizte, feuchte, trockene und 
heisse Terrarien, Aqua-Terrarien), ihre Einrichtung, Aufstellung, Bepflanzung, 
Bevölkerung u. s. w. besprochen. Ein allgemeiner Theil behandelt eingehend die 
Instandhaltung des Aquariums, die Fütterung der Aquarium- und Terrarien- 
bewohner, die Krankheiten der Fische, das Ueberwintern der Thiere und die 
Hilfsapparate. 

Sehr dankenswerth ist die energische Weise, in welcher sich der Verfasser 
gegen die noch vielfach beliebten, thierquälerischen Goldfischgläser und die 
sogenannten, ebenso verwerflichen „Wand -Aquarien" wendet. 



Referate. 



285 



Die Abbildungen sind meist gut, thoilwoise vortrefflich, nur manche (wie 
auf S. 285, Fig. 102, wo wohl kein Mensch in dem dargestellten Thier eine 
Zauneidechse vermuthen wird, da wohl eine grüne Muralis (Neapolitana) das 
Modell gewesen sein mag, oder der schuppige Mauergecko auf S. 288, Fig. 103) 
sind mangelhaft. 

Ansonsten wären dem Referenten noch einige Unrichtigkeiten aufgefallen, 
die sich bei der sicher bald zu erwartenden zweiten Auflage gewiss leicht aus- 
merzen lassen und welche den Werth des Buches kaum vermindern werden. 
Was die Angabe anbelangt (S. 266), dass Moor- und Springfrosch mehr durch 
anatomische als durch äusserliche Merkmale vom Grasfrosch sich unterscheidet, 
so ist dies wohl nicht richtig, denn die spitze Schnauze, der weisse Bauch 
charakterisiren den Moorfrosch ebenso, wie die spitze Schnauze, der weisse Bauch, 
die ungefleckten Seiten und langen Hinterbeine den Springfrosch. Warum gerade 
die sehr seltenen Arten Gymnodactylus geccoides und mauritanicus als Ver- 
treter der Gattung Gymnodactylus gewählt wurden (S. 289), ist dem Referenten 
unerfindlich, da beide Arten wohl noch nie lebend in Europa waren und auch gar 
keine Aussicht dazu ist, dass sie je importirt werden. Der Verfasser meint wohl 
den G. Kotschyi, der aber auch nicht eben häufig bei uns zu sehen ist, jeden- 
falls weit seltener als der nicht erwähnte Ringgecko (Tarentola annularis) und 
Fächerzehengecko (Ptyodactylus lohatus). Die Dünnfinger ( Steno dactylus) haben 
durchaus keine langen und dünnen, wie der Name wohl vermuthen lässt, sondern 
einfach nicht erweiterte Finger, und weichen ganz erheblich in ihrer Lebensweise 
von den anderen Geckoniden ab. Der Scheltopusik kommt in Nordafrika nicht 
vor, und was ein ganz gehöriger Lapsus ist, Abastor erythrogrammus ist keine 
Schleiche, sondern eine echte Natter, eine Wasserschlange wie Helicops, und 
daher durchaus nicht wie die Blindschleiche zu behandeln (S. 294). 

Die Aesculapnatter (S. 298) kommt in Spanien nicht vor und die Vier- 
streifennatter ist nicht schlanker und dünner, sondern gerade viel dicker und 
plumper als diese, was jeder Mensch, der beide Schlangen auch nur auf der 
nebenstehenden Abbildung verglichen hat, ohneweiters zugeben wird. Dass 
die Leopardennatter Eidechsen und kleine Schlangen jeder anderen Nahrung 
vorzieht (S. 300), ist direct falsch, denn ich habe über 100 besessen und keine 
einzige zur Annahme einer anderen Nahrung als Mäuse gebracht, auch im 
Magen frisch gefangener stets nur Mäuse gefunden. Auch die Sandschlange 
(S. 301) zieht Mäuse jedem anderen Futter vor. Dass Helicops (S. 302) Frösche 
durch Umschlingungen tödtet, ist sehr unglaublich, dass die Brückenechse (S. 291) 
unbeholfen und langsam ist, ist unrichtig, und dass der Mauergecko nicht lange 
hungern darf und Schnecken frisst (S. 298), ebenfalls. Auch die Darstellung der 
Mundfäule (S. 337) ist nicht gelungen, wie überhaupt die Reptilienkrankheiten zu 
wenig beachtet wurden. 

Trotz dieser kleinen Mängel wird das Buch gewiss viele Freunde finden, 
da es alle Bedürfnisse des Aquarien- und Terrarienfreundes nach Belehrung über 
diesen Gegenstand vollinhaltlich befriedigt. 

Dr. Fr. Werner, 



286 



Referate. 



Bordas, L'Appareil digestif des Orthopteres, (Ann. Sciences Nat., Zool. 
et Paleont. Tome V, Nr. 1, 2, 3, p. 1—208, PI. I— XII. Paris, 1897.) 

Der Verfasser hat den Darmcanal der Orthopteren in morphologischer, 
histologischer und physiologischer Beziehung eingehend untersucht und auch die 
systematische Bedeutung dieses Organs erörtert. Er scheidet die Orthopteren in 
zwei Hauptgruppen (Acolotasia: ohne Anhänge des Darmcanals, und Colotasia: 
mit mehr weniger zahlreichen Darmdivertikeln). Zu ersterer rechnet er die 
Forficuliden (die aber eigentlich keine Orthopteren sind) und die Phasmiden ; zu 
letzterer alle übrigen Orthopteren. Die Acolotasia haben einen deutlich in sechs 
Abschnitte zerfallenden Darm, ohne irgend welche Spur von Divertikeln am 
Vorderende des Mitteldarmes; Speicheldrüsen ziemlich entwickelt; Malpighi'sche 
Gefässe mehr oder weniger zahlreich und bei den Phasmiden an der Spitze kleiner, 
kegelförmiger Tuberkel entspringend. Kaumagen rudimentär. 

Die Phasmiden haben einen nahezu geraden Darm und atrophirten Kau- 
magen. Der erste Theil des Mitteldarmes ist mit einer dicken Muskelschichte 
bekleidet, deren Bündel transversal angeordnet sind, während der zweite Theil 
zahlreiche kegelförmige, fadenförmig endigende Drüsen besitzt. Malpighi'sche 
Gefässe zahlreich. 

Die Forficuliden besitzen einen am Endabschnitt leicht geschlängelten 
Darm, einen kugeligen Kaumagen und 6—8 in zwei Bündeln angeordnete Mal- 
pighi'sche Gefässe. 

Die Colotasia sind Orthopteren mit langem und gewundenem Darm, der 
gewöhnlich die Länge des Insects Vj^mnl übertrifft, und bei denen das Vorder- 
ende des Mitteldarmes mit einer mehr weniger grossen Zahl von tubulösen, an 
ihrem freien Ende geschlossenen Anhängen versehen ist; acht solcher Anhänge 
haben die Mantiden und Blattiden, sechs die Acridier und blos zwei die Locu- 
stiden und Grylliden (die nahe Verwandtschaft der Mantiden und Blattiden einer-, 
der Locustiden und Grylliden andererseits drückt sich auch hierin deutlich aus!). 

Die Blattiden haben einen langen, gewundenen Darm, einen mit mächtigem 
Kauapparat versehenen Kaumagen und acht in sechs Bündel vereinigte Malpighi- 
sche Gefässe. 

Die Mantiden besitzen umfangreiche traubige, in mehrere Trauben ange- 
ordnete Speicheldrüsen, rudimentären Kaumagen und acht Darmanhänge. 

Die Acridier besitzen einen geraden, nicht gewundenen Darm, rudimentäre 
Speicheldrüsen, keinen oder atrophirten Kaumagen, längsgefalteten Mitteldarm, 
wenig zahlreiche, in Bündeln vereinigte Malpighi'sche Gefässe und sechs kegel- 
förmige, mit einer gleichen Zahl hinterer, gewöhnlich sehr kurzer Divertikel 
versehene Darmanhänge. 

Die Locustiden sind durch einen langen und gewundenen Darm ausge- 
zeichnet; ihr Jabot ist sehr entwickelt. Kaumagen umfangreich und mit einer 
mächtigen inneren chitinigen Bewaffnung von starken, in sechs Reihen ange- 
ordneten Zähnen versehen. Zwei grosse Darmanhänge, welche die Seitenwand 
des Kaumagens umfassen. Malpighi'sche Gefässe lang, fadenförmig, zahlreich, an 
der Spitze kleiner, cylindrisch-konischer Tuberkel entspringend. 



Keferate. 



287 



Die Grvllideu endlich gleichen den Locustiden durch den langen, gewun- 
denen Darm, den breiten und umfangreichen, mit mächtiger ChitinbewaflFnung 
ausgekleideten Kaumagen. Die Malpighi'schen Gefässe, in einem grossen Büschel 
angeordnet, münden in das erweiterte Ende eines Ausführungscanais, der als 
Urether fungirt. Nur zwei Darmanhänge. 

Wegen Eiuzelnheiten der interessanten und umfangreichen, mit zahl- 
reichen Abbildungen erläuterten Arbeit muss natürlich auf diese selbst verwiesen 
werden. Auffallend war es dem Referenten nur, dass von dessen eigenen Unter- 
suchungen über den Darmcanal der Orthopteren (Biolog. Centralblatt, Bd. XIV, 
Nr. 3, 4, 5, 1. März 1894, S. 116—119) gar keine Notiz genommen wurde, obwohl 
sich hier bereits manche Angaben über Länge, Form und Anhänge des Darmes etc. 
linden. Dr. Fr. Werner. 

Schöiiicheii, Walter, üeber Mimicry und Nachahmung von Wirbei- 
th ieren durch Insecten. („Natur", Jahrg. 47, Nr. 7, S. 79, 13. Februar 1898.) 
In vorstehender Mittheilung macht Verfasser den höchst verunglückten 
Versuch, die auffallenden Zeichnungen der Raupen von Ghaerocampa Elpenor, 
Dicramtira vinula und einer „Mentis^ -Art aus Indien als Mimicry nach Schlangen 
zu deuten. Er meint, dass die vier Flecken oder mondförmigen Zeichnungen am 
Vorderende der i/7j;e?io?'-Raupe derselben das Aussehen einer kleinen „Cobra" 
oder „Mondschlange" verleihen und dadurch Vögel vom Verzehren abschrecken. 
Es wäre sehr interessant, zu erfahren, wo unsere Vögel eine Cobra oder Mond- 
schlange kennen lernen könnten, ferner worin eigentlich die Aehnlichkeit der 
Zeichnung der Cobra und der Mondschlange (Scytale coronatum) mit der dieser 
Raupe besteht! Es scheint dieser Vergleich gerade nur so auf gut Glück gemacht 
zu sein und der Verfasser niemals eine Cobra oder Mondschlange auch nur ab- 
gebildet gesehen zu haben. Auch sind unsere Vögel doch nicht so „unerfahren", 
um eine Raupe mit irgend einer Schlange zu verwechseln, und wenn sie vor der 
sonderbaren Zeichnung der ii'Zpenor-Raupe erschrecken, so thun sie es nicht des- 
halb, weil sie letztere für eine Schlange halten, sondern weil sie ihnen überhaupt 
ungewöhnlich und unheimlich vorkommt. Ebenso gut könnte man auch behaupten, 
dass die Kinder den „Krampus" für eine Schlange halten. Dasselbe gilt auch 
für Harpyia vinula. Die von Holt in Indien beobachtete „Mentis^, welche „bis 
auf die grüne Farbe und die geringe Grösse" einer Cobra gleichen soll (merk- 
würdig, dass alle Mimicry-Insecten des Herrn Schönichen einer Cobra gleichen), 
scheint nach der Beschreibung von unserer Mantis religiosa kaum mehr als 
specifisch verschieden zu sein, welche ja auch die gleiche Färbung und die Augen- 
fiecken auf den Vorderbeinen besitzt. Bis jetzt ist es aber noch keinem Menschen 
eingefallen, die Mantis einer Schlange zu vergleichen, und kein Thier wird so 
„unerfahren" sein, sich vor einer Mantis zu fürchten, wenn es nicht gerade als 
Beute derselben dazu Grund hat; Eidechsen, mancherlei Vögel und Säuger hat 
Referent schon Mantis verzehren gesehen, und wenn etwas abschreckend wirken 
kann, so ist es nicht die Aehnlichkeit mit einer Schlange, sondern die kräftigen 
und empfindlich stechenden Raubbeine des Thieres. Man ersieht hieraus, welche 

Z. B. Ges. Bd. XLVIll. 37 



288 



Referate. 



seltsame Blasen der unverdaute Darwinismus treiben kann, namentlich was die 
Capitel „Mimicry" und „Anpassung" anbelangt. Siehe darüber auch das nächste 
Referat. Dr. Fr. Werner. 

Sokolowsky, Alexander. Eine prähistorische Pferdezeichnung. (Natur- 
wissenschaftliche Wochenschrift, XIII, Nr. 4, S. 42.) 

Der durch seine phantasiereichen Studien über die Säugethierzeiehnung im 
Sinne Eimer 's bekannte Autor knüpft an die Auffindung einer prähistorischen 
Pferdezeichuung die Bemerkung, dass damit neuerdings bestätigt sei, dass die 
Ahnen der Pferde quergestreift gewesen seien. Obwohl die Querstreifung als Ur- 
zeichnung der Equiden dem Referenten ganz zweifellos festzustehen scheint, so 
dürfte doch der erwähnten prähistorischen Zeichnung eine Bedeutung als neues 
Beweismittel kaum zukommen. Die angeblichen Querstreifen sehen ihrer relativ 
grossen Zahl und ihrer Anordnung nach durchaus nicht so aus, als wäre die 
Zeichnung hier wiedergegeben, — sie sind ganz einfach nur zur Ausfüllung des 
leeren Raumes angebracht, wie dies bei derartigen Zeichnungen durch Streifen 
oder Punkte nicht eben selten geschieht. Auch hätte der prähistorische Zeichner 
gewiss auch Kopf und Beine seines Zebrapferdes gestreift, wenn ihm ein solches 
vorgeschwebt hätte, anstatt sie zu punktiren. 

Geradezu komisch ist aber die Erklärung, welche der Verfasser der Notiz 
von der Bedeutung der Zebrazeichnung gibt. Er meint, bei Tage schade die 
Zebrazeichnung den in Heerden lebenden, scheuen Thieren nicht, bei Nacht aber 
vermengen sich die schwarzen Abzeichen mit dem Grundcolorit des Felles zu 
einem indifferenten Farbenton; d. h. mit einem Wort, die Thiere sehen bei Nacht 
einfarbig grau aus. Wo bleibt da der „Nutzen" der Längsstreifung, wenn sie 
bei Tage durch die Vorsicht und gesellige Lebensweise paralysirt werden muss 
und bei Nacht denselben Eindruck hervorbringt, wie directe Einfärbigkeit? Die 
Equiden waren wahrscheinlich von jeher Bewohner weiter Grasebenen, lebten also 
stets in der „nothwendigen" Monocotylenflora, der sie angepasst sein sollen! 
Warum aber eine Anpassung, die im besten Falle nicht schädlich ist! Hier ist 
wieder einmal sehr viel Dichtung und wenig — wenn überhaupt — Wahrheit, 
und der Verfasser wird gut daran thun, seine Theorien, die ja auf den ersten 
Blick etwas Verlockendes haben, aber der unbefangenen Kritik nicht Stand halten 
können, etwas durchzudenken, bevor er sie der Oeffentlichkeit übergibt. 

Dr. Fr. Werner. 



Section für Botanik. 



In der Versammlung am 15. April 1898 sah sich der Obmann 
der Section, Herr Prof. Dr. G. Beck v. Manuagetta, wegen Ueber- 
bürdung mit Berufsgeschäften veranlasst, seine Stelle niederzulegen. 
Da gleichzeitig auch der Schriftführer, Herr Dr. L. Lins bau er, 
wegen seiner Uebersiedlung nach Pola auf seine Function verzichten 
musste, so wird in der nächsten Versammlung der Section für Botanik 
zunächst die Neuwahl zweier Functionäre vorzunehmen sein. 



XIV. Bericht der Section für Kryptogamenkimde. 



Versammlung am 22. April 1898. 
Vorsitzeuder: Herr Dr. J. Lütkemüller. 

Herr Dr. Alexander Zahlbruckner sprach „lieber zwei 
neue Flechtengattungen". 

Die eine dieser Gattungen, Jenmania, hat Wächter im 84. Bande der 
„Regensburger Flora" beschrieben und daselbst den anatomischen Bau des Lagers 
und der Apothecien ausführlich erörtert, die Frage über die systematische Stel- 
lung der Flechte jedoch ofien gelassen. Die Güte des Herrn Prof. Dr. E. E, Goebel 
in München errnöglichte es dem Vortragenden, die neue Gattung an authentischem 
Material studiren zu können. An gefärbten Schnitten, welche die Meisterhand 
des Herrn F. Pfeiffer v. Wellheim hergestellt hat, konnten die Befunde 
Wächter 's über den inneren Bau im Allgemeinen bestätigt werden. Was nun 
die Stellung der neuen Gattung im Systeme anbelangt, so weisen die Gonidien, 
der im Wesen homöomere Bau des Lagers, die scheinbar geschlossenen, aber 
dennoch discocarpen Apothecien mit anfangs enger, später breiter werdenden 
Scheibe auf die Zugehörigkeit zur Gruppe der Gloeolichenen hin. Acceptirt 
man als Grundlage des Systems der Gloeolichenen den (so weit es die Gruppirung 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 38 



290 



Versammlung der Section für Kryptogamenkunde am 22. April 1898. 



nach Gonidieii anbelangt, nicht ganz einwandfreien) Entwurf Forssell's, so 
gehört Jenmania in die Familie der Omphalariei und stellt daselbst die thallo- 
disch höchst entwickelte Type dar. Durch den äusseren Bau des Lagers, durch 
die scheinbare Heteromerie weicht sie wesentlich von den bisher als höchst ent- 
wickelten Eepräsentanten der Omphalariei, von den Gattungen Omphalaria und 
Änema, ab. Von diesen blattartigen, mit einem Nabel an die Unterlage ange- 
hefteten Flechten bis zur Gattung Jenmania klafft noch eine weite Kluft, die 
nur durch Verbindungsglieder, deren Auffinden vielleicht der Zukunft vorbehalten 
ist, überbrückt werden könnte. Oder es müsste Jenmania ein speciell an die 
Lebensweise im Wasser angepasster Organismus sein und sich dadurch als ein von 
den übrigen Omphalariei abgezweigtes, höher entwickeltes Glied dieser Gruppe 
präsentiren. Für diese Anschauung spräche die äussere Form des Lagers, welche 
an gewisse Melau ophyceen erinnert (so z. B. Ecklonia buccinaMs in Kleinem), 
ferner die scheinbare Schichtung des Lagers und die starke Verquellung der 
Hyphen. 

Dann besprach der Vortragende die von ihm aufgestellte Gattung Stromato- 
pogon (vgl. Annalen des k. k. naturhist. Hofmus. in Wien, Bd. XII) und erörterte 
nach der Schilderung ihres äusseren und inneren Baues die Schwierigkeiten, 
welche die Deutung dieses Organismus bietet. 

Herr Dr. Fridolin Krasser referirte unter Vorlage der wich- 
tigsten Arbeiten über die neuere Pteridophyten-Literatur. 

Nach einer Charakterisirung der verschiedenen Richtungen, in welchen sich 
die Literatur über die Pteridophyten bewegte, und Citirung der wichtigeren 
Arbeiten besprach Vortragender speciell die einschlägigen Arbeiten von Bruch- 
mann, Goebel, Potonie, Christ und Mönkemeyer. 

Das bedeutendste pteridologische Werk des Vorjahres ist Christ 's „Die 
Farnkräuter der Erde" (Jena, 1897). Während die bisherige, von Hooker in- 
augurirte Systematik der Farne das Hauptgewicht auf das Vorkommen und die 
Gestaltung des Indusiums legt, daher indusiumfreie und Indusium besitzende 
Formen stets trennt, knüpft Christ wieder an die Forschungen von Mettenius 
an, indem er dem Indusium entscheidenden systematischen Werth abspricht und 
bei Unterscheidung der Gattungen nur gelten lässt: den Gesammtaufbau der 
Pflanze, die Art der Nervatur und die Anhaftungsweise des Sorus. Den Gegen- 
satz zur Ho Oker 'sehen Auffassung illustrirt wohl am besten die Gattung Nephro- 
lepis in der Christ'schen Umgrenzung, welche nach dem gesammten, höchst 
charakteristischen Aufbau ganz natürlich erscheint, wenn man von den Merk- 
malen des Indusiums absieht. Auch die geographische Verbreitung findet die 
gebührende Berücksichtigung. 

Unter den anatomischen und entwicklungsgeschichtlichen Arbeiten sind 
H. Bruch mann 's „Untersuchungen über Selaginella spinulosa A. Br." (Gotha, 
1897) am wichtigsten. Die Abhandlung ist reich an Detailarbeit. Der Bau des 
Stengels und der Wurzel, Anlage, Wachsthum und Verzweigung des Stengels, 



Versammlung ilor Section für Kryptogamenkunde am 22. April 1898. 



291 



der Wurzeln uud Blätter, das Vorkommen einer Mycorrhiza, die Entwicklung des 
Prothalliums und der Keimlinge sind genau untersucht. 

Die orgauographischen Verhältnisse der Pteridophyten finden in dem jüngst 
erschienenen Buche von Goebel: „Organographie der Pflanzen", I. Theil: Allge- 
meine Organographie (Jena, 1898), vielfach Berücksichtigung. Auch der Pterido- 
phytolog wird, selbst wenn er nicht Experimentator ist, mit Nutzen Goebel 's 
Allgemeine Organographie studiren. 

Beachtenswerth und originell sind die Anschauungen, welche Potonie 
über den Stamm der Gefässkryptogamen in seiner Schrift „Die Metamorphose 
der Pflanzen im Lichte paläontologischer Thatsachen" (Berlin, 1898) entwickelt. 
Speciell zur Bestimmung des Begriffes Pericaulom zieht der genannte Autor 
die Farne heran. 

Ueber die Cultur von Gefässkryptogamen finden sich treffliche, auf Er- 
fahrung gegründete Anweisungen in Mönkemeyer's „Wasserpflanzen" (1897). 



Section für Lepidopterologie. 



Versammluiig am 6. Mai 1898. 

Vorsitzender: Herr Dr. H. Bebel. 

Herr Hauptmann H. Hirschke macht Mittheiluug über eine 
erfolgreiche Frühjahrs-Excursion in das böhmisch-mährische Gesenke, 
bei welcher es ihm gelang, LopJiopteryx Sieversi Men. mehrfach zu 
erbeuten, von welcher Art ein frisches Pärchen vorgezeigt wird. 

Derselbe demonstrirt ferner ein auf den Vorderflügeln ganz 
verdunkeltes Stück von Äcronyda Alni L. aus Wiesbaden, welches 
der Aberration Steinerti Caspari angehört. 

Schliesslich fährt Herr Dr. H. Rebel in seinen systematischen 
Mittheilungen zur „Einführung in ein wissenschaftliches Studium 
der Lepidopteren" fort und bespricht die Familien der Ceratocampiden, 
Saturniiden, Brahmaeiden, Eupterotiden und Lasiocampiden unter 
Vorweisung von Familienrepräsentanten. 



38* 



292 



Carl Verhoeff. 



Ueber Diplopoden aus Kleinasien. 

Von 

Dl. phil. Carl Verhoeff 

in Bonn a. Rh. 

(Mit Tafel IV und V.) 

(Eingelaufen am 25. März 1898.) 

Die Diplopoden Kleinasiens sind bisher sehr wenig bekannt geworden. In 
den „Zoologischen Ergebnissen einer von Dr. C. Escherieh unternommenen 
Reise nach Kleinasien", I. Theil: Myriopoden (Berliner Archiv für Naturgeschichte, 
1896, Bd. I, Heft 1), habe ich aus dem Gebiete, welches Constantinopel gegen- 
über liegt, folgende Formen beschrieben: 

1. Strongylosoma pallipes, Escherichii Verh. 

2. Polydesmus Escherichii Verh. 

3. Lysiopetalum (Broelemannia) hyzantinum Verh. 

4. Pachyiulus flavipes C. K. 

5. Brachyiulus sp. (ob austriacus, ist sehr zweifelhaft). 

Neuerdings habe ich noch zwei kleine Myriopoden- Sammlungen aus Klein- 
asien erworben, die eine von Dr. C. Escherich (Carlsruhe), die andere von 
Herrn Martin Holtz (Berlin), beide von diesen Herren selbst gesammelt. Ich 
will, zumal es mir unmöglich ist, hinsichtlich des Vorkommens mehr als eine 
allgemeine Ortsangabe zu liefern, mit einem Verzeichniss der von den beiden 
Herren aufgefundenen Formen beginnen, wobei ich dieselben nach den Fund- 
gebieten aufführe. 

Von Brussa, Biledjik (Escherich): 

1. Polydesmus Escherichii Verh. 

2. lulus trilineatus C. K. var. niger Verh. 

3. Pachyiulus flavipes C. K. 

4. „ (Typhlopachyiulus m.) turcicus mihi. 

5. Lysiopetalum (Broelemannia) hymntinum Verh. 

Von der anatolischen Steppe (Pernata, Inevi) (Escherich): 

6. Paectophyllum Escherichii nov. gen. nov. spec. 

7. lulus {Symphyoiulus m.) postsqiiamatus mihi. 

8. Brachyiulus ( Chromatoiulus) serratus mihi. 

9. „ „ Asiae-minoris mihi. 

10. Strongylosoma Asiae-minoris mihi. 

Von Cilicien (M. Holtz): 

11. Strongylosoma ciliciense mihi. 

12. „ turcicum mihi. 



Ueber Diplopoden aus Kloiuasien. 



293 



13. Stronfiyloftoma Iloltzii mihi. 

14. Brachyiulus (Chromatoiulus) curvifolii mihi. 

15. „ „ turcieiis mihi. 

16. „ spec. (anscheinend Microhracliyiulus). 

17. Fachyixdus (Megaiulus) ocnologus, Asiae-minoris mihi. 

18. „ „ flavipes F. 

10. Lysiopetalum (Broelemannia) turcicum mihi. 

20. „ „ hyzantinum, ciUciense mihi. 

21. „ „ „ Asiae-minoris mihi. 

Rechnet man hierzu noch Strongylosoma pallipes, Escherichii, so sind im 
Ganzen 22 Arten und Rassen bekannt. Es braucht wohl nicht besonders hervor- 
gehoben zu werden, dass dies nur ein kleiner Theil der wirklichen Fauna sein 
wird, und darum sind Vergleiche noch misslicher Natur. Indessen geht doch 
schon deutlich hervor, dass die drei Gebiete Pera-Brussa, Cilicien, Anatolien von 
sehr verschiedenem Faunengepräge sind. 

Nur zwei Arten von den 20 kommen auch in Europa vor, nämlich lulus 
trilineatus und Pachyiuhts flavipes. Diese sind Charakterthiere der meisten 
Küstengebiete der östlichen Mittelmeerländer. 

a) Ton Brussa und Anatolien. 

1. lulus trilineatus C. K. var. niger Verh. 

Es lag ein aus Brussa vor, das in allen Merkmalen, einschliesslich der 
Copulatiousorgane, ganz mit den Thieren der Balkanhalbinsel (Hercegovina, Dal- 
matien) übereinstimmt. 

2. Paehyiulus subgen. Typhlopachyiulus mihi. 

Körper klein und weisslich. Ocellen fehlen vollständig. Borstentragende 
Scheitelgruben fehlen ebenfalls. Backen des cT vorragend. Rumpfsegmente 
oberhalb der Foramina völlig glatt und furchenlos, unterhalb an den Hinter- 
ringen längsgestreift. Foramina deutlich hinter der Naht gelegen. Dorsaler 
Processus analis sehr kurz. 

Erstes Beinpaar des cf Ende häkchenförmig, zweites ohne Tarsal- 
polster. 

Copulatiousorgane (Taf. IV, Fig. 10 und 11) im Wesentlichen wie bei 
anderen Paehyiulus- Art en. 

P. turcicus mihi, 

13 mm lang und über 1 7nm breit. Körper grauweiss, glänzend, Anal- 
klappen beborstet, sonst borstenlos, 

Hinterringe für sich deutlich etwas gewölbt. Die unter den Foramina 
befindlichen Streifen stehen weitschichtig. 

Weit oben stehen an der Naht hinten feine, schwer erkennbare Kerb- 
striche. Die Foramina befinden sich weit hinter der Naht. Dorsaler Processus 
analis kurz und stumpf, wenig vorragend. 



294 



Carl Verhoeff. 



Vorderblätter der Copulationsorgane (Taf. IV, Fig. 10) etwa viermal 
länger als breit, mit der Endhälfte ein wenig nach innen gekrümmt, am Ende 
abgerundet. An der Hinterfläche befindet sich grundwärts ein länglicher, mehr 
innen stehender, aufragender Höcker (h), der an der abgestutzten Spitze mit 
einigen (drei) Tastborsten besetzt ist. Ihm gegenüber, mehr endwärts, springen 
noch zwei zahnartige Höcker (fc) vor. 

Hinterblätter (Fig. 11) länglich, gegen das Ende allmälig verschmälert, 
an diesem selbst mit zwei kleinen Spitzchen, neben welchen mit einem Grübchen 
(sa) die nicht sehr deutliche Kinne endet. Weiter grundwärts ragt ein langer 
und spitzer Stachel (z) empor. 

Hüften des zweiten Beinpaares des einfach, Endklauen sehr kräftig 
und länglich, drittes Tarsale innen mit zwei dicken Tastborsten. (Ich habe nur 
1 erhalten.) 

3. Paectophyllum nov. gen. 

Körper kräftig, Ocellen sehr deutlich. Borstentragende Scheitelgruben 
fehlen. Backen des deutlich, aber nicht stark vorragend. 

Mentum ungetheilt und ohne Mittelnaht, die Cardines mandibulares nicht 
berührend, indem die Stipites gnathochilarii und das Hypostoraa ziemlich breit 
sich berühren. Vorderringe nadelrissig gestreift, Hinterringe gefurcht. Foramina 
repugnatoria in der Naht gelegen. 

Dorsaler Processus analis vorragend, gedrungen, stumpf. 

Erstes Beinpaar des cT mit Häkchen endend, welche gedrungenen Kopf, 
nach hinten gewendete Haken und nach aussen gerichtete Neben-Spitzen 
besitzen. Zweites Beinpaar des cT nur am zweiten Tarsale mit vorragendem 
Polster. Penes zusammen T-förmig, mit abgestutzten Mündungen. 

Vorderblätter der Copulationsorgane mit he Im artig nach hinten über- 
gekrümmter Endhälfte (Taf. IV, Fig. 2). Vordere Ventralplatte (Fig. 1) gut 
erhalten. Flageila vorhanden. 

Sehr merkwürdig gebildet sind die übrigen Theile: 

Die hinteren Tracheentaschen sind mit den hinteren Blättern nicht 
verschmolzen, wie das sonst die Regel ist, sondern sitzen mit ihrem ziemlich 
hoch aufragenden, abgerundeten Ende in einer Gelenkgrube (B, 
Fig. 3) der Mittelblätter. 

Mittelblätter von klobiger Gestalt, von den Hinterblättern (H, Fig. 3) 
zwar scharf abgesetzt, aber doch auf ziemlich breiter Brücke (x, z) damit zu- 
sammenhängend. 

Die Hinter blatte r sind im Verhältniss zu den Mittelblättern klein, 
haben grundwärts ein Hüftstück («), enthalten eine deutliche Spermarinne, sind 
der Medianebene fast parallel und stehen nach hinten beinahe horizontal ab. 

Paectophyllum EscJieriehii mihi. 

An Grösse und allgemeiner Gestalt dem Schizophyllum mediterraneum 
Latz, recht ähnlich, aber doch etwas kleiner, übrigens von auffallend anderer 
Färbung: 



Ueber Diplopoden ans Kleinasien. 



295 



Schön ockergelb mit dimkleren abwechseludeii Zwischenringen, auch neben 
den Foramina erscheinen schwarze Fleckchen. Beine schwarzbraun. Körper 
wenig glänzend. 

Labrum mit vier tiefen Grübchen. 

Vor dem Seiten rande des Collum steht eine tiefe Längsfurche, ausser- 
dem jederseits am Hinterraude 2—3 abgekürzte Striche. 

Vorder ringe fein und etwas un regelmässig nadelrissig längsgestreift, 
dazwischen mit sehr feinen, strichartigen Nadelrissen und Punkten. 

Hinter ringe dicht und massig stark längsgestreift. 

Foramina in der Naht gelegen, und zwar ist dieselbe an diesen Stellen, 
namentlich an den mittleren Segmenten, ein wenig nach hinten eingebuchtet. 

Ränder der Analklappen dicht behaart, sonst fehlt jegliche Beborstung 
der Segmente. 

Dorsaler Processus analis von eigenthümlicher Bildung, in der Mitte ein 
wenig kielartig erhoben, die Ränder des Kieles fast furchenartig begrenzt. Der 
Processus ragt ziemlich weit vor, bildet am Ende keine Spitze, sondern ist breit 
abgei-uudet, die Mitte der Abrundung springt etwas stärker vor. 

Ventrale Analplatte mit kleinem Spitzchen vorspringend. Erstes Beinpaar 
des mit nach aussen gerichtetem Uncus, der an der Aussenecke seiner Krüm- 
mungsstelle einen dreieckigen, nach aussen vorragenden Fortsatz trägt. 

Die T-förraig verwachsenen Pen es (mit ihren abgestutzten Mündungen) 
enthalten in der Mitte eine Gruppe von Drüsenporen, und die rundlichen ein- 
zelligen Drüsen schimmern in grösserer Anzahl durch. 

Vorderblätter der Copulationsorgane (Taf. IV, Fig. 2) helmartig nach 
hinten und innen herübergeneigt. Am Grunde erhebt sich aussen ein mit zwei 
Tastborsten besetzter Höcker X, innen ein grosser Stachel z (der von der Seite 
gesehen breiter erscheint als von hinten und mit seinem Ende gegen die um- 
gekrümmte Helmspitze gerichtet ist). Flagella mässig lang, vor der Spitze mit 
einigen feinen Grannen besetzt. Die Vorderblätter ruhen gelenkig {g) auf einem 
Höcker des Kopfes der vorderen Tracheentaschen. Diese sind verschmolzen 
mit der queren und verhältnissmässig grossen Ventralplatte, welche von 
vielen Porencanälen durchsetzt wird. 

Mittelblätter (Fig. 3) von sehr gedrungener Gestalt, mit dem Haupt- 
theil stark in die Quere ausgedehnt und in zwei Ecken nach vorne vorspringend. 
Mit einem wulstigen Bügel (ii', Iii) sitzt das Mittelblatt gelenkig auf dem Kopfe 
der hinteren Tracheentasche. An die Vorderecke des Bügels heftet sich ein 
Hüftmuskel (m). Hinten zieht sich das Mittelblatt am Kopf der Stütze entlang 
und wird dann auf ziemlich breiter Strecke {x, y) mit dem Hinterblatt ver- 
bunden. Auf dem Aussenbuckel des Haupttheils der Mittelblätter befindet sich 
ein von vielen, sehr feinen Poren siebartig durchlöchertes Feld. Es sind diese 
Poren die Ausführcanälchen zahlreicher runder Hautdrüsen {dr), welche man 
gut erkennt, wenn man die hinteren Tracheentaschen aus ihren Gelenken 
heraushebt. 



296 



Carl Verhoeff. 



Mittelblätter und Hinterblätter haben ihre Hauptausdehnung in der Rich- 
tung von vorne nach hinten. 

Die Hinte rblätter sind verhältnissmässig klein und stehen nach hinten 
ab, enthalten eine deutliche Rinne (r) und eine verdickte Leiste, aus welcher ein 
endwärts vorstehender Stachel ragt. So wie gegen das Mittelblatt ist das Hinter- 
blatt auch gegen einen grundwärts von ihm befindlichen Höcker ß abgesetzt, 
welcher durch eine Spange y gegen das Ende des Mittelblattfortsatzes ^ gestützt 
ist. Zwischen y und (T scheint sich ein Gelenk (g) zu befinden. Der Höcker ß 
ruht wieder auf einem anderen (a), von welchem er scharf abgesetzt ist. Dieser 
Höcker a dient einem starken Coxalmuskel (ml), der von der hinteren Tracheen- 
tasche kommt, zum Ansatz und muss daher als Hüftstück bezeichnet werden. 

Anmerkung. Ich habe sowohl macerirte als nicht macerirte Präparate 
angefertigt, und konnte nur durch den Vergleich beider die Morphologie genügend 
klargestellt werden. 

4. lulus subgen. Symphyoiulus mihi. 

Borstentragende Scheitelgruben fehlen. Ocellen deutlich. An den Doppel- 
segmenten sind die Grenzfurchen oder Nähte vollkommen verwischt. 
Vorderringe glatt, Hinterringe längsgefurcht. 

Foramina nahe dem Vorderende von Längsfurchen gelegen. Dorsaler Pro- 
cessus analis schuppenförmig vorragend. 

Erstes Beinpaar des niit typischen Haken endend. Zweites Beinpaar 
des mit einfachen Hüften und ohne Tarsalpolster. Penes mit den Enden 
gabelig auseinanderstehend. 

Vor de rblätter der Copulationsorgane schlank, mit kleinem Innenzahn, 
hinten ohne Höckerbildung. Flagella auffallend bedornt (Taf. IV, Fig. 4). 

Mittelblätter sehr gedrungen, unverzweigt (Fig. 5). 

Hinte rblätter der Länge nach in eine dickere und dünnere Hälfte ge- 
theilt, die letztere mit Mosaikstructur. Hüftstücke fehlen. 

lulus postsquamatus mihi. 

29 — 35 mm lang, 3 mm breit beim 2'5 mm breit beim cT. 
Labrum mit vier tiefen Gruben, Antennen kurz. 

Körper glänzend, schwarz, die Hinterhälfte der Hinterringe, die Ränder 
des Collum und das Analsegment dunkel rothbraun. 

Vorderkopf nicht wie gewöhnlich zurückgerundet, sondern eine Strecke 
lang senkrecht aufsteigend, also platt. 

Collum neben dem Seitenrande mit Längsfurche, sonst glatt. 

Vorderringe der Doppelsegmente sehr glatt, aber doch noch fein punktirt. 
Hinterringe mässig stark und mässig dicht längsgestreift. 

Körper un beborstet, ausgenommen die Analklappen und den dorsalen 
Processus analis. Letzterer ragt breit schuppenförmig vor (ähnlich wie bei 
Brachyiulus platyurus Latz.) und ist von dreieckiger Gestalt mit sehr kleinen 
Spitzchen am Ende. Ventrale Analplatte einfach zugerundet. 

Zweites Beinpaar des (j^ ohne Polster, mit langen, kräftigen Endklauen. 



üeber Diplopoden ans Kleinasien. 



297 



Die Spitzen der gabelig auseinander stehenden Penes sind etwas schräg 
abgestutzt. ^) 

Vorderblätter der Copuktionsorgane (Taf. IV, Fig. 4) von einer Bildung, 
wie man sie oft bei Leptoiulus beobachtet, mehrmals länger als breit, am Ende 
abgerundet und in der Mitte mit Innenzahn (J). In seiner Höhe stehen hinten 
einige Tastborsten. Flageila von gewöhnlicher Länge, aber sehr auffallend 
dadurch, dass sie fast der ganzen Länge nach mit spitzen Grannen besetzt 
sind, viel grösser als die „Widerhäkchen", welche man sonst wohl am Ende 
mancher Arten beobachtet. 

Mittelblätter (Fig. 5) gedrungen und nach hinten mit einer breiten, 
hyalinen Kante (he) vorspringend. Vorne befindet sich am Grunde eine sack- 
artige Einstülpung (x) und am Ende eine kleine Ecke, vor welcher eine papillöse 
Vorwölbung ist. 

Hinte rblätter am Ende in vier verschiedene Vorsprünge ausgezogen 
(«, /5, /, tf), von denen der knotenartige (ß) am Ende des dichteren Blatttheiles 
liegt. Die etwas breitere, hyaline Hälfte h ist allenthalben mit feiner zelliger 
oder Mosaikstructur verziert, welche in Fig. 6 stark vergrössert dargestellt wurde. 

Anmerkung. Diese Art scheint bei Pernata häufig vorzukommen, da 
sie unter den Thieren Escherich's am zahlreichsten vertreten war. Es befanden 
sich darunter auch einige jüngere, nur halb erwachsene Stücke, bei welchen die 
Nähte der Doppelsegmente nicht so vollständig verwischt sind, wie bei den 
Alten, vielmehr noch etwas angedeutet. 

5. Brachyiulus (Chromatoiulus) serratus mihi.. 

Stimmt in Grösse und Gestalt mit Br. transsilvaniciis Verh. überein, 
auch die Sculptur ist sehr ähnlich. Vorderringe fein und zerstreut punktirt. 

Farbe schwarz, Rücken zu Seiten der ziemlich breiten, schwarzen Mittel- 
binde graugelb bis gelbroth. 

Dorsaler Processus analis fast gleichseitig dreieckig, am Ende ziemlich spitz. 

Vorderblätter länglich, im letzten Drittel aussen stark nach innen ge- 
buchtet, so dass das am Ende zugerundete, letzte Drittel nur halb so breit ist 
als das übrige Blatt. An seinem Innenrande läuft eine kleine, nach hinten vor- 
springende Kante herab. Im Grunddrittel befindet sich hinten eine jederseits 
von einer Kante begrenzte Rinne. Flagella lang und dünn. 

Hinterblätter (Taf. IV, Fig. 7) bis zur Mitte in zwei Arme getheilt, 
deren innerer (a) am Ende abgerundet ist und davor mit nach innen stehenden 
Zahnhöckern besetzt, deren äusserer sich wieder in zwei Aeste theilt. Der eine 
Ast ist etwas kürzer (/<) als der innere Arm und am Ende ringsum sägeartig 
mit spitzen Höckern besetzt, der andere Ast (c) ragt über den inneren Arm 
empor mit länglich-dreieckigem Zipfel vor, dessen Innenrand sehr fein gefasert 
ist. In diesem Aste verläuft auch der Samengang. Am Grunde der Hinter- 
blätter treten die Schläuche starker Coxaldrüsen ein. 



In einer Oeffnung derselben fand ich die Larve eines Nematoden, welche halb hervor 
gekrochen war. Wahrscheinlich ist dies ein Hodenparasit. 

Z. B. Ges. Bd. XLyiII. 89 



298 



Carl Verhoeff. 



Anmerkung. Nach den mir vorliegenden Stücken zu schliessen, tritt 
die rothgelbe Farbe nur bei den <^ auf. 

6. Brachyiulus (Chromatoiulus) Äsiae-minoris mihi. 

Dem Vorigen sehr ähnlich, ein wenig grösser. Die hellen Rückenbinden 
graugelb bis ockergelb, nicht röthlich. 

Dorsaler Processus analis schlanker und spitzer als beim Vorigen. 

Vorderblätter von denen des serratus sehr abweichend. Sie verschmälern 
sich (Taf. IV, Fig. 8) im letzten Drittel viel weniger und sind am Endrande in 
drei Zähne zertheilt, von deren mittlerem eine vorspringende Kante (k) bis zum 
Grunde gegen den äusseren Gelenkhöcker herabläuft und in der Mitte nach innen 
gekrümmt ist. 

Hinterblätter mit ihren letzten Dritteln nach aussen gerichtet, dort 
am Endrande fein zerfasert und die ßinne enthaltend. Weiter nach vorne und 
innen ragt nach innen ein zapfenartiger, am Ende abgerundeter Fortsatz vor 
(Fig. 9), der im Innern einen am Ende gedrehten Faden (x) enthält (Sinnesorgan?). 
Grundwärts bemerke ich innen zwischen den Hinterblättern, durch eine schwache 
Naht abgesetzt und in der Mediane mit einer Naht verwachsen, Hüftstücke, an 
welche sich kräftige Muskeln befestigen. 

Ein kleiner, heller Stachel steht am Grunde der Hinterblätter, innen, 
unweit von den Hüftstücken. 

Anmerkung. Diese Art erhielt ich zahlreicher als die vorige. 

7. Strongylosoma Asiae-minoris mihi. 

Länge 11—12 mm (schätzungsweise), Breite 075 mm (cf). 

Körper dunkelbraun, glänzend, Rückenplatten unbehaart, nur hier 
und da mit einer Borste. Collum mit abgesetzten und etwas aufgerichteten 
Seiten. Zweite Dorsalplatte mit kantenartig aufstehenden Seiten. Die weiteren 
Rückenplatten haben allmälig schwächer gewulstete Seiten. Von der fünften 
Dorsalplatte an erscheint eine tiefe Querfurche, welche aber weit von den 
seitlichen Wülsten entfernt bleibt, (lieber die hinteren Segmente vermag ich 
nichts zu sagen, da sie dem einzigen mir vorliegenden fehlen.) 

Copulationsfüsse dreigliedrig, mit länglichen Hüften und kurzen 
Schenkelgliedern. Letztere sind reichlich beborstet und enthalten die rundliche 
Anfangsgrube des Samenganges. Die Femora und die Hüfthörnchen werden 
durch kräftige Muskeln bewegt, welche sich im Innern der Coxae befinden. 
Gegen den übrigen Copulationsfuss, an welchem die Grenze zwischen Tibiale und 
Tarsale erlosch (Taf. V, Fig. 12), ist das Femorale (b) scharf abgesetzt. Der 
Endtheil läuft etwas vogelkopfartig aus und ist der ganzen Länge nach vom 
Samengang (r) durchzogen, der in einem zarten, vorspringenden Läppchen (a) 
endigt. In der Innenbucht des Endgliedes springt ein langer und im Enddrittel 
gekrümmter Arm vor. 

Anmerkung. Obwohl dem einzigen die letzten Segmente fehlen, 
kann es doch keinem Zweifel unterliegen, dass wir es mit Strongylosoma zu 
thun haben. 



lieber Diplopoden aus Klciuasicu. 



299 



b) Von Cilicieu. 

8. Strongylosoma ciliciense mihi (? = syriacum Humb. et Sauss., 
dessen Beschreibung recht dürftig und für heute nicht mehr genügend ist). 

Länge 19 — 22 mm, Breite 2 mm. 

Körper dunkelbraun, glänzend, unbeborstet, nur am Fortsatze und den 
Klappenrändern des Analsegmentes mit einigen Borsten. Seiten des Collum mit 
schmalem, der zweiten Rückenplatte mit breiterem, abgesetztem Randsaum, welcher 
als Kante vorspringt. An den beiden folgenden Rückenplatten sind die Rand- 
säurae mehr wulstartig, abgerundet und wenig kantenartig. Von der fünften 
Dorsalplatte an findet sich nur noch eine Längsfurche und neben deren hinterem 
Theile aussen ein Wulst, in welchem auch die Foramina münden (so weit sie 
vorhanden sind). Oeffnungen der Foramina gross und rund. Querfurchen der 
Rückenplatten sehr seicht. Drittes Beinpaar des cf innen an der Tibia, nahe 
dem Femur, mit einem vorspringenden und beborsteten Höcker, übrigens nicht 
auffallend geschwollen. Drittes Tarsale innen sehr dicht bürstenartig behaart. 
Achtes Beinpaar des cT ohne auffallende Auszeichnungen. 

Copulationsfüsse deutlich viergliedrig. Die reichlich beborsteten / 
Schenkel sind von dreieckiger Gestalt. 

Der Tarsalabschnitt ist gegen das Tibiale scharf abgesetzt (Taf. V, Fig. 18). 
Ersterer erscheint leicht S-förmig geschwungen, verschmälert sich ganz allmälig 
und trägt an der Spitze die Mündung des Saraenganges (r). Der kräftige Linen- 
arm (2) ist dem Hauptarm des Tarsale angeschmiegt und mehr als halb so lang, 
schwach keulenförmig. 

9. Strongylosoma turcicum mihi. 

Länge 15 — 18 ??im, Breite des r25 wm, des $ Vhmm. Körper kastanien- 
braun bis schwarzbraun, glänzend. 

Dem Vorigen äusserlich sehr ähnlich, aber sicher dadurch zu unterscheiden, 
dass die Querfurche der Rückenplatten entschieden schärfer ausgeprägt ist. 

Drittes Beinpaar des ^ wie bei ciliciense, doch ist der mehr rundliche 
Höcker der Tibia auch mehr der Mitte genähert. 

Copulationsfüsse wieder viergliedrig, das Tarsale (Taf. V, Fig. 17) 
weicht sehr von dem des Vorigen ab. Es ist gedrungen, verschmälert sich erst 
im letzten Viertel, trägt an der Spitze die Rinnenmündung und ist völlig nach 
innen gekrümmt. Der Innenast (J) ragt unter rechtem Winkel nach innen 
ab und ist am Ende ein wenig endwärts gekrümmt. Tibiale viel länger als das 
Tarsale und schlanker als beim Vorigen. 

Von PuUus VII mit 19 Segmenten des Rumpfes erhielt ich 1 cf, dessen 
Farbe hellbraun ist, 

Anmerkung. Diese Art ist, nach den vorliegenden Stücken zu urtheilen, 
häufiger als die Vorige. 

10. Strongylosoma Jloltzii mihi. 

Länge des 9 5 vim, Breite 0*5 mm. Körper hell lehmbraun, glänzend, 
Rückenplatten mit feinen Bor stehen spärlich besetzt. 

39* 



300 



Carl Vorboeff. 



Seiten des Collum und der anderen Dorsalplatten wie bei den Vorigen 
ausgezeichnet, aber die Wülste schwächer entwickelt, auf den mittleren Ringen 
sogar fehlend. Querfurchen deutlich ausgebildet, ziemlich tief. 

Drittes Beinpaar des mit Höcker wie bei turcicum, am dritten Tarsale 
innen aber nicht mit geschlossener Bürste, sondern mit verhältnissmässig dünn 
stehenden Haaren. 

Copulationsfüsse (Taf. V, Fig. 19) dreigliedrig, indem die Grenze 
zwischen Tibiale und Tarsale erloschen ist. Letzteres ist gegen das Tibiale stark 
eingekrümmt, mit dem sehr schlanken Ende nochmals (also wieder endwärts) ein- 
gekrümmt und an der Innenkante mit 3 — 4 kleinen Stacheln besetzt. 

Ein Innenast fehlt vollständig. Der Tibialausschnitt ist ein wenig nach 
aussen gekrümmt. 

Anmerkung. Von dieser zierlichen Form habe ich nur 1 erhalten. 

Die Zahl der bekannten Strongylosomen ist jetzt schon eine beträcht- 
liche, namentlich hinsichtlich der ausserpaläarktischen Länder, wird aber 
gewiss noch bedeutend steigen. Eine natürliche Gruppirung ist hier keine leichte 
Sache. Ich glaube aber doch nicht im Unrecht zu handeln, wenn ich zunächst 
einmal eine Zweitheilung in der Weise vornehme, dass ich diejenigen Formen, 
deren Copulationsfüsse keine deutliche Trennung von Tibiale und Tarsale mehr 
aufweisen, als eine Untergattung secundärer Natur von einer andern pri- 
mären scheide, bei welcher diese Trennung ganz deutlich erhalten ist. 

A. Copulationsfüsse viergliedrig, d. h. Tibiale und Tarsale deutlich von ein- 

ander abgesetzt Subgen. Tetrarthrosoma mihi. 

B. Copulationsfüsse dreigliedrig, d. h. Tibiale und Tarsale nicht von einander 

abgesetzt Subgen. Triarthrosoma mihi. 

Es gehören von den vorigen Arten zu Tetrarthrosoma: Strongylosoma 
ciUciense und turcicum, sonst erwähne ich noch dalmatinum Verh, 

Zu Triarthrosoma gehören: Strongylosoma Asiae-minoris und Holtzii, 
ferner pallipes Oliv., palUpes JEscherichii Verh, und VejdovsJcyi Nem. 

Es ist nicht zu bezweifeln, dass sich zwischen beiden Gruppen verbindende 
Formen werden finden lassen. Das macht diese Theilung aber nicht überflüssig, 
zumal sich schwerlich eine bessere Gruppirung (nach anderen Merkmalen) heraus- 
stellen dürfte. 

IL Brachyiulus (Chromatoiulus) curvifolii mihi. 
Dem Brachyiulus Asiae-minoris an Grösse und sonstiger Erscheinung 
sehr ähnlich. 

Die Furchung der Hinterringe ist zwar dicht, aber doch etwas weniger 
als bei den meisten Verwandten. 

Die Gegend der Foramina ist schwärzlich, Unterflanken graugelblich, 
Rücken zu Seiten der tiefschwarzen Mittellinie graugelb bis ockergelb, beim 
bisweilen etwas ins Röthliche ziehend, auch sind bei diesem die ünterflanken 
weniger aufgehellt. 



lieber Diplopoden aus Klciuasieii. 



301 



Erstes Beiiipaar des cf mit typischem Uncus. Zweites Beinpaar des cf 
am zweiten und ersten Tarsale mit starken, dicht und sehr fein gestrichelten 
Polstern. 

Vorderblätter der Copulationsorgane sehr schlank, mehr als viermal 
länger als breit, weit vorragend, erst im letzten Viertel gleichmässig verschmälert 
und abgerundet, ohne Zähne. In der Grundhälfte befindet sich hinten eine breite 
und tiefe Rinne, welche von endwärts innen nach grundwärts aussen zieht. Im 
Grunde der Rinne münden viele Porencanäle. Flagella lang und sehr fein aus- 
laufend. 

Hinterblätter (Taf. V, Fig. 13) auffallend in der Mitte gekrümmt 
und nach hinten übergeneigt. Am Ende theilen sie sich in zwei Arme, deren 
innerer (&) am Ende dreieckig vorragt und hinten am hyalinen Saum gestrichelt 
ist, er enthält auch den Samengang. Der äussere Arm (a) ist schlanker und 
springt an und vor dem Ende in vier Höcker vor. Auf der ganzen Aussenfläche 
sind die Hinterblätter vom Grunde bis fast zur Spitze von zahlreichen 
Porencanälen so reichlich durchsetzt, wie ich bisher noch bei keiner Art be- 
obachtet habe. Unter den Canälen bemerkt man die runden, dicht aneinander 
gedrängt liegenden Drüsenzellen (dz). 

Anmerkung. Es scheint, dass diese Art in Cilicien neben Pachyiulus 
oenologus, Asiae-minoris der häufigste lulide ist. 

12. Brachyiulus (Chromatoiulus) turcicus mihi. 

Etwas kleiner als der Vorige. Körper grösstentheils graugelb, die ziemlich 
breite Rückenbinde der Mittellinie schwarz bis braunschwarz, ebenso der Hinter- 
rand der Vorderringe der Doppelsegmente und mit demselben zusammenhängende 
kleine, unregelmässige Spritzfleckchen, ein grösseres Fleckchen auch vor den 
Foramina. Analsegment schwarz, Processus und Afterklappen röthlich. 

Furchung der Hinterringe sehr dicht wie gewöhnlich. 

Dorsaler Processus analis lang und spitz, mit geraden Seiten. Ventrale 
Analplatte mit ziemlich langem, vorragendem Spitzchen. 

Zweites Beinpaar des mit kräftigen, aber schwach gestrichelten Polstern. 

Vor der blatte r der Copulationsorgane denen des Vorigen ähnlich, aber 
nur dreimal länger als breit. 

Hinterblätter (Taf. V, Fig. 14) am Ende in drei Arme getheilt. Ein 
innerer, der zugleich der längste ist (sa), befindet sich mehr an der Hinterseite, 
ist von länglicher Gestalt, vorne in einer Längsmulde reichlich mit stiftartigen 
Stacheln besetzt. Der mittlere Arm, zugleich der kürzeste, enthält die Samen- 
rinne. Der äussere Arm (sh) ist schlank und mit einigen kurzen Stiftchen 
besetzt. 

Die Drüsenporen auf der Aussenfläche sind nicht viel weniger zahlreich 
als beim Vorigen. Uebrigens sind die Hinterblätter entsprechend den Vorder- 
blättern kürzer als bei jenem und auch nicht so stark nach hinten herüber- 
gekrümmt. 

(Ich habe zwei Pärchen vergleichen können.) 



302 



Carl Verlioeff. 



13. Pachyiulus (Megatulus) oenologus, Äsiae-minoris mihi. 
Körper schwarz und gelbbraun geringelt. 

Furchung der Hinterringe kräftiger als bei oenoZo^rws Berl., sonst äusser- 
lich mit diesem übereinstimmend. Auch die Copulationsorgane zum Verwechseln 
ähnlich. 

Des leichteren Vergleiches halber gab ich auf Taf. V, Fig. 15 und 16 genaue 
Darstellungen der endwärtigen Theile der Hinterblätter. Die Vorderblätter stimmen 
überein. 



oenologus Berl. (Fig. 15). 

lieber den abgestumpften, am äusse- 
ren Ende des inneren Armes befindlichen 
Lappen c ragen die Enden des Aussen- 
armes (d) und des Einnenfortsatzes 
(Semiflagellums, h) beträchtlich hinaus. 
Der in Fasern zerschlitzte Saum des 
Innenastes (ha) ragt am Ende nicht vor. 

(Italien.) 



oenologus, Asiae-minoris Verb. 
(Fig. 16). 

Der Lappen c ist dreieckig vorgezogen 
und die Enden des Aussenarmes, sowie des 
Rinnenfortsatzes ragen nicht über ihn 
hinaus. Der letztere ist überhaupt recht 
kurz. Der zerschlitzte Saum springt mit 
seinen Grannen am Ende deutlich vor. 

(Cilicien.) 



Vorkommen. Neben Brachyiulus curvifolii ist Pachyiulus oenologus, 
Asiae-minoris die häufigste Form des Gebietes. 

14. Lysiopetalum (Broelemannia) turcicum mihi. 

Länge 90—95 mm, Breite 6 mm. Körper schwarz mit schwach grünlichem 
Anfluge, glänzend. Unter den Foramina stehen gelbröthliche Flankenflecke. Beine 
grau und braun. 

Sculptur und Lage der Foramina wie bei hyzantinum Verh. Das mit 
52 Rumpfsegmenten, das 9 iioch unbekannt. {Lysiopetalum hyzantinum besitzt 
48 — 49 Rumpfsegmente.) 

Stirn e des eingedrückt, aber etwas weniger als bei hyzantinum. Die 
Seitenkanten springen weniger stark vor und sind am unteren Ende nicht 
so scharf begrenzt wie bei hyzantinum. 

Erstes und zweites Beinpaar des innen am Tibiale und ersten Tarsale 
mit einem Borstenbüschel, zweites Tarsale innen mit Haarbürste. 

Drittes Beinpaar innen am dritten Tarsale mit Haarbürste. 

Viertes bis siebentes Beinpaar des innen am dritten Tarsale äusserst 
dicht gedrängt mit kleinen, spitzen, stilettartigen Borsten besetzt, gleichzeitig 
sind an diesen Beinen die Endkrallen auffallend viel kleiner als sonst. 

Die Hüften des siebenten Beinpaares des sind 1*5 mal länger als breit, 
polsterartig aufgetrieben und reich behaart. 

(Ehe ich auf die Copulationsfüsse eingehe, sei verwiesen auf meine beiden 
Aufsätze, in welchen diejenigen von Lysiopetalum [Broelemannia] und Lysio- 
petalum [Apfelheckia] behandelt werden, nämlich 1. in Escherich's Myriopoden, 
Archiv für Naturgeschichte, Berlin, 1896, Bd. 1, Heft I, und 2. im Zoologischen 
Anzeiger, 1896, Nr. 518, „lieber die Copulationsorgane der Lysiopetaliden und 
ein Lysiopetalum aus Bosnien".) 



Ueber Diplopoden aus Kleinasien. 



303 



Die Copulationsorgane sind ganz nach dem Typus derjenigen von hysan- 
tinum gebaut, weshalb ich mich darauf beschränken kann, die Unterschiede 
hervorzuheben. 

Das lange, gelbe Hüfthorn der Hüftstücke ist am Grunde sehr breit, 
verschmälert sich stark gegen das Ende und ist an diesem selbst schwarz und 
knopfartig verdickt, übrigens ungezahnt und an der Kante nicht gerieft (vergl. 
dagegen Archiv für Naturg., a. a. 0., Fig. 15). 

Die Endtheile der Copulationsorgane (Taf. V, Fig. 21) sind ausgezeichnet 
durch zurückgekrümmten, grundwärtigen Dorn («), durch stark keulig an- 
geschwollenen Schlauchfaden (sf), der im Innern theilweise mit Pigment- 
körnchen erfüllt ist, durch grossen Mittellappen (ß), der noch einen Nebendorn 
(ßi) besitzt, und durch von hyzantinum abweichende Gestaltung der Endverdickung. 
Diese ist durch verschiedene Zähne und Spitzen ausgezeichnet, deren Gestalt man 
am besten aus Fig. 21 {y, tT, f, t) ersieht. Die Spermarinne (r) konnte ich 
auf längerer Strecke verfolgen und (bei guter Beleuchtung) auch in dem schwarzen 
Endrande durchschimmern sehen. Sie mündet in der Endspitze. (Vergl. die kleine 
Nebenfigur, (T/.) Die im Grunde befindliche Anfangsblase entspricht der von 
Lendenfeldii (a. a. 0., vergl. Fig. 4, Zool. Anz.). Der Samengang ist im Verhältniss 
zu dem bei Poljdesmiden als sehr eng zu bezeichnen, was offenbar mit dem 
Fehlen der Hüfthörnchen zusammenhängt. 

(Ich besitze von dieser Art nur 1 .) 

15. Lysiopetalum (Broelemannia) hysantinum, Asiae minoris 
mihi (? = rufolimatum C. L. Koch aus Constantinopel). 

Länge 60 mm, Breite 3*5 mm (cT). Körper braun. Rückenmitte und 
Flankenflecke gelbroth. Ich erhielt zwei cf, welche beide 49 Rumpfsegmente 
besitzen,^) auch im Uebrigen stimmen sie überein. 

Sculptur wie bei der Grundform, auch die Stirn des ^f. 

Im Uebrigen unterscheidet sich diese Form von hyzantinum ausser der 
Farbe durch die Copulationsfüsse (vergl. Taf. V, Fig. 20). 

Hüfthörner {coli) der Hüftstücke in der Grundhälfte unter stumpfem 
Winkel gekrümmt, der Endknopf mit einigen kleinen Zähnchen besetzt, am 
mittleren Rande und auch an der concaven Krümmungsseite ist das Horn 
gekerbt-gestrichelt. 

Das Endglied (C) besitzt einen Schlauchfaden wie hyzantinum,. Der 
grundwärtige Stachel («) ist viel länger als bei hyzantinum, der mittlere Dorn {ß) 
ist zweispitzig, die eine Ecke zurückgekrümmt. Der Endknopf {y, cT, f) unter- 
scheidet sieh nur wenig von dem des hyzantinum. 

16. Lysiopetalum (Broelemannia) hyzantinum, ciliciense m\\i\. 
105 mm lang, 6 5 mm breit. Körper in den Flanken graugelb, am 

Rücken schwarzgrau, Hinterränder der Segmente ebenfalls graugelb, Kopf 
und Beine gelb. 



') Eines zeigt ergänzte Doppelsegmente, indem das 39. nur rechts und das 42. nur links 
ausgebildet ist. 



304 



Carl Verhoeff, 



9 mit deutlich entwickelten (halb vorgestülpten) Vulven besitzt 48 Rumpf- 
segmente, 87 Beinpaare und zwei beinlose Endsegmente. Die drei letzten und vier 
ersten Rumpfsegmente drüsenlos. 

Anmerkung, Es liegt mir nur ein einziges 9 vor, das mir an Grösse 
und Vulven einen geschlechtsreifen Eindruck macht. Da es aber nur 48 Segmente 
besitzt und eine abweichende Färbung, vermag ich es nicht mit hyzantinum zu 
vereinigen, obwohl im Uebrigen Uebereinstimmung herrscht. Das wird hier 
endgiltige Entscheidung bringen müssen. 

* * * . 

Hinsichtlich der cilici sehen Diplopoden sei schliesslich noch bemerkt, 
dass Herr M. Holtz (nach einer kleinen, mir eingesandten Karte seines Reise- 
weges) sie alle in der zAvischen Mersina (neue Hafenstadt) und Tarsus gelegenen 
Ebene und den anstossenden Vorbergen, nicht aber im eigentlichen Gebirge 
gesammelt hat.^) 

Erklärimg der Abbildungen. 
Tafel IV. 

(Abkürzungen: F = Ventralplatte, = Flagellum, m = Muskel, Tr = Tracbeentasche, r = Rinne, 

s = Sebne.) 

Fig. 1—3. Paectophyllum EschericJiii Verh. 

Fig. 1. Grund eines Vorderblattes (V Co), Hälfte der vorderen Ventral- 
platte und eine Stütze (Tracheentasche). 
„ 2. Vorderblatt von der Seite gesehen (^ = Zahn an der Hinter- 
seite). 

„ 3. Hinter- und Mittelblatt von innen gesehen (dr = Drüsenzellen 
in der Gelenkhöhlung [K] des Kopfes einer hinteren Tracheen- 
tasche, = Oeffnungen der Drüsenzellencanälchen, JR^ = vor- 
derer Wulst der Gelenkgrube, an welchen sich der Muskel [m] 
anheftet). 

Fig. 4 — 6. lulus (Symphyoiulus) postsquamatus Verh. 

Fig. 4. Vorderblatt von hinten gesehen, mit bedorntem Flagellum. 
„ 5. Mittel- und Hinterblatt (he = heller Theil des Mittelblattes, 
d = dunkler Theil des Mittelblattes, b = hyaliner Abschnitt 
des Hinterblattes, welcher zierlich mit Mosaikstructur ge- 
zeichnet ist). (Dieselbe wurde nur theilweise eingezeichnet.) 
„ 6. Ein Theil der Mosaikstructur, sehr stark vergrössert. 
Fig. 7. Brachyiulus (Chromatoiulus) serratus Verh. 
Enden der drei Aeste eines Hinterblattes. 



') üeber einige Cbilopoden von dort werde icb an anderer Stelle Mittbeilung macben. 



WianiU . der k.k zooL bot Ges . 
Band XLYUJ. IdVll. 



Taf. IV. 



CVerlwefT: 

Diphpodra . 




TafT. 



C.Verl Ff: 

niphrodc.': 




üeber Diplojpoden aus Kleinasien. 



305 



Fig. 8 und 9. Brachyiulus (Chromatoiulus) Asiae-minoris Verh. 

Fig. 8. Ein vollständiges Voi-derblatt von hinten gesehen (k = vor- 
springende Kante der Hinterfläche, g = Gelenkhöcker, m — 
Flagellummuskeln). 
„ 9. Zapfenfortsatz eines Hinterblattes, welcher einen am Ende ge- 
wundenen Strang [x] enthält. 

Tafel V. 

Fig. 10 und 11. Po chyiulus (Typhlopachyiulus) turcicus Verh. 

Fig. 10. Ein Vorderblatt und beide vordere Stützen (wi — Distractor 
eines Vorderblattes). , 
„ 11. Hinterblatt {sa = Säckchen am Ende der Einne). 
„ 12. Strongylosoma Asiae-minoris Verh. 

Endglied eines Copulationsfus.ses (J = innerer Greifarm, a — End- 
läppchen, in welchem die Rinne mündet). 
„ 13. Brachyiulus curvifolii Verh. 

Endhälfte eines Hinterblattes. 
„ 14. Brachyiulus turcicus Verh. 
Dasselbe. 

„ 15. Pachyiulus oenologus Berlese, 

Endgebilde eines Hinterblattes. 
„ 16. Pachyiulus oenologus, Asiae-minoris Verh. 

Ebenso, 

„ 17. Strongylosoma turcicum Verh. 

Endhälfte eines Copulationsfusses .(J = tarsaler Innenast). 
„ 18. Strongylosoma ciliciense Verh. 

Ebenso. 

„ 19. Strongylosoma Holtzii Verh. 

Ganzer Copülationsfuss (Hh = Hüfthörnchen, m^ = Muskeln des- 
; selben, m = Schenkelmuskel), 

y, 20. Lysiopetalum hyzantinum, Asiae-minoris Verh. 

Endgebilde der Copulationsorgane (C = Endglied derselben, nach Weg- 
lassüng des grundwärtigen Drittels, coh = Hüftfortsatz, 
sf ■= Schlauehfortsatz). " ' ■ 

„ 21. Lysiopetalum turcicum Verh. 
(Bezeichnung wie bei Fig. 20.) 



Z. B. Ges. Bd. Xl.VIU. 



40 



B06 



Otbenio Abel. 



Ueber einige Ophrydeen. 

Von 

Othenio Abel. 

(Mit 2 Abbildungen im Texte.) 

(Eingelaufen am 23. April 1898.) 

Herr Hofrath Prof. A. v. Kerner übergab mir kürzlich drei in Alkohol 
conservirte Orchideenblüthen zur näheren Untersuchung, welche von zwei in 
Oberösterreich gesammelten Orchideen stammten und von Prof. P. A. Pfeiffer 
in Kremsmünster eingeschickt worden waren. Zwei dieser Blüthen gehören einer 
in Oberösterreich stellenweise nicht seltenen Orchidee, der Ophrys arachnites 
Murr, an, die dritte weist auf eine hybride Verbindung zwischen Ophrys arachnites 
Murr, und Ophrys aranifera Huds. hin. 

Herr Prof. P. A. Pfeiffer hatte die Güte, mir über diese Pflanzen Folgendes 
mitzutheilen: 

„Die Ihnen von Herrn Hofrath v. Kerner übergebenen O^^^^ri/s-Blüthen 
stammen nicht von Kremsmünster, sondern aus dem Gebiete der Traunauen. 
Ophrys arachnites wurde in der Gegend von Irnharting (nahe bei Gunskirchen, 
Bahnstation der Elisabeth -Westbahn, ober Wels), Ophrys aranifera vergesell- 
schaftet mit der Hybride in Thalheim bei Wels gesammelt. Hier in Krems- 
münster findet sich nur Ophrys myodes. Auf mein Ansuchen brachten meine 
Schüler mir diese Pflanzen sammt den Rasenstöcken, da mir bekannt war, dass 
die Spinnenorchis im Gebiete der Traunauen keine Seltenheit sei. Ich selbst 
habe die Standorte nicht näher untersucht und kann daher darüber momentan 
keine näheren Angaben machen. Die Fundorte sind 3—4 Stunden von hier 
entfernt. 

Ich hielt diese Stücke sammt den Rasen einige Zeit in Blumentöpfen, 
bevor ich sie in unseren kleinen botanischen Schulgarten verpflanzte. So zeigte 
ich sie am 6. Juni 1895 Herrn Hofrath v. Kerner, da ich eben über die 
Hybride bei der Bestimmung nicht ins Reine kommen konnte. 

Die Blüthezeit fällt in die zweite Hälfte Mai und in die erste Hälfte Juni. 
Ophrys aranifera und die Hybride wurden im botanischen Garten durch Gryllo- 
talpa so beschädigt, dass sie mir zu Grunde gingen. Ophrys arachnites hielt 
sich gut und kam auch in den beiden letzten Jahren zur Blüthe. 

Nebenbei erlaube ich mir zu bemerken, dass ich in unserem botanischen 
Garten wiederholt eine Langhornbiene {Eucera Scop.) Ophrys arachnites besuchen 
sah. Dieses Thier schien mit besonderem Behagen an den Blüthen zu verweilen, 
da es, mit einem Stocke weggeschoben, immer wieder zur Blüthe zurückkehrte." 

Im Folgenden gebe ich die Beschreibung der interessanten Blüthen. 



lieber eiuige Ophrydeen. 



307 



Ophrys arachnites Murr. nov. form, orgyifera. 



Die beiden Blütheii sind trotz der Conservirung in Alkohol theilweise mit 
der Farbenzeichnuug erhalten. Die Deckblätter sind ^2 bis> so lang als der 
Fruchtknoten, während sie gewöhnlich länger als derselbe sind; das unterste ist 
blattartig und etwa den Blüthen gleichlang. 

Die äusseren Perigonblätter sind länglich-viereckig, an der Spitze 
dreilappig mit vorgezogenem Mittellappen; das mittlere schliesst mit der Be- 
fruchtungssäule einen Winkel von ungefähr 55** ein. Die seitlichen sind hohl, 
rinnig und umfassen die Seitenränder der Lippe. Sie sind dreinervig; gegen die 
Blattspitze spalten sich die Nerven in zwei bis drei kurze Aeste. 

Die inneren Perigonblätter sind nurVs solang als die äusseren, eiförraig- 
lanzettlich, an den Rändern nach oben eingeschlagen und kurzsammtig behaart. 

Die Lippe ist dreieckig, etwas länger als die äusseren Perigonblätter, fast 
zweimal so breit als hoch, in der Mitte halbkugelförmig aufgetrieben, purpur- 
braun gezeichnet; an den Seitenrändern, am Grunde und gegen das Anhängsel 
kommt die gelbliche Grundfärbung der Lippe zum Vorschein. Die Lippen beider 
Blüthen zeigen dieselbe scharf umrandete kahle gelbliche Zeichnung, welche einen 
Querstreifen darstellt, der nach unten von einer scharfen, anastomosirenden 
Wellenlinie begrenzt ist, an den Enden sich verdickt und aufwärts biegt; auf 
dieser Querlinie stehen zwei Längsstreifen, so dass die Zeichnung an eine vier- 
zinkige Gabel erinnert. Mit der Befruchtungssäule schliesst die Lippe einen 
Winkel von ungefähr 90° ein. 



Fig. 1. Ophrys arachnites Murr. nov. form, orpijifera. 

(Von Irnharting bei Wels in Oberösterreich.) 
A Vorderansicht. B Seitenansicht (nach Entfernung der inneren Perigonblätter). 
(Vergr. l ö : 1.) 

Das kahle Anhängsel ist lang, zuerst wagrecht von der Lippe abstehend, 
dann unter einem rechten Winkel aufgebogen, dreizähnig, mit langem, spitzem 
Mittelzahn. 




40* 



3Ö8 



Othenio Abel. 



An der Basis trägt die Lippe zwei sehr kleine, weiter vorne zwei grössere 
stumpfe behaarte Höcker, deren Spitze purpurbraun gefärbt ist. Ausserdem 
läuft an der Aussenseite der Höcker ein ebenso gefärbtes Band herab. 

Von vorne betrachtet, erinnert die purpurbraune Lippe mit den heller 
gefärbten, behaarten inneren seitlichen Perigonblättern, sowohl was Gestalt, 
Grösse, Färbung und Zeichnung betrifft, lebhaft an die Imago des Männchens 
von Orgyia antiqua L. im Euhezustande (mit über dem Hinterleibe zusammen- 
gelegten Flügeln). Dieser Schmetterling, welcher in Europa häufig ist, schwärmt 
von Juni bis August bei Tage, besonders gerne in lichten Auen. Die Möglich- 
keit, dass hier ein Fall von Anpassung an diese Lepidopterenart vorliegt, ist 
keineswegs ausgeschlossen, wenn auch bisher keine Beobachtungen vorliegen, 
welche den Besuch dieses Schmetterlings bei dieser Pflanze feststellen. 

Von allen bekannten Varietäten und Formen der Ophrys arachnites Murr, 
steht die var. platycheila Kosb.^) unserer Pflanze am nächsten, wenn wir die 
Gestalt der Lippe und die seitliche Umfassung der Lippe durch die paarigen 
inneren Perigonblätter berücksichtigen. ^ 

Die Diagnose der var. j)latycheila Eosb. ist folgende:^) 

„Lippe am vorderen Ende über die Hälfte breiter als die Länge beträgt, ii^ 
der Mitte halbkugelförmig gewölbt, fast schwarzpurpurn, ohne alle anders gefärbte 
Zeichnung auf ihrer Vorderseite, ihr Anhängsel dreizähnig, aufwärts gekrümmt- 
das obere der äusseren Perigonblätter über die Säule vorwärts hinübergebogen, 
die beiden seitlichen die Seitenränder der Lippe umfassend. Sehr selten auf 
dem Mohrenkopf bei Trier." 

Unsere Pflanze besitzt nun die beschriebene Zeichnung auf der Lippe, 
besitzt ein kürzeres Anhängsel') und zeigt keine nach vorne gerichtete Um- 
biegung des mittleren äusseren Perigonblattes über die Befruchtungssäule. 

Dagegen besitzt unsere Pflanze viereckig-längliche, dreilappige äussere 
Perigonblätter. Dieses Merkmal würde wieder an die var. coronata Beck^) 
erinnern, bei welcher allerdings nicht die äusseren, sondern die inneren Perigon- 
blätter in dieser Weise ausgebildet sind. 

Nachdem die var. grandiflora Löhr^) durch schmale und spitze Perigon- 
blätter ausgezeichnet ist, ferner eine schmälere Lippe besitzt, kann unsere Pflanze 
nicht mit derselben vereinigt werden. 

R. Keller^) beschrieb eine zwischen der var. grandiflora Lohr und var. 
platycheila Kosh, stehende Form, welche sich von der letzteren dadurch unter- 
scheidet, „dass die schwarzpurpurnen Zeichnungen der vorderen Lippenseite gegen 



») Rosbach, Verhandl. d. naturhist. Ver. d. preuss. Rheinlande, XXXIII. Jahrg., 1876, S. 4.33. 
^) Vgl. M.Schulze, Die Orchidaceen etc. 27. Ophrys fuciflora Rchbch. 4. Gera-Unterm- 
haus, 1894. 

») Mir stand zum Vergleiche nur die von M. Schulze, 1. c, Taf. 27 gegebene Abbildung der 
\a,T. platycheila zur Verfügung, welche nach der von Rosbach gegebenen Zeichnung angefertigt wurde. 
«) G.V.Beck, Oesterr. botan. Zeitschr., 1897, S. 356. 

Lohr, Jahresb. des botan. Ver. am Mittel- und Niederhein, 1839, S. 84. 
^) R, Keller, Nachträge zum I. Theile der „Flora von Winterthur", 1896, S. 70. 



lieber einige Ophrydeen. 



309 



den Rand hin und namentlich um das Anhängsel meist verblasst sind; dass das 
Anhängsel nicht dreizähnig ist; dass die äusseren Perigonblätter zwar stark hohl, 
aber doch weder über die Säule hingebogen sind, noch die Seitenränder der Lippe 
umfassen. Löhr's grandiflora ist von unserer Form hauptsächlich dadurch ver- 
schieden, dass ihre äusseren Perigonblätter schmäler und spitzer sind." 

M. Schulze erwähnt in seinen „Orchidaceen etc.", dass ihm eine von 
J. Sperli gemalte Tafel einer schweizerischen Orchidee vorlag, welche von der 
var. platycheila durch das Vorhandensein einer Zeichnung auf der sonst gleich- 
gestalteten Lippe und durch das nicht übergebogene obere äussere Perigonblatt 
verschieden war. Nachdem dieselben Abweichungen bei unserer Pflanze mich 
veranlasstenj sie nicht unbedingt der var. platycheila anzureihen, so bat ich Herrn 
Prof. C. Schröter in Zürich um gütige Ueberlassung der betreffenden Tafel. 
Für die liebenswürdige Bereitwilligkeit, mit der mir Herr Prof. C. Schröter 
die Tafel zur Verfügung stellte, erlaube ich mir, ihm an dieser Stelle meinen 
wärmsten Dank zu sagen. 

Nach dieser Abbildung zu urtheilen, möchte ich mich aber eher dahin aus- 
sprechen, dass die Schweizer Orchidee mit der var. grandiflora zu vereinigen 
sei, während sie mit der var. platycheila und unserer Pflanze von Irnhartiug 
sehr wenig übereinstimmt. Die einförmige purpurne Zeichnung auf der Vorder- 
seite der Lippe, die bedeutende Breite und die seitliche Umfassung derselben 
durch die äusseren Perigonblätter, ferner das umgebogene mittlere äussere Perigon- 
blatt sind ja die bezeichnendsten Merkmale der var. platycheila, und diese fehlen 
der Schweizer Pflanze vollkommen. 

Auch mit unserer Pflanze besitzt die letztere keine Aehnlichkeit, ausser 
der vielleicht etwas breiteren Lippe. 

Dagegen dürfte, so weit man dies nach der vorzüglichen Abbildung beur- 
theilen kann, die Schweizer Pflanze eher zur var. grandiflora zu stellen sein, 
da zwischen dieser Varietät und der besprochenen Form keine bedeutenden Unter- 
schiede vorhanden sind. Erwähnen möchte ich, dass die Zeichnung auf der Mitte 
der Lippe aus einem prachtvoll braun carminrothen, gelb umsäumten H besteht, 
an dessen beiden Seiten, sowie am unteren Ende je zwei runde gelbe Flecken 
stehen. An den beiden Seiten der Ansatzstelle des Anhängsels befindet sich ein 
kleiner gelber Fleck. 

Unsere Pflanze ist aber darum interessant, weil sie Merkmale in sich 
vereinigt, die zur Kennzeichnung verschiedener Varietäten der Ophrys arachnites 
Murr, benützt worden sind. Diese Merkmale sind eben keineswegs constant und 
mögen für einzelne Individuen zutreff"en; es fällt aber schwer, bei fortschreitender 
Individualisirung die neu entdeckten Formen bei der einen oder anderen Varietät 
unterzubringen, wenn man nicht für eine einzige Pflanze wieder eine neue Varietät 
creiren will. Aus diesem Grunde schliesse ich mich der Ansicht M. Schulze 's 
an, welcher die Irnhartinger Pflanze, von der ich ihm die oben gegebene Ab- 
bildung einschickte, für eine Unterform der var. platycheila ansiebt, mit der 
sie noch die meiste Aehnlichkeit besitzt. Doch glaubte ich, dieser Form mit 
Rücksicht auf die Aehrfichkeit mit <ler Or<jyia antiqua L. den Namen geben 



310 



Othenio Abel. 



ZU sollen. Für den Fall, dass diese Form der Ophrys arachnites Murr, in grösserer 
Menge gefunden wird, mag sie immerhin als eine Spielart derselben aufzufassen sein. 

Wie Eingangs erwähnt, stammt die Pflanze von Irnharting bei Wels 
in Oberösterreich. 

Ophrys arachnitiformis Gren. et Phil. 

(Ophrys aranifera Huds. X arachnites Murr.) 

Die zweite Pflanze, welche mir von Herrn Hofrath v. Kerner übergeben 
wurde, stammt aus der Gegend von Thalheim bei Wels, wo sich in den Traun- 
auen Ophrys arachnites Murr, und 0. aranifera Huds., letztere häufig, finden. 
Die Untersuchung ergab, dass wir es hier nicht mit einer Bildungsabweichung 
der 0. aranifera, sondern mit einem Bastarde dieser Art und der 0. arachnites 
zu thun haben. Leider lag mir nur eine Blüthe vor. 

Das Deckblatt ist etwas länger als der Fruchtknoten, lineallanzettlich, 
stumpflich. Die äusseren Perigonblätter sind zurückgeschlagen, dreinervig, 
länglich-eiförmig, stumpf zugespitzt, länglicher als bei 0. arachnites Murr, und 
mehr an 0. aranifera Huds. erinnernd. Der Rand ist etwas nach aussen um- 
geschlagen. Die Farbe ist nicht mehr sichtbar. Die inneren Perigonblätter 
sind sehr klein, viel kleiner als bei 0. aranifera, kaum Vs so lang als die 
äusseren, röthlich, besonders am Rande sammtartig behaart wie bei 0. arachnites, 
eiförmig-lanzettlich mit stumpfer Spitze. 




Fig. 2. Ophrys arachnitiformis Gren. et Phil. 

(Von Thalheim bei Wels iu Oberösterreich.) 
A Vorderansicht. B Seitenansicht (nach Entfernung der inneren Perigonblätter). 
(Vergr. 2 : 1.) 



Die Lippe, mit welcher die Befruchtungssäule einen Winkel von ungefähr 
100 eiiischliesst, ist eiförmig, gewölbt, fast kugelförmig, da die Seitenränder 
sehr stark zurückgeschlagen sind. Am Grunde ist sie schwach ausgebuchtet und 



Ueber einige Ophrydeen, 



311 



trägt zwei kleine glänzende kahle Höcker; sie ist dreilappig und trägt an der 
Spitze ein behaartes, oben schüsseiförmig ausgehöhltes Anhängsel, welches die 
gleiche purpurbraune Färbung wie die Lippe besitzt. Dadurch, dass die Seiten- 
lappen zurückgeschlagen sind und der Mittellappen mit dem mittleren Theil der 
Lippe einen Winkel von fast 50° einschliesst, gewinnt die ganze Lippe ein eckiges, 
fremdartiges Aussehen. 

Die Höcker sind gross, spitz, wie die ganze Lippe dicht sammtartig be- 
haart und nach unten gebogen. In der Mitte der Lippe, welche eine dunkel purpur- 
braune Farbe besitzt, sieht man ein kahles, gelb umrandetes, dunkelbraunes H, 
welches gegen unten ausgezogen ist und sich verbreitert. Zu beiden Seiten des H 
sieht man einen kleinen gelben Fleck. Die ganze Lippe erinnert, abgesehen von 
dem Anhängsel, an 0. aranifera Huds. var. fissa Moggr. 

Von Ophrys arachnites Murr, ist die Blüthe durch die Form der äusseren 
Perigonblätter, die Form der Lippe und das behaarte schüsseiförmige Anhängsel, 
welches ganz den Charakter eines sehr kleinen Mittellappens trägt, verschieden. 
Von Ophrys aranifera Huds. unterscheidet sie sich durch die Länge des Deck- 
blattes, die Form und Länge der seitlichen inneren Perigonblätter, die längere 
Narbenhöhle und das Vorhandensein eines Anhängsels, sowie durch die mehr 
in die Breite gezogene Zeichnung der Lippe, obwohl die Blüthe im Allgemeinen 
der 0. aranifera auf den ersten Anblick hin nahe zu stehen scheint. Das be- 
zeichnendste Merkmal, wodurch die Blüthe sofort als eine Hybride erkannt werden 
kann, ist die Gestalt der seitlichen inneren Perigonblätter. 

Hiermit wäre nun auch für Oberösterreich diese Hybride nachgewiesen, 
welche bisher aus Oesterreich vom Bisamberge bei Wien [Ophrys ohscura Beck 
= 0. aranifera genuinaX fuciflora?^)li und vom Monte S. Valentino bei Görz^) 
bekannt geworden ist. Ferner wurde dieselbe bei Toulon aufgefunden (M. Ch. 
Grenier, Recherches sur quelques Orchidees des environs de Toulon; Extr. d, 
Mem. de la Soc. d'Emulation du Doubs, 1859); Grenier sagt von den inneren 
seitlichen Perigonblättern, sie seien „glabres et non ciliees". 

Am Isonzodamme bei Gradisca sammelte ich am 28. Mai 1895 mehrere 
Orchideen, unter denen sich neben Ophrys arachnites Murr, und vielen 0. 
aranifera Huds. drei Formen befanden, die ich bisher für Abarten der letzten 
Art ansah, nun aber für Hybriden zwischen den genannten Arten halten möchte. 

Die Blüthen besitzen eine sehr grosse Aehnlichkeit mit 0. aranifera, sind 
aber durch das Vorhandensein eines behaarten, breiten, dreizähnigen Anhängsels, 
welches ganz den Charakter eines kleinen kurzen Mittellappens trägt, von derselben 
verschieden. Die Verdickung dieses Theiles der Lippe, sowie das Vorhandensein 
einer kahlen gelben Linie, welche die vorne 9 mm breite Lippe von dem sonst ganz 
gleich gefärbten, 2 mm breiten und ebenso langen Anhängsel trennt, weisen darauf 
hin, dass wir hier an Kreuzungen der 0. aranifera X arachnites zu denken haben. 

') G. V. Beck, Flora von Niederösterreich, Bd. I, S. 197. 

-) Berichte der Commission für die Flora von Deutschland (Deutsche botan. Gesellsch., 1887 
Bd. V. Bericht von Freyn, S. CXLIII). 



312 



Louis Kellor. 



Beiträge zur Umgebungsflora von Windiseh- Garsten 
(Oberösterreieh). 

Von 

Louis Keller. 

(Eingelaufen am 23. April 1898.) 

Obwohl der durch 24 Jahre iu Windisch-Garsten thätige Botaniker Coope- 
rator Ob er leitner das ungefähr 5"75 Quadrat-Myriameter umfassende Gebiet des 
Gerichtsbezirkes Windisch-Garsten nach allen Seiten hin eifrigst durchforschte 
und seine gemachten Erfahrungen in einem grösseren Aufsatze hinterlegte, 
gelang es mir dennoch, in der Zeit vom 16. Juli bis 14. September 1897, welche 
ich in dieser Gegend zubrachte, manches Neue aufzufinden. 

Damit sei nicht gemeint, dass nicht noch Manches in dieser Gegend auf- 
zufinden wäre, denn das Wetter war diesem Erdstriche iu den Ferialmonaten 
nicht besonders hold und vereitelte die meisten im Programm stehenden Berg- 
touren, wie auch kleinere Partien in der Ebene, so dass sich meine Beobach- 
tungen nur auf einen kleinen Gebietstheil erstrecken. 

Trotzdem ist diese Aufzählung der nachbenannten Funde als eine Vervoll- 
ständigung des oben citirten Aufsatzes zu betrachten und soll jene Botaniker, 
die vom Wetter mehr begünstigt werden, als es bei mir der Fall war, aneifern, 
besonders der Bergregion ihr besonderes Augenmerk zuzuwenden. Schliesslich 
sei noch erlaubt zu bemerken, dass die Frühlingsflora dieser Gegend ebenfalls 
noch manches Ergebniss zu Tage fördern wird. 

Bei Aufstellung dieses Verzeichnisses wurde die Anordnung nach Nyman, 
Conspectus Fl. Europaeae getroffen. Die mit * bezeichneten Arten sind neu 
für Oberösterreich. 

Anemone narcissiflora L. Gowilalpe bei Spital am Pyhrn, ca. 1400 m. 

Hepatica triloha Chx. (fr.). Polsterlucke in Hinter-Stoder, 620 m. 

Thalictrum minus L. (Sm.). Im Felsgerölle des Veichlthäles bei W.-Garsten, 

ca. 650 m. . . . . 

Hellehorus niger L. In der ganzen Umgebung häufig. 

* Caltha laeta S. N. K. In Strassengräben um W.-Garsten (blühend im August). 

Aconitum rostratum Beruh. Am grossen Pyrgass, ca. 1500 m. 

Aconitum Napellus L. Am Fischbach im Redtenbachthale nächst W.-Garsten, 

ca. 620 m (häufig). 
Nymphaea alba L. In Teichen bei Rossleithen, nahe W.-Garsten. 



') Führer durch Windisch-Garsten und seine Umgebung in Oberpsterreich, herausgegeben von 
der Section Windisch-Garsten des österr. Touristen-Club (1888), S. 63 (enthält eine grosse Menge voir. 
Druckfehlern). 



Beiträge zur Umgebiingsflora von Windisch-Garsten (Oberösterreich). 



313 



Ärabis arenosa Scop. Im Fallgraben bei Spital am Pyhrn, ca. 800 vi (sehr selten). 

Erysimum Cheiranthus P. Im Felsgerölle des Veiehlthales, ca. 680 m. 

Viola umbrosa Hpe. (fol.). Im Biidergraben des Redtenbachthales bei W.- 

Garsten, ca. 700 m. 
Drosera rotundifolia L. Auf Torfwieseii bei W,-Garsten (häufig). 
Parnassüi palustris L. Wiesen, verbreitet. 
Silene acaulis L. Grosser Pyrgass, ca. 2200 m (häufig). 
Gypsophila repens L. Ebendort, ca. 1800 — 2000 ?h (häufig). 
Dianthiis alpiniis L. Ebendort, ca. 2100 ?w. 

Dianthtis carthusianorum L. var. alpestris Neilr. An Waldrändern im Veichl- 
thale, ca. 620 m, und am grossen Pyrgass, ca. 1500— 1700 w (sehr häufig). 
Cherleria sedoides L. Grosser Pyrgass, 2240 m. 

Malva Alcea L. An der Poststrasse bei W. -Garsten, 620 am Sonnwendkogel 

(wenig verbreitet). 
Ononis spinosa L. Auf Wiesen bei W,-Garsten (verbreitet). 
* Anthyllis alpestris Kit. Auf Felsen am Hengst-Sattel im Laussathal, ca. 1024 m 

(nicht häufig). 

Trifolium hybridum L. Auf Wiesen, überall verbreitet. 

Oxytropis montana Aut., non DC. Grosser Pyrgass, 2244 m (häufig). 

Hedijsarum obscurum L. Ebendort, ca. 2100 m (häufig). 

Bubus hirtus W. K. Auen bei der Kroissenmühle nächst W. -Garsten, ca. 620 m. 
Potentilla Clusiana Jacq. Grosser Pyrgass, ca. 2200 m (sehr häufig). 
Potentilla caulescens L. An Felsen im Schröckstein bei W. -Garsten (nicht 
häufig). 

Dryas octopetala L. An Felswänden im Redtenbachthale und Eidenberg, ca. 650 m 
(hier in riesigen Stöcken), und grosser Pyrgass, 2244 ?w. 

Geum rivale L. Beim Trattenbachfalle in der Grünau, ca. 750 m. 

Agrimonia Eupatoria L. In der Gleinkerau bei W.-Garsten (häufig). 

*Alchemilla anisiaca Stapf. Grosser Pyrgass, 1900— 2200 m (häufig). 

Epilobium alpestre Jacq.^) Grosser Pyrgass, ca. 1500 m (fr.). 

Epilobium palustre L. In Tümpeln bei W.-Garsten (nicht häufig). 

Sedum atratum L. Grosser Pyrgass, ca. 2000 m. 

Saxifraga Aizoon Jacq. Ebendort, ca. 2200 m (häufig). 

S. caesia L. Ebendort, 2244 m. 

S. aizoides L. Ebendort, 1200—1400 m. 

S. muscoides Wulf. Ebendort, 2000—2200 m. 

S. aphylla Sternbg. Ebendort, ca. 1700 — 2100 m (nicht häufig). 

S. stcllaris L. Beim Piessling-Ursprunge nächst W.-Garsten, ca. 750 m (an Wasser- 
rinnen). 

S. rotundifolia L. Grosser Pyrgass, 1200— 1400 m (unter Nadelholz). 
S. umbrosa L. An Bächen in der Grünau bei Spital am Pyhrn (scheint hier 
verwildert zu sein). 



') Form mit gegenständigen Blättern. 
Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 



41 



314 



Louis Keller. 



S. muscoides Sternbg., non Wulf. Auf der Gowilalpe bei Spital am Pyhrn, ca. 
1400 m. 

Ängelica silvestris L. An Bächen in der Grünau bei Spital am Pyhrn, ca. 650 m. 
Heracleum austriacum L. Grosser Pyrgass, 1800— 1900 m, und im Eidenberg bei 

W. -Garsten, ca. 630 m. 
Äthamanta cretensis L. Auf Felsen im Eidenberg bei W. -Garsten, ca. 670 m. 
Athamanta mutellinoides Lam. Ebendort und am grossen Pyrgass, ca. 1800 m. 
* Seselinia austriaca G. Beck. Auf Felsen im Schröckstein bei W.-Garten, ca. 620 m. 
Pimpinella saxifraga L. var. dissecta Wulf. Ebendort, ca. 670 m (sehr häufig). 
Ästrantia major L. Ebendort, ca. 650 m. 
Viscum album L. Auf Obstbäumen in Gärten von W. -Garsten. 
Lonicera alpigena L. (fr.). Beim Trattenbachfalle bei Spital am Pyhrn, ca. 750 m 

(häufig). 

Galium austriacum Jacq. Auf Felsschutt im Schröckstein bei W. -Garsten, ca. 
630 m. 

Asperula Neilreichii G. Beck. Auf Felsschutt im Eidenberg, ca. 650 m (häufig). 
Valeriana celtica L. Am grossen Pyrgass, ca. 2100 w (sehr häufig). 
Scahiosa lucida Vill. An Waldrändern im Veichlthale, ca. 620 w. 
Bidens cernua L. vai-, radiata DG. In Tümpeln bei W.-Garsten (selten). 
Arnica montana L. Auf Torfwiesen nahe dem Waldrande des Garstnereck bei 

W.-Garsten (selten). 
JDoronicum austriacum Jacq. Am grossen Pyrgass, ca. 1800 m. 
Doronicum Clusii (All.) Tausch. Ebendort. 
Doronicum Halleri Tausch. Ebendort. 

Senecio nemorensis L. An Waldrändern des Garstnereck, ca. 610 m. 
Senecio nemorensis L. var. latifolius Neilr.^) Ebendort. 

Senecio ahrotanifolius L. In Wäldern beim Piessling-Ursprung nächst W.-Garsten, 

ca. 750 wi, und am grossen Pyrgass, ca. 1500 
Senecio alatus (L.) A. Kern. Am grossen Pyrgass, ca. 1500 m (häufig). 
Ptarmica Clavenae DG. Ebendort, 2244 m (massenhaft). 
Ptarmica atrata DC. Ebendort, 2200 m (häufig). 

Tanacetum vulgare L. Am Bache nächst der Schaffelmühle bei W.-Garsten (nicht 
häufig). 

Gnaphalium margaritaceum L. Ebendort (scheint hier verwildert zu sein). 
PuUcaria dysenterica G. Auf sumpfigem Terrain, überall um W.-Garsten. 
Petasites niveus Bmg. (fol.). In Eidenberg bei W.-Garsten, ca. 700 m (massenhaft). 
Homogyne alpina Gass. In der Polstei'lucke in Hinter-Stoder, 620 m. 
Homogyne discolor Gass. Am grossen Pyrgass, ca. 1800 m. 
Carlina caulescens Lam. An Waldrändern im Veichlthale bei W.-Garsten, ca. 
610 w (häufig). 

Arctium majus Schk. Nur hie und da zerstreut in der [Jmgebung von W.-Garsten. 



1) Mit auffallend kleinen Köpfcbcn. 
Syn. S, Jacquivianm Rchb. 



Beitnige zur t)mgebun«»sfloni von Windisch-Garston (Oherösterrcich). Bi5 

Cirsium eriophorum Seop. An Alpenb.ächen am Hengstsattel im Laussathale 

ge^eu W. -Garsten (hier bäufig, sonst nur zerstreut), 1024 
C. lanceolatum L. Nirgends in der Umgebung von W. -Garsten beobachtet. 
C. heterophi/Uum All. Am Waldraude des Garstuereck gegen die Gleinkerau 

(einzig beobachtete Stelle und hier nicht häufig). 
C. rivulare Lk. Nur in Blättern beobachtet, au Strassengräben zwischen W.- 

Garsten und Rossleitheu, ca. 650 m. 
C. Erisithales Scop. Häufig, in höheren Lagen der Wälder in der ganzen Umgebung. 
C. Erisithales Scop. fl. rubro. Beim Piessling-Ursprung nächst W. -Garsten, ca. 

780 m, und beim Trattenbachfalle bei Spital am Pyhrn, ca. 750 m (selten). 

* C. Canäolleanum Näg. In Wäldern bei Rossleithen, ca. 7G0 m (häufig). 

* C. Äusserdorferi Hausm. Auf feuchten Wiesen beim Trattenbachfalle nächst 

Spital am Pyhrn, ca. 680 m (sehr selten). 

* C. rubrum Porta. Im Fallgraben in der Grünau bei Spital am Pyhrn, ca. 800 m 

(sehr selten). 

C. spinosissimum Scop. Am grossen Pyrgass, ca. 2200 m (nicht häufig). 

C. oleracenm Scop. Auf allen Sumpfwiesen um W. -Garsten (massenhaft). 

C. hybridum Koch (in zwei Formen). An feuchten Waldrändern bei W. -Garsten 

und in Gräben an der Poststrasse vor dem Orte. 
C. palustre Scop. Mehr vereinzelt in feuchten, lichten Waldungen. 
C. suhalpinum Gaud. An Strassengräben bei Rossleithen, ca. 700 m (nicht häufig). 
C. Canum M. B. Nicht beobachtet, scheint in der Umgebung von W. -Garsten zu 

fehlen. 

Carduus nutans L. Ist im ganzen Gebiete selten. 
Carduus defloratus L. Im Veichlthale bei W. -Garsten. 

* Carduus viridis A. Kern. Beim Piessling-Ursprung nächst W.-Garsten, 780 m. 

* Centaurea pseudopJirycjia C. A. Mey. Auf Wiesen beim Trattenbachfalle nächst 

Spital am Pyhrn (wenig verbreitet), ca. 670 m. 
Centaurea pratensis^) Thuill. Im Schröckstein bei W.-Garsten, ca. 650 m. 
Centaurea montana L. An Bächen bei Pichl nächst W.-Garsten, ca. 680 m, und 

am Fischbach im Schröckstein, ca. 640 m. 
Hieracium bupleuroides Gmel. Am grossen Pyrgass in Gesellschaft der zwei 

folgenden Arten, ca. 1500 m (ziemlich häufig). 
Hieracium scorzonerif olium Vill. Ebendort. 

* Hieracium subspeciosum Näg. subsp. melanophaeum^) N. P., II. Bd., S. 159. Am 

grossen Pyrgass, 1500 — 1700 m (nicht häufig). 

Dieses seltene Hieracium, welches in der Tracht dem Hieracium 
trichoneurum Prantl nicht unähnlich sieht, hat einen sehr geringen Ver- 
breitungsbezirk. 

Nägeli und Peter führen von demselben im II. Bande, S. 159 
folgende Standorte an: 



') Anhängsel der Hüllblätter zurückgekrümmt. 

^) Die Hieracien Mitteleuropas von Nägeli und Peter. 



41* 



316 



Louis Keller. 



Schweiz: Kalkberg am Splügen, 1950— 2200 m. Kaltwasser am 
Simplon, 1885— 2275 w. 

Tirol: Vennerthal des Brenner, 1950 — 2110 Am Arlberg.^) 

Niederösterreich: Am Dürnstein, und zwar am Wege vom 
oberen Lunzersee zur Herrenalpe. 

Kärnten: Ohne nähere Angabe des Standortes. 

Herr Prof. A. Oborny, welcher die Liebenswürdigkeit hatte, mir 
dieses Hieracium zu bestimmen, und dem hierfür der verbindlichste Dank 
ausgesprochen werde, verglich es mit der Tirolerpflanze und jener vom 
Arlberge und vom Dürnstein und fand, dass die oberösterreichische Pflanze 
eine verkahlte Form darstellt, die mit der der beiden ersteren Standorte 
vollständig übereinstimmt, von der Dürnsteiner Pflanze aber in der Be- 
haarung abweicht. 

Hieracium suhspeciosum Näg. var. melanophaeum N. P. kommt in 
Oberösterreich am grossen Pyrgass in Gesellschaft von Hieracium hupleu- 
roides Gmel. und Hieracium scorzonerifolium Vill. vor und ist für dieses 
Kronland vollständig neu. 

Schliesslich sei bemerkt, dass höchst wahrscheinlich in nicht allzu 
ferner Zeit dieses Hieracium auch in Salzburg aufgefunden werden wird, 
hiemit dann die Kette vom Simplon bis zum Dürnstein geschlossen er- 
scheint. 

Hieracium hifidum Kit. Im Salzachthal bei W.-Garsten, 700 m. 
Hieracium Dollineri F. Schultz. Ebendort. 

Hieracium collinum Gochn, An der Poststrasse bei W.-Garsten, 650 m. 

Crepis hlattarioides Vill. Am grossen Pyrgass, unter Krummholz, 1900—2100 m 

(nicht häufig). 
Cichorium Intyhus L. Im ganzen Gebiete selten. 

Campanula caespitosa Scop. Auf Felsschutt im Eidenberg bei W.-Garsten, 
ca. 650 m. 

Phyteuma orbiculare L. Am grossen Pyrgass, ca. 1700 m. 
Erica carnea L. üeberall im Eidenberg und Schi'öckstein. 
Mhododendron hirsutum L. üeberall in der Bergregion und im Eidenberg, bis 
620 m herab. 

Rhododendron Ghamaecistus L. Im Eidenberg bei W.-Garsten, 620 w (sehr 
grosse Büsche bildend und grössere Flecken überziehend). 

Pirola minor L. In Wäldern bei der Schafi'elmühle nächst W.-Garsten (fr.), 
610 m (nicht häufig). 

Monotropa Hypopitys L. var. glahra. In Wäldern des Veichlthales, ca. 670 m, 
und in Nadelwäldern beim Gleinkersee, ca. 850 m. 

Gentiana cruciata L. Häufig um W.-Garsten, 620 m. 

G. pannonica Scop. Häufig in der Nähe der Hofalpe bei Spital am Pyhrn, 
ca. 1500 wi. 



') Nach Angaben des Herrn Prof. Oborny. 



Beiträge znr UmgeLnngsflora von Wiiidiscli-Garsten (Oberösterreich). 



317 



G. pyieumonanihe L. Auf nassen Wiesen der Gleinkerau, ca. G20 m (hier liäiifig). 
G. nivalis L. Grosser Pjrgass, 2244 m. 

G. Verna L. Im Budergraben des Kedtenbachthales bei W.-Garsten, 750?« (im 
August blühend). 

G. havarica L. Grosser Pyrgass, ca. 2200 m (häufig). 

G.pumiJa Jaeq. PJbendort, 2244 w (sehr häufig). 

G. ciliata L. Bei der Stroniboding in Hinter-Stoder, ca. GOO m. 

G. asdepiadea L. Au Waldrändern um W.-Garsten (häufig). 

G. Sturmiana A. et J. Kern. In der Polsterlucke in Hinter-Stoder, G30 m (hier 
alle Wiesen überziehend). 

*G. Norica A. et J. Kern. Am grossen Pyrgass, 1200— 1500 m (massenhaft). 

Prof. Wettstein charakterisirt diese Art in seiner Monographie,*) 
wie folgt: „Calyx .... omnihus in margine saepe reflexo et in nervo 
mediano papilloso-hirsutis,"' und an einer anderen Stelle: „Von allen 
anderen frühblühenden Arten ist G. Norica durch die eigenthümlichen und 
ganz charakteristischen Behaarungsverhältnisse des Kelches unschwer und 
sicher zu unterscheiden", ferner: „Schliesslich sei noch darauf aufmerksam 
gemacht, dass ab und zu bei G. Norica die Behaarung an Kelchen und 
Blättern schwächer als bei G. Sturmiana ist." 

Die angeführten Merkmale bezüglich des Kelches treffen an der 
vorliegenden Pflanze nicht zu, indem die Kelche nur am Rande (sehr fein) 
steif gewimpert, daselbst zurückgerollt und der Mittelnerv des Kelches 
vollkommen kahl ist. 

Dies stimmt vollkommen mit dem überein, was Prof. Wettstein 
in seiner Diagno.se zu G. calycina Koch, S. 16, sagt: „Calyx glaher in 
margine dentium alho-ciliatus^ und „et margine reflexis^. 

Aus allem dem geht hervor, dass man es hier mit einer intermediären 
Form, die in den Kelchen mit G. calycina, in den übrigen Merkmalen, 
besonders bezüglich der grossen Blumenkronen, mit G. Norica überein- 
stimmt, zu thun hat. — Deshalb schlage ich vor, diese Pflanze als G. 
Norica k. et J. Kern, forma calycinoidea mihi zu bezeichnen. 

Erythraea CentauriumF. An Waldrändern des Garstnereck bei W.-Garsten, 620 m. 

ErythraeapulcJiella Fr. Auf Torfboden gegen den Girerkogel bei W.-Garsten (häufig). 

Menyanthes trifoliata L. In Tümpeln und an Wassergräben um W.-Garsten 
(sehr häufig). 

Cuscuta Epitliymum (L.) Murr. Im Redtenbachthal (auf Erica carnea), 650 m, 

im Schröckstein (auf Gramineen), 620 m. 
* Pulmonaria montatia Lej. Auf der Gowilalpe bei Spital am Pyhrn, ca. 1400 m 

[in Blättern 2)]. 
Myosotis alpestris Schm. Grosser Pyrgass, ca. 2100 m. 



') Europäische Arten der Gattung Geniiana aus der Section Endotricha Froel. (Denkschr. 
der kais. Akad. der Wissensch, in Wien, S. 21 und 25). 

2) Teste Hofrath Dr. A. K e rn er R. v. M ar i 1 an n. 



318 



Louis Keller. 



Myosotis silvatica Hoffm. Ebendort, ca. 1500 m. 

Hyoscyamus niger L. An Gebäuden in der Giünau bei Spital am Pyhrn (in 

meterhohen Exemplaren). 
Verhascum thapsus L. In der Umgebung von W. -Garsten äusserst selten. 
V. nicjrum L. Massenhaft an Strassen und auf Wiesen in der ganzen Umgebung. 
V. nigrum L. vdr. alhiflorum. An Wegen bei Spital am Pyhrn und W. -Garsten 

(nicht selten). 

V. nigrum thapsus (F. collinum Schrad.). An der Poststrasse bei Piessling 

nächst W. -Garsten, 670 (äusserst selten). 
V. supernigrum X thapsus. Auf Hügeln oberhalb des Priller-Steinbruches bei 

W. -Garsten (sehr selten). 
Linaria alpina Mill. Felsschutt im Eidenberg bei W. -Garsten, ca. 640 m. 
Euphrasia salishurgensis^) Funk. Am Fischbach im Schröckstein bei W. -Garsten 

(häufig). 

Alectorolophus angustifoUus (Gmel.) Heynh. Ebendort, ca. 650 m (häufig). 

Fedicularis verticillata L. Grosser Pyrgass, ca. 1800 m (häufig). 

Orobanche platystigma Rchb. Grosser Pyrgass, ca. 1800 m (auf Carduus 

defloratus), sehr vereinzelt, und im Veichlthal, ca. 620 m. 
Orobanche Epithymum DG. Im Veichlthal (auf Papil), ca. 620 m. 
Orobanche Salviae F. W. Sz. In der Nähe der Kroissenmühle bei W. -Garsten 

(auf Salvia glutinosa, in bis 80 cm hohen Exemplaren, massenhaft), ca. 

650 und am Bache nächst dem Calvarienberge von W. -Garsten. 
Sahna glutinosa L. Massenhaft in der ganzen Umgebung. 
Betonica Jacquini G. G. Im Veichlthal bei W.-Garsten. 
Lycopus europaeus L. Auf Torfboden bei W.-Garsten, ca. 620 m. 
Utricularia minor L. In Tümpeln bei W.-Garsten (sehr vereinzelt). 
Cyclamen europaeum L. Massenhaft verbreitet. 

Soldanella montana W. An Waldrändern bei der Schalfelmühle, ca. 610 m. 
Primula elatior (L.) Jacq. In Gräben an der Poststrasse gegen Pichl bei W.- 
Garsten (im August blühend), ca. 680 m. 
Primula Clusiana Tausch, (fol.). Auf Felsen im Eidenberg, ca. 650 m. 
Androsace lactea L. Grosser Pyrgass, ca. 2000 m (vereinzelt). 
Bumex scutatus L. Auf Felsschutt im Eidenberg (fr.), ca. 650 m (häufig). 
Polygonum viviparum L. Grosser Pyrgass, ca. 1800 m. 

Daphne Cneorum L. Im Veichlthal (im August blühend) nur vereinzelt, ca. 640 w. 

Thesium alpinum L. Im Felsschutt im Eidenberg, ca. 670 m. 

Salix glabra^) L. Im Veichlthal, ca. 620 m (häufig), und in der Polsterlucke in 

Hinter-Stoder, ca. 620 m (häufig). 
Taxus baccata L. Am Girerkogel (grössere Bestände bildend) bei W.-Garsten, 

ca. 650 m. 



') Nach brieflichen Mittheilungen des Herrn Prof. v. Wettstein eine relativ grosshlüthige, 
schmalttlättrige Form der Kalkgeröllhalden, die in mancher Hinsicht an Euphrasia Styriaca Wettst. 
erinnert. 

^) Form mit grossen Blättern im Veichlthal ; Form mit sehr kleineu Blättern in der Polsterlucke. 



I 



Beiträge zur Umgobungsfloiii von Windisch-Garsten (Oberösterreich). 



319 



Corallon'hiza innata Br. Im Walde zur Hofalpe bei Spital am Pyhrn (900 bis 
1100 m), vereinzelt. 

Cephalanthera rubra Rieh. In Wäldern im Veichlthal, ca. 620 w (nicht häufig). 
Epipactis palustris Cr. Auf Sumpfwiesen bei der SchaflFelmühle und beim 

Seebachhof nächst W. -Garsten (häufig). 
Epipactis viridiflora Rchb. Wälder im Veichlthal, ca. 620 7n. 
Spiranthes aestiralis Kich. Auf einer Sumpfwiese näclist dem Seebachhof bei 

W. -Garsten (einziger Standort, hier aber häufig), ca. 800 m. 
Spiranthes autumnalis Rieh. Auf Wiesen in der Nähe des „Grundner" nächst 

W. -Garsten (hier massenhaft), ca. 700 m. 
Goodyera repens Br. In Wäldern im Schröckstein, ca. 650 m (häufig). 
(h'chis ustulata L. Im Veichlthal (August blühend), ca. 620 m. 
Anacamptis pyramidalis Rieh. Ebendort und am Fusse des Girerkogels bei W.- 

Garsten (sehr vereinzelt). 
Gi/mnadenia conopea Br. Im Veichlthal, ca. 620 m. 
Gymnadenia odoratissima Rieh. Ebendort, ca. 620 m. 
Piatanthera hifolia Rchb. In Wäldern im Schröckstein, ca. 650 m. 
Älliiim carinatum L. Auf Felsen, ebendort. 
Allium fallax Schult. Ebendort. 

Veratrum album L. (fr.). Auf Sumpfwiesen in der Grünau bei Spital am Pjhi-u, 
ca. 670 m. 

Tofieldia glacialis Gaud. Grosser Pyrgass, 2244 m (nicht häufig). 

Typha angustifolia L. In Tümpeln in der Rossleithen und an Bächen in der 

Grünau bei W.-Garsten. 
Sparganium ramosum Huds. In Tümpeln um W.-Gai-sten (nicht häufig). 
Carex firma Host. Am grossen Pjrgass, 1800—2000 m. 

Danthonia decumhens DC. Auf der Panholzmauer bei W.-Garsten, ca. 900 m 
(nicht häufig). 

Efßiisetum immdatum Lasch. Auf torfigen Wiesen um W.-Garsten (sehr häufig). 
Struthiopteris germanica W. Im Veichlthal an Zäunen (einziger Standort in 

der Umgebung von W.-Garsten). 
Scolopendrüim officinarum Sw. In Felsspalten und an quelligen Stellen im 

Fallgraben bei Spital am Pyhrn und im Budergraben des Redtenbach- 

thales bei W.-Garsten (häufig), 650— 800 w. 
Äsplenium fissum Kit. Im Kalkgerölle des Veiehlthales, in sehr grossen Stöcken 

(sehr häufig). 

Athyrium Filix femina Rth. An Felsen im Eideuberg bei W.-Garsten, ca. 650 m. 
Aspidium Filix mas Sw. var. crenatum Milde. In Wäldern um W.-Garsten, 610 
Aspidium Lonchitis Sw. Auf Felsen im Fallgraben, ca. 700 m. 
Cystopteris fragilis Bei'nh. An Felsen im Veichlthal bei W.-Garsten, 620 wi. 
Polypodium vulgare L. Auf Felsen im Fallgraben bei Spital am Pyhrn, ca. 700 m. 

Es sei mir zum Schlüsse noch gestattet, Herrn Prof. Dr. Carl Fritsch 
für die gütige Revision mehrerer Arten meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. 



320 



Carl Fritsch. 



Was ist Rhinanthus montanus Sauter? 

Von 

Dr. Carl Fritsch. 

(Eingelaufen am 25. April 1898.) 

Im Jahre 1857^) beschrieb A. Sauter aus dem Bereiche der salzburgischen 
Kalkalpen eine neue Rhinanthus -Art, welche er Rhinanthus montanus nannte. 
Er bezeichnete dieselbe als dem dort ebenfalls vorkommenden Rhinanthus an- 
gustifolius „Gaud." ähnlich, aber durch niedrigen, gedrungenen Wuchs, nicht 
begrannte Zähne der Deckblätter und geschlossenen Rachen der Blumenkrone 
verschieden. Später 2) zog Sauter selbst diesen Rhinanthus montanus als Varietät 
zu Rhinanthus Crista Galli L., indem er, Neilreich^) folgend, überhaupt nur 
zwei Rhinanthus -Arten anerkannte, nämlich Rhinanthus Crista Galli L. und 
Rhinanthus alpinus Baumg., und alle Formen mit geschlossener Blumenkrone 
ersterem, die mit offener Blumenkrone aber letzterem subsumirte. " 

In den meisten neueren Werken wird Rhinanthus montanus Saut, voll- 
ständig ignorirt; auch in den speciell der Gattung Rhinanthus, beziehungsweise 
Älectorolophus gewidmeten Abhandlungen von Celakovsky^) und Sterneck^) 
wird dieser Name gar nicht genannt. In Nyman's „Conspectus florae Europaeae" 
(p. 552) steht Rhinanthus montanus Sauter als Unterart hinter Rhinanthus 
alpinus Baumg. und wird für Tirol, Salzburg und Baiern angegeben. 

Da Sterneck die Sauter'sche Art nicht aufgeklärt hat, so habe ich mich 
veranlasst gesehen, der Sache näher zu treten, nachdem die Originalstandorte der 
fraglichen Pflanze in meinem speciellen Forschungsgebiete, im Lande Salzburg, 
liegen. Sauter gibt die Pflanze „auf grasigen Gehängen der Kalkgebirge bei 
Salzburg unter dem Mackstein und in der Gaisau am Fusse des Spielberges" an. 
Dass „Mackstein" nur Druckfehler für „Nockstein" sein kann, ist jedem Salz- 
burger klar. Am Fusse des Nockstein hinter Guggenthai wächst nun, wie ich 
mich im Sommer 1897 selbst überzeugte, in Menge jene Pflanze, welche in 
den neueren Bearbeitungen der Gattung den Namen Älectorolophus 
serotinus (Schön h.) Beck führt. Den zweiten Originalstandort am Fusse 
des Spielberges hatte Frl. M. Eysn auf meine Anregung hin schon vor drei 
Jahren besucht und dort ebenfalls Älectorolophus serotinus gefunden. Ich fand 



1) „Flora", XL, S. 180 (nicht S. 361, wie im „Index Kewensis" steht, nebst der kühnen 
Behauptung: = Bartsia alpinaH). 

2) Mittheilungen der Gesellschaft für Salzhurger Landeskunde, VIII, S. 193 (1868). 

3) Vgl. Neilreich, Flora von Niederösterreich, S. 569 (1859). 

«) Celakovsky, Ueher Rhinanthus angustifolius Gmelin. Oesterr. hotan. Zeitschr., XX, 
S. 130—136 (1870). 

^) Sterneck, Beitrag zur Kenntniss der Gattung Älectorolophus AU. Oesterr. hotan. 
Zeitschr., XLV (1895). 



Was ist Rhivajithiis moviaiiui Snuter? 



321 



diese Art auch noch an verschiedenen anderen Punkten der salzburgischen Vor- 
alpen und kann heute behaupten, dass sie dortselbst — wenigstens östlich der 
Salzach — verbreitet und nicht selten ist. 

Die Diagnose des Rhinanthus montanus Saut, passt voll- 
kommen auf Alectorolophus serotinus; schon die oben angeführten wich- 
tigsten Unterscheidungsmerkmale gegenüber A. angustifolius (Gmel.) Heynh.^) 
weisen unverkennbar auf jene Art hin. Auffallend ist vielleicht nur eines: Sauter 
nennt seinen Bh. montanus niedriger und gedrungener als angustifolius, 
während Celakovsky a. a. 0. gerade umgekehrt seinen Rh. aristatus {— angusti- 
folius) als niedriger („nur 3 — 10" hoch"), während er seinen Rh. angustifolius, 
welcher mit Alectorolophus serotinus zusammenfällt,^) „bis IV2 und 2' hoch" 
beschreibt. Ich vermag jedoch diese scheinbaren Widersprüche ganz befriedigend 
zu erklären. Celakovsky hatte nur wenig Material von seinem Rh. aristatus 
(er führt nur zwei Standorte an!) und offenbar zufällig kleine Exemplare;'') 
hingegen hatte er den Alectorolophus serotinus von mehreren Standorten aus 
Böhmen und Schlesien vorliegen. Dagegen beobachtete Sauter den echten A. 
angustifolius bei Salzburg auf den Geröllhalden der Kalkgebirge, wo er sehr 
hochwüchsig wird und oft geradezu bäumchenförmigen Wuchs aufweist, während 
A. serotinus (= Rh. montanus Sauter) eben dort in einer relativ niedrigen, 
gedrungenen Bergform vorkommt. 

Es ist also schon mit Rücksicht auf die Diagnose Sauter's und mit Bezug 
auf den Befund an den Originalstandorten unzweifelhaft, dass Rhinanthus mon- 
tanus Saut, mit Alectorolophus serotinus Schönh.*) zusammenfällt. Trotzdem 
wollte ich dieses Resultat nicht vor Einsichtnahme in die Original -Exemplare 
des Herbar Sauter veröffentlichen. Frl. M. Eysn hatte die Güte, die Original- 
Exemplare des Rhinanthus montanus Saut, aus dem Sauter 'sehen Herbarium, 
welches sich im Besitze des Collegium Borromaeum zu Salzburg befindet, auszu- 
heben und mir zu übersenden. Es liegen daselbst bei der Original-Etiquette 
^Rhinanthus montanus m. Gaisau am Wege auf den Spielberg, 3000 — 3500', 
Juli 57" fünf Exemplare, von denen das grösste eine niedrige, stark verzweigte 
Form des Alectorolophus serotinus Schönh. darstellt, während die vier anderen 
zu Alectorolophus patulus Sterneck ^) gehören. Da die letztere Pflanze aber sehr 
reichlich behaart ist, während Sauter seinen Rhinanthus montanus ausdrücklich 
als „glaher^ und „durch Glattheit erkennbar" beschreibt, so kann nur das eine 
kahle Exemplar als echtes Original-Exemplar gelten. Ob Sauter später den be- 
haarten Alectorolophus patulus, der ja eine ganz analoge Bildung wie A. sero- 

») Sauter schreibt Rh. angustifolius „Gaud." (Vgl. Gau d in, Flora Helvetica, IV, p. 109.) 
2) Vgl. hierüber Sterneck, a. a. 0., S. 296—297. 

') Man vergleiche hierüber auch den kürzlich in diesen „Verhandlungen" erschienenen 
V. Theil meiner „Beiträge zur Flora von Salzburg" (S. 2G8 des vorliegenden Bandes). 

*) Ich anticipire hier die weiter unten nachzuweisende richtige Autor-Citation zu Alectoro- 
lophus serotinus. 

^) Sterneck, Alectorolophus patulus n. sp. Oesterr. botan. Zeitschr., 1897, S. 4.33. Diese 
Art ist für Salzburg neu, da Sterneck sie nur in Oberösterreich fand. Dass die Sautei- 
schen Exemplare aus Salzburg stammen, ist höchst wahrscheinlich. 

Z. B. Ges. Bd. XLVill. 42 



322 



Carl Fritsch. 



tinus ist, für eine behaarte Form seines Bhinanthus montanus nahm, oder ob 
die Exemplare nachträglich irrthümlich dazu gelegt wurden^), ist nicht zu ent- 
scheiden, ist aber wohl auch gleichgiltig. 

Bhinanthus montanus Sauter ist also mit Alectorolophus 
serotinus Schönh. identisch. Wenn nun der Artname „serotinus'* wirklich 
von Schönheit im Jahre 1850, wie Sterneck citirt,^) rechtsgiltig publicirt 
worden wäre, so wäre der im Jahre 1857 veröffentlichte Name Bhinanthus 
montanus Sauter einfach als Synonym zu jenem zu stellen. Dem ist aber nicht 
so. In dem 1850 publicirten „Taschenbuch der Flora Thüringens"^) von Schön- 
heit findet man auf S. 333 unter Bhinanthus major Ehrh. folgende Bemerkung: 
„Var. mit schmäleren, fast linealen B. Besond. aulfällig ist eine Var. angusti- 

folia serotina, mit sehr ästig. St , deren Bth. sich erst öffnen, wenn 

d. gewöhnl. Form schon abgeblühet ist." Dass mit dieser Bemerkung jene Pflanze 
gemeint ist, welche wir heute Alectorolophus serotinus nennen, ist ausser Zweifel. 
Dagegen kannfich den Namen „serotinus^' nicht als hier publicirt ansehen; mit 
der Phrase „eine Var. angustifolia serotina"' wollte Schönheit offenbar nichts 
Anderes sagen, als dass die Pflanze eine schmalblättrige, spät blühende Form 
des Bhinanthus major Ehrh. sei. 

Erst im Jahre 1866 erfolgte die rechtsgiltige Publication des Namens 
Alectorolophus serotinus Schönh. in Ilse's „Flora von Mittelthüringen" (S. 212). 
Hier heisst es unter A. 7najor: „Aendert ab: a. A. hirsutus All. (als Art) . . . . 
b. A. serotinus Schönheit." Als Autor des Alectorolophus (nicht Bhinanthus!) 
serotinus ist also Schönheit selbst (apud Ilse 1866) zu citiren, nicht aber 
Beck (1893!), wie Sterneck citirt. Der Artname y,serotinus^ ist nun aber, wie 
aus den vorstehenden Erläuterungen hervorgeht, um neun Jahre jünger als der 
Saut er 'sehe Name „tnontanus^^ Da nun der letztere mit einer zur Erkennung 
der Pflanze vollkommen hinreichenden Diagnose veröffentlicht wurde, so muss 
jene Art, welche wir gegenwärtig als Alectorolophus serotinus be- 
zeichnen, den Namen Alectoroloijhus montanus (Sauter sub Bhi- 
nantho) führen. 

Man könnte allenfalls noch einwenden, dass der Name montanus für die 
von Sauter in erster Linie gemeinte niedrige Bergform, der Name serotinus 
aber für die hochwüchsigere Form der Sumpfwiesen reservirt werden solle. Ich 
habe mich aber einerseits an den natürlichen Standorten der Pflanze, andererseits 
bei der Durchsicht mehrerer Herbarien überzeugt, dass diese Formen absolut 
nicht zu trennen sind. Ich sah einerseits Exemplare aus Polen, Schlesien u. s. w., 
welche der salzburgischen Pflanze vollständig gleichen, andererseits auch in Salz- 
burg an tiefer gelegenen, feuchteren Standorten solche Formen, die von der 
niederösterreichischen Sumpfform absolut nicht zu unterscheiden sind. Uebrigens 



1) Sauter^s Herbar war nie in musterhafter Ordnung (aucli zu seinen Lebzeiten nicht I) und 
ausserdem kann nach seinem Tode Manches verschoben worden sein, 

2) Oesterr. botan. Zeitschr., 1895, S. 1G4. 

Eine „Flora Mittelthüringens", wie Beck (Flora von Niederösterreich, S. 10G7) und 
Storneck (a. a. 0.) citiren, hat Schönheit niemals publicirt! 



Wils ist RJihtanthiis moiitaiitis Sautcr? 



323 



sammelte Schönheit seine Pflanze aucli auf Bergabhängen in Thüringen 
und nicht auf iSumpfwieseu, also wahrscheinlich eine der fS auter sehen ganz 
ähnliche Form. 

Durch die Klarstellung des Bhinantlius montanus Sauter wird die bisher 
bekannte Südgrenze der Verbreitung des mit jenem identischen Alectorolophus 
serotinus bedeutend verschoben. Sterneck schreibt:^) „Die südwestliche Grenze 
verläuft längs der Linie: Suhl bei Weimar, bayerischer Wald, Moosbrunn bei 
Wien, Jägerndorf in Schlesien." 2) Uebrigens hat Sterneck selbst nach der 
Publication der oben citirten Stellen seiner Abhandlung (im Sommer 1895) den 
Alectorolophus serotinus (= montanus) auf der Kuppe des Gaisberges bei Salz- 
burg gesammelt und Exemplare desselben dem Wiener botanischen Tauschverein 
übergeben. Herr Dörfler hatte die Güte, mir diese Exemplare zu übergeben; 
sie entsprechen genau dem Bhinanthus montanus Sauter, dessen Originalstandorte 
ja in nächster Nähe des Gaisberges liegen. — Das häufige Vorkommen des 
Alectorolophus montanus in Salzburg macht es sehr wahrscheinlich, dass die 
Art auch in den Nachbarländern (Südbaiern und namentlich Oberösterreich) 
vorkommt. Die Südgrenze dürfte wenigstens in Mitteleuropa so ziemlich mit 
dei- Südgrenze des Alectorolophus major (Ehrh.) Rchb. zusammenfallen, was ja 
auch vollkommen verständlich ist, wenn man mit Sterneck annimmt, dass diese 
beiden Arten sich durch Saisondimorphismus aus einer Stammform heraus- 
gebildet haben. ^) 

Zum Schlüsse möchte ich noch die Synonymie des Alectorolophus mon- 
tanus übersichtlich zusammenstellen: 

Alectorolophus montanus [Sauter in „Flora", XL, S. 180 (1857), 
sub JRhinantho'] Fritsch. 

Syn.: Bhinanthus major Ehrh. var. angustifolia serotina Schönheit, 
Taschenbuch der Flora Thüringens, S. 333 (1850). 

Alectorolophus serotinus Schönheit apud Ilse, Flora von Mittelthüringen, 
S. 212 (1866). — Beck, Flora von Niederösterreich, S. 1069 (1893). — Sterneck 
in Oesterr. botan. Zeitschr., XLV, S. 164 (1895). 

An der zuletzt citirten Stelle findet man die übrigen Synonyme. 



') Oesterr. botan. Zeitschr., 1895, S. 16.5. 

^) An einer anderen Stelle seiner Abhandlung (S. 277) gibt Sterneck eine noch viel weiter 
nördlich gelegene Süd^venze für A. serotmus a,n: „Bonn — Harz — Thüringer Wald — Leitmeritzl — 
Neratowitz! — Moosbninn bei Wien." — Neratowitz liegt mehr als einen Hreitegrad nördlicher als 
der früher genannte bayerische Waldl 

Oesterr. botan. Zeitschr., 1895, S. 420. 



42* 



324 



F r. W. Konow. 



Neue Arten aus den ßlattwespen-Gattungen Ällanlus 
Jur. und Tenthredopsis Costa. 

Von 

Fr. W. Konow, p., 

Teschendorf. 
(Eingelaufen am 29. April 1898.) 

1. Gfeniis. Älltmtus Jur. 

Aus der Gruppe des ÄUantus fasciatus Scop. liegen mir einige neue Arten 
vor, wodurch ich mich genöthigt sehe, diese Gruppe analytisch zu disponiren. 
Die Gruppe umfasst diejenigen Arten, bei welchen der Kopf hinter den Augen 
nicht erweitert, der Oberkopf glatt oder schwach punktirt und am Hinterleib 
wenigstens der fünfte Ring hell gefärbt ist; nur bei Ä. amoenus G3,y., pflegt 
der fünfte Ring theilweise schwarz zu sein. 



Gruppe des AUantus fasciatus Scop. 

1 Die zwei ersten Fühlerglieder gelb 2 

— Höchstens das erste Fühlerglied gelb 4 

2 Das fünfte Hinterleibssegmeut und die Seiten von Segment 2 — 4 roth. 7 bis 
8 mm lang. — Krim. 1. Ä. monozonus Kriechb. cT, 9- 

— Zeichnungen des Hinterleibes gelb 3 

3 Rückenschildchen schwarz; am Hinterleib das fünfte Rückensegment, sowie 
die ganze Seite des Hinterleibes, der feine Hinterrand der übrigen Rücken- 
segmente und der Bauch gelb; der letztere schwarz gefleckt. 6 — 7 mm lang. 
— Südrussland, Kaukasus. 2. A. dialeucus n. sp. 9- 

— Rückenschildchen, das 1., 5., 7.-9. Rückensegment und am Bauch nur das 
vierte Segment gelb. 8—9 mm lang. — Kleinasien. 

3. Ä. Nazareensis Andre. 9- 

4 Das vierte Fühlerglied nur halb so lang als das dritte 5 

— Das vierte Fühlerglied etwas länger als die Hälfte vom dritten ... 6 

5 Erstes Fühlerglied und die Flügelschuppen gelb; am Hinterleib das fünfte 
Rückensegment und die umgeschlagenen Seiten der übrigen Segmente, der 
Hinterrand des achten und neunten Rückensegmentes, sowie des kurzen 
sechsten Bauchsegmentes gelb. 8 mm lang. — Kleinasien, Kaukasus. 

4. Ä. jugalis n. sp. 9- 

— Fühler und Flügelschuppen ganz schwarz, am Hinterleib das fünfte Rücken- 
segment, beim die ganze Bauchseite, die vor dem Ende mehr weniger 
geschwärzt ist, und beim 9 der Hinterrand des neunten Rückensegmentes, 



Neue Arten aus den Hlattwespen-Gattiinejcn AUantns Jiir. und Tenthreflopsia Costa. 



sowie am Bauch die Segmente 4—0 und der Hinterraiid der vorderen Baucli- 
segmente mehr weniger gelb. 7—8 mm lang. — Alpen. 

5. Ä. Helveticus n. sp. cf, 9- 
G Rückenschildchen flach, vorne kaum, hinten weitläufig und undeutlich punk- 

tirt 7 

— Rückenschildchen mehr gewölbt, deutlich, vorne weitläufig, hinten dicht 
punktirt 8 

7 Rückenschildchen gelb; ebenso beim d^s fünfte und achte Rückensegment 
und der Hinterrand von Segment 1 und 4 in der Mitte, beim 9 Segment 1 
und 5 und der Hinterraud von Segment 4, 7, 8, 9. Der Scheitel doppelt so 
breit als lang. 8 — 9 mm lang. — Kleinasien, Kaukasus. 

6. Ä. scutellaris n. sp. cf, 9- 

— Rückenschildchen schwarz, ebenso beim das achte, beim 9 gewöhnlich das 
vierte und siebente Rückensegment. Scheitel um die Hälfte breiter als lang. 
8— 9 mm lang. — Europa, Kleinasien. 7. Ä. fasciatus Scop. cf, 9« 

8 Kleiner, besonders schmaler; Scheitel etwas mehr als um die Hälfte breiter 
als lang. Die Flügelschuppen und das fünfte Hinterleibssegment bei beiden 
Geschlechtern ganz gelblichweiss; beim das achte Rückensegment schwarz, 
beim 9 '^^ den Hinterbeinen die Spitze der Schienen und der Tarsenglieder 
schwarz. 8 — 9 mm lang. — Europa. 

8. A. distinguendus de Stein. cT, 9- 

— Grösser und breiter. Flügelschuppen schwarz, höchstens gelb gelandet . 9 

9 Scheitel doppelt so breit als lang. Fühler ganz schwarz; Flügelschuppen 
schwarz, oder der schmale Aussenrand wie der schmale Hinterrand des Pro- 
notum gelblichweiss; das fünfte Rückensegment bei beiden Geschlechtern 
ganz gelb. 10 — 11mm lang. — Krain, Kärnten, Ungarn, Kaukasus. 

9. A. Frauenfeldi Gir. cf, 9- 

— Scheitel nur um die Hälfte breiter als lang. Das erste Fühlerglied, die breiten 
Hinterecken des Vorderrückens und der Aussenrand der Flügelschuppen stets 
gelblichweiss; das fünfte Rückensegment nur beim ganz gelb, beim 9 
mehr weniger geschwärzt. 10—11 mm lang. — Mittel- und Südeuropa. 

10. A. amoenus Grav. ^f, 9- 

Ad 1. Allantus monozonus Kriechb., cf, 9> ist mir nicht bekannt 
und steht vielleicht hier nicht an richtiger Stelle. Das von mir in der Deutsch. 
Entom. Zeitschr., 1888, S. 219 erwähnte cT gehört der folgenden Speeles an; 
und diese kann wegen der anderen Färbung nicht mit monozonus identisch sein. 
Wahrscheinlich ist die Art dem A. Sabariensis Mocs. verwandt. 

Ad 2. Allantus dialeucus ii. sp., 9- Niger, nitidus; ore, genarum 
appendice, temporum summa hasi, cmtennarum 2 articulis basalihus, pronoti 
angulis, tegulis, abdominis lateribus, segmento 5" dorsali, ceterorum margine 
posteriore, ventris maxima parte, pedibus, maris etiam pectore medio, meta- 
pleuris, mesopleurorum fascia transversa posteriore sulphureis; pedum coxis et 
tibiarum posticarum apice postice nigro-maculatis, tarsis posticis maris magis, 



326 



Fr. W. Konow. 



feminae minus nigro-dorsatis. — Parvus; capite pone oculos suhangustato ; 
clypei apice liaud profunde exciso; antennarum articulo tertio 4" duplo longiore; 
vertice suhcomexo, longitudine sua fere sesqui latiore; sincipite et mesonoto 
laevibus, vix punctulatis; scutelli apice evidentius punctulato; appendice media 
carinato; alis liyalinis, venis fuscis, costa dimidio basali sulphurea, stigmate 
ohscure testaceo. — Long. 6 — 7 mm. 

Patria: Bussia ineridionalis, Gaue. 

Ad 3. Allantus Nazareensis kn^vQ, Q/y^t mir von Mardin bekannt. 
Derselbe hat wie der Vorige den Kopf hinter den Äugen etwas verengt, und 
der Scheitel ist um die Hälfte breiter als lang, aber kürzer und kleiner als 
bei dialeucus und kaum gewölbt. Dagegen hat der ähnlich gefärbte Ällantus 
scutellaris den Kopf hinter den Augen nicht verengt, und der Scheitel ist doppelt 
so breit als lang. 

Ad 4. Allanttis jugalis ii. sp., 9- Niger, nitidus; ore, antennarum 
articulo basali, pronoti latis angulis posterioribus ; tegulis, abdominis lateribus, 
segmento 5" dorsali, segmentorumque 8^ et 9' dorsalium et 6' ventralis margine 
posteriore, pedibus sulphureis; coxis — apice excepto — , pedum posticorum 
trochantero primo, tarsorum posticorum apice nigris. — Subcylindricus, capite 
latiore, pone oculos subangustato ; clypei apice non profunde exciso-, antennarum 
articulo tertio 4^ duplo longiore; vertice longitudine sua sesqui latiore; sincipite 
et mesonoto laevibus; scutello postice vix punctulato, appendice brevissimo; alis 
hyalinis, venis et stigmate nigris. — Long. 8 mm. 

Patria: Asia minor, Cauc. 

Diese Art steht den beiden vorigen in den plastischen Merkmalen sehr 
nahe, ist aber durch den breiten Kopf und die ganz andere Färbung genugsam 
ausgezeichnet. Während bei dialeucus der bleiche Seitenrand des Hinterleibes 
an den Hinterecken der einzelnen Segmente mehr weniger vorgezogen ist und 
daher am Eücken die schwarze Farbe mehr beschränkt wird, ist bei jugalis der 
Kücken des Hinterleibes ganz schwarz und Segment 5, die schief abgeschnittene 
Vorderecke des sechsten und der Hinterrand des achten und neunten Rücken- 
segmentes weisslichgelb. 

Ad. 5. Allantus Helveticus ii. sp,, c^, 9- Niger, nitidus; ore, pronoti 
tenui margine posteriore medio late interrupto, abdominis segmento 5" dorsali, 
maris dorsi lateribus deßexis et ventre ante apicem nigrato, feminae segmentis 
4 — 6 ventralibus, tertii limbo, primi et secundi margine posteriore sulphureis; 
pedibus nigris, anticorum et femorum posteriorum latere antico magis minusve, 
tibiis posterioribus — apice excepto — tarsis intermediis et feminae posticis 
— articulorum summo apice excepto — maris etiam coxarum posteriorum latere 
antico et macula metapleurali sulphureis. — Parvus, subcylindricus; capite pone 
oculos angustato ; clypei apice anguste sed non profunde exciso ; antennis nigris, 
articulo tertio 4" duplo longiore; vertice longitudine sua duplo latiore; sincipite 
et mesonoto sublaevibus; scutelli appendice punctulato, medio carinato; alis obscure 



Neue Arten ans den Blattwespen-Gattnngon AUantus .Tur. und Tenthredopsis Costa. 327 



hyalinis, costa basi snlphurea, stigmate obscure testaceo, basi vix dilutiore, ceteris 
venis nigricantibus. — Long. 7 — Smm. 
Patria: Helvetia (Tessin). 

Die Art steht den vorigen nahe; doch ist der Clypeus schmaler und tiefer 
ausgeschnitten, der Kopf schmaler, der Scheitel kürzer, fast doppelt so breit als 
lang, das Eückenschildcheu hinten sehr flach und undeutlich, aber ziemlich dicht 
punktulirt, der Schildchenanhang in der Mitte gekielt; die Fühler- und Flügel- 
schuppen sind ganz schwarz, ebenso die Beine grösserentheils, die vorderen Beine 
an der Vorderseite, die hinteren Schienen bis auf die Spitze, die Basis der Hinter- 
sehenkel und die Basis der Tarsen, die vorderen fast ganz weisslichgelb, beim 
die Hinterschienen grösserentheils und die Hintertarsen ganz schwarz. Die Art 
erinnert in der Färbung an AUantus Frauenfeldi, ist aber nur halb so gross. 

Ad 6. AUantus scutellams n. sp., 9 • Niger, nitidus; ore, an- 
tennarum articulo basali, pronoti angulis posterioribus, tegulis, scutello vel 
scutelli macula, segmento 5" dorsali quartoque ventrali, maris segmento 8^, 
segmentorum primi et quarti dorsalium margine posteriore utrobique abbreviato, 
venire maxima parte, feminae segmento primo dorsali segmentorumque 4% 7% 
8% 9' limbo posteriore sulphureis; pedibus concoloribus, femorum posticorum 
lata macula apicali, tibiariwi parva macula posteriore apicali, tarsorum apice, 
maris tibiarum posticarum apice et tarsis posticis totis, feminae coxis et tihiarum 
posticarum apice nigris. — Siibcylindricus ; capite pone oculos maris subangustato, 
feminae non angustato; clypeo apice late et profunde exciso; antennarum arti- 
culo tertio 4" vix duplo longiore; vertice longitudine sua duplo latiore; sincipite 
et mesonoto laevibus, nigro-pilosulis; scutello deplanato, postice indistincte 
punctulato; appendice polito, medio carinato; alis hyalinis, costa basi sulphurea, 
ceteris venis stigmateque nigricantibus, illius basi albicante. — Long. 8 — 9 mm. 

Patria: Asia minor, Cauc. 

Die Art steht der folgenden nahe, ist aber durch den breiteren Scheitel 
und andere Färbung sicher zu unterscheiden. 

Ad 7. AUantus fasciatus Scop., ^, ist eine durch ganz Europa 
bekannte Art, die auch in Kleinasien noch vorkommt. Aus dem Kaukasus liegt 
mir eine Reihe von weiblichen Exemplaren vor, bei welchen das vierte Fühler- 
glied und der Scheitel ein wenig kürzer erscheinen; das vierte und siebente 
Rückensegment ist hinten gelb gerandet und die schwarze Färbung an der 
Schenkelspitze der Hinterbeine ist zu einem meist sehr kleinen Kniefleck zu- 
sammengeschmolzen. Gleichwohl wage ich es nicht, dieselben als Art abzutrennen, 
zumal da mir ein entsprechendes Männchen fehlt. 

Ad 8. AUantus distinguendus de Stein, cf, 9, steht in der Mitte 
zwischen fasciatus und amoenus. Von ersterem unterscheidet sich derselbe durch 
das etwas gewölbte, deutlich und dicht punktirte Rückenschildchen, sowie durch 
die bis auf die Basis, beim wenigstens zur Hälfte schwarzen Hinterschenkel; 
von letzterem durch die kleinere schmalere Gestalt und andere Färbung. In der 
Färbung scheint die Art constant zu sein, nur ist das erste Fühlerglied bald 
schwarz, bald gelb, bald schwarz gefleckt. 



328 



Fr. W. Konow. 



Ad 9. Ällantus Frauenfeldi G'ir., ^, 9» steht dem folgenden sehr 
nahe und ist in der Färbung gleichfalls veränderlich, wird aber stets an dem 
kürzeren und breiteren Scheitel erkannt werden können. Das erste Fühlerglied 
scheint stets schwarz zu sein. Eigenthümlich ist die Färbung der vorderen 
Schenkel, die auf dem Rücken und an der Unterseite einen schwarzen Streif 
besitzen; doch scheinen dieselben beim auch ganz bleich vorzukommen. Am 
Hinterleib ist das fünfte Rückensegment stets ganz gelb, und das achte pflegt 
beim schwarz zu sein. Doch kommen Abänderungen vor. Bei einem weib- 
lichen Exemplar, das ich aus Kärnten gesehen habe, waren auch das vierte 
Rückensegment imd die umgeschlagenen Seiten des dritten und sechsten ganz 
gelb, und wahrscheinlich gehört hierher auch das von Herrn A. Mocsäry 
Ällantus alhiventris genannte, aus dem Kaukasus stammende Männchen, bei 
dem der Hinterleibsrücken vom dritten Segment an ganz gelblichweiss ist. 

Möglicher Weise gehört auch Ällantus calcaratus Andre in diese Gruppe. 
Derselbe scheint dem Ällantus scutellaris sehr ähnlich gefärbt zu sein, nur sind 
die Hinterschenkel ganz gelb; und da derselbe in die Verwandtschaft des Ällantus 
zona Klug gesetzt wird, so niüsste der Oberkopf stark punktirt sein. DallaTorre 
identificirt den Ällantus pictus Andre mit calcaratus, aber wahrscheinlich mit 
Unrecht. 

Ad 10. Ällantus amoenus Grv., ^f, 9 (= cingulum Klug), ist in der 
Färbung sehr veränderlich, so dass selten zwei gleich gefärbte Exemplare gefunden 
werden dürften ; besonders ist das Rückenschildchen bald schwai-z, bald ganz oder 
theilweise gelb gefärbt, und der Hinterleib des 9 ist so verschieden bandirt und 
gefleckt, dass genauere Beschreibung überflüssig erscheint. Beim ist das achte 
Rückensegment stets grösserentheils gelb, oft aber auch das siebente mehr weniger; 
bei einem Exemplar meiner Sammlung ist ausser dem fünften auch noch das 
siebente Rückensegment ganz gelb. 



11. Von Ällantus Äbeillei Andre liegt mir das Männchen vor, das 
der Autor nicht kannte. Das Weibchen ist dem Ällantus parvulus Kriechb., 9> 
ähnlich gefärbt: schwarz, der Mund, Pronotum, Flügelschuppen, die Seiten des 
Mesonotum-Mittellappens mehr weniger, die Mesopleuren und die breiten Seiten 
des Hinterleibes, sowie die Beine gelb; die letzteren an der Hinterseite der Hüften, 
Trochanteren, Schenkelbasis und Tibienspitze mit kleinen schwarzen Flecken oder 
Streifen. Die vorderen Tarsen oben schwarz gestreift, die Spitze der Hinterschienen 
und die Hintertarsen ganz schwarz; der Oberkopf glatt und glänzend, hinter den 
Augen kaum verschmälert; Clypeus tief ausgeschnitten; die Fühler deutlich neun- 
gliedrig, ganz schwarz; der Scheitel fast doppelt so breit als lang; das Mesonotum 
undeutlich, das Rückenschildchen deutlich punktirt, glänzend, das letztere ziemlich 
flach; die Flügel hyalin mit schwarzbraunem Geäder und Stigma; die Basis des 
Flügels und der Adern gelb; die Sägescheide schwarz. Das Männchen entspricht 
dem Weibchen vollkommen, nur ist der Bauch ganz gelb; das Mesonotum ganz 



Nene Arten aus den Blattwespcn-Gattungen AUantus Jur, und Tenthredopsis Costa. 329 



schwarz; auf den Mesopleureii ist nur ein schiefer Streif gelb, und am Pronotuni 
sind die umgeschlagenen Seiten zum Theile geschwärzt. — Länge G— 7 mm. 
Kleinasien (Akbes). 

12. AUantus Haherhaueri Kirby, 9- Kirby hat in Ann. and 
Mag. Nat., IV, 1889, p. 142 eine weibliche Tenthredopsis Haherhaueri von Tur- 
kestan beschrieben. Mir liegt von Karaschar in der westlichen Mongolei ein 
weiblicher AUantus vor, auf den die Kirby 'sehe Beschreibung zutrifft. Leider 
kennt Mr. Kirby keine plastischen Merkmale, so dass seine Arten selten mit 
Sicherheit zu identificiren sind ; aber auch die Grösse, 14 mm, und die Färbung 
der Flügel stimmt zu meinem Exemplar. Die letzteren sollen „iridiscent-hyaline" 
sein, „with a smoky band crossiug the lower part of the radial cells". Ein brauner 
Streif liegt am Radius entlaug und füllt den grösseren Theil des Eadialfeldes 
aus, greift auch noch etwas in das Cubitalfeld hinein. Diese auffällige Färbung 
in Verbindung mit der übrigen Körperfärbung dürfte genügen, die Art bestimmt 
zu erkennen. Der Körper ist schwarz, Mandibelbasis weiss; Hinterleibsspitze 
und Beine braunroth; Hüften, Trochanteren, Spitze der Hinterschienen und die 
Hintertarsen bis auf die Klauen schwarz; Kopf und Thorax dicht und stark, 
die Brust feiner punktirt; Oberkopf, Pro- und Mesonotum schwarz, Unterkopf, 
Mesopleuren und Brust bleicli behaart. Der Kopf hinter den Augen nicht verengt; 
die Fühler kaum so lang als Kopf und Thorax zusammen, vor der Spitze schwach 
verdickt, die Spitze manchmal bräunlich; der Scheitel flach, doppelt so breit als 
lang; das Rückenschildchen gewölbt, glänzend, in der Mitte nicht oder kaum 
punktirt; die Meso]ileuren unten ziemlich stark stumpfhöckerig aufgetrieben. 
Das gleichgefärbte Männchen beschrieb A. de Jakowlew 1891 unter dem 
Namen A. capucinus var. Aber auch die Art selbst, A. capucinus JakowL, ist 
nichts anderes als ein A. Haherhaueri mit schwarzer Hinterleibsspitze, und diese 
Abänderung mag als A. Haherhaueri Kirby var. capucinus Jakowl. bezeichnet 
werden. 

2. Greil US. Tenthredopsis Costa. 

1. Tenthredo2}sis trifotHs ii. sp., 9- Nigra, nitida; Idhro, macula 
temporali, pronoti limho mcdio interrupto, scutello, appendice, postscutello, 
2 maculis latis in primo ahdominis segmento dorsali sitis, trochantero postico 
secundo, tarsoriwi posticorum annulo alhis, ahdominis segmentis 4 — 7 dorsalihus, 
venire, pedihus rufis; coxis, trochanterihus, femorum posticorum summa hasi et 
macula parva apicali, tihiarum posticarum apice, tarsis magis minusve nigris. 

Brevior, capite minus lato, pone oculos angustato; clypeo nigro, ruguloso- 
punctato; antennis tenuihus, ahdomine hreviorihus, nigris, suhtus rix dilutiorihus ; 
vertice medio sulcato, longitudine sua duplo latiore; sincipite, mesonoto, meso- 
pleuris laevihus, cano-puhescentihus ; scutello deplanato; alis hyalinis, costa 
testacea, ceteris venis et stigmate nigris, illius hasi alha; nervo radiali fere 
interstitiali. — Long. 10 mm. 

Patria: Asia minor (Amasia, Cilicia). 
Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 43 



330 



Fr. W. Konow. 



Das Weibchen steht der T. albopunctata Tischb. nahe und ist sehr ähnlich 
gefärbt, aber die Fühler sind einfarbig und der Kopf ist viel schmaler, hinter 
den Augen stark verengt. Von Beuthini unterscheidet es sich durch die glatten 
Brustseiten, den hinter den Augen deutlich verengten Kopf und den etwas 
schmaleren, in der Mitte tief gefurchten Scheitel; bei Beuthini ist der Kopf 
hinter den Augen kaum verengt und der Scheitel ist nicht gefurcht. 

2. Tenthredopsis strammeata ii. sp., 9 • Nigra, nitida; ore, orbita 
interiore mm macula temporali conßuente, pronoti latis angulis posteriorihus ; 
tegulis, scutello, appendice, postscutello sulphureis, äbdominis medio pedibusque 
stramineis; segmentis dorsalibus 1", 7", 8", Ö", secundi lata macula anteriore, 
ventris segmento ultimo, vitta utrobique ventrem terminante, pedum coxis femori- 
busque posticis — basi excepta — nigris, tibiariim apice tarsisque subrufe- 
scentibus. 

Gracilis; capite pone oculos angustato; clypeo apice subtruncato; an- 
tennis abdomen longitudine aequantibus, stramineis, dorso nigratis, articulis 2 
basalibus nigris summo apice luteis; vertice media sulcato, longitudine sua 
duplo latiore, sulcis lateralibus profundis; sincipite, mesonoto, mesopleuris 
laevibus, cano-pubescentibus ; scutello convexo, subelato; alis lutescenti-hyalinis, 
Costa flava, ceteris venis fuscis, stigmate nigra, basi albido, nervo radiali fere 
interstitiali. — Long. 8 — 10 mm. 

Patria: Asia minor (Cilicia). 

Die Art gehört zur Verwandtschaft der T. arnatrix und festiva, ist aber 
durch ihre schlanke Gestalt und auffällige Färbung genugsam unterschieden. 

3. Tenthredojysis qtiadrannulata ii. sp., 9- Nigra, nitida; labro, 
striga brevi et tenui in superiare parte orbitae interioris sita, 2 maculis tempo- 
ralibus, antennarum annulo, pronoti limba posteriore media latius interrupto, 
tegularum angulo anteriore, scutello, postscutello, 2 maculis transversis' in prima 
segmento dorsali sitis, tarsarum pasticarum annulo albis; äbdominis medio 
pedibusque rufis; äbdominis segmentis 3 basalibus et 2 apicalibus, venire, pedum 
coxis, trachanteribus — trachantera secunda postico excepta — femorum basi 
pasticarumque summa apice, tibiarum pasticarum dimidia apicali, tarsis — 
annulo pasticarum excepta — nigris. 

Gracilior; capite pone oculos vix angustato; clypeo ruguloso-punctato , 
nigra, apice truncata; antennis abdomine fere breviaribus, media subincrassatis, 
nigris, articulo ß° et 7" albis; vertice medio non sulcato, longitudine sua duplo 
latiore; sincipite, mesonoto, mesopleuris laevibus, cano-pubescentibus; scutello 
deplanata; appendice nig^'O; alis hyalinis, casta testacea, ceteris venis et stig- 
mate nigris, illius basi albida; nervo radiali interstitiali. — Lang. 9 mm. 

Patria: Asia minor (Akbes). 

Die Art ist der T. opulenta am nächsten verwandt, von dieser aber ver- 
schieden durch den weissen Fühlerring, den hinter den Augen schmaleren Kopf 
und den kürzeren und verhältnissmässig breiteren Seheitel. Von T. Tischbeini 
unterscheidet sie sich durch die glatten Brustseiten, den schwarzen Cljpeus und 
schwarze Flügelschuppen. 



Neue Arten aus den Blattwespen-Gattungen Allantus Jur. und Tentlire^opsis Costa. 331 



4. Tenthretlopsis Casia u. sp., cT, 9- Nigra, nitida; tarsorum 
2)OSticorum amiulo, feminae etiam antennarum annulo, striga breoi et tenui in 
supera parte orhitae interioris sita, 2 maculis temporalibus, pronoti limbo 
jiosteriore medio late interrupto, scutello, appendice, postscutello, 2 maculis latis 
in primo segmento dorsali sitis albis; maris pronoto vix albido-marginato; 
abdominis medio pedibusque rufis; abdominis segmentis dorsalibus 1, 2, 3, 7, 8, 9 
sextique apice, pedum coxis, trochanteribus, femorum basi, genibus posticis, 
tibiarum posticarum dimidio fere apicali, tarsis maxima parte nigris; venire 
rufo, segmento ultimo nigro, in femina medio apice rufato; segmentorum inter- 
mediorum lateribus deflexis maris nigris, feminae interdum paullulum nigratis; 
maris segmento primo dorsali utrobique obscure albido-Uturato. 

Crassior; capite pone oculos maris valde, feminae minus angustato; ore 
nigro; clypeo ruguloso-punctato, apice emarginato-truncato ; antennis abdomen 
longitudine fere aequantibus, nigris, subtus obscure rufis, articulis 2 basalibus 
nigris, feminae articulis 6" et 7" albis; vertice longitudine sua plus quam duplo 
latiore, antice puncto impresso vel sulco brevi medio ornato; sincipite, mesonoto, 
mesopleuris laevibus, pubescentibus ; scutello subdeplanato, maris nigro; alis 
liyalinis, costa testacea, ceteris venis et stigmate nigris, illius basi albida; nervo 
radiali interstitiali ; maris alis inferioribus postice vena marginali haud occlusis; 
maris segmento ultimo dorsali sublaevi, medio haud impresso. — Long. 10 mm. 

Patria: Asia minor (Äkbes, Cilicia). 

Der vorigen Art sehr nahe verwandt, ist diese Species von derselben doch 
sicher verschieden durch die gedrungenere Gestalt, den schwarzen Mund, den 
hinter den Augen deutlich verengten Kopf und den breiteren, vorne in der Mitte 
eingedrückten Scheitel. 

5. Tetithredojjsis ventriflua ii. sp., 9- Nigra, nitida; labro, linea 
brevi in supera parte orbitae interioris sita, tarsorum posticorum annulo albis; 
abdominis dorso pedibusque rufis; hoc medio anguste nigro-vittato, segmentis 2 
basalibus et ultimo nigris, ceterorum lateribus deflexis concoloribus ; venire medio 
ruf o-liturato ; pedum coxis, trochanteribus, femorum summa basi, tibiis posticis 
tarsisque maxima parte nigris. 

Elongata; capite pone oculos subangustato ; clypeo subruguloso, apice 
truncato; antennis nigris, medio compresso dilaiatis, abdomine longioribus; 
vertice medio non sulcato, longitudine sua fere sesqui latiore; sincipite, mesonoto, 
mesopleuris laevibus, his obscure, Ulis cano-pubescentibus ; scutello subdeplanato ; 
alis hyalinis, costa fusca, ceteris venis et stigmate nigris, illius basi alba; nervo 
radiali fere interstitiali. — Long. 11 mm. 

Patria: Asia minor (Cilicia). 

Gleichfalls der T. opulenta nahe verwandt; aber durch längere, in der 
Mitte stark comprimirte Fühler, durch den hinter den Augen deutlich verengten 
Kopf und den breiteren Scheitel sicher verschieden. Das hierher gehörige 
Männchen dürfte dem Casia-Männchen sehr ähnlich sein, wird aber längere und 
stärker comprimirte Fühler und einen längeren Scheitel besitzen müssen. 

43* 



332 



Fr. W. Kouow. 



6. Tenthredopsis quadriforis n. sp., 9 • Nigra, nitida; dbdominis 
medio rufo; 2 maculis minoribus orbitalibus in summo oculorum angulo interiore 
sitis; 2 maculis temporalibus, pronoti limbo posteriore medio interrupto, scutello, 
appendicis et postscutelli maculis albis; ahdominis segmentis 2 busalibus et 
2 apicalibus nigris; pedibus nigris, anteriorum femoribus — basi fusca excepta 

— tibiisque et tarsis anticis rufis; posticorum tibiis supra basin et tarsis ante 
apicem pellucentibus. 

Crassior; capite lato, pone oculos non angustato; ore nigro; clypeo 
ruguloso-punctato, apice emargiviato-truncato ; antennis nigris, subtus fuscis, 
medio subincrassatis, abdomen longitudine aequantibus; vertice longitudine sua 
duplo latiore, sincipite et mesonoto laevibus; mesopleuris subtiliter ruguloso- 
punctulatis, medio parum nitentibus; tegiiUs nigris; alis hyalinis, costa et 
Stigmatis basi albicantibus, ceteris venis nigris; nervo radiali fere interstitiali. 

— Long. 10 mm. 

Patria: Croatia. 

Diese Art ist der T. Beuthini Rudow sehr nahe verwandt, unterscheidet 
sich aber leicht durch die schwarzen Flügelschuppen und schwarzen Hinterbeine. 
Der Scheitel ist länger und viel schmaler, und die Mesopleuren sind deutlicher 
punktulirt; ausserdem fehlen hier die weissen Flecke auf dem ersten Hinterleibs- 
segment, und das dritte Eückensegment ist nicht in der Mitte breit schwarz 
wie dort. 

7. Tenthredopsis Andrei mihi, ^f, 9- Ed. Andre hat in seinem 
grossen Werke Species des Hymenopteres den Rudow 'sehen Namen T. gynan- 
dromorpha auf eine Tenthredopsis -kvt gedeutet, die in Croatien und auf der 
Balkanhalbinsel vorkommt und durch einen weissen Fühlerring, sowie durch grob- 
runzelig punktirte Brustseiten ausgezeichnet ist. Diese Deutung ist unrichtig. 
Die Rudow 'sehen Thiere sind in Thüringen gefangen und dürften zu den Arten 
Tenthredo balteata Klg. und T. ferruginea Schrnk. gehören. Für die Andre'sche 
Art schlage ich deswegen zu Ehren des verdienten Autors obigen Namen vor. 

8. Tenthredopsis Cabrerae ii. sp., , 9 • Tenthredopsi Coqueberti 
simillima sed major; nigra, nitida; labro, clypeo, orbitis interioribus magis 
minusve, maris saepius etiam exterioribus genarumque appendice, 2 maculis 
temporalibus, in femina saepius obsoletis, maculis scutelli et appendicis, maris 
etiam postscutelli, tarsorum posticorum annulo albis; abdomine rufo, dorsi 
segmentis 2 basalibus et feminae segmento nono anoque nigris; pedibus nigris; 
femorum anticorum apice et tibiis anticis rufis, interdum etiam tibiis intermediis 
magis minusve rufatis. 

Elongattis; capite lato, pone oculos maris parum, feminae non angustato; 
clypeo albo, apice subemarginato-truncato ; antennis nigris, subtus magis minusve 
rufatis, abdomine multo longioribus; vertice medio vix sulcato sed antice puncto 
impresso ornato, longitudine sua sesqui latiore; sincipite, mesonoto, mesopleuris 
fere laevibus, ca.no-pubescentibus ; alis hyalinis, costa testacea, stigmatis basi 
alba, ceteris venis nigris, nervo radiali cellulam cubitalem tertiam mox pone 



Neue Al ton aus den Blattwespen-Gattungen Allantus .Tur. und Te.uihredopsls Costa. 333 



medium attingente; maris alis inferiorihns postice vena marginali occhisis. — 
Long. 11— 13 mm. 
^ Patria: Hispania (Barcelona). 

Während dns Männchen dieser Spccies von Coqiieherti durch die Randader 
der Hinterflügel leicht und sicher zu unterscheiden ist, bieten sich leider für das 
Weibchen kaum plastische Unterscheidungsmerkmale dar; und ohne das Männ- 
chen würde ich die vorliegenden Weibchen nur für riesige Exemplai-e von Coque- 
hcrti gehalten haben. An T. limhildbris Kriechb. oder conjtmgens Kriechb, kann 
nicht gedacht werden, weil bei letzterem die Randader der Hinterflügel unter- 
brochen ist, bei jener Clypeus und Lippe schwarz sind. Coqueberti 9 hat einen 
etwas kürzeren und schmaleren Scheitel, der gewöhnlich durch eine Längsfurche 
getheilt ist, während bei Cabrerae der Scheitel nur vorne in der Mitte punktförmig 
oder grubenförmig eingedrückt ist. Die Art wurde in mehreren Exemplaren von 
Herrn Anatael Cabrera y Diaz bei Barcelona erbeutet und trägt ihren Namen 
zu Ehren ihres Entdeckers. 

9. Tetithredopsis sororia n. sp., 9- Nigra, nitida; ore et scutelli 
appendicisque maculis albis, dbdominis medio pedihusque rufis, femorihus posticis, 
coxis, trochanterihus nigris, thorace interdum magis minusve ochraceato; capite 
pone ocidos angustato; clypeo brevi, apice truncato; antennis gracilibus, ab- 
domen longitudine superantihus, — articulis 2 basalibus exceptis — magis 
minusve rufatis; vertice breviore, longitudine sua vix sesqui latiore, medio liaud 
sulcato; alis hyalinis, stigmate albido, apice fusco, nervo 2 mediali non inter- 
stitiali; vagina crassa, brevi, apicem versus angustata et scabro-setosa, apice 
rotundata; hypopygio permagno, apice late emarginato. — Long. 10 -12 mm. 

Patria: Talysch (ad Mar. Caspic. sit.). 

Diese Speeles steht der T. litterata Geoffr. sehr nahe, und das Weibchen 
scheint in der Färbung gleichfalls sehr veränderlich zu sein. Der an der Spitze 
nicht ausgerandete Clypeus, der kleinere, in der Mitte nicht gefurchte Scheitel, 
das an der Spitze breiter und weniger tief ausgerandete Hypopygium und die 
dickere und kürzere Sägescheide lassen einen Zweifel an der Selbstständigkeit der 
Art nicht zu. Bei litterata ist der Clypeus an der Spitze über die ganze Breite 
flach ausgerandet, der Scheitel ist um die Hälfte breiter als lang und in der 
Mitte tief gefurcht; die Sägescheide ist lang und schmal, am Grunde ein wenig 
erweitert, und das Hypopygium ist an der Spitze tief, fast dreieckig ausgeschnitten. 
Bei der neuen Art ist gewöhnlich nur das dritte und das vierte Rückensegment 
sammt den entsprechenden Bauchplatten rothgelb; dagegen hat eines unter meinen 
Exemplaren, bei welchem der Thorax grösstentheils schmutzig braungelb ist, auch 
fast das ganze fünfte und einen Theil des sechsten Rückensegmentes bräunlichgelb. 

10. Tenthredopsis hmnerosa ii. sp., 9- Nigra, nitida; ore, tegulis, 
cenchris albis; clypeo bßsi nigro; abdominis medio pedibusque rufis, coxis et 
trochanteribus nigris, tarsis fuscis; capite pone oculos coarctato, oculis valde 
j)rominentibus ; clypei apice medio paullulum exciso; antennis äbdomen longi- 
tudine superantibus ; vertice longitudine sua fere sesqui latiore; alis hyalinis, 



334 F. W. IC n ö w. Neue Arten a. d. BlattWespcü-Gatt. AllanHis Jur. \\. Tenthredopsh Costa. 



stigmate nigro, hasi albo; dbdominis segmentis 3—6 dorsalibus et ventris 3 
hasalibus rufis, Ulis utrobique nigro-maculatis. — Long. 10 mm. 
Patria: Talysch (ad Mar. Caspic. sit.). 

Der T. excisa Thms. und discrepans Knw. verwandt, fällt diese Art sehr 
auf durch die dunkle Färbung an Kopf und Thorax, au denen nur der Mund 
und die Plügelschuppen weiss sind. Ausserdem ist dieselbe von beiden ver- 
schieden durch den an der Spitze nur schwach ausgerandeten Clypeus und den 
stark hinter den Augen verengten und eingeschnürten Kopf. 



Zwei neue Coptolabrus. 

Vou 

Paul Born 

in Herzogeabuchsee. 
(Eingelaufen am 29. April 1898.) 

Coptolabrus Meyerianus iiov. spec. 

Dieser echte und sehr auffallende Coptolabrus unterscheidet sich von 
smaragdinus Fisch, vor Allem durch seine schmale, schlanke, parallelseitige Ge- 
stalt, seinen grossen, breiten und flachen Halsschild und seine kräftigen secundären 
Tuberkelreihen. 

Der Kopf ist derjenige des smaragdinus, der Thorax von auffallender 
Grösse, in der Mitte so breit als die Flügeldecken an ihrer breitesten Stelle, 
nach vorne und hinten wenig verengt, vorne leicht abgerundet, nach hinten sehr 
schwach ausgebuchtet, dazu sehr flach mit ringsum breit abgesetztem, aussen 
schwach leistenförmigem Eand. Die Hinterecken sind breitlappig, aber mehr 
seitwärts als nach hinten ausgezogen. Der ganze Thorax ist fein gekörnt und 
sehr stark glänzend, die Mittellinie sehr seicht. 

Die Flügeldecken haben von der Schulter bis gegen die Spitze sehr parallele 
Seiten und sind in der Mitte nur sehr schwach erweitert, dazu viel flacher und 
deshalb nach den Seiten viel weniger abschüssig als bei smaragdinus. Die 
Schultern sind nicht abgerundet, sondern ganz rechtwinkelig vortretend, wie bei 
elysii Thoms., aber kaum breiter als der Halsschild daselbst. Die Spitze der 
Flügeldecken ist ziemlich steil abfallend, schwach zugespitzt und mit kurzem, 
aber deutlichem Mucro versehen, ungefähr wie var. mandshuricus Sem. 

Die primären Tuberkeln der Flügeldecken sind flach, etwas länglich und 
sehr zahlreich, dicht aneinander gedrängt, die secundären viel stärker entwickelt 
als bei allen mir bekannten Coptolabrus -Arten oder Varietäten, fast den primären 
ebenbürtig, so dass, von weitem gesehen, der Käfer aussieht, als besitze er sieben 
ziemlich wenig unterbrochene kräftige Kettenstreifen, was ihm ein ganz eigen- 



Zwei neue Coptolabrus. 



335 



artiges Aussehen gibt. Von tertiären Tuberkeln ist nichts zu bemerken, und der 
Grund zwischen den übrigen ist ziemlich stark gekörnt. 

Die Färbung ist nicht die bei smaragdinus und seinen Varietäten vor- 
herrschende smaragdgrüne, sondern ein helleres Goldgrün, das aber nur auf dem 
Thorax recht zur Geltung kommt, indem die kräftigen, schwarzen Tuberkelreihen 
so viel Raum beanspruchen, dass der grüne Grund nur ziemlich schwach da- 
zwischen hervorschimmert. Der schmale Rand der Flügeldecken ist von der 
Schulter bis gegen die Mitte der Flügeldecken smaragdgrün, ebenso die Basis der 
Flügeldecken um das Schildchen herum. Länge 31 mm, Breite 10 mm. 

Das Vaterland des einzigen Exemplares dieser Art, eines ^f, ist das Aniur- 
Gebiet. Durch die Güte des Herrn Meyer ist der interessante Käfer in meine 
Sammlung übergegangen. 

* * * 

Mit der Bestimmung meines ziemlich reichen Coptolabrus-M2iten?Lles nach 
der in den Horae Societatis Entomologicae Rossicae, XXXI, Nr. 3, 1897 ent- 
haltenen Semenow 'sehen Arbeit über die Coptolabrus beschäftigt, erhielt ich 
von Herrn G. Meyer- Da reis in Wohlen dessen aus über 30 Stück bestehendes 
prächtiges smaragdinns-M.-ateY'm\ zur Durchsieht. Herr Meyer besitzt ausser zahl- 
reichen durch verschiedene Quellen ei-halienen Exemplaren die ganze Hau ry 'sehe 
Carabensamralung, sowie den grössten Theil der Bates 'sehen, so dass ich nun 
mit meinem Material ein Sortiment von ca. 50 aus den verschiedensten Gegenden 
stammenden smaragdinus vor mir hatte. Unter dem Meyer 'sehen Materiale 
befand sich nun das oben als var. Meyeri beschriebene, leider einzige Exemplar. 
Ueber den Befund, die ganze übrige Suite betreffend, erlaube ich mir noch nach- 
stehende Bemerkungen zu machen. 

Der typische Coptolabrus smaragdinus Fisch, zeichnet sich hauptsächlich 
durch seine wenig gestreckte, rundliche Gestalt aus, welche ihre grösste Breite 
erst hinter der Mitte erreicht. Die Spitze der Flügeldecken ist ziemlich stumpf, oft 
fast abgerundet und ohne Mucro, der Thorax hinter der Mitte stark ausgebuehtet, 
ziemlieh gewölbt, die Tuberkeln der Flügeldecken mehr oder weniger rund und 
stark convex, nicht flach, die Färbung mehr oder weniger smaragdgrün, selten 
etwas mehr in goldgrün übergehend ; der Thorax meistens mehr goldgrün mit 
kupferigem Schimmer, hie und da mehr oder weniger kupferroth. Er findet sich 
in seiner ausgeprägte.sten Form am Südostufer des Baikalsees. Ich besitze ihn 
von Kiachta mit prächtig runden, glasperlenartig erhabenen Tuberkeln. 

Je weiter sich nun der Käfer nach Osten ausbreitet, desto schlanker und 
mehr elliptisch wird die Gestalt, desto länglicher und flacher die Tuberkeln der 
Flügeldecken und desto spitziger die wenigen steil nach hinten abfallenden 
Flügeldeckenspitzen, an deren Ende sich nach und nach ein deutlicher Mucro 
zu entwickeln beginnt, und der Carabus verwandelt sich allmälig in die 

var. mandshuriciis Sem., welcher das untere Amur-Gebiet, die Mand- 
schurei und die am Stillen Ocean gelegenen Gegenden, wahrscheinlich mit Um- 
gehung von Korea südlich bis zur Halbinsel Shantung, vielleicht noch weiter, 



336 



Paul Born. 



bewohnt. Ich besitze noch eine schöne Suite aus Tschifu. Var. mandshuricus, 
welcher sich durch die oben angegebenen Merkmale vom typischen smaragdinus 
unterscheidet, variirt auch in der Farbe viel mehr, als letzterer, und in dieser 
Beziehung besitzt Herr Meyer ganz besonders schönes Material; von tief schwarz- 
grün (fast vollständig schwarz mit schwach grünem Schimmer) geht es nach und 
nach über in smaragdgrün, dann in Bionce-, dunkle oder helle Kupferfarbe bis 
zu fast goldgelb.^) Die primären Tuberkelreihen sind immer ganz flach, mehr 
oder weniger länglich, oft isolirt, oft durch eine schwache, rippenartige, aber 
nicht schwarze Linie miteinander verbunden. 

Unter meinen Exemplaren von Tschifu befindet sich eines, bei welchem 
sich die Flügeldeckenspitze bogenförmig hebt, so dass der Mucro fast senkrecht 
emporsteht. 

Nach Semenow ist diese Form synonym mit longipennis Krtz., Dohrni 
Krtz., smaragdinus Krtz. (ex parte), die mehr oder weniger kupferigen Stücke 
mit pyrrhophorus Krtz. und damastero.ides Geh. (kleinere, schmalere, dunkel 
kupferige Exemplare mit hinten weniger regelmässigen Tuberkeln). 

Var. Mandshuricus ist durchschnittlich bedeutend grösser als der typische 
smaragdinus. 

Nach Kraatz fliessen hie und da die primären Tuberkeln zusammen (aberr. 
costulata Krtz.). 

Semenow beschreibt ferner eine andere smaragdinus-Form als var. 
cliinganensis. Ich fand dieselbe weder unter dem Meyer 'sehen, noch unter 
meinem Mateiial. Sie ist kleiner, schmaler und parallelseitiger als der typische 
smaragdinus, mit horizontal verlängerten, nicht zugespitzten Flügeldeckenspitzen, 
länglichen, convexen und nicht verbundenen Tuberkeln, hinten weniger ausge- 
buchtetem, schmalerem Thorax mit nicht vortretenden Hinterecken. Färbung wie 
der typische smaragdinus oder etwas dunkler. Vaterland: Chingan-Gebirge in 
der Mandschurei. 

Coptolabrus longipennis Chaud. betrachtet Semenow als gute 
Art, nicht als eine Varietät von smaragdinus. Unter dem Meyer 'sehen Material 
befinden sich einige gewaltige Stücke aus der Gegend von Wladiwostok. Er scheint 
sich ziemlich weit nach Süden zu verbreiten. Ich besitze noch eine kleine Suite 
aus Hankow in Centrai-China. 

Coptolabrus dux Sem. Ich hatte die Freude, unter dem Meyer 'sehen 
Material nicht nur ein 9 dieser neu beschriebenen Art zu entdecken, sondern 
auch das Semenow noch unbekannte ersteres von der Insel Askold stam- 
mend, letzteres aus der Mandschurei. 

Diese Art nähert sich mehr dem principalis Bates. Sie ist aber schlanker, 
hat sehmaleren Thorax, welcher von der Mitte gegen die Basis zu sich allmälig 
fast geradlinig verengert. Hinterecken nur schwach sich abhebend, Vorderecken 
mehr abgerundet, sich dem Hals mehr anschmiegend. Der Käfer ist vollständig 
elliptisch, die Schultern nicht vortretend, die Spitze wenig vorgestreckt, aber mit 



1) In einigen Fällen sind die Flügeldecken grün und der Halsschild lebhaft rothgolden. 



Zwei neue Coptolnltrus. 



337 



deutlichem Mucro. Die primären Tuberkeln sind wenig zahlreich, aber gross, 
länglich-tropfenförmig, durch ziemlich schwache, ripi)enförmige Linien mit ein- 
ander verbunden; die secundären Tuberkeln sehr klein, sehr zahlreich und nahe 
bei einander; tertiäre sind in den mir vorliegenden Stücken nicht bemerkbar. 

Das 9 hat mehr smaragdgrüne Flügeldecken und rothkupferigen Thorax, 
das cT ist mehr goldgrün mit goldenem Schimmer und lebhaft rothem Thorax. 
Letzteres ist auch bedeutend schlanker. 

Coptoldbviis Lafossei nov. yar. JDonckieri. 

Diese neue Varietät unterscheidet sich von der typischen Form durch ihre 
gedrungenere Gestalt, noch weit mehr aber durch ihre prachtvolle, lebhafte 
Färbung. 

Der typische Coptolahrits Lafossei Feisthamel ist düster gefärbt, die Flügel- 
decken ganz schwarz mit mehr oder weniger lebhaft violett schimmerndem Rand, 
der Thorax dunkel schwarzblau oder ganz schwarz, oder schwarz mit schwach 
violett oder blau schimmerndem Rande. Der Kopf ist ebenfalls schwarz oder 
dunkel schwarzblau. Var. Bonckieri hat dunkel violetten Grund der Flügeldecken, 
von dem sich die schwarzen Tuberkeln schön abheben, dazu leuchtend hellvioletten 
Rand der Flügeldecken und ebensolchen einfarbig hellvioletten Halsschild. Der 
Kopf ist hinten ebenfalls hellviolett, welche Farbe zwischen den Augen bis zu 
den Mundtheilen in dunkelblau übergeht. Der Käfer ist also viel lebhafter ge- 
färbt, als der so düstere typische Lafossei. 

Der Halsschild ist nach hinten etwas weniger verengt als beim Typus, so 
dass er breiter und grösser erscheint, dazu gewölbter und von tieferer Mittellinie 
durchschnitten. Die Hinterlappen sind eher noch kürzer, so dass der Hinterrand 
des Thorax fast geradlinig erscheint, der Kopf tiefer und dichter punktirt. 

Die Flügeldecken sind gegen die Schultern weniger verengt, so dass der 
Käfer gedrungener und mehr elliptisch als birnförmig aussieht, als die typische 
Form. 

Alles Uebrige, namentlich auch die Sculptur stimmt mit dem typischen 
Lafossei überein. Auch die Grösse wird dieselbe sein. Mein grösstes Exemplar 
misst zwar nur Ai)mm ($), doch habe ich auch keine grösseren typischen Stücke 
gesehen, obschon Feisthamel für sein $ eine Länge von 42mm angibt. 

Von dieser prachtvollen Varietät, welche ein würdiges Seitenstück zu der 
anderen beschriebenen Xa/'ossa -Varietät (var. coelestis Stewart) besitze ich drei 
Stücke und ebenso viele Herr G. Meyer- Dar eis in Wohlen, alle aus ein und 
derselben Localität stammend. 

Vaterland: Nord-China. Eine nähere Bezeichnung war nicht erhältlich. 
Sämmtliche Exemplare kommen von Herrn Henri Donckier in Paris, welchem 
diese neue Form gewidmet ist. 



Z. B. Ges. Bd. XLVIll. 



44 



338 



Max Bern hau er. 



Neue Staphyliniden aus Europa. 

Von 

Dr. Max Bernhauer 

in Stockerau. 
(Eingelaufen am 29. April 1898.) 

Atheta (Geostiba) Moreli n. sp. 

In die nächste Nähe von spinicollis Kraatz gehörig, von derselben durch 
viel geringere Grösse, dunklere Färbung, die Fühlerbildung, die Punktirung und 
die Geschlechtsauszeichnungen des verschieden, durch welch' letztere diese Art 
sich auch von sämmtlichen übrigen Arten der Geostiba- Grni^^e leicht unter- 
scheiden lässt. 

Kopf rothbraun oder pechbraun, Halsschild und Flügeldecken heller oder 
dunkler röthlichgelb, der Hinterleib glänzend schwarz mit röthlichbrauner Spitze, 
die Basis nicht heller gefärbt, die ganzen Fühler, Taster und Beine röthlichgelb. 
Der Kopf klein, viel schmäler als der Halsschild, oval, nach hinten etwas er- 
weitert, mit sehr kleinen Augen, glänzend, ohne erkennbare Punktirung. Die 
Fühler nicht ganz so kräftig wie bei spinicollis, das dritte Fühlerglied bedeutend 
kürzer als das zweite, das vierte deutlich quer, die folgenden an Breite zunehmend, 
die vorletzten kaum doppelt so breit als lang, das letzte so lang als die zwei vor- 
hergehenden. Der Halsschild schmäler als die Flügeldecken, beim ^ bedeutend 
länger als breit, äusserst fein und spärlich punktirt und sehr fein beh;iart. Die 
Basis des Halsschildes ist beim Männchen bedeutend — bis zur Mitte der Flügel- 
decken — nach hinten verlängert, und zwar nicht wie bei den anderen verwandten 
Arten dreieckig, sondern breit trapezförmig, der Hinterrand nicht stumpfwinkelig, 
sondern breit abgestutzt, beinahe ausgebuchtet, vor dem Hinterrande mit einem 
breiten, sehr deutlichen Quereindrucke, ohne Höckerchen oder Längskiel. Die 
Flügeldecken kaum halb so lang als der Halsschild des cT, hinten am Naht- 
winkel stumpfwinkelig ausgeschnitten, innerhalb der Hinterecken deutlich aus- 
gebuchtet, kräftiger und dichter gekörnt als bei spinicollis, beim eingedrückt. 
Die Naht ist beim hinter dem Schildchen stark zahnförmig aufgeworfen. Das 
Abdomen fein und sehr weitläufig punktirt, beim das siebente Dorsalsegment 
in der Mitte des Hinterrandes mit einem schräg nach aufwärts gerichteten dorn- 
förmigen Höckerchen. Länge TS — TS mm. Mir liegen vier von Herrn Morel 
(Paris) gesammelte Männchen mit dem Fundorte Pyrenäen vor. 

Atheta (Colpodota) SkaUtzkyi n. sp. 

Fein und ziemlich dicht weissgrau behaart, wenig glänzend schwarz, die 
Spitze des Abdomens wenig heller, die Fühler dunkel, an der Wurzel kaum 



■Neiie Staphyliniden aus Europa. 



389 



heller, die Beine gelbbraun, die Schenkel braun, die Taster gelbbraun, gegen die 
Spitze bräunlich, Kopf äusserst fein und massig dicht punktirt, breit, die Fühler 
kräftig, das dritte Glied kaum kürzer als das zweite, die folgenden allmälig 
verdickt, die vorletzten 1^/2 mal so breit als lang, das Endglied so lang oder etwas 
länger als die beiden vorletzten Glieder zusammengenommen. Halsschild schmäler 
als die Flügeldecken, stark quer, um mehr als die Hälfte breiter als lang, an den 
Seiten schwach gerundet, fein und ziemlich dicht punktirt, am Seitenrande ohne 
die geringste Spur von Wimperhaaren. Flügeldecken wenig länger als der Hals- 
schild, am Hinterrande ausgebuchtet, mässig fein und äusserst dicht, etwas körnig 
punktirt. Abdomen fein, auf den vorderen Dorsalsegmenten ziemlich dicht, hinten 
viel spärlicher punktirt, viel glänzender als der Vorderkörper. Mittel- und Hinter- 
schienen ohne Spur einer Wimperborste. 

Diese Art lässt sich dem Habitus nach höchstens mit Ä. fungi vergleichen, 
von welcher sie aber durch die dunkle Färbung, stärkere Fühler, besonders die 
stärker queren vorletzten Glieder, den an den Seiten viel schwächer gerundeten 
Halsschild und durch die wesentlich, beinahe doppelt so dichte Punktirung des 
ganzen Körpers sehr leicht zu unterscheiden ist. — Länge 2 — 2 5 mm. 

Von Hofrath Dr. Skalitzky und mir am Bisamberg und in Stockerau 
bei Wien in den Nestern des Erdziesels, von Prof. A. Schuster, Breit und 
G. Strauss bei Mödling und am Neusiedlersee, endlich von Gustos Gangibauer 
in Siebenbürgen gesammelt. 

Atheta (Liogluta) Spaethi n. sp. 

Breit und flach; Kopf schwarz oder pechbraun, Halsschild pechbraun, 
Flügeldecken braun oder pechbraun, Abdomen pechschwarz oder pechbraun, die 
Hinterränder der Abdominalsegmente vorne in grösserer Ausdehnung, sowie die 
aufgebogenen Seitenränder röthlichbraun. Die ersten zwei Glieder der braunen 
Fühler, der Mund, die Taster und Beine hellgelb. 

Der Kopf schmäler als der Halsschild, jedoch um mehr als die Hälfte 
breiter als lang, flach, meist der Quere nach seicht eingedrückt, spärlich behaart, 
fein chagrinirt, daher wenig glänzend, mässig fein und weitläufig punktirt. Fühler 
wie bei hrimnea. Halsschild etwas schmäler als die Flügeldecken, sehr kurz, 
beinahe doppelt so breit als lang, an den Seiten gerundet, sehr flach, auf der 
Scheibe vor dem Hinterrande mit einem breiten Quereindrucke und meist auch 
in der Nähe des Vorderrandes mit zwei schiefen Längseindrücken, sehr deutlich 
chagrinirt, mässig dicht und stark, etwas körnig punktirt und ziemlich lang 
pubescent, am Seitenrande mit einigen kräftigen Wimperhaaren. Flügeldecken 
um ^/a länger als der Halsschild, dichter und ebenso stark punktirt und gelblich- 
grau behaart. Abdomen parallelsei^ig, an der Basis des vierten freiliegenden 
Dorsalsegmentes beinahe ebenso tief als bei den drei ersten Segmenten einge- 
drückt, bis zur Spitze deutlich und ziemlich kräftig punktirt, auf den drei ersten 
freiliegenden dichter, gegen die Spitze zu spärlicher punktirt. 

44* 



I 



340 



Max Bernhauer. 



Beim cT ist der seicht ausgeraiidete Hinterrand des achten Dorsalsegmentes 
mit vier an der Spitze abgerundeten Zähnen bewehrt, von welchen die beiden 
seitlichen kräftiger entwickelt sind. Beim $ ist das achte Dorsalsegment ab- 
gestutzt und sehr seicht ausgerandet. 

Von hrunnea durch die dunklere Färbung, viel breiteren Kopf und Hals- 
schild, die kräftige und viel dichtere Punktirung von Halsschild, Flügeldecken 
und Abdomen, von nigriventris durch diese Merkmale, sowie die Sexualcharaktere 
des verschieden. — Länge 3*5 mm. 

Von meinen lieben Freunden Custos G an gl bau er und Dr. Franz Spaeth 
in Herkulesbad in drei Stücken gesammelt. 

Atheta (Homalota Rey) Hummleri n. sp. 

Eine in ihrer Stellung unter den Atheten zweifelhafte, aber sehr aus- 
gezeichnete und leicht kenntliche Art. 

Durch den Habitus, namentlich den in der Mitte etwas erweiterten und 
dann nach hinten verengten Hinterleib und die an den Seiten des Halsschildes 
sehr deutlich sichtlichen Randborsten den Arten der Dimetrota-Gr\i\)^Q sehr 
ähnlich, jedoch meiner Ansicht nach in Folge der Fühlerbildung und der Ge- 
schlechtsauszeichnung des cT in die Castanoptera-Gruip\)e zu stellen. 

Ziemlich glänzend, von ziemlich flacher Gestalt, der Kopf pechschwarz 
oder pechbraun, der Halsschild gewöhnlich gelbroth, bisweilen bräunlich, die 
Flügeldecken bräunlichgelb, am Schildchen und in den Hinterecken gewöhnlich 
angedunkelt, das Abdomen pechbraun, an der Basis in grösserer Ausdehnung 
und an der Spitze bräunlichgelb, die Fühler bräunlichgelb, gegen die Spitze zu 
meistens dunkler, die Taster bräunlichgelb, die Beine hellgelb. Kopf, Hinterleib 
und Flügeldecken äusserst fein chagrinirt, der Kopf äusserst fein und weitläufig 
punktirt, die Fühler mässig lang, gegen die Spitze nur schwach verdickt; das 
dritte Glied kaum länger als das zweite, das vierte so lang als breit, die folgenden 
an Breite zunehmend, die vorletzten deutlich, etwa ^/s breiter als lang, das End- 
glied sehr gestreckt, beinahe so lange als die drei vorletzten zusammengenommen. 
Der Halsschild um die Hälfte breiter als lang, schmäler als die Flügeldecken, fein 
und mässig dicht körnig punktirt, von der Mitte der Basis mit einem Grübchen, 
am Seitenrande mit einigen deutlichen Wimperhaaren. Flügeldecken etwa um 
^/s länger als der Halsschild, mässig fein, jedoch deutlich rauher und etwas 
weniger dicht punktirt als castanoptera und mässig dicht anliegend behaart. Ab- 
domen stark glänzend, auf den drei ersten freiliegenden Dorsalsegmenten fein 
und sehr weitläufig, auf den beiden folgenden sehr spärlich oder gar nicht 
punktirt. Beim ist das achte Dorsalsegment am Hinterrande deutlich aus- 
gerandet, in der Mitte der Ausrandung befindet sich ein kleines stumpfes Zähn- 
chen, zu dessen beiden Seiten sich je drei grössere stumpfe Kerbzähnchen, von 
denen die zwei innersten etwas kleiner als die vier äusseren sind, befinden. 

Von castanoptera sehr leicht durch die schmälere kleinere Gestalt, die 
Färbung und die Auszeichnung des achten Dorsalsegmentes des cT zu unter- 
scheiden. — Länge 3 7}wi. 



Neue Staphyliniden aus Europi 



341 



A^on Herrn Gustav Paganetti-Hummler in Dalmatien und Montenegro 
gesammelt. In der Eppelsheinrscheu Sammlung befinden sich vier Stücke mit 
dem Fundorte Toscana unter dem Namen Ätheta homococera. 

Philonthus Ganglbaueri n. sp. 

Dem Philonthus fimarius äusserst nahe stehend, im Habitus beinahe 
vollständig übereinstimmend, der Halsschild jedoch mehr gleichförmig gewölbt, 
während derselbe bei fumarius vorne an den Seiten zusammengedrückt erscheint. 
Von fumarius durch die Färbung, sowie durch die Punktirung der Flügeldecken 
und des Abdomens verschieden. 

Glänzend schwarz, die Flügeldecken hell broncefärbig, beiläufig wie bei 
varius, während die Färbung bei fumarius viel düsterer ist, die Beine und 
Taster schwarz, die Basis der Schienen und die Tarsen dunkel rothbraun, die 
Spitze der Schienen pechbraun. Die Punktirung des Kopfes und Halsschildes ist 
ziemlich gleich mit der des fumarius; die Flügeldecken sind jedoch bedeutend 
stärker, aber nur halb so dicht punktirt wie bei fumarius; ebenso ist das Ab- 
domen, insbesonders an der Basis der Segmente bedeutend stärker, jedoch überall 
viel weitläufiger als bei fumarius punktirt, insbesonders gegen die Spitze der 
Segmente zu sind nur wenige Punkte ersichtlich. Sechstes Ventralsegment tief 
stumpfwinkelig ausgeschnitten, der Ausschnitt im Grunde gerundet. — Länge 7 mm. 

Von Gustos Gangibauer in einem männlichen Stücke bei Herkulesbad 
aufgefunden. 

Quedius hispanicus n. sp. 

In die unmittelbare Nähe des molochinus Grav. gehörig, von demselben 
durch die hellere Färbung der Beine, die Punktirung des Halsschildes und 
längere Flügeldecken verschieden. 

Glänzend schwarz, die Flügeldecken schwarz oder rothbraun, die Fühler 
und Taster rostroth, an der Wurzel heller, die Beine rothgelb, die Hinterbeine 
dunkler rothbraun. Der Halsschild schmäler als bei molochinus, kaum so breit 
als die Flügeldecken. Die Dorsalreihen aus je drei Punkten bestehend, ausser- 
halb derselben ausser den normalen, auch bei molochinus vorhandenen Punkten, 
noch mit je einem schräg seitwärts und weit hinter dem letzten der drei Dorsal- 
punkte stehenden kräftigen Punkte, dessen Verbindung mit dem grösseren, vom 
Vorderrande ziemlich abgerückten Seitenpunkte ziemlich parallel mit der Dorsal- 
reihe ist. Schildchen punktirt. Flügeldecken nicht kürzer als der Halsschild, 
etwas weniger dicht punktirt als bei molochinus. Das Abdomen weniger dicht 
als bei molochinus, in der Mitte der Segmente bedeutend spärlicher punktirt. 
Geschlechtsauszeichnuugen des unbekannt, da mir nur zwei 9 vorliegen. — 
Länge 9 5— 10 mm. 

Zwei Stücke aus Cartagena und Cadix in Spanien, die ich der Güte des 
Herrn F. Strasser in München verdanke. 



342 



Referate. 



Referate. 

Marchai, Paul. La dissociation de l'oeuf en un grand nombre d'indi- 
vidus distincts et le cycle evolutif chez V Encyrtus fuscicollis 
(Hy menoptere). Comptes rendus, Paris, 28. Februar 1898, p. 662. 

Unter diesem Titel erschien jüngst eine vorläufige Publication, deren 
Inhalt geeignet erscheint, die Aufmerksamkeit aller Zoologen auf die überaus 
merkwürdigen Vorgänge in der Entwicklung des genannten Hymenopterons zu 
lenken. An Marchal's Beobachtungen und Schlussfolgerungen Kritik zu üben, 
wäre im gegenwärtigen Momente, so lange nur die kleine vorläufige Arbeit vor- 
liegt, gewiss verfrüht, und wir beschränken uns darauf, hier eine Uebersetzung 
des interessanten Artikels zu geben: 

Die ungeschlechtliche Fortpflanzung kann bei Insecten in verschiedenen 
ontogenetischen Stadien auftreten. Einmal sind es die Larven, welche durch 
„Knospung" in ihrem Inneren neue Larven erzeugen (Paidogenese), ein anderes 
Mal sind es erwachsene Individuen, welche in ihren Ovarien neue Individuen 
hervorbringen (Parthenogenese der Aphiden). Wir haben soeben bei parasitischen 
Hymenopteren eine neue Art der Reproduction entdeckt, welche die Serie dieser 
Erscheinungen ergänzt. Bei Encyrtus fuscicollis, den wir beobachtet haben, ist 
es in der That der Beginn der Ontogenese, das Ei selbst, wo die „Dissociation" 
des Körpers vor sich geht, und man wird sehen, wie sich eine grosse Zahl von 
Embryonen — selbst über hundert — auf Kosten eines einzigen Eies entwickelt. 
Alle diese Embryonen sind dazu bestimmt, vollkommene Insecten zu werden 
und dürften wenigstens im Allgemeinen einem Geschlechte angehören. 

Herr Ed. Bugnion (Recherches sur le developpement postembryonnaire, 
l'anatomie et les moeurs de V Encyrtus fuscicollis. In: Recueil zoologique suisse, 
V, p. 435 — 535, 1891) hat bereits die Beobachtung gemacht, dass im Laufe des 
Monates Juni in den Raupen der Hyponortieuta Cognatella Tr. manchmal sehr 
merkwürdige Ketten von Embryonen eines Parasiten zu finden wären. Diese 
Ketten, von denen man in der Regel nicht mehr als eine in einer Raupe fand, 
bestanden aus 50 — 100 hintereinander angereihten und in eine granulöse, einem 
Dotter analoge Masse eingebetteten Embryonen, umgeben von einem gemeinsamen 
epithelialen Schlauch, der an beiden Enden geschlossen war und in der Lymphe 
an den Seiten des Darmes der Raupe schwamm. Bugnion verfolgte die Ent- 
wicklung dieser Embryonen und fand, dass aus jedem derselben ein Encyrtus 
fuscicollis entstand. Wie und wo hat nun der Encyrtus die Eier gelegt? 
Welchen Ursprung und welche Bedeutung hat der Schlauch, der die Embryonen- 
kette einschliesst? Diese Fragen waren sehr geeignet, die Neugierde des Natur- 
forschers zu erwecken. Herr Bugnion dachte, dass der im Sommer entwickelte 
Encyrtus entweder überwintere oder in einem anderen, noch unbekannten Wirthe 
eine andere (zweite) Generation erzeuge. Er nahm an, dass die genannte Schlupf- 
wespe jedenfalls im Mai ihre Eier in Paketen in die Hyponomeuta-Uäu^e ablege 
und dass der Epithelschlauch aus den secundär von den Embi-yonen abgelösten 
und mit einander verschmolzenen Amuien entstehe. 



Referate. 



343 



Diese Schlusstblgerungeu entsprechen — so plausibel sie erscheinen mögen 
— dennoch nicht den Thatsachen. 

Ich (Verfasser) habe das Eierlegen des Enctjrtus fuscicolUs beobachtet. 
Dasselbe erfolgt nicht im Mai, sondern im Juli, und zwar kaum einige Tage 
nach dem Ausschlüpfen des Encyrtus; ferner sind es nicht die Raupen der 
Hyponomeuta, in welche die Encyrtus-Eier abgelegt werden, sondern die Eier 
des genannten Lepidopterons. Der winzige Chalcidier setzt sich auf einen Ei- 
haufen der Hyponomeuta und verweilt daselbst stundenlang, um ein Ei nach 
dem anderen anzubohren. Die Details des Eierlegens bleiben einer späteren 
Arbeit vorbehalten und sei hier nur bemerkt, dass die Zeit, welche Encyrtus 
braucht, um ein Ei abzulegen, von V2 — 2 Minuten schwankt; fast unmittelbar 
nach einander werden alle Hyponotneuta-FAev belegt, und wenn ein Eihaufen 
erledigt ist, wird ein zweiter aufgesucht. 

Aus der oben geschilderten Beobachtung ergibt sich eine sehr wichtige 
Thatsache: Nachdem die Zahl der in den Ovarien des Encyrtus vorhandenen 
Eier begrenzt und bekannt ist, so erscheint es materiell unmöglich, dass er in 
der kurzen Zeit des Eierlegens in jedes Hyponomeuta-Ei so viele Eier lege, als 
in den erwähnten Ketten Embryonen zu finden sind. Es dürfte also nur je ein 
Ei in ein Ei der Hyponomeuta gelegt werden, und dieses einzige Ei dürfte sich 
in eine grosse Zahl von Embryoneu „dissociiren". 

Diese Deduction, die sich aufdrängt, ist durch directe Beobachtung erprobt 
worden. Ich habe den Anfang der Eientwicklung beobachtet und constatirt, dass 
das „Amnion" anfangs so wie jenes anderer Chalcididen zusammengesetzt ist; 
später vermehren sich dessen Zellen rapid und es verlängert sich zu dem Epithel- 
schlauch. Was nun die im Innern des „Amnions" befindlichen Zellen anbelangt, 
so „dissociiren" sich dieselben zu einer ganzen Legion von „Morula", die sich 
später zu Embryonen entwickeln und sich in eine Kette anordnen, in dem Masse, 
wie sich die „amniotische", ursprünglich bläschenförmige Hülle allmälig zu dem 
langen, biegsamen Schlauch ausdehnt. Das ganze Product der „Segmentation" 
ist jedoch nicht der Bildung der Embryonen gewidmet; man sieht von Anbeginn, 
wie sich an der Peripherie eine halbmondförmige Zellenmasse isolirt, die allmälig 
wächst und sich „dissociirt", um wahrscheinlich die granulöse Masse zu bilden, 
welche den amniotischen Schlauch ausfüllt und die Embryonen einhüllt. 

Aus diesen Beobachtungen resultirt also die Entdeckung einer ganz neuen 
Keproductionsart bei den Arthropoden, für die man wohl schwer ein Aequivalent 
bei den „Metazoen" finden dürfte. Wie soll man denn nun diesen merkwürdigen 
Fall von „Metagenese" interpretiren? Muss man den Sack, welcher die Em- 
bryonenkette enthält, als Amme betrachten, deren licib durch den Epithelschlauch 
und die inneren, an der Embryobildung nicht betheiligten Zellen gebildet wird? 
Man wird unwillkürlich an Cysticercus und an die Orthonecliden erinnert; aber 
solche Vergleiche wären sehr unvorsichtig. Wir ziehen es vor, uns auf die That- 
sachen zu beschränken und zu einer allgemeinen Erklärung die Resultate der 
Beobachtungen abzuwarten, welche wir bei verschiedenen anderen Arten anstellen. 

Handlirsch. 



344 



Referate. 



E. V. Martens und Fr. Wiegmann. Land- und Süsswasser- Mollusken 
der Seychellen. (Mittheilungen aus der zoologischen Sammlung des Museums 
für Naturkunde in Berlin. 1898, Bd. I, Heft 1. 96 S. und 4 Tafeln.) 

Den Gegenstand der vorliegenden Arbeit (der I. [conchyliologische] Theil 
wurde von Martens, der II. [zootomische] von Wiegmann verfasst) bildet die 
Ausbeute an Binnenmollusken, welche Dr. A. Brauer während seines Aufent- 
haltes auf der genannten Inselgruppe gemacht hat. Ausser zahlreichen neuen 
Arten werden auch einige Untergattungen (Äcanthennea von Ennea, Impertur- 
hatia von Streptaxis, Pilula von Helix) und eine Gattung Priodiscus (für die 
Streptaxide „Discus serratus^'' H. Adams) als neu beschrieben. Die zoogeogra- 
phische Beurtheilung der Seychellen lässt sich in den Worten resumiren, dass 
dort, „wie auch auf Madagascar und den Mascarenen und auch auf Socorota 
unter den Landschnecken theils eigenthümliche, theils afrikanische Formen vor- 
herrschen, die Süsswasserschnecken dagegen weit mehr mit denen Indiens und des 
malayischen Archipels, als mit denen des afrikanischen Festlandes übereinstimmen". 

Der anatomische Theil, für welchen wir den Autoren besonders Anerken- 
nung zollen müssen, ist zwar grösstentheils in blos descriptivem Tone gehalten 
worden, gewinnt aber bedeutend dadurch an Werth, dass sämmtliche Organ- 
systeme, so weit es der Erhaltungszustand des Materials erlaubte, Berücksichti- 
gung fanden: die äussere Körperform und Farbe, der Mantel, der Kiefer mit der 
Radula, der Verdauungstractus als auch der Geschlechtsapparat, die Niere und 
das Nervensystem mit den Gefäss- und Muskelverhältnissen werden meistens ein- 
gehend geschildert. Sehr interessant sind zu wiederholten Malen die verschieden- 
artigen Bildungen des Hautreliefs, so der dorsale symmetrische Schwanzwulst von 
StreptosteU (Elma) Nevilli H. Ad. var. dubia Wgm., die Längsleisten am Nacken 
von Priodiscus serratus H. Ad., der gekerbte, kammartige Rückenkiel des Bul- 
winMS-Subgenus Pachnodus Alb. und die oberwärts vom Fussrand verlaufende 
Reihe von kleinen Hautwarzen. (Wahrscheinlich epipodialer Natur. Der Ref.) 

Die Familie der Streptaxiden wird allgemein charakterisirt (keine Schwanz- 
drüse, ein Kopfretractor mit sich abzweigenden Tentakelmuskeln, rudimentärer 
oder fehlender Kiefer, lange, schmale Radula von fleischfressendem Typus, grosser 
Pharynx, kurzer Intestinalcanal, eine lange Vereinigung der Vorderarterie mit 
dem Lungenhöhlendiaphragma, kleine Niere, Haplogonie, keine Eichel am Penis, 
sondern kleine Reizpapillchen, kurze Cerebralcommissur, lange seitliche Doppel- 
connective, typische Gliederung der ünterschlundganglien, kurze, aber deutliche 
Buccalcommissur) und mit den Testacelliden verglichen (die Agnathen bilden eine 
Convergenzgruppe). — Ausserdem etliche kritische Bemerkungen über einige 
Heliciden und Achatiniden. Dr. J. Fl. Babor. 



Berichtigung. 

In Heft 3, S. 229, Zeile 1 von oben lies „Mirotermes^'' statt „Microtermes^ ; 
ebenda, Zeile 6 von oben lies „canaliculatus^ statt „canaliculus"' . 



V. Bericht der Section für Planktonkunde. 



Versammlung am 13. Mai 1898. 

Vorsitzender: Herr Dr. A. Steuer. 

Herr Sectionschef Dr. Josef Lorenz Ritt. v. Liburnau spricht 
über „Gesichtspunkte zur Seenkunde". 

Der Vortragende bespricht im Anschlüsse an seine jüngst er- 
schienene Publication die Lage, Bodenbeschaffenheit und Temperatur 
des Hallstätter Sees, seine Flora und Fauna und fordert am Schlüsse 
die Anwesenden auf, die systematische Erforschung dieses inter- 
essanten Alpensees in Angriff zu nehmen, eine umso dankenswerthere 
und Erfolg versprechende Arbeit, da bereits die nothwendigen, zeit- 
raubenden Vorarbeiten vom Vortragenden ausgeführt wurden und so 
dem Specialforscher die Möglichkeit geboten ist, in verhältnissmässig 
kurzer Zeit die ihn interessirenden Fragen zu lösen. 

Hierauf spricht Herr Dr. Adolf Steuer „Ueber die Bedeu- 
tung der Planktonforschung für die moderne Teichwirth- 
schaft". 

Nach einem kurzen Rückblick, die Geschichte der Teichfischerei 
betreffend, referirt der Vortragende über die Arbeiten des Leiters 
der Versuchsstation in Trachenberg, Dr. E. Walter, und des Leiters 
der Plöner biologischen Station, Dr. 0. Zacharias. Es werden zu- 
nächst die Beziehungen der einzelnen Teichbewohner zu einander 
erörtert und die Bedeutung der quantitativen Planktonuntersuchungen 
für den Teichwirth besprochen, dem es durch diese Methode mög- 
lich ist, sich jederzeit über den Nahrungsgehalt seiner Fischwässer • 
zu informiren. Zum Schlüsse wird auf die Wichtigkeit systematisch 
durchgeführter Darminhaltsuntersuchungen unserer Nutzfische hin- 

Z. B. Ges. Bd. XLVIII. 45 



346 Versammlung der Section für Planlctonkunde am 13. Mai 1898 

gewiesen; der Vortragende demonstrirt diesbezüglich einige mikro- 
skopische Präparate. 

(Im Uebrigen sei bezüglich der Arbeiten von Lorenz, Walter 
und Zacharias auf den Eeferatentheil dieser „Verhandlungen" 
verwiesen.) 



XVIII. Bericht der Section für Botanik. 



Versammlung am 20. Mai 1898. 

Vorsitzender: Herr Dr. E. v. Haläcsy. 

Zunächst werden die durch den Kücktritt des Obmannes und 
des Schriftführers nothwendig gewordenen Neuwahlen vorgenommen. 
Mit Stimmeneinhelligkeit werden Herr Prof. Dr. C. Fritsch zum 
Obmann, Herr Dr. C. v. Keissler zum Schriftführer gewählt. 

lieber Antrag des Herrn Dr. Fr. Oster meyer beschliesst die 
Versammlung, an Herrn Prof. Dr. G. v. Beck ein Schreiben zu 
richten, in welchem demselben das Bedauern über seinen Eücktritt 
von der Obmannstelle und der Dank für die Förderung der Interessen 
der botanischen Section ausgesprochen wird. 

Sodann legt Herr J. Dörfler eine Serie interessanter Pflanzen 
von der Insel St. Paul im Behringsmeere vor. 



Section für Lepidopterologie. 
Versammlung am 3. Juni 1898. 

Vorsitzender: Herr Dr. H. Rebel. 

Der Vorsitzende legt Th. Eimer 's „Orthogenesis der Schmetter- 
linge" (Leipzig, 1897) mit einem kurzen Referate vor und verweist 



Versammluug dei" Section für Lepidopterologie am 3. Juni 1898. 



347 



auf die in den Schriften der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft 
demnächst erscheinende ausführliche Besprechung dieser hervor- 
ragenden literarischen Erscheinung. 

Herr Dr. Kebel erstattet hierauf Bericht über die seit Heraus- 
gabe der Desideraten-Liste (April 1897) eingetretene Vermehrung 
der Macrolepidopteren-Sammluug Oesterreich-Ungarns am k. k. natur- 
historischen Hofmuseum. Die Sammlung wurde namentlich durch 
Geschenke nachstehender Herren bereichert: 0. Bohatsch, Dr. 
Czekelius (Hermannstadt), F. Fleischmann, H. Gross (Steyr), 
0. Habich, Hauder (Kirchdorf), H. Hirschke, Baron Kalchberg, 
Dr. P. Kempny (Gutenstein), E. Kindervater, Klos (Staitz), 
K. Spitz, G. Stange (Friedland) und F. Wagner. Darunter müssen 
die grösseren und sehr werthvollen Zuwendungen der Herren Gross, 
Habich und Stange mit besonderem Danke hervorgehoben werden. 

Durch diese Bereicherungen gelangten in dem Artenverzeichniss 
zur Löschung: 

Khopaloceren .... 5 Falter, 1 Kaupe, 

Zygaeniden 1 — 

Lithosiden 1 „ — „ 

Arctiiden — „ 1 „ 

Psychiden 1 „ 1 „ 

Notodontiden 2 — ,^ 

Noctuiden 7 „ 8 „ 

Geometriden 6 „ 19 „ 

Summe . . 23 Falter, 30 Kaupen. 

Herr 0. Bohatsch lässt hierauf eine von Heyne erworbene 
interessante Sendung paläarktischer Arten circuliren. 

Schliesslich setzt Herr Dr. Kebel seine Vorträge zur „Ein- 
führung in ein wissenschaftliches Studium der Lepidopteren" fort, 
behandelt die Systematik der Familien der Lipariden, Thaumeto- 
poeiden, Notodontiden und Sphingiden unter Vorweisung von Keprä- 
sentanten und bringt damit die systematische Besprechung der 
Heteroceren-Familien zum Abschlüsse. 



I 



45* 



348 



Vcisiiminluug der öection für Kryptogaiueukmidc am 27. Mai 18if8. 



XV. BericM der Section für Kryptogamenkimde. 



Versammlung am 27. Mai 1898. 

Vorsitzender: Herr Dr. Alexander Zahlbruckner. 

Herr Director Prof. E. Räthay spricht „lieber Black -Kot". 

Vortragender erörtert vorerst die Geschichte der Einwanderung 
der verschiedenen Eebenkrankheiten, welche aus Amerika einge- 
schleppt wurden, und zwar des Oidium Tuckeri, der PJiylloxera, der 
Peronospora viticola und schliesslich der Laestadia BidivelUi, des 
Black-Kot; es wurde die Entwicklungsgeschichte dieses Pilzes, sein 
Auftreten und die verheerenden Folgen desselben für den Weinbau 
Frankreichs genau besprochen. Der Vortragende berichtete aus- 
führlich über seine Wahrnehmungen im Herbste 1897 im Departe- 
ment Lot et Garonne, wo die Krankheit in ausgedehntem Masse 
auftrat. Zahlreiche Objecte dienten zur Illustration des Pilzes und 
seiner Folgen. 

Schliesslich legt Herr Dr. Alexander Zahlbruckner die neue 
Literatur vor. 



Section für Ornithologie. 



Versammlung am 6. April 1898. 

Discussionsabend: Das Vogelschutzgesetz. Keferent Herr 
Fritz Zell er. 



Beitrage Kur Flechteiitioia Niedeiösteireichs. V. 



349 



Beiträge zur Flechtenflora Niederösterreiehs. 

V. 

Von 

Dr. Alexander Zahlbruckner. 

(Eingelaufen am 25. Mai 1898.) 

Der vorliegende Beitrag zur Flechtenflora Niederösterreichs (vergl. diese 
„Verhandlungen", Bd. XXXVI, p. 47, XXXVIII, p. 661, XL, p. 279 und XLI, 
p. 769) enthält die in den letzten Jahren gemachten interessanten und pflanzen- 
geographisch wichtigen Funde in unserem Kronlande. Die Mehrzahl der Angaben 
bezieht sich auf das obere Donauthal und das Wald viertel. Herr J. Baumgartner 
hat die Durchforschung dieses Gebietes mit ungeschwächtem Eifer fortgesetzt 
und mir die reiche Ausbeute seiner Sammelthätigkeit zur Bearbeitung überlassen, 
wofür ich ihm meinen verbindlichsten Dank auszusprechen für eine angenehme 
Pflicht erachte. Fernere Angaben beziehen sich auf Funde, welche mir von be- 
freundeter Seite zugewendet wurden, oder auf Material, welches ich in Herbarien 
undeterminirt liegend fand. Jene Funde schliesslich, bei welchen kein Sammler 
angegeben ist, rühren von meinen Excursionen her. 

Thelocarpon impvessellum^) Nyl. in Flora (1876), p. 179 und (1885) p. 45; 
Eue, Addend. Lichgr. Europ. (1886), p. 267. 

Auf einem morschen und entrindeten Fichtenstamm im Matzinggraben 
und auf humöser Erde im Eadesbachgraben bei Gutenstein. 
Verrucaria leeideoides Krb., Par. Lieh. (1863), p. 376. Thrombium lecideoides 
Mass., Kicerch. sull' auton. (1852), p. 57. Catopyrenium lecideoides Arn. 
in Flora (1885), p. 68. 

Auf Schiefer auf dem Pfaffenberg bei Förthof oberhalb Stein (Baum- 
gartner). 

Verrucaria elaeonielaena Arn. in Flora (1885), p. 79. Lithoicea elaeo- 
melaena Mass., Descriz. alc. lieh. nuov. (1857), p. 30, Tav. V, Fig. 1 — 4. 
Auf Kalkgestein im Bache auf der Herrenalpe des Dürrenstein bei 
Luuz, ca. 1400m (Baumgartner). 
Verrucaria laevata Krb., Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 349. 

Auf Sehieferblöcken im Kamp unterhalb Dobra bei Allentsteig (Baum- 
gartner); auf Sandsteinplatten in der Ybbs am Fusse des Sonn- 
tagberges. 

Thrombium epigaeum Wallr.; A. Zahlbr. in Verhandl. der k. k. zool.-botan. 
Gesellsch. in Wien, XL (1890), p. 287. 



') Die fett gedruckten Arten sind für Niederösterreicli neu. 



350 



A. Zahlbruckner. 



In der Schneegrube des Hochwechsels; an Waldwegen hei Schenken- 
brunn im Bezirke Mautern (Baumgartner). 
Thelidium papulare Arn, in Flora (1885), p. 147. Verrucaria papularis 
E. Fries, Lichgr. Europ. Reform. (1831), p. 434. 

An feuchten Kalkfelsen an der Strasse von der Oisklause nach Langau 
bei Lunz, ca. 950 w (Baumgartner). 
Thelidium decipiens Kvi[)lhhr., Lichenenfl. Bayerns (1861), p. 246; Arn. in Flora 
(1885), p. 149. Sagedia decipiens Hepp in litt. t. Arn. in Flora (1858), 
p. 554; Hepp, Flecht. Eur., Nr. 699. Thelidium crassum Arn. in Flora 
(1858), p. 554; Krb., Par. Lieh. (1863), p. 348. 

An Dolomitfelsen an der Strasse vom Helenenthal bei Baden nach 
Siegenfeld. 

f. cinerascens Arn. in Flora (1868), p. 522 und (1885) p. 149. Thelidium 
crassum f. cinerascens Arn. in Flora (1858), p. 555. 
An Dolomitfelsen beim Jägerhause nächst Baden. 
Thelidium minimum Mass.; A. Zahlbr. in Annal. k. k. naturh. Hofmus. Wien, IX 
(1894), p. 135, Taf. III, Fig. 10. 

Auf kalkhältigem Sandstein im Walde bei Giesshübl (= Kryptog. exs. 
Mus, Vindob., Nr. 65). 
Staurothele clopima Th. Fries, Lieh, arctoi (1860), p. 263 und Lieh. Spitzberg, 
in Kgl. Sv. Vet.-Akad. Handl. (1867), p. 48; Wainio in Meddel. Soc. faun. 
et flor. fennic, X (1883), p. 167. Verrucaria clopima Ach., Method. Lieh., 
Suppl. (1803), p. 20. 
f. catalepta A. Zahlbr. Stigmatomma cataleptum Kbr., Syst. Lieh. Germ. 
(1855), p. 338; Lojka in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, 
Bd. XVIII (1868), Abb., p. 519. Thelotrema clopimum y.- cataleptum Hepp, 
Flecht. Eur., Nr. 949. 

Auf Schieferfelsen auf dem Pfaffenberg bei Förthof oberhalb Stein 
(Baumgartner). 

var. spadicea A. Zahlbr. Stigmatomma spadiceum Krb., Syst. Lieh. Germ. 
(1855), p. 338. 

An öfters überspülten Schieferfelsen an der Donau bei Hundsheim 
oberhalb Mautern (Baumgartner). 
Staurothele elegans Zwackh in Flora (1862), p. 552. Verrucaria elegans 
Wallr., Flora Cryptg. Germ. (1831), p. 309; Nyl. apud Stizenb. in Ber. 
St. Gallisch, naturw. Ges. (1880—1881), p. 487. Sphaeromphale elegans 
Krb., Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 335; Garovaglio, Tentam. Disp. (1865), 
p. 153, Tav. IX, Fig. 1, c'. 

An feuchten Granitfelsen in der Oedteichklamm bei Isper, ca. 750 m 
(Baumgartner). 

Äcrocordia tersa Krb.; A. Zahlbr. in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. 
in Wien, XL (1890), S. 289. 

Auf Ahornbäumen im Helenenthaie bei Baden. 



Beiträge zur Flcchtonfloni Niedcröstorroiclis. V. 



351 



Artho2)yrenia fallax Arn. in Flora (1885), p. 159. Verrucaria fallax Nyl. 
in Botan. Notis. (1852), p. 178 und Flora (1872), p. 363; Wainio in Meddel. 
See. faun. et flor. fennic, X (1883), p. 190. Pyrenula punctiformis ß. ana- 
lepta h) coryli Hepp, Flecht. Eur., Nr. 451 (1857). Arthopyrenia epider- 
midis ß. analepta c) coryli Mudd, Man. Brit. Lieh. (1861), p. 304. 

An der Rinde eines alten Haselnussstrauches im kleinen Klausgraben 
bei Aspang. 

Segestria chlorotica var. maciilams Zwackh in Flora (1862), p. 549. Verru- 
caria macularis Wallr., Flora Cryptg. Germ., III (1831), p. 301. 

An schattigen Granitfelsen am rechten Donauufer gegenüber von Grein 
(Baumgartner). 

SegestHa pei'sicina A. Zahlbr. Sagedia persicina Krb., Syst. Lieh. Germ. 
(1855), p. 364; Garovaglio, Tentam. Disp. (1863), p. 102; Hepp, Flecht. 
Eur., Nr. 694; Arn. in Flora (1885), p. 164. Verrucaria persicina Nyl. 
apud Stizenb. in Berieht. St. Gallisch, naturw. Ges. (1880—1881), p. 504. 
An schattigen Kalkfelsen in der Klamm am Aufstiege zur „Wand" 
von Waldegg im Piestingthal aus, ca. 700 w (Baumgartner). 
Segestria hyssoiMla A. Zahlbr. Sagedia hyssopJüla Krb., Par. Lieh. (1863), 
p. 355; Garovaglio, Tentam. Disp. (1863), p. 102; Hepp, Flecht. Eur., 
Nr. 695; Arnold in Flora (1885), p. 164. Verrucaria hyssophila Nyl. 
apud Stizenb. in Berieht. St. Gallisch, naturw. Ges. (1880—1881), p. 504. 
An Dolomitfelsen an der Strasse von Helenenthal nach Siegenfeld. 

Hychnogonia Bayrhofferi Krb., Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 333; A. Zahlbr. 
in Annal. k. k. naturhist. Hofmus. Wien, XI (1896), p. 97, 

An dem Stamme einer alten Buche auf dem Mariahilferberg bei 
Gutenstein. 

Pyrenula glabrata Mass.; A. Zahlbr. in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. 
in Wien, XLI (1891), p. 782. 

Au Buchen auf der Burgsteinmauer bei Isper und im Dobrawalde, 
Bezirk Gföhl (Baumgartner). 
Microthelia micula Krb.; A. Zahlbr. in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. 
in Wien, XLI (1891), p. 782. 

An den alten Linden des Mariahilferberges bei Gutenstein, reichlich. 
Endopyrenium tracliyticum Hazsl. in Verh. Ver. f. Naturk. Pressburg, V (1860), 
p. 7; A. Zahlbr. in Annal. k. k. naturh. Hofmus. Wien, XI (1896), p. 97. 
Diese Flechte ist im Waldviertel häufig und wurde dort zuerst bei 
Krems von Lojka^) gefunden. Herr J. Baumgartner hat sie 
mir von den folgenden Standorten eingesendet: an Gneiss auf dem 
Wachtberg bei Krems; auf dem PfafFenberg bei Förthof oberhalb 
Stein; an Schiefer bei Dürrenstein a. D. ; auf Amphibolsehiefer im 
Kremsthal bei Hohenstein nächst Moisling; auf Schiefer bei Hardegg. 



') Math, es tcrmeszettud. közl., XII (1874), i». 121 



352 



A. Zahlhru ckner. 



Endopyrenium monstruosum Krb., Par. Lieh. (1863), p. 304. 

Häufig an Jurakalkfelsen bei Falkenstein und bei Staatz (Baum- 
gartner). 

Endopyrenium hepaticum Krb., Par. (1863), p. 302. 

An lehmigem Boden auf dem Schaberg bei Mautern und auf dem 
Hundsheimerberg bei Deutsch -Altenburg (Baumgartner). 
Endopyrenium rufescens Krb., Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 323. 

Auf Erde über Gneissfelsen bei Jjoiben nächst Stein; über Schiefer 
auf dem Akazienberg und Wachtberg bei Stein ; auf Urkalk gegen- 
über der Euine Hartenstein im Kremsthal (Baumgartner). 
Endocarpon glomerulifermn Trevis., Conspect. Verrue. (1860), p. 4, fide 
Garovaglio, Endocarp. (1872), p. 30. Dermatocarpon glomeruliferum 
Mass., Mem. Liehgr. (1853), p. 141, Fig. 174; Krb., Par. Lieh. (1863), p. 308. 
An Erde auf dem Akazienberg bei Stein (Baumgartner). 
Dermatocarpon fluviatile Th. Fries, Lieh. Aret. (1861), p. 253. 

An feuchten Granitfelsen in der Oedteichklamm bei Isper und bei 
der Ispermühle nächst Dorfstetten; auf Schiefer im Kamp bei Dobra; 
an Granit im Gabrielenthal bei Weitra; an Granit in Bächen bei 
Gmünd und im Braunaubache (Baumgartner). 
Dermatocarpon miniatum var. papillosum Müll. -Arg.; A. Zahlbr. in Annal. 
k. k. naturh. Hofmus. Wien, XI (1896), p. 93. 

Sehieferfelsen oberhalb St. Johann an der Donau; auf Amphibolsehiefer 
zwischen Dürrenstein und Weissenkirehen und bei St. Michael; im 
Thayathale bei Drosendorf häufig, bei Hardegg (Baumgartner), 
var. complicatum Th. Fries, Lieh. Aret. (1861), p. 253. 

Bei der Haner-Mühle im Eisenberger Amt nächst Gföhl, ca. 480 m 
(Baumgartner). 

SphincMna turhinata E. Fries, Summa Veget. Scand., II (1849), p. 336; 
Nyl., Synops., I (1860), p. 142, Tab. V, Fig. 1; Arn. in Flora (1885), 
p. 61; Crombie, Mngr. Brit. Lieh., I (1894), p. 83, Fig. 22. Calicium 
turbinatum Pers., Tentam. Fungor. (1797), p. 59. 

Auf Pertusaria an der Einde älterer Buchen auf dem Burgstein bei 
Isper (Baumgartner.) 

Cyphelium inquifians Trevis. in Flora (1862), p. 4. Liehen inquinans Sm., 
Engl. Botany, XII (1801), Tab. 810. Acolium inquinans Mass., Mem. 
Liehgr. (1853), p. 150; Arn. in Flora (1884), p. 664. Calicium tympanellum' 
Ach., Method. Lieh. (1803), p. 89. Cyphelium tympanellum Ach. in 
Vetensk. Akad. Handl. (1815), Tab. VI, Fig. 7, fide Schaer., Lieh. Helvetic. 
Spicil., p. 226; Th. Fries, Genera Heterolieh. (1861), p. 100. Trachylia 
tympanella E. Fries, Summa Veget. Scand., I (1846), p. 118; Nyl., 
Synops., I (1860), p. 166, Tab. V, Fig. 32; Crombie, Mngr. Brit. Lieh., 
I (1894), p. 102. Acolium tympanellum a) inquinans Krb., Syst. Lieh. 
Germ. (1855), p. 303. 

An den Pfosten einer Scheune auf dem Rothkogel bei Lilienfeld. 



Beiträge zur Fleclitenflora Niederösterreichs. V. 



353 



Calicium pnroieiim Ach., Metliod. Lieh. (1803), p. 89, Tab. II. Fig. 3; Nyl., 
Synops., I (18G0), p. 145, Tab. V, Fig. Ü. 

An der Unterseite von Gneissblöcken auf dem Wege von Senftenberg 
nach Ünter-Meissling (leg. Lojka, in Herbar. Mus. imp. Vindob.). 
Calicium areiiaHmn Njl. a])ud Lamy in Bull. Soc. Bot. France, XXV (1878), 
p. 345; Crombie, Mngr. Brit. Lieh., I (1894), p. 89; Rehm apud 
Rabenh., Kryptg.-Flora Deutschi., I, 3 (1896), p. 412. Cyphelium 
arenanww Ha mpe apud Mass., Miscell. (1856), p. 20. Calicium. citrinum 
Nyl., Synops., I (1860), p. 149, Tab. VIT, Fig. 1. 
Sporen hellbräunlich, 7 5— 9 X 2-5— 3^. 

Auf Lecidea (s. Biatora) lucida an schattigen Schieferfelsen bei Raabs 
a. d. Thaya (Baumgartner). 
Calicium hyperellum Ach. 

Gr. Zellerhut bei Neuhaus auf Äbies Picea, ca. 1500 m (Baumgartner). 
Calicium trdbinellum Ach. 

An Tannenstrünken bei Gutenstein. 
Calicium lenticulare Arn. in Flora (1885), p. 51. Trachylia lenticularis Hoffm., 
Yeget. Cryptg., Fase. I (1790), p. 16, Tab. IV, Fig. 3. Calicium quercinum 
Nyl., Synops., I (1860), p. 155; Crombie, Mngr. Brit. Lieh., I (1894), p. 92. 
Thallus K-\- (flavesc). 

Auf alten Eichen im Kampthale südlich von Altenberg bei Horn 
(Baumgartner). 

CaUeium miiiuttmi Arn. in Flora (1885), p. 52 und Lieh.-Flora München 
(1891), p. 103; Rehm apud Rabenh., Kryptg.-Flora Deutschi., I, 3 
(1896), p. 408. Calicium nigrum ß) minutum. Krb., Par. Lieh. (1863), p. 290. 
An der Rinde älterer Föhren bei Gutenstein. 
Chaenotheca hrumieola (Ach.). 

Auf Fichtenstümpfen im Kohlgraben zwischen Baumgarten und Wölb- 
ling (Baumgartner); auf morschem Nadelholz bei Gutenstein. 
Chaenotheca chrysocej^Jiala Th. Fries, Genera Heterolich. (1861), p. 102. 
Liehen clirysoceplialus Turn, in Linn. Soc. Trans., VII (1804), p. 88. 
An Lärchen auf der Hohen Wand bei Arnsdorf (Baumgartner); an 
alten Schwarzföhren im Jagelgraben bei Gutenstein. 
Coniocyhe gracilenta Ach. in Vetensk. Akad. Handl. (1816), p. 289; Lojka in 
Verhandl. der k. k. zool;-botan. Gesellsch. in Wien, XVIII (1868), p. 519. 
Auf einem morschen Rothbuchenstrunke im Kampthale bei Zwettl. 
Sphaerophoron compressmn Ach., Method. Lieh. (1803), p. 135; Körb., 
Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 52; Nyl., Synops., I (1860), p. 170, Tab. V, 
Fig. 47; Crombie, Mngr. Brit. Lieh., I (1894), p. 104. 

Wurde in sterilen, aber thallodisch gut entwickelten Stücken von Fr. 
V. Grossbauer auf dem Kleinen Peilstein in einer Höhe von 900 w 
gesammelt. 

Xylograplia minuta Krb., Par. Lieh. (1801), p. 276; Minks in Flora (1880), 
p. 531; Wainio in Meddel. Soc. faun. et flor. fennic, X (1883), p. 148. 

Z. B. Ges. Bd. XLVIIT. 46 



354 



A. Zalilbruckner. 



Agyrium spüomatieum Anzi in Comment. Soc. Ital. Crittog., Vol. II, Fase. 1 
(1864), p. 20 und Lieh. Langob. exs., Nr. 385! Xylographa spilomatica 
Th. Fries, Liehgr. Seand., I (1874), p. 639; Rehm apud Rabenh., Kryptg.- 
Flora Deutschi., I, 3 (1888), p. 154. 

Auf morschen Tannenstrünken auf der Haselrast zwischen Gutenstein 
und Rohr; nicht selten. 
Agyrimn rufum E. Fries, Syst. Mycol., II (1822), p. 332; Nyl., Lieh. Seand. 
(1861), p. 250; Minks in Flora (1880), p. 522—523; Arn. in Flora (1884), 
p. 664; Rehm apud Rabenh., Kryptg.-Flora Deutsehl., I, 3 (1888), p. 450. 
Stictis rufa Pers., Observ. Myeolog. (1799), p. 74, Tab. VI, Fig. 6. 

Auf trockenem Fichtenholz auf der Haselrast zwischen Gutenstein und 
Rohr. 

OpegrapJia lithyrga Ach., Liehgr. Univ. (1810), p. 247 (exel. var. ß.); Hepp, 
Fleeht. Eur., Nr. 348! Opegr. vulgata f. lithyrga Stizenb., Steinbew. Opegr- 
Arten in Nov. Act. Acad. Leop.-Carol., XXXII, 1 (1865), p. 7, Tab. I, Fig. 2. 
Auf Amphibolschiefer im Kampthal bei Alt-Pölla, auf Gneissfelsen der 
Hohen Wand bei Mautern, auf Glimmerschiefer im Spitzer Graben 
bei Spitz und auf Gneissfelsen am rechten Donauufer gegenüber 
von Grein (Baumgartner). 
Graphis scripta var. ahietina Mudd, Man. Brit. Lieh. (1860), p. 237; Arn. in 
Flora (1881), p. 140. Opegrapha scripta ^. ahietina Schaer., Lieh. Helvet. 
Spicil., Seet. I (1823), p. 47. 

Auf Tannen im Walde zwischen Langegg und Brand bei Schrems 
(Baumgartner), 

Arthonia gregafia Krh., Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 291; Almq. in Kgl. 

Sveusk Vet.-Akad. Handl., XVII, Nr. 6 (1880), p. 20; Willey, Synops. 

Arthon. (1890), p. 7. SpJiaeria gregaria Weig., Observ. Botan. (1772), 

p. 43, Tab. II, Fig. 10. 

An der Basis einer Buche im Walde bei Rekawinkel. 
Arthonia dispersa Nyl., Lieh. Seand. (1861), p. 261; Almq., 1. c, p. 43. 

Opegrapha dispersa Sehrad., Sammlung Kryptog.-Gew., Nr. 167 (1797). 

Arthonia epipasta Krb., Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 292. 

Auf Sorbus im Parke von Neuwaldegg (leg. H. Lojka; Herb. Vindob.). 
Arthonia fuliginosa Fw. in Bot. Zeitg. (1850), p. 569; Almq., I.e., p. 27; 

Willey, Synops. Arthon. (1890), p. 20. Leprantha fuliginosa Krb., Syst. 

Lieh. Germ. (1855), p. 294; Arn. in Flora (1884), p. 646 und Lieh, exsiec, 

Nr. 209, bl 

An Fichtenrinde im Matzinggraben bei Gutenstein. 
Ärthothelium spectabile Fw. 

Auf Hainbuchen im Parke zu Neuwaldegg (Herb. Lojka, Nr. 475). 
Bhizocarjfon viHdiatrum Krb., Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 262; Th. Fries, 
Liehgr. Seand., I (1874), p. 623; Arn. in Verhandl. der k. k. zool.-botan. 
Gesellsch. in Wien, XXXVII (1887), Abb., p. 92. Lecidea viridiatra Fw. 
apud Krb., 1. c. 



Hcitiiige zur Flccbtcullora Nicdcröstcircichs. V. 



355 



All Gueissfelseii auf dem Sandel bei Dürreustein, ca. 600 w; an Giieiss- 
blöcken am Fusse des Ostroiig gegen Laimbach, ca. GOOm; an Granit 
auf dem Gipfelfelsen des Nebelsteins bei Weitra, ca. 1000 m (Baum- 
gartner). 

lihizocarpon Montagnei Krb., Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 258. 
Thecae monosporae. 

Auf Gneissfelsen, Egelsee nächst Krems, ca. 400 m; auf Gneiss bei der 
Ruine Dürrenstein und gegen Weisskirchen; auf Amphibolschiefer 
bei St. Michael nächst Spitz; auf Schiefer im Kampthal unterhalb 
Dobra, ca. 400 w, und bei Krumau (Baumgartner). 
Bhizocarpon disponm Müll. -Arg. in Revue Mycol., I (1879), p. 170. Lecidea 
dispora Naeg. apud Hepp, Flecht. Eur., Nr. 28 (1853). lihizocarpon 
geminatum Krb., Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 259. 

An Granit bei Fucha nächst Göttweig; auf dem Pfaffenberg und 
Akazienberg bei Stein (Baumgartner). 
Uhizocarpoii excentricum Arn. in Verband], der k. k. zool.-botan. Gesellsch. 
in Wien, XXXVI (1886), Abb., p. 67. Lecidea petraea ß. excentrica Ach., 
Method. Lieh. (1803), p. 37. Lecidea excentrica Nyl., Lieh. Seand. (1861), 
p. 234; Hue, Addend. Lichgr. Eur. (1886), p. 218. lihizocarpon petraeum 
var. excentricum Arn. in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, 
XXV (1875), Abb., p. 477. 

An Schieferfelsen in der Kleinen Klause bei Aspang. 
Biatorella pruinosa (Sm.) Mudd. 

Auf Löss bei Unterbergen, Bezirk Mautern, und auf Sand bei Trais- 
mauer (Baumgartner). 
Biatorella Simplex (Dov.) Br. et Rostr. f. goniophila {Lecidea goniophila Flk. 
fide Th. Fries, Lichgr. Scand., p. 408). 

An Schiefer auf dem Pfaffenberg bei Förthof oberhalb Stein, ca. 250 m, 
und an der Friedhofmauer des Dorfes Egelsee im Bezirke Krems, 
ca. 400 m (Baumgartner). 
Lecidea sarcogynoides Krb., Sy.st. Lieh. Germ. (1855), p. 224; Nyl. in Flora 
(1865), p. 148 und (1866) p. 418; Hue, Addend. Lichgr. Eur. (1886), p. 201. 
An Grauulit bei Fucha nächst Göttweig (Baumgartner); hier auch 
schon von Poetsch aufgefunden (vergl. Strasser in Verhandl. 
der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, XXXIX, p. 365). 
Lecidea iutumescens Nyl., Prodr. in Act. Soc. Linn. Bordeaux, XXI (1856), 
p. 373; Th. Fries, Lichgr. Scand., I (1874), p. 528. 

Häufig über Lecanora sordida auf den Urgesteinen des Waldviertels; 
Herr J. Baumgartner sammelte sie an den folgenden Stellen: 
Schlossberg bei Spitz, an den Südabhängen des Jauerling, Hohe 
Wand bei Mautern, Jägerhaus Ernstbrunn nächst Arnsdoi'f, Lauter- 
bach bei Weitra, Eggendorf nächst Raabs, Thayathal unterhalb 
Karlstein. 



356 



A. Zablbruckner. 



Lecidea teuebrosa Fw. apud Zwackh, Lieh, exs., Nr. 184 (1852); Nyl., Prodr. 
in Act. Sog. Linn. Bordeaux, XXI (1856), p. 373; Arn. in Flora (1884), 
p. 554. 

In einer Form mit kleinwarzigem Lager (sowie Arn., Lieh, exsice, 
Nr. 227) an Gneissfelsen beim Ernsthof, Bezirk Mautern, ca. 700 m 
(Baumgartner). 
Lecidea oUvacea (Hflfm.) Arn. in Flora (1884), p; 561. 
An Fichten um Gutenstein häufig, 
var. achrista (Smrft.) Arn., 1. c. Biatora amhigua Mass., Eicerch. suU' auton. 

(1852), p. 124, Fig. 242. 
f. sulphurea m. 

Thallus sulphureus, obscure limitatus, Ca Cl ochraceo-ruhescens. 
An Fichtenrinden um Gutenstein (Matzinggraben). 
Lecidea jurana Schaer., Enum. Lieh. Eur. (1850), p. 123; Arn. in Flora (1868), 
p. 35, Tab. I, Fig. 1-3. 

An Kalkfelsen um Gutenstein nicht selten. 
Lecidea (Biatora) symmictella Nyl. in Flora (1868), p. 163, Not; Th. Fries, 
Lichgr. Scand., I (1874), p. 433. Biatora symmictella Arn. in Flora 
(1884), p. 430. 

Auf Fichtenstrünken auf der Haselrast zwischen Eohr und Gutenstein 
und in der Längapiesting. 
Lecidea (Biatora) lucida Ach.; Strass. in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. 
in Wien, XXXIX (1889), p. 361 und A. Zahlbr., 1. c, XLI (1891), p. 777. 

Eine sehr häufige Flechte der Urgesteine des Waldviertels. Es seien 
hier noch die folgenden Standorte, an welchen Herr Baumgartner 
die Flechte beobachtete, erwähnt: Hohe Wand bei Mautern, auf 
Gneiss; Dürrenbach bei Arnsdorf; am rechten Donauufer unterhalb 
Sarmiugstein; auf Granulit bei Aggsbach, Bezirk Melk; auf Granit 
bei Traunstein, ca. 900 w; an Amphibolschiefer im Kampthal unter- 
halb Steinegg, ca. 300 w; auf Granit im Gabrielenthal beiWeitra; 
auf Gneiss im Kremsthal oberhalb Hartenstein; an Schiefer am 
Töpenitzbache bei Alt-Pölla, ca. 400 m; auf Granit bei Zwettl; 
Winterleiten bei Raabs a. d. Thaya; auf Granit bei Reichers nächst 
Kautzen, 

Lecidea (Biatora) exsequens Nyl. in Flora (1881), p. 181 und 539; Hue, Addend. 
Lichgr. Europ. (1886), p. 142. Biatora exsequens Arn. in Flora (1884), 
p. 431 und in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, XXXVII 
(1887), p. 140, ferner in Lich.-Flora München (1891), p. 71. 

Auf morschen Tannensti-ünken auf der Haselrast zwischen Rohr und 
Gutenstein. Die Farbe der Apothecien der gesammelten Exemplare 
sehr variabel, zumeist jenes helle Braun wie in Arn., Lieh, exsice, 
Nr. 107 zeigend. 

Lecidea (Biatora) ohscurella Nyl. in Notis. ar Sällsk. faun. et flor. fennic, 
Ny Serie, V (1866), p. 147; Th. Fries, Lichgr. Scand., I (1874), p. 467. 



Beiträge zur Flcchtciifloru NieckTöstcrrciclis. V. 



357 



Lecidea pellncida y. ohscurella Snirft., Suppl. (1826), p. 101. Biatora 
ohiicurella Aru. in Flora (1884), p. 431. Lecanora ohscurella Hedl. in 
Bihang Kgl. Sv. Vet.-Akad. Handl., XVIII, Afd. III, Nr. 3 (1892), p. 50. 
Biatora phaeostigma Krb., Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 199. 
An Lärchenrinden um Gutenstein, nicht häufig. 
Lecidea (Biatora) Caduhviae Nyl. in Notis. ur Sällsk. fenu. et flor. fennic, 
XIII, p. 335, fide Th. Fries, Lichgr. Scand., I (1874), p. 469. Biatora 
Cadubriae Mass., Geneac. Lieh. (1854), p. 20 und Sched. eritic., X (1856), 
p. 176. 

An Tannen in der Einsattelung zwischen dem Göller und dem Schwarz- 
kogel, ca. 1200 m (Baumgartner). 
Lecidea (Biatora) asser cidoriim Schrad. apud Ach., Lichgr. Univ. (1810), 
p. 170; Th. Fries, Lichgr. Scand., I (1874), p. 473. Biatora asserculorum 
Arn. in Flora (1884), p. 432. 

Auf Zaunlatten in der Längapiesting bei Gutenstein. 
Lecidea (Biatora) granulosa Ach., Method. Lieh. (1803), p. 65. 
var. hilaris Nyl., Lieh. Scand. (1861), p. 198, pro subsp. ^ 

Auf Moderholz am Aufstieg zum Nebelstein bei Weitra, ca. 950 w 
(Baumgartner). 
Lecidea (Biatora) flexuosa (Fr.) Nyl. 

An Planken an der Strasse in der Längapiesting bei Gutenstein, häufig. 
Lecidea (Biatora) coarctata (Sm.) Nyl. 
var. elacista (Ach.) Nyl. 

Auf Gneiss bei Loiben oberhalb Stein und auf Glimmerschiefer am 
Möderingbach bei Horn (Baumgartner). 
Lecidea (Biatora) rivtUosa Ach., Method. Lieh. (1803), p. 38; Nyl., Lieh. 
Scand. (1861), p. 222; Th. Fries, Lichgr. Scand., I (1874), p. 450. Biatora 
riculosa E. Fries in Vet.-Akad. Handl. (1822), p. 269; Krb., Syst. Lieh. 
Germ. (1855), p. 196; Hepp, Flecht. Eur., Nr. 491. 

An Granulit bei Oberbergern, Bezirk Mautern (Baumgartner). 
Lecidea (Biatora) lygaea Ach., Synops. (1814), p. 34; Th. Fries, Lichgr. 
Scand., I (1874), p. 452. Lecidea Kochiana Hepp, Lieh. Würzburg (1824), 
p. 61; Nyl., Lieh. Scand. (1861), p. 223. 

An Granitfelsen bei Traunstein, Bezirk Ottenschlag, ca. 900 m, in einer 
Form mit nicht geglättetem, sondern fein rissigem und fast rauhem 
Lage r (B a u m g a r t n e r). 
Lecidea ( Biatora) Strasseri A. Zahlbr. nov. spec. Thallus tenuis, continuus, 
granulosus, viridi-cinerascens, hiimef actus viridescens; K—, Ca Gl — ; 
gonidiis glohulosis 9—13/u in diam. Äpothecia adnata, primum pla- 
niuscula, margine ohtuso purum consjncuo, disco concolore cincta, demwm 
convexa et fere siihglohosa, rarius diff'ormia, solitaria, conglomerata vel 
hotrgoso-conglomerata, parva, 6—0 8 mm lata, dilute castanea vel dilute 
nmhrina. nitidula, madefacta obscure umbrina; excipulum hypothecio 
concolor, sed dilutior; hypothccium crassum, castuneum vel castaneo- 



358 



A. Z ah Ib ruckner. 



nigrescens; Jiymenium luteolum, 52—58/u altum, J vinose-fulvescens ; 
paraphyses graciles, arcte cohaerentes, apice paulum clavatae et obscuriores 
(ßavofuscescentes); asci anguste cuneati, hymenio subaequilongi et 8—12 fj, 
lati; sporae in ascis uniserialiter et siibohlique dispositae, ohlongo-fusi- 
formes, non raro leviter curvulae, utrinqiie acutatae, 9—11 longae et 
3—4 ii latae. Pycnoconidia non visa. 

Ueber abgestorbenen Pflanzen und Fichtennadeln in schattigen Wäldern 
bei St. Andrä, bei Rekawiukel und im Dürrenbachthal bei Waldegg. 
Im Wienerwald dürfte diese habituell an Blastenia leucoraea (Ach.) 
lebhaft erinnernde Flechte häufig sein. 
Haec species nova, quam nomine reverend. et amiciss. D. P. P. Strasser 
salutavi, arcte est affinis Lecideae Berengerianae (Mass.) Th. Fr., 
sed ab ea diflPert crusta tenui, apotheciis parvis et laete coloratis, 
hjmenia altitudine multo (circa duplo) minore, 
Lecidea (Biatora) fusca var. sanguineoatm Th. Fries, Lichgr. Scand., I, p. 435. 
Auf Moosen über Kalkfelsen im Burbachgraben bei Baden, 
var. at7'ofusca Th. Fr., 1. c. 

Ueber abgestorbenen Moosen um Gutenstein nicht selten. 
Lecidea (Biatora) cyclisca Nyl., Enum. in Mem. Soc. sc. nat. Cherbourg, 
V (1857), p. 125. Biatora cyclisca Mass., Symm. Lieh. (1855), p. 40; 
Krb., Par. Lieh. (1860), p. 163; Hepp, Flecht. Eur., Nr. 495; Arn. in 
Flora (1884), p. 551. 

Bei Drosendorf auf Urkalk (leg. F. v. Thümen) (Herb. Vindob.). 
Lecidea (Biatora) leucophaea Nyl. in Flora (1870), p. 35; Wainio in 
Meddel. Soc. faun. et flor. fennic, X (1883), p. 43. Biatora leucophaea Flk. 
apud Krb., Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 194. 
var. genuina Th. Fries, Lichgr. Scand., I (1874), p. 459. Biatora leucophaea 
a) genuina Krb., 1. c. 

An Glimmerschiefer auf dem Hohen Umschuss (Coli. Lojka, Nr. 264!) 
und bei der Pyramide (Coli. Lojka, Nr. 238!) auf dem Hochwechsel. 
Lecidea (Psora) lurida (Sm.) Ach. 

In der Hügelregion des Donauthales von Krems bis Aggsbach, auf 
Kalk wie Schiefer häufig; im Kremsthale bei Hartenstein an 
Amphibolschiefer; an kalkdurchsetzten Schieferfelseu unterhalb des 
Schlosses Krumau am Kamp; im Thayathale bei Drosendorf 
(Baumgartner). 
Lecidea (Fsora) decipiens (Ehrh.) Ach. 

Auf Tertiärboden bei Wolkersdorf; auf dem Wachtberg bei Krems; 
zwischen Dürrenstein und Weissenkirchen ; am linken Donauufer beim 
Markt Aggsbach, sämmtlich auf Schiefer; im Thayathal bei Drosen- 
dorf auf Urkalk (Baumgartner). 
Lecidea (Psora) fuliginosa Tayl. apud Mack., Flora Hibern. (1836), p. 131; 
Th. Fries, Lichgr. Scand., I (1874), p. 421; Nyl. apud Lamy in Bull. Soc. 
Bot. France, XXV (1878), p. 422. Psora conglomerata Krb., Syst. Lieh. 



Beiträge zur Flccbtcnflora Niederösterreichs. V. 



359 



Germ. (1855), p. 178; Arn. in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. 
in Wien, XXX (1880), S. 131. 

An überhängenden Glimmerschieferfelsen unweit der Pyramide auf 
dem Hochwechsel (Coli. Lojka, Nr. 9, in Herb, Vindob.). 
Catillaria prasina ß. hyssacea Th. Fries, Lichgr. Scand., I (1874), p. 573. 
Bicitora hyssacea Zwackh in Flora (1862), p. 510. Micarea prasina 
f. hijssacea Hedl. in Bihang Sw. Vet.-Akad. Handl, Bd. XVIII, Afd. III, 
Nr. 3 (1892), p. 87. 

Auf morschem Holz in der Kleinen Klause bei Aspang. 
Baciclia endoleuca (Njl.) Th. Fr. 

Auf Carpinus bei Rekawinkel; auf Tannen am Aufstiege von Laaben 
zum Forsthof am Fasse des Schöpfl. 
Bacidia inundata Krb. 

An feuchtem Sandstein eines Durchlasses bei Mauerbach (Baum- 
gartner); an Steinen im Bache der Kleinen Klause bei Aspang. 
Bacidia arceutina Arn. in Flora (1871), p. 53 und (1884) p. 580; Th. Fries, 
Lichgr. Scand., I (1874), p. 352. Lecidea luteola y) arceutina Ach., 
Method. Lieh. (1803), p. 61. Lecidea arceutina Nyl. in Notis. ur Sällsk. 
faun. et flor. fennic, XI, p. 189. Bacidia anomala Krb., Syst. Lieh. Germ. 
(1855), p. 188, pr. p. 

Auf einem morschen Buchenstrunk bei Gutenstein in einer Form mit 
verschwindendem Lager, welches nur durch grauweissliche, geglättete 
Flecken äusserlich angedeutet ist. 
Baridia Beckhausii Krb., Par. Lieh. (1860), p. 134; Arn. in Flora (1884), 
p. 581. Secoliga Becichausii Stizenb., Krit. Bemerk, in Nov. Act. Acad. 
Leop.-Carol., XXX (1863), p. 21, Tab. I, Fig. 6. Bacidia Becichausii 
cc. ohscurior Th. Fries, Lichgr. Scand., I (1874), p. 360. Biatora steno- 
spora Hepp, Flecht. Eur., Nr. 516 (1860). Lecidea stenospora Nyl. in 
Flora (1869), p. 413; Wainio in Meddel. Soc. faun. et flor. fennic, X 
(1883), p. 21. 

An Nadelholzstrünken um Gutenstein, zerstreut. 
Bacidia muscorum (Sw.) Arn. 

lieber abgestorbenen Moosen bei Gutenstein, nicht selten. 
Bacidia fiavovii^escens Anzi, Catal. Lieh. Sondr. (1860), p. 71. IJcJien flavo- 
virescens Dicks., Fase. Plant. Cryptg. Britt., III (1793), p. 13, Tab. VIII, 
Fig. 9. Bhaphiospora flavovirescens Mass., Alcune gener. Lieh. (1853), 
p. 12; Krb., Syst. Lieh. Germ. (1855), p.268; Arn. in Flora (1884), p.- 583. 
lAchen citrinellus Ach. in Vet. Akad. Handl. (1795), p. 16, Tab. V, Fig. 5. 
Lecidea citrinella Ach., Method. Lieh. (1803), p. 47; Nyl., Lieh. Scand. 
(1861), p. 248. Bacidia citrinella Oliv., Flor. Lieh, de l'Orne, II (1884), 
p. 179. 

In mit Humus ausgekleideten Ritzen eines Quarzblockos auf dem .Tauer- 
ling, ea. 900 w (Baumgartner). 
Thalloidima coeruleonigricans (Lightf.) Poetsch. 



360 



A. Zah Ibruckner. 



An erdebedeckten Amphibolscbieferfelsen an der Pielachmündung unter- 
halb Melk und auf Haideplätzen bei Eggenburg über Granit (Baum- 
gartner). 

Cladonia macilenta (Ehrh.) Hoffm. f. deusiflora Del. apud Arn. in Flora 
(1884), p. 79. 

An schattigen Granulitfelsen bei Mitterweg nächst Aggsbach (Baum- 
gartner). # 
Dimerella diluta (Pers.) Trevis. 

Am Grunde alter Föhren auf dem Mariahilferberg bei Gutenstein. 
Secoligei gyalectoides Mass., Descriz. alc. Lieh. (1857), p. 20; Krb., Par, Lieh. 
(1859), p. 110; Arn. in Flora (1884), p. 413. Thelotrema gyalectoides 
Mass., Eicerch. sull' auton. (1852), p. 142, Fig. 279. Lecidea tlielotremoides 
Njl., Prodr. in Act. Soc. Linn. Bordeaux, XXI (1856), p. 348. 

An Kalkfelsen in der Steinbachklamm bei Göstling, ca. 500m (Baum- 
gartner). 
Jonaspis melanocarpa Arn. 

Sporen des vorliegenden Exemplares 12— 14 ^ lang und 11 — 12 breit. 
An Kalkfelsen in der Steinbachklamm bei Göstling, ca. 550m (Baum- 
gartner). 

Synalissa ramulosa E. Fr.; Holzgr. in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. 
in Wien, XIII (1863), S. 1008; A. Zahlbr., ebenda, XLI (1891), S. 783. 
Pycnoconidien eiförmig oder eiförmig-elliptisch, 2 — 3Xl'6/4. 
Auf Amphibolschiefer zwischen Bacharnsdorf und Ober-Kienstock, Be- 
zirk Mautern, ca. 200m (Baumgartner); auf Schiefer auf dem 
Pfaflfenberg bei Förthof oberhalb Stein (Baumgartner); auf Ur- 
kalk bei Drosendorf a. d. Thaya auf dem Lager der Lecidea lurida 
(Baumgartner). 

Anema Notm*isii Forss., Beitr. z. Anat. und System. Gloeolich. (1885), p. 93. 
Omphalaria Notarisii Mass., Framm. lichgr. (1855), p. 13; Lieh. Ital. 
exsicc, Nr. 174 ! 

Auf Urkalkfelsen im Thayathale bei Drosendorf, häufig und gemein- 
schaftlich mit der Vorigen (Baumgartner). 
Anema moedlingense A. Zahlbr. nov. spec. Thallus niger, siccus opacus, 
nudus, rosulas monophyllas convexas vel fere semiglohosas, 2 — 8 mm latas 
et usque 2 mm altas formans, amhitu liaud lohatus, demuni rimulosus 
et in superftcie minute ruguloso- vel lobulato-inaequalis, subtus late um- 
Inlicatus; gonidiis 10—18 X9 — 14 lu,, hyphemate copiose cinctis. Äpothecia 
copiosa, lecanorina, impressa, 0'5 — 0'8mm lata, disco primum suburceo- 
lato vel concavo, demum piano, nigro; margine tenui integro nigra pjersi- 
stente; hypothecio pallide ochraceo-flavescente; hymenio imprimis superne 
ochraceo-flavescente, J coerulescente (ascis fuh'orubescentibus), epithecio 
tenui subgranuloso tecto; paraphysibus et crassiusculis, submonili forme 
articulatis, superne parum incrassntis et simplicibus gracilibus congluti- 



Beiträge zur Fleclitenflora Niedcrösterreicbs. V. 



361 



7iatis;^) ascis ovoideis, hasi cuneatis, apice hinc inde retusis, 47 — 52 X 
16—20/u, hymenio duplo circa hrevioribns; sporis S-m's, hyalinis, glo- 
hosis, S'5 — 11 /u in diam., episporio tenui cinctis. Heceptacula pycno- 
conidiorum minuta; sterigmatibus gracilibus et simplicibus ; pycnoconidiis 
rectis ellipsoideo oblongis vel oblongis, 2 6 — 3X1 lu. 

Ad saxa dolomitica in monte Kalenderberg prope Mödling (leg. Baum- 
gartner). 

Bisher ist nur eine Anema-kvi mit kugelrunden Sporen bekannt ge- 
worden, Ucämlich das auf Socotra vorkommende Anema exiguum 
Müll.-Arg. in Proc. Roy. Soc. Edinbourgh, XI (1882), p. 457, und 
apud Balfour in Trans. Roy. Soc. Edinbourgh, XXXI (1883), p. 344. 
Von dieser Species unterscheidet sich jedoch unsere Pflanze wesent- 
lich durch die Form und Grösse des reichfrüchtigen Lagers, durch 
die nicht cylindrischen Schläuche und durch die grösseren Sporen. 
Für den Kalenderberg und auch für den Maaberg bei Mödling gibt 
Lojka (Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, XVIII, 
S. 520) das Vorkommen des Anema decipiens (Mass.) an. Nach 
Exemplaren, welche im Herbare des k. k. naturhistorischen Hof- 
museums in Wien erliegen, kann ich die Richtigkeit dieser Angaben 
bestätigen. Dieses weicht von Anema moedlingense durch die Tracht 
des bestäubten Thallus, durch braune Apothecien und durch die 
Sporenform ab. 

Peccania coralloides Mass. A. Zahlbr. in Annal. k. k. naturhist. Hofmus. Wien, 
IX, S. 136. 

Auf Urkalkfelsen gegenüber der Ruine Hartenstein im Kremsthale, 
ca. 500 w (Baumgartner) (= Kryptg. exs. edit. Mus. Vindob., 
Nr. 70). 

Collema glaucescens Hoffm., Deutschi. Flora, II (1796), S. 100; Krb., Syst. Lieh. 
Germ. (1855), p. 403; Arn. in Flora (1867), p. 132, Tab. II, Fig. 46—51; 
Crombie, Mngr. Britt. Lieh., I (1894), p. 47. Liehen limosus Ach., Lichgr. 
Suec. Prodr. (1798), p. 126. Collema limosum Ach., Lichgr. Univ. (1810), 
p. 126; Arn. in Flora (1885), p. 172. 

An den Rändern lehmiger Waldwege beim Scheibenhof nächst Krems 
(Baumgartner); auf Lehmboden bei Stronsdorf (leg. Rippe r). 
Collema melaeniim Ach., Lichgr. Univ. (1810), p. 636 («); Nyl., Synops., I (1858), 
p. 108. Liehen multifidus Scop., Flora Carniol., II (1772), pr. p. Collema 
multißdum Schaer., Enum. Lieh, Eur. (1850), p. 254; Arn. in Flora (1885), 
p. 170; Heufl. in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, VI, 
S.227; Poetsch, I.e., VII, S. 33; Holzgr., I.e., XIII, S. 1008; Wallner 
in Oesterr. botan. Zeitschr. (1871), S. 320. 

Auf Urkalkfelsen gegenüber der Ruine Hartenstein (Baumgartner). 



') ut in A. (lecipiente; conf. Th. Fries in Botaniska Notiscr (186.5), p. 18.3 et Flora (18ßG), 
p. 183—184. 

Z. B. Ges. Bd. XLVIIL 47 



362 



A. Z ahlbr uckner. 



Collema plicatile Ach. 

An Kalkfelsen an der Schwechat im Helenenthale bei Baden. 
Synechohlastus muUipartitus Krb. Collema multipartitum Sm., Engl. Botany, 
XXXVI (1814), Tab. 2582; A. Zahlbr. in Verhandl. der k. k. zool.-botan. 
Gesellsch. in Wien, XLI, S. 783. 

An Urkalkfelsen der Euine Hartenstein und auf Amphibolschiefer beim 
Dorf Aggstein nächst Aggsbach (Baumgartner). 
Leptogium subtile Nyl.; A. Zahlbr. in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. 
in Wien, XLI (1891), S. 783. 

Auf einer von Erde bedeckten Weingartenmauer auf dem Pfaffenberg 
bei Förthof oberhalb Stein (Baumgartner). 
Parmeliella microphylla Müll. -Arg. in Flora (1889), p. 507. Liehen micropliyllus 
Sw. in Vet.-Akad. Handl. (1791), p. 301. 

Auf Amphibolschiefer unterhalb der Ruine Schauenstein im Kampthale; 
auf Granitfelsen in der Langwies bei Aggsbach; zwischen Persen- 
beug und Isperdorf (Baumgartner). 
Parmeliella triptophylla Müll. -Arg., Princip. Class. in Mem. Soc. phys. et bist, 
nat. Geneve, XVI (1862), p. 36. Lecidea triptophylla Ach., Lichgr. Univ. 
(1810), p. 215. 

Auf einer Buche im Walde oberhalb der Thurmmauer auf dem Göller, 
ca. 1200 m (Baumgartner). 
Collolechia caesia Mass., Geneac. Lieh. (1854), p. 7; Krb., Syst. Lieh. Germ. 
(1855), p. 397. Lecidea caesia Duf. apud Schaer., Enum. Lieh. Eur. 
(1850), p. 99. 

An Dolomitfelsen am Fusse der Thurmmauer des Göllers, ca. 1100 w 
(Baumgartner); an Kalkfelsen auf dem Gaisstein bei Pottenstein, 
ca. 1000m (Baumgartner); an Kalkfelsen in der Längapiesting 
bei Gutenstein. 

Heppia Guepini Nyl.; A. Zahlbr. in Annal. naturhist. Hofmus. Wien, XI (1896), 
S. 93. 

Diese Flechte sammelte Herr Baumgartner ferner auf Schiefer bei 
Loiben oberhalb Stein, bei Dürrenstein, auf Amphibolschiefer bei 
Weitenegg und im Kremsthale unterhalb Hartenstein und bei 
Senftenberg; auf Schieferfelsen im Thayathale bei der Ruine Kollmitz 
unterhalb Raabs. 

Heppia adglutinata Mass., Geneac. Lieh. (1854), p. 8. Ijccanora adglutinata 
Krplhbr. in Flora (1851), p. 675. 

Auf Erde über Amphibolschiefer bei Mauternbach, Bezirk Mautern 
(Baumgartner). 
Peltigera spuria DC. 

An Strassenlehnen bei Gansbach in der Langwies, bei Aggsbach; an 
Weglehnen unterhalb Rastenfeld am Kleinen Kamp; an Wald- 
wegen über verkohltem Holz bei Rekawinkel (Baumgartner). 



Beiträge zur Flecliteuflora Niedoröstcrroiclis. V. 



363 



liicasoliu amplisshtia De Notrs. in Giorn. Bot. Ital., Anno II, Parte 1, Tonio 1 
(184G), p. 179; Crombie, Monogr. Brit. Lieh., I (1894), p. 275. Liehen 
amplissimiis Scop., Flora Carniol., II (1772), p. 386. Sticta amplissima 
Kabenh., Kryptg.-Flora Deutscbl., II (1845), S. 64; Körb., Syst. Lieh. 
Germ. (1855), p. 68. Liehen glomeruliferus Lightf., Flora Scot., II (1777), 
p. 853. Bieasolia glomeruUfera Nyl., Prodr. in Ad. Soc. Linn. Bordeaux, 
XXI (1856), p. 300; Stizenb. in Flora, LXXXI (1895), p. 110. 

Der untere Theil der kräftigen Markscbichte färbt sich mit K-{- Ca Cl 
röthlich. 

An Buchen am Obersee bei Lunz, ca. 1200 w (Baumgartner). 
Solorinella asteriscus Anzi. Vergl. A. Zahlbr. in Annal. k. k. naturh. Hofmus. 
Wien, IX (1894), S. 130. 

Diese zierliche Flechte ist an geeigneten Orten in Niederösterreich gar 
nicht selten. Herr Baumgartner hat sein besonderes Augenmerk 
auf sie gelenkt und konnte sie mir von den folgenden Standorten 
einsenden: An Löss bei Hainburg; an Löss bei Wolkersdorf, Klein- 
Wetzdorf, Ober-Holiabrunn, Absdorf; im unteren Traisenthal von 
Traisenmauer bis Einöd; häufig in den Umgebungen von Krems, 
Stein und Mautern, donauaufwärts bis gegen Spitz. Aus diesen 
Angaben geht hervor, dass sich die geographische Verbreitung dieser 
Flechte in Niederösterreich mit der Area der pannonischen Flora 
(vergl. Beck, Flora von Niederösterr., I, S. 30) deckt. 
Buellia alhontra (Hoffm.) Th. Fr. 
f. eorticola (Ach.). 

Am Grunde alter Linden auf dem Mariahilferberg bei Gutenstein, 
schön entwickelt. — Herr Baumgartner sammelte diese Form 
auf Eichen im Kampthal südlich von Altenberg und bei Eohrbach 
nächst Ober-Hollabrunn. 
f. epipolia (Ach.). 

An der Friedhofmauer des Dorfes Egelsee, Bezirk Krems (Baum- 
gartner), 
var. venusta (Krb.) Th. Fr. 

Im Leithagebirge zwischen Bruck und Winden, auf Kalkfelsen (Baum- 
gartner). 

Buellia stellulata Mudd; A. Zahlbr. in Annal. k. k, naturh. Hofmus. Wien, IX 
(1894), S. 133. 

An Schiefer auf dem Pfaffenberg bei Förthof nächst Stein; Amphibol- 

schiefer oberhalb Dürrenstein, ca. 250 ?w (Baumgartner). 
Die Sporen sind in den niederösterreichischen Exemplaren etwas kleiner 
als in den zu dieser Art gehörenden Exsiccaten (vergl, Arnold in 
Flora [1872], p. 292); ich fand sie zumeist 6—8^ lang und 2'5 bis 
3 /LI breit. 
Buellia parasema (Ach.) Th. Fr. 
var. saprophila (Ach.) Th. Fr. 

47* 



364 



A. Zalilbruckner. 



An Fichtenstrünken auf der Haselrast zwischen Kohr und Gutenstein, 
var. triphragmia (Nyl.) Th. Fr. 

An Buchen zwischen dem Grossen Zellerhut und Schwarzkogel bei 
Neuhaus, ca. 1400m (Baumgartner). 
Buellia (s. CatolecMa) hadia Krb., Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 226; Arn. 
in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, XXII (1875), Abb., 
S. 299; Th. Fries, Lichgr. Scand., I (1874), p. 588. Lecidea hadia E. Fries, 
Syst. Orb. Veget. (1825), p. 287; Nyl., Lieh. Scand. (1861), p. 238. 

Ueber Moosen bei Loiben oberhalb Stein; an Gneissfelsen auf dem 
Sandel bei Dürrenstein, ca. 700 m; an Granitblöcken bei Traun- 
stein, Bezirk Ottenschlag, ca. 900 m (Baumgartner). 
Binodina sophodes Arn. in Flora (1881), p. 196 und (1884), p. 320. 

An Sorhus Äucuparia beim Jägerhaus Rendlwies, ca. 700 m (Sporae 
14 — 16 (X longae et 8 /u latae; pycnoconidia recta, 3 5 — 4 /u longa 
et 0'7—0'9 fj, lata) und um Eossbruck bei Weitra (Baumgartner). 
Binodina ocellata Th. Fries, Lichgr. Scand., I (1871), p. 204; Arn. in Flora 
(1872), p. 39 und (1884), p. 318. Binodina lecanorina Mass.; Holzgr. 
in Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, XIII (1863), S. 1005. 
An Schieferblöcken bei Aggsbach und an Kalkconglomerat des Gölbling 
nächst Rohrendorf, Bezirk Krems (Baumgartner). 
JRinodina turfacea Th. Fries, Lichgr. Scand., I (1871), p. 195. Liehen 
turfaceus Wahlbg., Lapp. (1812), p. 408. 

An mit lehmiger Erde bedeckten Mauern im Weingebirge bei der 
Kremser Vorstadt Hohenstein, ca. 200m (Baumgartner). Die 
gesammelten Exemplare zeigen sowohl Früchte mit nackter Scheibe, 
wie auch kleinere Apothecien mit in der Jugend weisslich bereiftem 
Rand und Discus (var. roscida Th. Fr.). Dass übrigens beide Frucht- 
formen an ein und demselben Lager auftreten, sagt auch Th. Fries 
a. a. 0. Diese Flechte ist ein alpiner Typus und sie vermehrt die 
Anzahl der im oberen Donauthale in tiefer Lage vorkommenden 
Flechten um eine Art (vergl. diesbezüglich A. Zahlbruckner in 
Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, XLI [1891], 
S. 770 und Baumgartner, 1. c, XLIII [1893] S. 550). 
Binodina oreina var. Mougeotioides (Nyl.) A. Zahlbr. in Annal. k. k. naturhist. 
Hofmus. Wien, IX (1894), S. 130. 

An Quarzit auf dem Braunsberg bei Hainburg, ca. 300m (Baum- 
gartner). 
Physcia caesia (Hoffm.) Nyl. 

An sonnigen Kalkblöcken bei Perchtoldsdorf. 
Blastenia leucoraea (Ach.) Th. Fr. 

ÜQber abgestorbenen Moosen in der näheren Umgebung Gutensteins 
häufig. 

Caloplaca Schistidii A. Zahlbr. Gyalolechia Schistidii Anzi, Catal. Lieh. Sondr. 
(1860), p. 38; Arn. in Flora (1884), p. 526; Strass. in Verhandl. der 



Boitnlge zur Flecliteullora, Niederösterroicbs. V. 



365 



k. k. zool.-botaii. Gesellsch. in Wien, XXXIX (1889), S. 351. Lecanora 
Schistidii Nyl. apud Crorabie in Journ. Linn. Soc. Lond., Bot., XV (187G), 
p. 172. 

Ueber Grinwiia-'Pohtem im Kremsthale bei Krems (Baumgartner). 
Caloiüaca cerina (Ehrh.) Th. Fries. 

f. stilUcUUortim Th. Fries, Licligr. Scand., I (1871), p. 175. 

Auf Grimm ia-Vo\^tQv\\ auf dem Akazienberg bei Stein und bei Loiben 
(Baumga rtner). 

Caloplaca rubelliana (Ach.) Lojka. Conf. A. Zahlbr. in Annal. k. k. naturhist. 
Hofmus. Wien, IX (1894), S. 131. 

An sonnigem Schiefergestein in der Hügelregion des linken Donauufers 
(ca. 300 m) von Krems bis Spitz nicht selten (Baumgartner in litt.). 
Caloplaca arenaria Müll.-Arg., Princip. Classific. Lieh. (1862), p. 47. Liehen 
arenarius Pers. in üsteri, Ann. d. Bot., 7 (1794), p. 27. Blastenia are- 
naria Mass. in Flora (1852), p. 575; Arn. in Flora (1884), p. 308 und Lich.- 
Flora München (1891), p. 47. 

An Schieferfelsen bei Stein, ca. 250 wi (Baumgartner). 
Caloplaca irriihescens A. Zahlbr. Lecanora aurantiaca * irrubescens Njl. in Flora 
(1874), p. 318; Crombie, Monogr. Brit. Lieh., I (1894), p. 375 pro subsp.; 
Stizenb. in Ber. St. Gallisch, naturw. Ges. (1880—1881), pro sp. Calo- 
placa aurantiaca f. irrubescens A. Zahlbr. in Verhandl. der k. k. zool.- 
botan. Gesellsch. in Wien, XLI (1891), p. 774. 

An Amphibolschiefer zwischen Emmersdorf und Weitenegg, ca. 20Qm; 
an sonnigen Granitblöcken bei Weitra, ca. 550 m; an sonnigen 
Schieferfelsen bei Krumau am Kamp, ca. 400m (Baumgartner). 
Caloplaca caesiorufa (Ach.) A. Zahlbr. Conf. A. Zahlbr. in Annal. k. k, natur- 
hist. Hofmus. Wien, XII (1897), p. 90. 

An Gneissfelsen auf dem Sandel bei Dürrenstein (Baumgartner) 
(= Arn., Lieh, exsicc, Nr, 1652); an Granitblöcken bei Weitra 
und an Amphibolschiefer zwischen Emmersdorf und Weitenegg 
(Baumgartner). 

Caloplaca fuscoatra (Bayrh.) A. Zahlbr. in Annal. k. k. naturhist. Hofmus. Wien, 
IX (1894), p. 131. 

Für die Verbreitung dieser Flechte in Niederösterreich sind noch die 
folgenden Standorte von Wichtigkeit: an Quarzit auf dem Brauns- 
berg bei Hainburg; auf Urgestein am rechten Donauufer unterhalb 
Sarmingstein an der oberösterreichischen Grenze und an Schiefer 
bei Hardegg und bei Frain a. d. Thaya (Mähren) (Baumgartner). 
Caloplaca (sect. Gasparrinia) cirrocJiroa (Ach.) Th. Fries. 

An Amphibolschiefer zwischen Willendorf und Groisbach oberhalb S])itz, 
ca. 220m (Baumgartner). 
Caloplaca (Gasparrinia) pusilla A. Zahlbr. in Annal. k. k. naturhist. 
Hofmus. Wien, IV (1889), p. 353. Physcia pusilla Mass. in Flora (1852), 
p. 567 und Monogr. Lieh. Blasteniosp. (1858), p. 59, Fig. VII; Arn. in Flora 



366 



A. Zalilbruckn 



(1875), p. 153, (1881) p. 309 und (1884) p. 248. Amphiloma piisillum Krb., 
Par. Lieh. (1859), p. 48. Lecanora pusilla Rieh.. Catal. Lieh. Deux-Sevres 
(1878), p. 23. 

An Schieferfelsen des Schlosses Krumau am Kamp, ca. 400 m (Baum- 
gartner). 

Caloplaca ( Gasparrinia) Heppiana A. Zahlbr. in Annal. k. k. naturhist. Hofmus. 
Wien, V (1890), p. 27. Amphiloma Heppiana Müll.-Arg., Prineip. Classifie. 
Lieh. (1862). p. 39. 

An Schieferfelsen zwischen Dürrenstein und Weisseukirehen (Baum- 
gartner). 

Caloplaca ( Gasparrinia) Baumgartneri A. Zahlbr. nov. spec. Thallus 
rosulas formans, l'o—2 5 cm latas, centrifugas et confluentes, aurantiacus, 
K-\-, opacus, scahriiisculus, in centro verrucoso-granulosus, paulum oh- 
scuratus, demum oUiteratus, in margine effiguratus, laciniis contiguis, 
substrato adnatis, convexis, angustis, in apice plerumque digitatim 2- ad 
3-lohulatis (rare simpUcibus) et parum planiorihus; sorediis nullis. Gonidia 
glohosa, 13—16,u in diam. Apothecia in centro thalli numerosa, parva, 
5— 7 mm lata, sessilia, primim concaviuscula, demum plana, disco 
miniato, nudo, margine thallo concolore, subintegro vel subcrenulato ; 
paraphysibus gracilibus, apice celluloso-clavatis, dense pulverulentis, 
simpUcibus vel furcatis; ascis ovoideis vel oblongo-ovoideis, apice retusis, 
paraphysibus brevioribus, 50—55 /u longis et 18—22 ^ latis; sporis polari- 
dyblastis, ovoideis vel ovoideo-ellipsoideis, 12'5 — 15 fi longis et 5 — 5' 5 ^ 
latis. Hymenium J pulchre coerulescit. Pycnoconidia non visa. 

Speeles elegans, quoad thallum ad Caloplacam scopularem (Lecanora 

scopularis Njl. in Flora [1883], p. 105) aecedit, sed differt sporis 

aliis. 

An Sehieferfelsen unterhalb des Schlosses Persenbeug reichlich (ca. 
200 w) und an Schiefer bei Schloss Krumau am Kamp, ca. 370 w 
(Baumgartner). 
Haematomma ventosum^ (L.) Mass. 

An Granitblöcken bei Traunstein, Bezirk Ottenschlag, ca. 900 w, und 
bei Pretrobruek nächst Arbesbach, ca. 800 m (Baumgartner). 
Haematomma coccinemn Krb., Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 153; Th. Fries, 
Liehgr. Scand., I (1871), p. 297. Liehen coccineus Dicks., Fase. Cryptg. 
Britt., I (1785), p. 8. 

Im Urgebirge der beiden oberen Kreise nicht selten; Herr Baum- 
gartner theilte sie mir von den nachfolgenden Standorten mit: 
An den Hirschwänden bei Eossatz (in einer Form mit kräftigem, 
stellenweise grauem Lager und zahlreichen, 2 — 3 mm breiten Früch- 
ten); an schattigen Gneissfelsen beim Jägerhause Ernsthof nächst 
Arnsdorf, Bezirk Mautern, ca. 700 m; an Amphibolschiefer zwischen 
Laach und Aggsbach, ca. 400 m; an schattigen Granitfelsen am 
„Falkenstein" an der Kleinen Isper; unterhalb Dorfstetten, schon in 



Beiträge zur Fleclitenflora Niederösterreichs. V. 



367 



Oberösterreich, doch uahe der uiederösterreichischen Grenze; am 
Kleinen Peilstein bei Isper auf Gneiss, ca. 900 w; auf der Kuppe des 
Mandelsteins bei Weitra, an Granit, ca. 850 w; an Schiefer im 
Kampthal oberhalb der Batzelmühle nächst Rosenburg, ca. 300 m; 
an Granitblöcken am Zusammenfluss des Grossen und Kleinen 
Kamps bei Zwettl. 

Ilaematmmna elatinuni Krb., Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 153; Th. Fries, 
Lichgr. Scand., I (1874), p. 299. Lecanora elatina Ach., Lichgr. Univ. 
(1810), p. 387; Nyl., Lieh. Scand. (1861), p. 172. 

An Lärchen am Fasse des Hochkars bei Göstling, ca. 750 m, und an 
Pinns sylvestris am Fasse der Achnermauern des Göllers, ca. 750 m 
(Baumgartner). 

Lecanora (sect. Ochrolechia) suhtartarea Nyl. in Flora (1872), p. 550 
(non Enum. in Mem. Soc. sc. nat. Cherbourg, V [1857], p. 113); Crombie, 
Monogr. Brit. Lieh., I (1894), p. 460. 

An moosigem Granitgestein auf dem Bärenstein bei Weitra, ca. 1000 m 
(Baumgartner). 
Lecanora (sect. Äspicilia) gihhosa (Sm.) Nyl. 

An Gneissfelsen auf dem Sandel bei Dürrenstein, ca. 600m (Baum- 
gartner). 

Lecanora (sect. Äspicilia) verrucosa (Ach.) Nyl. 

üeber Moosen um Gutenstein und auf dem TJnterberg. 
Lecanora suhfusca var. chlarona Ach. 

An der Rinde der Lärchen beim Forsthofe am Fusse des Schöpfls, mit 
sehr hellen gelblichen Apothecien. 
Lecanora albella Ach.; Nyl. 

An Bachen am Aufstiege zum Nebelstein bei Weitra, ca. 900 ?w (Baum- 
gartner). 

Lecanora glaucoma var. Sioartzii (Ach.) Nyl. 

An Schieferfelsen in dei* Wegscheid im Kampthale, ca. 400 m und bei 
der Ruine Dobra (Baumgartner), 
var. suhradiosa Nyl. in Flora (1872), p. 549, pro subsp.; Crombie, Monogr. 
Britt. Lieh., I (1894), p. 422. 

Gneissfelsen am Kleinen Peilstein bei Isper (Baumgartner). 
Lecanora subcarnea Ach.; Nyl. 

An Gneissfelsen auf dem Sandel bei Dürrenstein, an den Hirsohwänden 
bei Rossatz, beim Jägerhaus Ernsthof nächst Arnsdorf; an Amphibol- 
schiefer unterhalb der Ruine Aggstein und an Schieferfelsen im 
Thayathale nächst Dobersberg (Baumgartner). 
Lecanora sulj^hurea Ach., Lichgr. Univ. (1810), p. 399 («); Mass., Ricerch. 
sullauton. (1852), p. 13, Fig. 20; Arn. in Flora (1884), p. 334; Crombie, 
Monogr. Brit. Lieh., I (1894), p. 428. Liehen sulphureus Holfm., Enum. 
Lieh. (1784), p. 32, Tab. IV, Fig. 2. Lecidea sulphnrea Wahlbg., Flora 
Lappon. (1812), p. 477; He dl. in Bihang tili Sven.ska Vet.-Akad. Handl., 



368 



A. Zahlbruckner. 



XVIII, Afd. III, Nr. 3 (1892), p. 55. Zeora sulphurea Krb., Lieh. Germ. 
(1855), p. 136. 

An Schieferfelsen auf den südlichen Abhängen des Jauerling bei Spitz, 
ca. 600 w (Baumgartner). 
Lecanora orosthea Ach., Lichgr. Univ. (1810), p. 400; Nyl., Lieh. Scand. 
(1861), p. 165; Hedl. in Bihang tili Svenska Vet.-Akad. Handl., XVIII, 
Afd. III, Nr. 3 (1892), p. 39; Crombie, Monogr. Brit. Lieh., I (1894), 
p. 429. Zeora orosthea Fw. in Jahresber. Sehles. Ges. Naturk., I (1849), 
p. 125; Krb., Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 136. Lecanora varia var. 
orosthea Mudd, Man. Brit. Lieh. (1861), p. 150; Th. Fries, Lichgr. Scand., 
I (1871), p. 261. 

An Gneissfelsen auf dem Sandel bei Dürrenstein (leg. Lojka!) (Herb. 
Vindob.); an Granitfelsen auf der Kuppe des Mandelsteins bei 
Weitra, ca. 850 m (Baumgartner). 
Lecanora piniperda Krb., Par. Lieh. (1859), p. 84; Hedl. in Bihang Svenska 
Vet.-Akad. Handl., XVIII, Afd. III, Nr. 3 (1892), p. 45. 
An Schwarzföhren um Gutenstein nicht selten, 
f. suhcarnea Krb., 1. c; Hedl., 1. c. 

An Rothföhren im Sendelbachgraben bei Oberbergern, Bezirk Mautern 
(Baumgartner). 
Lecanora (sect. Placodium) lentigera Ach. 

Auf Tertiärboden bei Wolkersdorf und zwischen Rohrbach und Ober- 
Hollabrunn (Baumgartner). 
Lecanora (sect. Placodium) chrysoleuca Ach. 

var. complicata Ach., Lichgr. Univ. (1810), p. 411. Squamaria chrysoleuca 
var. complicata Nyl., Lieh. Scand. (1860), p. 131 und Synops., II, p. 61. 
An Gneiss bei Loiben oberhalb Stein und auf dem Akazienberg, ca. 
250 m; auf dem Schlossberg bei Spitz (Baumgartner). 
Ljecanora (sect. Placodium) Garovaglii A. Zahlbr. in Verhandl. naturhist. Ver. 
Pressburg, VII (1894), p. 47. Placodium Garovaglii Krb.. Par. Lieh. 
(1859), p. 54; Arn. in Flora (1884), p. 312. 

Im Urgebirge des V. o. M. B., namentlich in den wärmeren Thal- 
gegenden nicht selten, meist in Gesellschaft von Lecanora saxicola 
(Poll.); so in der Wachau, im Krerasthale, am Kamp bei Krumau, 
an der Thaya bei Drosendorf (Schiefer); seltener auf dem Plateau, 
bei Gföhl (Schiefer), Weitra und Eggenburg (Granit). (Baum- 
gartner in litt.) 

Lecanora (sect. Placodium) demissa A. Zahlbr. Imbricaria demissa Fw. 
in Jahresber. Sehles. Ges. Naturk., II (1850), p. 133; Krb., Syst. Lieh. 
Germ. (1855), p. 80. Placodium demissum Krb., Par. Lieh. (1859), p. 55. 
Parmelia demissa Stein apud Cohn, Kryptg. -Flora Sehles., II, 2 (1879), 
p 75. (?) Lecanora castanoplaca Nyl. in Flora (1881), p. 538. 

An Gneiss auf dem Braunsdorferberg bei Krems, ca. 400 m ; am Vogel- 
berg und Sandel bei Dürrenstein; an schattigen Granitfelsen am 



Beiträge zur Floclitcnflora Nieilerösterroiclis. V. 



369 



rechten Donauufer gegenüber von Grein; an Schiefer bei Hardegg, 
knapp an der mährischen Grenze (Baumgartner). 
Acarospora glaucocarpa (Wahlbg.) Krb. 

Au schattigen Kalkfelsen am Aufstiege zur Hohen Wand bei Waldegg 
(Bau mgartner). 
f. percaena (Ach.) Krb. 

An Jurakalk bei Falkensteiu (Baumgartner). 

Acarospora cimracea (Nyl.) Lahm. 

An Amphibolschiefer bei der Kremser Vorstadt Kremsthal (Baum- 
gartner). 
Acaro!ipora furcata (Schrad.) Arn. 

An Gneissfelsen bei der Ruine Dürrenstein (Baumgartner). 
Acarospora rufescens (Borr.) Arn. 

An Gneiss auf dem Sandel bei Dürrenstein (Baumgartner). 
Stereocnulon tmnum Ach. 

An schattigen Granitwänden über Moosen am rechten Donauufer 
gegenüber von Grein, an Gneissfelsen bei Rappottenstein (Baum- 
gartner). 

Gyroi)hora liolyvrliizu Krb., Par. Lieh. (1859), p. 41; Th. Fries, Lichgr. 
Scand., I (1871), p. 159; Crombie, Monogr. Brit. Lieh., I (1894), p. 333. 
laichen polyrrhizos L., Spec. Plant. (1753), p. 1151. 

An Granitblöcken bei Petrobruck nächst Arbesbach (Baumgartner). 
Gyrophom polypliylla (L.) Turn, et Borr. 

An Gneissfelsen beim Jägerhaus Ernsthof nächst Arnsdorf, ca. 700 w; 
häufig auf dem Granitplateau des Waldviertels, in grosser Menge 
z. B. am Mandelstein bei Weitra; bisher nur steril beobachtet (Baum- 
gartner). 

Gyrophora flocculosa (Wulf.) Turn, et Borr. 

An Granitfelsen auf dem Gipfel des Nebelsteins bei Weitra, fruchtend 
(Baumgartner). 
Parmelia perlata Ach.; Nyl. 

Fruchtend! An Buchen auf dem Burgstein bei Isper, ca. 900m (Baum- 
gartner). 

Parmelia saxatilis Ach. f. fiirftiracea Schaer., Lieh. Helvetic. Spicil., Sect. X 
(1840), p. 455; Crombie, Monogr. Brit. Lieh., I (1894), p. 241. 

An Tannen fruchtend am Aufstiege zur Reisalpe von Hohenberg, ca. 
1000m (Baumgartner). 
Parmelia hyperopta Ach. 

An Lärchen am Aufstieg zum Grossen Zellerhut von Neuhaus aus, ca. 
1100m (Baumgartner). 
Parmelia suhaurifera Nyl. 

An Hainbuchen in den Wäldern um Perchtoldsdorf häufig; an Lärchen 
beim Forsthofe am Fusse des Schöpfl. 

Z. B. Ges. Bd.XLVIIT. 48 



370 A. Zablbruckner. Beiträge zur Flochtenflora Niederösterreichs. V. 

Parmelia glahra Nyl. 

An Eschen in den Wäldern um Perchtoldsdorf, Kaltenleutgeben und 
Mödling häufig. 

Parmelia glahrans Nyl. in Flora (1875), p. 15; Hue, Addend. Lichgr. Eur. 
(1886), p. 45. 

An Granitblöcken nördlich von Gmünd, ca. 550 m (Baumgartner). 
Die Sporen des Exemplares sind 9"5 — 11 lang und 5'5— 6/^ breit. 
Parmelia sorediata Th. Fries, Lichgr. Scand., I (1871), p. 123; Nyl. in 
Flora (1879), p. 223. Parmelia stygia ß. sorediata Ach., Lichgr. Univ. 
(1810), p. 471. Imhricaria sorediata Arn. in Flora (1882), p. 406 und 
(1884), p. 166, Lich.-Flora Münch. (1891), p. 32. Parmelia prolixa subsp. 
sorediata Crombie, Monogr. Brit. Lieh., I (1894), p. 253. Imhricaria 
Sprengeiii Krb., Syst. Lieh. Germ. (1855), p. 80. 

An Granitblöcken am Gipfel des Nebelsteins bei Weitra, ca. 1000 m; an 
Gneissfelsen auf dem Sandel bei Dürrenstein, ca. 700 w, fruchtend!; 
am Vogelberg bei Dürrenstein, ca. 400 ?w; an Gneiss am Muglaberg 
bei Eossatz (Baumgartner). 
Parmelia incurva Fr., Nov. Sched. Critic. (1826), p. 31; Nyl., Lieh. Scand. 
(1861), p. 101 und Flora (1869), p. 293; Th. Fries, Lichgr. Scand., I 
(1871), p. 129. Liehen incurvus Pers. apud Usteri, Ann. d. Bot., 7 
(1794), p. 24. 

An Granitblöeken bei Petrobruck nächst Arbesbach, ca. 800m (Baum- 
gartner). 

Cetraria tenuissima Wainio in Meddel. Soc. fauu. et flor. fennic, XIV (1888), 
p. 21. Liehen islandicus y. tenuissimus L., Spee. plant. (1753), p. 1145. 
Cornicularia aculeata (Schreb.) Ach. 

An sterilen Plätzen bei Egelsee, Bezirk Krems, und an Heideplätzen bei 
Eggenburg und Retz (Baumgartner). 
Cetraria saepincola var. chlorophylla Schaer. 

An Lärchen auf der Hinteralpe zwischen Reisalpe und Staff bei 
Lilienfeld, ca. 1100m (Baumgartner). 
Ramalina fraxinea var. calicariformis Nyl., Recogn. Ramal. (1870), p. 38; 
Stizenb. in Jahresber. naturf. Ges. Graubünd., N. F., XXXIV (1891), 
p. 95; Anzi, Lieh, Ital. sup. exs., Nr. 60! 

An Ahornbäumen auf der Hinteralpe, zwischen Reisalpe und Staif bei 
Lilienfeld, ca. 1100??i (Baumgartner). 
IJsnea ceratina Ach. 

An Buchen auf dem Hinterberg bei Isper, ca. 800 m. Das Lager er- 
reicht hier eine Länge bis 85cm (Baumgartner). 



Zur Keiiütuiss der Vcrwaiidtschaftsgruppc des Otiorrlnpichus signatipcnuis Scbönh. 37 1 



Zur Kenntniss der Verwandtschaftsgruppe des 
Otiorrhynchus signatipennis Schönh, 

Von 

Victor Apfelbcck, 

Custos am k. k. Landesmuseum in Serajowo. 

(Mit 3 Abbildungen im Texte.) 

(Eingelaufen am 29. April 1898.) 

I. Otiorrhynchus signatipennis Schönh. (Gy 11h.) (aiireolus Schönh.; 
9 confusiis Schönh.; 9 iHyriciis Stierl.; 9 eusomioides Stierl., Mittheil, der 
Schweiz, ent. Ges., IX, S. 110). 

Diese Art ist durch den auffallend dicken, kurzen, winkelig (d. h. nicht 
geradlinig, sondern mehr minder ausgeschweift und ungleichmässig) verengten 
Rüssel und die vollkommen abgeflachten Augen, deren Oberfläche mit dem Kopfe 
nahezu in derselben Wölbung liegt, von den Verwandten besonders abweichend. 
0. signatipennis ist von Schönherr (Synon. insect.. Vol. II, p. 597) daher dadurch 
sehr kenntlich beschrieben, indem er sagt: „ovatus, rostrum capite paulo 
longius (cT) et paulo angustius, crassum, angulatum."' 

0. aureolus Schönh. ist wohl als signatipennis 9 richtig gedeutet, ebenso 
wie 0. confusus Schönh. und 0. illyricus Stierl., dessen Besehreibung (Revis. d. 
europ. Otiorrh., S. 204, 205) vollkommen auf das 9 0. signatipennis passt. 

0. eusomioides Stierl. (1. c), von dem mir die Typen aus der Sammlung 
des k. k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien durch die Gefälligkeit des Herrn 
Custos Gangibauer, der selbe am Nanos in Krain sammelte, vorliegen, unter- 
scheidet sich von 0. signatipennis 9 nur dadurch, dass die rundlichen Schuppen 
vorwiegen. Nachdem aber gerade bei 0. signatipennis die Form der Schuppen 
sehr variabel ist und 0. eusomioides durch den runzelig gekörnten Halsschild und 
den Bau des Kopfes und Rüssels mit signatipennis 9 vollkommen übereinstimmt, 
so muss er mit diesem vereinigt werden. Sämmtliche mir vorliegenden 0. 
eusomioides sind 9- 

Stierlin stellte (1. c.) den 0. eusomioides — obwohl er ausdrücklich 
sowohl in der Diagnose als auch in der deutschen Beschreibung die „ungezähnten 
Schenkel" zweimal erwähnt — in die pupillatus-Gvw^\)Q{\) (Schenkel gezähnt), 
mit der er in gar keine Verwandtschaft zu bringen ist, da er sich schon durch 
den Kopfbau von dieser Gruppe weit entfernt. 

0. signatipennis hat eine ziemlich weite Verbreitung. Er ist besonders 
häufig in Croatien, sowohl auf Laub- wie Nadelholz, und geht in Bosnien und 
der Herzegowina bis an die Baumgrenze (Trebevic-Gebirge bei Serajewo, 1650 m; 

48* 



372 



V. Apfelbeck. 



bei Liviio [West-Bosnien], Krugalpe, 1700 m; Baba-planina bei Gacko, Herzegowimi, 
in ca. 1700 m). 

Die herzegowiniscben Exemplare sind lebhafter metallisch beschuppt. 

II. OtiorrJiynchus duinensis Germar. 

Diese Art ist von den beiden anderen, sehr ähnlichen Arten durch den 
breiteren, seitlich stärker ausgebauchten Halsschild, die längeren, dickeren, auch 
oberseits deutlichen Borsten der Flügeldecken und die gestreckteren Flügeldecken 
sicher zu unterscheiden. Von 0. signatipennis weicht duinensis auch noch 
durch längeren, allmälig verschmälerten Eüssel, etwas mehr vorstehende Augen 
und dünnere Fühler, besonders dünneren, etwas längeren und weniger gebogenen 
Schaft ab. 

0. duinensis ist von Duino an der istrianischen Küste beschrieben. Mir 
liegen nur Exemplare von der Meeresküste bei Pola (ex coli. Jos. Kaufmann, 
Wien) vor, die auf die Beschreibung Ger mar 's vollkommen passen. 0. duinensis 
ist jedenfalls als eine littorale Form zu betrachten und vielleicht mediterrane 
Rasse des 0. signatipennis. 

Uebergänge finden sich unter den mir vorliegenden, sehr reichhaltigen 
signatipennis-M^iteYhle aus Krain, Croatien, Bosnien und der Herzegowina nicht 
vor, und so bin ich geneigt, den 0. duinensis als selbstständige Art zu betrachten. 

III. Otiorrhynchus stenorostris noT. spec. 

Ovatus, rostro hasi eapite posteriore evidenter angustiore, capite dimidio 
longiore, apicem versus sensim valde angustato; prothorace subtiliter granulato, 
lateribus parum dilatato, longitudine paulo latiore; elytris brevibus, ovalibus, 
profunde striato-punctatis, squmnulis metallescentibus obsitis, interstitiis sub- 
convexis, setulis piliformibus subtilissimis apicem versus seriatim instructis. 
femoribus posticis angulatim valde dilatatis. 

9 rostro breviore latioreque, apicem versus minus angustato; elytris 
latioribus. Long. 5'5—8 mm, lat. 2'2 — 3 5 mm. 

0. stenorostris ist dem 0. signatipennis sehr ähnlich und bisher mit 
diesem zusammengefasst worden. 

Er unterscheidet sich von 0. signatipennis hauptsächlich durch den Rüssel- 
bau und die durchschnittlich geringere Grösse. 

Der Rüssel ist bei 0. stenorostris schmal, an der Basis bedeutend schmäler 
als der Hinterkopf, zur Spitze allmälig und stark verengt, während der 
Rüssel bei 0. signatipennis kurz, breit — an der Basis fast so breit als der 
Hinterkopf — und erst kurz vor den Pterygien plötzlich verengt ist. 

Die Fühler sind bei 0. stenorostris ^ bedeutend schlanker als bei 0. 
signatipennis cT; die Augen bei jenem deutlich gewölbt. 

Von 0. duinensis weicht 0. stenorostris hauptsächlich durch kürzere Flügel- 
decken, schmäleren Halsschild und die subtilen, mehr haarförmigen Börstchen 
der Flügeldecken ab. 

0. stenorostris ist anscheinend ziemlich weit verbreitet. Mir liegt ein 
grosses Material dieser Art vor, u. zw. aus Krain (Gottschee, Gangibauer), 
Croatien (Fuzine, Ludbreg), Nord-Bosnien (Dervent, Museum Senijewo). 



Zur Keuutniss iler Vciw;incltscluift!<j,Muppe des Otiorrlujndms signatipennis Scliönh 



Diese Art scheint vorzugsweise in niedrigeren Lagen auf Laubholz zu leben. 

Die Krainer und auch croatischen Exemplare sind vorwiegend lebhaft 
metallisch, die bosnischen matter, vorwiegend braun beschuppt und etwas deutlicher 
beborstet. 

Zur leichteren Unterscheidung der mit 0. signatipennis verwandten 
Arten ^) mögen die folgenden Kopf-, bezw. Rüsseltypen dienen: 




ot. signatipennis. cf. Ot. duinensis. (J. Ot. stenorostris Apfelb. 



Es lassen sich diese drei Arten folgendermassen leicht unterscheiden: 

1 Flügeldecken mit deutlichen Borstenreihen, die Borsten viel länger und 
dicker, nicht haarförmig; Halsschild breiter, seitlich stärker ausgebaucht. 

duinensis. 

— Flügeldecken undeutlich beborstet, die Borsten viel dünner und kürzer, mehr 
haarförmig und meist nur gegen die Spitze der Flügeldecken deutlich; Hals- 
schild bedeutend schmäler, seitlich sehr wenig ausgebaucht 2 

2 Rüssel schmal, an der Basis bedeutend schmäler als der Hinterkopf, zur 
Spitze allmälig und stark verengt; Augen deutlich gewölbt; Fühler ge- 
streckter, dünner, das zweite Geisselglied doppelt so lang als das erste. 

stenorostris. 

— Rüssel breit, an der Basis sehr wenig schmäler als der Hinterkopf, zur 
Spitze anfangs kaum, vor den Pterygien plötzlich ausgeschweift verengt; 
Augen vollkommen abgeflacht; Fühler dicker, gedrungener, das zweite Geissel- 
glied nur um die Hälfte länger als das erste . . . . signatipennis 



') Ot. Milleri Stierl. und seductor Stierl. gehören nicht in die signatipenni.s-Gn\T^^e, da sie 
nach Stierlin „gezähnte Schenkel" haben. Ot. Heinzeli Eeit, ist sowohl habituell als infolge des 
Baues seiner Schienen etc. in der Untergattung Crypliiplwrus bei ctiprifer Stierl. unterzubringen. 
Ot. inductus Gyllh. (Schönherr, Syn. ins., Tom. VII, p. 139) bin ich nicht im Stande, sicher 
zu deuten. 



374 



Die Verbreitung der Batrachier auf der Erde. 

Von 

Prof. Dr. J. Palacky. 

(Eingelaufen am 6. Mai 1898.) 

Die Verbreitung der Batrachier auf der Erde zeigt manche Eigenthümlich- 
keit. Insbesondere gibt es weder arktische, noch antarktische Frösche. Es mag 
jetzt ca. 1000 Arten Frösche geben, von denen fast die Hälfte Amerika, mehr als 
ein Viertel Asien, über ein Sechstel Afrika, aber höchstens 16 Species Europa 
angehören. Sclater gab einst (1858) seiner paläarktischen Region 15 Species, 
der nearktischen 20; aber Canada hat bei Cope nur 9 Species, bei Boul enger 
11. Madagascar aber z. B. hat schon heute 57 Species und zwei fast endemische 
Familien: die Dyscophiden (grösstentheils, bis auf eine Species in Pegu) und die 
sonst amerikanischen Dendrobatiden (Mantella). Ja selbst Celebes hat 21 Species, 
darunter 8 endemische! Nur die Discoglossiden könnten als paläarktische Familie 
gelten, wäre nicht Liopelma lioclistetteri auf Neuseeland — eine an die Hatteria 
erinnernde Erscheinung. 

Die Hauptmasse der Arten ist tropisch, hat ja Südamerika mehr als ein 
Viertel aller Arten (jetzt ca. 295). Cope z. B. zählte in Brasilien allein 80 Hy- 
liden und 67 Cystignathiden. Boulenger hatte allein im britischen Indien 
125 Species! Mexiko bei Cope 135, soviel fast, als Boulenger im Cat, B. B. M. 
für ganz Afrika angibt. 

Die drei beinahe kosmopolitischen Gattungen JRana, Bufo und Hyla haben 
zusammen über 400 Arten (ca. 160, 100, 150). Hyla fehlt der äthiopischen Region 
und Bufo in Australien. Sonst sind alle Gattungen (120) normal verbreitet, d. h. 
neotropisch, paläotropisch, indisch, afrikanisch oder local (Neu-Guinea G, Mada- 
gascar 12); bis auf das Genus Nectofryne (4 Species [endemisch] auf Borneo, 1 in 
Malabar) mit 1 Species in Kamerun {afra Peters) und BJiacoforus (s. w.), endlich 
Calofrynus und Phrynomantis (s. w.). Nicht tropisch sind ausser den Disco- 
glossiden (3 G., 6 Sp., ausser Liopelma) nur Pelohates (3) und Pelodytes (2); 
so könnte man Scaphiopus nicht einbeziehen, da er 4 Species in Mexiko hat. 

Die südlichsten Formen sind in Chile, Patagonien und Tasmanien (7, bei 
Krefft 4), aber australische Species Hyla, Crinia, Limnodynastes, Pseudofryne, 
bis auf zwei endemische Crinien (Tasmaniensis und levis). Auch die chilenischen 
Frösche sind meist Cystignathiden; das früher zahlreichere Genus Borhorocoetes 
hat Werner auf 2 Species reducirt. Fast kein antarktischeres Genus ist en- 
demisch, denn Hylorhina und Bhmoderma sind doch keine antarktischeren 
Formen, wie z. B. Paludicola bufonia = Leiuperus salarius (Pt. Desire). 

Nördlich der Alpen gibt es bekanntlich keine endemische Form, und auch 
in Nordamerika scheinen sie im Norden zu fehlen, bis auf Chlorofilus septen- 
trionalis am grossen Bärensee (? Ch. maculatus Agassiz [Hylodes] am Oberen See). 



Die VerbroituDg der Hatracliier auf der Erde. 



375 



Cope hat 2 in Alaska (Dali noch keine): Hana cantdbrigensis und Ilyla 
regilla (bei Boulenger erst in Oregon). In Labrador scheinen sie bis auf .Bw/b 
lentiginosus zu fehlen, an der Hudsonbay (Jamesbay) ist liana palustris und 
cantabrigensis, am Grossen Bärensee 3. 

In Norwegen geht Rana temporaria bis zum Nordcap (71°) und in die 
Zwergbirkenregion, arvalis nur bis 59", Bufo vulgaris bis 66° n. Br. (Co lieft). 

Das auffälligste Factum in der Verbreitung der Frösche bleibt immer die 
der Cystignathiden in Amerika und Australien, so dass von den 26 Genera 6, von 
den ca. 190 Species (nach Werner weniger durch Reduction der Borhorocoetes- 
Arten) ca. 25 Australien angehören, bis Neu-Guinea (monotyp-endemisch, Genyo- 
fryne Thomsoni Blgr.), Erromango (der australisch-tasmanische Limnodynastes 
2)eronii), Tasmanien (4), Houtmans Abrolhos-Inseln (2). Es erinnert dies an die 
Iguaniden der Viti-Insel und Madagascars, aber die Migrationstheorie bleibt hier 
rathlos. Die Horne-Expedition fand 3 in Central -Australien! Leider fehlen ent- 
sprechende fossile Formen, wie es denn überhaupt wenig fossile Frösche gibt. 
Z Ittel hat 35, incl. PalaeohatracJms (10) europäisch bis auf 2, Lydekker 
14 Species in Allem. Was lässt sich auf solche Ziffern bauen! 

Aehnlich sind auch die Hyliden verbreitet, meist amerikanisch und austra- 
lisch; 8 in Neu-Guinea. 

Von den 14 Familien sind local Dactylethra (4 tropisch-afrikanisch), Pipa 
(neotropisch, monotyp), die Hemifractiden (3 G., 8 Sp. neotropisch), Ämfignatho- 
(lon (Ecuador; ? Grypiscus aus Brasilien), die Dendrofrynisciden (2 G., 3 Sp. neo- 
tropisch). Die Dendrobatiden haben 7 Sp. neotropisch, 6 (2 G.) madagassisch, die 
Dyscophiden 5 G., 9 Sp. madagassisch, 1 monotyp ( Caluela guttulata) in Pegu. 
Die Discoglossiden (3 G., 4 Sp.) wurden schon erwähnt. Die Pelobatiden (8 G., 
18 Sp.), die schon im rheinischen Miocän lebten (Pelohates decheni), sind von 
Californien (2), Mexiko (4), den südlichen Union-Staaten, Mitteleuropa, dem Cau- 
casus (Pelodytes c), Syrien und Palästina (Pelohates syriacus) his Indien, Ceylon, 
Sumatra, Java und Neu-Guinea {Ranaster convexiusculus Ramsay) verbreitet. 

Von den verbleibenden fünf grossen Familien sind 

I. die Eaniden kosmopolitisch (bis auf Südamerika und Neuseeland). 
Cope zählte III paläotropische (95 afrikanische), 16 neotropische, 13 nearktische, 
11 paläarktische und 4 oceanische Species. Jetzt hat z. B. Afrika 106, Mada- 
gascar 34, Amerika 26, Europa 8—10 (mit dem Caucasus), Indomalaisien über 80 
und Papuasien 103, im Ganzen über 300 Sp. (327). 

Die grössere Hälfte bildet, wie gesagt, das kosmopolitische Genus Rana 
(160); die übrigen Genera sind afrikanisch: Ghiromantis (3), Phrynobatradms {4), 
Arthroleptis (9), Rappia {HyperoUus, 24), Megalixalus (8), Cassina (2), Hylam- 
hates (18), oder indo-malaiisch: Oxyglossus (3, schon fossil in Indien), Cerato- 
hatrachus (monotyp, Salomons-Inseln), Ixalus (35), Nyctibatrachus (2), Nanno- 
hatrachus (1), Nannofrys (2), Chirixalus (1), Nyctixalus (1), Cornufer (11, bis 
zu den Viti-Inseln), Phrynoderma (1, Hinterindien), Batrachylodes (Salomons- 
Inseln). Nur Rhacoforus (63) ist in Afrika und Indien von Japan bis Mada- 
gascar (18) und Celebes verbreitet. 



376 



.T. Palacky. 



Neotropisch sind vier kleine Genera (mit 7 Sp.) : Hylixalus, Prostherapis 
(2), Phyllodromus, Colostethus in Ecuador, 1 Sp. auch in Gujana, 2 in Boli- 
vien und 1 in Columbien. 

Von den fünf fossilen Genera, die hierher gezogen werden, ist Ranavus 
aus dem Miocän von Sinigaglia der bekannteste. 

Der Zuwachs an neuen Gattungen seit dem Katalog Boulenger 's ist hier 
am bedeutendsten: Oreobatrachus (Borneo), Mantidactylus (16 madagassische 
jRana) etc. 

II. Die Engystomatiden (ca. 24 G., 70 Sp.) haben eine ungewöhnliche 
Menge von Monotypen (13) und sind amfitropisch — 26 Speeles neotropisch, 
24 indisch, 11 afrikanisch — von Kordofan, China und Neu-Orleans bis Argen- 
tinien, Südchile, zum Cap der guten Hoffnung, Madagasear. Anomal scheinen 
Phrynella (Peru 1, Sumatra 1), Phrynomantes (2 afrikanisch, 1 in Amboina und 
Batanta), endlich Calofrynus (Madagasear 2, Samoa 1, Birma 1, Borneo). Neu- 
Guinea hat 6 (2 monotype endemische Genera: Xenohatrachus und Xenorhina). 
Es sind seit Boulenger 's Katalog neue Genera zugewachsen: Cacosternum 
(Kaffernland), Phrynella (Malaisien) und Chaperina (Borneo). 

III. Die Cystignathiden (26 G., ca. 160 Sp.) hatten bei Cope 67 Sp. 
in Brasilien, 24 in Patagonien, 12 auf den Antillen, 32 in Mexiko, 3 in den Union- 
Staaten. Von den australischen Arten war schon die Rede. Das grösste (neo- 
tropische) Genus Hylodes (ca. 60 Sp.) reicht von Florida (ricardii), Mexiko (4) 
bis Patagonien und Magellanien, Paludicola marmorata in den Anden von Peru 
bis 16.000 Fuss Höhe, s. w. Sie waren schon in den Höhlen von Brasilien fossil 
(Lund), Auch hier sind neue Genera (Hylonomus,